Kapitel 21: Das Wunder der Missionsarbeit in den Letzten Tagen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley, 2016


Werden Sie zu einem großen Heer, das sich für dieses Werk begeistert und den großen, alles überragenden Wunsch hegt, den Missionaren bei ihrer gewaltigen Aufgabe zu helfen.

Aus dem Leben von Gordon B. Hinckley

Gordon B. Hinckley war auch als junger Mann ein gläubiger Priestertumsträger. Er erwartete jedoch nicht, auf eine Vollzeitmission berufen zu werden. „Das war in der schlimmsten Wirtschaftskrise aller Zeiten“, erklärte er später. „In [Salt Lake City] lag die Arbeitslosigkeit bei etwa 35 Prozent, und die meisten Arbeitslosen waren Ehemänner und Väter, da nur relativ wenige Frauen berufstätig waren. Damals gingen nur sehr wenige Mitglieder auf Mission. … Ich erlangte den Bachelor-Abschluss und plante, irgendwie auch das weiterführende Studium zu schaffen. Da kam der Bischof mit einem, wie es mir vorkam, erschreckenden Vorschlag. Er sprach von einer Mission.“1

Gordon nahm den „erschreckenden Vorschlag“ seines Bischofs an und wurde 1933 nach England berufen. Er war einer von nur 525 Missionaren, die in diesem Jahr berufen wurden.2 Auf seiner Mission durchlebte er viele Prüfungen, aber er entwickelte in dieser Zeit tiefen Glauben:

„Die Arbeit auf Mission war nicht leicht. Sie war schwierig und entmutigend. Und dennoch war meine Mission eine wunderbare Erfahrung. Im Rückblick muss ich erkennen, dass ich wohl ein selbstsüchtiger junger Mann war, als ich in Großbritannien ankam. Es entpuppte sich als großer Segen, dass ich meine egoistischen Interessen zugunsten der wichtigeren Belange im Werk des Herrn zurückstellen musste. …

Wie dankbar bin ich doch für das, was ich auf Mission erlebt und erfahren habe! Ich konnte das Leben einiger weniger verändern, die mir im Laufe der Jahre ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht haben. Das war wichtig. Aber die Anzahl der Taufen, die ich herbeiführte oder die andere Missionare herbeiführten, hat mir nie viel bedeutet. Meine Zufriedenheit rührte von der Gewissheit her, dass ich das tat, was der Herr von mir erwartete, und dass ich ein Werkzeug in seiner Hand war, um seine Ziele zu erreichen. Im Laufe dieser Erfahrung verankerte sich tief in meinem Wesen die Überzeugung und Erkenntnis, dass dies tatsächlich das wahre und lebendige Werk Gottes ist, wiederhergestellt durch einen Propheten zum Segen aller, die es annehmen und nach seinen Grundsätzen leben wollen.“3

Präsident Hinckleys Mission stellte die Weichen für ein dem Herrn geweihtes Leben. Während seiner Amtszeit als Präsident der Kirche reiste er mehr als eine Million Meilen und besuchte mehr als 70 Länder, um Zeugnis von Jesus Christus und seinem wiederhergestellten Evangelium zu geben.4

Präsident Hinckley rief die Mitglieder häufig dazu auf, sich ihm anzuschließen und das Evangelium zu verbreiten. Mehr als 400.000 Vollzeitmissionare kamen während seiner Amtszeit als Präsident der Kirche diesem Ruf nach. Dank ihres Dienstes und der Missionsarbeit der Mitglieder ließen sich in diesem Zeitraum mehr als 3.500.000 Bekehrte taufen.5

Stets optimistisch und mit visionärem Weitblick beschrieb Präsident Hinckley den weiteren Fortschritt des Werkes des Herrn:

„Wenn wir vorwärtsgehen und unser Ziel niemals aus den Augen verlieren, wenn wir über niemanden schlecht reden und nach den großen Grundsätzen, die wir als wahr erkannt haben, leben, wird sich diese Sache in Majestät und Macht ausbreiten und die Erde erfüllen. Türen, die der Evangeliumsverkündigung noch verschlossen sind, werden aufgehen.“6

„Wir hegen große Hoffnungen für die Zukunft, und unser Glaube ist stark. Wir wissen, dass sich heute gerade erst schemenhaft abzeichnet, was uns in den kommenden Jahren noch bevorsteht. … Weiter voranzugehen bedeutet für uns eine gewaltige Last, aber auch eine herrliche Chance.“7

Missionare unterweisen eine Familie

Gehen wir in unserem Missionsdienst auf die Welt zu und verkünden wir allen, die zuhören wollen, dass das Evangelium wiederhergestellt wurde.

Lehren von Gordon B. Hinckley

1

Gehen wir in unserem Missionsdienst auf die Welt zu und unterweisen wir alle, die zuhören wollen

Gott hat uns aufgetragen, das Evangelium jedem Land, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk zu bringen. Wir sollen im Namen des Herrn Jesus Christus lehren und taufen. Der auferstandene Erretter hat gesagt: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ [Markus 16:15.] Es ist ein gewaltiges und anspruchsvolles Unterfangen, die Wahrheit und das Gute in die ganze Welt hinauszutragen.8

Schon ehe die Kirche gegründet wurde, gab es Missionsarbeit. Sie ist seitdem nie unterbrochen worden, trotz aller Beschwernisse, die unser Volk zu mancher Zeit durchgemacht hat. So wollen wir uns, jeder Einzelne, dazu entschließen, uns zu erheben und eine neue Gelegenheit wahrzunehmen, neues Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln und aufs Neue die Verpflichtung anzunehmen, dem Vater im Himmel bei seinem herrlichen Werk zu helfen, nämlich auf der ganzen Welt die Unsterblichkeit und das ewige Leben seiner Söhne und Töchter zustande zu bringen.9

Gehen wir als Heilige der Letzten Tage doch auf Menschen anderen Glaubens zu. Handeln wir niemals arrogant oder selbstgefällig. Erweisen wir ihnen vielmehr Liebe und Achtung und Hilfsbereitschaft. Wir werden sehr verkannt, und ich fürchte, dass wir selbst viel dazu beitragen. Wir können uns toleranter, nachbarschaftlicher, freundlicher und vorbildlicher verhalten als in der Vergangenheit. Lehren wir unsere Kinder, andere freundschaftlich, mit Achtung, Liebe und Wertschätzung zu behandeln. Das führt zu einem weitaus besseren Ergebnis als eine egoistische Selbstdarstellung. …

Gehen wir in unserem Missionsdienst auf die Welt zu und verkünden wir allen, die zuhören wollen, dass das Evangelium wiederhergestellt wurde. Sprechen wir ohne Furcht, aber auch ohne Selbstgerechtigkeit von der ersten Vision und legen wir Zeugnis für das Buch Mormon und die Wiederherstellung des Priestertums ab. Gehen wir auf die Knie, meine Brüder und Schwestern, und beten wir darum, andere zur Freude des Evangeliums führen zu können.10

Es ist wunderbar und erstaunlich, dass Tausende durch das Wunder des Heiligen Geistes berührt werden, dass sie glauben, das Evangelium annehmen und Mitglieder werden. Sie lassen sich taufen. Ihr Leben ändert sich für immer zum Guten. Wunder geschehen. Ein Samen des Glaubens gelangt in ihr Herz. Er wächst in dem Maß, wie sie lernen. Und sie lernen Grundsatz um Grundsatz, bis sie alle Segnungen erhalten haben, die derjenige erlangen kann, der gläubig in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vorangeht.11

2

Wir müssen den Vollzeitmissionaren dabei helfen, andere zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen

In Südamerika lernte ich eine Frau kennen, die sich gerade erst der Kirche angeschlossen hatte. Weil ihr der neugefundene Glaube so viel bedeutete, erzählte sie ihren Mitmenschen voller Begeisterung davon. Schon sieben Monate nach ihrer Taufe hatte sie den Missionaren etwa 300 Menschen genannt, mit denen sie über das Evangelium sprechen konnten. Bis dahin hatten sich schon etwa 60 von ihnen der Kirche angeschlossen. Wahrscheinlich kamen später noch weitere hinzu. In São Paulo in Brasilien lernte ich den jungen Missionar kennen, der sie mit dem Evangelium bekannt gemacht hatte. Auch er war ein Bekehrter und war unter großen finanziellen Opfern als Vertreter der Kirche auf Mission gegangen. Die Frau, von der ich gesprochen habe, gehört zu den 43 Menschen, bei deren Bekehrung er bis dahin mitgewirkt hatte. Der junge Mann aus Brasilien war an der Bekehrung von über hundert Menschen beteiligt – 43, die er selbst unterwiesen hatte, und 60 durch eine Frau, die er bekehrt hatte, und weitere werden durch andere von ihm Bekehrte folgen.12

So viele von uns verstehen unter Missionsarbeit nur, dass man von Tür zu Tür geht. Jeder, der sich mit dieser Arbeit auskennt, weiß, dass es einen besseren Weg gibt. Dieser Weg führt über die Mitglieder der Kirche. Überall da, wo ein Mitglied den Missionaren einen Freund oder Bekannten vorstellt, gibt es sofort auch ein Unterstützungssystem. Das Mitglied gibt Zeugnis davon, dass das Werk wahr ist. Es ist sehr daran interessiert, dass es seinem Freund gut geht. Es ist begeistert, wenn dieser Freund das Evangelium immer besser kennenlernt.

Die Vollzeitmissionare sind zwar diejenigen, die das Evangelium erläutern, aber das Mitglied unterstützt sie dabei und bietet, wenn irgend möglich, an, dass die Gespräche mit den Missionaren bei ihm zu Hause stattfinden. Das Mitglied gibt aufrichtig Zeugnis davon, dass dieses Werk von Gott ist. Es ist da und beantwortet Fragen, wenn die Missionare nicht da sind. Es ist dem Bekehrten, der ja eine große und häufig schwierige Veränderung durchlebt, ein Freund.

Das Evangelium ist nichts, dessen man sich schämen müsste. Es ist etwas, worauf wir stolz sein können. „Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen“, schrieb Paulus an Timotheus (2 Timotheus 1:8). Gelegenheiten, anderen vom Evangelium zu erzählen, gibt es überall. …

Frauen im Gespräch

Gelegenheiten, anderen vom Evangelium zu erzählen, gibt es überall

Menschen in die Kirche zu bringen, ist nicht bloß Aufgabe der Missionare. Sie haben den größten Erfolg, wenn die Mitglieder diejenigen sind, die ihnen interessierte Freunde und Bekannte empfehlen. …

Möge es jedem Mitglied von ganzem Herzen bewusst werden, dass es selbst dazu in der Lage ist, andere zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen. Darum sollte sich jeder bemühen. Darum sollte jeder sehr ernsthaft beten. …

Meine Brüder und Schwestern, wir können die Sache den Missionaren allein überlassen, oder wir können ihnen helfen. Wenn sie es allein versuchen, klopfen sie an eine Tür nach der anderen, und dann ist die Ernte dürftig. Oder wir Mitglieder helfen ihnen, Menschen zu finden und zu unterweisen. …

Möge in jedem Pfahl das Bewusstsein wach werden, dass es möglich ist, Menschen zu finden, die sich die Evangeliumsbotschaft anhören. Wir brauchen dabei nicht offensiv vorzugehen. Wir brauchen nicht arrogant zu sein. Die beste Broschüre, die wir bei uns haben können, ist unser gutes Leben und unser Beispiel. Und wenn wir uns dieser Aufgabe widmen, wird unser Leben besser, denn wir entwickeln ein Gespür dafür, dass wir nichts sagen oder tun, was den Fortschritt derer, die wir gern zur Wahrheit führen wollen, behindern könnte. …

Wir brauchen auf allen Ebenen der Kirche einen Schub an Begeisterung. Behandeln Sie das Thema [Missionsarbeit] von Zeit zu Zeit in der Abendmahlsversammlung. Sprechen Sie in den wöchentlichen Versammlungen des Priestertums und der Frauenhilfsvereinigung darüber. Die Jungen Männer und die Jungen Damen sollen darüber reden und planen, wie sie bei diesem überaus wichtigen Unterfangen mithelfen können. Selbst die PV-Kinder können sich überlegen, wie sie mithelfen können. Schon so manche Eltern sind durch ein Kind, das zur PV eingeladen wurde, zur Kirche gekommen. …

Brüder und Schwestern, Sie alle in den Gemeinden und Pfählen, in den Distrikten und Zweigen, ich bitte Sie: Werden Sie zu einem großen Heer, das sich für dieses Werk begeistert und den großen, alles überragenden Wunsch hegt, den Missionaren bei ihrer gewaltigen Aufgabe zu helfen, das Evangelium jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk zu bringen. „Das Feld ist schon weiß, zur Ernte bereit.“ (LuB 4:4.) Das hat der Herr wiederholt verkündet. Sollen wir ihn da nicht beim Wort nehmen?13

Im Namen der Missionare … bitte ich die Mitglieder inständig darum, alles Erdenkliche zu tun, um den Missionaren [Menschen] zu empfehlen, die sie unterweisen können. Sie werden glücklich sein, wenn Sie das tun. Jeder, der sich aufgrund Ihrer Bemühungen der Kirche anschließt, bringt Freude in Ihr Leben. Diese Verheißung gebe ich Ihnen allen.14

3

Die Arbeit als Vollzeitmissionar bringt ein dauerhaftes Glück mit sich

Für diejenigen, die als Botschafter des Herrn Jesus Christus in die Welt hinausgehen, muss die Messlatte in puncto Würdigkeit und Eignung höher gesteckt werden.15

Die Welt heute benötigt die Kraft eines reinen Zeugnisses. Sie benötigt das Evangelium Jesu Christi, und wenn die Welt das Evangelium hören muss, muss es Boten geben, die es verkünden.

Wir bitten die Eltern, ihre Kinder frühzeitig [auf die Missionsarbeit] vorzubereiten. Wenn die Familie zusammen betet, den Familienabend hält, in den heiligen Schriften liest, Vater und Mutter in der Kirche aktiv sind und mit Begeisterung über die Kirche und das Evangelium sprechen, kommt in den Kindern ganz natürlich der Wunsch auf, anderen das Evangelium zu erklären. In einer solchen Familie ist Missionsarbeit schon zur Tradition geworden. Wenn das Kind noch klein ist, wird ein Sparkonto eingerichtet. Ein Junge wächst mit der natürlichen Erwartung auf, dass er dazu berufen wird, der Kirche als Missionar zu dienen. Die Mission wird genauso ein Bestandteil der Lebensplanung eines Jungen wie die Ausbildung.16

Die Missionsarbeit ist grundsätzlich eine Priestertumsaufgabe. Demzufolge müssen die jungen Männer die Hauptlast tragen. Das ist ihre Aufgabe und ihre Pflicht.17

Meine lieben jungen [Männer], ich hoffe, dass ihr alle auf den Missionsdienst zustrebt. Ich kann euch keinen Spaß versprechen. Ich kann euch kein leichtes, behagliches Leben versprechen. Ich kann euch keine Freiheit von Enttäuschung, von Furcht, ja, manchmal auch von Elend versprechen. Aber ich kann euch versprechen, dass ihr in geistiger Hinsicht wachsen werdet wie nie in einem vergleichbaren Zeitraum eures ganzen Lebens. Ich kann euch ein Glück versprechen, das einzigartig und wundervoll und von Dauer ist. Ich kann euch versprechen, dass ihr euer Leben überdenkt, dass ihr euch neue Prioritäten setzt, dass ihr dem Herrn näher seid, dass das Beten zur wirklichen und wundervollen Erfahrung wird, dass ihr im Glauben daran lebt, dass das Gute, das ihr tut, etwas bewirken wird.18

Wir brauchen einige junge Frauen [als Missionarinnen]. Sie leisten eine bemerkenswerte Arbeit. Sie kommen in manche Wohnung, in die die Missionare nicht kommen können. …

Die jungen Frauen sollen [jedoch] nicht den Eindruck gewinnen, dass sie einer ähnlichen Verpflichtung unterliegen wie die jungen Männer. Einige möchten sehr gern auf Mission gehen. Wenn dem so ist, sollen sie sich mit dem Bischof und mit den Eltern beraten. Ich sage den Schwestern: Sie werden genauso hoch geachtet, man wird Sie für genauso pflichtbewusst halten, und was Sie tun, wird vor dem Herrn und vor der Kirche genauso annehmbar sein, ob Sie nun auf Mission gehen oder ob Sie nicht auf Mission gehen.19

Neben dem Bedarf an jungen Missionaren und Missionarinnen steigt auch der Bedarf an Ehepaaren, die eine Mission erfüllen. Ehepaare in fortgeschrittenem Alter leisten in den Missionen hervorragende Arbeit. Es werden noch viel mehr gebraucht. Insbesondere werden solche mit Fremdsprachenkenntnissen benötigt. Sie können unter der Leitung eines einfühlsamen und umsichtigen Missionspräsidenten für viele Aufgaben eingesetzt werden.

Heutzutage, da sich viele Leute, die in Rente gehen, noch guter Gesundheit erfreuen und Lebenskraft besitzen, gibt es viele, die einen riesigen Bedarf im Werk des Herrn abdecken können.20

Wir haben überall auf der Welt pensionierte Männer und Frauen, die wichtige missionarische Aufgaben wahrnehmen. Ihre Anzahl wächst. Sie gehen, wohin sie berufen werden. Sie dienen, wo sie gebraucht werden. Freundschaften werden geschlossen, Fertigkeiten werden vermittelt, Möglichkeiten tun sich auf für jene, die niemals die Männer und Frauen vergessen werden, die voll Selbstlosigkeit zu ihnen gekommen sind, um sie zu unterweisen und Gutes zu tun. Dafür erhalten unsere Missionare kein Geld. Sie tun es auf eigene Kosten. Ihre Hingabe kennt keine Grenzen. Die Früchte ihrer Anstrengungen sind unermesslich.21

Missionarinnen in einer Menschenmenge

Die heutige Welt braucht das Evangelium Jesu Christi, und wenn sie das Evangelium hören muss, muss es Boten geben, die es verkünden.

4

Wenn wir andere mit dem Evangelium bekanntmachen, hilft der Geist des Herrn, Unterschiede zu überwinden

Da wir alle [als Kinder Gottes] von den gleichen Eltern stammen, sprechen wir auch auf die gleiche Wahrheit an. Die Tatsache, dass jemand eine etwas andere Hautfarbe hat, dass die Augen etwas anders geformt sind, dass jemand andere Kleidung trägt, macht ihn in keiner Weise zu einer anderen Art Mensch. Auf der ganzen Welt reagieren die Menschen auf die gleichen Reize im Wesentlichen gleich. Sie suchen Wärme, wenn ihnen kalt ist, sie kennen die gleichen Schmerzen, sie erfahren Trauer und sie kennen Freude. …

Wenn Unterschiede, ob zu unseren Nachbarn oder zu anderen Kulturen, bei der Verkündigung des Evangeliums eine Hürde zu sein scheinen, so lässt sich diese meist mit Ruhe und Höflichkeit aus dem Weg räumen. Ich bezeuge: Wenn wir das Gebot des Herrn befolgen, andere mit dem Evangelium bekanntzumachen, dann hilft der Geist des Herrn, die Unterschiede zwischen dem, der redet, und dem, der zuhört, zu überwinden. Der Herr hat diesen Vorgang klar beschrieben: „Darum verstehen der, der [durch den Geist] predigt, und der, der [durch den Geist] empfängt, einander, und beide werden erbaut und freuen sich miteinander.“ (LuB 50:22.)

Ich bin davon überzeugt, dass in unserer Berufung, das Evangelium zu verkünden, der Geist des Herrn das wirksamste Mittel ist, das wir besitzen. Wir alle haben das schon bei anderen erlebt. Wenn wir mit dem Werk des Herrn befasst sind, spüren wir es selbst. Bei solchen Gelegenheiten lösen sich äußerliche Unterschiede zwischen uns und denen, die uns zuhören, einfach in Luft auf, und wir sehen plötzlich klar (siehe 2 Nephi 30:6). Es kommt ein herzliches Gefühl der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Verstehens auf, das einfach wunderbar ist. Wir verstehen einander tatsächlich, und wir werden tatsächlich erbaut und freuen uns miteinander.22

5

Wenn wir im Glauben vorwärtsgehen, segnet der Herr unsere Bemühungen, andere mit dem Evangelium bekanntzumachen

Wir sind wahrhaftig in einem wunderbaren Werk tätig. … Der Gott des Himmels hat dieses Wunder der Letzten Tage herbeigeführt, und was wir bisher gesehen haben, ist nur ein Vorgeschmack des Größeren, was noch kommt. Das Werk wird von demütigen Männern und Frauen vollbracht, jung und alt.23

Das Werk des Herrn wird erfolgreich sein, denn der Herr hat verheißen:

„Und wo euch jemand empfängt, da werde ich auch sein, denn ich werde vor eurem Angesicht hergehen. Ich werde zu eurer rechten Hand sein und zu eurer linken, und mein Geist wird in eurem Herzen sein und meine Engel rings um euch, um euch zu stützen.“ (LuB 84:88.)

Mit unserem von Gott gegebenen Auftrag, mit den von Gott verheißenen Segnungen wollen wir im Glauben vorwärtsgehen. Wenn wir das tun, segnet der Herr unsere Bemühungen. Tragen wir unseren Teil dazu bei, unsere Mitmenschen mit dem Evangelium bekanntzumachen, und zwar zunächst durch das Beispiel, dann durch inspirierte Weisung.

Der Stein, der sich ohne Zutun von Menschenhand vom Berg gelöst hat, wird weiterrollen, bis er die ganze Erde erfüllt (siehe Daniel 2:35,44). Das bezeuge ich Ihnen und ebenso, dass jeder von uns auf eine seinen Umständen gemäße Weise helfen kann, wenn er vom Vater im Himmel Führung und Inspiration erbittet. Was wir tun, ist Gottes Werk, und mit seinem Segen scheitern wir nicht.24

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Warum haben wir manchmal Angst davor, mit anderen über das Evangelium zu sprechen? Wie können wir unsere Angst überwinden und auf andere zugehen? (Siehe Abschnitt 1.) Welche Wunder haben Sie schon bei der Missionsarbeit erlebt?

  • Warum haben Missionare „den größten Erfolg, wenn die Mitglieder diejenigen sind, die ihnen interessierte Freunde und Bekannte empfehlen“? (Siehe Abschnitt 2.) Auf welche Weise können die Mitglieder sonst noch die Vollzeitmissionare unterstützen?

  • Warum hat eine Vollzeitmission einen so großen Einfluss auf das Leben des Missionars? Wie können Eltern ihren Kindern helfen, sich auf eine Vollzeitmission vorzubereiten? (Siehe Abschnitt 3.) Wie können Angehörige einem Ehepaar in fortgeschrittenem Alter helfen, sich auf eine Mission vorzubereiten?

  • Lesen Sie Abschnitt 4. Welche Gemeinsamkeiten haben alle Menschen? Wie können wir Unterschiede überwinden, die bei der Verkündigung des Evangeliums eine Hürde zu sein scheinen? Wann haben Sie schon einmal erlebt, dass der Geist des Herrn Menschen geholfen hat, Unterschiede zu überwinden?

  • Präsident Hinckley betont, dass der Herr unsere Bemühungen, andere mit dem Evangelium bekanntzumachen, segnet, wenn wir „im Glauben vorwärtsgehen“ (Abschnitt 5). Wie können Ihr Wunsch und Ihre Zuversicht, anderen vom Evangelium erzählen zu können, wachsen?

Einschlägige Schriftstellen

Jesaja 52:7; Matthäus 28:19,20; Alma 26:1-5; LuB 1:20-23; 4; 18:15,16; 38:40,41

Unterrichtshilfe

„Fürchten Sie sich nicht vor einer kurzen Pause. Die Teilnehmer brauchen oft Zeit, um über eine Frage nachzudenken, sich eine Antwort zurechtzulegen oder ihre Gefühle auszudrücken. Halten Sie kurz inne, nachdem Sie eine Frage gestellt haben oder wenn von einem geistigen Erlebnis die Rede war oder wenn jemand nach Worten sucht.“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 66f.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „The Question of a Mission“, Ensign, Mai 1986, Seite 40

  2.   2.

    Siehe Sheri L. Dew, Go Forward with Faith: The Biography of Gordon B. Hinckley, 1996, Seite 58

  3.   3.

    „The Question of a Mission“, Seite 40

  4.   4.

    Siehe „Zum Auftakt“, Liahona, Mai 2005, Seite 5

  5.   5.

    Siehe „Ich bin rein“, Liahona, Mai 2007, Seite 60

  6.   6.

    „Blickt nach vorn“, Der Stern, Januar 1998, Seite 70

  7.   7.

    „Zum Auftakt“, Seite 6

  8.   8.

    „True to the Faith“, Ensign, Mai 1997, Seite 67

  9.   9.

    „Find the Lambs, Feed the Sheep“, Ensign, Mai 1999, Seite 110

  10.   10.

    „A Time of New Beginnings“, Ensign, Mai 2000, Seite 87

  11.   11.

    „Das Wunder des Glaubens“, Liahona, Juli 2001, Seite 83

  12.   12.

    „Be Not Afraid, Only Believe“, Ensign, Februar 1996, Seite 5

  13.   13.

    „Find the Lambs, Feed the Sheep“, Seite 105ff., 110

  14.   14.

    Teachings of Gordon B. Hinckley, 1997, Seite 374

  15.   15.

    „An die Männer des Priestertums“, Liahona, November 2002, Seite 57

  16.   16.

    „There Must Be Messengers“, Ensign, Oktober 1987, Seite 2

  17.   17.

    „Some Thoughts on Temples, Retention of Converts, and Missionary Service“, Ensign, November 1997, Seite 52

  18.   18.

    „An die Jungen und die Männer“, Der Stern, Januar 1999, Seite 64

  19.   19.

    „Some Thoughts on Temples, Retention of Converts, and Missionary Service“, Seite 52

  20.   20.

    „There Must Be Messengers“, Seite 4

  21.   21.

    Discourses of President Gordon B. Hinckley, Volume 2: 2000–2004, 2005, Seite 517f.

  22.   22.

    „We Have a Work to Do“, Ensign, Februar 1988, Seite 5f.

  23.   23.

    „We Have a Work to Do“, Seite 6

  24.   24.

    „We Have a Work to Do“, Seite 6