Kapitel 17

Beständig lernen und sich weiterbilden

Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley


Wir müssen weiter Fortschritt machen. Wir müssen unablässig lernen. Gott selbst hat uns aufgefordert, uns immer neues Wissen anzueignen.

Aus dem Leben von Gordon B. Hinckley

„Ich lerne äußerst gern“, sagte Präsident Gordon B. Hinckley einmal. „Ich freue mich über jede Gelegenheit, mir Wissen anzueignen. Ich glaube wahrlich an das Streben nach Bildung und habe es im Laufe meines Lebens eifrig unterstützt – für mich selbst und für andere. … Aus meiner Sicht ist das Lernen gleichermaßen etwas Praktisches wie etwas Geistiges.“1

Präsident Hinckleys Amtsbrüder in der Führung der Kirche staunten über seine Gabe, Wissen zu erwerben und es bei seiner Arbeit anzuwenden. Elder Robert D. Hales vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erzählt: „Ich kenne niemanden, der sich durch Lesen und Gespräche mit anderen so gut informieren kann. Wenn er mit jemandem zu Abend isst, weiß er am Ende etwas über die Sachkenntnisse des Betreffenden.“ Elder Neal A. Maxwell, ebenfalls vom Kollegium der Zwölf Apostel, hat gesagt: „Was Präsident Hinckley so einmalig macht, ist, dass er sich daran erinnert, was er gelesen hat, und das verinnerlicht, was er bewahren möchte. Er hat einen kombinierenden Verstand. Er kann auf sein Wissen zurückgreifen, um kluge Entscheidungen zu treffen.“2

In seinen lebenslangen Bemühungen zu lernen und sich zu verbessern, ist Präsident Hinckley dem Beispiel seiner Eltern gefolgt. Er erzählte davon, wie wichtig seinem Vater Bryant S. Hinckley das Lernen war:

„Als er etwa so alt war wie ich jetzt, war er bereits Rentner. Aber er war sehr aktiv. Er lebte in einem schlichten, aber gemütlichen Haus in einer ländlichen Gegend. Es gab dort einen Obstgarten, und er hatte Gefallen daran, sein Obst zu verschenken. Auf dem Grundstück an seinem Haus gab es Rasenflächen, Büsche und Bäume. Es gab dort auch eine Steinmauer, etwa einen halben Meter hoch, die zwei Ebenen voneinander trennte. Bei schönem Wetter saß er auf der Mauer und trug einen alten Hut, der seine Augen vor der Sommersonne schützte. Wenn wir ihn besuchten, setzte ich mich an seine Seite. Wenn man ihn darauf ansprach, sprach er über sein Leben. …

Er war Lehrer gewesen. Ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er hatte über den größten Pfahl der Kirche mit über 15.000 Mitgliedern präsidiert. Er war Missionspräsident gewesen und hatte viele andere Ämter bekleidet. Und nun war er Rentner und saß auf dieser Mauer. Er war ein guter Leser mit einer wunderbaren Bibliothek. Er war ein ausgezeichneter Sprecher und Autor. Fast bis zu seinem Tod im Alter von fast 94 Jahren las und schrieb er und dachte über das Wissen nach, das er sich angeeignet hatte.

Ich fand heraus, dass er, wenn er auf der Mauer saß – stundenlang an warmen Tagen –, über das nachdachte, was er in seiner Bibliothek gelesen hatte.

Ich finde, er ist ehrwürdig und auf wundervolle Weise alt geworden. Er hatte seine Bücher mit den kostbaren Schätzen an Gedanken großartiger Männer und Frauen aus allen Zeitaltern. Er hörte niemals auf zu lernen, und wenn er auf dieser Mauer saß, dachte er tiefgründig darüber nach, was er am Abend zuvor gelesen hatte. …

Warum erzähle ich Ihnen von einem alten Mann und der Mauer, auf der er saß? Ich erzähle Ihnen das, weil ich meine, dass wir alle etwas daraus lernen können. Wir dürfen niemals aufhören zu lernen. Wir glauben an ewigen Fortschritt und dass dieses Leben ein Teil der Ewigkeit ist, das wir bis zum Ende lohnend verbringen sollen.“3

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„Trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben.“ (LuB 88:118)

Lehren von Gordon B. Hinckley

1

Der Herr möchte, dass wir uns Bildung aneignen, damit wir persönlich Fortschritt machen und in der Gesellschaft unseren Beitrag leisten können

Ihr gehört zu einer Kirche, die lehrt, wie wichtig Bildung ist. Ihr habt vom Herrn den Auftrag erhalten, euren Verstand, euer Herz und eure Hände zu schulen. Der Herr hat gesagt: „Lehrt eifrig … [das], was sowohl im Himmel als auch auf der Erde und unter der Erde ist; [das], was gewesen ist, [das], was ist, [das], was sich in Kürze begeben muss; [das], was daheim ist, [das], was in der Fremde ist; [die Kriege und die] Verwirrungen der Nationen und [die Strafgerichte], die auf dem Lande lasten; und auch [eine] Kenntnis von Ländern und von Reichen – damit ihr in allem bereit seiet.“ (LuB 88:78-80.)4

Uns Mitgliedern der Kirche gilt eine herrliche Verheißung des Herrn. Er hat gesagt: „Was von Gott ist, das ist Licht, und wer Licht empfängt und in Gott verbleibt, empfängt mehr Licht; und jenes Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tag.“ (LuB 50:24.)

Diese Aussage ist äußerst bemerkenswert. Dieser Vers gehört zu meinen Lieblingsschriftstellen. Hier geht es um Fortschritt, um Entwicklung, um den Weg, an dessen Ende man zum Gott wird. Er steht in Zusammenhang mit den folgenden Versen: „Die Herrlichkeit Gottes ist Intelligenz oder, mit anderen Worten, Licht und Wahrheit.“ (LuB 93:36.) „Und wenn jemand in diesem Leben durch seinen Eifer und Gehorsam mehr Wissen und Intelligenz erlangt als ein anderer, so wird er in der künftigen Welt um so viel im Vorteil sein.“ (LuB 130:19.) …

Diese herrlichen Verse beinhalten aber auch eine wichtige Aufgabe: Wir müssen weiter Fortschritt machen. Wir müssen unablässig lernen. Gott selbst hat uns aufgefordert, uns immer neues Wissen anzueignen. …

Der Herr hat Sie und mich aufgefordert: „Sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern; trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben. … Organisiert euch. … Hört auf, müßig zu sein.“ (LuB 88:118,119,124.)5

Der Herr möchte, dass man Verstand und Hände schult – in welchem Fachgebiet auch immer. Ob man nun Kühlschränke repariert oder die Arbeit eines hoch qualifizierten Chirurgen macht – man muss lernen. Streben Sie nach der besten Ausbildung, die es gibt. Werden Sie in der Welt, die vor Ihnen liegt, eine Arbeitskraft, die sich durch Redlichkeit auszeichnet. … Sie werden der Kirche Ehre machen, und dank Ihrer Ausbildung werden Sie reich gesegnet werden.

Es steht zweifelsfrei fest, dass sich eine gute Ausbildung auszahlt. Ruinieren Sie nicht Ihr Leben. Andernfalls müssen Sie immer und immer wieder dafür zahlen.6

Es reicht nicht aus, nur zu leben, nur zu überleben. Es obliegt einem jeden von uns, sich darauf vorzubereiten, etwas Sinnvolles in der Gesellschaft zu leisten – sich immer mehr Licht anzueignen, damit sein Licht dazu beitragen kann, eine verfinsterte Welt zu erhellen. Und das ist möglich, wenn wir lernen, uns bilden und Fortschritt machen und dadurch intellektuell und auch geistig wachsen.7

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Beginnen Sie früh damit, Kinder an Bücher heranzuführen.

2

Mit guter Planung und Selbstdisziplin können Eltern in ihrem Zuhause eine Atmosphäre schaffen, die zum Lernen anregt

Wie wunderbar interessant es doch ist, wenn man miterlebt, wie ein junger Mensch sich anstrengt und dazulernt. Ich gehöre zu denen, die es sehr zu schätzen wissen, wie das Fernsehen zum Guten genutzt werden kann. Aber ich gehöre auch zu denen, die die schreckliche Zeitverschwendung und Vergeudung von Möglichkeiten beklagen, wenn Kinder sich in manchen Familien stundenlang etwas anschauen, was sie weder erleuchtet noch stärkt.

Als ich ein Junge war, wohnten wir in einem großen, alten Haus. Ein Zimmer war die „Bibliothek“. Es gab dort einen stabilen Tisch und eine gute Lampe, drei, vier bequeme Stühle mit gutem Licht und an der Wand entlang Bücherschränke. Es waren viele Bände, die mein Vater und meine Mutter im Lauf der Jahre erworben hatten.

Wir wurden nie gezwungen, darin zu lesen; sie waren uns aber leicht zugänglich, und wir konnten hingehen, wann immer wir wollten.

In dem Zimmer war es still; es war ganz klar, dass es ein Studierzimmer war.

Es lagen dort auch Zeitschriften ‒ die Zeitschriften der Kirche und zwei, drei andere gute Zeitschriften. Geschichte und Literatur waren vertreten, dazu technische Themen, Wörterbücher und Lexika sowie ein Weltatlas. Damals gab es natürlich noch kein Fernsehen. Das Radio kam erst auf, als ich größer war. Es war aber eine Atmosphäre da, die zum Lernen anregte. Ich will Ihnen nicht weismachen, wir seien große Gelehrte gewesen. Wir beschäftigten uns aber mit großer Literatur, großen Ideen großer Denker und mit der Sprache von Männern und Frauen, die intensiv nachgedacht und Schönes geschrieben haben.

Viele Familien haben heutzutage nicht die Möglichkeit, eine solche Bibliothek einzurichten. Die meisten Familien leben auf engstem Raum zusammen. Aber mit ein wenig Planung kann man eine Ecke oder einen Bereich schaffen, wo man sich von dem Lärm, der einen umgibt, zurückziehen und sich hinsetzen, lesen und nachdenken kann. Es ist etwas Wundervolles, wenn man einen Schreibtisch oder einen Tisch hat – und sei er noch so schlicht –, auf dem die Standardwerke der Kirche stehen, ein paar gute Bücher, die Zeitschriften der Kirche und andere Dinge, die es wert sind, gelesen zu werden.

Beginnen Sie früh damit, Kinder an Bücher heranzuführen. Eine Mutter, die es versäumt, ihren kleinen Kindern vorzulesen, tut ihnen und sich selbst keinen Gefallen. Man braucht Zeit dafür, ja, sogar eine Menge. Man braucht Selbstdisziplin. Man muss organisiert sein und sich die Minuten und Stunden des Tages gut einteilen. Aber es ist niemals vergebens, wenn man miterlebt, wie ein junger Mensch Buchstaben, Wendungen und Vorstellungen kennenlernt. Gute Lektüre kann zu einer Leidenschaft werden, die langfristig gesehen weitaus lohnender ist als viele andere Aktivitäten, mit denen Kinder ihre Zeit verbringen. …

Eltern, … machen Sie Ihre Kinder mit großartigen Menschen und Gedanken und ewigen Wahrheiten vertraut und mit dem, was sie erbaut und zum Guten bewegt. … Versuchen Sie, in Ihrer Familie eine gute Lernumgebung zu schaffen, dann wird Wachstum daraus hervorgehen.8

3

Bildung öffnet Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Tür zu vielen Chancen

Heutzutage bieten sich den jungen Leuten viele Chancen; es ist eine wunderbare Zeit, um auf der Erde zu sein. Ihr seid auf dem Höhepunkt aller Zeiten. Euch steht das Gelernte aller Menschen offen, die je auf Erden waren; was sie gelernt haben, wird in Kursen und Klassen gelehrt, wo ihr in relativ kurzer Zeit Wissen erwerben könnt – Wissen, das sich die Menschen über die vergangenen Jahrhunderte hinweg mühsam angeeignet haben. Unterschätzt euch nicht. Vergeudet nicht eure großartigen Möglichkeiten. Eignet euch Wissen an, arbeitet daran, studiert fleißig.9

Es ist so wichtig, dass ihr jungen Menschen euch so viel Bildung aneignet wie nur möglich. … Sie ist der Schlüssel, der euch die Tür zu vielen Chancen öffnet. Sie ist es wert, dass ihr dafür Opfer bringt. Sie ist es wert, dass ihr euch anstrengt, und wenn ihr Kopf und Hände schult, könnt ihr in der Gesellschaft, in der ihr lebt, einen wichtigen Beitrag leisten. Außerdem macht ihr damit der Kirche Ehre, deren Mitglied ihr seid. Meine lieben jungen Brüder und Schwestern, nutzt jede Gelegenheit, euch weiterzubilden, die ihm Rahmen eurer Möglichkeiten liegt. Liebe Väter und Mütter, spornt eure Söhne und Töchter an, ein gute Ausbildung zu machen, von der sie im Leben profitieren.10

Vielleicht habt ihr nicht genügend Geld für die Ausbildung, die ihr euch wünscht. Versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die euch mit eurem Geld zur Verfügung stehen, und nehmt Stipendien und Darlehen in Anspruch, sofern ihr sie zurückzahlen könnt.11

Es ist mir gleich, was ihr einmal werden wollt, solange es nur ehrenwert ist. Ob Automechaniker, Maurer, Klempner, Elektriker, Arzt, Anwalt oder Kaufmann – nur kein Dieb. Aber was auch immer ihr seid, nutzt die Gelegenheit, euch darin auszubilden und macht das Beste aus dieser Chance. Die Gesellschaft wird euch so viel Lohn geben, wie sie meint, dass ihr es wert seid. Jetzt ist für einen jeden von euch der wichtige Tag, an dem es sich vorzubereiten gilt. Wenn das bedeutet, dass ihr Opfer bringen müsst, dann bringt Opfer. Dieses Opfer wird die beste Investition sein, die ihr jemals gemacht habt, denn ihr werdet euer ganzes Leben lang etwas dafür zurückbekommen.12

Ich fordere jede von euch Jungen Damen eindringlich auf, euch so viel Schulbildung anzueignen, wie ihr nur könnt. Ihr werdet sie brauchen für die Welt, die vor euch liegt. Der Konkurrenzkampf im Leben wird immer härter. … Die Welt ändert sich, und wir müssen unbedingt entsprechend gerüstet sein, um uns an diese Veränderungen anzupassen. Doch das alles hat auch eine gute Seite. In der ganzen Menschheitsgeschichte hat es noch nie eine Generation gegeben, in der den Frauen so viele Möglichkeiten offenstanden. Euer erstes Ziel sollte eine glückliche Ehe sein, und zwar im Tempel des Herrn gesiegelt, gefolgt von der Erziehung guter Nachkommen. Eine gute Bildung trägt dazu bei, dass ihr diese Ideale verwirklichen könnt.13

In Kirche und Gesellschaft gibt es unzählige Aufgaben für Frauen, die mit Ehe, Mutterschaft und dem Aufziehen guter und fähiger Kinder vereinbar und völlig im Einklang sind.14

Die ganze Bandbreite menschlichen Bestrebens steht den Frauen heute offen. Es gibt nichts, was ihr nicht tun könnt, wenn es euer fester Wille ist. In eurem Traum von der Frau, die ihr sein wollt, ist auch Platz für das Bild einer Frau, die das Können mitbringt, der Gesellschaft zu dienen und in der Welt, zu der sie gehört, einen wichtigen Beitrag zu leisten.15

Ich bin dankbar, dass Frauen heute dieselben Möglichkeiten genießen wie Männer, um Wissenschaften zu studieren, Berufe zu ergreifen und sich auf jegliche andere Weise das Wissen der Menschheit anzueignen. Sie haben ebenso wie Männer ein Anrecht auf den Geist Christi, der jeden Mann und jede Frau erleuchtet, die in die Welt kommen. (Siehe LuB 84:46.) Machen Sie Ehe und Familie zur Priorität, aber machen Sie auch eine Ausbildung, mit der Sie eine zufriedenstellende, einträgliche Arbeitsstelle bekommen können, für den Fall, dass Sie nicht heiraten sollten, oder damit Sie Sicherheit haben und Erfüllung finden, falls Sie heiraten.16

Ihr [Jungen Männer] steht vor großen Herausforderungen. Ihr bewegt euch auf eine Welt voll erbitterten Wettbewerbs zu. Ihr müsst euch eine so gute Ausbildung verschaffen, wie ihr nur könnt. Der Herr hat uns darin unterwiesen, wie wichtig Bildung ist. Sie befähigt euch für größere Chancen. Sie versetzt euch in die Lage, in der großen Welt voller Chancen, die vor euch liegt, etwas Sinnvolles zu tun. Wenn ihr studieren könnt und wollt, dann tut das. Wenn ihr nicht studieren wollt, dann besucht eine Berufsschule oder andere Bildungseinrichtung, um eure Fähigkeiten zu vertiefen und zu erweitern.17

Ich hoffe, ihr [jungen Leute] betrachtet die Bildungsmöglichkeiten, die ihr habt, als einen großen Segen. Ich weiß, dass es anstrengend ist. Ich weiß, dass es schwierig ist. Ich weiß, dass ihr manchmal den Mut verliert. Ich weiß, dass ihr euch manchmal fragt, wozu das alles gut sein soll. Aber macht weiter, beißt euch da durch, und lernt weiter! Solange ihr lebt, werdet ihr es nicht bereuen, sondern werdet es als großen Segen erachten.18

4

Seinen Geist zu schulen ist genauso wichtig wie den Verstand zu schulen – wenn nicht gar wichtiger

Ich bin tief beeindruckt davon, wie viele gebildete Menschen es heutzutage gibt. Nie zuvor haben so viele Menschen das Wissen der Welt erworben. Was für eine gewaltige Sache das ist – die intensive Ausbildung einer großen Anzahl von Jugendlichen in der Welt, die täglich mit Lehrern zusammenkommen und das Wissen aller Zeitalter sammeln.

Das Ausmaß dieses Wissens verschlägt einem den Atem. Es schließt die Sterne des Universums ein, die Beschaffenheit der Erde, die Geschichte der Nationen, die Kulturen und Sprachen der Menschen, das Walten von Regierungen, die Gesetze des Handels, das Verhalten des Atoms, die Funktionen des Körpers und die Wunder des Verstandes.

Mit so viel vorhandenem Wissen sollte man meinen, dass die Welt nahezu perfekt ist. Und doch wird uns ständig die andere Seite der Medaille vor Augen geführt: die kranke Gesellschaft, die Streitigkeiten und Schwierigkeiten, die das Leben von Millionen von Menschen elend machen.

Jeden Tag wird uns immer mehr bewusst gemacht, dass es im Leben mehr gibt als Wissenschaft und Mathematik, mehr als Geschichte und Literatur. Wir brauchen noch eine Ausbildung, ohne die all das weltliche Wissen nur zu Zerstörung führen kann. Ich meine die Ausbildung des Herzens, des Gewissens, des Charakters und des Geistes – diese undefinierbaren Aspekte unserer Persönlichkeit, die so gewiss bestimmen, wer wir sind und wie wir uns in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen verhalten. …

Als Missionar in England ging ich einmal zum Christlichen Verein Junger Menschen von London. Ich nehme an, dieses alte Gebäude ist schon längst verschwunden, aber ich werde niemals die Worte vergessen, die die Besucher sahen, wenn sie das Foyer betraten. Es waren die Worte Salomos: „Erwirb dir Einsicht mit deinem ganzen Vermögen!“ (Sprichwörter 4:7.)

Welche Einsicht oder Erkenntnis? Erkenntnis von uns selbst, vom Zweck des Lebens, von unserer Beziehung zu Gott, der unser Vater ist, von den großartigen Grundsätzen, die Gott uns gegeben hat und die seit Jahrhunderten dem Menschen die Stärke verliehen haben, wahren Fortschritt zu machen. …

Wenn wir unser weltliches Studium verfolgen, wollen wir in unserem Leben auch unseren Geist pflegen. Wenn wir das tun, wird Gott uns mit Frieden segnen und uns Segnungen geben, wie nur er sie uns geben kann.19

Jesus Christus

Bei all unserem Wissenserwerb müssen wir auch nach Erkenntnis vom Herrn trachten.

Jesus hat gesagt: „Lernt von mir … Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:29,30.)

Ich schlage vor, dass wir dieser Aufforderung des Gottessohnes Folge leisten. Lassen Sie uns bei all unserem Lernen auch von ihm lernen. Bei all unserem Wissenserwerb müssen wir auch nach Erkenntnis vom Herrn trachten. Diese ergänzt unsere weltliche Bildung bestens und verleiht uns Charakter und eine Lebensfülle, die auf keine andere Weise zustande kommen.20

Vergessen Sie bitte nie: Seinen Geist zu schulen ist genauso wichtig wie den Verstand zu schulen – wenn nicht gar wichtiger.21

Das große Bildungsprogramm der Kirche schreitet weiter voran. Es registrieren immer mehr Teilnehmer bei Seminar und Institut. … Wer an diesem Programm teilgenommen hat, weiß um seinen ungeheuren Wert. Wir möchten alle, die daran teilnehmen können, dringend dazu auffordern. Wir verheißen Ihnen, dass Ihre Kenntnis vom Evangelium zunimmt, Ihr Glaube wächst und Sie mit Gleichgesinnten Freundschaft schließen werden.22

Nehmen wir den Namen des Herrn auf uns und gehen dann mit Glauben voran, um mit Nachdruck das weiterzugeben, was das Leben der Menschen beeinflussen und der Welt Frieden und Freude bringen wird. Die Welt braucht eine Generation von Männern und Frauen, die gebildet sind und Einfluss haben, die aufstehen und aufrichtig ohne Umschweife verkünden, dass Gott lebt und dass Jesus der Messias ist.23

5

Ganz gleich, wie alt wir sind – wir können uns Wissen aneignen, Weisheit erlangen und weiter Fortschritt machen

Wie erstaunlich doch das Lernen ist. Man hat das gesammelte Wissen der Jahrhunderte zusammengefasst und gefiltert, sodass wir innerhalb kurzer Zeit etwas lernen können, wozu anfangs lange geforscht und ausprobiert werden musste.

Bildung ist der bedeutsame Vorgang, bei dem abstraktes Wissen in nützliches und produktives Tun umgewandelt wird. Das muss niemals aufhören. Ganz gleich, wie alt wir sind – wir können uns Wissen aneignen und es nutzen. Wir können Weisheit erlangen und daraus Nutzen ziehen. Das Wunder des Lesens und die Beschäftigung mit den Künsten können zu unserer Unterhaltung beitragen und in unserem Leben ein Segen und eine Bereicherung sein. Je älter ich werde, desto mehr Freude habe ich an den wohlüberlegten Worten von Autoren aus Vergangenheit und Gegenwart, und desto mehr genieße ich, was sie geschrieben haben.24

Keiner von uns … weiß genug. Man hört nie auf zu lernen. Wir müssen lesen, beobachten und alles in uns aufnehmen. Wir müssen über das, was wir aufnehmen, nachdenken. … Ich glaube an Fortschritt. Ich glaube an Wachstum. …

Lernen Sie immer weiter, meine Brüder und Schwestern, ob Sie nun 30 sind oder 70. Wenn Sie hierbei eifrig sind, werden die Jahre schneller vergehen, als Ihnen vielleicht lieb ist, aber sie werden erfüllt sein von einem verlockenden und wunderbaren Drang, der Ihrem Leben Würze und dem, was Sie sagen, Macht verleihen wird.25

Unmittelbar im Osten [der Brigham-Young-Universität in Provo] gibt es einen Berg. Ich bin mir sicher, dass [viele] diesen Berg angeschaut und sich gedacht haben: „Wenn ich nur bis auf den Gipfel klettern könnte; es wäre so interessant, das Tal auf der anderen Seite zu sehen.“ Aber diejenigen von Ihnen, die hochgestiegen sind, haben festgestellt, dass das Tal nur klein und eher eine flache Senke ist und dass es dahinter viele weitere, noch höhere Berge gibt, die zu bezwingen sind.

So ist es hoffentlich auch mit Ihnen. … Sie werden erkennen, dass Sie zwar viel gelernt haben [mögen], dass es darüber hinaus aber noch größere Möglichkeiten und Herausforderungen gibt. Erweitern Sie Ihr Wissen, nehmen Sie an Erkenntnis zu und lernen Sie beständig weiter.26

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Warum ist es wichtig, sich durch Bildung immer mehr Licht anzueignen? (Siehe Abschnitt 1.) Wie kann uns das Lernen dabei helfen, Fortschritt zu machen? Wie kann uns das Lernen dabei helfen, eine verfinsterte Welt zu erhellen?

  • Lesen Sie Präsident Hinckleys Beschreibung davon, wie seine Eltern in ihrem Zuhause eine Atmosphäre des Lernens geschaffen haben (siehe Abschnitt 2). Wie können wir Kindern helfen, gerne zu lernen? Wie können wir fördern, dass Kinder aus Quellen lernen möchten, die sie erleuchten und zum Guten bewegen?

  • Inwiefern öffnet Bildung Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Tür zu vielen Chancen? (Siehe Abschnitt 3.) Wie können Jugendliche und junge Erwachsene Bildungsmöglichkeiten einfallsreich nutzen?

  • Was verstehen Sie darunter, was es heißt, seinen Geist zu schulen? (Siehe Abschnitt 4.) Wie können wir das Herz, den Charakter und den Geist schulen? Inwiefern haben sich in Ihrem Leben geistiges Lernen und weltliches Lernen ergänzt?

  • Warum sollen wir unser Leben lang lernen? (Siehe Abschnitt 5.) Wie können wir es beibehalten, dass wir unser Leben lang dazulernen wollen? Was haben Sie vor kurzem gelernt, was für Sie besonders wertvoll gewesen ist?

Einschlägige Schriftstellen

Sprichwörter 1:5; 2 Petrus 1:1-8; 2 Nephi 9:28,29; 28:29,30; LuB 6:7; 90:15; 131:6; 136:32,33

Unterrichtshilfe

Sie können ein Gespräch über die Lehren von Präsident Hinckley anregen, wenn Sie die Unterrichtsteilnehmer zum Beispiel bitten, zu erzählen, was sie in ihrem persönlichen Studium dieses Kapitels erkannt haben (weitere Anregungen finden Sie auch auf Seite VIIIff. in diesem Buch).

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. Standing for Something: Ten Neglected Virtues That Will Heal Our Hearts and Homes, 2000, Seite 59

  2. Aus: Go Forward with Faith: The Biography of Gordon B. Hinckley von Sheri L. Dew, 1996, Seite 449f.

  3. Discourses of President Gordon B. Hinckley, Band 1: 1995–1999, 2005, Seite 406f.

  4. „A Prophet‘s Counsel and Prayer for Youth“, Ensign, Januar 2001, Seite 4f.

  5. „A Conversation with Single Adults“, Ensign, März 1997, Seite 62

  6. „A Prophet‘s Counsel and Prayer for Youth“, Seite 7

  7. Standing for Something, Seite 67

  8. „The Environment of Our Homes“, Ensign, Juni 1985, Seite 4f.

  9. Teachings of Gordon B. Hinckley, 1997, Seite 171f.

  10. „Inspirational Thoughts“, Ensign, Juni 1999, Seite 4

  11. „Stay on the High Road“, Ensign, Mai 2004, Seite 113

  12. Teachings of Gordon B. Hinckley, Seite 172f.

  13. „Stand True and Faithful“, Ensign, Mai 1996, Seite 92

  14. „Youth Is the Season“, New Era, September 1988, Seite 47

  15. „How Can I Become the Woman of Whom I Dream?“, Ensign, Mai 2001, Seite 115

  16. „Ten Gifts from the Lord“, Ensign, November 1985, Seite 89

  17. „Converts and Young Men“, Ensign, Mai 1997, Seite 49f.

  18. Discourses of President Gordon B. Hinckley, Band 1, Seite 370

  19. „With All Thy Getting Get Understanding“, Ensign, August 1988, Seite 2, 5

  20. „With All Thy Getting Get Understanding“, Seite 5

  21. Aus: „President Hinckley Visits New Zealand, Australia, and Mexico“, Ensign, August 1997, Seite 77

  22. „The Miracle Made Possible by Faith“, Ensign, Mai 1984, Seite 47

  23. „With All Thy Getting Get Understanding“, Seite 5

  24. „I Believe“, Ensign, August 1992, Seite 4

  25. Teachings of Gordon B. Hinckley, Seite 298f.

  26. Teachings of Gordon B. Hinckley, Seite 299