Kapitel 21: Grundsätze der zeitlichen und geistigen Wohlfahrt

Lehren der Präsidenten der Kirche: Ezra Taft Benson, (2014), 262–74


Alles, was das wirtschaftliche, soziale und geistige Wohl der Menschheit betrifft, ist und bleibt ein Anliegen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Aus dem Leben von Ezra Taft Benson

Als im Jahre 1936 Menschen überall auf der Welt mit den Herausforderungen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hatten, richtete die Erste Präsidentschaft ein neues Wohlfahrtsprogramm ein. Dieses Programm, das als Sicherheitsplan der Kirche bezeichnet wurde, war nicht dazu gedacht, Bedürftige mit Almosen zu versorgen, sondern „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten1. Als die Erste Präsidentschaft und weitere Führer der Kirche dieses Programm einrichteten, vermittelten sie elementare Grundsätze für harte Arbeit, Eigenständigkeit und Dienen. Sie forderten die Mitglieder auf, Zehnten und Fastopfer zu zahlen, Nahrungsmittel zu produzieren und zu lagern, unnötige Schulden zu vermeiden und Geld für künftigen Bedarf beiseitezulegen.

Zu dieser Zeit war Präsident Ezra Taft Benson Ratgeber in einer Pfahlpräsidentschaft in Boise in Idaho. Außerdem war er Agrarökonom, Marketingfachmann und Fachmann für Farm-Bewirtschaftung für den Bundesstaat Idaho. Er nahm den Auftrag seiner Pfahlpräsidentschaft an, an einer Versammlung teilzunehmen, in der der Sicherheitsplan der Kirche vorgestellt werden sollte. Später berichtete er: „Mit ganzem Herzen nahm meine Seele alles auf, was ich an jenem Tag vernahm. Ich kehrte zum Pfahl Boise zurück und erklärte meinen Brüdern in der Kirche, dass dieses angekündigte Programm in wirtschaftlicher, sozialer und geistiger Hinsicht vernünftig ist, und ich brachte meine Zuversicht zum Ausdruck, dass die Mitglieder der Kirche es ebenfalls mit ganzem Herzen als etwas aufnehmen würden, was nicht nur vernünftig, sondern auch notwendig ist.“2

Zwei Monate, nachdem Präsident Benson das Programm in seinem Pfahl angekündigt hat, waren „zahlreiche Wohlfahrtsprogramme … im Gange: Eine Gemeinde bepflanzte einen Garten mit einer Fläche von mehreren Hektar, eine weitere säte rund sechs Hektar an Zuckerrüben, und die Frauenhilfsvereinigung einer anderen Gemeinde stellte Lebensmittelkonserven her und fertigte Steppdecken und Kleidung an. [Eine Gemeinde] baute sogar eine kleine Konservenfabrik.“3

Elder Ezra Taft Benson, rechts, und Präsident Max Zimmer, amtierender Präsident der Schweizer Mission, begutachten 1946 Versorgungsgüter in Genf.

Zehn Jahre später sah Präsident Benson den weitreichenden Einfluss des Wohlfahrtsprogramms. Als Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel war es seine Aufgabe, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg über die Kirche in Europa zu präsidieren. In diesen vom Krieg verwüsteten Ländern leitete er die Bemühungen der Kirche, den Menschen Güter zu Verfügung zu stellen, um ihnen zu helfen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Er berichtete von der ersten Lieferung mit Hilfsgütern der Kirche, die in Berlin ankam:

„Ich nahm den amtierenden Missionspräsidenten, Richard Ranglack, mit. Wir gingen zu dem alten, heruntergekommenen Lagerhaus, wo die kostbaren Wohlfahrtsgüter untergebracht waren, von bewaffneten Wachen geschützt. Von weitem sahen wir, dass am anderen Ende des Lagerhauses die Kisten fast bis zur Decke gestapelt waren.

‚Sind in diesen Kisten Lebensmittel?‘, fragte Bruder Ranglack. ‚Wollen Sie wirklich sagen, dass diese Kisten voller Lebensmittel sind?‘

‚Ja, Bruder‘, antwortete ich, ‚Lebensmittel, Kleidung und Bettzeug – und, wie ich hoffe, auch etwas für medizinischen Bedarf.‘

Bruder Ranglack und ich nahmen eine Kiste vom Stapel und öffneten sie. Sie war mit dem gewöhnlichsten aller Nahrungsmittel gefüllt – mit getrockneten Bohnen. Als der gute Mann den Inhalt der Kiste sah, fuhr er mit den Händen hinein und ließ die Bohnen durch seine Finger rinnen. Darauf verlor er die Fassung und weinte vor Dankbarkeit wie ein kleines Kind.

Wir öffneten eine weitere Kiste. Sie enthielt geschroteten Weizen, dem nichts hinzugesetzt war und von dem man nichts weggenommen hatte – er war so, wie ihn der Herr geschaffen und vorgesehen hatte. Bruder Ranglack führte ein Quäntchen Weizen an seinen Mund. Nach einer Weile schaute er mich mit seinen von Tränen gefüllten Augen an – auch meine waren feucht – und sagte, während er langsam den Kopf schüttelte: ‚Bruder Benson, man kann kaum glauben, dass Menschen, die uns nie gesehen haben, so viel für uns tun können.‘

So arbeitet der Herr! Aus brüderlicher Liebe und aus Opferbereitschaft werden freiwillige Spenden geleistet, und man hilft anderen so, dass sie sich selbst helfen können. Dadurch erlangen sie Würde und Selbstachtung.“4

Lehren von Ezra Taft Benson

1

Der Herr ist sehr darauf bedacht und bereit, sein Volk in zeitlicher und geistiger Hinsicht zu segnen

Mir ist bewusst, meine Brüder und Schwestern, dass der Herr in Bezug auf zeitliche Belange gesagt hat:

„Für mich ist alles geistig, und niemals, zu keiner Zeit, habe ich euch ein Gesetz gegeben, das zeitlich ist.“ [LuB 29:34.]

Das Ziel ist natürlich geistiger Natur. Wir leben allerdings in einer materiellen, physischen, zeitlichen Welt. …

Der Mensch ist ein duales Wesen, zeitlich und geistig, und der Herr nahm die frühen Offenbarungen an dieses Volk oftmals zum Anlass, Weisung und Gebot hinsichtlich zeitlicher Belange zu geben. Er leitete die Heiligen und die Führer der Kirche beim Erwerb von Land und sonstigem Eigentum an, beim Tempelbau, sogar bei der Errichtung einer Druckerpresse und bei der Eröffnung eines Ladens oder beim Bau einer Herberge für den „müde[n] Wanderer“ [LuB 124:22,23]. In der großen Offenbarung, die wir als das Wort der Weisheit kennen, wies er nicht nur darauf hin, was für den Menschen gut oder schlecht sei, sondern erläuterte auch einen Plan für die Ernährung von Vieh, der, nach mehr als 100 Jahren, allmählich auch durch wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert wird [siehe LuB 89]. Was auch immer sich auf das menschliche Wohlergehen auswirkt, war von jeher eine Angelegenheit der Kirche und wird es auch in Zukunft sein. Unsere Mitglieder wurden schon immer in Hinblick auf zeitliche Belange beraten. …

Es ist wichtig, dass wir klar denken, meine Brüder und Schwestern. Lassen Sie uns im Gedächtnis behalten, dass alles Materielle lediglich Mittel zum Zweck ist, dass dieser Zweck geistiger Natur ist, auch wenn der Herr sehr darauf bedacht und bereit ist, sein Volk auch in zeitlicher Hinsicht zu segnen. Darauf deutete er in vielen Offenbarungen hin. Er wies immer wieder darauf hin, dass wir für unsere Ernte, unser Vieh, unseren Haushalt und für unser Heim beten und die Segnungen des Herrn hinsichtlich unserer materiellen Belange erflehen sollen. Und er hat uns verheißen, dass er da sein wird, bereit und willens, uns zu segnen. …

Der Herr wird nichts für uns tun, was wir selbst tun können und sollen. Jedoch ist es seine Absicht, sich um seine Heiligen zu kümmern. Alles, was das wirtschaftliche, soziale und geistige Wohl der Menschheit betrifft, ist und bleibt ein Anliegen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.5

Bei allen Tätigkeiten innerhalb des Wohlfahrtsprogramms müssen wir uns den Hauptzweck dieses Programms vergegenwärtigen. Dieser ausdrücklich festgelegte Zweck besteht darin, „soweit wie möglich ein System zu schaffen, das den Fluch des Müßiggangs und die Nachteile von staatlichen Almosen beseitigt und bei unseren Leuten wieder Unabhängigkeit, Fleiß, Sparsamkeit und Selbstachtung entstehen lässt. Das Ziel der Kirche besteht darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Arbeit muss für unsere Mitglieder wieder zum beherrschenden Grundsatz werden.“6

Die Stärke des Wohlfahrtsprogramms der Kirche liegt in jeder Familie, die der inspirierten Weisung der Führer der Kirche Folge leistet und sich durch ausreichende Vorbereitung selbst versorgt. Gott will, dass sich seine Heiligen vorbereiten, damit die Kirche, wie der Herr gesagt hat, „unabhängig dastehen kann, über allen anderen Geschöpfen unterhalb der celestialen Welt“ (LuB 78:14).7

Das biblische Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen [siehe Matthäus 25:1-13] erinnert uns daran, dass manch einer zu lange wartet, ehe er sein Haus in geistiger wie in zeitlicher Hinsicht in Ordnung bringt. Sind wir vorbereitet?8

2

Durch kraftvolle, zielgerichtete und selbstlose Arbeit bestreiten wir unseren Lebensunterhalt und entwickeln göttliche Eigenschaften

Einer der ersten Grundsätze, die unserem Vater Adam offenbart wurden, als er aus dem Garten von Eden vertrieben wurde, lautete: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden.“ (Genesis 3:19.) Alles, was wir im Leben an Materiellem erhalten, wird durch Arbeit und durch die Vorsehung Gottes erzeugt. Nur durch Arbeit lässt sich das erzeugen, was man zum Leben braucht.9

Gott hat dem Menschen geboten, im Schweiße seines Angesichts zu leben, nicht in dem eines anderen.10

Arbeit steht im Mittelpunkt unseres Evangeliums – sinnvoll, selbstlos und geleistet im Geiste der wahren Liebe Christi. Nur dadurch können wir in göttlichen Eigenschaften wachsen. Nur dadurch können wir würdige Werkzeuge in den Händen Gottes und anderen ein Segen sein durch die Macht, die das Leben eines Menschen zum Besseren wandeln kann.

Wir sollten für diese Herausforderung in aller Demut dankbar sein, für dieses Erbe, diese Gelegenheit, zu dienen, und den damit verbundenen reichen Lohn. Wie glücklich können sich doch diejenigen schätzen, die dem Plan des Herrn folgen dürfen, um diese Macht zu entwickeln und sie dann zum Wohle anderer einsetzen. Genau das hat der Messias getan. Das ist der Vorzug, den wir genießen.11

Wer Wohlfahrtsunterstützung empfängt, sollte im Rahmen seiner Fähigkeiten für die Güter oder die Fastopfergelder, die er erhält, arbeiten. Wenn man den Menschen keine sinnvolle Tätigkeit gibt und sie nicht zur Arbeit anhält, entwickelt sich ein demoralisierendes kirchliches Almosensystem. Dies liefe aber dem Zweck, zu dem das Wohlfahrtsprogramm eingerichtet wurde, zuwider. Es ist ein Gesetz des Himmels – und eines, das wir auf der Erde noch nicht gänzlich verinnerlicht haben –, dass man auf Dauer niemandem helfen kann, indem man etwas für ihn tut, was er selbst tun kann und soll.12

Wir sollten die Segnungen des Herrn auf all unser Tun herabrufen und niemals etwas tun, worauf wir seine Segnungen nicht herabrufen könnten. Wir sollten vom Herrn nicht erwarten, etwas für uns zu tun, was wir auch selbst tun können. Ich bin überzeugt, dass Glaube und Werke Hand in Hand gehen müssen, und dass der Herr denjenigen in größerem Umfang segnet, der für das arbeitet, wofür er betet, als den, der lediglich betet.13

Kraftvolles, zielgerichtetes Arbeiten führt zu einer guten Gesundheit, lobenswerten Leistungen, einem reinen Gewissen und einem erholsamen Schlaf. Arbeit ist für den Menschen schon immer ein Segen gewesen. Mögen Sie Arbeit, ob sie mit dem Verstand, dem Herzen oder den Händen zu erbringen sei, stets aufrichtig schätzen. Mögen Sie stets die Zufriedenheit ehrlicher Arbeit genießen. … In den Himmel kann man sich niemals hineinwünschen oder hineinträumen. Man muss einen Preis dafür bezahlen – indem man sich plagt, Opfer bringt und rechtschaffen lebt.14

3

Wenn wir Nahrung herstellen und lagern, ernten wir unmittelbaren Lohn und bereiten uns auf künftigen Bedarf vor

Haben Sie schon einmal innegehalten und darüber nachgedacht, was es für Ihre Stadt oder für Ihr Land bedeuten würde, wenn der Verkehr zum Erliegen käme oder es einen Krieg oder eine Wirtschaftskrise gäbe? Woher würden Sie und Ihre Nachbarn Lebensmittel bekommen? Wie lange könnte Ihr Lebensmittelgeschäft oder Ihr Supermarkt Ihren Wohnort noch versorgen?

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ich von der Ersten Präsidentschaft berufen, nach Europa zu fahren und dort unsere Missionen neu zu gründen und einen Plan aufzustellen, nach dem Lebensmittel und Kleidung an die Heiligen verteilt werden konnten. Ich kann mich noch lebhaft an die Leute erinnern, die jeden Morgen mit allen möglichen Habseligkeiten in die Züge stiegen, um ihre Habe auf dem Land gegen Lebensmittel einzutauschen. Abends waren die Bahnhöfe dann mit Menschen bevölkert, die mit Obst und Gemüse, mit grunzenden Schweinen und mit Hühnern beladen waren. So ein Durcheinander können Sie sich gar nicht vorstellen. Diese Leute waren natürlich bereit, gegen Lebensmittel, die sie so dringend brauchten, alles zu tauschen, was sie hatten.

Eine fast vergessene Methode, wirtschaftlich selbständig zu sein, ist die eigene Erzeugung von Lebensmitteln. Wir sind allzu sehr daran gewöhnt, alles, was wir brauchen, im Laden zu kaufen. Wenn wir aber einige Lebensmittel selbst erzeugen, kann die Inflationsrate unserem Geldbeutel nicht so viel anhaben. Noch wichtiger ist, dass wir lernen, das, was wir essen, selbst zu erzeugen, und dass wir alle in der Familie an einem nützlichen Projekt beteiligen. …

Alle Familienmitglieder können sich daran beteiligen, Nahrung selbst herzustellen.

Ich rate Ihnen: Orientieren Sie sich daran, wie andere vorgegangen sind. Tun Sie sich mit anderen zusammen, und lassen Sie sich die Genehmigung geben, ein leerstehendes Grundstück zu bebauen, oder pachten Sie einen Garten. Manche Ältestenkollegien tun das gemeinsam als Kollegium, und alle Beteiligten konnten Obst und Gemüse und den Segen der Zusammenarbeit und der Beteiligung ihrer ganzen Familie ernten. Viele Familien haben auch ihren Rasen umgegraben, um einen Garten anzulegen.

Seien Sie selbständiger, damit, wie der Herr verkündet hat, „ungeachtet der Drangsal, die über euch kommen wird, … die Kirche unabhängig dastehen kann, über allen anderen Geschöpfen unterhalb der celestialen Welt“ (LuB 78:14). Der Herr möchte, dass wir unabhängig und selbständig sind, denn es kommen Tage der Drangsal auf uns zu. Er hat uns ja auch immer wieder davor gewarnt. …

Die Lebensmittelerzeugung ist nur ein Aspekt der wiederholten Ermahnung, dass wir … [einen Vorrat] an Lebensmitteln haben sollen, wo das vom Gesetz her möglich ist. Die Kirche schreibt Ihnen nicht vor, was für Lebensmittel Sie lagern sollen. Die Entscheidung bleibt Ihnen selbst überlassen. …

Die Offenbarung darüber, dass wir Lebensmittel erzeugen und lagern sollen, ist heute vielleicht für unsere zeitliche Errettung ebenso wichtig, wie es für die Menschen zur Zeit Noachs war, in die Arche zu gehen. …

Legen Sie Ihren Lebensmittelvorrat planmäßig an wie ein Sparkonto. Sparen Sie von jeder Gehaltszahlung etwas für Ihren Vorrat. Kochen Sie Obst und Gemüse aus Ihrem Garten ein. Lernen Sie, Lebensmittel durch Trocknen und Gefrieren haltbar zu machen. Nehmen Sie den Vorrat als festen Posten in Ihren Haushaltsplan auf. Lagern Sie auch Saatgut, und besorgen Sie sich ausreichend Werkzeug. Wenn Sie für ein zweites Auto oder für einen Fernseher oder sonst irgendeinen Luxusgegenstand sparen, müssen Sie sich vielleicht andere Prioritäten setzen. Tun Sie es gebeterfüllt, und tun Sie es jetzt! …

Zu oft sonnen wir uns in unserer bequemen Selbstgefälligkeit und reden uns damit heraus, bei uns könne der Krieg nicht wüten, bei uns könne es keinen wirtschaftlichen Zusammenbruch, keine Hungersnot, kein Erdbeben geben. Wer das meint, kennt entweder nicht die Offenbarungen des Herrn, oder er glaubt nicht daran. Wer selbstgefällig meint, solches Unheil werde es nicht geben oder dass es dank der Rechtschaffenheit der Heiligen abgewendet werde, täuscht sich sehr und wird noch bereuen, dass er sich so ein Trugbild aufrechterhalten hat.

Der Herr warnt uns immer wieder vor einem Tag großer Drangsal, und durch seine Propheten rät er uns, wie wir uns für diese schwierigen Zeiten bereit machen können. Beachten wir seinen Rat? …

Brüder und Schwestern, folgen Sie diesem Rat. Sie werden dafür gesegnet werden – ja, Sie werden das gesegnetste Volk auf Erden sein. Sie sind gute Menschen. Das weiß ich. Doch müssen wir alle noch besser werden, als wir sind. Und wir wollen in der Lage sein, mit dem, was wir erzeugen und lagern, nicht nur uns selbst zu versorgen, sondern auch noch andere.

Möge Gott uns segnen, dass wir bereit sind für die Tage, die vor uns liegen, es hat vielleicht nie schwierigere gegeben.15

4

Wenn wir einen Teil unserer Einkünfte beiseitelegen und unnötige Schulden vermeiden, ziehen uns Frieden und Genügsamkeit ins Herz ein

Mit allem Respekt möchte ich Sie dringend bitten, nach den Grundprinzipien Arbeit, Fleiß und Selbständigkeit zu leben und Ihre Kinder durch Ihr Beispiel zu unterweisen. … Leben Sie so, dass Sie mit dem auskommen, was Sie verdienen. Legen Sie einen Teil Ihres Verdienstes regelmäßig auf die hohe Kante. Vermeiden Sie unnötige Schulden. Seien Sie klug, indem Sie nicht zu rasch expandieren. Lernen Sie, mit dem, was Sie haben, gut umzugehen, bevor Sie daran denken, zu expandieren.16

Leider hegen viele die Erwartung, die Kirche oder die Regierung soll ihnen weiterhelfen, wenn schwere Zeiten kommen und sie mit ihren Mitteln unklug und zu großzügig umgegangen sind und über ihre Verhältnisse gelebt haben. Manche Mitglieder vergessen den folgenden Grundsatz, auf dem der Wohlfahrtsplan der Kirche beruht: „Kein wahrer Heiliger der Letzten Tage wird, solange er noch arbeiten kann, die Sorge für seinen Unterhalt freiwillig auf andere abwälzen.“ …

Mehr als je zuvor müssen wir die Grundsätze wirtschaftlicher Eigenständigkeit lernen und anwenden. Wir wissen nicht, wann die Krise uns in Form von Krankheit oder Arbeitslosigkeit selbst betrifft. Wir wissen aber sehr wohl, dass der Herr für die Zukunft Unheil für die ganze Welt beschlossen und uns gewarnt und ermahnt hat, uns vorzubereiten. Aus diesem Grund haben die Brüder immer wieder betont, dass wir um unserer materiellen und um unserer geistigen Wohlfahrt willen zu einer einfachen Lebensführung zurückkehren.17

Der Herr möchte, dass seine Heiligen in den schwierigen Tagen, die uns bevorstehen, frei und unabhängig sind. Niemand ist jedoch wahrhaftig frei, der sich in finanzieller Knechtschaft befindet.18

Im Buch der Könige lesen wir von einer Frau, die weinend zum Propheten Elischa kam. Ihr Mann war gestorben, und sie hatte Schulden, die sie nicht bezahlen konnte. Deshalb wollte der Gläubiger ihre beiden Söhne wegnehmen und als Sklaven verkaufen.

Durch ein Wunder beschaffte Elischa ihr ein Gefäß mit Öl. Dann sagte er zu ihr: „Geh, verkauf das Öl, und bezahl deine Schuld! Von dem, was übrigbleibt, magst du mit deinen Söhnen leben.“ (2 Könige 4:1-7.)

Bezahl deine Schuld und lebe von dem, was übrigbleibt! Wie klug diese Worte doch schon immer gewesen sind! Und sie sind uns auch heute ein guter Rat! …

Viele Menschen glauben nicht, dass es jemals wieder eine schwere Rezession geben wird. Sie fühlen sich sicher, weil sie davon ausgehen, dass sie immer Arbeit haben und daher regelmäßig Geld verdienen. Deshalb verpfänden Sie ihr künftiges Einkommen, ohne sich zu überlegen, was geschehen würde, wenn sie ihre Arbeit verlieren oder wenn sie aus anderen Gründen nichts mehr verdienen würden. Doch auch die klügsten Fachleute haben wiederholt geäußert, dass wir noch nicht klug genug sind, unsere Wirtschaft so steuern zu können, dass keinerlei Anpassungen nach unten erforderlich sind. Früher oder später kommt es zu solchen Anpassungen.

Ein weiterer Grund für das Anwachsen der Verschuldung reicht noch tiefer und gibt noch mehr Anlass zur Sorge. Der Materialismus gewinnt immer mehr an Bedeutung, im Gegensatz zu geistigen Werten. Manch eine Familie, die mit den anderen mithalten will, entscheidet sich für ein Haus, das größer und teurer als notwendig ist und in einer teuren Gegend steht. … Da der Lebensstandard ein immer höheres Niveau erreicht, wird diese Versuchung mit jedem neuen Gerät, das auf den Markt kommt, größer. Die unterschwelligen und sorgsam geplanten Methoden moderner Werbung setzen dort an, wo der Widerstand des Verbrauchers am schwächsten ist. Dadurch wird leider das Gefühl immer stärker, man müsse alles Materielle sofort erwerben, und das, ohne warten, sparen oder opfern zu müssen.

Noch schlimmer ist, dass sehr viele verschuldete Familien über keinerlei flüssige Mittel als Reserve verfügen. Welche Schwierigkeiten sie doch heraufbeschwören, sollte ihr Einkommen plötzlich versiegen oder deutlich zurückgehen. Wir alle kennen Familien, die sich zu mehr verpflichten hatten, als sie bezahlen konnten. Hinter solchen Fällen verbirgt sich eine Welt voller Kummer.19

Wenn man über seinen Verhältnissen lebt, kann das zu einer „Welt voller Kummer“ führen.

Nun meine ich nicht, dass alle Arten von Schulden schlecht seien. Natürlich nicht. Solide Geschäftsdarlehen sind wesentliche Elemente des Wachstums. Ein solides Hausdarlehen ist für eine Familie, die sich für ein Eigenheim Geld leihen muss, eine große Unterstützung.20

Auf lange Sicht ist es einfacher, im Rahmen seines Einkommens zu leben und der Verlockung zu widerstehen, schon im Voraus auf künftige Einkünfte zurückzugreifen, außer in Ausnahmefällen – niemals jedoch für Luxusgegenstände. Uns selbst und der Gesellschaft gegenüber verhalten wir uns nicht fair, wenn wir unser Geld dermaßen gedankenlos ausgeben, dass wir Hilfseinrichtungen oder die Kirche um Geld bitten müssen, wenn wir einmal nichts verdienen.

Ich bitte Sie dringend, sich nicht mit Finanzierungen zu übernehmen, die oftmals mit exorbitant hohen Kosten verbunden sind. Sparen Sie jetzt, und kaufen Sie später, dann stehen Sie weitaus besser da! Sie vermeiden hohe Zinsen und andere Belastungen, und das Geld, das Sie sparen, ermöglicht es Ihnen vielleicht, später einen beträchtlichen Nachlass für Ihre Barzahlung zu bekommen. …

Widerstehen Sie der Verlockung, ein Haus zu kaufen, das weitaus pompöser oder geräumiger ist als notwendig.

Sie werden viel besser dran sein – vor allem als junge Familie, die gerade erst anfängt –, wenn Sie zunächst ein kleines Haus kaufen und davon ausgehen können, dass Sie es in relativ kurzer Zeit abbezahlen können. …

Schützen Sie sich und Ihre Familie vor finanziellen Schwierigkeiten! Stellen Sie den Kauf von Luxusgütern – zumindest eine Zeit lang – zurück, um sich etwas anzusparen. Es ist ratsam, für die Ausbildung der Kinder und für das Alter vorzusorgen. …

Brüder und Schwestern, Frieden und Genügsamkeit ziehen uns ins Herz ein, wenn wir im Rahmen unserer Mittel leben. Möge Gott uns die Weisheit und den Glauben schenken, auf den inspirierten Rat des Priestertums zu hören, nämlich unsere Schulden zu begleichen, im Rahmen unseres Einkommens zu leben und immer gleich zu bezahlen – kurz gesagt: Bezahlen wir unsere Schuld und leben von dem, was übrigbleibt!21

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Im Abschnitt 1 beschreibt Präsident Benson die elementaren Grundsätze des Wohlfahrtsprogramms der Kirche. Inwiefern fördern diese Grundsätze unser zeitliches Wohl? Inwiefern fördern sie unser geistiges Wohl?

  • Welchen Nutzen bringt uns „kraftvolles, zielgerichtetes Arbeiten“? (Beispiele finden Sie in Abschnitt 2.) Was gefällt Ihnen an der Arbeit, der Sie nachgehen, am besten? Wie können wir einem Kind oder einem Jugendlichen helfen, an der Arbeit Gefallen zu finden?

  • Welche Segnungen können wir zum Beispiel erlangen, wenn wir dem Rat Präsident Bensons in Abschnitt 3 folgen? Ziehen Sie Ihre derzeitigen Umstände in Betracht und überlegen Sie, wie Sie diesen Rat befolgen werden.

  • Warum führt ein kluger Umgang mit Geld wohl zu „Frieden und Gelassenheit“? Was erwartet uns im Gegensatz dazu, wenn wir nicht mit dem auskommen, was wir verdienen? (Siehe Abschnitt 4.)

Einschlägige Schriftstellen

Jakob 2:17-19; Alma 34:19-29; LuB 19:35; 42:42; 75:28,29; 104:78; Mose 5:1

Unterrichtshilfe

„Um den Lernenden zu helfen, sich auf Fragen vorzubereiten, können Sie bereits im Voraus sagen, dass sie zu dem folgenden Text Fragen stellen werden. … Sie könnten beispielsweise sagen: ‚Ich lese jetzt diesen einen Absatz vor. Hören Sie bitte gut zu und sagen Sie mir anschließend, was Sie daran interessant finden.‘ Oder: ‚Finden Sie aus dieser Schriftstelle heraus, was der Herr hier über den Glauben sagt.‘“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 69.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Heber J. Grant, Herbst-Generalkonferenz 1936

  2.   2.

    „Church Welfare – Economically Socially Spiritually Sound“, Wohlfahrtsversammlung zum Thema Landwirtschaft, 7. Oktober 1972, Seite 5

  3.   3.

    Sheri Dew, Ezra Taft Benson: A Biography, 1987, Seite 119

  4.   4.

    „Ministering to Needs through the Lord’s Storehouse System“, Ensign, Mai 1977, Seite 84

  5.   5.

    Herbst-Generalkonferenz 1945

  6.   6.

    „Ministering to Needs through the Lord’s Storehouse System“, Seite 83; Zitat von Heber J. Grant von der Herbst-Generalkonferenz 1936; siehe auch Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant, Seite 126

  7.   7.

    „Prepare Ye“, Ensign, Januar 1974, Seite 81

  8.   8.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1967

  9.   9.

    „Prepare for the Days of Tribulation“, Ensign, November 1980, Seite 32

  10.   10.

    The Teachings of Ezra Taft Benson, Seite 481

  11.   11.

    The Teachings of Ezra Taft Benson, Seite 484

  12.   12.

    „Ministering to Needs through the Lord’s Storehouse System“, Seite 83

  13.   13.

    The Teachings of Ezra Taft Benson, Seite 485

  14.   14.

    The Teachings of Ezra Taft Benson, Seite 481

  15.   15.

    „Prepare for the Day of Tribulation“, Seite 32ff.

  16.   16.

    „The Ten Commandments: America at the Crossroads“, New Era, Juli 1978, Seite 39

  17.   17.

    „Prepare for the Days of Tribulation“, Seite 32; mit einem Zitat aus dem Welfare Plan Handbook, 1952, Seite 2, so zitiert in: „Church Welfare – Some Fundamentals“ von Marion G. Romney, Ensign, Januar 1974, Seite 91

  18.   18.

    „Prepare Ye“, Seite 69

  19.   19.

    „Pay Thy Debt, and Live“, Ensign, Juni 1987, Seite 3f.

  20.   20.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1957

  21.   21.

    „Pay Thy Debt, and Live“, Seite 4f.