Kapitel 21: Der Welt das Evangelium verkünden

Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Fielding Smith, 2013


Wir haben die Früchte des Evangeliums gekostet und wissen, dass sie gut sind, und es ist unser Wunsch, dass alle Menschen die gleichen Segnungen und den gleichen Geist empfangen, die so reichlich auf uns herabgekommen sind.

Aus dem Leben von Joseph Fielding Smith

Joseph Fielding Smith und seine Frau Louie waren nicht überrascht, als sie einen von Lorenzo Snow unterzeichneten Brief erhielten, worin Joseph Fielding Smith auf Vollzeitmission berufen wurde. In den Anfangstagen der Kirche war es gang und gäbe, dass auch verheiratete Männer in die Ferne auf Mission geschickt wurden. Als daher am 17. März 1899 – einen Monat vor ihrem ersten Hochzeitstag – der Brief ankam, nahmen Joseph und Louie diesen Auftrag glaubensvoll und tapfer an, obwohl sie bei dem Gedanken, nun zwei Jahre getrennt zu sein, auch traurig waren.

Elder Smith war in England auf Mission – etwa 7500 Kilometer von zu Hause entfernt. Er und Louie schickten einander oft Briefe, in denen sie ihre gegenseitige Liebe und ihr Zeugnis zum Ausdruck brachten. In einem von Elder Smiths ersten Briefen an Louie schrieb er: „Wenn ich nicht wüsste, dass das Werk, zu dem ich berufen bin, das Werk Gottes ist, würde ich nicht eine Minute länger bleiben, ja, ich hätte mein Zuhause gar nicht erst verlassen. Ich weiß jedoch, dass unser Glück davon abhängt, wie treu ich bin, solange ich hier bin. Da unser Heiland so viel für uns ertragen hat, muss ich bereitwillig aus Liebe zu den Menschen das Wenige tun, was ich kann. … Ich bin in der Hand des Vaters im Himmel, der über mich wacht und mich beschützt, wenn ich seinen Willen tue. Und er wird bei dir sein, während ich fort bin, und über dich wachen und dich in allem beschützen.“1

Elder Smith und seine Mitarbeiter auf Mission waren sehr engagierte Knechte des Herrn. In einem Brief an Louie berichtete er, er habe zusammen mit den anderen Missionaren jeden Monat etwa 10.000 Broschüren verteilt und an etwa 4.000 Türen geklopft. Allerdings folgte gleich darauf seine ernüchternde Beobachtung: „Ich glaube, nicht einmal eine Broschüre von hundert wird überhaupt gelesen.“2 Als Elder Smith damals in England war, nahmen sehr wenige Menschen die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums an. In den zwei Jahren seiner Mission konnte „er nicht einen einzigen Menschen bekehren, keine einzige Taufe vollziehen, lediglich einmal einen Neubekehrten konfirmieren“3. Seine Arbeit brachte zwar wenig Erfolg, er fand jedoch Trost in dem Wissen, dass er Gottes Willen tat und bei der Vorbereitung von Menschen mitwirkte, die das Evangelium vielleicht später im Leben annehmen würden.

Etwa zwei Wochen seiner Zeit auf Mission musste Elder Smith zusammen mit vier anderen Missionaren im Krankenhaus verbringen. Die fünf Missionare waren mit Pockenkranken zusammen gewesen und wurden unter Quarantäne gestellt, damit sich die Krankheit nicht ausbreitete. Elder Smith fand zwar, es sei dort wie im „Gefängnis“ gewesen, seine Mitarbeiter und er machten jedoch das Beste daraus. Sie erzählten sogar dem Krankenhauspersonal vom Evangelium. Nachdem die Quarantäne aufgehoben war, schrieb Elder Smith in sein Tagebuch: „Wir haben uns mit den Pflegern und den Krankenschwestern und anderen Besuchern angefreundet, die während unserer Gefangenschaft bei uns vorbeikamen. Oftmals haben wir mit ihnen über das Evangelium gesprochen und ihnen auch Bücher zum Lesen überlassen. Als wir das Krankenhaus verließen, sangen wir ein, zwei Lieder, was wohl auf die Zuhörer Eindruck machte, denn als wir von ihnen gingen, hatten sie Tränen in den Augen. Ich denke, wir haben im Krankenhaus einen guten Eindruck hinterlassen, besonders bei den Krankenschwestern, denn sie haben zugegeben, dass wir nicht die waren, für die sie uns gehalten hatten, und sie sagten, sie würden in Zukunft jederzeit für uns eintreten.“4

Elder Smith beendete seine Mission im Juni 1901. Siebzig Jahre später kehrte er als Präsident der Kirche nach England zurück und führte bei einer Gebietskonferenz den Vorsitz. Inzwischen war der Same, den er und andere gepflanzt hatten, aufgegangen und erblüht. Er freute sich darüber, derart viele Mitglieder der Kirche in Großbritannien an den Versammlungen teilnehmen zu sehen.5 Er sagte: „Mehrere Zionspfähle, ein dem Herrn geweihter Tempel, eine beträchtliche Anzahl von Gemeindehäusern und Pfahlzentren sowie die überaus erfolgreiche Missionsarbeit – all dies zeugt davon, dass die Kirche in Großbritannien den Kinderschuhen entwachsen ist.“ Und er meinte, der Fortschritt in Großbritannien sei bezeichnend für das, was sich weltweit an Fortschritt einstellen werde. Er erklärte, dass Evangelium sei für alle Menschen da und „die Kirche wird vor dem Zweiten Kommen des Menschensohns überall aufgerichtet werden, in allen Ländern, selbst bis an die Enden der Erde“6.

Elder Joseph Fielding Smith im Jahr 1910, kurz nach seiner Ordinierung zum Apostel

Lehren von Joseph Fielding Smith

1

Wir allein haben die Fülle des wiederhergestellten Evangeliums, und es ist unser Wunsch, dass alle Menschen die gleiche Segnung erlangen

In seiner unendlichen Weisheit und um die Bündnisse und Verheißungen zu erfüllen, die den Propheten vor alters gemacht wurden, hat der Herr in diesen Letzten Tagen die Fülle seines immerwährenden Evangeliums wiederhergestellt. Dieses Evangelium ist der Erlösungsplan. Er wurde in den Ratsversammlungen der Ewigkeit vor der Grundlegung dieser Welt bestimmt und festgelegt, und er wurde zur Errettung und zum Nutzen aller Kinder unseres Vaters allerorten in unserer Zeit erneut offenbart. …

Annähernd 600 Jahre vor Christus – also lange vor seinem Kommen – sprach der große Prophet Nephi zu seinem Volk: „Es ist ein Gott und ein Hirte über die ganze Erde.

Und die Zeit wird kommen, da er sich allen Nationen offenbaren wird.“ (1 Nephi 13:41,42.)

Dieser verheißene Tag bricht nun an. Dies ist die Zeit, die bestimmt wurde, das Evangelium aller Welt zu predigen und das Reich Gottes in jedem Land aufzurichten. Es gibt in allen Nationen gute und aufrechte Menschen, die empfänglich sind für die Wahrheit; die in die Kirche kommen und zu einem Licht werden, das ihr eigenes Volk anleitet. …

Das Evangelium ist für alle Menschen, und der Herr erwartet von denen, die es annehmen, dass sie nach dessen Wahrheiten leben und sie den eigenen Landsleuten nahebringen.

Daher laden wir nun, im Geiste der Liebe und der Brüderlichkeit, alle Menschen allerorten ein, den Worten des ewigen Lebens Beachtung zu schenken, wie sie in unserer Zeit an den Propheten Joseph Smith und seine Weggefährten ergangen sind.

Wir laden die anderen Kinder unseres Vaters ein, „zu Christus [zu kommen] und in ihm vollkommen“ zu werden, und „auf alles [zu verzichten], was ungöttlich ist“ (Moroni 10:32).

Wir laden sie ein, an Christus und sein Evangelium zu glauben, in seine Kirche zu kommen und eins zu werden mit seinen Heiligen.

Wir haben die Früchte des Evangeliums gekostet und wissen, dass sie gut sind, und es ist unser Wunsch, dass alle Menschen die gleichen Segnungen und den gleichen Geist empfangen, die so reichlich auf uns herabgekommen sind.7

Wir dürfen nicht vergessen, dass es unter allen Glaubensgemeinschaften, Parteien und Konfessionen eifrige und fromme Menschen gibt, und sie werden für all das Gute, was sie tun, ihren Segen und Lohn erhalten. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, dass allein wir die Fülle jener Gesetze und Verordnungen haben, die den Menschen für den vollen Lohn in den Wohnungen des Himmels bereit machen. Und daher sagen wir zu den Guten und Edlen, den Aufrechten und Treuen allerorten: Behalten Sie all das Gute, was Sie haben; halten Sie an jedem wahren Grundsatz fest, der Ihnen zu eigen ist; doch kommen Sie und haben Sie teil an dem vermehrten Licht und der vermehrten Erkenntnis, die dieser Gott – welcher derselbe ist gestern, heute und immerdar – erneut auf sein Volk herabschüttet.8

Ich bete darum, dass die Absichten des Herrn auf der Erde, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche, rasch verwirklicht werden mögen, dass er seine treuen Heiligen segnen und dass das Herz zahlreicher Menschen, die nach der Wahrheit suchen und deren Herz vor dem Herrn recht ist, gemeinsam mit uns die Fülle der Segnungen des wiederhergestellten Evangeliums ererben möge.9

2

Alle Mitglieder sind verpflichtet, ihre Kraft, Energie, Mittel und ihren Einfluss zur Verkündigung des Evangeliums einzusetzen

Wir alle sind, wie uns gesagt wurde, Missionare. … Uns wurden zwar nicht die Hände aufgelegt, und doch sind wir alle eingesetzt. Wir sind nicht eigens berufen worden, uns einzig und allein der Missionsarbeit zu widmen, und doch werden wir als Mitglieder der Kirche, die wir uns der Verbreitung des Evangeliums Jesu Christi verschrieben haben, zu Missionaren. Dies ist Teil des Verantwortungsbereichs eines jeden Mitglieds.10

Ich liebe alle Menschen aus tiefstem Herzen, und so fordere ich die Mitglieder der Kirche auf, das Evangelium zu lernen und danach zu leben und ihre Kraft, Energie und Mittel einzusetzen, um es aller Welt zu verkünden. Wir haben vom Herrn einen Auftrag erhalten. Es ist ein göttlicher Auftrag. Er hat uns geboten, mit unermüdlichem Eifer voranzugehen und seinen übrigen Kindern die errettenden Wahrheiten anzubieten, die dem Propheten Joseph Smith offenbart worden sind.11

Unsere Mission besteht demnach darin, dass wir, soweit es in unserer Macht steht, so vielen Kindern unseres Vaters im Himmel zu Erneuerung und Umkehr verhelfen, wie es uns nur möglich ist. … Diese Pflicht hat der Herr der Kirche auferlegt, genauer gesagt, den Priestertumskollegien in der Kirche, und doch erstreckt sich diese Pflicht auf jeden Einzelnen.12

Unter uns gibt es eine Vielzahl aufrechter Menschen, die nie die Gelegenheit wahrgenommen oder sich auf die Suche gemacht haben, diese herrlichen Wahrheiten zu entdecken, die sich uns in den Offenbarungen des Herrn kundtun. Sie leben unter uns, denken aber einfach nicht daran. Wir haben Umgang mit ihnen und begegnen diesen Menschen jeden Tag. Sie denken, wir seien zwar ganz nett, hätten aber eigentümliche religiöse Ansichten; daher schenkten sie unserem Glauben bisher keine Beachtung, und so fährt dieses großartige Missionswerk, das nunmehr in den Zionspfählen vorangetrieben wird, bei den aufrechten, treuen Menschen eine reiche Ernte ein, und zwar genau hier unter denen, die bisher noch nie die Gelegenheit, die sich ihnen bietet, ergriffen haben, sich das Evangelium anzuhören.13

„Jeder, der das Licht des Evangeliums empfängt, wird selbst zum Licht und gibt all jenen Führung, die er erreichen kann.“

Wir, die wir die Wahrheit des immerwährenden Evangeliums angenommen haben, sollten uns mit nichts als nur dem Besten zufrieden geben, und das Beste ist die Fülle des Reiches des Vaters. Ich hoffe und bete dafür, dass wir durch unsere Lebensführung allen Menschen ein Beispiel an Rechtschaffenheit setzen, damit niemand stolpern oder wanken möge und niemand aufgrund dessen, was wir sagen oder tun, vom Pfad der Rechtschaffenheit abkommen möge.14

Nicht nur jeder Einzelne, sondern auch die Kirche übt einen Einfluss aus. Ich glaube, unser Erfolg in der Welt hängt zum großen Teil von der Einstellung der Mitglieder ab. Wenn wir sowohl in Gedanken als auch in unseren Taten vollkommen einig wären, wenn wir die Wahrheit liebten und in ihr wandelten, wie der Herr es von uns erwartet, ginge von dieser Gemeinschaft, von [den Gemeinden] der Heiligen der Letzten Tage in allen Gemeinwesen, ein Einfluss an diese Welt aus, der unwiderstehlich wäre. Mehr aufrichtige Männer und Frauen würden bekehrt, denn der Geist des Herrn ginge vor uns her, um den Weg zu bereiten. … Wenn sie – dieses Volk – die Gebote des Herrn hielten, würde dies eine Stärke, eine Macht und einen Einfluss bedeuten, der Widerstand niederringen und Menschen darauf vorbereiten würde, das Licht des immerwährenden Evangeliums zu empfangen. Tun wir das nicht, tragen wir eine Verantwortung, die schreckliche Folgen nach sich zieht.

Wie würden Sie sich – oder wie würde ich mich – fühlen, wenn vor dem Richterstuhl jemand den Finger auf Sie oder mich richtet und sagt: „Wären die Taten dieses Mannes oder dieser Gruppe nicht gewesen, hätte ich die Wahrheit angenommen, doch ich wurde verblendet, denn sie gaben zwar vor, das Licht zu haben, lebten aber nicht danach“15.

Wenn wir alle Tage unseres Lebens wirken und auch nur eine Seele erretten, wie groß – so die Worte des Herrn – wird dann unsere Freude mit ihr sein [siehe LuB 18:15]! Wie sehr werden wir andererseits leiden, und wie streng werden wir verurteilt, wenn aufgrund unserer Taten auch nur eine Seele von der Wahrheit abgeirrt ist!16

Die Mitglieder der Kirche sollen – wo auch immer sie sich befinden – der Welt ein Licht sein. Das Evangelium ist wie ein Licht, das die Dunkelheit durchbricht, und jeder, der das Licht des Evangeliums empfängt, wird selbst zum Licht und gibt all jenen Führung, die er erreichen kann.

Ihre Aufgabe … ist es, durch Ihre Lebensführung Zeugnis davon abzulegen, dass dieses Werk wahr ist und von Gott kommt. Wir hoffen, dass Sie nach dem Evangelium leben und sich Ihre Errettung erarbeiten und dass andere Ihre guten Werke sehen und dadurch dazu geführt werden, den Vater im Himmel zu preisen [siehe Matthäus 5:16].17

3

Die Kirche braucht mehr Missionare, die im Auftrag des Herrn hinausgehen

Wir brauchen Missionare. … Das Feld ist weit; die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter [siehe Lukas 10:2]. Ebenso ist das Feld schon weiß und zur Ernte bereit [siehe LuB 4:4]. …

Unsere Missionare gehen hinaus. Keine Macht kann ihre Hand zurückhalten. Man hat es versucht. In der Anfangszeit gab es nur eine Handvoll Missionare, doch jeder strengte sich nach Kräften an, und das Werk schritt voran und ließ sich nicht mehr aufhalten. Es kann auch jetzt nicht aufgehalten werden. Es muss und wird vorangehen, damit alle Bewohner der Erde die Gelegenheit haben, von ihren Sünden umzukehren, Vergebung zu erlangen und in die Kirche und das Reich Gottes einzutreten, bevor die endgültige Vernichtung über die Schlechten kommt, wie es verheißen worden ist. …

Und diese Missionare, zumeist junge Männer, die in der Weise der Welt ungeübt sind, gehen mit dieser Botschaft der Errettung hinaus und machen die Großen und Mächtigen zuschanden, denn sie haben die Wahrheit. Sie verkünden dieses Evangelium; die Aufrechten und Ernsthaften hören es an, kehren von ihren Sünden um und kommen in die Kirche.18

Wir hoffen den Tag erleben zu können, da jeder würdige und geeignete junge Mann in der Kirche die Freude haben wird, im Auftrag des Herrn hinauszugehen, um unter den Nationen der Erde als Zeuge für die Wahrheit aufzutreten.

Es sind jetzt bereits viele reife und belastbare Ehepaare in diesem großen Missionswerk tätig, und wir können noch viele mehr gebrauchen und hoffen, dass diejenigen, die würdig und bereit sind, ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen, dem Aufruf folgen, das Evangelium zu verkünden und ihren Aufgaben in entsprechender Weise nachkommen.

Wir haben auch viele junge Schwestern in diesem Werk und können viele von ihnen gebrauchen, aber auf ihnen ruht nicht die gleiche Verantwortung wie auf den Brüdern, und bei den jungen Schwestern machen wir uns eher Gedanken darum, dass sie in rechter Weise den Ehebund im Tempel des Herrn schließen.

Wir bitten die Mitglieder, das Missionswerk finanziell zu unterstützen und großzügig von ihren Mitteln zu geben, damit das Evangelium Verbreitung findet.

Unser Dank gilt all denen, die so tapfer in diesem großen Missionswerk tätig sind. Joseph Smith hat gesagt: „Nach allem, was gesagt worden ist, bleibt als größte und wichtigste Aufgabe, das Evangelium zu predigen.“19

„Unser Dank gilt all denen, die so tapfer im großen Missionswerk tätig sind.“

4

Von uns wird erwartet, dass wir die Lehren der Errettung so verkünden, wie sie in den heiligen Schriften dargelegt sind, in aller Deutlichkeit und Klarheit und so, wie der Geist uns leitet

In den Anfangstagen dieser Evangeliumszeit sprach der Herr zu denen, die in seinem Werk berufen waren: „Damit jedermann im Namen Gottes, des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne; … damit die Fülle meines Evangeliums durch die Schwachen und die Einfachen bis an die Enden der Welt und vor Königen und Herrschern verkündigt werde.“ (LuB 1:20,23.)

Denen, die berufen waren „hinzugehen, um [sein] Evangelium zu predigen“ und allen Ältesten, Priestern und Lehrern dieser Kirche sagte er: Sie „sollen die Grundsätze meines Evangeliums lehren, die in der Bibel und im Buch Mormon stehen“, und aus den anderen Schriften „wie sie vom Geist geleitet werden“ (LuB 42:11-13).

Als Beauftragte des Herrn sind wir nicht berufen oder bevollmächtigt, die Philosophien der Welt oder spekulative wissenschaftliche Theorien zu vermitteln. Unsere Mission besteht darin, die Lehren der Errettung in aller Deutlichkeit und Klarheit zu verkünden, wie sie offenbart und in den heiligen Schriften festgehalten worden sind.

Nachdem der Herr uns angewiesen hat, die Grundsätze des Evangeliums so zu lehren, wie sie in den heiligen Schriften stehen und wie wir vom Geist geleitet werden, hat er auch die folgende tiefschürfende Erklärung abgegeben, aus der hervorgeht, welche Regeln für die gesamte Lehrtätigkeit in der Kirche gelten sollen: „Und der Geist wird euch durch das Gebet des Glaubens gegeben; und wenn ihr den Geist nicht empfangt, sollt ihr nicht lehren.“ (LuB 42:14.)20

5

Das Evangelium ist die einzige Hoffnung für die Welt, der einzige Weg zu Frieden auf Erden

Wissen Sie, welche Macht, welcher Faktor weltweit derjenige ist, der am ehesten dafür sorgt, dass dauerhaft Frieden auf Erden einzieht? Nachdem ich diese Frage gestellt habe, werde ich sie auch beantworten, oder zumindest meine Ansicht hierzu äußern, ohne auf andere Entwicklungen einzugehen. Den größten Faktor weltweit stellt die Macht des heiligen Priestertums dar, das sich in den Händen der Heiligen der Letzten Tage befindet. Von Anbeginn an sandte der Herr die Missionare in alle Welt und gebot ihnen, die Menschen zur Umkehr aufzurufen und ihnen zu sagen: „Kehrt um, kommt nach Zion! Glaubt an mein Evangelium, und ihr werdet Frieden haben.“

Frieden kommt natürlich durch Rechtschaffenheit, durch Gerechtigkeit, durch die Barmherzigkeit Gottes, durch die Macht, die er uns gewährt, die uns das Herz berührt und durch die wir füreinander Liebe empfinden. Unsere Pflicht besteht nun darin, dies allen Menschen zu verkünden, sie aufzurufen, nach Zion zu kommen, wo das Banner aufgerichtet ist – das Banner des Friedens –, von den Segnungen des Hauses des Herrn zu empfangen und den Einfluss des Heiligen Geistes zu verspüren, der hier zugegen ist. Und ich möchte Ihnen sagen, dass wir selbst – sofern wir dem Herrn dienen – außerordentliche Macht besitzen, was die Festigung des Friedens in der Welt angeht.

Nun ist es unser Wunsch, dass andere Bestrebungen in diese Richtung weitergeführt werden. Wir stehen allem positiv gegenüber, was der Welt Frieden bringt. Dabei dürfen wir jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass wir als Mitglieder der Kirche – wenn wir uns zusammentun, in Einigkeit dem Herrn dienen und die Worte des ewigen Lebens an die Nationen der Welt aussenden – meines Erachtens in Bezug auf die Festigung des Friedens in der Welt größeren Einfluss haben als jede andere Macht. Ich stimme voll und ganz mit der gängigen Vorstellung überein, dass der Herr sich vielerlei Mittel bedient. Sein Werk beschränkt sich nicht auf die Heiligen der Letzten Tage, da er viele außerhalb der Kirche zu seinem Dienst berufen, ihnen Macht gegeben und sie dazu inspiriert hat, sein Werk auszuführen. … Dennoch sollten wir uns, meine lieben Brüder und Schwestern, vor Augen halten, dass wir in der Welt eine Macht zum Guten, zur Verbreitung der Wahrheit und zur Festigung des Friedens unter allen Nationen, Geschlechtern, Sprachen und Völkern sind. … Unser Auftrag war und ist: „Kehrt um, … denn das Himmelreich ist nahe.“ [LuB 33:10.]

Wir müssen weitermachen, bis alle Rechtschaffenen gesammelt und alle Menschen gewarnt sind, bis diejenigen, die hören wollen, gehört haben – auch diejenigen, die nicht hören wollen –, denn der Herr hat erklärt, dass es „kein Ohr [gibt], das nicht hören wird, auch kein Herz, das nicht durchdrungen werden wird“ [LuB 1:2]. Denn sein Wort wird hinausgehen, und ob es durch die Worte seiner Ältesten oder auf andere Weise geschieht, spielt keine Rolle, doch nach der durch ihn festgelegten Zeit wird er sein Werk in Rechtschaffenheit abkürzen. Er wird seine Wahrheit aufrichten, auf die Erde kommen und hier regieren.21

Wir achten alle übrigen Kinder unseres Vaters, welcher Glaubensgemeinschaft, Partei oder Konfession sie auch angehören mögen, und es ist unser größter Wunsch, dass auch sie das zusätzliche Licht und die Erkenntnis empfangen mögen, die uns durch Offenbarung zuteilgeworden sind, damit sie gemeinsam mit uns die großartigen Segnungen des wiederhergestellten Evangeliums ererben.

Wir haben ja den Erlösungsplan. Wir dienen geistlich im Evangelium, und das Evangelium ist die einzige Hoffnung für die Welt – der einzige Weg, der zu Frieden auf Erden führt und die Missstände behebt, die unter den Völkern bestehen.22

Wir wissen: Wenn Menschen Glauben an Christus haben, von ihren Sünden umkehren, den Taufbund schließen und dabei versprechen, seine Gebote zu halten, und dann den Heiligen Geist empfangen, indem ihnen die Hände von denen aufgelegt werden, die zu dieser Macht berufen und ordiniert worden sind – und wenn sie diese Gebote dann halten –, werden sie „Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der künftigen Welt“ [LuB 59:23] haben.23

Für die Übel der Welt gibt es kein anderes Heilmittel als das Evangelium des Herrn Jesus Christus. Unsere Hoffnung auf Frieden, auf zeitliches und geistiges Wohlergehen und darauf, dass wir einmal ein Erbteil im Reich Gottes haben können, finden wir durch das und im wiederhergestellten Evangelium. Kein Werk, mit dem wir befasst sind, könnte wichtiger sein als das: das Evangelium zu verkünden und die Kirche und das Reich Gottes auf Erden aufzubauen.24

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Denken Sie darüber nach, wie Joseph Fielding Smith auf die Herausforderungen in seiner Zeit als Vollzeitmissionar reagiert hat (siehe „Aus dem Leben von Joseph Fielding Smith“). Inwiefern kann sein Beispiel Ihr Engagement in der Kirche positiv beeinflussen?

  • Denken Sie darüber nach, was es bedeutet, „die Früchte des Evangeliums“ (Abschnitt 1) zu kosten. Denken Sie an jemanden, dem Sie diese „Früchte“ anbieten können.

  • Inwiefern können uns die Worte Präsident Smiths in Abschnitt 2 dabei helfen, anderen das Evangelium näherzubringen?

  • Präsident Smith hat gesagt, die Kirche brauche mehr Vollzeitmissionare, darunter auch reife Ehepaare (Abschnitt 3). Was können wir tun, um den Jugendlichen zu helfen, sich auf eine Mission vorzubereiten? Was können Sie selbst tun, um sich auf den Missionsdienst vorzubereiten?

  • Wie können unsere Worte und Taten die Deutlichkeit und Klarheit des Evangeliums widerspiegeln (siehe Abschnitt 4)? Haben Sie schon einmal gespürt, wie der Heilige Geist Sie in diesem Bestreben leitet?

  • Welche Aussagen aus Abschnitt 5 empfinden Sie als besonders inspirierend? Was empfinden Sie, wenn Sie daran denken, „die einzige Hoffnung für die Welt, [den] einzige[n] Weg, der zu Frieden auf Erden führt“ an andere weiterzugeben?

Einschlägige Schriftstellen

Matthäus 24:14; Markus 16:15; 1 Nephi 13:37; 2 Nephi 2:6-8; 3 Nephi 12:13-16; LuB 1:17-24; 4; 50:13,14; 88:81; 133:57,58

Unterrichtshilfe

Wenn jemand aus dem Leitfaden Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Fielding Smith vorliest, bitten Sie die anderen Unterrichtsteilnehmer, „auf ganz bestimmte Grundsätze oder Gedanken zu achten. … Wenn [an einer Stelle] seltene, schwierige Wörter oder Wendungen vorkommen, erklären Sie sie im Voraus. Falls jemand in der Klasse nicht gut lesen kann, bitten Sie lieber Freiwillige, statt reihum lesen zu lassen.“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 56.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Joseph Fielding Smith an Louie Shurtliff Smith, in: Joseph Fielding Smith Jr. und John J. Stewart, The Life of Joseph Fielding Smith, 1972, Seite 114f.

  2.   2.

    Joseph Fielding Smith an Louie Shurtliff Smith, in: The Life of Joseph Fielding Smith, Seite 102

  3.   3.

    Vgl. The Life of Joseph Fielding Smith, Seite 91

  4.   4.

    Journal of Joseph Fielding Smith, 30. April 1901, Historisches Archiv der Kirche

  5.   5.

    Gebietskonferenz 1971 in Großbritannien

  6.   6.

    Gebietskonferenz 1971 in Großbritannien

  7.   7.

    „I Know That My Redeemer Liveth“, Ensign, Dezember 1971, Seite 26f.

  8.   8.

    „A Witness and a Blessing“, Ensign, Juni 1971, Seite 109f.

  9.   9.

    „Out of the Darkness“, Ensign, Juni 1971, Seite 4

  10.   10.

    Take Heed to Yourselves, Hg. Joseph Fielding Smith Jr., 1966, Seite 27f.

  11.   11.

    Herbst-Generalkonferenz 1970

  12.   12.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1944; vgl. Joseph Fielding Smith, Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 3 Bände, 1954–1956, 1:308

  13.   13.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1921

  14.   14.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1923

  15.   15.

    Herbst-Generalkonferenz 1933

  16.   16.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1951

  17.   17.

    Gebietskonferenz 1971 in Großbritannien

  18.   18.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1953

  19.   19.

    Generalkonferenz, Oktober 1970; vgl. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 363

  20.   20.

    Herbst-Generalkonferenz 1970

  21.   21.

    Herbst-Generalkonferenz 1919

  22.   22.

    „To the Saints in Great Britain“, Ensign, September 1971, Seite 3f.

  23.   23.

    Herbst-Generalkonferenz 1970

  24.   24.

    „Counsel to the Saints and to the World“, Ensign, Juli 1972, Seite 27