Kapitel 8: Das Evangelium in die ganze Welt tragen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Howard W. Hunter, (2015), 131–42


Wir sind beauftragt, Seelen zu retten und Menschen einzuladen, zu Christus zu kommen.

Aus dem Leben von Howard W. Hunter

1979 sagte Elder Howard W. Hunter, der damals dem Kollegium der Zwölf Apostel angehörte: „Ich glaube fest daran, dass wir in der nahen Zukunft einige der größten Fortschritte bei der Verbreitung des Evangeliums in allen Ländern erleben werden, die in dieser und jeder anderen vorangegangenen Evangeliumszeit je stattgefunden haben. Ich bin sicher, dass wir eines Tages zurückschauen werden … und wie Lukas berichten: ‚Und das Wort Gottes breitete sich aus.‘ (Apostelgeschichte 6:7.)“1

Als Elder Hunter diese Worte sprach, hielten politische Einschränkungen Missionare davon ab, das Evangelium in den meisten Ländern Osteuropas und in der Sowjetunion zu verkünden. Innerhalb von zehn Jahren wurden viele dieser Einschränkungen allmählich aufgehoben. 1989 und 1990 wurde die Berliner Mauer abgerissen, die West- und Ostdeutschland fast 30 Jahre lang getrennt hatte. Präsident Hunter diente zu der Zeit als Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel und äußerte sich wie folgt zu diesem historischen Ereignis und weiteren Veränderungen, die in der Welt vor sich gingen:

„In letzter Zeit wurde viel Aufmerksamkeit auf die Berliner Mauer gerichtet. Natürlich freuen wir uns alle, zu sehen, dass die Mauer fällt. Das stellt neu gefundene Freiheiten dar. … Wenn wir versuchen, den Geist der Versöhnung zu verstehen, der über die Welt kommt, und ihn mit dem Evangelium in Zusammenhang bringen, müssen wir uns fragen: Könnte es nicht die Hand des Herrn sein, die politische Barrieren entfernt und Öffnungen in bisher unüberwindbaren Mauern schafft, damit das Evangelium verkündet werden kann, und zwar gemäß eines göttlichen Vorhabens und Zeitplans?“2

Präsident Hunter war der Meinung, diese Veränderungen würden den Mitgliedern der Kirche eine wichtige Verantwortung übertragen. Da mehr Länder für die Missionsarbeit geöffnet wurden, sagte er, würden mehr Missionare benötigt, um den Auftrag zu erfüllen, aller Welt das Evangelium zu bringen.3

Präsident Hunters Wunsch, sich allen Kindern Gottes zuzuwenden, ganz gleich, welche Staatsangehörigkeit sie haben oder welchem Glauben sie angehören, wurde in seiner Arbeit im Nahen Osten offenbar. Die Erste Präsidentschaft übertrug ihm wichtige Aufgaben in Jerusalem. Unter anderem wurde er beauftragt, den Bau des Orson-Hyde-Gedenkgartens und des Zentrums der Brigham-Young-Universität für Nahoststudien in Jerusalem zu beaufsichtigen. Obwohl die Kirche in dieser Region nicht missionieren durfte, schloss Präsident Hunter dauerhafte Freundschaften mit den Menschen, mit denen er zusammenarbeitete – sowohl Juden als auch Arabern. „Der Zweck des Evangeliums Jesu Christi liegt darin, in höchstem Maße Liebe, Einigkeit und Brüderlichkeit zustande zu bringen“, sagte er.4

Bei seiner Arbeit unter Gottes Kindern in aller Welt lautete Präsident Hunters Botschaft stets gleich: „Wir sind Ihre Brüder – wir betrachten keine Nation und keine Nationalität als Bürger zweiter Klasse. Wir laden alle ein, … unsere Botschaft zu prüfen und sich uns anzuschließen.“5

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Das Evangelium Jesu Christi ist ein weltweiter Glaube mit einer allumfassenden Botschaft.

Lehren von Howard W. Hunter

1

Das wiederhergestellte Evangelium ist für alle Menschen da – denn wir sind überzeugt, dass alle Menschen Kinder desselben Gottes sind

Das Evangelium Jesu Christi, dessen Lehren wir verkünden und dessen Verordnungen wir ausführen, ist ein weltweiter Glaube mit einer allumfassenden Botschaft. Es ist weder begrenzt noch parteiisch noch von der Geschichte oder von Modeerscheinungen abhängig. Seine wesentlichen Aussagen sind allgemeingültig und von ewiger Wahrheit. Seine Botschaft richtet sich an die ganze Welt; sie wurde in diesen Letzten Tagen wiederhergestellt, um den grundlegenden Bedürfnissen jeder Nation, jedes Geschlechts, jeder Sprache und jedes Volkes auf der Erde gerecht zu werden. Es ist genau so aufgerichtet worden, wie es am Anfang war – um Brüderlichkeit zu fördern, Wahrheit zu bewahren und Seelen zu erretten. …

Die Botschaft des Evangeliums lautet, dass die gesamte Menschheit eine Familie ist, die von einem einzigen Gott abstammt. Alle Männer und Frauen haben nicht nur eine körperliche Abstammungslinie, die zurück bis zu ihren irdischen Stammeltern Adam und Eva führt, sondern auch eine geistige Abstammungslinie, die zurück zu Gott, dem ewigen Vater, führt. Daher sind alle Menschen auf Erden buchstäblich Brüder und Schwestern in Gottes Familie.

Wenn die Menschen diese universelle Vaterschaft Gottes kennen und annehmen, können sie am besten ermessen, wie sehr Gott an ihnen Anteil nimmt und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Dies ist eine Botschaft des Lebens und der Liebe, die sich deutlich gegen all die erdrückenden Traditionen stellt, die auf Rasse, Sprache, wirtschaftlichem oder politischem Status, Bildungsstand oder kultureller Herkunft basieren, denn wir haben alle die gleiche geistige Herkunft. Wir haben einen göttlichen Stammbaum; jeder Mensch ist ein Geistkind Gottes.

In dieser Perspektive des Evangeliums gibt es keinen Raum für einen engstirnigen oder abträglichen Blickpunkt. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Liebe ist eine wesentliche Eigenschaft der Gottheit. Sie muss auch bei allen gefunden werden, die Söhne Gottes werden wollen. Wer von der Liebe Gottes durchdrungen ist, der will nicht allein seiner Familie ein Segen sein, vielmehr will er überall, wo er ist, der ganzen Menschheit zum Segen gereichen.“ [Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 367.] …

Das wiederhergestellte Evangelium ist eine Botschaft göttlicher Liebe, die für alle Menschen überall gilt – denn wir sind überzeugt, dass alle Menschen Kinder desselben Gottes sind. Diese Kernbotschaft der Kirche wurde in einer Erklärung der Ersten Präsidentschaft vom 15. Februar 1978 wie folgt wunderbar zum Ausdruck gebracht:

„Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vermittelt und erklärt mit Freude die christliche Lehre, die auf früheren und neuzeitlichen Offenbarungen beruht, dass alle Männer und Frauen Brüder und Schwestern sind. Sie sind nicht nur blutsverwandt, weil sie gemeinsame sterbliche Vorfahren haben, sondern sie sind auch buchstäbliche Geistkinder eines ewigen Vaters.“ [Erklärung der Ersten Präsidentschaft zur Liebe Gottes für alle Menschen, 15. Februar 1978.]

Die Heiligen der Letzten Tage haben eine positive und umfassende Einstellung zu anderen Menschen, die nicht der Kirche angehören. Wir glauben, dass sie buchstäblich unsere Brüder und Schwestern und wir Söhne und Töchter desselben himmlischen Vaters sind. Wir haben eine gemeinsame Abstammungslinie, die zurück zu Gott reicht.6

2

Die Kirche hat den Auftrag, alle Völker im Evangelium zu unterweisen

Die Kirche, die das Reich Gottes auf Erden ist, hat den Auftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkünden. „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Matthäus 28:19,20.) Diese Worte des Herrn kennen keine Landesgrenzen; sie sind nicht auf irgendeine Rasse oder Kultur beschränkt. Keine Nation wird bevorzugt. Der Auftrag ist klar: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ …

Als Mitglieder der Kirche des Herrn muss unsere Vision über unseren Vorurteilen stehen. Wir müssen die höchste Wahrheit erkennen, dass unser Vater nämlich nicht auf die Person sieht. Manchmal maßen wir uns an, Brüder und Schwestern aus anderen Ländern zu beleidigen, indem wir die Bürger einer Nation über andere erheben. …

Stellen Sie sich einen Vater vor, der viele Söhne hat, von denen jeder ein unterschiedliches Temperament, unterschiedliche Fähigkeiten und geistige Eigenschaften besitzt. Liebt er einen Sohn mehr als den anderen? Vielleicht kümmert sich der Vater ganz besonders um den Sohn, der sich am wenigsten für Geistiges interessiert, und betet und bittet häufiger für ihn als für die anderen. Bedeutet das, dass er die anderen weniger liebt? Können Sie sich vorstellen, dass unser himmlischer Vater eine Nation seiner Nachkommenschaft mehr liebt als die anderen? Als Mitglieder der Kirche müssen wir uns an Nephis herausfordernde Frage erinnern: „Wisst ihr nicht, dass es mehr Nationen als eine gibt?“ (2 Nephi 29:7.) …

Wir geben unseren Brüdern und Schwestern aller Nationen feierlich Zeugnis und bezeugen, dass Gott in unserer Zeit gesprochen hat, dass himmlische Boten gesandt worden sind, dass Gott seine Absicht und seinen Willen einem Propheten, nämlich Joseph Smith, offenbart hat. …

So wie unser Vater alle seine Kinder liebt, müssen auch wir alle Menschen lieben – ganz gleich, welcher Rasse, Kultur oder Nationalität sie angehören. Wir müssen ihnen die Grundsätze des Evangeliums vermitteln, damit sie es annehmen und zur Erkenntnis der Göttlichkeit des Erretters gelangen können.7

Bei unseren demütigen Bemühungen, Bruderschaft aufzubauen und offenbarte Wahrheit zu lehren, sagen wir den Menschen der Welt, was Präsident George Albert Smith so liebevoll ausgesprochen hat:

„Wir sind nicht gekommen, um Ihnen das Licht und die Tugenden wegzunehmen, die Sie besitzen. Wir sind nicht gekommen, um Fehler an Ihnen zu finden oder Sie zu kritisieren. … Behalten Sie all das Gute, was Sie haben, und lassen Sie uns Ihnen noch mehr Gutes bringen, damit Sie glücklicher werden und vorbereitet sind, in die Gegenwart des Vaters im Himmel einzutreten.“8

Wir sind beauftragt, Seelen zu retten, Menschen einzuladen, zu Christus zu kommen, und sie zum Wasser der Taufe zu führen, damit sie auf dem Weg voranschreiten können, der zum ewigen Leben führt. Diese Welt braucht das Evangelium Jesu Christi. Das Evangelium bietet die einzige Möglichkeit, wie die Welt je Frieden erfahren wird.9

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi bemühen wir uns, alle Wahrheit zusammenzubringen. Wir bemühen uns, den Kreis der Liebe und des Verständnisses zu erweitern, damit er alle Menschen auf Erden umfassen möge. Daher sind wir bemüht, Frieden und Glück aufzurichten, und zwar nicht nur innerhalb der christlichen Welt, sondern unter allen Menschen. …

Das, was Joseph [Smith] aufgerichtet hat, nämlich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, ist jetzt eine Weltreligion – nicht nur, weil ihre Mitglieder inzwischen auf der ganzen Welt zu finden sind, sondern hauptsächlich deshalb, weil sie eine umfassende Botschaft hat, die darauf beruht, dass man alle Wahrheit annimmt, und die wiederhergestellt worden ist, damit alle Menschen das erhalten können, was sie brauchen. …

Wir senden diese Botschaft der Liebe und Hoffnung an die ganze Welt. Kommen Sie zum Gott aller Wahrheit, der durch Propheten weiterhin zu seinen Kindern spricht. Hören Sie auf die Botschaft dessen, der seine Diener weiterhin aussendet, das immerwährende Evangelium allen Nationen, Geschlechtern, Sprachen und Völkern zu predigen. Kommen Sie und weiden Sie sich an dem Tisch, den die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vor Ihnen aufgestellt hat. Schließen Sie sich uns an und bemühen wir uns gemeinsam, dem guten Hirten zu folgen, der dies möglich gemacht hat.10

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Wir sind beauftragt, Seelen zu retten.

3

Diejenigen, die in den Genuss der Segnungen des Sühnopfers Jesu Christi gekommen sind, haben die Pflicht, Zeugnis vom Heiland zu geben

Was hat das Sühnopfer mit Missionsarbeit zu tun? Wenn wir die Segnungen des Sühnopfers erlangen, können wir gar nicht anders, als uns um das Wohlergehen [anderer] zu sorgen.

Das Buch Mormon enthält zahlreiche Beispiele, die diesen Grundsatz veranschaulichen. Als Lehi von der Frucht des Baumes des Lebens aß, womit auch symbolisiert wird, am Sühnopfer teilzuhaben, sagte er: „In mir [regte sich] der Wunsch, auch meine Familie möge davon essen.“ (1 Nephi 8:12.) Als sich Enos bekehrte und ihm seine Sünden vergeben wurden, sagte er aufgrund seines Glaubens an Jesus Christus: „In mir [wurde] der Wunsch nach dem Wohlergehen meiner Brüder, der Nephiten, wach.“ (Enos 1:9.) Daraufhin betete er für die Lamaniten, die unerbittlichen Gegner der Nephiten. Und dann haben wir auch noch das Beispiel der vier Söhne Mosias – Ammon, Aaron, Omner und Himni –, die durch das Sühnopfer Vergebung für ihre Sünden erlangten und dann jahrelang unter den Lamaniten arbeiteten, um diese zu Christus zu bringen. Es heißt über sie, dass sie es nicht ertragen konnten, dass auch nur eine menschliche Seele zugrunde gehe (siehe Mosia 28:3).

Das beste Beispiel für jemanden, der einen Bund schloss und andere am Evangelium teilhaben lassen wollte, ist Alma der Jüngere. Ich möchte Ihnen gerne sein Zeugnis vorlesen. …

„Von der Zeit an bis jetzt habe ich mich ohne Unterlass bemüht, dass ich Seelen zur Umkehr bringe, dass ich sie dahin bringe, von der übergroßen Freude zu kosten, von der ich gekostet habe, damit auch sie aus Gott geboren und vom Heiligen Geist erfüllt würden.“ [Alma 36:24; siehe auch Alma 36:12-23.]

Ob jemand sich bekehrt hat, lässt sich ausgezeichnet daran ablesen, wie groß sein Wunsch ist, mit anderen über das Evangelium zu sprechen. Aus diesem Grund hat der Herr jedem Mitglied der Kirche die Verpflichtung auferlegt, ein Missionar zu sein.

Dies ist der Bund, den man eingeht, wenn man sich taufen lässt und der Kirche anschließt:

„Da ihr den Wunsch habt, in die Herde Gottes zu kommen und sein Volk genannt zu werden, und willens seid, einer des anderen Last zu tragen, damit sie leicht sei,

ja, und willens seid, mit den Trauernden zu trauern, ja, und diejenigen zu trösten, die des Trostes bedürfen, und allzeit und in allem und überall, wo auch immer ihr euch befinden mögt, selbst bis in den Tod, als Zeugen Gottes aufzutreten, damit ihr von Gott erlöst und zu denen von der ersten Auferstehung gezählt werdet, damit ihr ewiges Leben habet.“ (Mosia 18:8,9.)

Wir sollen allzeit und überall, selbst bis in Tod, als Zeuge Gottes auftreten. Wir erneuern diesen Bund während des Abendmahls, wo wir geloben, den Namen Christi auf uns zu nehmen.

Missionsarbeit ist eine wichtige Möglichkeit, wie wir seinen Namen auf uns nehmen können. Der Erretter hat gesagt, wenn wir seinen Namen mit voller Herzensabsicht auf uns zu nehmen wünschen, sind wir berufen, in alle Welt zu gehen und sein Evangelium jedem Geschöpf zu predigen (siehe LuB 18:28). …

Wer am Sühnopfer teilhatte, der ist verpflichtet, treu von unserem Herrn und Erretter Zeugnis zu geben. … Der Aufruf, anderen das Evangelium zu verkünden, zeigt unsere große Liebe für die Kinder unseres himmlischen Vaters sowie für den Erretter und das, was er für uns getan hat.11

4

Mit der Hilfe des Herrn können wir alle Hindernisse überwinden, die uns davon abhalten, das Evangelium zu verkünden

Wenn die Mauern in Osteuropa … und vielen weiteren Teilen der Welt fallen, wird der Bedarf gewiss steigen, dass mehr Missionare den göttlichen Auftrag erfüllen, aller Welt das Evangelium zu bringen. Sind wir bereit, diesen Bedarf zu decken?

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, die im Rahmen dieser großen Missionsarbeit in den Letzten Tagen an uns gestellt werden, müssen einige von uns (besonders die ältere Generation, die ihre Familie bereits großgezogen hat) vielleicht Bilanz ziehen und überlegen, ob die „Mauern“, die wir gedanklich errichtet haben, abgerissen werden müssen.

Wie steht es beispielsweise mit der „Mauer der Bequemlichkeit“, die viele Ehepaare und Alleinstehende davon abzuhalten scheint, auf Mission zu gehen? Und wie sieht es mit der „finanziellen Mauer“ der Schulden aus, die einige Mitglieder daran hindert, oder mit der „Mauer der Enkelkinder“, der „Mauer der Gesundheit“, der „Mauer des mangelnden Selbstvertrauens“, der „Mauer der Selbstgefälligkeit“, der „Mauer der Übertretung“ oder der Mauer der Angst, des Zweifels oder der Nachlässigkeit? Gibt es irgendjemanden, der auch nur eine Minute daran zweifelt, dass er diese Mauern mit der Hilfe des Herrn abreißen könnte?

Wir genießen den Vorzug, nicht in einer früheren Evangeliumszeit, sondern in den Letzten Tagen zur Welt gekommen zu sein, damit wir mithelfen können, das Evangelium auf der ganzen Erde zu verbreiten. Es gibt keine größere Berufung in diesem Leben. Wenn wir uns damit zufrieden geben, uns hinter selbstgebauten Mauern zu verstecken, geben wir freiwillig die Segnungen auf, die wir sonst erlangen würden. In einer neuzeitlichen Offenbarung hat der Herr verkündet, welch großer Bedarf herrscht:

„Denn siehe, das Feld ist schon weiß, zur Ernte bereit; und siehe, wer seine Sichel mit aller Macht einschlägt, der legt einen Vorrat an, sodass er nicht zugrunde geht, sondern seiner Seele die Errettung bringt.“ (LuB 4:4.)

Dann führt der Herr in derselben Offenbarung die Eigenschaften auf, die wir benötigen, um ein guter Missionar zu sein. Er ist sich unserer Schwächen und Vorbehalte, die wir, während wir vor dem großen Tor unserer selbstgebauten Mauer stehen, hegen, genau bewusst. Daher verheißt er uns göttliche Hilfe, unter der Bedingung, dass wir unseren Teil tun, um alle Hindernisse zu überwinden. Er tut dies mit der einfachen Verheißung: „Bittet, und ihr werdet empfangen; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.“ (LuB 4:7.)

Möge der Herr uns segnen, damit unsere geistigen Mauern uns nicht von den Segnungen abhalten mögen, die wir erlangen können.12

Während seines irdischen Wirkens sprach unser Herr immer wieder eine Einladung aus, die zugleich eine Aufforderung war. Christus sagte zu Petrus und Andreas: „Folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ (Matthäus 4:19.) …

Frühere Propheten haben gelehrt, dass jeder fähige, würdige junge Mann eine Vollzeitmission erfüllen soll. Ich möchte betonen, dass dies auch heutzutage wichtig ist. Wir haben auch einen großen Bedarf an fähigen, reifen Ehepaaren, die als Missionare tätig sind. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ (Lukas 10:2.)13

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Denken Sie über Präsident Hunters Worte nach, dass das Evangelium für alle Menschen gedacht ist, da wir ja alle Kinder Gottes sind. (Siehe Abschnitt 1.) Wie kann uns bewusst werden, dass jeder buchstäblich unser Bruder oder unsere Schwester ist, wenn wir mit anderen über das Evangelium sprechen?

  • Was erfahren wir aus Präsident Hunters Worte in Abschnitt 2 darüber, was dem Vater im Himmel seine Kinder bedeuten? Was können Sie tun, um mehr Liebe für alle Menschen zu haben und sie am Evangelium teilhaben zu lassen?

  • Wie würden Sie Präsident Hunters Frage „Was hat das Sühnopfer mit Missionsarbeit zu tun?“ beantworten? (Siehe Abschnitt 3.) Wie können Sie Ihren Wunsch verstärken, anderen vom Evangelium zu erzählen? Wie sind Sie schon gesegnet worden, weil Sie jemanden am Evangelium haben teilhaben lassen – oder weil jemand Ihnen davon erzählt hat?

  • Befassen Sie sich eingehend mit Abschnitt 4 und überlegen Sie, welche „Mauern“ Sie davon abhalten, die Segnungen der Missionsarbeit zu erhalten. Besprechen Sie, wie Sie diese Hindernisse überwinden können.

Unterrichtshilfe

„Der Heilige Geist kann einen oder mehrere Schüler dazu drängen, eine Einsicht mitzuteilen, die jemand anders braucht. Seien Sie offen für die Eingebung, jemand Bestimmten aufzurufen. Sie können sogar das Gefühl haben, dass Sie jemanden fragen sollen, der sich gar nicht gemeldet hat.“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 63.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „All Are Alike unto God“, Ensign, Juni 1979, Seite 74

  2.   2.

    „Walls of the Mind“, Ensign, September 1990, Seite 9f.

  3.   3.

    Siehe „Walls of the Mind“, Seite 10

  4.   4.

    „All Are Alike unto God“, Seite 74

  5.   5.

    „All Are Alike unto God“, Seite 74

  6.   6.

    „The Gospel – A Global Faith“, Ensign, November 1991, Seite 18f.

  7.   7.

    „All Are Alike unto God“, Seite 72ff.

  8.   8.

    „The Gospel – A Global Faith“, Seite 19; die Erklärung von George Albert Smith finden Sie im Buch Lehren der Präsidenten der Kirche: George Albert Smith, Seite 164f.

  9.   9.

    „Follow the Son of God“, Ensign, November 1994, Seite 88

  10.   10.

    „Come to the God of All Truth“, Ensign, September 1994, Seite 73

  11.   11.

    „The Atonement of Jesus Christ“, Ansprache bei einem Seminar für Missionspräsidenten am 24. Juni 1988, Seite 4–7, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City; siehe auch The Teachings of Howard W. Hunter, Hg. Clyde J. Williams, Seite 248f.

  12.   12.

    „Walls of the Mind“, Seite 10

  13.   13.

    „Follow the Son of God“, Seite 88