Lehren der Präsidenten der Kirche
Kapitel 15: Treuer, tatkräftiger Dienst im Reich Gottes


Kapitel 15

Treuer, tatkräftiger Dienst im Reich Gottes

Da wir wissen, dass unsere Religion wahr ist, müssen wir, was die Sache angeht, der wir uns verpflichtet haben, die hingebungsvollsten Menschen auf dem ganzen Erdboden sein.

Aus dem Leben von Lorenzo Snow

Gegen Ende des Jahres 1851 verfasste die Erste Präsidentschaft einen Brief, in dem alle Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel aufgefordert wurden, „die Angelegenheiten in den verschiedenen Missionen zu regeln“ und bis April 1853 nach Salt Lake City zurückzukehren.1 Somit neigte sich die Mission Elder Snows in Italien dem Ende zu. Im Februar 1852 übergab er die Arbeit in die Obhut von Bruder John Daniel Malan, einem Neubekehrten, und reiste mit Elder Jabez Woodard in den Inselstaat Malta. Elder Snow hoffte, sich von Malta aus nach Indien einschiffen zu können. Die ersten Missionare in diesem Land waren unter seiner Leitung tätig, und er verspürte ein großes Verlangen, sie aufzusuchen. Er hatte vor, von dort aus „den Erdball komplett zu umrunden“ und über den Pazifik in den Westen der Vereinigten Staaten zurückzukehren.2

Doch Elder Snows Pläne änderten sich, als er mit Elder Woodard Malta erreichte. Er erfuhr, dass er mehrere Wochen auf der Insel festsitzen würde, weil ein Dampfschiff im Roten Meer mit einem Maschinenschaden liegengeblieben war. Anstatt sich über die verlorene Zeit zu beklagen, beschloss er, an die Arbeit zu gehen. In einem Brief vom 10. März 1852 schrieb er: „Ich habe das Gefühl, dass daraus, wie die Zeit, die mir jetzt zur Verfügung steht, auf Weisung des Herrn genutzt werden wird, viel Gutes hervorgehen wird. Denn ich befinde mich inmitten eines interessanten Volkes und in einem überaus wichtigen Arbeitsumfeld, wo ein großartiges Werk vollbracht werden wird, das sich auf die angrenzenden Nationen ausweiten wird.“ Er berichtete, er habe nach Elder Thomas Obray gesandt, einem Missionar in Italien, damit er unverzüglich komme und einen ausreichenden Vorrat an Broschüren und Büchern mitbringe. Elder Snow und seine Mitarbeiter wussten zwar nicht genau, wie sie in Malta vorgehen sollten, doch brachte er den Wunsch zum Ausdruck, dort einen Zweig der Kirche aufzurichten. Hierdurch, so sagte er, würden in geistiger Hinsicht die Fesseln vieler Nationen gelöst, da die Malteser viele Handelsbeziehungen unterhielten und überall an den Küstengebieten von Europa, Asien und Afrika zu finden seien.3

Am 1. Mai 1852 sandte Elder Snow einen Brief mit einem Bericht über den Fortschritt der Arbeit auf Malta. Darin schrieb er: „Die Leute suchen uns nun regelmäßig auf, um sich nach dieser ‚fremdartigen Religion‘ zu erkundigen. Vor ein paar Tagen hatten wir abends einmal in unserem Privatquartier Herren aus acht verschiedenen Ländern zu Gast, die aus verschiedenen Stadtteilen zu uns gekommen waren, um mit uns über unsere Lehren zu sprechen. Darunter waren auch welche aus Polen und Griechenland, die unsere Schriften nun mit besonders großem Interesse lesen. Zwei intelligente und geschäftstüchtige junge Männer – die Erstlingsfrüchte unseres Wirkens hier auf der Insel – werden mit ihren Fähigkeiten daran mitwirken, die Sache voranzubringen, der wir uns widmen. Einer von ihnen spricht mehrere Sprachen fließend und ist von uns zum Ältesten ordiniert worden.“3

Elder Snows Wunsch, in Indien zu dienen und die Welt zu umsegeln, erfüllte sich nie. Stattdessen folgte er während seines unerwarteten Aufenthalts in Malta eifrig dem Willen des Herrn und schuf die Grundlage für die Missionsarbeit dort. Als er sich im Mai 1852 endlich einschiffen konnte, reiste er statt nach Osten in den Westen und kehrte auf Weisung der führenden Brüder nach Salt Lake City zurück. Etwa zwei Monate später gründeten Elder Woodard und Elder Obray einen Zweig der Kirche in Malta.5 [Siehe Anregung 1 auf Seite 209.]

Lehren von Lorenzo Snow

Wir haben die Fülle des Evangeliums empfangen und sind daher Botschafter Christi

Wir bezeugen der ganzen Welt, dass wir durch göttliche Offenbarung wissen, ja, durch die Kundgebungen des Heiligen Geistes, dass Jesus der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Er hat sich Joseph Smith persönlich offenbart, so wie er es in alter Zeit, nachdem er aus dem Grab hervorgekommen war, bei seinen Aposteln getan hat. Und er hat ihm die himmlischen Wahrheiten kundgetan, durch die allein die Menschheit errettet werden kann. Das bedeutet, dass wir ein sehr wichtiges und verantwortungsvolles Amt übernehmen, da wir ja wissen, dass Gott uns dafür, wie wir mit dem heiligen Vertrauen, das er in uns setzt, umgegangen sind, zur Rechenschaft ziehen wird.

So wie die Apostel einst vor der Welt auftraten – nachdem sie ihren Auftrag vom auferstandenen Heiland empfangen hatten, nämlich das Evangelium des Reiches allen Nationen zu verkünden und allen, die ihren Worten Glauben schenken, die Gabe des Heiligen Geistes durch das Auflegen der Hände zu verheißen –, treten auch wir vor der Welt auf. So wie sie kraft ihres Amtes mit aller Gewissheit inmitten von Verfolgung und Widerstand erklärt haben, dass das Evangelium die Macht Gottes zur Errettung all jener ist, die glauben und gehorsam sind, erklären auch wir dies. So wie sie verkündet haben, dass der Glaube an den Herrn Jesus Christus, die Taufe zur Sündenvergebung und das Händeauflegen durch einen ordnungsgemäß Bevollmächtigten zum Empfang des Heiligen Geistes für die Erlösung unerlässlich sind, verkünden auch wir dies. So wie sie durch die Macht des Heiligen Geistes zu Zeugen für Jesus Christus wurden und seine Evangeliumsbotschaft glaubensvoll den Andern in aller Welt überbrachten, sind wir auf dieselbe Weise und durch denselben Heiligen Geist zu Zeugen für ihn geworden und bekleiden auch dasselbe Amt, da an uns derselbe göttliche und heilige Ruf ergangen ist.

Nachdem wir nun dieses Amt angenommen haben, nehmen wir alle Pflichten eines Botschafters Christi auf uns. Wir sind für das, was wir tun, und für die Art und Weise, wie wir die Talente und Fähigkeiten nutzen, die der Herr uns gegeben hat, selbst verantwortlich.6 [Siehe Anregung 2 auf Seite 209.]

Die Mitgliedschaft in der Kirche ist eine Berufung, bei der man anderen hilft, die Erlösung zu erlangen

Wenn der Herr einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen aus der Welt heraus beruft, dann hat er nicht unbedingt immer im Sinn, dass dieser Mensch oder diese Gruppe daraus Nutzen zieht. Der Herr hat nicht nur die Errettung einiger weniger im Blick, die man Heilige der Letzten Tage nennt, sondern die Errettung aller Menschen – der Lebenden und der Toten. Als der Herr den Abraham berief, machte er ihm gewisse Verheißungen in Bezug auf die Herrlichkeit, die auf ihn und auf seine Nachkommenschaft herabkommen sollte, und in diesen Verheißungen findet sich die folgende bemerkenswerte Aussage: In ihm und in seinen Nachkommen sollten alle Nationen der Erde gesegnet sein [vgl. Genesis 22:15-18; Abraham 2:9-11]. … Der Plan des Herrn sah vor, nicht nur Abraham und seine Nachkommenschaft zu segnen, sondern alle Familien der Erde. …

Als Jesus kam, brachte er sich nicht nur zugunsten der Israeliten oder der Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Jakobs als Opfer dar, sondern zugunsten aller Menschenkinder, auf dass in ihm alle Menschen gesegnet und alle Menschen errettet würden. Seine Mission bestand darin, Vorkehrungen zu treffen, das immerwährende Evangelium allen Menschenkindern zukommen zu lassen – nicht nur Israel, meine ich, sondern der ganzen Menschheit, und zwar nicht nur denen, die auf der Erde leben, sondern auch denen in der Geisterwelt. …

Wir tragen dasselbe Priestertum wie Jesus, und wir müssen so handeln wie er, nämlich unsere eigenen Wünsche und Gefühle zurückstellen, wie er es tat. Wir müssen nicht unbedingt so wie er als Märtyrer sterben, aber wir müssen Opfer bringen, um die Absichten Gottes zustande zu bringen. Andernfalls sind wir seines heiligen Priestertums nicht würdig und können keine Erlöser für die Welt sein. Gott beabsichtigt, uns nicht nur zum Erlöser vieler zu machen, die jetzt auf der Erde leben, sondern auch vieler in der Geisterwelt: Er wird uns nicht nur in die Lage versetzen, uns selbst zu erlösen, sondern uns befähigen, an der Erlösung vieler Nachkommen des Allmächtigen mitzuwirken.7 [Siehe Anregung 3 auf Seite 209.]

Jede Berufung und jede Aufgabe im Werk des Herrn ist wichtig

Die Frage lautet nun: Verstehen wir, welchen Platz wir einnehmen, begreifen wir in vollem Umfang, was für ein Werk wir hier vollbringen? Manchmal bin ich geneigt zu glauben, dass manche unserer Brüder, Älteste in Israel, sich allzu leicht und bereitwillig den Verpflichtungen entziehen, unter denen sie aufgrund ihrer Bündnisse stehen. Der Glaube, den sie einst besaßen, scheint fast erschöpft zu sein, und sie erwecken den Anschein, als würden sie sich ruhig und zufrieden damit begnügen, nur dem Namen nach ein Mitglied der Kirche zu sein.

Dann gibt es andere, die meinen, ihr Name sei nicht weithin bekannt, da sie vielleicht nur einen begrenzten Wirkungskreis haben. Daher mache es nicht viel aus, welche Gewohnheiten sie annehmen oder was für ein Beispiel sie ihren Brüdern geben. Wenn sie aber ein verantwortungsvolles Amt innehätten, wie etwa der Präsident der Kirche oder seine Ratgeber, wenn sie dem Kollegium der Zwölf angehören würden oder Präsident des Hoherats oder der Hohen Priester oder der Siebziger wären, würden sie ihrem Verhalten größere Bedeutung beimessen. Hierin offenbaren sie große Schwäche und grobe Unkenntnis. Ihre Lampe ist entweder verglimmt, oder sie haben nie erkannt, welchen Platz sie eingenommen haben, als sie die Pflichten des Evangeliums auf sich genommen haben.

Im Gleichnis vom anvertrauten Geld wird uns gesagt, dass es im Reich Gottes wie mit einem Mann ist, der auf Reisen ging und seinen Dienern sein Vermögen anvertraute. Dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines. Der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, begann mit ihnen zu wirtschaften und gewann noch fünf Talente dazu, womit er den ihm anvertrauten Anteil verdoppelte. Ebenso gewann der, der zwei Talente erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. Zweifelsohne war er der Ansicht, dass seine Aufgabe so klein war, dass er nicht viel tun konnte, und somit wollte er ein so minderwertiges Talent nicht mehren [siehe Matthäus 25:14-30]. Trifft das nicht genau auf den Zustand bei manchen unserer Ältesten zu? Da mag einer sagen: „Ich bin nur ein Tischler oder Schneider oder vielleicht nur ein Maurergehilfe, daher kann es nicht darauf ankommen, wie ich mich verhalte, ob ich meinen Pflichten in meinem bescheidenen Wirkungskreis ehrlich nachkomme oder nicht. Das wäre aber ganz anders, wenn ich in einem etwas bedeutenderen Amt wirken könnte, das mehr Verantwortung mit sich bringt.“

Halt, mein Bruder! Lassen Sie sich nicht von derart verlockenden Empfindungen irreführen. Es stimmt, vielleicht sind Sie nur ein Maurergehilfe. Aber bedenken Sie, dass Sie ein Ältester in Israel sind, ein Botschafter des Herrn Jesus Christus. Und wenn Sie Ihrer Pflicht nachkommen, besitzen Sie das, was die Welt Ihnen weder geben noch nehmen kann. Und Sie werden von Gott dafür zur Rechenschaft gezogen, ob Sie das Talent, das Sie für ihn verwalten sollen, ehrlich genutzt haben – sei es nun groß oder klein.

Sie üben wie gesagt einen gewissen Einfluss aus, sei er auch noch so klein. Er wirkt sich auf den Einzelnen oder auf mehrere aus, und für das, was Ihr Einfluss bewirkt hat, werden Sie mehr oder weniger zur Verantwortung gezogen. Daher haben Sie, ob Sie es eingestehen oder nicht, eine bedeutende Rolle vor Gott und den Menschen angenommen, über die man nicht hinwegsehen kann und aus der Sie nicht entlassen werden können, wenn Sie dem Namen treu bleiben wollen, den Sie tragen.

Was für Aussichten hat nun so jemand? Ich sage: Wenn er seine Berufung ehrt und wenn befunden wird, dass er dem Vertrauen gerecht geworden ist, das in ihn gesetzt wurde, sind seine Aussichten auf Errettung und Erhöhung im Reich Gottes genauso gut wie die jedes anderen auch. Wenn er versteht, welchen Platz er einnimmt, und entsprechend lebt, sind seine Aussichten so gut wie die eines jeden Mannes, der von den Tagen Adams an bis heute gelebt hat. Und gleichermaßen wichtig ist auch, dass er sich in seinem Wirkungskreis anständig verhält, so wie dies auch jemand tun sollte, der zu einer höheren Aufgabe berufen werden mag oder – mit anderen Worten – jemand, der als Verwalter über eine größere Anzahl Talente bestimmt worden ist. …

Der Herr fordert von dem, der nur ein Talent besitzt, nicht so viel wie von demjenigen, der mehr als eines hat, doch wird gemäß dem, was er hat, von ihm verlangt werden. Darum soll jedermann Mut beweisen und danach streben, die Talente, die er besitzt, zu mehren; und derjenige, der vielleicht das eine Talent hat, soll es nutzen und nicht in der Erde vergraben. Das heißt: Jemand, der vielleicht mit geringen Fähigkeiten beschenkt worden ist, soll sich verbessern und sich nicht beklagen, dass die Natur es mit ihm vielleicht nicht so gut gemeint hat wie mit seinem Bruder, der mehr Glück gehabt hat. Wir sollen mit unserem Los zufrieden sein, und wenn es nicht so begehrenswert ist, wie wir es uns wünschen, sollen wir mit dem gebotenen Fleiß daran arbeiten, es zu verbessern, und stets Dankbarkeit für unser Erdendasein empfinden, insbesondere aber noch dankbarer sein für den Geist Gottes, den wir aufgrund unseres Gehorsams gegenüber dem Evangelium empfangen haben. …

Einmal las ich eine Anekdote über einen Mann, der aufgrund seiner Weisheit und seiner Vaterlandsliebe großes Ansehen erlangt hatte. Aus Neid übertrug man ihm jedoch ein Amt, das als sehr entwürdigend angesehen wurde. Es wurde berichtet, dass er bei seinem Amtsantritt die folgenden wichtigen Worte sprach: „Das Amt mag mich vielleicht nicht ehren, doch ich will das Amt ehren.“ Viele Schwierigkeiten würden vermieden und unser Zustand und unsere Lage wären erheblich vielversprechender, wenn wir alle das Amt ehren würden, zu dem wir berufen wurden. Uns wird gesagt, dass der Herr persönlich Kleidungsstücke für unsere Stammeltern angefertigt hat. Anders ausgedrückt hat er sich bei dieser Gelegenheit als Schneider betätigt. Auch wissen wir, dass Jesus Christus Zimmermann war. Der Heiland muss wohl ein ehrenwerter und redlicher Zimmermann gewesen sein, sonst wäre er nie der Stellung würdig gewesen, die er später einnahm. Wenn wir die Brüder und Schwestern dazu bringen könnten, zu erkennen, wie wichtig es ist, ehrlich und treu in ihren jeweiligen Berufungen zu wirken, könnte viel von dem Ärger und den Schwierigkeiten, die wir erleben, vermieden werden. Das Werk Gottes würde mit doppelter Geschwindigkeit vorankommen, und all seine Absichten würden zügiger und schneller verwirklicht. Und nebenbei wären wir als Volk besser gewappnet als jetzt, seinen Willen zu verbreiten. …

Möge Gott Sie segnen, meine Brüder und Schwestern, und Sie befähigen, stets so zu handeln, dass Sie sich als kluge Verwalter dessen erweisen, was Ihnen anvertraut wurde.8 [Siehe Anregung 4 auf Seite 210.]

Wenn wir Gott mit Glauben, Tatkraft und Frohsinn dienen, stärkt er uns und führt uns zum Erfolg

Ich sage, die Menschen sollen Gott voll Glauben und mit Tatkraft dienen und dabei fröhlich sein. … Sicher gibt es Zeiten, da jemand Umständen ausgesetzt ist, die es sehr schwierig oder gar unmöglich machen, eine freudige Haltung einzunehmen. Aber das kommt äußerst selten vor.9

Da wir wissen, dass unsere Religion wahr ist, sollten wir, was die Sache angeht, der wir uns verpflichtet haben, die hingebungsvollsten Menschen auf dem ganzen Erdboden sein. Da wir wissen – oder es wissen sollten –, dass das Evangelium, das wir empfangen haben, all das verheißt, wonach unser Herz sich nur sehnen kann, sofern wir gläubig sind, sollten wir, wenn wir die Absichten und Wünsche des Herrn umsetzen, wie sie von Zeit zu Zeit durch seine Knechte offenbart werden, überaus gewissenhaft, hingebungsvoll, tatkräftig und ehrgeizig sein. Wir sollten unseren Pflichten nicht halbherzig nachkommen oder sie vernachlässigen, sondern uns mit aller Macht, ganzer Kraft und ganzem Herzen darum bemühen, uns bewusst zu machen, welche Berufung wir angenommen und welchem Werk wir uns verpflichtet haben.

Als Jesus auf der Erde war, gebot er seinen Jüngern, hinzugehen und das Evangelium ohne Geldbeutel oder Tasche zu verkünden. Sie sollten sich weder darum sorgen, was sie essen oder trinken, noch wie sie sich kleiden sollten. Sie sollten einfach nur hingehen und das bezeugen, was ihnen offenbart worden war. Als sie das taten, sicherten sie sich die Segnungen des Allmächtigen, und all ihre Anstrengungen waren von Erfolg gekrönt. Ihr Erfolg war unvermeidlich, und keine Macht konnte sich ihnen in den Weg stellen, um sie davon abzuhalten, einen überaus reichen Erfolg zu ernten. Denn sie gingen mit der Kraft des Allmächtigen hin, um seinen Willen auszuführen, und es war sein Werk, sie zu stärken und zu unterstützen und sie mit allem auszurüsten, was zum Erfolg führt. Durch ihren Gehorsam gegenüber den Geboten des Herrn sicherten sie sich die Segnungen des Lebens und den Vorzug, am Morgen der ersten Auferstehung hervorzukommen, und sie hatten die Zusicherung, dass sich ihnen aufgrund ihrer Werke keine Macht auf Erden erfolgreich entgegenstellen konnte. Solche Aussichten hätten mir auch gefallen, wenn ich in ihrer Situation oder in einer beliebigen anderen Situation gewesen wäre, denn ein nachdenkliches Gemüt erfreut sich doch bei jedem Unterfangen sehr an dem Gedanken, letztlich erfolgreich zu sein.

Wenn sich nun die Apostel eingebildet hätten, dasselbe Ziel erreichen zu können, indem sie etwas anderes tun als das, was ihnen geboten worden war, wären sie bei ihren Unternehmungen nicht so erfolgreich gewesen. Sie hätten auch nicht diese Erfolgsaussichten gehabt, die ihnen inmitten all der Prüfungen und der Verfolgung, denen sie ausgesetzt waren, zweifelsohne eine Quelle steter Freude und Zufriedenheit gewesen sind. …

Wenn sich die Apostel oder die Siebziger in der Zeit Jesu eingebildet hätten, sie hätten die ihnen übertragenen Aufgaben dadurch erfüllen können, dass sie eine Arche bauen, wie es Noach tat, oder dass sie Kornspeicher bauen und Korn einlagern, wie es Josef tat, hätten sie sich schwer geirrt.

Josef in Ägypten oblag es, eine Reihe spezieller Aufgaben zu erfüllen, die nur ihm aufgetragen worden waren. Es war ihm nicht geboten worden, das Evangelium ohne Geldbeutel oder Tasche zu verkünden, sondern er sollte Kornspeicher bauen und all seinen Einfluss beim König, bei den Edelleuten und dem Volk von Ägypten nutzen, damit ihr Korn für eine kommende Hungersnot eingelagert werden konnte. … Stellte man sich vor, Josef wäre nun an die Arbeit gegangen und hätte eine Arche gebaut, wäre er weder vom Herrn angenommen worden, noch hätte er das ägyptische Volk oder das Haus seines Vaters retten können. Wenn Noach Kornspeicher errichtet hätte anstatt eine Arche zu bauen, wie es ihm geboten worden war, hätten er und sein Haus nicht gerettet werden können. Was also uns betrifft, wenn Aufgaben an uns herangetragen werden, … was immer auch von uns innerhalb des Reiches des Allmächtigen erwartet wird, müssen wir die an uns gestellten Anforderungen beachten und diesen nachkommen, damit die Macht und der Einfluss unseres Gottes mit uns sind.10 [Siehe Anregung 5 auf Seite 210.]

Das Werk des Herrn ist gelegentlich schwierig, doch es bringt große Freude

Bei dieser Arbeit stoßen wir zwar auf allerlei Unannehmlichkeiten, dennoch geht große Freude mit ihr einher. Wenn wir zurückblicken und sehen, mit welcher Entschlusskraft wir uns der Sache der Wahrheit gewidmet haben und unsere Bündnisse halten wollten, empfinden wir große Freude, denn unsere Berufungen haben einen gewaltigen Einfluss auf uns, andernfalls könnten wir im Reich Gottes auch gar nicht Schritt halten.11

Erneuern wir vor Gott und den heiligen Engeln unsere Bündnisse, dass wir ihm, so wahr uns Gott helfe, im folgenden Jahr mit mehr Treue dienen als in der Vergangenheit, dass unser öffentliches und privates Leben, unser Handeln, unsere Wesensart und der Einfluss, den wir ausüben, im Einklang mit dem Leitspruch stehen mögen: „Das Reich Gottes und sonst gar nichts!“ Ich hoffe sehr, … dass wir uns voll und ganz dem Dienst für unseren Gott widmen, um sein Zion auf Erden aufzurichten, und eifrig im Sinne von Wahrheit und Rechtschaffenheit auf der Erde tätig sind, bis es uns eine Freude wird, so zu handeln; dass es uns in Fleisch und Blut übergeht, Gott zu dienen, seine Gebote zu halten und das celestiale Gesetz zu befolgen; dass wir den Heiligen Geist im Herzen haben und die Welt überwinden und das celestiale Gesetz unserem Sinn aufgeprägt ist und wir es in die Tat umsetzen; dass wir auf diese Weise uns selbst und unsere Vorzüge begreifen und uns in diesem Leben einen ansehnlichen Anteil an den Segnungen sichern, die mit dem celestialen Gesetz einhergehen und an denen wir uns in der celestialen Herrlichkeit erfreuen können.12 [Siehe Anregung 6 auf Seite 210.]

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Hinweise finden Sie auf Seite VII–X.

  1. Gehen Sie den Bericht auf Seite 199f. durch. Mit welchen Worten würden Sie die Einstellung beschreiben, mit der Lorenzo Snow dem Herrn gedient hat? Denken Sie darüber nach, was Sie tun können, um seinem Beispiel zu folgen.

  2. Sehen Sie sich den Abschnitt an, der auf Seite 201 beginnt. Warum bringt die Mitgliedschaft in der Kirche wohl so große Verantwortung mit sich? Was bedeutet es für Sie, ein Botschafter Christi zu sein?

  3. Präsident Snow hat erklärt, dass unsere Berufungen in der Kirche Gelegenheiten sind, „an der Erlösung“ der Kinder Gottes mitzuwirken (Seite 202f.). Wie könnte sich diese Sichtweise darauf auswirken, wie wir in der Kirche dienen?

  4. Präsident Snow hat uns aufgefordert, eifrig zu dienen, wie gering unsere Verantwortung auch sein mag (Seite 203–206). Haben Sie schon einmal beobachtet, wie jemand eine augenscheinlich unbedeutende Berufung oder Aufgabe geehrt hat?

  5. Lesen Sie den Abschnitt, der auf Seite 206 beginnt. Welchen Einfluss haben Glaube, Tatkraft und Frohsinn auf unseren Dienst?

  6. Lesen Sie den letzten Abschnitt dieses Kapitels (Seite 208f.). Haben Sie schon einmal die Freude empfunden, die der Dienst im Reich Gottes mit sich bringt? Wie können wir Freude in unserem Dienst finden, selbst wenn unsere Aufgaben mit Unannehmlichkeiten verbunden sind? Was können wir tun, um Kindern und Jugendlichen zu helfen, dem Herrn treu zu dienen?

Einschlägige Schriftstellen: Psalmen 100:2; 1 Korinther 12:12-31; Jakob 1:6,7; 2:3; Mosia 4:26,27; LuB 64:33,34; 72:3; 76:5,6; 107:99,100; 121:34-36

Unterrichtshilfe: „Bemühen Sie sich sehr, genau auf das zu hören, was die Lernenden sagen. Durch Ihr Beispiel lernen die Schüler dann besser, auch einander aufmerksam zuzuhören. Wenn Sie nicht verstanden haben, was jemand meint, fragen Sie ihn: ‚Ich fürchte, ich habe Sie nicht verstanden. Können Sie das noch einmal erklären?‘ Oder: ‚Können Sie ein Beispiel nennen, damit ich verstehe, was Sie meinen?‘“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 64.)

Anmerkungen

  1. Siehe Brigham Young, Heber C. Kimball und Willard Richards, „Sixth General Epistle of the Presidency of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“, Millennial Star, 15. Januar 1852, Seite 25

  2. Siehe „Address to the Saints in Great Britain“, Millennial Star, 1. Dezember 1851, Seite 365

  3. „The Gospel in Malta“, Millennial Star, 24. April 1852, Seite 141f.

  4. „The Malta Mission“, Millennial Star, 5. Juni 1852, Seite 236

  5. Siehe Jabez Woodard, „Italian Correspondence“, Millennial Star, 18. September 1852, Seite 476

  6. Deseret News: Semi-Weekly, 23. Januar 1877, Seite 1

  7. Deseret News: Semi-Weekly, 23. Januar 1883, Seite 1

  8. Deseret News: Semi-Weekly, 23. Januar 1877, Seite 1

  9. Deseret Semi-Weekly News, 30. März 1897, Seite 1

  10. Deseret News: Semi-Weekly, 31. März 1868, Seite 2

  11. Millennial Star, 29. Oktober 1888, Seite 690

  12. Frühjahrs-Generalkonferenz 1880

Elder Lorenzo Snow

„Wenn Sie Ihrer Pflicht nachkommen, besitzen Sie das, was die Welt Ihnen weder geben noch nehmen kann.“