14. Kapitel: Treue Staatsbürger sein

"14. Kapitel: Treue Staatsbürger sein," Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph F. Smith, (1999)


Aus dem Leben von Joseph F. Smith

Präsident Joseph F. Smith war ein vorbildlicher Bürger seines Landes und diente seinem Gemeinwesen. Er gehörte von 1865 bis 1882 mehrmals dem Territorialparlament in Utah an und war Mitglied der Konvention von 1895, die die Verfassung des Bundesstaats Utah entwarf.

Präsident Smith, der die Gewalttätigkeit des Pöbels in Nauvoo erlebt hatte, sprach häufig davon, wie wichtig es ist, dass in einer zivilisierten Gesellschaft das Gesetz beachtet wird. Er und seine Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft forderten die Heiligen eindringlich auf, gesetzestreue Bürger zu sein, wo immer sie lebten, und ihrem Staat die Treue zu halten. 1 Einmal, als ein Staatsbeamter Verachtung für die Verfassung der Vereinigten Staaten äußerte, hielt Präsident Smith ihm entgegen: „Die Heiligen der Letzten Tage können eine solche Einstellung nicht tolerieren. Das ist Anarchie. Es bedeutet Zerstörung. Das ist die Gesinnung der Pöbelherrschaft, und der Herr weiß, dass wir unter der Pöbelherrschaft genug gelitten haben und nicht noch mehr davon haben wollen. … Wir können es uns nicht leisten, uns auch nur im geringsten auf so etwas einzulassen. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass Mißachtung der Verfassung unseres Landes und der verfassungsgemäßen Gesetze unseres Landes sich breitmachen.“ 2

Lehren von Joseph F. Smith

Die Heiligen der Letzten Tage sind ihrem Land treu.

Tun wir das Rechte, befolgen wir die Gesetze Gottes und die Gesetze der Menschen, ehren wir unsere Mitgliedschaft im Reich Gottes, unsere Zugehörigkeit … zu dem Land, in dem wir leben, dann unterstützt und bewahrt Gott uns, und wir werden weiter wachsen, wie es seit Anbeginn der Fall ist, nur wird unser zukünftiges Wachstum rascher vonstatten gehen und viel größer sein als in der Vergangenheit. 3

Lehrt eure Kinder, das Gesetz Gottes und das Gesetz des Staates und das Gesetz unseres Landes zu ehren. Lehrt sie, diejenigen zu achten und in Ehren zu halten, die vom Volk gewählt werden, an der Spitze zu stehen und Gerechtigkeit walten zu lassen und das Gesetz zu vollstrecken. Lehrt sie, ihrem Land treu zu sein, der Rechtschaffenheit und Ehre treu zu sein, denn dadurch wachsen sie zu Männern und Frauen heran, die vor allen Männern und Frauen der Welt erwählt sind. 4

Ein wahrer Heiliger der Letzten Tage zu sein bedeutet, dass man eins der besten Kinder Gottes auf der Welt ist. … Ein guter Heiliger der Letzten Tage ist ein guter Bürger, ob er Bürger Großbritanniens, der Vereinigten Staaten, Hollands, Deutschlands oder irgendeines anderen Landes in der Welt ist. Wenn er ein guter Heiliger der Letzten Tage ist, ist er verpflichtet, ein guter Bürger des Landes zu sein, das ihn geboren oder in dem er sich niedergelassen hat. … Ein Bürger des Gottesreichs sollte in der ganzen Welt zu den Besten im Volk Gottes gehören. 5

Ich bete nicht nur für das Wohlergehen Zions, sondern für das Wohlergehen unseres Landes. Wir dürfen nie vergessen, dass wir nicht nur Bürger des Gottesreichs, sondern auch Bürger des Staates sind, in dem wir leben. … Wir sind seit jeher unserem Staat und Land treu, genauso wie der Kirche Gottes. … Wir sind bereit, die Schlachten unseres Landes zu schlagen, seine Ehre zu verteidigen, seinen guten Namen hoch zu halten, und wir wollen diese Treue gegenüber unserem Land und unserem Volk bis ans Ende beibehalten. 6

Wenn Patriotismus und Loyalität Eigenschaften sind, die sich in Friedenszeiten in einem gerechten, mäßigen, wohlwollenden, fleißigen und tugendhaften Leben äußern, in Zeiten der Prüfung in Geduld, wobei Widerstand gegen wirkliches oder eingebildetes Unrecht nur mit gesetzmäßigen Mitteln geäußert wird und man sich den Gesetzen des Landes unterwirft, auch wenn das Kummer und Leid mit sich bringt, und wenn in Kriegszeiten die Bereitschaft da ist, die Schlachten des Landes zu schlagen – dann sind die „Mormonen“ doch zweifellos patriotisch und loyal. 7

Der Herr, der allmächtige Gott, segne euch. Mein Herz ist von Segnungen für die Heiligen der Letzten Tage erfüllt. Ich liebe den Menschen, von dem ich weiß, dass es sich um einen ehrlichen, aufrechten, treuen Heiligen der Letzten Tage handelt, von ganzem Herzen. Ein solcher Mensch ist einer der besten Bürger eines jeden Lands; er ist in jeder Stadt, jedem Landkreis, jedem Staat, jedem Land, wo immer er sein mag, ein guter Bürger, und er ist einer der allerbesten. Ein wirklicher Heiliger der Letzten Tage ist ein guter Ehemann, ein guter Vater, ein guter Nachbar, ein guter Staatsbürger und insgesamt ein guter Mensch. 8

Rechtschaffenheit erhöht ein Land.

Das typische „Mormonenzuhause“ ist der Tempel der Familie. … Hier werden die sittlichen Regeln und religiösen Wahrheiten vermittelt, die, insgesamt, die Rechtschaffenheit ausmachen, die ein Land erhöht, und die Sünde abwehren, die ja keinem Volk zur Zierde gereicht. … Hier sind unsere Söhne und Töchter, unterwerft sie einer vergleichbaren Prüfung, wenn ihr wollt; Achtung vor der Wahrheit, Ehrfurcht vor dem Alter und vor Gott, Liebe zu den Menschen, Loyalität gegenüber der Heimat, Achtung vor dem Gesetz, kultivierte Sitten und zuletzt … Reinheit im Denken und Keuschheit im Verhalten. Es ist kein ungebührliches Eigenlob, von den Generationen unserer Mitglieder, die in einer „Mormonenfamilie“ zur Welt kommen und aufwachsen, zu sagen, sie ständen, was die christlichen Tugenden und alles, was einen guten Staatsbürger ausmacht, im Vergleich zu irgendeinem Gemeinwesen in diesem oder einem anderen Land gut da. 9

Der „Mormonismus“ ist zum Nutzen der Welt in der Welt. Er lehrt die Wahrheit, vermittelt Sittlichkeit, wacht über die Reinheit der Familie, ehrt Autorität und Staat, fördert die Bildung und erhöht den Menschen, ja, unsere Religion stellt sich gegen das Verbrechen und ist ein Feind aller Tyrannei, in welcher Form sie auch auftritt. Der „Mormonismus“ ist darauf bedacht, die Gesellschaft aufzubauen, nicht darauf, sie zu zerstören. 10

Ein guter Heiliger der Letzten Tage ist in jeder Hinsicht ein guter Staatsbürger. Ich möchte den jungen Männern in unserem Gemeinwesen sagen: seid vorbildliche Heilige der Letzten Tage und lasst euch durch nichts davon abbringen, die höchsten Ämter anzustreben, die unser Land zu bieten hat. Wenn ihr euch einen Platz gesichert habt, dann lasst eure Tugend, eure Redlichkeit, eure Ehrlichkeit, eure Fähigkeiten, eure religiösen Lehren, die euch auf dem Schoß eurer engagierten „Mormonenmutter“ vermittelt worden sind, „so vor den Menschen leuchten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ [siehe Matthäus 5:16]. 11

Möge der Herr unseren Staat segnen und diejenigen, die die Macht in Händen halten, dahingehend beeinflussen, dass sie das tun, was rechtschaffen und vor Gott annehmbar ist. 12

Wir halten an der Trennung von Kirche und Staat fest.

Den Mitgliedern der Kirche wird durch göttliche Offenbarung geboten …: „Keiner soll die Gesetze des Landes brechen, denn wer die Gesetze Gottes einhält, der braucht die Gesetze des Landes nicht zu brechen.“ [LuB 58:21.] 13

Bezüglich der Gesetze der Kirche heißt es ausdrücklich: …

„Siehe, die Gesetze, die ihr von mir empfangen habt, sind die Gesetze der Kirche, und in diesem Sinne sollt ihr sie darlegen.“ [LuB 58:23.]

Das heißt, dass kein Gesetz, keine Regel, keine Offenbarung seitens der Kirche für den Staat bestimmt ist. Unsere Gesetze und Offenbarungen sind einzig und allein für die Leitung der Kirche bestimmt.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vertritt die Lehre von der Trennung von Kirche und Staat, davon, dass kirchliche Autoritäten sich nicht in politische Angelegenheiten einmischen sollten, davon, dass der einzelne seinen politischen Pflichten völlig frei und unabhängig nachkommen sollte. Wenn jemals jemand dieser Lehre zuwiderhandelt, geschieht das nicht im Einklang mit den etablierten Grundsätzen und Richtlinien der Kirche.

Wir verkünden, dass wir grundsätzlich und unseren Richtlinien gemäß folgende Haltung einnehmen: die absolute Trennung von Kirche und Staat, der Staat darf nicht von der Kirche beherrscht werden, die Kirche darf sich in keine staatlichen Aufgaben einmischen, der einzelne kann seinen politischen Aufgaben nachkommen, ohne von kirchlicher Autorität beherrscht zu werden, alle Kirchen sind vor dem Gesetz gleich. 14

Die Kirche mischt sich nicht in die Politik ein; ihre Mitglieder gehören politischen Parteien an, wie es ihnen gefällt. … Sie werden nicht gebeten und noch weniger aufgefordert, eine bestimmte Partei zu wählen. … Aber ihre Bürgerrechte können ihnen von Rechts wegen nicht genommen werden, und es gibt dafür auch keinen Grund, denn normalerweise sind sie so loyal, so besonnen, so gebildet, so ehrlich, so fleißig, so tugendhaft, so sittlich, so sparsam und in jeder anderen Hinsicht genauso würdig wie jeder im Land und auf der Erde. 15

Wir sind der Staatsgewalt untertan, bis das Reich Gottes kommt.

Die Bibel, die zu den heiligen Schriften der „Mormonenkirche“ zählt, enthält zahlreiche Vorhersagen und Verheißungen bezüglich der Aufrichtung der Gottesherrschaft auf der Erde, dazu, dass eine rechtschaffene Herrschaft aufgerichtet wird, die sich über den ganzen Erdball erstrecken soll. Das ist tatsächlich das Reich Gottes. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist in Vorbereitung auf dieses Reich gegründet worden. Ihr Evangelium ist „das Evangelium vom Reich“. Ihre Grundsätze und Verordnungen, ihre Vollmacht und ihre Gaben sind himmlischen Ursprungs. Sie ist deshalb das geistige „Himmelreich“ und besitzt den Einfluss und die Macht, die den Weg zur Erfüllung der Prophezeiungen eröffnen sollen, die die allumfassende Herrschaft des Gottessohns betreffen. 16

Es wird manchmal darauf hingewiesen, dass die Mitglieder der Kirche nach dem tatsächlichen Beginn des Gottesreichs auf der Erde Ausschau halten, das alle Reiche der Welt in ein einziges, sichtbares, göttliches Reich versammelt, über das der auferstandene Messias regieren wird.

All dies, so wird behauptet, mache es einem „Mormonen“ unmöglich, seinem Land oder irgendeinem irdischen Staat wirklich treu zu sein. …

Wir leugnen, dass unser Glaube an göttliche Offenbarung oder die Erwartung des künftigen Gottesreichs unsere aufrichtige Treue gegenüber unserem Land in irgendeiner Weise schmälert. Wann das göttliche Reich aufgerichtet wird, wissen wir vielleicht nicht besser als andere Christen, die beten: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.“ [Matthäus 6:10.] Aber dies wissen wir, nämlich dass unsere Treue gegenüber unserem Land dadurch noch stärker wird, dass wir, während wir auf das Kommen des Reichs des Messias warten, dem göttlichen Gebot unterstehen, der Staatsgewalt untertan zu sein, bis der kommt, „dessen Recht es ist zu regieren“ [LuB 58:22]. 17

Anregungen für das Studium

  • Warum sollten die Heiligen der Letzten Tage dem Land, in dem sie leben, treu sein? (Siehe auch LuB 134:5.) Wie können wir unserem Land unsere Treue erweisen und es ehren, auch wenn wir mit seiner Politik manchmal nicht einverstanden sind?

  • Wie können wir unsere Kinder lehren, gute Staatsbürger zu sein?

  • Welche Aufgaben haben wir als Staatsbürger? Warum sollte ein glaubenstreuer Heiliger der Letzten Tage zu den besten Staatsbürgern seines Landes gehören?

  • Inwiefern erhöht die persönliche Rechtschaffenheit ein Land? Warum ist die Rechtschaffenheit eine wichtige Eigenschaft eines guten Staatsbürgers? Welche Rolle sollte die Rechtschaffenheit im Leben derer spielen, die ein öffentliches Amt anstreben oder innehaben?

  • Inwiefern hilft die Trennung von Kirche und Staat den Menschen, nach ihrem Glauben zu leben? (Siehe auch LuB 134:7,9.) Warum ist es wichtig, dass man in politischen Fragen keiner kirchlichen Autorität untersteht?

  • Was ist das Reich Gottes, das da kommen soll, und wer wird diesem Reich untertan sein?

Quellenangaben anzeigen

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    1. Siehe James R. Clark, Hg., Messages of the First Presidency of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 6 Bde. (1965–75), 4:165.

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    2.  Gospel Doctrine, 5. Auflage (1939), 404.

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    3.  Gospel Doctrine, 409f.

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    4.  Messages of the First Presidency, 5:55.

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    5. „Discourse by President Joseph F. Smith,“ Millennial Star, 27. September 1906, 610.

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    6. In Conference Report, April 1905, 46.

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    7.  Messages of the First Presidency, 4:150.

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    8. In Conference Report, April 1910, 8.

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    9.  Messages of the First Presidency, 4:147.

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    10.  Messages of the First Presidency, 4:154.

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    11. „Editor’s Table: Congress and the ‚Mormons,‘ „ Improvement Era, April 1903, 473.

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    12. In Conference Report, Oktober 1908, 127.

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    13.  Messages of the First Presidency, 4:81.

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    14.  Messages of the First Presidency, 4:153; Absatzeinteilung geändert.

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    15. „Editor’s Table: The Probable Cause,“ Improvement Era, Juni 1903, 626.

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    16.  Messages of the First Presidency, 4:81.

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    17.  Messages of the First Presidency, 4:154.