Kapitel 17: Die Siegelungsmacht und die Segnungen des Tempels

Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Fielding Smith, 2013


Elija kam, um … die Fülle der Macht des Priestertums auf der Erde wiederherzustellen. Dieses Priestertum hat die Schlüssel inne, die notwendig sind, um alle heiligen Handlungen und Grundsätze, die die Errettung der Menschen betreffen, auf Erden und im Himmel zu binden und zu siegeln.

Aus dem Leben von Joseph Fielding Smith

Im Jahre 1902 begab sich Joseph Fielding Smith nach Massachusetts, wo er Näheres über seine Vorfahren väterlicherseits herausfand. Dort lernte er auch einen Genealogen namens Sidney Perley kennen. Mr. Perley erklärte: „Ich habe den Ehrgeiz, sofern es mir möglich ist, Unterlagen über jedermann ausfindig zu machen, der vor dem Jahr 1700 in die Grafschaft Essex gezogen ist.“

Präsident Smith erzählte später: „Ich erwiderte: ‚Da haben Sie ein hübsches Stück Arbeit vor sich, nicht wahr, Mr. Perley?‘ Er antwortete: ‚Ja, und ich fürchte, ich werde nie damit fertig.‘ Darauf fragte ich ihn: ‚Warum machen Sie es dann?‘ Er dachte einen Moment nach, blickte ziemlich ratlos drein und meinte dann: ‚Ich weiß nicht, warum, aber ich habe damit angefangen und kann nicht mehr aufhören.‘ Ich sagte: ‚Ich könnte Ihnen erklären, warum Sie es machen und nicht mehr aufhören können, aber Sie würden mir nicht glauben und mich auslachen.‘

‚Ach‘, sagte er, ‚ich weiß nicht. Ich wäre schon daran interessiert, wenn Sie mir etwas dazu sagen könnten.‘ Ich erzählte ihm also von der Prophezeiung über Elija und wie sich erfülle, was dem Propheten Joseph Smith und Oliver Cowdery am 3. April 1836 verheißen wurde; der Forschungsdrang habe etliche erfasst und ihr Herz habe sich der Suche nach den Verstorbenen zugewandt, womit sich diese großartige Verheißung erfülle. Dies müsse vor dem Zweiten Kommen geschehen, damit die Erde nicht mit einem Fluch geschlagen werde. Die Kinder wendeten nun ihr Herz den Vätern zu, und wir verrichteten die heiligen Handlungen für die Verstorbenen, damit sie erlöst werden könnten und in das Reich Gottes eintreten dürften, obwohl sie schon verstorben seien.

Als ich fertig war, lachte er und sagte: ‚Das ist eine sehr nette Geschichte, aber ich glaube sie nicht.‘ Dennoch räumte er ein, dass etwas ihn dazu dränge, diese Forschungen fortzuführen, und dass er nicht damit aufhören könne. Ich habe noch viele weitere Männer und Frauen kennengelernt, die ebenfalls damit anfingen und nicht mehr aufhören konnten, obwohl sie nicht der Kirche angehörten. Es gibt heute Tausende Männer und Frauen, die nach Unterlagen über die Verstorbenen suchen. Sie wissen nicht, warum, aber es dient dazu, dass wir die Zusammenstellung dieser Unterlagen erhalten können und in den Tempel gehen und die Arbeit für unsere Verstorbenen verrichten können.“1

Präsident Smith erklärte, Familienforschung sei mehr, als lediglich Namen, Datums- und Ortsangaben zu suchen und Geschichten zu sammeln. Es gehe darum, die heiligen Handlungen des Tempels zu ermöglichen, die eine Familie für immer vereinen und gläubige Menschen aller Generationen als Mitglieder der Familie Gottes aneinander siegeln. Er sagte: „Die Eltern müssen aneinander gesiegelt werden, und die Kinder müssen an ihre Eltern gesiegelt werden, damit sie die Segnungen des celestialen Reichs erlangen können. Darum hängen unsere Errettung und unser Fortschritt von der Errettung unserer würdigen Verstorbenen ab, mit denen wir als Familie verbunden werden müssen. Dies kann nur in einem unserer Tempel geschehen.“2 Bevor er das Weihungsgebet für den Ogden-Utah-Tempel sprach, sagte er: „Darf ich Sie daran erinnern, dass wir eigentlich, wenn wir dem Herrn ein Haus weihen, uns selbst dem Dienst am Herrn weihen, indem wir mit einem Bund geloben, das Haus so zu nutzen, wie der Herr es beabsichtigt.“3

Lehren von Joseph Fielding Smith

1

Elija hat die Macht wiederhergestellt, etwas auf Erden und im Himmel zu siegeln oder zu binden

Maleachi, der letzte Prophet im Alten Testament, beendete seine Prophezeiungen mit diesen Worten:

„Bevor aber der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu euch den Propheten Elija.

Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern, damit ich nicht kommen und das Land dem Untergang weihen muss.“ (Maleachi 3:23,24.)

Es scheint äußerst passend, dass der letzte Prophet im Alten Testament seine Worte mit einer Verheißung an zukünftige Generationen schließt und in dieser Verheißung von einer Zeit spricht, da die vergangenen Evangeliumszeiten mit den späteren verbunden werden. …

Es gibt eine wesentlich deutlichere Auslegung der Worte Maleachis, und zwar vom nephitischen Propheten Moroni, der Joseph Smith am 21. September 1823 erschien. Der Engel zitierte sie wie folgt:

„Siehe, ich werde euch das Priestertum durch die Hand des Propheten Elija offenbaren, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.

Und er wird die Verheißungen, die den Vätern gemacht worden sind, den Kindern ins Herz pflanzen, und das Herz der Kinder wird sich ihren Vätern zuwenden.

Wenn es nicht so wäre, würde die ganze Erde bei seinem Kommen völlig verwüstet werden.“ (LuB 2:1-3.)

Moroni ließ Joseph Smith wissen, dass sich diese Vorhersage bald erfüllen werde. Dies trat ungefähr zwölf Jahre später ein, nämlich am 3. April 1836. An diesem Tag erschien Elija dem Propheten Joseph Smith und Oliver Cowdery im Kirtland-Tempel und übertrug ihnen dort … die Macht, auf Erden und im Himmel zu binden, also zu siegeln. Elija, dem der Herr Macht über die Naturgewalten und die Menschen gegeben hatte, hatte die Schlüssel dieses Priestertums inne sowie die Vollmacht, sämtliche Verordnungen, die zur Fülle der Errettung gehören, für Zeit und Ewigkeit auf die Rechtschaffenen zu siegeln.4

Einige Mitglieder der Kirche verwechseln das und meinen, Elija sei mit den Schlüsseln der Taufe für die Toten oder denen zur Errettung der Toten gekommen. Elijas Schlüssel umfassten jedoch mehr. Es waren die Schlüssel der Siegelung, und diese Schlüssel der Siegelung gehören zu den Lebenden und umfassen auch die Verstorbenen, die gewillt sind umzukehren.5

Elija kam, um die Fülle der Macht des Priestertums auf Erden wiederherzustellen, indem er sie sterblichen Propheten übertrug, die ordnungsgemäß vom Herrn beauftragt worden waren. Dieses Priestertum hat die Schlüssel inne, die notwendig sind, um alle heiligen Handlungen und Grundsätze, die die Errettung der Menschen betreffen, auf Erden und im Himmel zu binden und zu siegeln, damit sie so im celestialen Reich Gottes Gültigkeit erlangen. …

Kraft dieser Vollmacht werden sowohl für die Lebenden als auch für die Verstorbenen im Tempel heilige Handlungen vollzogen. Es ist die Macht, die Mann und Frau für alle Ewigkeit vereint, wenn sie die Ehe so eingehen, wie es im ewigen Plan vorgesehen ist. Es ist die Vollmacht, durch die Eltern nicht nur für die Zeit, sondern für alle Ewigkeit Anspruch auf ihre Kinder erheben können, wodurch die Familie im Reich Gottes ewig Bestand hat.6

2

Die Wiederherstellung der Siegelungsvollmacht bewahrt die Erde davor, beim Kommen Christi völlig verwüstet zu werden

Wäre Elija nicht gekommen, müssten wir davon ausgehen, dass all die Arbeit in früheren Zeitaltern wenig genutzt hätte, denn der Herr hat gesagt, die ganze Erde würde in diesem Fall bei seiner Wiederkunft völlig verwüstet werden. Daher war seine Mission für die Welt ungemein wichtig. Es geht nicht allein um die Taufe für die Toten, sondern auch um die Siegelung der Eltern aneinander und die Siegelung der Kinder an die Eltern; es soll „eine gänzliche und vollständige und vollkommene Vereinigung und Verbindung der Evangeliumszeiten und Schlüssel und Mächte und Herrlichkeiten“ von Anfang bis zum Ende der Zeit stattfinden [siehe LuB 128:18]. Wäre diese Siegelungsmacht auf Erden nicht vorhanden, würden am Tage der Wiederkunft des Herrn nicht Ordnung, sondern heillose Verwirrung und allgemeine Unordnung herrschen. Dies ist aber nicht möglich, denn im Reich Gottes ist selbstverständlich alles einem vollkommenen Gesetz unterworfen.7

Warum würde die Erde verwüstet werden? Ganz einfach deshalb, weil wir alle von Gott verworfen würden, wenn Väter und Kinder nicht miteinander verbunden wären – diese aneinander zu binden ist die eigentliche Arbeit für die Toten. Das ganze Werk Gottes würde ansonsten zunichte gemacht werden. Doch dazu kommt es natürlich nicht.8

Die Wiederherstellung der Siegelungsvollmacht ist der Sauerteig, der die Erde davor bewahrt, beim Kommen Christi völlig verwüstet zu werden. Wenn wir uns diese Wahrheit fest und klar einprägen, ist leicht einzusehen, dass es nur Verwirrung und Unglück geben würde, sollte sich beim Kommen Christi die Siegelungsmacht nicht auf Erden befinden.9

3

Um uns in vollem Ausmaß für die Errettung bereit zu machen, müssen wir durch die Siegelungsmacht die heiligen Handlungen des Tempels empfangen

Der Herr hat uns Rechte und Segnungen sowie die Möglichkeit geschenkt, Bündnisse zu schließen, heilige Handlungen anzunehmen, die unsere Errettung betreffen und die über das hinausgehen, was in der Welt gepredigt wird – über die Grundsätze des Glaubens an den Herrn Jesus Christus hinaus, der Umkehr von der Sünde und der Taufe zur Sündenvergebung und des Händeauflegens zur Gabe des Heiligen Geistes; und diese Grundsätze und Bündnisse können nur im Tempel Gottes empfangen werden.10

Die Tempelarbeit ist so eng mit dem Erlösungsplan verknüpft, dass es das eine nicht ohne das andere geben kann. Mit anderen Worten, es kann ohne heilige Handlungen, die ausschließlich an den Tempel geknüpft sind, keine Errettung geben.11

Es gibt Tausende Mitglieder der Kirche, die … bereitwillig die Versammlungen der Kirche besuchen, den Zehnten zahlen und den regulären Pflichten in der Kirche nachkommen, die aber offenbar nicht spüren oder verstehen, wie wichtig es ist, die Segnungen im Tempel des Herrn zu empfangen, die zur Erhöhung führen. Das ist seltsam. Die Menschen scheinen sich damit zufrieden zu geben, einfach dahinzuleben, ohne sich die Gelegenheiten zunutze zu machen, die sich ihnen bieten, und ohne die notwendigen Bündnisse zu schließen, die sie als Gottes Sohn oder Tochter in seine Gegenwart zurückbringen.12

Wer im vollsten Sinne des Wortes errettet, also im Reich Gottes erhöht werden will, … muss in den Tempel des Herrn gehen und die heiligen Handlungen empfangen, die zu diesem Haus gehören und die man nirgendwo anders erhalten kann. Niemand empfängt die Fülle der Ewigkeit, der Erhöhung, alleine – weder Mann noch Frau. Vielmehr muss ein Ehepaar im Tempel des Herrn gesiegelt sein, um erhöht zu werden; sie bestehen dann ewig fort und werden dem Herrn gleich. Das ist die Bestimmung des Menschen, und dies wünscht sich der Herr für seine Kinder.13

Hinweis: In Kapitel 18 dieses Buches finden Sie Worte der Hoffnung und Verheißung, die Präsident Smith an die glaubenstreuen Menschen richtet, die während ihres Lebens nicht alle heiligen Handlungen des Tempels empfangen können.

4

Dank der Siegelungsmacht können wir die errettenden heiligen Handlungen für diejenigen vollziehen, die gestorben sind, ohne sie empfangen zu haben

Wer sind die Väter und die Kinder, von denen Maleachi spricht? Die Väter sind unsere verstorbenen Vorfahren, die ohne den Vorzug gestorben sind, das Evangelium anzunehmen, die aber die Verheißung erhalten haben, dass die Zeit kommen würde, da ihnen dieser Vorzug gewährt würde. Die Kinder sind diejenigen, die heute leben und genealogische Daten vorbereiten und stellvertretend heilige Handlungen im Tempel vollziehen.14

Alle Mitglieder der Familie können sich an der Familienforschung beteiligen

Elija kam mit den Schlüsseln der Siegelung und übertrug uns die Vollmacht, durch die wir uns unserer Verstorbenen annehmen können. Diese Siegelungsmacht schließt alle mit ein, die zwar schon verstorben sind, aber bereit sind, umzukehren und das Evangelium anzunehmen, die aber ohne dieses Wissen gestorben sind, und ebenso diejenigen, die am Leben sind und umkehren.15

Der Herr hat festgelegt, dass alle seine Geistkinder – jede Seele, die je auf Erden gelebt hat oder leben wird – eine gerechte Chance haben sollen, Glauben auszuüben und die Gesetze seines immerwährenden Evangeliums zu befolgen. Diejenigen, die das Evangelium annehmen und im Einklang mit seinen Gesetzen – einschließlich der Taufe und der celestialen Ehe – leben, werden ewiges Leben haben.

Es ist offensichtlich, dass bisher nur ein kleiner Teil der Menschheit das Wort der offenbarten Wahrheit von einem der wahren Diener des Herrn gehört hat. Nach der Weisheit und Gerechtigkeit des Herrn müssen jedoch alle Menschen diese Wahrheit hören. Petrus hat gesagt:

„Denn auch Toten ist das Evangelium dazu verkündet worden, dass sie wie Menschen gerichtet werden im Fleisch, aber wie Gott das Leben haben im Geist.“ (1 Petrus 4:6.)

Diejenigen, die in diesem Leben nicht die Gelegenheit hatten, die Botschaft von der Errettung zu hören, die sie aber mit ganzem Herzen angenommen hätten, wenn sie die Gelegenheit dazu gehabt hätten, sind es, die sie in der Geisterwelt annehmen; sie sind es, für die wir die heiligen Handlungen im Tempel vollziehen; und sie sind es, die dadurch mit uns Erben der Errettung und des ewigen Lebens werden.16

Die Macht der Erlösung für die Toten besteht darin, dass das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder den Vätern zugewandt wird, indem die Kinder stellvertretend die Arbeit für ihre Väter vollziehen. Dies ist in jedem Sinne vernünftig und folgerichtig. Von denen, die gegen diese Arbeit sind, habe ich schon oft gehört, dass es einem Menschen unmöglich sei, an Stelle eines anderen zu handeln. Wer diese Ansicht äußert, übersieht die Tatsache, dass das gesamte Erlösungswerk ein stellvertretendes Werk ist, bei dem Jesus Christus für uns sühnt, uns vom Tod erlöst, für den wir ja nicht verantwortlich waren, und uns auch von der Verantwortung für unsere eigenen Sünden erlöst, vorausgesetzt, wir kehren um und nehmen das Evangelium an. Er hat dies in großem, unendlichem Umfang getan, und nach dem gleichen Prinzip hat er den Mitgliedern seiner Kirche die Vollmacht übertragen, die Verstorbenen zu vertreten, die nicht in der Lage sind, die errettenden heiligen Handlungen für sich selbst zu vollziehen.17

Ich glaube, manchmal haben wir einen ziemlich beschränkten Blick auf das Erlösungswerk für die Toten. Die Vorstellung ist falsch, dass die Menschen, für die wir die Arbeit im Tempel des Herrn verrichten, tot seien. Wir sollten sie uns als lebendige Menschen vorstellen; und der lebende Stellvertreter vertritt sie nur in dem Sinne, dass er Segnungen an ihrer Stelle empfängt, die sie in diesem Leben hätten erhalten sollen und die sie auch erhalten hätten, wenn sie während einer Evangeliumszeit gelebt hätten. Daher wird jeder Verstorbene, für den Arbeit im Tempel verrichtet wird, zur Zeit der heiligen Handlung als lebend betrachtet.18

Diese Lehre von der Errettung der Toten ist einer der herrlichsten Grundsätze, die der Menschheit jemals offenbart worden sind. Auf diese Weise wird das Evangelium allen Menschen angeboten. Aus dieser Lehre geht hervor, dass Gott nicht auf die Person sieht [siehe Apostelgeschichte 10:34], dass in seinen Augen jede Seele wertvoll ist und dass alle Menschen wirklich gemäß ihren Werken gerichtet werden.

Ich danke dem Herrn dafür, dass er sein immerwährendes Evangelium zu dieser Zeit für uns wiederhergestellt hat. Ich danke ihm dafür, dass er durch den Propheten Elija die Siegelungsmacht auf die Erde zurückgebracht hat. Ich danke ihm dafür, dass die Familie ewig bestehen kann, dass wir uns in seinem heiligen Tempel siegeln lassen dürfen und dass wir die Segnungen der Siegelung dann auch unseren Vorfahren zugänglich machen können, die gestorben sind, ohne das Evangelium zu kennen.19

5

Familienforschung und Tempelarbeit für Verstorbene sind ein Werk der Liebe

Es gibt viele gute, demütige Seelen, die auf die Annehmlichkeiten und manchmal sogar auf die Notwendigkeiten des Lebens verzichtet haben, um die Aufzeichnungen vorzubereiten und die Arbeit für ihre Verstorbenen zu verrichten, damit diese die Gabe der Errettung erhalten können. Diese Liebeswerke sind nicht vergebens, denn all diejenigen, die in dieser guten Sache tätig gewesen sind, werden ihren Schatz und ihre Reichtümer im celestialen Reich Gottes finden. Sie werden einen großen Lohn erhalten – so groß, dass er das Verständnis der Sterblichen übersteigt.20

Es gibt keine mit dem Evangelium verbundene Arbeit, die selbstloser ist als die Arbeit für unsere Verstorbenen im Haus des Herrn. Wer für einen Verstorbenen arbeitet, erwartet keinen irdischen Lohn und keine Bezahlung dafür. Es ist in erster Linie ein Werk der Liebe, die im Herzen der Menschen durch treue und stetige Arbeit an diesen errettenden heiligen Handlungen entsteht. Wir erhalten keinerlei finanzielle Vergütung, dafür jedoch große Freude im Himmel mit den Seelen, denen wir zur Errettung verholfen haben. Es ist ein Werk, das die Seele des Menschen erweitert, sein Blickfeld vergrößert, was das Wohlergehen seiner Mitmenschen betrifft, und in seinem Herzen Liebe für alle Kinder unseres himmlischen Vaters aufkeimen lässt. Kein anderes Werk lehrt den Menschen so sehr, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, wie dieses Werk, das im Tempel für die Verstorbenen verrichtet wird. Jesus hat die Welt so sehr geliebt, dass er bereit war, sich als Opfer für Sünde hinzugeben, auf dass die Welt errettet werden möge. Wir dürfen in geringem Ausmaß ebenfalls unsere große Liebe zu ihm und zu unseren Mitmenschen beweisen, indem wir ihnen zu den Segnungen des Evangeliums verhelfen, die sie nur mit unserer Hilfe erlangen können.21

6

Durch Familienforschung und Tempelarbeit vervollständigen wir den Familienverband von Generation zu Generation

Die Lehre von der Errettung für die Verstorbenen und von der Tempelarbeit verschafft uns die herrliche Aussicht auf das Fortbestehen der Familie. Dadurch lernen wir, dass familiäre Bindungen nicht getrennt werden sollen und dass Mann und Frau einen ewigen Anspruch aufeinander und auf ihre Kinder haben – bis hin zur letzten Generation. Um diesen Vorzug zu erlangen, müssen jedoch die Siegelungsverordnungen in einem Tempel Gottes durchgeführt werden. Alle Verträge, Verbindlichkeiten, Verpflichtungen und Vereinbarungen, die Menschen eingehen, haben ein Ende, aber die Verpflichtungen und Vereinbarungen, die man im Haus des Herrn eingeht, haben ewig Bestand, sofern sie treu eingehalten werden [siehe LuB 132:7]. Diese Lehre gibt uns eine klarere Vorstellung von den Absichten des Herrn in Bezug auf seine Kinder. Sie zeigt seine große und unbegrenzte Barmherzigkeit und Liebe für all diejenigen, die ihm gehorchen; ja, selbst für diejenigen, die sich gegen ihn auflehnen, denn in seiner Güte gewährt er selbst ihnen große Segnungen.22

Wir wissen durch das Evangelium Jesu Christi, dass die Familieneinheit, was die Erhöhung in der celestialen Herrlichkeit angeht, vollständig sein wird – eine Einheit, in der Vater, Mutter und Kinder der einen Generation mit Vater, Mutter und Kindern der nächsten Generation verbunden sind und die sich solcherart bis zum Ende der Zeit ausweitet und verzweigt.23

Wenn Mann und Frau die Ehe eingehen, wie es im ewigen Plan vorgesehen ist, werden sie kraft der Siegelungsmacht des Priestertums für alle Ewigkeit vereint

Es muss eine Verbindung, eine Vereinigung der Generationen von den Tagen Adams an bis zum Ende der Zeit geben. Familien werden verbunden und vereint – Eltern mit Kindern, Kinder mit Eltern, eine Generation mit der anderen – bis wir in einer großen, erhabenen Familie miteinander verbunden sind, mit unserem Vater Adam an der Spitze, wo der Herr ihn hingestellt hat. Wir können also nur im Reich Gottes errettet und erhöht werden, wenn es unser Herzenswunsch ist, diese Arbeit für unsere Verstorbenen insoweit zu verrichten, wie es in unserer Macht liegt. Dies ist eine herrliche Lehre, einer der großartigen wahren Grundsätze, die durch den Propheten Joseph Smith offenbart wurden. Wir sollten uns die Gelegenheiten zunutze machen und uns in den Augen des Herrn für würdig und annehmbar erweisen, damit wir diese Erhöhung für uns selbst erlangen und uns dort im Reich Gottes mit unseren Verwandten und Freunden an der großen Versammlung der Heiligen der Kirche des Erstgeborenen, die sich von den Sünden der Welt rein und unbefleckt gehalten haben, erfreuen.

Möge der Herr uns segnen und uns gewähren, dass wir den Herzenswunsch haben, unsere Berufung groß zu machen und ihm in alledem treu zu dienen. Dafür bete ich.24

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Lesen Sie im Abschnitt „Aus dem Leben von Joseph Fielding Smith“ Präsident Smiths Rat in Bezug darauf, was wir bei einer Tempelweihung „eigentlich“ machen. Was können wir tun, um diesen Rat zu befolgen?

  • Was haben die Aussagen in Abschnitt 1 mit unseren Bemühungen zu tun, unseren verstorbenen Vorfahren zu helfen? Inwiefern betreffen diese Aussagen unsere Beziehung zu lebenden Angehörigen?

  • Lesen Sie Abschnitt 2 und achten Sie auf Präsident Smiths Begründung dafür, warum die Siegelungsmacht „die Erde davor [bewahrt], beim Kommen Christi völlig verwüstet zu werden“. Was lernen wir daraus über den Stellenwert der Familie im Erlösungsplan?

  • In welcher Hinsicht ist die Tempelarbeit „mit dem Erlösungsplan verknüpft“? (Siehe Abschnitt 3.) Wie kann sich dieser Grundsatz auf unsere Einstellung zur Tempelarbeit auswirken?

  • Präsident Smith empfiehlt uns, bei der Tempelarbeit für Verstorbene diese Menschen als lebend zu betrachten (siehe Abschnitt 4). Was verstehen Sie darunter? Wie kann sich dieser Gedanke darauf auswirken, wie Sie im Tempel dienen?

  • Lesen Sie Abschnitt 5 und achten Sie auf die Segnungen, die laut Präsident Smith diejenigen erhalten, die Familienforschung betreiben. Inwiefern haben Sie bereits festgestellt, dass dies stimmt?

  • Lesen Sie Abschnitt 6 und stellen Sie sich vor, welche Freude Sie bei der „großen Versammlung“ mit Ihren Vorfahren haben werden. Überlegen Sie, wie Sie sich und Ihre Familie auf diesen ehrenvollen Anlass vorbereiten können.

Einschlägige Schriftstellen

1 Korinther 15:29; LuB 95:8; 97:15,16; 128:16-19

Unterrichtshilfe

„Stellt jemand eine Frage, können Sie jemand anders um eine Antwort bitten. Sie können beispielsweise sagen: ,Das ist eine interessante Frage. Was meinen die anderen?‘ oder ,Möchte jemand etwas dazu sagen?‘“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 64.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1948

  2.   2.

    „Salvation for the Dead“, Improvement Era, Februar 1917, Seite 361; siehe auch Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 3 Bände, 1954–1956, 2:147

  3.   3.

    „Ogden Temple Dedicatory Prayer“, Ensign, März 1972, Seite 6

  4.   4.

    „The Coming of Elijah“, Ensign, Januar 1972, Seite 2, 5

  5.   5.

    „The Keys of the Priesthood Restored“, Utah Genealogical and Historical Magazine, Juli 1936, Seite 100

  6.   6.

    „A Peculiar People: The Authority Elijah Restored“, Deseret News, 16. Januar 1932, Kirchenteil, Seite 8; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:117

  7.   7.

    „Salvation for the Living and the Dead“, Relief Society Magazine, Dezember 1918, Seite 677f.; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:121

  8.   8.

    Doctrines of Salvation, 2:122

  9.   9.

    „The Coming of Elijah“, Seite 5

  10.   10.

    Aus: „Relief Society Conference Minutes“, Relief Society Magazine, August 1919, Seite 466; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:40

  11.   11.

    „One Hundred Years of Progress“, Liahona: The Elders’ Journal, 15. April 1930, Seite 520

  12.   12.

    „The Duties of the Priesthood in Temple Work“, Utah Genealogical and Historical Magazine, Januar 1939, Seite 4

  13.   13.

    „Elijah the Prophet and His Mission – IV“, Instructor, März 1952, Seite 67

  14.   14.

    „Salvation for the Dead“, Millennial Star, 8. Dezember 1927, Seite 775; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:127

  15.   15.

    „The Keys of the Priesthood Restored“, Seite 101

  16.   16.

    Sealing Power and Salvation, Brigham Young University Speeches of the Year, 12. Januar 1971, Seite 2f.; Hervorhebung weggelassen

  17.   17.

    The Restoration of All Things, Seite 174f.

  18.   18.

    „The Keys of the Priesthood Restored“, Seite 100f.

  19.   19.

    Sealing Power and Salvation, Seite 3

  20.   20.

    „A Greeting“, Utah Genealogical and Historical Magazine, Januar 1935, Seite 5; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:180

  21.   21.

    „Salvation for the Dead“, Improvement Era, Februar 1917, Seite 362; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:144

  22.   22.

    „Salvation for the Dead“, Improvement Era, Februar 1917, Seite 362f.; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:173

  23.   23.

    Herbst-Generalkonferenz 1942, siehe auch Doctrines of Salvation, 2:175

  24.   24.

    Herbst-Generalkonferenz 1911