43. Kapitel: Der Vater und seine Familie

"43. Kapitel: Der Vater und seine Familie," Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph F. Smith, (1999)


Aus dem Leben von Joseph F. Smith

Sein Leben lang trug Joseph F. Smith die Erinnerung an seinen Vater Hyrum Smith, der den Märtyrertod gestorben war, im Herzen. Am 27. Juni 1918 präsidierte er auf dem Friedhof von Salt Lake City, wo zu Ehren seines Vaters ein Denkmal errichtet worden war. Zu diesem Anlass sagte er: „Ich bin heute mit fünfunddreißig lebenden Kindern gesegnet, die alle, soweit ich weiß, fest zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage stehen, und ich glaube, ihr ganzes Herz gehört dem Werk des Herrn. Ich bin stolz auf meine Kinder. Ich habe heute über sechsundachtzig Enkelkinder. … Ich bin reich; der Herr hat mich mit Kindern und Kindeskindern reich gesegnet. … Ich möchte, dass ihr hier die kleine Schar meiner Enkelkinder betrachtet – sie sind hier, sie alle. Ich liebe sie. Ich kenne sie alle. Immer wenn ich sie sehe, küsse ich sie, so wie meine Kinder.“1

Später merkte sein Sohn Joseph Fielding Smith, der von 1970 bis 1972 als Präsident der Kirche diente, an, die Liebe seines Vaters zu seiner Familie sei „unermesslich und rein gewesen. Die Welt wusste nicht – und konnte es auch gar nicht wissen – wie tief seine Liebe zu ihr war. Die Schlechten und Lasterhaften haben ihn verspottet und verunglimpft, aber die wahre Natur seines Familienlebens und die wundervolle Liebe zu seiner Familie können sie gar nicht begreifen. Oh, wie er betete, seine Kinder mögen immer treu sein – Gott treu, ihren Mitmenschen treu, einander und ihm treu! … Mögen sie allesamt ihm und der Sache, die er sein sterbliches Leben hindurch so treu vertreten hat und die ihm in diesem Leben am meisten am Herzen lag, treu sein.“ 2

Lehren von Joseph F. Smith

Die Familie ist durch nichts zu ersetzen.

Die Familie ist durch nichts zu ersetzen. Ihre Grundlage ist so alt wie die Welt, und ihre Mission hat Gott in frühester Urzeit festgelegt. … Das Zuhause, das eine Familie beherbergt, ist mehr als eine Behausung, es ist eine Institution, die Stabilität und Liebe verkörpert – für den einzelnen ebenso wie für das ganze Land.

Es kann außerhalb der Familie kein wahres Glück geben, und jede Anstrengung, ihren Einfluss zu heiligen und zu bewahren, erhebt diejenigen, die sich für den Bestand der Familie abmühen und Opfer bringen. Männer und Frauen sind manchmal darauf aus, etwas anderes an die Stelle der Familie zu setzen; sie reden sich ein, Familie bedeute Einschränkung und die größte Freiheit bestehe darin, sich bewegen zu können, wie man will. Ohne Dienen gibt es aber kein Glück, und kein Dienst ist größer als der, der das Zuhause in eine göttliche Institution verwandelt und das Familienleben fördert und bewahrt.

Wer sich den dazugehörigen Verpflichtungen entzieht, dem fehlt ein ganz wichtiger Aspekt des Wohlergehens der Gesellschaft. Man mag vielleicht gesellschaftlichen Vergnügungen nachgehen, aber sie sind nur oberflächlich und führen später zu Enttäuschung. Der Beruf führt den Mann manchmal aus dem Kreis der Familie fort, aber der Gedanke daran, dass er wieder nach Hause kommen wird, begeistert ihn und bewegt ihn dazu, alles gut und recht zu machen. 3

In der idealen Familie verkümmert die Seele nicht, und auch die Entwicklung der edleren Gefühle wird nicht durch die plumperen sinnlichen Vergnügungen gehemmt. Das Hauptziel besteht nicht darin, materiellen Reichtum anzuhäufen, was einen im allgemeinen immer weiter vom wahren, idealen Leben, vom Geistigen wegführt. Vielmehr ist man darauf bedacht, seelischen Reichtum zu schaffen, das Bewusstein großer Leistungen, einen reichen Strom an Liebe und Hilfsbereitschaft.

Nicht die kostbaren Gemälde und Teppiche, wertvoller Zierrat, allerlei Schmuck, teure Möbel und Felder, Herden, Häuser und Grundbesitz machen das ideale Zuhause aus, auch nicht die gesellschaftlichen Vorteile und Annehmlichkeiten, nach denen viele Menschen hartnäckig streben. Es ist vielmehr die Schönheit der Seele, ein liebreicher, treuer, aufrichtiger Geist; hilfsbereite Hände und ein mitfühlendes Herz, Liebe, die nicht das Ihre sucht, Gedanken und Handlungen, die unser Leben edler machen – das alles bildet die Grundlage der idealen Familie. 4

In der Familie hat der Vater die Vollmacht zu präsidieren.

In allem, was die Familie betrifft, gibt es keine höhere Autorität als die des Vaters, vor allem wenn er das höhere Priestertum trägt. Diese Autorität ist altehrwürdig; sie ist vom Volk des Herrn zu allen Evangeliumszeiten hochgehalten und von den Propheten unter göttlicher Inspiration oft hervorgehoben worden. Die patriarchalische Ordnung ist göttlichen Ursprungs, und sie wird in Zeit und Ewigkeit bestehen bleiben. Es gibt also einen speziellen Grund dafür, dass Mann, Frau und Kind diese Ordnung und Autorität im Haushalt des Gottesvolks verstehen sollen, dass sie sich bemühen sollen, sie zu dem zu machen, wozu Gott sie bestimmt hat: zur Voraussetzung und Vorbereitung auf die höchste Erhöhung seiner Kinder. …

Diese Autorität bringt Verantwortung mit sich, und zwar eine sehr schwerwiegende, aber auch Rechte. Ein Mann kann gar nicht vorbildlich genug leben, er kann gar nicht sorgfältig genug darauf achten, dass er sich an die göttlichen Regeln für das Verhalten in der Familie hält. Mit dieser Autorität gehen auch einige Verheißungen und Segnungen einher, und wer die Autorität achtet und anerkennt, hat Anspruch auf die Gunst des Herrn, die einem nur zuteil wird, wenn man die Gesetze befolgt, die Gott für die Führung der Familie erlassen hat. 5

Ich möchte … den Beamten der Kirche einprägen, wie notwendig es ist, den Vater in allen Angelegenheiten zu Rate zu ziehen, die mit der Berufung seines Sohnes zum Priestertum oder zu irgendeiner Arbeit in der Kirche zu tun haben, damit nicht die Achtung und Verehrung, die das Kind für seine Eltern empfindet, von der Kirche gestört oder von ihren Beamten beeinträchtigt wird. Dann herrschen Eintracht und guter Wille, und zu den Aufgaben des heiligen Priestertums kommt nun noch die Sicherung der Familie und des Familienlebens hinzu, worauf ja die Kirche beruht. So wird in allem, was wir tun, auf Einigkeit und Stärke hingewirkt. 6

Väter, erfüllt eure Pflicht gegenüber eurer Familie vorbehaltlos.

Wenn [der Vater] bei der Erfüllung seiner zeitlichen Pflichten den Geist des Herrn mit sich hat, wird er die Mutter seiner Kinder und seine Kinder niemals vernachlässigen. Er wird sie die Grundsätze des Lebens lehren und ihnen ein gutes Beispiel geben. Tut niemals etwas, wobei ihr eurem Sohn, wenn er es täte, sagen müsstet: „Tu das nicht.“ Lebt so, dass ihr sagen könnt: „Mein Sohn, tu, was ich tue, folge mir nach, eifere meinem Beispiel nach.“ So sollte ein Vater leben, ein jeder von uns. Es ist eine Schande, wenn ein Mitglied der Kirche einen Weg geht, von dem es weiß, dass er nicht richtig ist, und den seine Kinder besser nicht gehen sollten. Es ist eine Schande, wenn ein Mann sich selbst daran hindert, seine Pflicht gegenüber denen, die ihn lieben und die er mehr lieben sollte als sein Leben, voll und ganz zu erfüllen, indem er falschen Begierden und niedrigen Leidenschaften nachgibt und Dinge tut, die er nicht tun sollte und von denen er seine Kinder abhalten würde. Tut eure Pflicht, meine Brüder, dann tut der Herr für euch das Seine. 7

Brüder, es gibt in der Familie zu wenig religiöses Engagement, zu wenig Gottesliebe und -furcht; es gibt in der Familie zu viel Weltlichkeit, Egoismus, Gleichgültigkeit und Ehrfurchtslosigkeit, sonst gäbe es das draußen nicht so überreichlich. Also muss die Familie reformiert werden. Bemüht euch heute und morgen, in eurer Familie etwas zu ändern, indem ihr zweimal täglich gemeinsam betet; bittet eure Kinder und eure Frau, mit euch zu beten. Bitten um einen Segen über jede Mahlzeit, die ihr zu euch nehmt. Lest zehn Minuten lang ein Kapitel aus den Worten des Herrn in der Bibel, im Buch Mormon, im Buch Lehre und Bündnisse, ehe ihr schlafen geht oder ehe ihr euch an eure tägliche Arbeit begebt. Nährt euer geistiges Ich zu Hause und in der Öffentlichkeit. Mögen Liebe und Frieden und der Geist des Herrn, Güte, Nächstenliebe, Opferbereitschaft in eurer Familie reichlich vorhanden sein. Verbannt harte Worte, Neid, Hass, üble Nachrede, obszöne Ausdrücke und Sticheleien und Gotteslästerung, und lasst den Geist Gottes von eurem Herzen Besitz ergreifen. Lehrt eure Kinder dies im Geist und in der Macht, durch Übung unterstützt und gestärkt. Zeigt ihnen, dass ihr aufrichtig seid, und praktiziert, was ihr predigt. 8

Ich bitte euch und bete, Gott möge euch helfen, ihr Väter und Mütter, dass ihr eure Kinder die Grundsätze und Weisungen des Evangeliums Jesu Christi lehrt, damit sie ohne Sünde zur Errettung heranwachsen. Ich bete, Gott möge euch helfen, eure Kinder in der Liebe zur Wahrheit zu erziehen, in der Liebe zur Tugend, frei von den verderblichen Lastern der Welt, frei von Befleckung, von Trunkenheit, von Tabak, von starkem Getränk und Drogen und von Lastern aller Art. Lehrt sie, ein reines Leben zu führen – mit reinen Gewohnheiten, damit sie ein heiliger Tempel sind, in dem der Geist des lebendigen Gottes wohnen und eine geeignete Wohnstätte finden kann. Das ist eure Pflicht und meine Pflicht; es ist die Pflicht eines jeden, seine Kinder dies zu lehren und sie so zu erziehen, dass sie den richtigen Weg gehen. 9

Mögen die Väter in Israel so leben, wie sie leben sollen, und ihre Frau so behandeln, wie sie sie behandeln sollen, ihr Haus so behaglich gestalten, wie es nur geht, ihrer Frau die Last so leicht machen, wie sie nur irgend können, ihren Kindern ein gutes Beispiel geben und sie lehren, morgens und abends gemeinsam zu beten und, wenn sie sich niedersetzen, um zu essen, die Barmherzigkeit Gottes anzuerkennen, der ihnen ihr Essen schenkt, dazu die Kleidung, die sie tragen, ja, dass sie die Hand Gottes in allem anerkennen. 10

Die Familienbindung ist für die Ewigkeit bestimmt.

Gott ist das Oberhaupt der Menschheit; wir betrachten ihn als den Vater aller. Und am besten ehren wir ihn, indem wir unsere Väter und Mütter achten und ehren, da sie uns ja das Leben hier auf der Erde geschenkt haben. 11

Die Organisation Familie bildet die Grundlage aller wahren Regierung, und es kann gar nicht zu deutlich gesagt werden, wie wichtig es ist, dass die Führung in der Familie so vollkommen ist wie nur irgend möglich und dass sie in jeder Hinsicht so weit wie möglich respektiert wird. 12

Die Bindung [innerhalb der Familie] ist nicht nur für dieses Leben – für die Erdenzeit im Unterschied zur Ewigkeit – vorgesehen. Wir gehen Bindungen und Gemeinschaften für Zeit und Ewigkeit ein. Unsere Zuneigungen und Wünsche sind nicht nur für dieses zeitliche oder irdische Leben vorgesehen, sondern auch für die ganze Ewigkeit. Wo gibt es denn jemanden – außer den Heiligen der Letzten Tage –, der sich dem Gedanken hingäbe, dass die Familie über den Tod hinaus fortbesteht, so dass sich Vater, Mutter und Kinder in ihrem gegenseitigen Verhältnis anerkennen? Wer glaubt denn daran, dass die Familie im großen, vollkommenen Werk Gottes ein Ganzes ist, das durch alle Zeit und in alle Ewigkeit fortbestehen soll? 13

Ich habe die herrliche Verheißung, dass ich mit meinen Lieben in alle Ewigkeit vereint sein kann. Sofern ich diesem Werk, dem Evangelium Jesu Christi, gehorsam bin, werde ich meine Familie um mich scharen können, meine Kinder und Kindeskinder, bis sie zahlreich sind wie die Nachkommen Abrahams, unzählbar wie der Sand am Meer. Denn dies ist mein gutes Recht, wie es auch das gute Recht eines jeden Heiligen der Letzten Tage ist, der das Priestertum trägt und es vor Gott groß macht. 14

Letztlich liegt wahre Größe darin, dass man das, was Gott allen Menschen als ihr gemeinsames Schicksal bestimmt hat, gut macht. Ein erfolgreicher Vater und eine erfolgreiche Mutter zu sein, ist mehr wert, als ein erfolgreicher General oder ein erfolgreicher Staatsmann zu sein. 15

Anregungen für das Studium

  • Was soll das Hauptziel des Vaters in der Familie sein? Inwiefern muss sich seine Sorge für die Familie sowohl auf zeitliche als auch auf geistige Belange erstrecken? Wie kann ein Vater in seiner Familie ein Gefühl des seelischen Reichtums schaffen?

  • Welche Elemente bilden die Grundlage einer idealen Familie? Warum ist es Aufgabe des Vaters, darauf zu achten, dass diese Dinge gepflegt werden?

  • Wie können Frau und Kinder das Oberhaupt der Familie unterstützen? Was muss ein Ehemann und Vater tun, um der Unterstützung seiner Familie würdig zu sein?

  • Wie sorgt der Herr dafür, dass auch alleinstehende Frauen die Segnungen des Priestertums erhalten?

  • Inwiefern wird der Vater gestärkt und die Familie gesegnet, wenn der Vater von den Priestertumsführern zu Rate gezogen und respektiert wird?

  • Was müsste in unseren heutigen Familien reformiert werden? Was können die Väter tun, um der Weltlichkeit entgegen zu wirken und in ihrer Familie die religiöse Gesinnung zu fördern?

  • Inwiefern ist es für uns ein Segen, dass wir wissen, dass unsere familiären Bindungen in Ewigkeit fortbestehen können? Was kann ein Vater tun, um seiner Familie die Ewigkeit zu sichern?

Quellenangaben anzeigen

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    1. In „The Hyrum Smith Monument,“ Improvement Era, August 1918, 860f.; Absatzeinteilung geändert.

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    2.  Life of Joseph F. Smith, Hg. Joseph Fielding Smith (1938), 4.

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    3.  Gospel Doctrine, 5. Auflage (1939), 300.

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    4.  Gospel Doctrine, 303f.

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    5.  Gospel Doctrine, 286–88.

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    6.  Gospel Doctrine, 162f.

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    7. In Conference Report, April 1915, 7.

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    8.  Gospel Doctrine, 301f.

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    9. In Conference Report, Oktober 1911, 132.

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    10.  Gospel Doctrine, 288.

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    11.  Gospel Doctrine, 162.

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    12.  Gospel Doctrine, 162.

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    13.  Gospel Doctrine, 277.

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    14.  Gospel Doctrine, 108f.

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    15.  Gospel Doctrine, 285.