Kapitel 9: Das Zeugnis – ein kostbares Geschenk

Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley, 2016


„Wir sprechen verschiedene Sprachen. Wir leben in den unterschiedlichsten Umständen. Aber jeder von uns hat das gleiche Zeugnis im Herzen.“

Aus dem Leben von Gordon B. Hinckley

„Die früheste Erfahrung mit geistigen Empfindungen, an die ich mich erinnern kann“, erzählte Präsident Gordon B. Hinckley einmal, „hatte ich, als ich noch ein ganz kleiner Junge war, etwa fünf Jahre alt. Ich hatte solche Ohrenschmerzen, dass ich weinen musste. … Meine Mutter füllte ein Säckchen mit Speisesalz und legte es zum Aufwärmen auf den Ofen. Mein Vater legte mir sanft die Hände auf und gab mir einen Segen, wobei er mit der Vollmacht des heiligen Priestertums und im Namen Jesu Christi dem Schmerz und der Krankheit Einhalt gebot. Dann nahm er mich liebevoll in die Arme und legte mir das Säckchen mit dem warmen Salz auf das Ohr. Der Schmerz ließ nach und verschwand. Mein Vater hielt mich fest umarmt und ich schlief ein. Beim Einschlafen gingen mir die Worte des Krankensegens durch den Sinn. Das ist meine früheste Erinnerung daran, wie die Vollmacht des Priestertums im Namen des Herrn ausgeübt wurde.

Später, als Jugendlicher, schlief ich mit meinem Bruder im Winter in einem unbeheizten Zimmer. … Ehe wir uns ins warme Bett legten, knieten wir nieder, um unser Gebet zu sprechen. Es waren ganz schlichte Dankgebete. … Ich erinnere mich, dass ich nach dem Amen ins Bett hüpfte, die Decke bis zum Hals zog und darüber nachdachte, was ich gerade getan hatte, als ich zu meinem Vater im Himmel im Namen seines Sohnes gesprochen hatte. Ich wusste nicht viel über das Evangelium. Aber irgendwie war da ein anhaltendes Gefühl von Frieden und Geborgenheit, wenn ich durch den Herrn Jesus Verbindung mit dem Himmel aufnahm. …

Dieses Zeugnis wuchs in meinem Herzen, als ich als Missionar das Neue Testament und das Buch Mormon las, das zusätzlich Zeugnis für ihn gab. Diese Erkenntnis, die auf die erhörten Gebete meiner Kindheit aufbaute, wurde zur Grundlage meines Lebens. Seitdem ist mein Glaube sehr gewachsen. Ich bin ein Apostel Jesu geworden, dazu bestimmt, seinen Willen zu tun und sein Wort zu lehren. Ich bin sein Zeuge für die Welt geworden.“1

Der Herr Jesus Christus

Als Heilige der Letzten Tage vereint uns unser Zeugnis von Jesus Christus.

Lehren von Gordon B. Hinckley

1

Das Zeugnis ist die große Stärke der Kirche und der Ursprung des Glaubens und allen Tuns

Wir sind zu einer großen Familie geworden, die über die weite Welt verbreitet ist. Wir sprechen verschiedene Sprachen. Wir leben in den unterschiedlichsten Umständen. Aber jeder von uns hat das gleiche Zeugnis im Herzen: Sie und ich, wir wissen, dass Gott lebt und dieses heilige Werk lenkt. Wir wissen, dass Jesus unser Erlöser ist, der an der Spitze dieser Kirche steht, die seinen Namen trägt. Wir wissen, dass Joseph Smith ein Prophet war und der Prophet ist, der an der Spitze dieser Evangeliumszeit, der Fülle der Zeiten, steht. Wir wissen, dass das Priestertum wiederhergestellt und ihm übertragen wurde und dass es in dieser Zeit in ununterbrochener Folge zu uns gelangt ist. Wir wissen, dass das Buch Mormon ein wahrer Zeuge der Existenz und Göttlichkeit des Herrn Jesus Christus ist.2

Das, was wir Zeugnis nennen, ist die große Stärke der Kirche. Es ist der Ursprung des Glaubens und allen Tuns. … Es ist so wirklich und mächtig wie nur irgendeine Kraft auf der Erde. Der Herr hat es beschrieben, als er mit Nikodemus sprach: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Johannes 3:8.) Das, was wir Zeugnis nennen, ist schwer in Worte zu fassen, aber seine Früchte sind deutlich zu erkennen. Es ist der Heilige Geist, der durch uns Zeugnis gibt.3

2

Das Zeugnis ist eine leise, ermutigende Stimme, die uns stützt, wenn wir im Glauben wandeln, und uns zum Handeln drängt

Das eigene Zeugnis ist das, was das Leben der Menschen ändert, wenn sie in die Kirche kommen. Es ist das Element, das die Mitglieder antreibt, im Dienst des Herrn alles andere aufzugeben. Es ist die leise, ermutigende Stimme, die ohne Unterlass diejenigen stützt, die bis zum letzten Tag ihres Lebens im Glauben wandeln.

Es ist etwas Geheimnisvolles und Wunderbares, ein Geschenk Gottes an die Menschen. Es setzt sich über Reichtum oder Armut hinweg, wenn man eine Berufung erhält. Das Zeugnis, das unsere Mitglieder im Herzen tragen, treibt sie an, ihre Pflicht zu tun. Wir finden es bei Jung und Alt – beim Seminarschüler, beim Missionar, beim Bischof und beim Pfahlpräsidenten, beim Missionspräsidenten, bei den FHV-Schwestern und bei jeder Generalautorität. Wir hören es von denen, die kein anderes Amt innehaben, als Mitglied zu sein. Es gehört zum Wesenskern dieses Werkes. Es bringt das Werk des Herrn überall auf der Erde voran. Es drängt zum Handeln. Es verlangt, dass wir das tun, worum wir gebeten werden. Es schenkt uns die Gewissheit, dass das Leben einen Sinn hat, dass einiges viel wichtiger ist als anderes, dass wir uns auf einer ewigen Reise befinden und dass wir uns vor Gott verantworten müssen. …

Es ist das, was jeden, der sich für die Kirche interessiert, anfangs nur ganz schwach und leise, zur Bekehrung führt. Es verhilft jedem Bekehrten zu Sicherheit im Glauben. …

Überall, wo die Kirche organisiert ist, spürt man seine Kraft. Wir stehen auf und sagen, dass wir es wissen. … Tatsache ist, dass wir ganz einfach wissen, dass Gott lebt, dass Jesus der Messias ist und dass dies ihr Werk und ihr Reich ist. Die Worte sind einfach, sie kommen von Herzen. Das Zeugnis wirkt überall dort, wo die Kirche organisiert ist, wo Missionare das Evangelium lehren und wo Mitglieder anderen von ihrem Glauben erzählen.

Es ist etwas, was sich nicht widerlegen lässt. Die Gegner können ohne Ende Schriftstellen zitieren und über die Lehre argumentieren. Sie können schlau und überzeugend sein. Aber wenn jemand sagt: „Ich weiß“, gibt es kein Argument dagegen. Es wird vielleicht nicht akzeptiert, aber wer kann der leisen Stimme im Innersten der Seele widersprechen oder sie leugnen, wenn sie mit Überzeugung zum Ausdruck gebracht wird?4

„Licht in unser Leben“

Vor dreißig Jahren lebte [David Castañeda] mit seiner Frau Tomasa und den Kindern auf einer kleinen, heruntergekommenen Farm bei Torreón [in Mexiko]. Sie besaßen dreißig Hühner, zwei Schweine und ein mageres Pferd. Von den Hühnern bekamen sie ein paar Eier, die sie entweder aßen oder mit denen sie manchmal ein paar Pesos verdienten. Sie waren arm. Dann kamen die Missionare zu ihnen. Schwester Castañeda sagte: „Die Missionare nahmen uns die Scheuklappen ab und brachten Licht in unser Leben. Wir wussten nichts von Jesus Christus. Wir wussten nichts von Gott, bis sie kamen.“

Sie hatte zwei Jahre die Schule besucht, ihr Mann überhaupt nicht. Die Missionare unterwiesen sie, und schließlich ließen sie sich taufen. … Nach und nach bauten sie ein gut gehendes Geschäft auf, in dem der Vater mit seinen fünf Söhnen arbeitete. Ganz gläubig zahlten sie den Zehnten. Sie vertrauten auf den Herrn. Sie lebten nach dem Evangelium. Sie dienten, wohin sie auch berufen wurden. Vier Söhne und drei Töchter erfüllten eine Mission. … Sie sind von Kritikern verspottet worden. Ihre Antwort ist ein Zeugnis vom Wirken des Herrn in ihrem Leben.

Aufgrund ihres Einflusses haben sich über zweihundert ihrer Verwandten und Bekannten der Kirche angeschlossen. Mehr als dreißig Söhne und Töchter dieser Verwandten und Bekannten sind auf Mission gewesen. Sie haben das Grundstück gespendet, auf dem jetzt ein Gemeindehaus steht.

Die mittlerweile erwachsenen Kinder und die Eltern fahren abwechselnd jeden Monat nach Mexiko-Stadt, um dort im Tempel zu arbeiten. Sie sind ein lebendiges Zeugnis dafür, dass dieses Werk des Herrn große Kraft hat, den Menschen zu erheben und zu verändern. Sie sind beispielhaft für Tausende und Abertausende überall auf der Welt, die das Wunder des Mormonismus erleben, wenn sie ein Zeugnis von der Göttlichkeit dieses Werkes erlangen.5

„Es ist doch wahr! Was ist dann noch wichtig?“

Ich habe einen Marineoffizier eines fernen Landes kennengelernt, einen hervorragenden jungen Mann, der zu einem Lehrgang in die Vereinigten Staaten gekommen war. Unter seinen Kollegen in der US-Marine gab es einige, deren Verhalten ihn anzog, und sie erzählten ihm auf seine Bitte hin von ihrem Glauben. Er war kein Christ, aber er hatte Interesse. Sie erzählten ihm von Jesus Christus, dem Erretter der Welt, der in Betlehem geboren worden war und sein Leben für alle Menschen hingegeben hatte. Sie erzählten ihm, dass Gott, der ewige Vater, und der auferstandene Herr einem Jungen, Joseph Smith, erschienen waren. Sie sprachen von neuzeitlichen Propheten. Sie unterwiesen ihn im Evangelium des Meisters. Der Geist berührte sein Herz, und er ließ sich taufen.

Ich lernte ihn kurz vor seiner Rückkehr in seine Heimat kennen. Wir unterhielten uns über dies alles, und dann sagte ich: „Ihre Verwandten sind keine Christen. Was wird geschehen, wenn Sie als Christ nach Hause kommen, noch dazu als Mormone?“

Sein Blick verfinsterte sich und er erwiderte: „Meine Familie wird enttäuscht sein. Vielleicht verstoßen sie mich und betrachten mich als tot. Und was meine Zukunft und meine Karriere betrifft, so bleiben mir vielleicht alle Möglichkeiten verschlossen.“

Ich fragte: „Sind Sie denn bereit, für das Evangelium einen so hohen Preis zu bezahlen?“

Seine dunklen Augen, feucht von Tränen, leuchteten aus seinem hübschen braunen Gesicht, als er antwortete: „Es ist doch wahr!“

Ich schämte mich, die Frage gestellt zu haben, und erwiderte: „Ja, es ist wahr.“

Woraufhin er entgegnete: „Was ist dann noch wichtig?“

Und diese Frage möchte ich auch Ihnen vorlegen: „Es ist doch wahr! Was ist dann noch wirklich wichtig?“6

Eine neue Einstellung zum Leben

Ich habe einmal einem Ingenieur zugehört, der sich kurz zuvor der Kirche angeschlossen hatte. Die Missionare hatten bei ihm zu Hause an der Tür gestanden, und seine Frau hatte sie hereingebeten. Sie hatte sich ihre Botschaft bereitwillig angehört, wohingegen er das Gefühl gehabt hatte, er werde gegen seinen Willen hineingezogen. Eines Abends erklärte sie, sie wolle sich taufen lassen. Da wurde er zornig. Wusste sie nicht, was das bedeutete? Es bedeutete Zeit. Es bedeutete, dass man den Zehnten zahlen musste, dass man seinen Bekanntenkreis aufgeben musste. Es bedeutete, dass man das Rauchen aufgeben musste. Er warf sich den Mantel über, ging in die Nacht hinaus und schlug die Tür hinter sich zu. Er ging die Straßen entlang, wetterte gegen seine Frau, wetterte gegen die Missionare, wetterte gegen sich selbst, weil er es überhaupt zugelassen hatte, dass die Familie von ihnen belehrt wurde. Als er müde wurde, legte sich sein Zorn und es drängte ihn irgendwie, zu beten. Er betete im Gehen. Er flehte Gott an, seine Fragen zu beantworten. Und dann hatte er ein Gefühl, so klar und unmissverständlich, fast als habe eine Stimme es ihm gesagt: „Es ist wahr.“

„Es ist wahr“, sagte er sich immer und immer wieder. „Es ist wahr.“ Da kehrte Frieden in sein Herz ein. Er ging nach Hause, und die Einschränkungen, die Anforderungen, die ihn so erzürnt hatten, erschienen ihm jetzt als Chancen. Als er die Tür aufmachte, sah er seine Frau im Gebet auf ihren Knien. …

Er erzählte der Versammlung, in der er über dies alles sprach, von der Freude, die in ihr Leben gekommen war. Der Zehnte war kein Problem. Dass sie von dem, was sie hatten, Gott, der ihnen doch alles gegeben hatte, etwas abgeben konnten, schien wenig genug. Zeit, um anderen zu dienen, war kein Problem. Sie mussten sich die Stunden der Woche nur sorgfältig einteilen. Die Verantwortung war kein Problem. Mit ihr gingen inneres Wachstum und eine neue Einstellung zum Leben einher. Und dann gab dieser intelligente, gebildete Mann, dieser Ingenieur, der es gewohnt war, mit den Fakten der fassbaren Welt, in der wir leben, umzugehen, feierlich und mit Tränen in den Augen Zeugnis von dem Wunder, das in seinem Leben geschehen war.7

Ein Mann betet

Wer kann der leisen Stimme im Innersten der Seele widersprechen oder sie leugnen, wenn sie mit Überzeugung zum Ausdruck gebracht wird?

„Das Kostbarste in meinem Leben“

Vor einigen Jahren hat in Berchtesgaden eine sehr gescheite und gebildete junge Frau auf einer Konferenz von Militärbediensteten gesprochen, die der Kirche angehören. Ich bin dort gewesen und habe sie gehört. Sie war Major in der Armee, Ärztin und allseits geachtete Spezialistin auf ihrem Gebiet. Sie sagte:

„Mehr als alles in der Welt wünschte ich mir, Gott zu dienen. Aber so sehr ich mich auch bemühte, ich konnte ihn nicht finden. Das große Wunder dabei ist, dass er mich gefunden hat. An einem Samstagnachmittag im September 1969 war ich zu Hause in Berkeley in Kalifornien und hörte, wie es an der Tür klingelte. Da standen zwei junge Männer im Anzug, mit weißem Hemd und Krawatte. Ihr Haar war ordentlich gekämmt. Ich war von ihnen so beeindruckt, dass ich sagte: ‚Ich weiß ja nicht, was Sie verkaufen, aber ich nehme es.‘ Einer der jungen Männer sagte: ‚Wir verkaufen gar nichts. Wir sind Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und möchten uns gern mit Ihnen unterhalten.‘ Da bat ich sie herein, und sie erzählten mir von ihrem Glauben.

Das war der Anfang meines Zeugnisses. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass ich ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bin. Die Freude und der Friede, die diese frohe Botschaft in mein Herz brachte, sind der Himmel auf Erden. Mein Zeugnis von diesem Werk ist das Kostbarste in meinem Leben, ein Geschenk des Vaters im Himmel, für das ich in Ewigkeit dankbar sein werde.“8

Das Gleiche erleben Hunderttausende in vielen Ländern – fähige, gebildete Männer und Frauen im Geschäfts- und Berufsleben, sachliche und praktisch veranlagte Menschen, die einer weltlichen Arbeit nachgehen und in deren Herz das stille Zeugnis brennt, dass Gott lebt, dass Jesus der Christus ist, dass dieses Werk von Gott stammt und dass es zum Segen aller, die die damit verbundenen Chancen wahrnehmen wollen, auf der Erde wiederhergestellt worden ist.9

3

Jeder von uns kann ein Zeugnis davon erlangen, dass es Gott und seinen geliebten Sohn wirklich gibt und dass ihr Werk wiederhergestellt wurde

Dieses Zeugnis kann die kostbarste aller Gaben Gottes sein. Wenn wir uns auf die richtige Weise darum bemühen, kommt es als Geschenk des Himmels. Jeder Mann und jede Frau in der Kirche haben die Möglichkeit und die Verpflichtung, selbst zu dieser Überzeugung zu gelangen, nämlich, dass dieses großartige Werk der Letzten Tage wahr ist und dass der lebendige Gott und der Herr Jesus Christus es führen.

Jesus wies uns den Weg dazu, wie man ein Zeugnis erlangen kann, als er sagte: „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.

Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“ (Johannes 7:16,17.)

Wenn wir dienen, lernen und beten, nehmen unser Glaube und unsere Erkenntnis zu.

Als Jesus die Fünftausend speiste, erkannten sie, dass es sich um ein Wunder handelte, und staunten darüber. Einige kamen später zurück. Diesen erklärte der Herr seine göttliche Herkunft und dass er selbst das Brot des Lebens ist. Er warf ihnen vor, dass sie nicht an der Lehre interessiert seien, sondern nur ihren Hunger stillen wollten. Manche, die seine Lehren vernahmen, sagten: „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ (Johannes 6:60.) Wer kann glauben, was dieser Mann lehrt?

„Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

Da fragte Jesus die Zwölf [ich bin mir sicher, er war ein wenig entmutigt]: Wollt auch ihr weggehen?

Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (Johannes 6:66-69.)

Dies ist die große Frage und die Antwort darauf, der wir uns alle stellen müssen. „Wenn nicht zu dir, Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Es ist diese Überzeugung, diese stille, innere Gewissheit, dass Gott wirklich lebt, dass sein geliebter Sohn göttlicher Herkunft ist, dass ihr Werk in dieser Zeit wiederhergestellt worden ist und dass weitere herrliche Kundgebungen folgten, die für jeden von uns zur Grundlage unseres Glaubens geworden sind. Dies wird uns zum Zeugnis. …

Vor kurzem war ich in Palmyra im Staat New York [nahe der Stelle, wo Joseph Smith seine erste Vision empfing]. Von den Ereignissen, die sich in dieser Gegend zugetragen haben, kann man wohl sagen: „Das alles ist entweder geschehen oder nicht. Es gibt keinen Mittelweg, keinen Kompromiss.“

Und dann flüstert die Stimme des Glaubens: „Es ist geschehen. Es ist genau so geschehen, wie er es geschildert hat.“

Dort in der Nähe liegt der Hügel Cumorah. Von dort kam der alte Bericht, von dem das Buch Mormon übersetzt worden ist. Seinen göttlichen Ursprung kann man nur annehmen oder ablehnen. Jeder, der es gläubig gelesen hat und die Beweise abwägt, muss sagen: „Es ist wahr.“

Das betrifft auch andere Elemente dieser wunderbaren Sache, die wir die Wiederherstellung des Evangeliums, des Priestertums und der Kirche aus alter Zeit nennen.

Dieses Zeugnis ist auch heute, was es schon immer war: eine Verkündigung, eine freimütige Gewissheit von der Wahrheit, wie wir sie erkannt haben.10

4

Wir müssen unserem Zeugnis gerecht werden und andere daran teilhaben lassen

Paulus sagte zu Timotheus: „Achte auf dich selbst“ – hören Sie genau zu – „und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören.“ (1 Timotheus 4:16.) Was für eine hervorragende Anweisung, die Paulus dem jungen Timotheus gab.

Er sagte weiter: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Timotheus 1:7.) Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft – die Kraft der Botschaft; den Geist der Liebe – Liebe zu den Menschen und zu dem, was wir bieten; den Geist der Besonnenheit – die einfachen und verständlichen Grundsätze des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi.

„Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen.“ (2 Timotheus 1:8.) Meine Brüder und Schwestern, schämen Sie sich niemals, sich zum Herrn zu bekennen. … Uns wurde eine große Verpflichtung auferlegt: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen.“11

Dies ist Gottes heiliges Werk. Dies ist seine Kirche und sein Reich. Die Vision, die sich im heiligen Hain ereignete, trug sich so zu, wie Joseph Smith es geschildert hat. In meinem Herzen habe ich eine klare Erkenntnis von der Bedeutung dessen, was dort geschah. Das Buch Mormon ist wahr. Es gibt Zeugnis für den Herrn Jesus Christus. Sein Priestertum ist wiederhergestellt worden, und wir besitzen es. Die Schlüssel dieses Priestertums, die von himmlischen Wesen überbracht wurden, werden zu unserem ewigen Segen ausgeübt. Das ist unser Zeugnis, Ihres und meines – ein Zeugnis, dem wir gerecht werden und an dem wir andere teilhaben lassen müssen. Ich gebe Ihnen dieses Zeugnis mit meinem Segen, grüße Sie von Herzen und lade jeden von Ihnen ein, ein Teil dieses großartigen Wunders der Letzten Tage zu bleiben, nämlich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.12

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Inwiefern trägt Ihr Zeugnis zur Stärke der Kirche bei? (Siehe Abschnitt 1.)

  • Präsident Hinckley weist darauf hin, dass uns das Zeugnis stützt und „zum Handeln“ drängt (Abschnitt 2). Wie hat Ihr Zeugnis Sie bisher gestützt? Wie wirkt sich Ihr Zeugnis auf Ihre Entscheidungen aus? Wie lassen sich die Geschichten in Abschnitt 2 auf Ihr eigenes Leben beziehen?

  • Was können wir aus Präsident Hinckleys Aussagen darüber lernen, wie man ein Zeugnis erlangt? (Siehe Abschnitt 3.) Haben Sie etwas erlebt, wodurch Sie ein Zeugnis erhalten haben? Was können wir tun, um unser Zeugnis zu stärken?

  • Warum wird unser Zeugnis wohl stärker, wenn wir andere daran teilhaben lassen? Was hilft Ihnen, die Angst zu überwinden, anderen Zeugnis zu geben? Inwiefern war das Zeugnis anderer ein Segen für Sie? (Siehe Abschnitt 4.)

Einschlägige Schriftstellen

1 Korinther 12:3; 1 Petrus 3:15; Alma 5:43-46; 32:26-30; Moroni 10:3-5; LuB 8:2,3; 80:3-5

Unterrichtshilfe

„In dem Maß, wie Sie den Einzelnen kennen und verstehen lernen, können Sie den Unterricht besser auf die Lebensumstände der Teilnehmer abstimmen. Ihr Wissen um den Einzelnen hilft Ihnen, Mittel und Wege zu finden, wie Sie jeden in das Unterrichtsgespräch oder andere Lernaktivitäten mit einbeziehen können.“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 34.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „My Testimony“, Ensign, Mai 2000, Seite 70f.

  2.   2.

    „Durch die Macht des Geistes zuhören“, Der Stern, Januar 1997, Seite 5

  3.   3.

    „Testimony“, Ensign, Mai 1998, Seite 69

  4.   4.

    „Testimony“, Seite 69f.

  5.   5.

    „Testimony“, Seite 70

  6.   6.

    „It’s True, Isn’t It?“ Ensign, Juli 1993, Seite 2

  7.   7.

    „It’s True, Isn’t It?“, Seite 5

  8.   8.

    „It’s True, Isn’t It?“, Seite 6

  9.   9.

    „It’s True, Isn’t It?“, Seite 5

  10.   10.

    „Testimony“, Seite 70f.

  11.   11.

    Discourses of President Gordon B. Hinckley, Band 2: 2000–2004, 2005, Seite 369

  12.   12.

    „A Perfect Brightness of Hope: To New Members of the Church“, Ensign, Oktober 2006, Seite 5