Kapitel 10

Die ewige Partnerschaft der Ehe pflegen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley


„Die schönsten Gefühle des Lebens, die großzügigsten und befriedigendsten Impulse des menschlichen Herzens kommen in einer Ehe zum Ausdruck, die sich rein und unbefleckt über das Böse der Welt erhebt.“

Aus dem Leben von Gordon B. Hinckley

Präsident Hinckley und seine Frau saßen eines Abends ruhig beisammen, als sie zu ihm sagte: „Du hast mir immer Flügel zum Fliegen gegeben, und ich liebe dich deswegen.“1 Dazu sagte Präsident Hinckley: „Ich habe mich bemüht, [ihre] eigenständige Persönlichkeit … anzuerkennen, ihre Wünsche, ihre Herkunft, ihre Ziele. Lass sie fliegen. Ja, lass sie fliegen! Lass sie ihre Talente entwickeln. Lass sie alles auf ihre Weise tun. Steh ihr nicht im Weg und staune, was sie alles schafft.“2 Schwester Hinckley war genauso auch eine Stütze für Ihren Mann – in seiner Rolle als Vater, seinen eigenen Interessen und in seinem umfangreichen Dienst in der Kirche.

In ihrer Jugend gehörten Gordon B. Hinckley und Marjorie Pay die meiste Zeit zur gleichen Gemeinde. Jahrelang wohnten sie einander gegenüber. „Ich habe sie in der PV kennengelernt“, erinnerte sich Präsident Hinckley später. „Sie hat etwas vorgetragen. Ich weiß nicht, was das in mir ausgelöst hat, aber ich habe es nie vergessen. Sie wurde zu einer wunderschönen jungen Frau, und ich war klug genug, sie zu heiraten.“3

Bei ihrer ersten Verabredung, einem Tanzabend in der Kirche, war er 19 und sie 18 Jahre alt. „Dieser junge Mann wird es sicher einmal zu etwas bringen“, erzählte Marjorie anschließend ihrer Mutter.4 Gordon studierte an der University of Utah und ihre Beziehung entwickelte sich weiter. 1933, ein Jahr nach seinem Abschluss, wurde er auf Mission nach England berufen. Als er 1935 zurückgekehrt war, gingen sie erneut miteinander aus, bis sie schließlich 1937 im Salt-Lake-Tempel heirateten. Auf die ersten Jahre ihrer Ehe zurückblickend, erinnerte sich Schwester Hinckley:

„Das Geld war knapp, aber wir waren hoffnungsvoll und sehr optimistisch. Nicht alle Tage in dieser Anfangszeit waren sorgenfrei, aber wir waren zu allem entschlossen und hatten den sehnlichen Wunsch, ein glückliches Zuhause zu schaffen. Wir liebten einander, daran gab es nicht den geringsten Zweifel. Wir mussten uns aber auch aneinander gewöhnen. Ich glaube, jedes Ehepaar muss sich aneinander gewöhnen.

Mir wurde recht schnell bewusst, dass wir uns lieber noch intensiver darum bemühen sollten, uns aneinander zu gewöhnen, statt ständig den anderen verändern zu wollen – was unmöglich war, wie ich feststellte. … Zu einem glücklichen Zuhause gehört ein wenig Kompromissbereitschaft und eine hohe Anpassungsfähigkeit.“5

Präsident Hinckley wurde 1958 als Generalautorität berufen. In den ersten Jahren versorgte Schwester Hinckley in der Regel daheim ihre fünf Kinder, während er im Auftrag der Kirche auf Reisen war. Als die Kinder älter wurden, verreisten die Hinckleys oftmals zusammen, und das gefiel ihnen sehr. An ihrem 40. Hochzeitstag im April 1977 waren sie gerade auf dem langen Weg zu den Mitgliedern in Australien. In seinem Tagebuch hielt Präsident Hinckley an diesem Tag folgende Gedanken fest:

„Wir befinden uns heute in Perth, Australien, und dass wir hier sind, scheint symbolisch dafür, was uns die vergangenen Jahre beschert haben. Wir verbrachten den Tag damit, Missionare der Australien-Mission Perth kennenzulernen. Es war ein herrlicher Tag, an dem wir neben Zeugnissen viel Lehrreiches hörten. Die Missionare überreichten Marjorie ein Ansteckbukett. Ich selbst hatte keine Zeit gehabt, ihr eines zu besorgen.

Unsere letzten 40 Jahre könnten ganze Bücher füllen. … Wir hatten so manche Sorgen und Nöte. Doch im Großen und Ganzen hatten wir ein gutes Leben. Wir sind reichlich gesegnet worden. In diesem Alter fängt man allmählich an, die Bedeutung der Ewigkeit und den Wert eines ewigen Partners zu begreifen. Wären wir heute daheim gewesen, hätten wir sicher ein Abendessen mit der Familie gehabt. Stattdessen sind wir weit weg von zu Hause im Dienst des Herrn, und es ist ein schönes Erlebnis.“6

22 Jahre danach schrieb Präsident Hinckley, zu diesem Zeitpunkt Präsident der Kirche, seiner Frau in einem Brief, was ihm seine mehr als 60 Ehejahre bedeuteten: „Was für eine geschätzte Gefährtin du mir doch immer gewesen bist“, schrieb er. „Wir sind zusammen alt geworden, und es war eine schöne Zeit. … Wenn dereinst die Hand des Todes einen von uns beiden sanft berührt, werden zwar gewiss Tränen fließen, aber es wird auch die stille und sichere Gewissheit herrschen, dass wir einander wiedersehen und auf ewig zusammen sein werden.“7

Anfang 2004 waren Präsident Hinckley und seine Frau gerade auf dem Heimweg von der Weihung des Accra-Tempels in Ghana, als Schwester Hinckley vor Erschöpfung zusammenbrach. Sie erholte sich nie wieder vollständig und verstarb am 6. April 2004. Bei der Herbst-Generalkonferenz sechs Monate später sagte Präsident Hinckley:

„Ich hielt ihre Hand und sah, wie das Leben von ihr wich. Ich muss sagen, ich war bestürzt. Vor unserer Heirat war sie das Mädchen meiner Träume gewesen. … Sie war meine geliebte Gefährtin in mehr als zwei Dritteln eines Jahrhunderts; sie war mir ebenbürtig vor dem Herrn, ja, eigentlich mir überlegen. Und jetzt, auf meine alten Tage, ist sie wieder das Mädchen meiner Träume.“8

In seiner Trauer fand Präsident Hinckley darin Trost, dass er und Marjorie für die Ewigkeit aneinander gesiegelt waren. „Seinen viel geliebten Ehepartner zu verlieren, mit dem man sonnige wie düstere Zeiten verbracht hat, ist einfach niederschmetternd“, sagte er. „Eine schreckliche Einsamkeit geht damit einher, die immer weiter zunimmt und schmerzhaft an der Seele nagt. Doch in der Stille der Nacht vernimmt man ein leises Flüstern, das sagt: ‚Alles ist wohl. Alles ist wohl.‘ Und diese Stimme aus dem Unbekannten bringt Frieden, Zuversicht und die felsenfeste Gewissheit, dass der Tod nicht das Ende darstellt, sondern dass das Leben weitergeht, dass Arbeit auf einen wartet und es noch Siege zu erringen gilt. Diese leise Stimme, mit unseren Ohren nicht wahrnehmbar, bringt die Gewissheit, dass es so, wie es eine Trennung gab, auch eine freudige Wiedervereinigung geben wird.“9

Präsident Hinckley und seine Frau

Präsident Hinckley und seine Frau erfreuten sich einer glücklichen und liebevollen Ehe und waren durch die stille und sichere Gewissheit gestärkt, dass sie einander wiedersehen und auf ewig zusammen sein werden.

Lehren von Gordon B. Hinckley

1

Der Vater im Himmel hat die Ehe von Anfang an festgesetzt

Die Eheschließung gemäß dem Plan unseres ewigen Vaters ist wirklich etwas Herrliches, denn dieser Plan sorgt in göttlicher Weisheit dafür, dass seine Kinder glücklich und geborgen sind und das Menschengeschlecht nicht ausstirbt.

Er hat uns erschaffen, und er hat die Ehe von Anfang an festgesetzt. Als Eva erschaffen war, sagte Adam: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. … Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch.“ (Genesis 2:23,24.)

Paulus schrieb an die Heiligen in Korinth: „Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau.“ (1 Korinther 11:11.)

Und in der neuzeitlichen Offenbarung sagte der Herr: „Und weiter, wahrlich, ich sage euch: Wer verbietet zu heiraten, ist nicht von Gott verordnet, denn die Ehe ist dem Menschen von Gott verordnet.“ (LuB 49:15.) …

Gewiss kann niemand, der die Schrift liest, daran zweifeln, dass die Ehe von Gott ist. Die schönsten Gefühle des Lebens, die großzügigsten und befriedigendsten Impulse des menschlichen Herzens kommen in einer Ehe zum Ausdruck, die sich rein und unbefleckt über das Böse der Welt erhebt.

Eine solche Ehe, glaube ich, ist der Wunsch – das erhoffte, ersehnte, im Gebet erbetene Verlangen – von Männern und Frauen allerorts.10

2

Im Tempel können ein Mann und eine Frau für die Ewigkeit aneinander gesiegelt werden

[Der] Tempel [bringt] uns Segnungen, die man sonst nirgends finden kann. Alles, was in diesem heiligen Haus geschieht, hat mit der ewigen Natur des Menschen zu tun. Hier werden Ehemann und Ehefrau und Kinder für alle Ewigkeit als Familie aneinander gesiegelt. Die Ehe besteht nicht, „bis der Tod euch scheidet“. Sie ist für immer, wenn die Beteiligten so leben, dass sie dieser Segnung würdig sind.11

Hat es je einen Mann gegeben, der seine Frau von Herzen geliebt hat, oder eine Frau, die ihren Mann von Herzen geliebt hat, die nicht darum gebetet haben, ihre Beziehung möge über das Grab hinaus Bestand haben? Ist je ein Kind zu Grabe getragen worden, ohne dass die Eltern sich nach der Gewissheit sehnten, es möge in einer zukünftigen Welt wieder ihnen gehören? Kann jemand, der an das ewige Leben glaubt, daran zweifeln, dass der Gott des Himmels seinen Söhnen und Töchtern diese kostbarste Eigenschaft des Lebens gewährt, nämlich die Liebe, die in der Familie ihren bedeutsamsten Ausdruck findet? Nein, die Vernunft fordert, dass die Familie auch nach dem Tod noch Bestand hat. Das Menschenherz sehnt sich danach, und der Gott des Himmels hat offenbart, wie wir das sicher erlangen können, nämlich durch die heiligen Handlungen im Haus des Herrn.12

Wie süß ist doch die Gewissheit, wie tröstlich ist doch der Friede, den uns das Wissen darum schenkt, dass unsere Ehe, sofern wir recht heiraten und recht leben, weiterbesteht, ungeachtet dessen, dass der Tod kommt und die Zeit vergeht. Der Mensch schreibt vielleicht Liebeslieder und trägt sie vor. Er sehnt sich, er hofft und träumt. Doch all das bleibt nur romantisches Sehnen, wenn die Vollmacht, die die Kraft der Zeit und des Todes übersteigt, nicht zur Anwendung kommt.13

3

Mann und Frau begeben sich Seite an Seite auf eine ewige Reise

In seinem großen Plan schuf Gott die Menschen als zweierlei Geschlechter. Diese Dualität findet in der Ehe Ausdruck und veredelt den Menschen. Ein Wesen ergänzt das andere.14

In der ehelichen Beziehung gibt es weder Unter- noch Überordnung. Weder geht die Frau dem Mann voraus, noch der Mann der Frau. Seite an Seite begeben sie sich als ein Sohn und eine Tochter Gottes auf eine ewige Reise.15

Die Ehe ist im wahrsten Sinne eine Partnerschaft zwischen gleichwertigen Menschen, in der keiner Herrschaft über den anderen ausübt, sondern jeder dem anderen vielmehr Mut macht und für ihn da ist – in allen Aufgaben und Zielen, die sie haben.16

Ihr Frauen, betrachtet euren Ehemann als euren kostbaren Gefährten, und lebt so, dass ihr dieser Gemeinschaft würdig seid. Ihr Männer, seht in eurer Ehefrau euer wertvollstes Gut, hier und in Ewigkeit – eine Tochter Gottes, eine Gefährtin, mit der ihr Hand in Hand gehen könnt, im Sonnenschein und im Regen, durch alle Gefahren und Triumphe des Lebens.17

Ich erinnere mich an zwei [Freunde], die ich … aus der Schule und der Universität kannte. Der Junge stammte aus einem kleinen Ort auf dem Land, wirkte unscheinbar und hatte weder Geld noch eine große Zukunft. Er war auf einer Farm groß geworden, und wenn er eine gute Eigenschaft besaß, die hervorstach, so war es die Fähigkeit, zu arbeiten. … Obwohl er aber einen so schlichten bäuerlichen Eindruck machte, sah man an seinem Lächeln und an seiner Ausstrahlung schon von weitem, dass er durch und durch gut war. Das Mädchen hingegen war ein Stadtkind und stammte aus einem Haus mit allen Annehmlichkeiten. …

Zwischen den beiden geschah etwas Wundersames: Sie verliebten sich ineinander. … In all den Jahren an der Universität lachten, tanzten und studierten die beiden gemeinsam. Als sie heirateten, fragten sich die Leute, wie sie wohl jemals genug verdienen könnten, um zu überleben. Er plagte sich mit seiner Berufsausbildung ab und gehörte am Ende zu den Besten. Sie sparte, arbeitete und betete. Sie ermutigte und unterstützte ihn, und wenn sie es wirklich schwer hatten, sagte sie: „Irgendwie werden wir es schon schaffen.“ Gestützt durch ihren Glauben an ihn gab er in diesen schwierigen Jahren nie auf. Bald kamen Kinder. Sie liebten ihre Kinder, zogen sie auf und boten ihnen Geborgenheit und Sicherheit, was ihrer beispiellosen Liebe und gegenseitigen Treue zuzuschreiben war. Inzwischen sind über 45 Jahre verstrichen. Die Kinder sind erwachsen und machen ihnen, der Kirche und der Gemeinde, wo sie leben, alle Ehre.

Als ich vor kurzem auf einem Flug von New York im Halbdunkel zwischen den Sitzreihen hindurchging, entdeckte ich eine weißhaarige Frau, die an der Schulter ihres Mannes schlummerte. Er hielt ihre Hand liebevoll in der seinen. Er war wach und erkannte mich. Auch sie wachte auf, als wir anfingen, miteinander zu reden. Sie befanden sich auf dem Rückweg von einem Kongress, wo er vor Fachleuten einen Vortrag gehalten hatte. Er verlor nicht viele Worte darüber, aber sie erzählte stolz von den Ehrungen, die er erhalten hatte. …

Als ich zu meinem Platz im Flugzeug zurückkehrte, dachte ich darüber nach. Ich sagte mir: Ihre Freunde von damals hatten nur einen Jungen vom Land und ein lustiges Mädchen mit Sommersprossen auf der Nase gesehen, doch diese beiden hatten aneinander Liebe und Treue gefunden, Frieden, Glauben und die Zukunft. Manch einer würde meinen, die Chemie habe einfach gestimmt. Das mag wohl dazu beigetragen haben, aber da war noch deutlich mehr. In ihnen war etwas Göttliches herangewachsen, da hingepflanzt von Gott, unserem Vater. In ihrer Schulzeit hatten sie sich durch ihren Lebenswandel dieses Wachstums würdig erwiesen. Sie hatten tugendhaft und gläubig gelebt. Jeder hatte sich selbst und den anderen geachtet und geschätzt. In den schwierigen Jahren der Ausbildung, als sie wirtschaftlich zu kämpfen hatten, hatten sie die meiste irdische Kraft aus ihrer Partnerschaft geschöpft. Jetzt, im reifen Alter, fanden sie gemeinsam Frieden und Ruhe. Und über all das hinaus war ihnen ein freudevolles Beisammensein in Ewigkeit sicher, und zwar dank der Bündnisse, die sie vor langer Zeit im Haus des Herrn eingegangen waren, und der Versprechen, die sie einander gemacht hatten.18

4

Gott verwehrt würdigen Unverheirateten keine Segnung

Irgendwie haben wir einer sehr wichtigen Gruppe in der Kirche einen Stempel aufgedrückt. Dieser Stempel heißt „alleinstehend“. Ich wünschte, dem wäre nicht so. Sie sind alle individuell ‒ Männer und Frauen, Söhne und Töchter Gottes ‒ und nicht eine Ansammlung von gleich aussehenden und gleich handelnden Personen. Nur weil Sie zufälligerweise nicht verheiratet sind, unterscheiden Sie sich nicht wesentlich von anderen. Wir sind uns alle ziemlich ähnlich im Aussehen und in unseren gefühlsmäßigen Reaktionen, in unserer Fähigkeit zu denken, zu argumentieren, uns glücklich oder schlecht zu fühlen, zu lieben und geliebt zu werden.

Sie sind genauso wichtig im Plan unseres Vaters im Himmel wie jeder andere und dank seiner Barmherzigkeit wird Ihnen keine Segnung, auf die Sie sonst Anspruch hätten, für immer vorenthalten.19

Ich möchte gern ein Wort an diejenigen richten, die nie die Gelegenheit hatten, zu heiraten. Ich versichere Ihnen, dass uns die Einsamkeit, die viele von Ihnen empfinden, durchaus bewusst ist. Einsamkeit ist unangenehm und schmerzhaft. Ich nehme an, dass sich jeder irgendwann einmal einsam gefühlt hat. Wir denken an Sie voller Mitgefühl und Liebe. …

Dieser Abschnitt Ihres Lebens kann etwas Wunderbares sein. Sie sind erwachsen. Sie können urteilen. Die meisten von Ihnen haben eine Ausbildung und Berufserfahrung. Sie besitzen die körperliche, geistige und seelische Kraft, andere aufzurichten und anzuspornen und ihnen zur Seite zu stehen.

Es gibt so viele Menschen, die Ihre Hilfe brauchen. … Sorgen Sie dafür, dass Ihre geistigen Batterien stets aufgeladen sind, und bringen Sie das Licht anderer zum Leuchten.20

Ihnen, die nicht verheiratet sind, sage ich: … Gott hat Ihnen das eine oder andere Talent gegeben. Er hat Ihnen die Fähigkeit gegeben, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen und ihnen mit Ihrer Freundlichkeit und Anteilnahme ein Segen zu sein. Kümmern Sie sich um jemanden, der in Not ist. …

Sammeln Sie Wissen und Erkenntnis. Entwickeln Sie in einem Wissensgebiet Ihrer Wahl Ihren Verstand und Ihr Können weiter. Ihnen stehen hervorragende Chancen offen, wenn Sie bereit sind, sie in Anspruch zu nehmen. … Meinen Sie nicht, dass Gott Sie verlassen habe, nur weil Sie alleinstehend sind. Die Welt braucht Sie. Die Kirche braucht Sie. So viele Menschen und Angelegenheiten brauchen Ihre Kraft, Ihre Weisheit und Ihre Talente.

Beten Sie und geben Sie die Hoffnung nicht auf. … Führen Sie Ihr Leben auf die beste Art und Weise, zu der Sie fähig sind, und der Herr wird Ihnen in seiner großen Weisheit und in seiner Zeit Ihre Gebete beantworten.21

Ihnen, die geschieden sind, sagen wir: Wir betrachten Sie nicht als Versager, nur weil Ihre Ehe gescheitert ist. … Unsere Aufgabe ist nicht, zu verurteilen, sondern zu vergeben und zu vergessen, aufzurichten und zu helfen. Wenden Sie sich in Ihrer Verzweiflung an den Herrn, der gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. … Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28,30.)

Der Herr wird Sie nicht zurückweisen. Die Antworten auf Ihre Gebete sind möglicherweise nicht spektakulär; vielleicht sind sie auch nicht leicht zu verstehen oder anzunehmen. Aber die Zeit kommt, da Sie wissen werden, dass Sie gesegnet worden sind.22

5

Eine glückliche Ehe beruht darauf, dass man sich beständig um das Wohlergehen des Partners kümmert

Pflegen Sie Ihre Ehe. Hüten Sie sie, und bemühen Sie sich darum, dass sie solide und schön bleibt. … Die Ehe ist ein Bund, ein Vertrag zwischen Mann und Frau gemäß dem Plan des allmächtigen Gottes. Sie kann zerbrechlich sein. Man muss sie pflegen und viel Anstrengung investieren.23

Nachdem ich im Laufe der Jahre mit Hunderten von Scheidungsfällen zu tun gehabt habe, bin ich davon überzeugt, dass eine einzige Gewohnheit mehr als alles andere dazu beitragen kann, dieses traurige Problem zu lösen.

Wenn nämlich jeder Ehemann und jede Ehefrau ständig alles Erdenkliche dafür tun würde, dass der Partner glücklich und zufrieden ist, dann gäbe es, wenn überhaupt, nur wenige Scheidungen. Man würde keine Auseinandersetzungen hören. Vorwürfe würden niemals vorgebracht. Wutausbrüche kämen nicht vor. Stattdessen träten Liebe und Anteilnahme an die Stelle von Beschimpfungen und Gemeinheiten. …

Für die meisten ehelichen Schwierigkeiten ist Scheidung keine Lösung. Die Lösung liegt in Umkehr und Vergebung, in Güte und Fürsorge. Die Lösung findet sich in der Goldenen Regel.

Es liegt große Schönheit darin, wenn ein junger Mann und eine junge Frau sich am Altar die Hand reichen und vor Gott geloben, einander zu ehren und zu lieben. Doch wie trostlos ist das Bild, wenn es einige Monate oder Jahre später spitze Bemerkungen, gemeine und verletzende Worte, lautes Schimpfen und bittere Vorwürfe gibt.

Das muss nicht sein, liebe Brüder und Schwestern! Wir können uns über diese niederen und armseligen Elemente in unserem Leben erheben (siehe Galater 4:9). Wir können das göttliche Wesen im anderen suchen und erkennen, das wir ja als Kinder unseres Vaters im Himmel alle besitzen. Wir können nach dem von Gott vorgegebenen Muster der Ehe zusammenleben und das erreichen, wozu wir fähig sind, wenn wir Selbstdisziplin üben und davon absehen, unseren Partner zurechtzuweisen.24

Eine Frau und ein Mann

Pflegen Sie Ihre Ehe. Hüten Sie sie, und bemühen Sie sich darum, dass sie solide und schön bleibt.

In jeder Ehe geht es gelegentlich stürmisch zu. Aber mit Geduld, gegenseitiger Achtung und mit Toleranz kann man diese Stürme überstehen. Wo Fehler gemacht worden sind, kann es Entschuldigung, Umkehr und Vergebung geben. Aber beide Seiten müssen dazu bereit sein. …

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine glückliche Ehe … darauf [beruht], dass man eifrig um das Wohlergehen seines Partners besorgt ist. Wenn man nur an sich selbst und an die Erfüllung der eigenen Wünsche denkt, kommen weder Vertrauen noch Liebe zustande und ist man nicht glücklich. Nur wenn man selbstlos ist, kann die Liebe mit all ihren Begleiterscheinungen wachsen und gedeihen.25

Viele von uns müssen jetzt aufhören, nach Fehlern zu suchen, und stattdessen anfangen, nach Stärken zu suchen. … Leider wollen manche Frauen ihren Mann nach ihren Vorstellungen umformen. Manche Männer meinen, es stehe ihnen zu, ihre Frau in die Norm zu zwingen, die sie für ideal halten. So etwas geht aber nie gut, sondern führt zu Streit, Missverständnissen und Kummer.

Wir müssen die Interessen des anderen achten. Jeder muss Gelegenheit und Ansporn erhalten, seine Talente zu entfalten.26

Seien Sie Ihrem Ehepartner hundertprozentig treu, denn im Hinblick auf Zeit und Ewigkeit ist er Ihr größter Schatz und verdient das Allerbeste in Ihnen.27

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Präsident Hinckley hat gesagt, dass der Vater im Himmel die Ehe zwischen Mann und Frau festgesetzt hat, damit „seine Kinder glücklich und geborgen sind“ (Abschnitt 1). Wie kann sich diese Erkenntnis auf die Beziehung zwischen Ehepartnern auswirken? Wie können Mann und Frau dafür sorgen, dass sich Ihre Ehe stets „rein und unbefleckt über das Böse der Welt erhebt“?

  • Welche Segnungen bringt eine ewige Ehe in diesem Leben und in der Ewigkeit? (Siehe Abschnitt 2.) Welche Erfahrungen haben Sie dazu veranlasst, eine ewige Beziehung noch mehr zu schätzen? Wie können wir Kindern erklären, wie wichtig die ewige Ehe ist?

  • Warum ist es wichtig, dass die Ehe „eine Partnerschaft zwischen gleichwertigen Menschen“ ist? (Siehe Abschnitt 3.) Was lernen wir aus der Geschichte in Abschnitt 3? Wie können Mann und Frau eine solche Kraft in ihrer Ehe entwickeln?

  • Wie können Präsident Hinckleys Verheißungen und sein Rat in Abschnitt 4 denen helfen, die nicht verheiratet sind? Inwiefern betreffen die Aussagen in diesem Abschnitt alle Menschen? Warum ist es wichtig, dass wir anderen mit unseren Talenten und Fähigkeiten helfen?

  • Auf welche Weise können Mann und Frau ihre Ehe pflegen? (Siehe Abschnitt 5.) Was haben Sie darüber gelernt, wie Mann und Frau Herausforderungen überwinden und gemeinsam zu größerem Glück finden können? Welche Beispiele fallen Ihnen dazu ein?

Einschlägige Schriftstellen

1 Korinther 11:11; Matthäus 19:3-6; LuB 42:22; 132:18,19; Mose 2:27,28; 3:18,21-24

Studienhilfe

„Widmen Sie dem Studium des Gotteswortes jeden Tag Zeit, für sich allein und mit der Familie, dann wird in Ihrem Leben Frieden herrschen. Dieser Friede kommt nicht von der Außenwelt. Er wird aus Ihrem Zuhause kommen, aus Ihrer Familie, aus Ihrem eigenen Herzen.“ (Richard G. Scott, „Machen Sie die Ausübung Ihres Glaubens zur obersten Priorität“, Liahona, November 2014, Seite 93.)

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. In: „Die Frauen in unserem Leben“, Liahona, November 2004, Seite 85

  2. In: „Zu Hause bei den Hinckleys“, Liahona, Oktober 2003, Seite 32

  3. In: Jeffrey R. Holland, „President Gordon B. Hinckley: Stalwart and Brave He Stands“, Ensign, Juni 1995, Seite 10f.

  4. In: Glimpses into the Life and Heart of Marjorie Pay Hinckley, Hg. Virginia H. Pearce, 1999, Seite X

  5. In: Glimpses, Seite 184

  6. Tagebuch von Gordon B. Hinckley, 29. April 1977

  7. Gerry Avant, „A Tender Farewell to an Elect Lady“, Church News, 17. April 2004, Seite 4

  8. „The Women in Our Lives“, Ensign, November 2004, Seite 82

  9. Marjorie Pay Hinckley, Letters, 2004, Seite 264; siehe auch R. Scott Lloyd, „Apostle’s Work Continues beyond Veil“, Church News, 31. Juli 2004, Seite 3

  10. Gordon B. Hinckley, „Was Gott verbunden hat“, Der Stern, Juli 1991, Seite 68

  11. „Das weiß ich mit Bestimmtheit“, Liahona, Mai 2007, Seite 85

  12. „Wozu gibt es Tempel?“, Der Stern, Juni 1992, Seite 5f.

  13. „Eine Ehe, die Bestand hat“, Liahona, Juli 2003, Seite 6f.

  14. „Die Frauen in unserem Leben“, Seite 84

  15. „Persönlich würdig sein, das Priestertum anzuwenden“, Liahona, Juli 2002, Seite 60

  16. „I Believe“, Ensign, August 1992, Seite 6

  17. „Was Gott verbunden hat“, Seite 71

  18. „And the Greatest of These Is Love“, Andacht an der Brigham-Young-Universität, 14. Februar 1978, Seite 2f., speeches.byu.edu

  19. „To Single Adults“, Ensign, Juni 1989, Seite 72

  20. „To Single Adults“, Seite 72f.

  21. „Live Up to Your Inheritance“, Ensign, November 1983, Seite 82f.

  22. „To Single Adults“, Seite 74

  23. „Im Licht des Herrn leben“, Der Stern, Januar 1999, Seite 117f.

  24. „Die Frauen in unserem Leben“, Seite 84

  25. „Ich glaube“, Seite 6f.

  26. Cornerstones of a Happy Home, Broschüre, 1984, Seite 5f.

  27. „Thou Shalt Not Covet“, Ensign, März 1990, Seite 6