Kapitel 24

Das Sühnopfer Jesu Christi – weitreichend und dennoch auf jeden Einzelnen zugeschnitten

Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley


Ich lege Zeugnis ab für das Sühnopfer des Herrn Jesus Christus. Ohne es hat das Leben keinen Sinn. Es ist der Schlussstein im Bogen unseres Daseins.

Aus dem Leben von Gordon B. Hinckley

Am 1. Januar 2000 veröffentlichten die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel unter der Leitung von Präsident Gordon B. Hinckley ihr vereintes Zeugnis vom Erlöser. In dieser Botschaft mit dem Titel „Der lebendige Christus“ erklärten sie: „Wir … geben Zeugnis von der Wirklichkeit seines unvergleichlichen Lebens und der unendlichen Macht seines großen Sühnopfers. Niemand sonst hatte so weitreichenden Einfluss auf alle Menschen, die schon gelebt haben, jetzt leben und noch leben werden.“1

Drei Monate später gab Präsident Hinckley in einer Generalkonferenzansprache Zeugnis, welch tiefen Einfluss der Erretter auf sein eigenes Leben hatte. Er sprach aus tiefstem Herzen, zuweilen sehr ergriffen:

„Eines überragt alles, wofür ich heute Morgen dankbar bin: Das lebendige Zeugnis von Jesus Christus, dem Sohn des allmächtigen Gottes, dem Fürst des Friedens, dem Heiligen Gottes. …

Jesus ist mein Freund. Niemand sonst hat mir so viel gegeben. ‚Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.‘ (Johannes 15:13.) Er hat sein Leben für mich gegeben. Er hat den Weg zum ewigen Leben frei gemacht. Nur ein Gott konnte das tun. Ich hoffe, dass ich als würdig erachtet werde, sein Freund zu sein.

Er ist mein Vorbild. Seine Lebensweise, sein absolut selbstloses Verhalten, seine Fürsorge für die Notleidenden, sein letztes Opfer – all das ist mir ein Beispiel. Ich kann dem nicht voll und ganz entsprechen, aber ich kann mich bemühen. …

Er ist mein Heiler. Ehrfürchtig bestaune ich seine Wunder. Und doch weiß ich, dass sie sich ereignet haben. Ich akzeptiere, dass sie wahr sind, weil ich weiß, dass er Herr über Leben und Tod ist. Die Wunder seines Wirkens zeugen von Mitgefühl, Liebe und Menschlichkeit, die bewundernswert sind.

Er ist mein Führer. Es ist eine Ehre für mich, zu der langen Reihe derer zu gehören, die ihn lieben und ihm im Lauf der zwei Jahrtausende, die seit seiner Geburt vergangen sind, nachgefolgt sind. …

Er ist mein Erretter und Erlöser. Indem er unter Schmerzen und unsagbarem Leiden sein Leben gab, hat er den Arm nach unten ausgestreckt, um mich, um jeden von uns, alle Söhne und Töchter Gottes, aus dem Abgrund ewiger Finsternis, die dem Tod folgt, emporzuheben. Er hat etwas Besseres vorgesehen – eine Sphäre des Lichts und der Erkenntnis, des Wachstums und der Schönheit, wo wir auf dem Weg, der zum ewigen Leben führt, vorangehen können. Meine Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Ich bin meinem Herrn unendlich dankbar.

Er ist mein Gott und mein König. Von Unendlichkeit zu Unendlichkeit wird er als König der Könige und Herr der Herren regieren und herrschen. Seine Herrschaft wird kein Ende haben. Seine Herrlichkeit wird nie vergehen.

Niemand kann seinen Platz einnehmen. Niemand wird es je tun. Unbefleckt und ohne jeden Fehler ist er das Lamm Gottes, vor dem ich mich neige und durch das ich mich an meinen Vater im Himmel wende. …

Dankbar und mit unverminderter Liebe bezeuge ich dies alles in seinem heiligen Namen.“2

Christ praying in Gethsemane

Alles hing von ihm ab – von seinem Sühnopfer. Es ist der Schlussstein im Bogen des großen Plans unseres Vaters.

Lehren von Gordon B. Hinckley

1

Die Liebe unseres Vaters im Himmel findet ihren Ausdruck darin, dass er seinen einziggezeugten Sohn hingegeben hat

Es stimmt mich sehr demütig, wenn ich an die große Liebe des himmlischen Vaters denke. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich weiß: Gott liebt uns. Diese Liebe ist unermesslich tief und fand ihren Ausdruck darin, dass er seinen einziggezeugten Sohn hingab, damit dieser auf die Welt kommen konnte, um uns Hoffnung zu geben, Freundlichkeit und Höflichkeit in unsere zwischenmenschlichen Beziehungen zu tragen und – vor allem – uns von unseren Sünden zu erretten und auf dem Weg zu leiten, der zum ewigen Leben führt.3

Das vorirdische Wirken des Erretters

Der Vater von uns allen stellte in seiner Liebe zu uns, seinen Kindern, einen … Plan auf: Wir sollten die Freiheit haben, unseren Lebensweg selbst zu wählen. Sein erstgeborener Sohn, unser ältester Bruder, würde die Schlüsselfigur in diesem Plan sein. Der Mensch sollte Entscheidungsfreiheit haben und folglich auch verantwortlich sein. Der Mensch würde gemäß der Weise der Welt wandeln und sündigen und stolpern. Doch der Sohn Gottes würde Fleisch und Blut annehmen und sich als Opfer darbringen, um für die Sünden aller Menschen zu sühnen. Durch unaussprechliche Qualen sollte er der große Erlöser, der Erretter der Menschheit, werden.4

Das irdische Wirken des Erretters

Niemals in der Geschichte hat es solche Erhabenheit wie die seine gegeben. Er, der mächtige Jehova, ließ sich herab, in einem Stall in Betlehem als sterblicher Mensch geboren zu werden. Er wuchs in Nazaret heran und „seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen“ (Lukas 2:52).

Er wurde von Johannes in den Wassern des Jordan getauft, und „da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.

Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Matthäus 3:16,17.)

Während der drei Jahre seines irdischen Wirkens tat er, was niemand je zuvor getan hatte; er lehrte, wie niemand je zuvor gelehrt hatte.

Dann kam die Zeit, da er geopfert werden sollte. Da war das Mahl im Obergemach, sein letztes mit den Zwölf als sterblicher Mensch. Als er ihnen die Füße wusch, zeigte er ihnen damit etwas über Demut und Dienen, was sie nie wieder vergessen sollten.5

Das Leiden im Garten Getsemani

Dann folgte das Leiden in Getsemani, worüber er sagte: „Dieses Leiden ließ mich, selbst Gott, den Größten von allen, der Schmerzen wegen zittern und aus jeder Pore bluten und an Leib und Geist leiden.“ (LuB 19:18.)6

Im Garten Getsemani litt er so sehr, dass er Blut schwitzte, als er seinen Vater anflehte. Aber all das gehörte zu seinem großen Sühnopfer.7

[Einmal saß] ich im Schatten eines alten Olivenbaums [im Garten Getsemani] und las von dem furchtbaren Ringen des Gottessohnes, als er der sicheren Zukunft ins Auge blickte. Er schwitzte Blut und betete zu seinem Vater, er möge den Kelch an ihm vorübergehen lassen, sagte jedoch: Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. … Ich hatte das durchdringende Gefühl, dass es bei seiner flehentlichen Bitte, bei dem Leiden, das er vor sich sah, nicht um den körperlichen Schmerz ging, der ihm bevorstand – die schreckliche, grausame Kreuzigung. Das gehörte sicherlich auch dazu. Aber ich meine, dass ihm vor allem bewusst war, welche Rolle er für das ewige Wohl aller Söhne und Töchter Gottes durch alle Generationen der Zeit spielte.

Alles hing von ihm ab – von seinem Sühnopfer. Das war der Schlüssel. Das war der Schlussstein im Bogen des großen Plans, den der Vater für das ewige Leben seiner Söhne und Töchter vorgesehen hatte. So schrecklich es war, sich dem zu stellen, und so belastend es war, es klar vor sich zu sehen – er nahm es auf sich, er vollbrachte es, und das war herrlich und wundervoll. Ich denke, es übersteigt unser Verständnis. Dennoch erahnen wir es ein wenig und müssen lernen, es mehr und mehr zu schätzen.8

Gefangennahme, Kreuzigung und Tod

Er wurde von rohen, groben Händen ergriffen und, entgegen dem Gesetz, in der Nacht noch dem Hannas und dann dem Kajaphas vorgeführt, dem verschlagenen und schlechten Hohe Priester des Sanhedrin. Früh am nächsten Morgen musste er noch einmal vor diesem intriganten, boshaften Mann erscheinen. Dann brachte man ihn zu Pilatus, dem römischen Statthalter, der von seiner Frau gewarnt wurde: „Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig.“ (Matthäus 27:19.) Der Römer wollte sich der Verantwortung entziehen und sandte Jesus deshalb zu Herodes, dem korrupten, verderbten und schlechten Tetrarchen von Galiläa. Christus wurde misshandelt und geschlagen. Man setzte ihm eine aus spitzen Dornen geflochtene Krone auf und legte ihm zum Spott einen roten Mantel über den blutenden Rücken. Noch einmal wurde er zu Pilatus gebracht, und der Pöbel schrie: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ (Lukas 23:21.)

Strauchelnd ging er den Weg nach Golgota, wo sein geschundener Körper ans Kreuz geschlagen wurde – die unmenschlichste und qualvollste Methode der Hinrichtung, die sich ein sadistischer Verstand ausdenken konnte.

Und doch rief er: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23:34.)9

Es gibt kein ergreifenderes Bild in der Geschichte als Jesus in Getsemani und am Kreuz, und zwar allein. Der Erlöser der Menschheit, der Erretter der Welt, der das Sühnopfer vollbringt.

Ich weiß noch, wie ich mit Präsident Harold B. Lee … in Getsemani bei Jerusalem war. Wir konnten – wenn auch nur zu einem kleinen Teil – erahnen, was für ein schrecklicher Kampf dort stattgefunden hat – ein Kampf, den Jesus allein im Geist geführt hat und der so intensiv war, dass Blut aus jeder Pore seines Körpers trat (siehe Lukas 22:44; LuB 19:18). Wir dachten daran zurück, wie er von einem verraten worden war, den er zu einer verantwortungsvollen Aufgabe berufen hatte. Wir dachten daran, wie schlechte Männer brutal Hand an den Sohn Gottes gelegt hatten. Wir dachten an die einsame Gestalt am Kreuz, die in ihrer Qual laut ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27:46.) Dennoch hat der Erretter der Welt voller Mut alles erfüllt und für uns das Sühnopfer vollbracht.10

Die Stunden vergingen, während sein Leben unter Schmerzen dahinschwand. Die Erde bebte; der Vorhang im Tempel riss entzwei. Über seine ausgedörrten Lippen kamen die Worte: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.“ (Lukas 23:46.)

Es war vorüber. Sein irdisches Leben war zu Ende. Er hatte es als Sühne für alle hingegeben. Vergangen waren die Hoffnungen derer, die ihn geliebt hatten. Vergessen waren die Verheißungen, die er gemacht hatte. Sein Leichnam wurde rasch, doch behutsam noch vor dem jüdischen Sabbat in ein geliehenes Grab gebettet.11

Die Auferstehung

Am frühen Sonntagmorgen, gingen Maria aus Magdala und weitere Frauen zum Grab. Sie überlegten unterwegs, wie sie wohl den Stein vom Eingang wegwälzen sollten. Als sie am Grab ankamen, sahen sie einen Engel, der zu ihnen sagte: „Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.

Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Matthäus 28:5,6.)

So etwas hatte es nie zuvor gegeben. Das leere Grab war die Antwort auf die Frage, die seit Menschengedenken gestellt worden war. Paulus hat es gut ausgedrückt: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Korinther 15:55.)12

empty tomb

„Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Matthäus 28:6)

2

Durch das Sühnopfer des Erretters werden sich alle Menschen aus dem Grab erheben

Das Wunder, das sich an jenem Auferstehungsmorgen … zugetragen hat, ist ein Wunder, an dem alle Menschen teilhaben. Es ist das Wunder der Macht Gottes, dessen geliebter Sohn sein Leben hingab, um für die Sünden aller Menschen zu sühnen – ein Liebesopfer für jeden Sohn und jede Tochter Gottes. Damit hatte er die Siegel des Todes gebrochen.13

Nichts ist allgemeingültiger als der Tod, und nichts schenkt mehr Hoffnung und Glauben als die Zusicherung der Unsterblichkeit. Die große Verzweiflung, die der Tod hervorruft, und die schmerzliche Trauer, die auf den Verlust eines geliebten Menschen folgt, können nur durch die Gewissheit gelindert werden, dass der Sohn Gottes … auferstanden ist. …

Jedes Mal, wenn der Tod mit kalter Hand zugreift, leuchtet das Bild des Herrn Jesus Christus, der den Sieg davongetragen hat, durch die Finsternis dieser Stunde. Er ist der Sohn Gottes, der durch seine unvergleichliche und ewige Macht den Tod überwunden hat. Er ist der Erlöser der Welt. Er hat für jeden von uns sein Leben gegeben. Er hat es wieder aufgenommen und ist der Erste der Entschlafenen geworden. Als König der Könige triumphiert er über alle anderen Könige. Als der Allmächtige steht er über allen Herrschern. Er ist unser Trost, der einzig wahre Trost, wenn die dunklen Schatten der irdischen Nacht uns umhüllen, weil der Geist den menschlichen Körper verlässt.

Alle Menschen überragend steht … Jesus Christus [da].14

Ich weiß noch, wie ich anlässlich der Trauerfeier für einen guten Menschen eine Rede gehalten habe – für einen Freund, dessen Güte mich angespornt hatte, selbst ein besserer Mensch sein zu wollen. Im Laufe der Jahre hatte ich sein Lächeln, seine freundlichen Bemerkungen, seinen brillanten Intellekt und seinen unermüdlichen Dienst am Nächsten schätzen gelernt. Und dann starb dieser Mann, der doch ein so guter Mensch gewesen war, ganz plötzlich. Ich schaute seine leblose Hülle an. Er sah mich nicht, er bewegte sich nicht, er sprach kein einziges Wort. …

Ich schaute zu seiner weinenden Witwe und seinen Kindern hinauf. So wie ich wussten auch sie, dass sie hier auf der Erde nie wieder seine Stimme hören würden. Doch ein süßes, unbeschreibliches Gefühl sprach ihnen Frieden und Gewissheit zu. Es schien ihnen zuzuflüstern: „Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46:11.)

Weiter schien es ihnen zuzuflüstern: „Macht euch keine Sorgen. Dies alles gehört zu meinem Plan. Niemand kann dem Tod entgehen. Selbst mein geliebter Sohn ist am Kreuz gestorben. Doch nur dadurch konnte er der Erste der Entschlafenen werden. Er hat dem Tod den Stachel genommen und dem Grab den Sieg.“

Mit den Ohren des Geistes konnte ich hören, wie der Herr zur trauernden Marta sprach: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Johannes 11:25,26.)15

3

Durch das Sühnopfer des Erretters können wir Erhöhung und ewiges Leben erlangen

Dank sei dem Allmächtigen. Sein verherrlichter Sohn hat die Bande des Todes zerrissen und so den größten aller Siege errungen. … Er ist unser siegreicher Herr. Er ist unser Erlöser, der für unsere Sünden gesühnt hat. Durch sein erlösendes Opfer werden sich alle Menschen aus dem Grab erheben. Er hat den Weg bereitet, auf dem wir nicht nur Unsterblichkeit, sondern auch ewiges Leben erlangen können.16

Nur wenig begreife ich die Bedeutung seines Sühnopfers. Ich kann es nicht in seiner ganzen Größe verstehen. Es ist so weitreichend und dennoch so sehr auf jeden einzelnen Menschen zugeschnitten, dass man es gar nicht gänzlich begreifen kann.17

Wir sind nicht imstande, das Ausmaß dieses Sühnopfers vollständig zu erfassen. Ich weiß nur, dass es stattfand – und zwar für mich und für Sie. Das Leiden war so groß, die Todesqualen waren so ungeheuerlich, dass niemand von uns begreifen kann, wie der Erretter sich selbst als Lösegeld für die Sünden der ganzen Menschheit hingegeben hat.

Durch ihn erlangen wir Vergebung. Durch ihn kommt die besondere Verheißung, dass der gesamten Menschheit die Segnung der Errettung gewährt wird, einschließlich der Auferstehung von den Toten. Durch ihn und sein großartiges allumfassendes Opfer bietet sich uns die Möglichkeit, durch Gehorsam Erhöhung und ewiges Leben zu erlangen.18

Sind wir nicht alle verlorene Söhne und Töchter, die umkehren, an der barmherzigen Vergebung des Vaters teilhaben und dann seinem Beispiel nacheifern müssen?

Sein geliebter Sohn, unser Erlöser, streckt uns verzeihend und barmherzig die Hand entgegen, gebietet uns dabei aber auch, umzukehren. … Der Herr hat gesagt – ich zitiere aus einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith:

„Darum gebiete ich dir umzukehren – kehre um, sonst schlage ich dich mit der Rute meines Mundes und mit meinem Grimm und mit meinem Zorn, und deine Leiden werden schmerzlich – wie schmerzlich, das weißt du nicht, wie außerordentlich, das weißt du nicht, ja, wie schwer zu ertragen, das weißt du nicht.

Denn siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen, sofern sie umkehren;

aber sofern sie nicht umkehren, müssen sie leiden so wie ich,

und dieses Leiden ließ mich, selbst Gott, den Größten von allen, der Schmerzen wegen zittern und aus jeder Pore bluten und an Leib und Geist leiden …

Lerne von mir und höre auf meine Worte; wandle in der Sanftmut meines Geistes, dann wirst du Frieden haben in mir.“ (LuB 19:15-18,23.)19

Zu guter Letzt, wenn alle Geschichte auf den Prüfstand gestellt wird, wenn die tiefsten Tiefen der Menschenseele erforscht worden sind, dann ist doch nichts so wunderbar, so erhaben, so herrlich wie der Gnadenakt des Sohnes des Allmächtigen, des Prinzen im Königreich des Vaters, der einst als Jahwe sprach, der sich herabgelassen hat, auf die Erde zu kommen und in einem Stall in Betlehem geboren zu werden, der gedemütigt wurde und Schmerzen erleiden musste und dennoch sein Leben hingab, damit alle Söhne und Töchter Gottes aus jeder Generation auferstehen und ewig leben können, ja, jeder, der sterben muss. Was er für uns getan hat, hätten wir niemals selbst für uns tun können. …

Der Prophet Jesaja hat gesagt:

„Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. …

Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53:4,5.)

Dies ist die wundersame und wahre Weihnachtsgeschichte. Die Geburt Jesu in Betlehem ist nur Vorspiel. Das dreijährige Wirken des Meisters ist nur Prolog. Der erhabene Kernpunkt der Geschichte ist sein Opfer, nämlich der völlig selbstlose Tod, den er unter Schmerzen am Kreuz auf Golgota erlitten hat, um für die Sünden aller Menschen zu sühnen.

Der Epilog ist das Wunder der Auferstehung, das uns die Gewissheit schenkt: „Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ (1 Korinther 15:22.)

Es gäbe kein Weihnachten, wenn es kein Ostern gegeben hätte. Der kleine Jesus in Betlehem wäre nichts weiter als ein gewöhnliches Baby gewesen, wenn es Getsemani und Golgota und seine triumphale Auferstehung nicht gegeben hätte.

Ich glaube an den Herrn Jesus Christus, den Sohn des ewigen, lebendigen Gottes. Es hat auf der Erde keinen größeren Menschen gegeben als ihn. Niemand hat ein vergleichbares Opfer gebracht oder eine vergleichbare Segnung ermöglicht. Er ist der Erretter und Erlöser der Welt. Ich glaube an ihn. Ich verkünde, dass er Gott ist, und zwar ohne Wenn und Aber. Ich liebe ihn. Ich spreche seinen Namen mit Ehrfurcht und Staunen aus. Ich bete ihn an, so wie ich seinen Vater anbete, nämlich im Geist und in der Wahrheit. Ich danke ihm und knie nieder vor seinem geliebten Sohn, der uns vor langer Zeit die Hand entgegengestreckt und zu jedem Einzelnen von uns gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Matthäus 11:28.) …

Ich wünsche Ihnen allen etwas Zeit, und sei es auch nur eine Stunde, die Sie in stillem Nachdenken über die herrliche Erhabenheit des Gottessohnes verbringen.20

Ich [lege] Zeugnis [ab für das] Sühnopfer des Herrn Jesus Christus. Ohne es hat das Leben keinen Sinn. Es ist der Schlussstein im Bogen unseres Daseins. Es bestätigt, dass wir gelebt haben, bevor wir auf der Erde geboren wurden. Das irdische Dasein ist nur ein Trittstein für ein herrlicheres künftiges Dasein. Der Kummer des Todes wird durch die verheißene Auferstehung gelindert.21

Jesus ist der Christus, der vorherordinierte Sohn Gottes, der sich herabließ, auf die Erde zu kommen. Er wurde in einem eroberten Land, unter einem geknechteten Volk in einem Stall geboren – der Sohn Gottes, der Einziggezeugte des Vaters im Fleisch, der Erstgeborene des Vaters und der Urheber unseres Heils. Er ist unser Erlöser, unser Erretter, durch dessen Sühnopfer ewiges Leben für jeden möglich gemacht wird, der gehorsam seinen Lehren folgt.22

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Warum hat uns der Vater im Himmel „seinen einziggezeugten Sohn hingegeben“? (Siehe Abschnitt 1.) Was können Sie tun, um Ihre Dankbarkeit für dieses Geschenk zu zeigen? Welche Gedanken und Gefühle bewegen Sie, wenn Sie Präsident Hinckleys Überblick über das, was der Erretter alles für uns getan hat, lesen?

  • Vergleichen Sie in Abschnitt 2 die Wörter, mit denen Präsident Hinckley den Tod beschreibt, mit den Wörtern, mit denen er die Auferstehung beschreibt. Was lernen Sie aus diesen unterschiedlichen Wörtern? Welchen Einfluss hat Ihr Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi auf Ihr Leben?

  • Welche Erkenntnis gewinnen Sie aus dem Zeugnis Präsident Hinckleys über das Sühnopfer Jesu Christi? (Siehe Abschnitt 3.) Wie sind Sie selbst schon durch das Sühnopfer gesegnet worden? Was empfinden Sie, wenn Sie über das Opfer nachdenken, das der Erlöser für Sie gebracht hat? Planen Sie Zeit ein, die Sie „in stillem Nachdenken“ über den Erretter verbringen.

Einschlägige Schriftstellen

Jesaja 53; Johannes 3:16; 11:25; 2 Nephi 9:6-13; Alma 7:11-13; 34:8-10; Helaman 14:13-19; LuB 18:10-12

Unterrichtshilfe

„Während Sie sich mit Beten auf den Unterricht vorbereiten, … werden [Sie] vielleicht dazu gebracht, gewisse Grundsätze hervorzuheben. Sie erhalten vielleicht eine Einsicht, wie Sie gewisse Ideen am besten im Unterricht vorbringen. Sie finden vielleicht Beispiele, einen Anschauungsunterricht oder eine inspirierende Geschichte aus dem täglichen Leben. Sie können das Gefühl haben, dass Sie jemand Bestimmten einladen sollen, der Ihnen im Unterricht hilft. Sie erinnern sich vielleicht an ein Erlebnis, das Sie erzählen können.“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 47f.)

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. „Der lebendige Christus – das Zeugnis der Apostel“, Artikel-Nr. 36299 150

  2. „Mein Zeugnis“, Liahona, Juli 2000, Seite 83, 85

  3. „Die wundersame und wahre Weihnachtsgeschichte“, Liahona, Dezember 2000, Seite 4

  4. „Wir blicken auf Christus“, Liahona, Juli 2002, Seite 102

  5. „The Victory over Death“, Ensign, April 1997, Seite 2

  6. „The Victory over Death“, Seite 2

  7. „Das weiß ich mit Bestimmtheit“, Liahona, Mai 2007, Seite 84

  8. Teachings of Gordon B. Hinckley, 1997, Seite 29f.

  9. „The Victory over Death“, Seite 2, 4

  10. „Gemäß unserer Überzeugung leben“, Liahona, September 2001, Seite 2, 4

  11. „The Victory over Death“, Seite 4

  12. „The Victory over Death“, Seite 4

  13. „The Victory over Death“, Seite 4

  14. „Der herrliche Ostermorgen“, Der Stern, Juli 1996, Seite 63

  15. „Die wundersame und wahre Weihnachtsgeschichte“, Seite 4

  16. „He Is Not Here, but Is Risen“, Ensign, Mai 1999, Seite 72

  17. „Die wundersame und wahre Weihnachtsgeschichte“, Seite 4

  18. „Vergebung“, Liahona, November 2005, Seite 84

  19. „Of You It Is Required to Forgive“, Ensign, Juni 1991, Seite 5

  20. „Die wundersame und wahre Weihnachtsgeschichte“, Seite 4, 6

  21. „Das weiß ich mit Bestimmtheit“, Seite 84

  22. Sheri L. Dew, Go Forward with Faith: The Biography of Gordon B. Hinckley, 1996, Seite 560