Kapitel 3: Der Erlösungsplan

Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Fielding Smith, 2013


Der Vater im Himmel hat für seine Geistkinder einen Erlösungsplan eingerichtet …, damit sie sich weiterentwickeln und Fortschritt machen können, bis sie das ewige Leben erlangen.

Aus dem Leben von Joseph Fielding Smith

Am 29. April 1901 starb nach langer Krankheit Joseph Fielding Smiths ältere Schwester Alice im Alter von 18 Jahren. Joseph beendete damals gerade seine Vollzeitmission in England. Seine Antwort auf die Nachricht von Alices Tod belegt die Liebe zu seiner Familie und sein Zeugnis vom Erlösungsplan. „Es ist für uns alle ein furchtbarer Schlag“, schrieb er in sein Tagebuch. „Ich hatte nicht gewusst, wie schlimm es um sie steht, auch wenn ich wohl wusste, dass sie krank war. Ich hatte wirklich damit gerechnet, sie in ein paar Wochen zusammen mit der übrigen Familie wiederzusehen, doch es geschehe der Wille des Herrn. Gerade in solchen Zeiten sind uns die Hoffnung und Zuversicht, die das Evangelium schenkt, höchst willkommen. Wir werden einander alle auf der anderen Seite wiedersehen und uns an der Gegenwart des anderen erfreuen können – dort, wo die Familienbande nie mehr zerrissen werden und wir alle die Segnungen des himmlischen Vaters empfangen und seine liebevolle, große Barmherzigkeit erkennen werden. Möge ich immer auf dem Pfad der Wahrheit wandeln und den Namen ehren, den ich trage, auf dass die Begegnung mit meinen Verwandten für mich wahrhaftig wunderbar und von ewiger Dauer sein möge. Darum bete ich demütig.“1

Als Apostel und später als Präsident der Kirche gab Präsident Joseph Fielding Smith immer wieder Zeugnis von der Hoffnung, die aufkeimt, wenn man das Evangelium versteht. Er sagte: „Wir haben den Erlösungsplan, wir führen das Evangelium aus, und das Evangelium ist die einzige Hoffnung für die Welt – der einzige Weg, der der Erde Frieden bringt und die Missstände beseitigt, die es bei allen Völkern gibt.“2

Lehren von Joseph Fielding Smith

1

Im Vorherdasein, in der Welt der Geister, jauchzten wir vor Freude, als wir vom Erlösungsplan des himmlischen Vaters erfuhren

Wir gehören alle zur Familie unseres Vaters im Himmel. Wir haben vor Grundlegung dieser Erde bei ihm gelebt. Wir haben sein Angesicht gesehen, seine Liebe verspürt, seine Worte vernommen, und er hat die Gesetze festgelegt, nach denen wir uns weiterentwickeln und Fortschritt machen und selbst eine ewige Familie erlangen können.3

„Wir haben vor Grundlegung dieser Erde [beim Vater im Himmel] gelebt“

Unser Vater im Himmel hat für seine Geistkinder einen Erlösungsplan vorgesehen. Dieser Plan soll es ihnen ermöglichen, sich weiterzuentwickeln und Fortschritt zu machen, bis sie das ewige Leben erlangen, worunter wir ein Leben verstehen, wie es der Vater im Himmel führt. Dieser Plan soll es den Kindern Gottes ermöglichen, wie er zu werden und die Macht, die Weisheit und das Wissen zu haben, die auch er besitzt.4

Wir erfahren in der Köstlichen Perle, dass im Himmel ein Rat abgehalten wurde, zu dem der Herr seine Geistkinder rief und wo er ihnen einen Plan vorlegte, nach dem sie auf diese Erde kommen, hier leben, einen sterblichen Körper erhalten, eine Prüfungszeit durchlaufen und dann zu einer höheren Daseinsstufe gelangen sollten, und zwar durch die Auferstehung, die durch das Sühnopfer seines einziggezeugten Sohnes, Jesus Christus, zustande gebracht werden sollte [siehe Mose 4:1,2; Abraham 3:22-28]. Der Gedanke, das Erdenleben zu durchlaufen und dort alle Wechselfälle des Lebens zu erfahren, wobei sie durch Leid, Schmerz, Kummer, Versuchung und Bedrängnis sowie auch durch die Freuden des Daseins in dieser Welt Erfahrung sammeln würden und dann – wenn sie treu blieben – durch die Auferstehung zum ewigen Leben im Reich Gottes weitergehen würden, um wie Gott zu sein [siehe 1 Johannes 3:2], erfüllte sie mit einer freudigen Stimmung und sie „jauchzten“. [Siehe Ijob 38:7.] Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie im Erdenleben erlangen würden, konnten sie auf keine andere Weise erhalten, und für ihre Erhöhung war es notwendig, dass sie einen physischen Körper erhielten.5

2

Der Fall Adams und Evas gehört zum Plan des himmlischen Vaters

Der Erlösungsplan – dieses Gesetzeswerk, das man auch das Evangelium Jesu Christi nennt – wurde im Himmel vor Grundlegung der Welt angenommen. Da wurde festgelegt, dass Adam, unser Vater, auf die Erde kommen und an der Spitze der gesamten Menschheitsfamilie stehen solle. Es gehörte zu diesem großartigen Plan, dass er von der verbotenen Frucht essen und dadurch fallen und somit Leid und Tod in die Welt bringen sollte, was letztendlich ja alles dem Wohl seiner Kinder dienen sollte.6

Der Fall war unerlässlich für die irdische Bewährungszeit des Menschen. … Hätten Adam und Eva nicht von der Frucht gegessen, hätten sie nicht das großartige Geschenk erhalten, sterblich zu werden. Außerdem hätten sie keine Nachkommen gehabt und das große Gebot, das der Herr ihnen gegeben hatte, wäre nicht erfüllt worden.7

Der Fall Adams und Evas „brachte Schmerz, Kummer und Tod; aber … damit [gingen] auch Segnungen einher“

Der Fall Adams brachte alle Wechselfälle des Erdenlebens mit sich. Er brachte Schmerz, er brachte Kummer, er brachte den Tod; wir dürfen aber nicht außer Acht lassen, dass damit auch Segnungen einhergingen. … Er brachte uns Wissen und Erkenntnis und das Erdenleben.8

3

Jesus Christus hat sich selbst als Opfer dargeboten, um uns vom Fall und von unseren Sünden zu erretten

Adams Übertretung hat sowohl den geistigen als auch den zeitlichen Tod herbeigeführt – der Mensch wurde aus der Gegenwart Gottes verbannt, und gleichzeitig wurde er sterblich und war so allen Leiden des Fleisches unterworfen. Damit er wieder zurückkehren konnte, musste für das gebrochene Gesetz Wiedergutmachung geleistet werden. Die Gerechtigkeit erforderte dies.9

Es ist ganz natürlich und gerecht, dass derjenige, der den Fehler begeht, auch die Strafe ableistet, also für sein Fehlverhalten sühnt. Wenn daher Adam das Gesetz übertreten hatte, verlangte die Gerechtigkeit, dass er und kein anderer für die Sünde zur Rechenschaft gezogen wurde und dafür mit seinem Leben bezahlte. Doch Adam geriet, weil er das Gesetz gebrochen hatte, selbst unter den Fluch und konnte daher keine Sühne leisten oder ungeschehen machen, was er getan hatte. Auch seine Kinder konnten es nicht, weil sie ebenfalls unter dem Fluch standen, und es musste jemand für diese Ursünde sühnen, der dem Fluch nicht unterworfen war. Auch wir, die wir ja alle unter dem Fluch standen, vermochten nicht für unsere eigenen Sünden zu sühnen. Es war daher erforderlich, dass der Vater seinen einziggezeugten Sohn sandte, der frei von Sünde war, damit er für unsere Sünden und auch für Adams Übertretung sühnte, wie es die Gerechtigkeit gebot. Demzufolge brachte er sich selbst als Opfer für die Sünde dar, und durch seinen Tod am Kreuz nahm er sowohl Adams Übertretung als auch unsere Sünden auf sich und erlöste uns vom Fall und von unseren Sünden, unter der Bedingung, dass wir umkehren.10

Wir haben die Pflicht, die Mission Jesu Christi zu verkünden. Warum ist er gekommen? Was hat er für uns getan? Inwiefern kommt uns dies zugute? Was hat es ihn gekostet? Nun, es hat ihn sein Leben gekostet, sogar mehr als sein Leben! Er wurde ans Kreuz geschlagen; und was hat er außerdem getan? Warum wurde er ans Kreuz geschlagen? Er wurde ans Kreuz geschlagen, damit sein Blut vergossen werde und er uns so von dieser schrecklichsten aller Strafen erlösen könne, die je über einen kommen kann, nämlich aus der Gegenwart Gottes verbannt zu werden. Er starb am Kreuz, um uns wieder zurückzubringen, damit unser Körper und unser Geist wieder vereint werden können. Er schenkte uns diesen Vorzug. Er starb für uns, damit wir Vergebung für unsere Sünden erhalten und die Strafe nicht zahlen müssen, vorausgesetzt, wir glauben an ihn und halten seine Gebote. Er hat den Preis bezahlt. …

Kein Mensch konnte tun, was er für uns getan hat. Er hätte nicht sterben müssen, er hätte sich weigern können. Er hat es freiwillig getan. Er hat es getan, weil es ein Gebot seines Vaters war. Er wusste, wie schmerzhaft dieses Leiden werden würde, und doch war er aus Liebe zu uns dazu bereit. …

Dass dem Erlöser Nägel in Hände und Füße getrieben wurden, war noch das Geringste an seinem Leiden. Wir neigen, glaube ich, zu der Empfindung oder der Ansicht, sein großes Leiden hätte darin bestanden, dass er ans Kreuz geschlagen wurde und man ihn dort hängen ließ. Zu dieser Zeit in der Weltgeschichte mussten allerdings Tausende von Menschen auf diese Weise leiden. Was das betrifft, war sein Leiden also nicht größer als das anderer Männer, die so gekreuzigt wurden. Worin bestand sein großes Leiden also dann? Ich wünschte, wir könnten diese Tatsache jedem Mitglied dieser Kirche einprägen: Sein großes Leiden erfolgte, noch ehe er überhaupt zum Kreuz schritt. Es ereignete sich im Garten Getsemani, wo, wie wir aus den heiligen Schriften erfahren, Blut aus jeder Pore seines Körpers hervorquellte, und er in äußerster Seelenpein zu seinem Vater schrie. Es waren nicht die Nägel, die ihm in Hände und Füße getrieben wurden. Fragen Sie mich aber nicht, wie es vollbracht wurde. Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Wir wissen nur, dass er irgendwie diese gewaltige Strafe auf sich nahm. Er nahm unsere Übertretungen auf sich und bezahlte den Preis – einen qualvollen Preis.

Stellen Sie sich den Erlöser vor, wie er die gesamte Last aller Menschen trug – eine Qual, die ich, wie ich sagen muss, nicht verstehen, sondern nur zur Kenntnis nehmen kann, und die bewirkte, dass er eine Seelenpein litt, mit der verglichen der Schmerz, den die Nägel verursachten, die man ihm in Hände und Füße trieb, nur sehr gering war. In seiner Qual schrie er zu seinem Vater: „Wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Aber er konnte nicht vorübergehen [siehe Matthäus 26:42; Markus 14:36; Lukas 22:42]. Ich möchte Ihnen nur ein, zwei Sätze dessen vorlesen, was der Herr im Hinblick darauf gesagt hat:

„Denn siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen, sofern sie umkehren; aber sofern sie nicht umkehren, müssen sie leiden so wie ich, und dieses Leiden ließ mich, selbst Gott, den Größten von allen, der Schmerzen wegen zittern und aus jeder Pore bluten und an Leib und Geist leiden und ich wollte den bitteren Kelch nicht trinken und zurückschrecken, doch Ehre sei dem Vater, und ich trank davon und vollendete meine Vorbereitungen für die Menschenkinder.“ [LuB 19:16-19.]

Es beschämt mich, wenn ich das lese. Seine Liebe zur Menschheit, zur Welt, war so groß, dass er bereit war, eine Last zu tragen, die kein sterblicher Mensch zu tragen vermochte, und einen schrecklichen Preis zu zahlen, den kein anderer je hätte zahlen können – und das alles, damit wir entrinnen können.11

Der Sohn Gottes [sprach]: „Ich werde hinabgehen und den Preis bezahlen. Ich werde der Erlöser sein und die Menschen von Adams Übertretung erlösen. Ich werde die Sünden der Welt auf mich nehmen und jede Seele, die umkehrt, von ihren eigenen Sünden erretten.“12

Stellen wir uns doch einmal vor: Jemand geht die Straße entlang und stürzt in eine Grube, die so tief und dunkel ist, dass er nicht hinausklettern und seine Freiheit wiedererlangen kann. Wie kann er sich aus dieser misslichen Lage befreien? Aus eigener Anstrengung nicht, denn es gibt für ihn keine Möglichkeit, aus der Grube zu entrinnen. So ruft er um Hilfe. Ein gütiger Mann hört das Schreien und eilt herbei. Er lässt eine Leiter in die Grube hinab, sodass der Verunglückte herausklettern kann. Dies entspricht genau dem Zustand, in den Adam sich und seine Nachkommen gebracht hatte, nachdem er von der verbotenen Frucht gegessen hatte. Alle befanden sich nun in der Grube; niemand konnte nach oben gelangen und die anderen befreien. Diese Grube entspricht der Verbannung aus der Gegenwart des Herrn und dem irdischen Tod, nämlich der Auflösung des Körpers. Da alle dem Tod unterworfen sind, konnte niemand einen Ausweg schaffen.13

Dann kommt der Erlöser, der sich außerhalb der Grube befindet, und lässt die Leiter hinunter. Er kommt zu uns in die Grube hinab und ermöglicht uns, die Leiter zu erklimmen und zu entkommen.14

„Unser Erretter, Jesus Christus, steht in diesem großen Plan des Fortschritts und der Erlösung im Mittelpunkt“

In seiner unendlichen Barmherzigkeit hörte der Vater die Hilferufe seiner Kinder und sandte seinen einziggezeugten Sohn, der weder dem Tod noch der Sünde unterworfen war, damit er einen Weg bereitete, dieser Lage zu entrinnen. Er tat dies durch sein unbegrenztes Sühnopfer und das immerwährende Evangelium.15

Wir sollten überaus dankbar sein für die große und liebevolle Barmherzigkeit [des Heilands] und ihm deshalb all unsere Liebe erweisen, indem wir ihm gehorchen. Um dessentwillen, was er getan hat, sollten wir ihn niemals enttäuschen. Er hat uns um einen Preis erkauft, und dieser Preis bestand in seinem großen Leiden und darin, dass am Kreuz sein Blut als Opfer vergossen wurde.16

4

Wir erarbeiten uns auf Erden unsere Errettung dadurch, dass wir auf das Sühnopfer Jesu Christi bauen

Unser Erretter, Jesus Christus, steht in diesem großen Plan des Fortschritts und der Errettung im Mittelpunkt.17

Der Erlösungsplan beruht auf dem Sühnopfer und besteht aus den folgenden Bestandteilen:

Zuerst müssen wir Glauben an den Herrn Jesus Christus haben, wir müssen ihn als den Sohn Gottes annehmen, wir müssen auf ihn und sein Wort vertrauen und die Segnungen erlangen wollen, die uns dann zuteilwerden, wenn wir seine Gesetze befolgen.

Zweitens müssen wir von unseren Sünden umkehren, wir müssen der Welt entsagen und im Herzen den unabänderlichen Entschluss fassen, ein gottgefälliges und rechtschaffenes Leben zu führen.

Drittens müssen wir unter der Hand eines rechtmäßig Zuständigen, der die Macht hat, auf der Erde zu binden und im Himmel zu siegeln, im Wasser getauft werden; wir müssen durch diese heilige Handlung den Bund eingehen, dem Herrn zu dienen und seine Gebote zu halten.

Viertens müssen wir die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, wir müssen von neuem geboren werden; Sünde und Übeltun müssen wie durch Feuer aus unserer Seele ausgebrannt werden, und wir müssen durch die Macht des Heiligen Geistes ein neuer Mensch werden.

Fünftens müssen wir bis ans Ende ausharren, wir müssen nach der Taufe die Gebote halten, wir müssen uns mit Furcht und Zittern vor dem Herrn unsere Erlösung erarbeiten; wir müssen so leben, dass wir uns göttliche Eigenschaften aneignen und ein Volk werden, das sich an der Herrlichkeit und den Wundern des celestialen Reiches erfreuen kann.18

Ich bezeuge nun, dass diese Gesetze, die der Mensch befolgen muss, um Errettung zu erlangen, und die das Evangelium Jesu Christi ausmachen, in der heutigen Zeit Propheten und Aposteln offenbart worden sind und jetzt in seiner Kirche, die er abermals auf der Erde aufgerichtet hat, angewandt werden.19

Wir alle, die wir hier auf dieser Erde leben, machen eine Bewährungszeit durch. Wir wurden hauptsächlich deswegen hierher gesandt, um eine Hülle für unseren ewigen Geist zu erhalten, außerdem sollten wir durch Prüfungen erprobt werden; wir sollten Drangsal, aber auch in reichem Maß jene Freude und jenes Glück erfahren, die man durch ein heiliges Bündnis des Gehorsams gegenüber den ewigen Grundsätzen des Evangeliums erlangen kann. Das Erdenleben ist, wie Lehi seinen Kindern mitgeteilt hat, ein „Zustand der Bewährung“ (2 Nephi 2:21). Hier müssen wir geprüft werden und zeigen, ob wir, wenn wir aus der Gegenwart des ewigen Vaters ausgeschlossen sind, aber immer noch über das ewige Leben belehrt werden, ihn auch dann noch lieben und anbeten und seinem geliebten Sohn Jesus Christus die Treue halten.20

Wir kamen hierher, um geprüft zu werden und uns zu bewähren, indem wir sowohl mit Bösem als auch mit Gutem in Berührung kommen. … Der Vater lässt zu, dass der Satan und seine Heerscharen uns versuchen, doch die Führung durch den Geist des Herrn und die Gebote, die durch Offenbarung gegeben wurden, versetzen uns in die Lage, unsere Wahl zu treffen. Wenn wir Böses tun, werden wir – so wurde uns gesagt – bestraft; wenn wir Gutes tun, empfangen wir den ewigen Lohn für unsere Rechtschaffenheit.21

Diese irdische Bewährungszeit umfasst einen kurzen Zeitraum – sie ist nur eine kurze Zeitspanne, die die vergangene Ewigkeit mit der künftigen Ewigkeit verbindet. Und doch ist sie ein überaus wichtiger Abschnitt. … Dieses Leben ist die wichtigste Phase in unserem ewigen Dasein.22

5

Alle Menschen erhalten durch das Sühnopfer Jesu Christi die Segnung der Auferstehung

Wir sind auf die Welt gekommen, um zu sterben. Das war uns schon klar, bevor wir hierhergekommen sind. Es ist Teil des Plans, und das alles wurde besprochen und vereinbart, lange bevor der Mensch auf die Erde gebracht wurde. … Wir waren bereit und willens, diese Reise aus der Gegenwart Gottes und der Welt der Geister zur irdischen Welt anzutreten, hier all das zu erleben, was zu diesem Leben gehört – die Freuden und Leiden –, und zu sterben; und der Tod ist genauso notwendig wie die Geburt.23

Der physische Tod, der Tod des Menschen, ist keine dauerhafte Trennung des Geistes von seiner fleischlichen Hülle, auch wenn der Körper wieder zu den Elementen zurückkehrt. Es handelt sich nur um eine vorübergehende Trennung, die am Tag der Auferstehung zu Ende geht, wenn der Körper aufgerufen wird, aus dem Staub hervorzukommen und – vom Geist belebt – wieder zu leben. Diese Segnung wird durch das Sühnopfer Christi allen Menschen zuteil, unabhängig davon, ob sie auf der Erde gut oder schlecht waren. Paulus hat gesagt, es werde sowohl eine Auferstehung der Gerechten als auch eine der Ungerechten geben (siehe Apostelgeschichte 24:15), und der Erretter hat erklärt, dass alle, die im Grab ruhen, seine Stimme hören und hervorkommen werden: „Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht.“ (Johannes 5:29.)24

Jeder wichtige Teil eines jeden Körpers wird bei der Auferstehung an der richtigen Stelle wiederhergestellt werden, ungeachtet dessen, was mit dem Körper beim Tod geschehen sein mag. Ob er nun verbrannt oder von Haien gefressen wurde, ganz gleich, was passiert ist – jeder wichtige Teil wird an der richtigen Stelle wiederhergestellt werden.25

Kein Geist kann ohne Körper aus Fleisch und Gebein vollkommen gemacht werden. Körper und Geist werden durch die Auferstehung zur Unsterblichkeit und zu den Segnungen der Errettung gebracht. Nach der Auferstehung kann es keine Trennung mehr geben: Körper und Geist werden untrennbar miteinander verbunden, damit der Mensch eine Fülle der Freude empfangen kann. Auf keine andere Weise als durch die Geburt in dieses Leben und durch die Auferstehung kann der Geist wie unser ewiger Vater werden.26

6

Die Glaubenstreuen werden mit ihrer Familie ewiges Leben in der Gegenwart des himmlischen Vaters ererben.

Einige Menschen erben Reichtum, weil ihre Vorfahren fleißig waren. Einige Menschen erlangen durch Erbschaft einen weltlichen Thron, Macht oder eine einflussreiche Stellung unter ihren Mitmenschen. Einige bemühen sich um ein Erbteil an weltlichem Wissen und an Ruhm, indem sie Fleiß und Ausdauer an den Tag legen, doch es gibt ein Erbteil, das mehr wert ist als alle anderen: das Erbteil ewiger Erhöhung.

In den heiligen Schriften steht, dass das ewige Leben – das Leben, das der ewige Vater und sein Sohn Jesus Christus haben – die größte Gabe Gottes ist [siehe LuB 14:7]. Es wird nur denjenigen zuteil, die von allen Sünden gereinigt worden sind. Es ist denjenigen verheißen, „die durch Glauben überwinden und vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt sind, den der Vater über alle jene ausgießt, die gerecht und treu sind. Sie sind diejenigen, die die Kirche des Erstgeborenen sind. Sie sind diejenigen, denen der Vater alles in die Hände gegeben hat.“ [LuB 76:53-55; siehe auch Vers 52.]27

Die Familie steht im Erlösungsplan im Mittelpunkt. … [Der Plan] soll uns befähigen, eine eigene ewige Familie zu gründen.28

Wer im celestialen Reich erhöht wird, wird „auf ewig Nachkommen haben“. So jemand lebt in einem Familienverband.29

Wir wissen durch das Evangelium Jesu Christi, dass die Familieneinheit, was die Erhöhung in der celestialen Herrlichkeit angeht, vollständig sein wird – eine Einheit, in der Vater, Mutter und Kinder der einen Generation mit Vater, Mutter und Kindern der nächsten Generation verbunden sind und die sich solcherart bis zum Ende der Zeit ausweitet und verzweigt.30

Diese herrlichen Segnungen eines ewigen Erbteils … stellen sich nur dann ein, wenn wir gewillt sind, die Gebote zu halten und nötigenfalls sogar mit Christus zu leiden. Mit anderen Worten, von den Anwärtern auf das ewige Leben – die größte Gabe Gottes – wird erwartet, dass sie alles auf den Altar legen, was sie haben, wenn es von ihnen gefordert werden sollte, denn selbst dann – und auch wenn von ihnen gefordert werden sollte, dass sie ihr Leben für sein Werk niederlegen – könnten sie ihn niemals für den überreichen Segen bezahlen, den sie empfangen haben und der ihnen verheißen ist, sofern sie seinen Gesetzen und Geboten gehorchen.31

Wenn wir der Welt entsagt und das Evangelium in seiner Fülle empfangen haben, sind wir Anwärter auf die celestiale Herrlichkeit; ja, sogar mehr als das, sofern wir dem Glauben treu bleiben, denn der Herr hat uns zugesichert, dass wir durch unsere Glaubenstreue in das celestiale Reich eintreten werden. …

Leben wir so, dass uns unser Platz gewiss ist, und so, dass wir durch das Leben, das wir führen, wissen, dass wir in seine Gegenwart eingehen und bei ihm wohnen werden und eine Fülle der Segnungen empfangen, die verheißen worden sind. Wer unter den Heiligen gibt sich denn mit etwas Geringerem zufrieden als der Fülle der Errettung, die uns verheißen ist? … Es ist notwendig, dass wir in Demut und im Geist der Umkehr vorwärtsstreben und die Gebote bis ans Ende halten, denn unsere Hoffnung und unser Ziel ist das ewige Leben, und dies ist das Leben in der Gegenwart des Vaters und des Sohnes. „Das ist das ewige Leben“, sagte der Herr, „dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“ [Johannes 17:3.]32

Ich befinde mich jetzt, wie man so schön sagt, in der Abenddämmerung des Lebens, und mir ist bewusst, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft aufgerufen werde, einen Bericht über meine Treuhandschaft hier auf der Erde zu geben. …

Ich bin mir sicher, dass wir alle den Herrn lieben. Ich weiß, dass er lebt, und ich freue mich auf den Tag, da ich sein Angesicht sehen werde, und ich hoffe, dass ich ihn dann zu mir sagen höre: „Komm her, [der du] von meinem Vater gesegnet [bist, nimm] das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für [dich] bestimmt ist.“ (Matthäus 25:34.)

Ich bete darum, dass dieses glückliche Los uns allen beschieden ist, wenn die Zeit für uns gekommen ist.33

Anregungen für Studium und Unterricht

Fragen

  • Fällt Ihnen, wenn Sie die Tagebucheintragung unter der Überschrift „Aus dem Leben von Joseph Fielding Smith“ lesen, eine Zeit ein, in der Ihr Zeugnis vom Erlösungsplan Sie getröstet hat? Wie können Sie einem Angehörigen oder Freund helfen, derartigen Trost zu empfangen?

  • Wie können uns Präsident Smiths Aussagen über den Rat im Himmel helfen, wenn wir einer Prüfung ausgesetzt sind? (Siehe Abschnitt 1.)

  • Präsident Smith hat gesagt, dass wir die Tatsache nicht außer Acht lassen dürfen, dass der Fall Adams und Evas auch Segnungen mit sich gebracht hat (siehe Abschnitt 2). Warum ist es wichtig, dass wir uns diese Tatsache vor Augen halten? Welche Segnungen haben Sie infolge des Falls erhalten?

  • Was hat Präsident Smiths Beispiel von dem Mann, der in eine Grube fällt (siehe Abschnitt 3), mit unserem Leben zu tun? Denken Sie darüber nach, wie der Erlöser Sie durch sein Sühnopfer errettet hat.

  • Was können wir Präsident Smiths Worten in Abschnitt 4 über den Zweck des Erdenlebens entnehmen? Was hat der Herr uns gegeben, um uns zu helfen, diese Prüfungszeit sicher zu überstehen?

  • Wie können Sie jemandem die Aussage von Präsident Smith in Abschnitt 5, dass „der Tod … genauso notwendig [ist] wie die Geburt“, verständlich machen? Wie wirkt sich die Lehre von der Auferstehung auf Ihr Leben aus?

  • Inwiefern unterscheidet sich weltlicher Reichtum von dem ewigen Erbteil, das wir durch den Erlösungsplan erlangen können? (Siehe Abschnitt 6.) Inwiefern können wir uns besser auf das ewige Leben vorbereiten, wenn wir diese Unterschiede verstehen?

Einschlägige Schriftstellen

Ijob 38:4-7; 2 Nephi 2:15-29; 9:5-27; Alma 12:20-35; LuB 19:16-19; Mose 5:10-12

Unterrichtshilfe

„Um uns zu helfen, aus der heiligen Schrift und den Worten der Propheten der Letzten Tage zu lehren, hat die Kirche Leitfäden und anderes Material herausgegeben. Man braucht also kaum noch weitere Nachschlagewerke oder Unterlagen.“ (Lehren, die größte Berufung – ein Nachschlagewerk für die Unterweisung im Evangelium, Seite 52.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Aus Joseph Fielding Smith Jr. und John J. Stewart, The Life of Joseph Fielding Smith, 1972, Seite 117f.

  2.   2.

    „To the Saints in Great Britain“, Ensign, September 1971, Seite 4

  3.   3.

    Aus „Pres. Smith Tells of Parents’ Duty“, Church News, 3. April 1971, Seite 10

  4.   4.

    Ansprache am Religionsinstitut in Logan, Utah, 10. Januar 1971, Seite 3; unveröffentlichtes Manuskript

  5.   5.

    „Is Man Immortal?“, Improvement Era, Februar 1916, Seite 318; siehe auch Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 3 Bände, 1954–1956, 1:58

  6.   6.

    Elijah the Prophet and His Mission und Salvation Universal, 1957, Seite 65f.

  7.   7.

    Herbst-Generalkonferenz 1966

  8.   8.

    „Principles of the Gospel: The Infinite Atonement – Redemption, Salvation, Exaltation“, Deseret News, Kirchenteil, 22. April 1939, Seite 3; siehe auch Doctrines of Salvation, 1:115

  9.   9.

    „The Atonement“, Deseret News, Kirchenteil, 2. März 1935, Seite 7; siehe auch Doctrines of Salvation, 1:122

  10.   10.

    Elijah the Prophet and His Mission und Salvation Universal, Seite 79f.

  11.   11.

    Seek Ye Earnestly, Hg. Joseph Fielding Smith Jr., 1970, Seite 118ff.

  12.   12.

    „Principles of the Gospel: The Infinite Atonement – Redemption, Salvation, Exaltation“, Seite 5; siehe auch Doctrines of Salvation, 1:123

  13.   13.

    Elijah the Prophet and His Mission und Salvation Universal, Seite 79f.

  14.   14.

    „Principles of the Gospel: The Infinite Atonement – Redemption, Salvation, Exaltation“, Seite 5; siehe auch Doctrines of Salvation, 1:123

  15.   15.

    Elijah the Prophet and His Mission und Salvation Universal, Seite 81

  16.   16.

    „Purpose and Value of Mortal Probation“, Deseret News, Kirchenteil, 12. Juni 1949, Seite 21; siehe auch Doctrines of Salvation, 1:132

  17.   17.

    Ansprache am Religionsinstitut in Logan, Utah, 10. Januar 1971, Seite 3; unveröffentlichtes Manuskript

  18.   18.

    „The Plan of Salvation“, Ensign, November 1971, Seite 5

  19.   19.

    „I Know That My Redeemer Liveth“, Ensign, Dezember 1971, Seite 26

  20.   20.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1965

  21.   21.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1964

  22.   22.

    „Purpose and Value of Mortal Probation“, Seite 21; siehe auch Doctrines of Salvation, 1:69

  23.   23.

    Aus „Services for Miss Nell Sumsion“, Utah Genealogical and Historical Magazine, Januar 1938, Seite 10f.

  24.   24.

    „What Is Spiritual Death?“, Improvement Era, Januar 1918, Seite 191f.; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:216f.

  25.   25.

    Answers to Gospel Questions, Hg. Joseph Fielding Smith Jr., 5 Bände, 1957–1966, 5:103; ohne Hervorhebungen

  26.   26.

    „The Law of Chastity“, Improvement Era, September 1931, Seite 643; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:85f.

  27.   27.

    The Way to Perfection, 1931, Seite 21f.

  28.   28.

    Sealing Power and Salvation, Brigham Young University Speeches of the Year, 12. Januar 1971, Seite 2

  29.   29.

    Privatkorrespondenz zitiert in Doctrines of Salvation, 2:287; ohne Hervorhebungen

  30.   30.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1942; siehe auch Doctrines of Salvation, 2:175

  31.   31.

    The Way to Perfection, Seite 23

  32.   32.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1922

  33.   33.

    „Let the Spirit of Oneness Prevail“, Ensign, Dezember 1971, Seite 136