Die Macht der Vergebung

Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, 2011


„Komm, lieber Bruder, her zu mir, der Krieg ist nun zu Ende; Wir reichen uns, der Freund dem Freund, wie ehedem die Hände.“

Aus dem Leben von Joseph Smith

Im Sommer des Jahres 1839 gab der Prophet der Stätte, an der sich die Heiligen am Illinoisseitigen Ufer des Mississippi versammelten, den Namen Nauvoo. Der Name ist hebräischen Ursprungs und bezeichnet „eine schöne Lage, einen schönen Ort, lässt dabei aber auch an Ruhe denken“.1 Unter der Leitung des Propheten begannen die Heiligen, das Dorf Commerce in eine wunderschöne Stadt zu verwandeln. Zunächst ersetzten sie ihre Hütten und Zelte durch Blockhäuser, dann entstanden viele Holzhäuser und massive Backsteinhäuser. Sie pflanzten Obstbäume und schattenspendende Bäume, Weinstöcke und Büsche, um ihre großen Grundstücke zu verschönen. In ihrem schönen Nauvoo erhofften sich die Heiligen einen friedevollen Zufluchts-ort, wo sie die Verfolgungen von Missouri hinter sich lassen konnten.

In dieser Bauphase hatte Joseph Smith ein Erlebnis, das sein gütiges Gemüt und seine Bereitschaft verdeutlicht, anderen zu vergeben, sodass sie die Fehler der Vergangenheit hinter sich lassen können. Daniel Tyler berichtete darüber:

„Ein Mann, der in der Kirche einen hohen Stand hatte, als er in Far West [Missouri] war, erkrankte an Schüttelfrost und Fieber. Während sein Sinn und sein Körper schwach waren, beeinflussten ihn unzufriedene Gruppen und überredeten ihn, die Heiligen zu verlassen und mit ihnen zu gehen. Er sagte einiges gegen den Propheten aus. Während sich die Heiligen in Commerce niederließen, zog er, nachdem er sich von seiner Krankheit erholt hatte, von Missouri nach Quincy, Illinois. Dort ging er an die Arbeit, Klafterholz zu machen. Damit wollte er Geld verdienen, um mit seiner Familie nach Nauvoo zu gehen und dem verwundeten Mann Gottes ein Geschenk zu machen, dass dieser ihm vielleicht vergeben und erlauben würde, wieder in die Herde zurückzukommen. … Er fühlte, dass für ihn nirgendwo sonst Errettung zu finden war und dass, wenn ihm dies verwehrt würde, für ihn alles verloren war. Er zog los mit sorgenvollem Herzen und gesenktem Blick.

Während er unterwegs war, ließ der Herr Bruder Joseph wissen, dass er auf dem Weg sei. Der Prophet blickte aus dem Fenster und sah ihn die Straße hinaufkommen. Sobald er sich daranmachte, das Tor aufzumachen, sprang der Prophet von seinem Stuhl auf, lief hinaus und traf ihn im Hof, wo er ihm zurief: ‚Oh Bruder –, ich bin so froh, dich zu sehen!‘ Er fiel ihm um den Hals und beide weinten wie Kinder.

Es genügt zu sagen, dass er völlige Wiedergutmachung leistete und der gefallene Mann wiederum durch die Tür in die Kirche eintrat, das Priestertum wieder erhielt, einige wichtige Missionen erfüllte, sich mit den Heiligen in Zion sammelte und im Glauben stark starb.“2

George Q. Cannon, der als Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft diente, gab weitere Hinweise auf Joseph Smiths vergebungsbereites Wesen: „Mit seinem standhaften Eintreten für die Wahrheit und seinem unnachgiebigen Festhalten an den Geboten Gottes war Joseph den Schwachen und Irrenden immer barmherzig gesinnt. Im Sommer 1835 war er in Ratsversammlungen und Sitzungen in Kirtland und Umgebung und wurde ausgewählt, an Verhandlungen gegen mehrere Mitglieder teilzunehmen, denen vorgeworfen wurde, Äußerungen gegen die Präsidentschaft der Kirche gemacht zu haben. Egal, ob er für oder gegen den Beklagten zu sprechen hatte und obwohl er selbst vielleicht derjenige war, der fälschlich beschuldigt worden war – er ging mit so viel Behutsamkeit und Gerechtigkeit vor, dass er die Liebe aller gewann.“3

Lehren von Joseph Smith

Es obliegt uns, den Grundsatz der Barmherzigkeit umzusetzen und unseren Brüdern und Schwestern zu vergeben

„Es ist einer der schönsten Augenblicke, die es auf Erden geben kann, wenn eine Sünde, die von einem Menschen gegen einen anderen begangen wurde, vergeben wird; und man dann nach dem erhabenen und vollkommenen Beispiel des Erretters zu unserem Vater im Himmel betet, [dem Sünder] auch zu vergeben.“4

„Wendet immer das Prinzip der Barmherzigkeit an und seid bereit, unserem Bruder bei den ersten Anzeichen der Umkehr und Bitte um Vergebung auch zu vergeben; und sollten wir unserem Bruder oder selbst unserem Feind sogar vergeben, bevor er umkehrt und um Vergebung bittet, wird unser himmlischer Vater ebenso barmherzig mit uns verfahren.“5

„Vertragt euch und ertragt euch, denn so meint es der Herr mit uns. Betet für eure Feinde in der Kirche, und flucht nicht euren Feinden draußen; denn mein ist die Rache, spricht der Herr, und ich werde vergelten [siehe Römer 12:19]. Jedem ordinierten Mitglied und allen anderen sagen wir: Seid barmherzig, dann werdet ihr Barmherzigkeit erlangen. Trachtet danach, Seelen erretten zu helfen, und nicht, sie zu vernichten; denn Ihr wisst doch: Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren [siehe Lukas 15:7].“6

Eliza R. Snow berichtete diese Worte des Propheten: „[Die Heiligen] sollten sich mit Barmherzigkeit wappnen, auch wenn es Übeltun unter uns gibt. Er sagte, er habe daran mitgewirkt, das Übeltun ans Licht zu bringen – der Gedanke mache ihn traurig, ja, erschrecke ihn, dass sich so viele der Verdammnis des Teufels auslieferten und dem Verderben entgegengingen. Voller Traurigkeit sagte er: ‚Es sind ja unsere Mitmenschen, wir haben sie früher geliebt; sollen wir sie dann nicht ermuntern, dass sie sich bessern? Wir haben ihnen noch nicht siebenundsiebzigmal vergeben, wie es der Herr uns geboten hat [siehe Matthäus 18:21,22]; vielleicht haben wir ihnen noch kein einziges Mal vergeben. Jetzt gibt es einen Tag der Errettung für diejenigen, die umkehren und sich bessern.“7

„Angenommen, Jesus und die heiligen Engel hätten wegen geringfügiger Dinge etwas gegen uns einzuwenden – was würde aus uns werden? Wir müssen zueinander barmherzig sein und über Kleinigkeiten hinwegsehen.“8

Willard Richards, ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf, berichtete: „Joseph sagte, zwischen ihm und dem Himmel sei alles in Ordnung; er hege gegen niemand feindliche Gefühle, und wie Jesus gebetet habe, so bete auch er, Joseph: Vater, vergib mir meine Verfehlungen, wie auch ich denen vergebe, die sich gegen mich verfehlen [siehe Matthäus 6:12,14]; denn ich vergebe allen Menschen vorbehaltlos. Wenn wir Nächstenliebe erreichen und pflegen wollen, müssen wir die anderen lieben, ja sowohl unsere Feinde als auch unsere Freunde.“9

Vergeben stellt die Einheit der Gefühle wieder her

„Es schmerzt mich, dass wir keine umfassendere Kameradschaft haben; wenn ein Mitglied leidet, fühlen alle anderen mit; durch die Einheit der Gefühle erlangen wir Macht von Gott. Christus hat gesagt, er sei gekommen, die Sünder zur Umkehr zu rufen, um sie zu erretten. Christus wurde von den selbstgerechten Juden verurteilt, weil er sich in der Gesellschaft von Sündern bewegte. Er verkehrte mit ihnen unter der Voraussetzung, dass sie von ihren Sünden umkehrten. … Wenn [ein Sünder] umkehrt, sind wir verpflichtet, ihn aufzunehmen, ihn mit Freundlichkeit zu heiligen und durch unseren Einfluss und indem wir über ihn wachen, ihn von aller Sündhaftigkeit zu reinigen. … Nichts ist mehr dazu angetan, die Menschen dahin zu bringen, dass sie der Sünde entsagen, als dass man sie bei der Hand nimmt und sich mit Zartgefühl um sie sorgt.“10

Der Prophet Joseph Smith schrieb an eine Gruppe von Führern der Kirche: „Nun, Brüder, lasst mich euch sagen, meine Haltung ist, zu geben und zu vergeben, zu tragen und zu ertragen, mit aller Langmut und Geduld, die Schwachheiten, die Torheiten, die Schwächen und die Schlechtigkeit meiner Brüder und der ganzen Menschheit; und mein Vertrauen in euch und meine Liebe für euch hat nicht nachgelassen und ist auch nicht schwächer geworden. Und nun, wenn es euch abverlangt würde, mit uns eine Weile irgendeine unserer Schwächen oder Torheiten zu ertragen, und solltet ihr, mit uns, selbst zurechtgewiesen werden, dann seid nicht verärgert. … Wenn ihr und ich uns persönlich treffen, wird sich ohne jeden Zweifel – davon gehe ich aus – jegliche dieser Angelegenheiten aufklären und es wird vollkommene Liebe vorherrschen; und das heilige Bündnis, durch das wir verbunden sind, wird in unserem Herzen den höchsten Platz einnehmen.“11

Der Prophet Joseph Smith sagte in einer Versammlung mit seinen Ratgebern in der Ersten Präsidentschaft und den Zwölf Folgendes: „Ich habe bisweilen im Eifer des Gefechts zu harsch gesprochen, und wenn ich eure Gefühle verletzt haben sollte, Brüder, so bitte ich euch um Verzeihung, denn ich liebe euch und halte euch von ganzem Herzen in aller Rechtschaffenheit hoch – vor dem Herrn und vor allen Menschen. Denn seid versichert, Brüder, dass ich gewillt bin, dem reißenden Strom aller Feindseligkeit Einhalt zu gebieten, in Sturm und Orkan, in Donner und Blitz, zu Wasser und zu Land, in der Wildnis wie unter falschen Brüdern oder unter dem Pöbel oder wohin auch immer Gott uns in seiner Vorsehung rufen mag. Und ich bin entschlossen, dass weder Höhe noch Tiefe, weder Gewalten noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendein Geschöpf mich von euch trennen soll [siehe Römer 8:38,39].

Und ich will nun mit Euch vor Gott geloben, dass ich irgendwelchen abfälligen Berichten über einen von Euch weder Gehör noch Glauben schenken werde und dass ich Euch auf kein Zeugnis unter dem Himmel hin verurteilen will, es sei denn ein unfehlbares Urteil, ehe ich Euch persönlich sehe und es mit Bestimmtheit weiß. Und ich setze uneingeschränktes Vertrauen in Euer Wort, denn ich glaube, dass Ihr Männer der Wahrheit seid. Und ich erbitte das Gleiche von Euch – wenn ich Euch etwas sage, dass Ihr ein ebensolches Vertrauen in mein Wort setzt, denn ich werde Euch nicht sagen, dass ich etwas weiß, wenn ich es nicht weiß.“12

Im Herbst des Jahres 1835 war William, der Bruder des Propheten, mit einer seiner Entscheidungen nicht einverstanden, wurde zornig und begann, den Propheten abfällig zu behandeln, und ermunterte andere, das auch zu tun. Dieses Verhalten betrübte den Propheten und er schrieb William: „Ich wünsche mir, Bruder William, dass du dich demütigst. Ich vergebe dir vorbehaltlos, und du kennst meine unerschütterliche und unwandelbare Haltung; ich weiß, wem ich vertraue; ich stehe auf dem Felsen; die Fluten können mich nicht, nein, sie werden mich nicht zu Fall bringen. Du weißt, dass die Lehre, die ich verkünde, wahr ist. Du weißt, dass Gott mich gesegnet hat. … Du weißt, dass es meine Pflicht ist, dich zu ermahnen, wenn du etwas Falsches tust. Diese Freiheit werde ich mir immer nehmen, und du sollst das gleiche Vorrecht haben. Ich nehme mir die Freiheit, dich zu ermahnen, weil es mein Geburtsrecht ist; und ich gewähre dir das gleiche Vorrecht, weil es meine Pflicht ist, demütig zu sein und mich von einem Bruder oder einem Freund zurechtweisen und unterweisen zu lassen. …

Und möge Gott nun dem Haus meines Vaters barmherzig sein; möge Gott die Feindseligkeit zwischen mir und dir hinwegnehmen; und mögen alle Segnungen wiederhergestellt werden und die Vergangenheit für immer vergessen sein. Möge uns demütige Umkehr sowohl zu dir, o Gott, und unter deine Macht und deinen Schutz bringen als auch eine Krone, um uns der Gesellschaft von Vater, Mutter, Alvin, Hyrum, Sophronia, Samuel, Catherine, Carlos, Lucy, den Heiligen und all den Geheiligten für immer in Frieden zu erfreuen, ist das Gebet deines Bruders.“13

Am 1. Januar 1836 sagte der Prophet das Folgende über seine Anstrengungen, dieses Problem in seiner Familie zu lösen: „Trotz der Dankbarkeit, die mein Herz im Rückblick auf das vergangene Jahr erfüllt, und der vielen Segnungen, die unser Haupt gekrönt haben, schmerzt mir das Herz wegen der Schwierigkeiten, die es in der Familie meines Vaters gibt. … Ich bin entschlossen, dass es von meiner Seite aus an nichts fehlen soll, um noch heute alle Schwierigkeiten in der Familie auszugleichen, freundschaftlich zu bereinigen und beizulegen, damit das nächste Jahr und alle folgenden, seien es wenige oder viele, in Rechtschaffenheit vor Gott verbracht werden können. …

Die Brüder William und Hyrum und Onkel John Smith kamen in mein Haus und wir zogen uns in Begleitung von Vater und Elder Martin Harris in ein Zimmer zurück. Vater Smith begann dann das Gespräch mit einem Gebet, anschließend nahm er die Gelegenheit wahr, sich sehr gefühlvoll und herzergreifend, mit aller Anteilnahme eines Vaters, dessen Gefühle durch die in der Familie bestehenden Schwierigkeiten tief verletzt waren, zu äußern; und während er zu uns sprach, ruhte der Geist Gottes mit Macht auf uns und unsere Herzen schmolzen dahin. Bruder William legte ein demütiges Bekenntnis ab und bat mich für die gegen mich gerichtete Missachtung um Vergebung. Und, worin ich vom Weg abgekommen war, bat ich ihn um Vergebung.

Und der Geist des Bekennens und Vergebens war einhellig bei uns allen, und wir schlossen vor Gott, den heiligen Engeln und den Brüdern ein Bündnis miteinander, dass wir von nun an danach streben würden, einander in allem in Rechtschaffenheit aufzubauen und nicht auf die schlechten Berichte über einen von uns zu hören; vielmehr würden wir wie wahre Brüder mit unseren Sorgen im Geist der Sanftmut aufeinander zugehen und uns abstimmen und so zu unserem Glück, zum Glück der Familie und, kurz gesagt, zum Glück und Wohlbefinden aller beizutragen. Meine Frau, meine Mutter und mein Schreiber wurden dann hereingerufen und wir wiederholten das Bündnis, das wir eingegangen waren; und während Dankbarkeit unser Herz füllte, flossen uns die Tränen. Ich wurde dann gebeten, das Gespräch mit einem Gebet zu beenden, was ich auch tat; und es war wahrlich eine Zeit des Jubelns.“14

Indem wir den Umkehrwilligen Langmut, Geduld und Barmherzigkeit erweisen, können wir dazu beitragen, sie zur „Freiheit von Gottes geliebten Kindern“ zu bringen

Ende 1838 war William W. Phelps, vorher ein vertrauenswürdiges Mitglied der Kirche, einer derer, die falsches Zeugnis gegen den Propheten und andere Führer der Kirche ablegten, was zu deren Einkerkerung in Missouri führte. Im Juni 1840 schrieb Bruder Phelps an Joseph Smith und bat ihn um Vergebung. Der Prophet Joseph Smith antwortete: „Ich muss gestehen, ich schreibe Dir diese paar Zeilen als Antwort auf Dein Schreiben vom 29. [vergangenen Monats] mit nicht gewöhnlichen Gefühlen; gleichzeitig bin ich hocherfreut, dass ich das tun darf.

Du kannst dir wohl einigermaßen vorstellen, was meine und auch Elder Rigdons und Bruder Hyrums Gefühle waren, als wir deinen Brief lasen – unser Herz zerfloss vor Mitgefühl und Erbarmen, als wir deine Vorsätze und alles Weitere in Erfahrung brachten. Ich kann dir versichern, dass ich gern bereit bin, in deinem Fall so zu handeln, dass es die Zustimmung Jahwes (dessen Diener ich bin) finden und mit den Grundsätzen der Wahrheit und Rechtschaffenheit vereinbar sein wird, die offenbart worden sind; und da Langmut, Geduld und Barmherzigkeit schon immer charakteristisch dafür waren, wie unser himmlischer Vater mit den Demütigen und Bußfertigen umgeht, bin ich geneigt, diesem Beispiel zu folgen, die gleichen Grundsätze hochzuhalten und somit ein Erretter meiner Mitmenschen zu sein.

Es ist richtig, wir haben infolge Deines Verhaltens viel zu leiden gehabt – der bittere Kelch, schon voll genug für den Sterblichen, der ihn trinken muss, wurde wirklich zum Überfließen gebracht, als du dich gegen uns wandtest. Einer, mit dem wir in Freundschaft verbunden waren, mit dem wir viel Erfrischendes vom Herrn zusammen erlebt haben – ‚denn nicht mein Feind beschimpft mich, das würde ich ertragen‘ [siehe Psalm 55:13-15]. ‚Als die Fremden sein Heer gefangen nahmen, als die Feinde seine Tore besetzten und das Los warfen über [Far West], da standest du dabei, du wurdest wie einer von ihnen. Sei nicht schadenfroh am Tag deines Bruders, am Tag seines Unheils! Reiß deinen Mund nicht so auf am Tag der Not!‘ [Siehe Obadja 1:11,12.]

Immerhin, der Kelch ist geleert, der Wille unseres Vaters ist geschehen, und wir sind noch immer am Leben, wofür wir dem Herrn danken. Und nachdem wir durch die Barmherzigkeit unseres Gottes aus den Händen schlechter Menschen befreit worden sind, sagen wir, dass du nun das Recht hast, aus der Macht des Widersachers befreit und in die Freiheit von Gottes geliebten Kindern gebracht zu werden und wiederum deinen Stand unter den Heiligen des Höchsten einzunehmen und dich durch Eifer, Demut und ungeheuchelte Liebe unserem Gott und deinem Gott und der Kirche Jesu Christi anzuempfehlen.

Ich glaube, dass dein Bekenntnis echt und deine Umkehr aufrichtig ist, und so wird es mich freuen, dir wiederum die rechte Hand der Gemeinschaft zu reichen, und ich werde über die Rückkehr des verlorenen Sohnes glücklich sein.

The Prophet Joseph freely forgave W. W. Phelps and others.

William W. Phelps, hier nach seiner Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen mit Joseph Smith abgebildet, schrieb über den Propheten, der ihm so freimütig vergeben hatte: „Preiset den Mann, der einst sprach mit Jehova“ (Gesangbuch, Nr. 17).

Dein Brief wurde letzten Sonntag den Heiligen vorgelesen, und es wurde ihre Meinung festgestellt; folgender einstimmiger Beschluss wurde gefasst: W. W. Phelps soll wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden.

‚Komm, lieber Bruder, her zu mir, der Krieg ist nun zu Ende; Wir reichen uns, der Freund dem Freund, wie ehedem die Hände.‘“15

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite VII–XIII.

  • Diese Lektion enthält mehrere Berichte darüber, wie Joseph Smith anderen vergeben hat. Lesen Sie noch einmal die Berichte auf den Seiten 435f., 440f. und 441ff. Wie können diese Berichte jemandem helfen, der Schwierigkeiten damit hat, einem anderen zu vergeben?

  • Welche Segnungen erhalten wir, wenn wir denen vergeben, die uns beleidigt oder verletzt haben? Warum fällt es uns manchmal schwer, anderen zu vergeben? Was können wir tun, um mehr Vergebungsbereitschaft zu entwickeln?

  • Auf Seite 437f. finden Sie kurze, weise Aussagen zum Thema Vergebung. Zum Beispiel: „Vertragt euch und ertragt euch, denn so meint es der Herr mit uns.“ „Seid barmherzig, dann werdet Ihr Barmherzigkeit erlangen.“ „Trachtet danach, Seelen erretten zu helfen, und nicht, sie zu vernichten.“ „Wir müssen zueinander barmherzig sein und über Kleinigkeiten hinwegsehen.“ Was entnehmen Sie diesen Aussagen?

  • Lesen Sie im Absatz, der unten auf der Seite 393 beginnt, noch einmal nach, was der Prophet Joseph Smith über die Auswirkungen von Güte und Mitgefühl gesagt hat. Warum halten Sie seinen Rat für zutreffend? Welche Erfahrungen haben Sie schon mit diesen Grundsätzen gemacht?

  • Lesen Sie noch einmal den dritten Absatz auf Seite 438. Welche Probleme können wir vermeiden, wenn wir diesen Rat befolgen? Warum ist es manchmal schwer, diesem Rat zu folgen? Wie können wir der Versuchung widerstehen, negativen Berichten anderer Menschen zu glauben?

  • In seinem Bemühen, anderen zu vergeben, sprach der Prophet von seinem Wunsch, dem Beispiel des himmlischen Vaters zu folgen (Seite 443) und „nach dem erhabenen und vollkommenen Beispiel des Erretters“ zu leben (Seite 437). Um welche Charaktereigenschaften sollten wir uns bemühen, wenn wir uns anstrengen, dem Beispiel unseres himmlischen Vaters und Jesu Christi zu folgen?

Einschlägige Schriftstellen: Psalm 86:5; Matthäus 18:21-35; 1 Nephi 7:16-21; Mosia 26:29-31; LuB 64:9-11

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    History of the Church, 4:268; aus einem Brief von Joseph Smith und seinen Ratgebern in der Ersten Präsidentschaft an die Heiligen, 15. Januar 1841, Nauvoo, Illinois, veröffentlicht in Times and Seasons, 15. Januar 1841, Seite 273f.

  2.   2.

    Daniel Tyler, „Recollections of the Prophet Joseph Smith“, Juvenile Instructor, 15. August 1892, Seite 491; Absatzeinteilung geändert

  3.   3.

    George Q. Cannon, The Life of Joseph Smith, the Prophet, 1888, Seite 190f.

  4.   4.

    History of the Church, 6:245; aus „A Friendly Hint to Missouri“, einem Artikel, der auf Weisung von Joseph Smith geschrieben wurde, 8. März 1844, Nauvoo, Illinois, veröffentlicht in Times and Seasons, 15. März 1844, Seite 473

  5.   5.

    History of the Church, 3:383; aus einer Rede von Joseph Smith am 2. Juli 1839 in Montrose, Iowa; aufgezeichnet von Wilford Woodruff und Willard Richards

  6.   6.

    History of the Church, 2:230, Fußnote; aus „To the Saints Scattered Abroad“, Messenger and Advocate, Juni 1835, Seite 138

  7.   7.

    History of the Church, 5:19f.; Absatzeinteilung geändert; aus einer Rede von Joseph Smith am 26. Mai 1842 in Nauvoo, Illinois; aufgezeichnet von Eliza R. Snow

  8.   8.

    History of the Church, 5:23; aus einer Rede von Joseph Smith am 9. Juni 1842 in Nauvoo, Illinois; berichtet von Eliza R. Snow

  9.   9.

    History of the Church, 5:498; aus einer Rede von Joseph Smith am 9. Juli 1843 in Nauvoo, Illinois; aufgezeichnet von Willard Richards

  10.   10.

    History of the Church, 5:23f.; aus einer Rede von Joseph Smith am 9. Juni 1842 in Nauvoo, Illinois; aufgezeichnet von Eliza R. Snow

  11.   11.

    Brief von Joseph Smith an Edward Partridge und andere, 30. März 1834, Kirtland, Ohio; in Oliver Cowdery Letterbook, Seite 34f., Huntington Library, San Marino, Kalifornien; Kopie im Archiv der Kirche

  12.   12.

    History of the Church, 2:374; Absatzeinteilung geändert; aus dem Protokoll einer Ratsversammlung der Ersten Präsidentschaft und den Zwölf Aposteln am 16. Januar 1836 in Kirtland, Ohio; aufgezeichnet von Warren Parrish

  13.   13.

    History of the Church, 2:343; aus einem Brief von Joseph Smith an William Smith, 18. Dezember 1835, Kirtland, Ohio

  14.   14.

    History of the Church, 2:352; Absatzeinteilung geändert; Tagebucheintrag von Joseph Smith, 1. Januar 1836, Kirtland, Ohio

  15.   15.

    History of the Church, 4:162ff.; Absatzeinteilung geändert; aus einem Brief von Joseph Smith an William W. Phelps, 22. Juli 1840, Nauvoo, Illinois