Kapitel 20: Gemeinschaft mit denen, die nicht unseres Glaubens sind

Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley, 2016


Wir wollen uns helfend denen zuwenden, die guten Willens sind, was auch immer sie glauben und wo immer sie leben.

Aus dem Leben von Gordon B. Hinckley

Auf einer Konferenz religiöser Führer sagte Präsident Gordon B. Hinckley im November 1994:

„Wir haben unterschiedliche Ansichten in der Lehre. Ungeachtet unserer theologischen Unterschiede meine ich aber, dass wir uns einig darüber sind, welche Übel und Probleme es in der Welt und in der Gesellschaft, in der wir leben, gibt. Auch sind wir uns einig darin, welch große Verantwortung wir haben und welch großartige Gelegenheit es ist, uns vereint in der Öffentlichkeit wie auch im Privatleben für die Werte auszusprechen, die für Tugend und Moral stehen, für Respekt gegenüber allen Menschen als Kindern Gottes, für die Notwendigkeit von Höflichkeit und Freundlichkeit in unseren Beziehungen und für die Bewahrung der Familie als die von Gott bestimmte Kernzelle der Gesellschaft. …

Wir alle tragen den Wunsch im Herzen, den Armen beizustehen, die Bedrängten emporzuheben und Trost, Hoffnung und Hilfe all denen zu spenden, die aus welchen Gründen auch immer Schwierigkeiten oder Schmerzen haben.

Wir wissen um die Notwendigkeit, die Wunden der Gesellschaft zu heilen und den Pessimismus unserer Zeit durch Optimismus und Glauben zu ersetzen. Uns muss klar sein, dass es keinen Raum für Schuldzuweisungen oder Kritik gibt. Wir müssen unseren Einfluss geltend machen und die wütenden und rachsüchtigen Stimmen besänftigen. …

Unsere Stärke liegt in unserer Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Und gerade auch aus unserer Vielfalt ziehen wir Kraft. Aber noch größere Kraft liegt in dem Auftrag, den Gott jedem von uns erteilt hat, nämlich daran mitzuwirken, dass alle seine Söhne und Töchter emporgehoben und gesegnet werden, und zwar unabhängig von ihrer ethnischen oder nationalen Herkunft oder sonstiger Unterschiede. …

Möge der Herr uns segnen, dass wir einig zusammenarbeiten und jeglichen Hass, Fanatismus, Rassismus und sonstige entzweiende Worte und Taten aus unserem Herzen und aus der Gesellschaft verbannen. Abfällige Bemerkungen, rassistische Verleumdungen, gehässige Schimpfnamen und niederträchtige und boshafte Gerüchte haben keinen Platz unter uns.

Möge Gott uns alle mit dem Frieden segnen, der von ihm ausgeht. Möge er uns mit einem dankbaren Herzen segnen und mit der Bereitschaft, uns mit gegenseitigem Respekt zu begegnen und unsere Anstrengungen zum Segen der Gesellschaft, in der wir leben dürfen, zu vereinen.“1

Ein Jahr später sprach Präsident Hinckley zu einer Gruppe weltlicher Führungskräfte. Es war eine kleine Gruppe von nur etwa 30 Personen, aber es war eine Gruppe mit weitreichendem Einfluss: Präsidenten, Chefredakteure, Produzenten und Reporter, die die größten Medienanstalten in den USA vertraten. In einem sympathischen und mitunter auch humorvollen Austausch gab er einen Überblick über den internationalen Wirkungsbereich der Kirche, sprach über die Missionarsarbeit, die humanitäre Arbeit und die Bildungsangebote und bot dann an, Fragen zu beantworten. … Ganz offen beantwortete er jede Frage ohne zu zögern und ohne jede Spur von Befangenheit. Die Anwesenden äußerten sich etwas überrascht über seine Offenheit, worauf er entgegnete, dass das Einzige, worauf er nicht eingehen werde, Einzelheiten zu den heiligen Handlungen des Tempels seien. „Über alles andere können wir uns ganz offen unterhalten“, erklärte er.

Irgendwann während dieser Fragerunde sagte Mike Wallace, ein erfahrener Reporter, der die Fernsehsendung 60 Minutes moderierte, dass er gerne einen Sonderbericht über Präsident Hinckley bringen würde. Präsident Hinckley hielt kurz inne und entgegnete dann: „Vielen Dank. Ich lasse es darauf ankommen.“2

Später räumte Präsident Hinckley ein, dass er schon gewisse Befürchtungen hatte, was das Interview mit Mike Wallace anging, dem der Ruf vorauseilte, ein hartnäckiger Reporter zu sein. Er erklärte, warum er trotzdem zu diesem Interview bereit war:

„[Ich sah] darin die Gelegenheit, Millionen Zuschauern etwas Positives über unsere Kultur und unsere Botschaft zu sagen. Ich entschied, dass es besser war, sich dem rauen Wind auszusetzen, die Gelegenheit also zu nutzen, als sich zu verstecken und nichts zu tun.“3

In dem umfangreichen Interview kam es zur folgenden Unterhaltung:

Mr. Wallace: „Was ist Ihre Einstellung zu Nichtmormonen?“

Präsident Hinckley: „Ich empfinde Liebe und Achtung für sie. Ich habe viele Freunde, die keine Mormonen sind. Ich achte sie. Ich bewundere sie sehr.“

Mr. Wallace: „Obwohl sie das Licht noch nicht sehen?“

Präsident Hinckley: „Ja. Jedem, der nicht dieser Kirche angehört, sage ich, dass wir um all die Tugenden und das Gute in Ihnen wissen. Bringen Sie es mit, und finden Sie heraus, ob wir dem etwas hinzuzufügen haben.“4

Zum Ende des Interviews war eine Freundschaft zwischen Präsident Hinckley und Mike Wallace entstanden. Mr. Wallace sagte über Präsident Hinckley, dass er eine warmherzige, nachdenkliche, zurückhaltende und optimistische Führungsperson sei und dass er die Bewunderung, die ihm fast überall entgegengebracht wird, ganz und gar verdient habe.5

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Präsident Hinckley hat uns dazu ermuntert, uns gemeinsam mit Andersgläubigen an guten gesellschaftlichen Vorhaben zu beteiligen.

Lehren von Gordon B. Hinckley

1

Wenn wir daran denken, dass alle Menschen Kinder Gottes sind, gehen wir mehr auf die Menschen um uns herum zu, um sie aufzubauen und ihnen zu helfen

Wir dürfen niemals vergessen, dass wir in einer Welt großer Vielfalt leben. Jeder Mensch auf der Erde ist ein Kind unseres himmlischen Vaters, und es gibt die unterschiedlichsten Religionen. Wir müssen Toleranz und Wertschätzung und Achtung füreinander pflegen.6

In keinem Land muss es Konflikte zwischen irgendwelchen Gruppen geben. Zuhause in der Familie soll gelehrt werden, dass wir alle Kinder Gottes, des ewigen Vaters, sind. Und da wir gewiss denselben Vater haben, kann und muss es auch Brüderlichkeit geben.7

Wenn wir uns dieses Bild unseres göttlichen Erbes ständig vor Augen führen würden, dass Gott unser Vater ist und alle Menschen unsere Brüder, dann wären wir etwas toleranter, etwas freundlicher und würden mehr auf die Menschen um uns herum zugehen, um sie aufzubauen, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen. Wir wären weniger geneigt, uns auf Dinge einzulassen, die uns herabwürdigen. Wir sind Kinder Gottes, und wir lieben ihn. Handeln wir ein wenig mehr demgemäß.8

2

Wir müssen Menschen, die nicht unseres Glaubens sind, mit Respekt, Wertschätzung und Freundschaft begegnen

„Wir beanspruchen das Recht, den Allmächtigen Gott zu verehren, wie es uns das eigene Gewissen gebietet, und gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu, mögen sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.“ (11. Glaubensartikel.)

Das ist außerordentlich wichtig – dass wir zwar daran glauben, Gott so zu verehren, wie unsere Lehre es verlangt, aber dabei nicht arrogant, selbstgerecht oder stolz zu werden, sondern anderen das Recht einräumen, ihren Glauben so auszuüben, wie sie es wünschen. Ein Großteil der Unruhe in der Welt ist durch Religionskonflikte aufgekommen. Ich bin dankbar sagen zu können, dass ich mich mit meinen katholischen Freunden hinsetzen und mich mit ihnen unterhalten kann. Ebenso kann ich mich mit meinen protestantischen Freunden hinsetzen und mich mit ihnen unterhalten. Ich würde schützend für sie einstehen, so wie diese Kirche es getan hat und weiter tun wird.9

Ich bitte alle unsere Mitglieder überall, denen mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen, die nicht unseres Glaubens sind. Es besteht großer Bedarf an Höflichkeit und gegenseitiger Achtung unter Menschen verschiedenen Glaubens und unterschiedlicher Weltanschauung. Wir dürfen nicht die Anhänger irgendeiner Doktrin ethnischer Überlegenheit sein. Wir leben in einer Welt der Verschiedenheit. Wir können und müssen denjenigen mit Achtung begegnen, deren Lehren wir nicht zustimmen. Wir müssen bereit sein, die Rechte anderer Menschen zu verteidigen, wenn sie dem Fanatismus zum Opfer zu fallen drohen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf etwas richten, was Joseph Smith 1843 gesagt hat:

„Wenn es sich gezeigt hat, dass ich bereit war, für einen Mormonen zu sterben, so erkläre ich angesichts des Himmels ohne Scheu, dass ich gleichermaßen bereit bin, zur Wahrung der Rechte eines Presbyterianers, eines Baptisten oder sonst eines guten Mannes irgendeiner anderen Glaubensgemeinschaft zu sterben. Denn das gleiche Prinzip, das die Rechte eines Heiligen der Letzten Tage mit Füßen tritt, das tritt auch die Rechte eines Römisch-Katholischen oder jedes anderen Glaubensbekenners mit Füßen, der sich unbeliebt gemacht hat und zu schwach ist, sich selbst zu verteidigen.“ (History of the Church, 5:498.)10

Wir dürfen keine Cliquen bilden. Wir dürfen niemals meinen, heiliger als andere zu sein. Wir dürfen nicht selbstgerecht sein. Wir müssen großherzig, offen und freundlich sein. Wir können an unserem Glauben festhalten. Wir können nach unserer Religion leben. Wir können unsere Weise der Gottesverehrung schätzen, ohne andere Menschen zu beleidigen. Ich bitte bei dieser Gelegenheit dringend um eine tolerante, gutnachbarliche, freundliche und liebevolle Einstellung gegenüber den Anhängern anderer Glaubensrichtungen.11

Wir dürfen nicht unhöflich werden, wenn wir über Unterschiede in der Lehre sprechen. Da ist kein Platz für Bitterkeit. Aber wir können unsere Erkenntnis, die wir durch Offenbarung und die direkte Übertragung von Schlüsseln und Vollmacht durch diejenigen, die sie in alter Zeit innehatten, erhalten haben, niemals aufgeben oder davon abweichen. Lassen Sie uns nie vergessen, dass dies eine Wiederherstellung dessen ist, was der Erretter der Welt eingerichtet hat. …

Wir können andere Religionen respektieren und müssen es auch tun. Wir müssen anerkennen, wie viel Gutes sie vollbringen. Wir müssen unsere Kinder lehren, denen, die nicht unseres Glaubens sind, tolerant und freundlich zu begegnen.12

Es liegt uns fern, anderen Kirchen Schaden zuzufügen. Es liegt uns fern, andere Kirchen zu kränken. Wir streiten nicht mit anderen Kirchen. Wir debattieren nicht mit anderen Kirchen. Den Menschen, die nicht unseres Glaubens sind, sagen wir einfach nur: „Bringen Sie all die Wahrheit mit, die Sie besitzen, und dann sehen wir, ob wir dem noch etwas hinzufügen können.“13

3

Wir können mit anderen in einer guten Sache zusammenarbeiten, ohne von unserer Lehre abzuweichen

In dem immerwährenden Kampf gegen die gesellschaftlichen Übel, die die kostbaren, uns allen so wichtigen Werte bedrohen, können wir mit Menschen aus anderen Glaubensgemeinschaften in verschiedenen Unternehmungen zusammenarbeiten, und wir tun es auch. Diese Menschen gehören nicht unserem Glauben an, aber sie sind unsere Freunde, unsere Nachbarn und in verschiedenen Anliegen unsere Mitstreiter. Wir unterstützen ihre Bemühungen gern und tatkräftig.

Aber bei all dem gibt es keine Kompromisse, was die Lehre angeht. Das muss es nicht geben und darf es von unserer Seite aus auch nicht geben. Und trotzdem gibt es in unserer Zusammenarbeit eine gewisse Verbundenheit.14

Vergessen wir nicht, dass es zu unserem Glaubensbekenntnis gehört, dass wir wohltätig sind und allen Menschen Gutes tun. Ich bin überzeugt, dass wir unsere Kinder gut genug unterweisen können, um nicht fürchten zu müssen, sie könnten ihren Glauben verlieren, wenn sie freundlich und rücksichtsvoll mit denen umgehen, die der Lehre dieser Kirche nicht folgen. … Beteiligen wir uns an guten Vorhaben in der Gesellschaft. Es mag Umstände geben, wo es um schwerwiegende sittliche Fragen geht und wir in Grundsatzfragen nicht nachgeben dürfen. Aber auch in diesen Fällen können wir höflich anderer Meinung sein, ohne unfreundlich zu werden. Wenn wir jemandes Meinung nicht akzeptieren können, so können wir dennoch seine aufrichtige Überzeugung anerkennen. Wir können über Grundsätze sprechen, ohne persönlich zu werden.

Treten wir hervor und seien wir behilflich bei dem, was die Gesellschaft zu einem besseren Ort macht und was allen Mitmenschen zum Segen gereicht. …

Vermitteln Sie denen, für die Sie Verantwortung tragen, wie wichtig es ist, sich in der Gesellschaft gut zu benehmen. Halten Sie sie dazu an, sich einzubringen und sich zu vergegenwärtigen, dass in der Öffentlichkeit eine leise Stimme stichhaltiger Begründungen überzeugender ist als lärmender, schreiender Protest. Wenn unsere Mitglieder sich dieser Verantwortung stellen, werden sie der Gesellschaft, ihrer Familie und der Kirche ein Segen sein.15

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Unsere Freundlichkeit kann das überzeugendste Argument für unseren Glauben sein.

Wir dürfen den Mächten des Bösen niemals nachgeben. Wir können und müssen die Maßstäbe hochhalten, für die diese Kirche seit ihrer Gründung eingestanden ist. Es gibt einen besseren Weg als den der Welt. Wenn das bedeutet, dass wir dabei allein sind, dann soll es so sein.

Wir werden aber nicht allein sein. Ich bin überzeugt, dass Millionen Menschen in aller Welt angesichts des Bösen, das sie um sich herum erblicken, besorgt sind. Sie sehnen sich nach dem, was tugendhaft und gut ist, was erbaut. Auch sie werden ihre Stimme erheben und ihre Kraft dafür einsetzen, die Werte zu bewahren, deren Erhaltung und Pflege sich lohnt.16

Wir wollen für die Mächte des Guten beten. Wir wollen uns helfend denen zuwenden, die guten Willens sind, was auch immer sie glauben und wo immer sie leben. Wir wollen dem Bösen standhalten, hierzulande und in aller Welt. … Wir können die Welt zum Guten beeinflussen, jeder Einzelne von uns.17

4

Wenn wir andere mit Liebe, Respekt und Freundlichkeit behandeln, zeigen wir, dass wir wahre Jünger Jesu Christi sind

Wenn wir unsere besondere Mission weiter voranbringen, handeln wir im Auftrag des auferstandenen Herrn, der in dieser letzten und abschließenden Evangeliumszeit gesprochen hat. Dies ist sein einzigartiges und wunderbares Werk. Wir legen Zeugnis für ihn ab. Aber das dürfen wir nicht auf arrogante oder selbstgerechte Weise tun.

Wir sind, wie Petrus es ausgedrückt hat, „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“. Warum? Damit wir „die großen Taten dessen [verkünden], der [uns] aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petrus 2:9.) …

Seien wir wahre Jünger des Messias, leben wir nach der goldenen Regel, behandeln wir unsere Mitmenschen so, wie wir selbst behandelt werden wollen! Wir wollen unseren Glauben und den unserer Kinder stärken, aber gleichzeitig denen, die nicht unseres Glaubens sind, freundlich begegnen. Liebe und Achtung werden jegliche Feindseligkeit überwinden. Unsere Freundlichkeit kann das überzeugendste Argument für unseren Glauben sein.18

Ich schlage vor, wir machen es uns zur Gewohnheit, helfend auf Menschen zuzugehen, die nicht zu uns gehören, ihnen Mut zu machen und wohlwollend und freundlich Kontakt zu ihnen zu pflegen. Dadurch können sie auch mit den hervorragenden Programmen der Kirche in Berührung kommen.

Ich denke an das Gedicht von Edwin Markham:

Er zog einen Kreis und schloss mich aus:
wie einen Ketzer, voller Graus.
Doch meine Liebe, sanft und rein,
zog einen Kreis, der schloss ihn ein.19

Wir brauchen gewiss nicht [mit unserer Religion] anzugeben oder deswegen überheblich zu sein. Den Geist Christi, dem wir ja nacheifern sollen, verkehrt so etwas genau ins Gegenteil. Der Geist kommt im Herzen und in der Seele zum Ausdruck – in einer ruhigen, nicht einer prahlerischen Lebensführung.

Wir alle kennen gewiss jemanden, den wir beinahe beneiden, weil er sich eine Art angeeignet hat, die ganz ohne Aufhebens die Schönheit des Evangeliums ausstrahlt, das fester Bestandteil seines Verhaltens geworden ist.

Wir können unsere Stimme um ein paar Dezibel senken. Wir können Böses mit Gutem vergelten. Wir können lächeln, wenn ein Wutanfall viel einfacher wäre. Wir können uns in Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin üben und über jeden gegen uns gerichteten Affront hinwegsehen.20

Verstehen wir das wirklich, erkennen wir die außerordentliche Bedeutung dessen, was wir besitzen? Dies ist der Höhepunkt der Menschengeschlechter, das letzte Kapitel im ganzen Panorama der menschlichen Existenz.

Aber das versetzt uns nicht in eine überlegene Position. Es sollte uns vielmehr demütig stimmen. Es erlegt uns die unerlässliche Verantwortung auf, auf alle anderen zuzugehen und uns ihrer anzunehmen, und zwar im Geiste des Herrn, der gelehrt hat: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Matthäus 19:19.) Wir müssen die Selbstgerechtigkeit ausmerzen und uns über kleinliche Eigeninteressen erheben. …

Wir, die jetzige Generation, sind das Endergebnis all dessen, was vorher war. Es reicht nicht, als Mitglied dieser Kirche bekannt zu sein. Uns ist eine feierliche Pflicht auferlegt. Wir müssen uns ihr stellen und ihr nachkommen.

Wir müssen wie ein wahrer Nachfolger Christi leben, allen Menschen mit Nächstenliebe begegnen, Böses mit Gutem vergelten, durch unser Beispiel die Wege des Herrn vermitteln und die vielen Aufgaben erfüllen, die er uns aufgetragen hat.21

Aus dem Weihungsgebet für das Konferenzzentrum in Salt Lake City: „Mögen wir von deiner Kirche gastfreundlich und liebenswürdig sein. Mögen wir die Grundsätze und Bräuche, für die wir bekannt sind, hochhalten, und anderen das Recht zugestehen, zu verehren, ‚wie oder wo oder was sie wollen‘ (11. Glaubensartikel). Segne uns, dass wir als gute und hilfsbereite Nachbarn auf alle Menschen zugehen. Mögen wir die Hände erheben und das wankende Knie eines jeden, der in Not ist, stützen [siehe LuB 81:5]. Mögen wir alle in Frieden und gegenseitiger Wertschätzung und Achtung zusammenleben.“22

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Warum ist es in unseren Beziehungen mit anderen hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, dass wir alle Kinder Gottes sind? (Siehe Abschnitt 1.) Wie können wir mehr Wertschätzung und Respekt für andere entwickeln? Wie können Erwachsene Kindern beibringen, Wertschätzung und Respekt für andere zu haben?

  • Lesen Sie noch einmal Präsident Hinckleys Ratschlag in Bezug auf unsere Beziehungen zu Menschen, die nicht unseren Glauben teilen (siehe Abschnitt 2). Wie können wir erkennen, ob wir im Umgang mit anderen arrogant oder selbstgerecht sind? Wie können wir Andersgläubigen mit größerer Zuneigung begegnen?

  • Warum ist es wichtig, dass die Mitglieder der Kirche mit anderen in einer guten Sache zusammenarbeiten? (Siehe Abschnitt 3.) Kennen Sie Beispiele für solche Bemühungen? Wie können wir in der Gesellschaft ein größerer Einfluss zum Guten werden?

  • Was können wir aus Präsident Hinckleys Aussagen in Abschnitt 4 darüber lernen, ein Jünger zu sein? Können Sie davon berichten, wie Liebe und Respekt Feindseligkeit überwunden haben? Warum ist unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen das überzeugendste Argument für unseren Glauben? Überlegen Sie, wie Sie ganz konkret auf andere zugehen können.

Einschlägige Schriftstellen

Matthäus 7:12; Lukas 9:49,50; Johannes 13:34,35; 1 Johannes 4:7,8; LuB 1:30; 123:12-14; 13. Glaubensartikel

Studienhilfe

„Es macht Freude, wenn man das Evangelium immer besser versteht. Natürlich will man das Gelernte dann auch anwenden. Seien Sie stets bestrebt, gemäß Ihrer Erkenntnis zu leben. Dann wachsen Ihr Glaube, Ihre Erkenntnis und Ihr Zeugnis.“ (Verkündet mein Evangelium!, Seite 21.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Teachings of Gordon B. Hinckley, 1997, Seite 663f.

  2.   2.

    Aus: Go Forward with Faith: The Biography of Gordon B. Hinckley von Sheri L. Dew, 1996, Seite 537f.

  3.   3.

    „Remember … Thy Church, O Lord“, Ensign, Mai 1996, Seite 83

  4.   4.

    „This Thing Was Not Done in a Corner“, Ensign, November 1996, Seite 51

  5.   5.

    Mike Wallace, in: Standing for Something: Ten Neglected Virtues That Will Heal Our Hearts and Homes von Gordon B. Hinckley, 2000, Seite VIII

  6.   6.

    „The Work Moves Forward“, Ensign, Mai 1999, Seite 5

  7.   7.

    „Four Simple Things to Help Our Families and Our Nations“, Ensign, September 1996, Seite 7

  8.   8.

    „Messages of Inspiration from President Hinckley“, Church News, 5. Oktober 1996, Seite 2

  9.   9.

    Discourses of President Gordon B. Hinckley, Band 2: 2000–2004, 2005, Seite 417

  10.   10.

    „Dies ist das Werk des Herrn“, Der Stern, Juli 1995, Seite 65; siehe auch Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 382f.

  11.   11.

    „Remarks at Pioneer Day Commemoration Concert“, Ensign, Oktober 2001, Seite 70

  12.   12.

    „We Bear Witness of Him“, Ensign, Mai 1998, Seite 4

  13.   13.

    Discourses of President Gordon B. Hinckley, Band 2, Seite 350

  14.   14.

    „We Bear Witness of Him“, Seite 4f.

  15.   15.

    Teachings of Gordon B. Hinckley, Seite 131

  16.   16.

    „Ein fester und unerschütterlicher Stand“, Weltweite Führerschaftsschulung, 10. Januar 2004, Seite 20

  17.   17.

    „The Times in Which We Live“, Ensign, November 2001, Seite 74

  18.   18.

    „We Bear Witness of Him“, Seite 5

  19.   19.

    „Four B’s for Boys“, Ensign, November 1981, Seite 41; Zitat von: Edwin Markham, „Outwitted“, aus: The Best Loved Poems of the American People, Hg. Hazel Felleman, 1936, Seite 67

  20.   20.

    „Each a Better Person“, Ensign, November 2002, Seite 100

  21.   21.

    „The Dawning of a Brighter Day“, Ensign, Mai 2004, Seite 83f.

  22.   22.

    Weihungsgebet für das Konferenzzentrum, aus: „Dieses großartige Millenniumsjahr“, Liahona, Januar 2001, Seite 84