Kapitel 2

Immer beten

Lehren der Präsidenten der Kirche: Ezra Taft Benson


Ich lege demütig jedem ans Herz, durch das Gebet eng mit unserem Vater im Himmel verbunden zu bleiben.

Aus dem Leben von Ezra Taft Benson

In meinem ganzen Leben war mir der Rat, mich auf das Gebet zu verlassen, der wichtigste von allen“, so die Worte von Präsident Ezra Taft Benson. „Das Beten ist ein Bestandteil meines Lebens, der nicht mehr wegzudenken ist, es ist ein Anker, eine beständige Quelle der Kraft und die Grundlage meiner Kenntnis des Göttlichen geworden.

Mein Vater riet mir als Junge immer: ‚Denke stets daran: Was du auch tust oder wo du auch bist – du bist niemals allein. Unser himmlischer Vater ist immer nah. Du kannst dich im Gebet an ihn wenden und seine Hilfe erhalten.‘ Ich habe festgestellt, dass dieser Rat wahr ist. Mit Gottes Hilfe können wir unsichtbare Mächte in Anspruch nehmen, ohne die niemand sein Bestes zu geben vermag.“1

An diesen Rat hielt sich Präsident Benson in allen Lebenslagen. Als er zum Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten ernannt wurde, wählte er „gebeterfüllt und umsichtig“ einige Männer als seine Mitarbeiter aus. Dabei „bat er Gott um die Gabe des Erkennens“2. Bei der ersten Sitzung fragte er, „ob jemand etwas dagegen hätte, die Sitzungen mit einem Gebet zu beginnen. Niemand sprach sich dagegen aus. Somit entstand ein Brauch, den er acht Jahre lang fortführte. Er bat die Mitarbeiter, sich mit dem Anfangsgebet abzuwechseln.“3 Seine Mitarbeiter lernten diesen Brauch schätzen, auch wenn es anfangs vielleicht befremdlich wirkte. Ein Mitarbeiter räumte später ein, dass einige von ihnen seit ihrer Kinderzeit nicht mehr laut gebetet hatten. „Wir wussten nicht, was wir sagen sollten und wie wir es sagen sollten“, berichtete er. „Aber der Chef [Präsident Benson] ließ sich nie anmerken, dass er das mitbekam. Nach einigen Versuchen waren wir ganz gelassen. Hat es geholfen? Nun, ich denke, wenn man auf diese Art und Weise eine Sitzung beginnt, ist man nicht so überheblich, nur auf seine eigene Meinung zu beharren. Man kommt recht schnell auf einen Nenner, was in einer bestimmten Situation die richtige Vorgehensweise ist.“4

Präsident Bensons Amtsbrüder in der Ersten Präsidentschaft und im Kollegium der Zwölf Apostel profitierten ebenfalls von seiner gebeterfüllten Art. Präsident Gordon B. Hinckley, Präsident Bensons Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, hat gesagt:

„Ich habe mit ihm zusammen gekniet und ihn beten hören.

Seine Gebete waren immer interessant. Fast ohne Ausnahme bestanden sie zum größten Teil aus Danksagungen. Er bat nur um sehr wenig. Jedoch brachte er seinen Dank für sehr vieles zum Ausdruck.

Er dankte dem Herrn für das Leben, für die Familie, für das Evangelium, für den Glauben, für den Sonnenschein und den Regen, für die Schönheit der Natur und das Verlangen nach Freiheit, das den Menschen innewohnt. Er dankte dem Herrn für Freunde und Mitarbeiter. Er brachte seine Liebe zum Erlöser und seine Dankbarkeit für das Sühnopfer zum Ausdruck. Er dankte dem Herrn dafür, den Menschen dienen zu können.“5

Präsident Benson und seine Frau, Flora, schufen ein Zuhause, wo jeder betete – für sich allein und gemeinsam. Ihr Sohn Mark beobachtete: „Wenn sich mein Vater zum Gebet niederkniete, dann hatte er es nicht eilig. Hinter seinen Worten steckte immer ein tieferer Sinn. Es war offensichtlich, dass er sich wirklich mit unserem Vater im Himmel unterhielt.“6 Präsident Benson und seine Frau brachten den Kindern bei, sowohl um Führung und Kraft als auch füreinander zu beten. Eine Freundin der Familie beobachtete einmal, was für einen Einfluss diese Lehren hatten, als sie mit der Familie Benson eine Versammlung der Generalkonferenz besuchte. Sie schrieb:

„An einem Tag im April … entdeckte ich eine der Quellen, aus denen eine Generalautorität Kraft zieht.

Ich saß zwischen den sechs Kindern Ezra Taft Bensons, von denen ich mit einem mein Zimmer auf dem College teilte. Mein Interesse wuchs, als sich Präsident [David O.] McKay erhob und den nächsten Sprecher ankündigte. Voller Hochachtung verfolgte ich, wie Elder Benson, den ich bis dahin noch nicht getroffen hatte, zum Mikrofon schritt. Er war ein großer Mann, bestimmt über 1,85 Meter. Er war … im In- und Ausland als Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten bekannt und ein besonderer Zeuge des Herrn, ein Mann, der einen gelassenen und sicheren Eindruck machte und bereits zu Menschen auf der ganzen Welt gesprochen hatte. Plötzlich berührte jemand meinen Arm. Ein kleines Mädchen beugte sich zu mir herüber und flüsterte eilig: ,Bete für Papa.‘

Ich war verunsichert und dachte: ,Alle geben diese Botschaft weiter, also muss ich sie auch weitergeben. Soll ich sagen: „Bete für Elder Benson?“ Soll ich sagen: „Du solltest ein Gebet für deinen Vater sprechen“? Ich spürte, dass ich sofort handeln musste, daher beugte ich mich zur Seite und flüsterte einfach: ,Bete für Papa.‘

Ich sah, wie das Flüstern die Sitzreihe weiter entlangwanderte und Schwester Benson erreichte, die ihren Kopf bereits geneigt hatte. …

Viele Jahre und Generalkonferenzen sind seitdem vergangen, aber immer, wenn Präsident Benson eine Ansprache gehalten hat, kam mir der Gedanke: ,Seine Kinder, die inzwischen in verschiedenen Teilen des Landes leben, sind jetzt im Gebet für ihren Vater vereint.‘“7

„Wenn wir heiliger werden wollen – mehr Gefallen bei Gott finden wollen –, kann nichts das Gebet ersetzen.“

Lehren von Ezra Taft Benson

1

Jesus Christus hat gelehrt, dass wir immer beten sollen

Während seines geistlichen Wirkens auf der Erde hat uns Jesus gezeigt, wie wir beten sollen:

„So sollt ihr beten: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser täglich Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ (Matthäus 6:9-13.)

Auch lehrte er, „dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten“ (Lukas 18:1).

„Wacht und betet“, so sprach er, „damit ihr nicht in Versuchung geratet.“ (Matthäus 26:41.)

In dieser Evangeliumszeit hat er uns ermahnt: „Betet immer, damit jener Schlechte nicht Macht in euch habe und euch von eurem Platz entferne.“ (LuB 93:49.)

Der Heiland verkündete gegenüber Joseph Smith: „In nichts beleidigt der Mensch Gott, oder gegen niemanden entflammt sein Grimm, ausgenommen diejenigen, die nicht seine Hand in allem anerkennen und nicht seinen Geboten gehorchen.“ (LuB 59:21.)

Als der Herr den Nephiten im alten Amerika geistlich diente, gab er uns diese Anweisung: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr müßt immer wachen und beten, damit ihr nicht vom Teufel versucht werdet und ihr von ihm gefangen weggeführt werdet. …

Ihr müsst immer wachen und beten, damit ihr nicht in Versuchung geratet; denn der Satan verlangt nach euch, dass er euch siebe wie Weizen.

Darum müsst ihr immer in meinem Namen zum Vater beten;

und alles, was ihr den Vater in meinem Namen bittet, sofern es recht ist und ihr glaubt, dass ihr empfangen werdet, siehe, das wird euch gegeben werden.“ (3 Nephi 18:15,18-20.)8

Wenn wir heiliger werden wollen – mehr Gefallen bei Gott finden wollen –, kann nichts das Gebet ersetzen. Ich bitte Sie also inständig, räumen Sie dem Beten – dem täglichen Beten, dem stillen Gebet – einen ganz wichtigen Platz ein. Lassen Sie keinen Tag vergehen, ohne zu beten. Die Verbindung zum Allmächtigen ist seit jeher für die Männer und Frauen, die das Geschick von Menschen und Völkern zum Guten gestaltet haben, eine Quelle der Kraft, der Inspiration und Erkenntnis.9

2

Familien, die zusammen beten, werden mit stärkeren Banden der Liebe und mit dem Frieden des Himmels gesegnet

Der Herr macht deutlich, dass es die Aufgabe der Eltern ist, ihren Kindern das Beten beizubringen [siehe LuB 68:28]. Dabei geht es nicht nur um das persönliche Gebet. Ich bin mir sicher, dass es darum geht, durch das Familiengebet ein Vorbild zu sein. Wir brauchen den heiligenden Einfluss, der durch Hingabe in der Familie zustande kommt – durch das Familiengebet.10

Wir müssen uns als Familie im Gebet hinknien, morgens und abends. Es ist nicht genug, neben dem Dank für das Essen nur einige beiläufige Worte hinzuzufügen, wie es bei einigen schon üblich ist. Wir müssen uns hinknien und voller Dankbarkeit beten.11

Das Gebet war und ist ein beständiger Anker der Stärke und ist richtungsweisend für unser Familienleben. Ich erinnere mich daran, am Bett meiner kleinen Kinder zu knien und mit ihnen das Beten zu üben, auch als sie noch klein waren. Später haben dann die älteren Geschwister den Jüngeren geholfen. Wir haben jeden Abend und jeden Morgen das Familiengebet gesprochen, auch die Kleinen. Und wir sind zum Gebet zusammengekommen, um bestimmte Herausforderungen anzugehen. Wir haben zum Beispiel für unsere Kinder gebetet, die eine Aufgabe [in der Kirche] hatten. … Wir haben um Unterstützung gebeten, wenn eines der Kinder eine schwere Arbeit in der Schule hatte. Insbesondere beteten wir auch für diejenigen von uns, die unterwegs waren. … Da manche Angelegenheiten im Familiengebet besondere Erwähnung fanden, erhielten diejenigen von uns, die Schwierigkeiten zu bewältigen oder bestimmte Aufgaben hatten, Mut, Zuversicht und Kraft.12

„Wir brauchen den heiligenden Einfluss, der … durch das Familiengebet [zustande kommt].“

Die alltäglichen Differenzen und Ärgernisse schmelzen dahin, wenn sich die Familie vereint dem Himmelsthron zuwendet. Die Einigkeit nimmt zu, die Bande der Liebe und Zuneigung werden stärker und himmlischer Friede kehrt ein.

In einem solchen Zuhause spricht jedes Familienmitglied morgens und abends sein persönliches Gebet. Nachdem man den Segen des Himmels erfleht hat, geht man Probleme, die einen selbst oder die Familie betreffen, mutig an. Junge Leute, die sich mit ihrer Familie auf Geistiges besinnen, befreien ihr Herz von schlechten Absichten, bevor sie abends ausgehen. Diese [jungen Leute] sind dann der zügelnde Einfluss der Gruppe, wenn verlockende Versuchungen auftauchen. Eltern, die dafür sorgen, dass ihre Kinder durch das tägliche Gebet geläutert werden, tragen zum Schutz der … Familie bei.13

3

Wir können unsere Kommunikation mit dem Vater im Himmel verbessern

Ich habe fünf Vorschläge, wie man die Kommunikation mit dem Vater im Himmel verbessern kann:

1. Beten wir häufig. Am besten führen wir mindestens zwei- bis dreimal am Tag ein Zwiegespräch mit dem Vater im Himmel – „sowohl morgens als auch mittags und abends“, wie es in der Schriftstelle heißt (Alma 34:21). Darüber hinaus wird uns gesagt, dass wir immer beten sollen (siehe 2 Nephi 32:9; LuB 88:126). Das bedeutet, dass wir unser Herz beständig und voller Dank im Gebet zu unserem himmlischen Vater ausschütten sollen (siehe Alma 34:27).

2. Wir brauchen eine Rückzugsmöglichkeit, wo wir in uns gehen und beten können. Uns wird ans Herz gelegt, dass dies „in [unseren] Kammern und an [unseren] verborgenen Plätzen und in [unserer] Wildnis“ geschehen soll (Alma 34:26). Es muss also ein Ort sein, wo wir für uns allein sind und nicht abgelenkt werden (siehe 3 Nephi 13:5,6).

3. Wir müssen uns auf das Beten vorbereiten. Wenn uns nicht nach Beten zumute ist, sollten wir so lange beten, bis uns danach ist. Wir müssen demütig sein (siehe LuB 112:10). Wir sollen um Vergebung und Gnade beten (siehe Alma 34:17,18). Wir müssen jedermann vergeben, für den wir schlechte Gefühle hegen (siehe Markus 11:25). Auch warnen uns die heiligen Schriften davor, dass unsere Gebete vergebens sind, wenn wir „die Bedürftigen und die Nackten [abweisen] und nicht die Kranken und Bedrängten [besuchen] und [nicht] von [unserer] Habe [teilen]“ (Alma 34:28).

4. Gestalten wir unsere Gebete aussagekräftig und zielgerichtet. Vermeiden wir es doch, beim Beten immer wieder die gleichen Worthülsen zu gebrauchen. Jeder von uns wäre wohl etwas irritiert, wenn uns ein Freund jeden Tag dieselben Worte vorkaute, die Unterhaltung als Last empfände und kaum deren Ende abwarten könnte, nur um sich wieder vor den Fernseher zu setzen und uns zu vergessen. …

Wofür sollen wir beten? Wir sollen für unsere Arbeit, gegen die Macht unserer Feinde und die des Teufels, für unser Wohlergehen und das Wohlergehen unserer Mitmenschen beten. Wir sollen uns mit dem Herrn in allem, was wir tun, und bei all unseren Entscheidungen beraten (siehe Alma 37:36,37). Wir sollen für alles dankbar sein, was wir haben (siehe LuB 59:21). Wir sollen seine Hand in allem anerkennen. Undankbarkeit gehört zu unseren schwersten Sünden.

Der Herr hat in neuzeitlicher Offenbarung verkündet: „Und wer alles mit Dankbarkeit empfängt, der wird herrlich gemacht werden; und die Dinge dieser Erde werden ihm hinzugefügt werden, selbst hundertfältig, ja, mehr.“ (LuB 78:19.)

Wir sollen um das bitten, was wir brauchen, und nicht um etwas bitten, was zu unserem Nachteil wäre (siehe Jakobus 4:3). Wir sollen um Kraft bitten, damit wir unsere Probleme überwinden können (siehe Alma 31:31-33). Wir sollen für das Wohlergehen des Präsidenten der Kirche, der Generalautoritäten, unseres Pfahlpräsidenten, unseres Bischofs, unseres Kollegiumspräsidenten, unserer Heimlehrer, unserer Familie und unserer Politiker beten und darum, dass sie inspiriert werden mögen. Man kann noch für so vieles mehr beten, doch mithilfe des Heiligen Geistes werden wir wissen, wofür wir beten sollen (siehe Römer 8:26,27).

5. Wenn wir im Gebet etwas erbitten, müssen wir auch mithelfen, dass die Bitte erfüllt werden kann. Wir müssen zuhören. Vielleicht möchte der Herr uns einen Rat geben, während wir noch vor ihm knien.14

4

Gott denkt an uns und ist bereit, uns auf unsere Gebete Antwort zu geben, wenn wir unser Vertrauen in ihn setzen und das Rechte tun

Im Gebet liegt Macht. Alles kann durch das Gebet zustande gebracht werden. Dank eines Gebets öffneten sich die Himmel dieser Evangeliumszeit. Das Gebet eines 14-jährigen Jungen im heiligen Hain leitete eine neue Evangeliumszeit ein, der Vater und der Sohn erschienen dem jungen Joseph als verherrlichte, himmlische Wesen in einer Vision [siehe Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:11-17].15

Ich bezeuge, meine Brüder und Schwestern und Freunde, dass Gott Gebete hört und erhört. Das habe ich noch nie bezweifelt. Von Kindesbeinen an, seit ich am Rockzipfel meiner Mutter hing und beten lernte, ob als Jugendlicher, als Missionar in fremden Ländern, als Vater, als Führer der Kirche oder als Regierungsvertreter – ich weiß zweifelsfrei, dass Männer und Frauen demütig und gebeterfüllt die unsichtbaren Mächte des Himmels nutzen können und dass Gebete erhört werden. Der Mensch ist nicht allein, zumindest muss er nicht allein sein. Das Gebet öffnet Türen, reißt Grenzen ein, mindert Druck und gibt inneren Frieden und Zuversicht in anstrengenden, belastenden und schwierigen Zeiten. Gott sei gedankt für das Gebet.16

Auch in Stunden der Prüfung und der Angst kann man dem Herrn nah sein, seinen Einfluss und seine stärkende Kraft verspüren – man ist niemals allein, wenn man sich nur vor dem Allmächtigen demütigt. Ich bin dankbar für dieses Zeugnis, für diese Gewissheit.17

Aus eigener Erfahrung kenne ich die Wirksamkeit und die Macht des Betens. …

1946 beauftragte mich Präsident George Albert Smith, ins kriegszerrüttete Europa zu reisen und unsere Missionen von Norwegen bis hin nach Südafrika wiederaufzubauen und ein Programm ins Leben zu rufen, um Hilfsgüter zu verteilen.

Wir richteten unser Hauptquartier in London ein. Dann trafen wir Vorabvereinbarungen mit dem Militär auf dem Festland. Einer der ersten, den ich treffen wollte, war der Kommandeur der US-amerikanischen Streitkräfte in Europa. Er war in Frankfurt stationiert.

Als wir dort ankamen, wollten mein Mitarbeiter und ich mit dem General einen Termin ausmachen. Der zuständige Offizier sagte nur: „Meine Herren, der General ist in den nächsten drei Tagen keinesfalls zu sprechen. Er ist schwer beschäftigt und sein Terminkalender ist voll bis oben hin.“

Ich sagte: „Es ist äußerst wichtig, dass wir mit ihm sprechen. Wir können nicht so lange warten, denn wir werden morgen in Berlin erwartet.“

Er sagte: „Ich bedaure.“

Wir verließen das Gebäude, gingen zu unserem Auto, setzten den Hut ab und beteten gemeinsam. Danach gingen wir zurück und fanden einen anderen Offizier am Empfangstisch vor. In weniger als einer Viertelstunde waren wir beim General. Wir hatten darum gebetet, dass wir ihn sehen und sein Herz erreichen könnten. Wir wussten, dass jedwede Hilfslieferung ans Militär gehen musste, von wo es weiter verteilt wurde. Unser Ziel, wie wir es dem General erklärt hatten, war es, unsere Hilfsgüter selber und an unsere Leute zu verteilen. Auch hatten wir die Absicht, zur allgemeinen Nahrungsmittelspende für Kinder beizutragen.

Wir zeigten ihm, wie das Wohlfahrtsprogramm funktionierte. Schließlich sage er: „Also gut, meine Herren, machen Sie weiter und tragen Sie Ihre Hilfsgüter zusammen. Und bis Sie damit fertig sind, hat man diese Anweisung vielleicht schon geändert.“ Wir entgegneten: „General, unsere Hilfsgüter sind schon zusammengestellt; wir haben immer welche auf Lager. Sobald wir der Ersten Präsidentschaft der Kirche ein Telegramm schicken, werden innerhalb von 24 Stunden Wagenladungen voll von Hilfsgütern auf den Weg nach Deutschland gebracht. Wir haben viele Warenhäuser voller Bedarfsartikel und Nahrungsmittel.“

Da sagte er: „Ich habe noch nie von Leuten gehört, die so vorausschauend sind.“ Sein Herz war angerührt worden, wie wir es von Gott erbeten hatten. Bevor wir sein Büro verließen, hatten wir eine schriftliche Bestätigung, dass wir unsere Hilfsgüter über unsere Kanäle an unsere Leute verteilen durften.

Elder Ezra Taft Benson und seine Mitarbeiter beteten um Führung, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg Hilfslieferungen für Europa organisierten.

Dass Gott an uns denkt und bereit ist, uns auf unsere Gebete Antwort zu geben, wenn wir ihm vertrauen und das tun, was recht ist, macht die Seele zufrieden. Männer und Frauen, die ihr Vertrauen in den Allmächtigen setzen und nicht zögern, sich zu demütigen, indem sie im Gebet göttliche Führung erflehen, brauchen sich nicht zu fürchten. Welchen Schikanen wir auch ausgesetzt sind und welche Rückschläge wir auch erleiden – aus dem Gebet können wir Zuversicht ziehen, denn Gott wird der Seele Frieden schenken. Dieser Friede, diese Gelassenheit, ist der größte Segen im Leben.

Als Junge, der das Aaronische Priestertum trug, habe ich dieses kurze Gedicht über das Beten gelernt. Ich habe es stets im Gedächtnis behalten:

Wie Gott es macht, das weiß ich nicht –

er hört, wenn ein Gebet man spricht.

Gegeben hat er uns sein Wort,

das Beten hört er immerfort.

Drum bet ich ruhig und geduldig,

die Antwort bleibt er uns nicht schuldig.

Der Vater weiß, was mir gebricht,

drum glaub ich und verzage nicht.

Vertraue immer auf den Herrn,

versink in seiner Güte gern.

Ich weiß – er hilft mir gern und oft,

vielleicht noch mehr, als ich erhofft.

… Ich bezeuge Ihnen, meine lieben Brüder und Schwestern, dass Gott lebt. Er ist nicht tot. … Ich bezeuge, dass es im Himmel einen Gott gibt, der Gebete hört und erhört. Ich weiß, dass dies wahr ist. Ich bitte demütig und eindringlich jeden … darum, durch das Gebet eng mit unserem Vater im Himmel verbunden zu bleiben. Niemals zuvor in dieser Evangeliumszeit war das Gebet wichtiger. Ich bitte ernstlich darum, dass wir uns stets auf den Vater im Himmel verlassen und uns bewusst darum bemühen, unsere Kommunikation mit ihm zu verbessern.18

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Präsident Benson fordert uns auf, keinen Tag vergehen zu lassen, ohne zu beten (Abschnitt 1). Wie sind Sie gesegnet worden, weil Sie Ihr persönliches Gebet gesprochen haben?

  • In Abschnitt 2 zählt Präsident Benson verschiedene Segnungen auf, die auf das regelmäßige Familiengebet zurückzuführen sind. Haben Sie erlebt, wie das Familiengebet zu diesen Segnungen geführt hat? Wie können wir das Familiengebet zu einer Priorität machen?

  • Denken Sie über Präsident Bensons fünf Vorschläge in Abschnitt 3 nach. Wie kann jeder dieser Vorschläge dazu beitragen, die Kommunikation mit dem Vater im Himmel zu verbessern? Wie wollen Sie diese Ratschläge beherzigen?

  • Wie können Elder Bensons Worte aus Abschnitt 4 jemandem helfen, der an der Macht des Gebets zweifelt? Können Sie dem Zeugnis von Präsident Benson noch etwas hinzufügen?

Einschlägige Schriftstellen

Jakobus 1:5,6; Enos 1:1-8; 3 Nephi 14:7,8; LuB 10:5; 19:38; 88:63

Studienhilfe

Ein Grundsatz ist eine Wahrheit, die unsere Entscheidungen und unser Handeln leitet. „Fragen Sie sich beim Lesen: ‚Welcher Evangeliumsgrundsatz wird hier gelehrt? Wie kann ich ihn anwenden?‘“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 17.)

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. „Prayer“, Ensign, Mai 1977, Seite 32

  2. Cross Fire: The Eight Years with Eisenhower, 1962, Seite 31

  3. Sheri L. Dew, Ezra Taft Benson: A Biography, 1987, Seite 268

  4. Zitiert in: Ezra Taft Benson: A Biography, Seite 268

  5. Gordon B. Hinckley, „Farewell to a Prophet“, Ensign, Juli 1994, Seite 40

  6. Zitiert in: Ezra Taft Benson: A Biography, Seite 140

  7. Elaine S. McKay, „Pray for Dad“, New Era, Juni 1975, Seite 33

  8. „Pray Always“, Ensign, Februar 1990, Seite 2

  9. Frühjahrs-Generalkonferenz 1966

  10. Herbst-Generalkonferenz 1947

  11. Herbst-Generalkonferenz 1950

  12. „Family Joys“, New Era, Januar 1973, Seite 4

  13. Frühjahrs-Generalkonferenz 1949

  14. „Pray Always“, Seite 2, 4

  15. Herbst-Generalkonferenz 1956

  16. Herbst-Generalkonferenz 1956

  17. Frühjahrs-Generalkonferenz 1953

  18. „Prayer“, Gedicht von Eliza M. Hickok, zitiert in: Best Loved Religious Poems, Hg. James Gilchrist Lawson, 1933, Seite 160