Kapitel 17: Anderen vom Evangelium erzählen

"Kapitel 17: Anderen vom Evangelium erzählen," Lehren der Präsidenten der Kirche: Harold B. Lee, (2001)


Einleitung

Gelegentlich reisten Elder Gordon B. Hinckley vom Kollegium der Zwölf und seine Frau Marjorie mit Präsident Harold B. Lee und seiner Frau. „Wir reisten zweimal mit Präsident Lee und seiner Frau nach England, Deutschland, Österreich, Italien, Griechenland und ins Heilige Land, wo wir mit Missionaren, Mitgliedern, Jugendlichen und Militärangehörigen zusammenkamen“, sagte Schwester Hinckley. „Nie hatte jemand freundlichere, gütigere Reisegefährten.“

„An einem Sonntag waren wir in England. Es war ein ausgefüllter Tag gewesen: zwei Konferenzversammlungen und am Abend eine Fireside. Als wir gegen halb zehn ins Hotel zurückkamen, waren wir völlig erschöpft und hungrig. Wir gingen in den Speisesaal des Hotels, um ein bisschen zu essen. Der Tag war vorüber – wir konnten uns entspannen. Zumindest dachte ich das. Wir saßen am Tisch und die Kellnerin hatte schon den Stift in der Hand, um unsere Bestellung aufzunehmen. Präsident Lee sah sie an und fragte:‘Welcher Kirche gehören Sie an?‘ Für ihn war der Tag noch nicht vorbei. Er war auf Mission. Ehe die Mahlzeit vorbei war, hatte er alles über die junge Frau erfahren. Sie hatte ihren Mann verloren und war einsam und ängstlich. Sie hatte versprochen, sich mit den Missionaren zu treffen und mehr in Erfah- rung zu bringen. Es war wunderbar zu sehen, wie der Präsident der Kirche praktizierte, was er den ganzen Tag gepredigt hatte. Als die Kellnerin (die wohl etwa fünfunddreißig war) erfuhr, dass der Mann, mit dem sie da sprach, der Präsident, der Prophet, Seher und Offenbarer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage war, konnte sie nicht glauben, dass so jemand sich auf ein Gespräch mit ihr einließ. Sie war zutiefst gerührt.“ 1 Darüber, dass wir das Evangelium verbreiten sollen, hat Präsi- dent Lee gesagt: „Mögen [wir] erkennen, dass dies eine Aufgabe ist, die der Herr seiner Kirche in jeder Evangeliumszeit anvertraut, … nämlich jedes Geschöpf das Evangelium lehren, damit am Tag des Gerichts keiner eine Entschuldigung hat und alle vom Fall erlöst werden und in die Gegenwart des Herrn zurückkehren.“ 2

Lehren von Harold B. Lee

Warum ist es wichtig, dass wir anderen vom Evangelium erzählen?

Wir bewahren uns unser Zeugnis, indem wir leben und beten und in der Kirche aktiv sind und indem wir die Gebote Gottes halten. Dann ist der führende Geist mit uns, und das ist mit das Kostbarste, was ein Mitglied der Kirche haben kann.

Mit diesem Zeugnis ist für uns alle die Aufgabe verbunden, an unsere Verpflichtung zu denken, von der göttlichen Mission des Herrn Zeugnis zu geben, wann immer sich eine Möglichkeit dazu bietet. Wenn wir uns darauf einlassen, gibt es viele Möglichkeiten, das Evangelium zu lehren, Tag für Tag und Stunde für Stunde, wo immer wir sind. Wenn wir dementsprechend leben, wenn wir uns darauf vorbereiten und uns darum bemühen, befähigt uns der führende Geist auch, zu lehren. Denken Sie daran, Worte sind bloß Worte, wenn man das Evangelium lehrt, außer sie sind vom Geist des Herrn begleitet. …

Unsere Aufgabe besteht darin, der Welt die Botschaft von der Wahrheit zu bringen und der Welt zu zeigen, dass in den Lehren des Evangeliums Jesu Christi die Lösungen für jedes Problem zu finden sind, das die Menschheit bedrängt. 3

Wir sollten jede Möglichkeit wahrnehmen, anderen die Erkenntnis vom Evangelium zu bringen – unseren inaktiven Mitgliedern, mit denen wir zu tun haben, unseren Freunden am College, im Militärdienst und im Geschäft, unseren Nachbarn und Freunden, die keine Mitglieder sind.

Der Herr gab dem Propheten diese Offenbarung: „Denn es gibt unter allen Glaubensgemeinschaften, Parteien und Konfessionen noch immer viele auf Erden, die von der durchtriebenen Heimtücke der Menschen, die auf der Lauer liegen, um zu täuschen, verblendet sind und denen die Wahrheit nur deshalb vorenthalten ist, weil sie nicht wissen, wo sie zu finden ist.“ (LuB 123:12.) 4 Für jemanden, der im Herzen ehrlich ist, gibt es keine willkommenere Stimme als die des wahren Boten, der das Evangelium Jesu Christi verkündet. 5

Sie werden sich daran erinnern, was [Elder Charles A. Callis] darüber erzählt hat, wie er einmal in Montana einen Mann besuchte, der in Irland auf Mission gewesen war. Er suchte nach diesem Mann, der inzwischen alt war, stellte sich vor und sagte: „Waren Sie nicht vor einigen Jahren in Irland auf Mission?“ Das bejahte der Mann. „Sind Sie der Mann, der in seiner Abschiedsansprache am Ende seiner Mission gesagt hat, er hielte seine Mission für einen Fehlschlag, weil Sie nur ein einziges schmutziges irisches Kind getauft hatten? Haben Sie das gesagt?“ „Ja, ich erinnere mich daran.“ Da sagte Bruder Callis: „Ich möchte mich vorstellen. Ich bin Charles A. Callis vom Rat der Zwölf der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich bin jenes schmutzige irische Kind, das Sie als Missionar in Irland getauft haben.“ Ein Mensch, der Apostel der Kirche, des Gottesreichs, wurde. 6

Niemand streckt je die Hand aus, um einem anderen zu helfen, ohne dass er für sich das Anrecht auf verdiente Errettung erwirbt, weil er bereit ist, anderen zu helfen. Denken Sie daran, dass wir alle die Kinder unseres Vaters sind, ob wir zur Zeit Mitglieder der Kirche sind oder nicht. Diese anderen Kinder unseres Vaters müssen uns sehr am Herzen liegen. Sie sind ihm genauso lieb wie diejenigen, die zur Zeit Mitglieder der Kirche sind. Wenn einer von uns sich der Aufgabe widmet, andere in die Herde zu bringen, so bringt er seiner Seele Errettung. Das sagt nämlich der Herr [siehe LuB 4:4]. 7

Warum spielt die Opferbereitschaft bei der Verkündigung des Evangeliums eine so wichtige Rolle?

Der Wesenskern dessen, was wir als Christentum bezeichnen, ist in den Aufzeichnungen des Verfassers des Johannesevangeliums zu finden. Dort wird das Zeugnis des Meisters von seiner göttlichen Mission als Erretter der Welt zitiert, und zwar mit den folgenden Worten:

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Johannes 3:16.)

Es heißt, der höchste Dienst, den wir hier in der Sterblichkeit leisten können, sei die Bereitschaft, uns für einen anderen zu opfern. Welche Rolle Opferbereitschaft und Dienen im Prozess der Heiligung spielen, hat der Prophet Joseph Smith erklärt:

„Eine Religion, die nicht verlangt, dass man alles opfert, hat niemals genügend Macht, solchen Glauben hervorzubringen, der für Leben und Errettung notwendig ist. …

Gott hat bestimmt, dass die Menschen einzig und allein durch dieses Opfer ewiges Leben haben sollen.“ [Lectures on Faith (1985), 69.]

Wenn wir diesen Grundsatz, durch den wir auf diese kostbare Gabe Anspruch erheben können, auf uns und unser Leben beziehen könnten, wären wir tatsächlich sehr weise. König Benjamin hat seinem Volk in seiner Abschiedspredigt erklärt:

„… Wenn ihr euren Mitmenschen dient, allein dann dient ihr eurem Gott.“ (Mosia 2:17.) …

Das Geben ist also Ausdruck unserer Liebe, und wenn jemand wahrhaftig von sich selbst gibt, ist das ein Beweis für seine beständige Liebe. …

Der Prophet Joseph Smith liebte die Wahrheit, die ihm offenbart worden war, so sehr, dass er bereit war, alles zu opfern, was er in der Welt besaß, auch sein Leben, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben, damit es von den Ländern der Erde gehört werde. …

Ich besuchte vor ein paar Monaten einen Pfahl und wurde gebeten, ein paar junge Männer als Missionarsanwärter zu inter- viewen. Der Pfahlpräsident hatte mir gesagt, einer der jungen Männer habe sich nach langem Krankenhausaufenthalt von einem schweren Schock erholt, den er im Militärdienst erhalten hatte. Als ich mit diesem jungen Mann sprach, fragte ich ihn: „Warum wollen Sie auf Mission gehen?“

Er dachte ein paar Augenblicke lang nach und erwiderte dann: „Als ich in den Militärdienst eintrat, war ich zum ersten Mal von zu Hause fort. Es war merkwürdig. Ich war von Versuchungen umgeben und wurde zur Sünde aufgefordert. Ich brauchte Kraft, um der Sünde fern zu bleiben, und wandte mich an den himmlischen Vater und betete im Glauben zu ihm, er möge mir die Kraft schenken, dem Bösen zu widerstehen. Gott erhörte mein Beten und gab mir diese Kraft. Nach der Ausbildungszeit, als wir ins Kampfgebiet kamen, hörten wir schon den Kanonendonner, der vom Tod kündete. Ich hatte Angst und zitterte am ganzen Körper. Ich betete zu Gott um Mut, und er gab mir Mut, und da kam ein Friede über mich, den ich nie zuvor erlebt hatte. … Ich musste als Späher Dienst tun, was bedeutete, dass ich mich vor den Kampftruppen bewegte und manchmal fast vom Feind umzingelt war. Ich wusste, es gab nur eine Macht auf der Erde, die mich retten konnte, und ich betete zu dieser Macht, sie möge mich beschützen, mir das Leben retten, und Gott erhörte mein Beten und ließ mich zu meiner Kompanie zurückkehren.“

Dann sagte er zu mir: „Bruder Lee, für all dies bin ich dankbar. Es ist wenig genug, wenn ich jetzt hinausgehe, um als Botschafter Jesu Christi die Menschen die heiligen Dinge zu lehren, die ich als Kind in meiner Familie gelernt habe.“

Als ich so hörte, welch großen Glauben dieser junge Mann hatte, musste ich an diejenigen denken, die sagten, sie gingen auf Mission, um geschult zu werden, um die Welt zu sehen, um eine wertvolle Erfahrung zu machen, die ihnen nützen würde. …

Dieses egoistische Verlangen nach einem persönlichen Vorteil entspringt nicht den Lehren der Wahrheit, sondern den Lehren dessen, der der Feind der Wahrheit ist. …

Jemand, der auf persönlichen Gewinn und Vorteil aus ist, ist niemals glücklich, denn hinten am Horizont zieht sich das Leben von ihm zurück und verspottet sein Verlangen nach Erwerb und Eroberung. Jemand, der selbstlos dient, der ist glücklich. 8 Wir sehen in unserem Missionswerk die großartigen jungen Männer und jungen Frauen, die … bis an die Enden der Erde gehen, um durch ihren selbstlosen Dienst jederzeit und an allen Orten als Zeugen der gottgegebenen Aufgabe der Kirche dazustehen, das Evangelium zu lehren. 9

Wie können wir das Evangelium mit Macht und Vollmacht lehren?

Alma … und die Söhne Mosias gingen auf Mission und leisteten dort großartige Arbeit. … Alma begegnete seinen Brüdern, den Söhnen Mosias, als sie gerade ins Land Zarahemla unterwegs waren.

„Diese Söhne Mosias aber waren bei Alma gewesen zu der Zeit, als ihm damals der Engel erschienen war; darum freute sich Alma über die Maßen, seine Brüder zu sehen; und was seine Freude noch vermehrte – sie waren noch immer seine Brüder im Herrn; ja, und sie waren in der Erkenntnis der Wahrheit stark geworden, denn sie waren Männer mit gesundem Verständnis und hatten eifrig in der Schrift geforscht, um das Wort Gottes zu kennen.

Aber das war nicht alles; sie hatten sich vielem Fasten und Beten hingegeben; darum hatten sie den Geist der Prophezeiung und den Geist der Offenbarung, und wenn sie lehrten, so lehrten sie mit der Kraft und Vollmacht Gottes.“ [Alma 17:2,3.]

Ist Ihnen also klar, wie man mit der Macht und Vollmacht Gottes lehren kann? Werden wir in der Erkenntnis der Wahrheit stark, seien wir Menschen mit gesundem Verständnis, forschen wir eifrig in den heiligen Schriften, damit wir das Wort Gottes kennenlernen. Aber das ist nicht alles. Wir müssen beten und wir müssen fasten, und wir brauchen den Geist der Prophezeiung; und dann können wir mit der Kraft und Vollmacht Gottes lehren. 10

Der Herr … hat gesagt: „Und ich gebe euch das Gebot, einander in der Lehre des Reiches zu belehren.“ Und dann sagte er noch: „Lehrt eifrig – und meine Gnade wird mit euch sein.“ (LuB 88:77,78.) Ich habe mich bemüht, die Worte „eifrig“ und „Gnade“ zu definieren. Eifrig, so steht es im Wörterbuch, ist „ausdauernd und aufmerksam“, also das Gegenteil von Trägheit, Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit. …

… Ich glaube, die Definition für „Gnade“ finden wir im vierten Abschnitt in Lehre und Bündnisse, wo der Herr denen, die sich tatkräftig in der Missionsarbeit engagieren, Folgendes verheißt: „… Wer also seine Sichel mit Macht einschlägt, der trifft Vorsorge, dass er nicht zugrunde geht, sondern seiner Seele die Errettung bringt.“ [LuB 4:4.] Die errettende Gnade der sühnenden Macht des Herrn erstreckt sich auf den, der gibt, ebenso wie auf den, der die errettenden heiligen Handlungen des Evangeliums annimmt. 11

Nun zum Abschluss noch dieser Punkt, den ich genauso wichtig wie alle anderen finde oder vielleicht sogar noch wich- tiger:

„Und der Geist wird euch durch das Gebet des Glaubens gegeben; und wenn ihr den Geist nicht empfangt, sollt ihr nicht lehren.“ [LuB 42:14.]

Wir können Ihnen in diesem Missionsplan das Werkzeug vermitteln, das Sie brauchen, um das Evangelium zu präsentieren und zu studieren; es ist alles da. Aber solange der Missionar nicht selbst eifrig betet, bekommt er den Geist, durch den er das Evangelium verkünden kann, nicht. Das meinte Nephi, als er sagte:

„Nun aber kann ich, Nephi, nicht alles niederschreiben, was unter meinem Volk gelehrt worden ist; ich bin auch nicht so mächtig im Schreiben, wie ich es im Sprechen bin; denn wenn jemand durch die Macht des Heiligen Geistes spricht, so trägt die Macht des Heiligen Geistes es den Menschenkindern ins Herz.“ (2 Nephi 33:1.)

… Wenn Sie den Geist mit sich haben und zuhören und sich leiten lassen und den Geist des Erkennens haben, auf den jeder, der zu seinem Dienst berufen ist, ein Anrecht hat, können Sie erkennen und sich leiten lassen; dann sind Ihre Worte von der Macht des Heiligen Geistes begleitet, ohne den niemand ein guter Lehrer des Evangeliums Jesu Christi sein kann. 12

Warum ist es so wichtig, dass wir selbst nach dem Evangelium leben, wenn wir anderen davon erzählen wollen?

Die beste Möglichkeit, andere für das Evangelium zu interessieren, besteht darin, dass wir nach den Idealen und Grundsätzen leben, die wir von denen erwarten, die sich zur Mitgliedschaft in der Kirche bekennen. Das ist das erste, was einem Fremden auffällt. Wie verhalten wir Mitglieder der Kirche uns? …

… Niemand kann das Evangelium lehren, wenn er nicht danach lebt. Als erstes qualifiziert man sich als Missionar dadurch, dass man nach den Grundsätzen lebt, die man lehrt. Haben Sie je gemeint, ein Sünder könne besonders gut die Umkehr lehren? Meinen Sie, jemand könne anderen sehr effektiv vermitteln, dass sie den Sabbat heiligen sollen, wenn er ihn nicht heilig hält? Meinen Sie, Sie könnten irgendwelche der übrigen Grundsätze des Evangeliums lehren, wenn Sie nicht genügen daran glauben, um sie in Ihr Leben zu integrieren? 13

Jesus [hat gesagt]: „Darum haltet euer Licht hoch, damit es der Welt leuchte. Siehe, ich bin das Licht der Welt, das ihr hochhalten sollt – das, was ihr mich habt tun sehen. Siehe, ihr seht, dass ich zum Vater gebetet habe; und ihr alle wart Zeugen.“ (3 Nephi 18:24.) Unsere Aufgabe besteht darin, für die Welt das „hochzuhalten“, was Jesus für die Menschen getan hat: das Sühnopfer, das Beispiel, das er gegeben hat, und die Lehren, die er uns selbst und durch seine Propheten in alter und neuer Zeit gegeben hat. Der Meister hat uns außerdem geraten: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5:16.) …

In allen Führungssituationen, wo wir uns bemühen, das menschliche Verhalten zu verbessern, kann man nur schwer überbewerten, welche Macht das Beispiel hat – ob es darin besteht, dass Eltern ihren Kindern zeigen und erklären, welchen Wert die Tempelehe hat, oder ob ein zurückgekehrter Missionar durch die Veränderungen und die Reife, die das Evangelium in ihm bewirkt hat, sein Licht leuchten lässt. 14

„Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt.“ [Matthäus 5:14.] Was bedeutet das? …

… Ein Heiliger der Letzten Tage in Kirchenkreisen, im Militärdienst, im Gesellschaftsleben und im Wirtschaftsleben wird nicht nur als Individuum betrachtet, sondern als die sichtbare Kirche von heute. Jemand hat einmal gesagt: „Achten Sie darauf, wie Sie sich verhalten, Sie sind vielleicht die einzigen heiligen Schriften der Kirche, die manche Menschen jemals lesen.“ Der Herr sagt uns hier deutlich, dass die Grundsätze eines Menschen, der in der Kirche lebt, sichtbar höher sein müssen als die Grundsätze eines Menschen, der in der Welt lebt. 15

Ich war vor kurzem [1954] in Seoul in Korea, und einer der Besten, die wir dort haben, ist ein Mann namens Dr. Ho Jik Kim. Er ist … Berater der koreanischen Regierung. Er leitet dort eine Bildungseinrichtung und hat jetzt vierunddreißig neue Mitglieder der Kirche um sich geschart, von denen viele sehr gebildet sind. Wir haben uns etwa zwei Stunden mit ihm unterhalten, weil wir uns bemühen, eine Grundlage zu schaffen, von der aus wir vielleicht in Korea mit der Missionsarbeit beginnen können. Er erzählte uns von seiner Bekehrung. „Ich fühlte mich zur Kirche hingezogen“, so erzählte er, „als zwei Heilige der Letzten Tage, die an der Cornell University lehrten, mich zu sich nach Hause einluden. … Am meisten hat mich ihr Familienleben beeindruckt. Ich hatte noch nie eine Familie erlebt, wo zwischen Mann und Frau und Vater und Mutter und den Kindern eine so innige Bezie- hung herrschte. Ich hatte sie beim Familiengebet erlebt. Ich war so beeindruckt, dass ich begann, mich mit dieser Religion zu beschäftigen. Und eines Abends, nachdem ich lange studiert hatte und mich davon überzeugt hatte, dass es wünschenswert war, mich in solcher Gesellschaft zu befinden, erkannte ich, dass ich als erstes ein Zeugnis haben musste. Ich kniete nieder und betete fast die ganze Nacht und erhielt ein Zeugnis davon, dass dieses Werk von Gott ist.“ Bedenken Sie jedoch, es begann alles mit dem hervorragenden Beispiel einer Familie, die ein solches Familienleben hatte, wie das Evangelium es von wahren Heiligen der Letzten Tage erwartet. 16

Anregungen für Studium und Diskussion

  • Welche Möglichkeiten haben wir, Tag für Tag, wo immer wir auch sind, das Evangelium zu lehren? Welche Eigenschaften haben die Menschen, die anderen erfolgreich vom Evangelium erzählen?

  • Was können wir aus der Art lernen, wie Präsident Lee in dem Hotelrestaurant das Evangelium vermittelt hat?

  • Wie sind Sie schon dafür gesegnet worden, dass Sie sich bemüht haben, anderen vom Evangelium zu erzählen?

  • Welche Opfer müssen wir bringen, um das Evangelium zu verbreiten? Mit welcher Einstellung sollten wir solche Opfer bringen? Was beeindruckt Sie an der Einstellung des jungen Mannes, der aus dem Krieg zurückkehrte und auf Mission ging?

  • Was lernen wir in Alma 17:2,3 darüber, wie wir das Evangelium mit Macht und Vollmacht verbreiten können?

  • Warum ist es wichtig, dass der Heilige Geist unser Begleiter ist, wenn wir ein guter Missionar sein wollen? Was können wir tun, um uns noch mehr vom Geist leiten zu lassen, wenn wir anderen vom Evangelium erzählen?

  • Wie können wir das Zögern und die Angst überwinden und anderen vom Evangelium erzählen?

  • Warum ist das Beispiel unseres rechtschaffenen Lebens ein so mächtiges Werkzeug bei der Verkündigung?

Quellenangaben anzeigen

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    1.  Glimpses into the Life and Heart of Marjorie Pay Hinckley, Hg. Virginia H. Pearce (1999), 21f.

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    2. In Conference Report, April 1961, 35.

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    3. „Directs Church; Led by the Spirit“, Church News, 15. Juli 1972, 4.

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    4.  Ye Are the Light of the World (1974), 24–25.

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    5. In Conference Report, April 1961, 34.

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    6. „ ,Wherefore, Now Let Every Man Learn His Duty, and to Act in the Office in Which He Ist Appointed in All Diligence‘ “, Ansprache in der Sitzung des Priestertumshauptausschusses, 6. November 1968, Archiv der Geschichtsabteilung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 10.

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    7. Address to Brigham Young University stake conference missionary session, 19. Oktober 1957, April 1973, Archiv der Geschichtsabteilung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 3.

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    8. In Conference Report, April 1947, 47–50.

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    9. In Conference Report, April 1951, 33.

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    10. Ansprache vor Institutslehrern, 3. Februar 1962, Archiv der Geschichtsabteilung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 7f.

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    11. In Conference Report, April 1961, 34–35.

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    12. Address to Brigham Young University stake conference missionary session, 5f.

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    13. Address to Brigham Young University stake conference missionary session, 2, 5.

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    14. „ ,Therefore Hold Up Your Light That It May Shine unto the World‘ “, Ansprache anlässlich des Seminars für die Regionalrepräsentanten, 1. Oktober 1969, Archiv der Geschichtsabteilung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 3.

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    15.  Ye Are the Light of the World, 13f.

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    16.  By Their Fruits Shall Ye Know Them, Brigham Young University Speeches of the Year (12. Oktober 1954), 5.