Kapitel 2: Die Taufe und die Gabe des Heiligen Geistes

Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow, 2011


Dies war die Ordnung des Evangeliums in den Tagen der Apostel: Glaube an Jesus Christus, Umkehr, Taufe durch Untertauchen zu Sündenvergebung und das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes. Wurde diese Ordnung verstanden und richtig befolgt, folgten umgehend Macht, Gaben, Segnungen und herrliche Vorzüge.

Aus dem Leben von Lorenzo Snow

Selbst nachdem Lorenzo Snow ein Zeugnis davon empfangen hatte, dass Joseph Smith ein Prophet war, fiel es ihm noch immer schwer, sich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage anzuschließen. Er wusste, wenn er Mitglied der Kirche werden würde, müsste er einige seiner weltlichen Bestrebungen aufgeben. Aber nach einem Erlebnis, das er als seinen „heftigsten Kampf in Herz und Seele“ bezeichnete, erklärte er sich dazu bereit, sich taufen zu lassen. Er hat erzählt: „Mit der Hilfe des Herrn – und ich bin sicher, er muss mir geholfen haben – legte ich meinen Stolz und mein weltliches Streben auf den Altar und stieg demütig wie ein Kind in das Wasser der Taufe und empfing die heiligen Handlungen des Evangeliums. … Ich empfing die Taufe und die heilige Handlung des Händeauflegens von jemandem, der erklärte, Vollmacht von Gott zu haben.“1

Nachdem er diese Segnung empfangen hatte, lag ihm viel daran, auch andere daran teilhaben zu lassen. In einem Brief, den er als Missionar in Italien schrieb, heißt es: „In den meisten Ländern ist es mit vielen Schwierigkeiten und Sorgen verbunden, wenn man die Türen des Gottesreiches öffnet. Wir haben viel davon abbekommen. Meine Freude war daher groß, als ich mit dem ersten Anwärter auf ewiges Leben ins Wasser stieg. Nie klang uns die italienische Sprache so süß in den Ohren wie in dem bemerkenswerten Moment, als ich diese heilige Handlung vollzog und eine Tür öffnete, die kein Mensch schließen kann.“2 [Siehe Anregung 1 auf Seite 62.]

Lehren von Lorenzo Snow

Wir erhalten Segnungen von Gott, wenn wir die Grundsätze befolgen, die er aufgestellt hat

Gott hat bestimmte Grundsätze aufgestellt, die, wenn sie verstanden und befolgt werden, den Menschen in den Genuss von geistiger Erkenntnis, von Gaben und von Segnungen bringen. In den frühen Zeitaltern der Welt, auch in den Tagen der Apostel, kamen die Menschen in den Genuss geistiger Mächte und verschiedener Vorzüge, wenn sie bestimmte Regeln, die der Herr aufgestellt hatte, verstanden und sie gläubig befolgten. Beispielsweise machte sich Abel, einer der Söhne Adams, an die Arbeit, als er erfuhr, dass das Darbringen von Opfern eine von Gott eingeführte Ordnung war, wodurch der Mensch Segnungen erhalten konnte. Er befolgte diese Ordnung und brachte das Opfer dar, wodurch er herrliche Kundgebungen des Allerhöchsten erlangte [siehe Genesis 4:4; Hebräer 11:4].

Und als die Menschen, die vor der Sintflut lebten, so schlecht geworden waren, dass die Zeit ihrer Vernichtung gekommen war, offenbarte der Herr einen Weg, wodurch die Rechtschaffenen entrinnen konnten. Demzufolge konnten alle, die diesen Weg verstanden und gingen, gewiss sein, dass die verheißene Segnung Wirklichkeit wird [siehe Genesis 6 bis 8].

Josua musste bestimmte, vom Herrn vorgegebene Schritte befolgen, bevor er Jericho einnehmen konnte. Nachdem diese Schritte gemäß dem Gebot in der richtigen Art und Weise eingehalten worden waren, fiel ihm die Stadt umgehend in die Hände. [Siehe Josua 6.]

Ein weiteres Beispiel ist Naaman, der Feldherr der assyrischen Heere. Er war an Aussatz erkrankt, und als er vom Propheten Elischa hörte, richtete er an diesen die Bitte, sein Leiden doch von ihm zu nehmen. Der Prophet, auf dem der Heilige Geist ruhte, der den Willen Gottes [kundtut], ließ ihm ausrichten, dass er wieder gesund werde, wenn er sich sieben Mal im Jordan wasche. Zuerst hielt Naaman dies für zu einfach und war verärgert und nicht geneigt, die Anweisung zu befolgen – er wollte von derlei simplen Mitteln keinen Gebrauch machen. Nach genauerer Überlegung demütigte er sich jedoch und hielt sich an die Regeln; und siehe, die Segnung erfolgte umgehend. [Siehe 2 Könige 5:1-14.] …

Nachdem das Evangelium auf die Erde gebracht worden war, erhielten die Menschen Gaben und Segnungen nach ähnlichen Grundsätzen, nämlich Gehorsam gegenüber bestimmten, festgelegten Regeln. Der Herr legte weiterhin bestimmte Handlungen fest und verhieß all denjenigen, die sich daran hielten, bestimmte, besondere Vorzüge. Wenn diese Handlungen vollzogen und in allen Einzelheiten befolgt wurden, dann sollten diese verheißenen Segnungen gewiss folgen.3

Die äußerlichen Verordnungen Taufe und Konfirmierung sind untrennbar mit den inneren Werken Glaube und Umkehr verbunden

Einige stellen sich vergeblich vor, dass zu der Zeit, da unser Herr das Evangelium auf der Erde eingeführt hat, Gaben und Segnungen nicht durch äußerliche Bräuche oder äußerliche Werke erlangt wurden, sondern allein durch Glauben und Umkehr – durch geistige Vorgänge, die unabhängig sind von körperlichen Handlungen. Doch wenn wir einmal die Traditionen, den Aberglauben und die Glaubensbekenntnisse der Menschen beiseite legen und uns das Wort Gottes ansehen, stellen wir fest, dass äußerliche Werke oder Verordnungen in der Evangeliumszeit unseres Herrn untrennbar mit den inneren Werken verbunden waren, nämlich Glauben und Umkehr. Um dies zu beweisen, möchte ich von der folgenden Beobachtung berichten:

Der Heiland hat die Frage gestellt: „Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?“ [Lukas 6:46.] Und weiter verkündet er: „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ [Siehe Matthäus 7:24.] Und: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ [Markus 16:16.] Ebenso lehrt er: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ [Johannes 3:5.] Diese Aussagen des Heilands verlangen vom Menschen äußerliche Werke, damit er errettet werden kann.

Am Pfingsttag sagte Petrus zur umstehenden Menge: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ [Siehe Apostelgeschichte 2:38.] Dieser prophetischen Aussage entnehmen wir, dass die Menschen ein äußerliches Werk verrichten mussten – nämlich sich im Wasser taufen zu lassen –, um Vergebung ihrer Sünden zu erlangen und anschließend die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen. Doch bevor man sich der äußerlichen Arbeit widmet, muss die innere Arbeit geleistet sein – Glaube und Umkehr. Glaube und Umkehr kommen vor der Taufe, und die Taufe kommt vor der Sündenvergebung und dem Empfangen des Heiligen Geistes. …

Einige halten es für falsch, die Taufe zu den erforderlichen, von Gott verordneten Grundsätzen zu zählen, die befolgt werden müssen, damit wir Vergebung unserer Sünden erlangen. Dem entgegnen wir, dass der Erlöser und die Apostel dies vor uns getan haben, und daher fühlen wir uns verpflichtet, ihrem Beispiel zu folgen. … Die Taufe … befreit unsere Seele jetzt von Sünden und von Schmutz, durch Glauben an das große Sühnopfer. …

Es wurde ganz deutlich kundgetan, dass äußerliche Werke wie auch Glaube und Umkehr nötig sind, um die Vorzüge des Evangeliums zu erhalten.4 [Siehe Anregung 2 auf Seite 62.]

Die Taufe wird durch Untertauchen vollzogen und die Gabe des Heiligen Geistes wird durch Händeauflegen gespendet

Da die Taufe im Wasser Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi ist, sehen wir also, dass die Diener Gottes in früher Zeit sehr bedacht darauf waren, wie sie vollzogen wurde. …

Wir werden jetzt einen Augenblick darauf verwenden, eine richtige Vorstellung davon zu bekommen, auf welche Weise die Taufe vollzogen wurde. Es ist ziemlich offensichtlich, dass diese heilige Handlung nur auf eine Weise zu vollziehen war, und diese Weise wurde den Aposteln erklärt und von diesen streng eingehalten. Damit wir dies alles richtig einordnen können, ist es erforderlich, auf die Umstände hinzuweisen, unter denen die Taufe vollzogen wurde.

Von Johannes [dem Täufer] wird gesagt, dass er in Änon taufte, weil dort viel Wasser war [siehe Johannes 3:23]. Wenn also die Taufe durch Besprenkeln erfolgt wäre, könnten wir kaum annehmen, dass er nach Änon ging, weil dort viel Wasser war, denn schon ganz wenig Wasser hätte ausgereicht, um ganz Judäa zu besprenkeln. Und diese Menge Wasser hätte er bekommen können, ohne eine Reise nach Änon zu unternehmen. Uns wird auch gesagt, dass er im Jordan taufte und dass der Erlöser, nachdem die heilige Handlung an ihm vollzogen worden war, aus dem Wasser stieg, was ausdrücklich darauf hinweist, dass er im Wasser gewesen war, damit die heilige Handlung ordnungsgemäß vollzogen werden konnte [siehe Matthäus 3:16]. Weiter ist von einem Äthiopier die Rede, der mit Philippus ins Wasser hinabging und wieder herausstieg [siehe Apostelgeschichte 8:26-38]. Nun muss jeder, der für sich Vernunft und folgerichtiges Denken in Anspruch nimmt, zugeben, dass diese Menschen nie ins Wasser gestiegen wären, um diese heilige Handlung zu empfangen, wenn es ausgereicht hätte, ein wenig Wasser auf die Stirn zu sprenkeln. Als Paulus an die Heiligen schrieb, hinterließ er uns ein klares Zeugnis zugunsten des Untertauchens im Wasser. … Der Apostel erklärt dort, dass die Heiligen bei der Taufe mit Christus begraben wurden [siehe Römer 6:4; Kolosser 2:12].

Es ist schlichtweg offensichtlich, dass sie nicht durch die Taufe begraben worden sein konnten, ohne völlig von Wasser bedeckt gewesen zu sein. Man kann von etwas nicht sagen, dass es begraben wurde, wenn noch irgendein Teil davon unbedeckt bleibt.Ein Mensch ist also durch die Taufe nicht im Wasser begraben, wenn er nicht vollständig davon umschlossen wurde. Diese Erklärung des Apostels über die Art und Weise der Taufe stimmt sehr schön mit der Aussage des Heilands überein: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird“ und so weiter. Aus etwas geboren zu werden bedeutet, dass man zuvor hineingebracht worden ist, und daraus hervorzukommen; aus Wasser geboren zu werden, muss demzufolge bedeuten, dass man ins Wasser hineingebracht und dann wieder herausgeholt wurde.

Ich vertraue darauf, dass bereits genug gesagt wurde, um jeden vernünftigen, unvoreingenommenen Kopf davon zu überzeugen, dass das Untertauchen die Art und Weise war, wie die heilige Handlung Taufe in den Anfangstagen des Christentums vollzogen wurde, als das Evangelium in seiner Reinheit und Fülle verkündet wurde. Daher werde ich meine Ausführungen dazu beenden.

Wir erfahren aus dem sechsten Kapitel im Hebräerbrief, dass das Händeauflegen zu den Grundsätzen des Evangeliums gezählt wurde. Es ist allgemein bekannt, dass diese heilige Handlung wie auch die Taufe zur Sündenvergebung durch Untertauchen heute in den christlichen Kirchen ziemlich vernachlässigt wird. Daher hoffe ich, dass ein paar Anmerkungen zu diesem Thema sich als nützlich erweisen. Es gibt mehrere Beispiele, wie Christus den Kranken die Hände auflegte und sie heilte. In seinem Auftrag an die Apostel sagt er im letzten Kapitel des Markusevangeliums: „Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: … Die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden“ und so weiter. Hananias legte Saulus die Hände auf, der sofort, nachdem diese heilige Handlung erfolgt war, wieder sehen konnte [siehe Apostelgeschichte 9:17,18]. Paulus, der sich als Schiffbrüchiger auf der Insel Malta befand, legte dem Vater des Publius, dem Ersten der Insel, die Hände auf und heilte ihn vom Fieber [siehe Apostelgeschichte 28:8]. Diese wenigen Ausführungen zeigen deutlich, dass das Händeauflegen von Gott als [Mittel] bestimmt wurde, wodurch man himmlische Segnungen empfangen kann.

Doch auch wenn die Heilung der Kranken mit dem Vollziehen dieser heiligen Handlung verbunden ist, stellen wir, wenn wir uns eingehender mit dem Thema befassen, fest, dass damit ein noch größerer Segen einhergeht. Uns wird berichtet, dass Philippus in der Stadt Samaria Männer und Frauen taufte, was bei den Getauften große Freude auslöste. Sie freuten sich wahrscheinlich, weil sie – durch Glauben, Umkehr und Taufe – die Vergebung ihrer Sünden und einen Anteil am Heiligen Geist Gottes empfangen hatten, was auf ganz natürliche Weise folgte, da sie ja, nachdem sie Vergebung ihrer Sünden empfangen hatten, ein reines Gewissen hatten. Durch diesen Anteil am Heiligen Geist, den sie nun besaßen, konnten sie allmählich das Reich Gottes erkennen. Sie erinnern sich sicher daran, dass der Erlöser verkündet hat, dass keiner das Reich Gottes sehen kann, wenn er nicht von neuem geboren wird. Und im darauffolgenden Vers ergänzt er, dass man nicht hineinkommen kann, wenn man nicht zweimal geboren wird: erst aus Wasser, dann aus Geist [siehe Johannes 3:3-5].

Nun waren diese Leute in Samaria aus Wasser geboren worden – sie hatten die erste Geburt empfangen –, daher befanden sie sich in einem Zustand, in dem sie das Reich Gottes sehen konnten. Sie konnten mit gläubigem Auge die verschiedenen Segnungen, Vorzüge und Herrlichkeiten betrachten. Da sie aber nicht zum zweiten Mal geboren worden waren, nämlich aus dem Geist, waren sie noch nicht in das Reich Gottes eingetreten – sie hatten die Vorzüge des Evangeliums nicht in ihrer Fülle erhalten. Als die Apostel in Jerusalem von dem Erfolg des Philippus hörten, schickten sie Petrus und Johannes nach Samaria, damit sie die Hände auflegten. Als sie in Samarien ankamen, legten sie also denjenigen, die getauft worden waren, die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. [Siehe Apostelgeschichte 8:5-8,12,14-17.]5 [Siehe Anregung 3 auf Seite 62.]

Die Segnungen der Taufe und Konfirmierung werden einem nur zuteil, wenn diese heiligen Handlungen mit der richtigen Vollmacht vollzogen werden

Wenn [heilige Handlungen] nicht von jemandem vollzogen werden, der buchstäblich von Gott gesandt ist, folgen nicht die gleichen Segnungen. Die Apostel und Siebziger wurden von Jesus Christus dazu ordiniert, in den Verordnungen des Evangeliums zu amtieren, durch die man sich der Gaben und Segnungen der ewigen Welten erfreuen kann. Daher erklärt Christus den Aposteln: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ [Johannes 20:23.] Das heißt, dass jedem, der demütig kommt, aufrichtig von seinen Sünden umkehrt und die Taufe von den Aposteln empfängt, seine Sünden durch das sühnende Blut Jesu Christi vergeben werden, und durch das Händeauflegen empfängt der Betreffende den Heiligen Geist. Doch auf denjenigen, die sich weigern, diese Verordnungen von den Aposteln zu empfangen, verbleiben die Sünden. … Diese Macht und Vollmacht, im Evangelium zu amtieren, haben die Apostel auf andere übertragen, damit sie nicht die Einzigen waren, die dieses verantwortungsvolle Amt innehatten. … Bis jemand gefunden wird, der ein solches Amt innehat – jemand, der Vollmacht hat, zu taufen und die Hände aufzulegen –, ist keiner in irgendeiner Weise verpflichtet, diese heiligen Handlungen zu empfangen, er kann allerdings auch nicht die Segnungen erwarten, solange die heiligen Handlungen nicht rechtmäßig vollzogen worden sind. …

Die Vollmacht, in den Verordnungen des Evangeliums zu amtieren, [war] viele Jahrhunderte lang verloren. … Die Kirche, die von den Aposteln aufgerichtet worden war, fiel allmählich vom Glauben ab, geriet auf fremde Pfade und verlor ihre Vollmacht, ihr Priestertum und wich von der Ordnung Gottes ab. Sie verlor auch ihre Gaben und Vergünstigungen vor Gott, sie übertrat die Gesetze und veränderte die Verordnungen des Evangeliums. Sie machte aus dem Untertauchen ein Besprenkeln und vernachlässigte das Händeauflegen gänzlich. Sie verachtete das Prophezeien und glaubte nicht an Zeichen. …

Johannes, der gesehen und davon gesprochen hatte, wie die Kirche in Finsternis abirrte, … spricht in [Kapitel 14, Vers 6,] seiner Offenbarung von der Wiederherstellung des Evangeliums. „Dann sah ich: Ein anderer Engel flog hoch am Himmel. Er hatte den Bewohnern der Erde ein ewiges Evangelium zu verkünden, allen Nationen, Stämmen, Sprachen und Völkern.“ Es ist also klar, dass sich diese Prophezeiung irgendwann vor dem Zweiten Kommen des Erlösers erfüllen musste. …

Ich gebe nun Zeugnis – und dessen bin ich mir dank Offenbarung von Gott absolut sicher –, dass sich diese Prophezeiung bereits erfüllt hat, dass ein Engel Gottes sich dem Menschen in diesen Letzten Tagen kundgetan und das wiederhergestellt hat, was lange Zeit verloren war, auch das Priestertum – die Schlüssel des Reiches – und die Fülle des immerwährenden Evangeliums.6 [Siehe Anregung 4 auf Seite 62.]

Wenn wir unseren Taufbund halten und uns um Führung durch den Heiligen Geist bemühen, folgen die verheißenen Segnungen gewiss

Dies also war die Ordnung des Evangeliums in den Tagen der Apostel: Glaube an Jesus Christus, Umkehr, Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung und das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes. Wurde diese Ordnung verstanden und ordnungsgemäß befolgt, folgten umgehend Macht, Gaben, Segnungen und herrliche Vorzüge. Und in jedem Zeitalter folgen gewiss die gleichen Segnungen, wenn man sich genau an diese Schritte hält und die richtige Reihenfolge beachtet. Missachtet man sie aber – sei es ganz oder teilweise –, verliert man die Segnungen entweder vollständig oder erhält sie nur in sehr viel geringerem Maße.

Als Christus seine Apostel berief, sprach er von einigen außergewöhnlichen Gaben, die diejenigen empfingen, die sich an diese Ordnung hielten [siehe Markus 16:15-18]. Paulus … spricht ausführlicher über die verschiedenen Gaben, die mit der Fülle des Evangeliums einhergehen. Er erwähnt neun davon und erklärt uns, dass sie die Wirkung oder die Frucht des Heiligen Geistes sind [siehe 1 Korinther 12:8-10]. Der Heilige Geist war aber allen verheißen, die der Herr herbeirufen würde [siehe Apostelgeschichte 2:37-39]. Da diese Gabe unveränderlich in ihrem Wesen und Wirken ist und durch Verheißung untrennbar mit diesem Muster oder dieser Ordnung verbunden, ist es angemessen, konsequent und schriftgetreu, die gleichen Gaben und Segnungen zu erwarten. Und wenn Noach, nachdem er die Arche gebaut hatte, wie verheißen Anspruch auf seine zeitliche Errettung erheben und diese empfangen konnte [siehe Mose 7:42,43], oder Josua, nachdem er so oft wie erwähnt um Jericho herumgezogen war, über die eingestürzten Mauern steigern und die Einwohner gefangen nehmen konnte [siehe Josua 6:12-20], oder die Israeliten wie verheißen Vergebung für ihre Sünden erlangen konnten, nachdem sie die vorgeschriebenen Opfer dargebracht hatten [siehe Levitikus 4:22-35], oder Naaman seine Heilung verlangen und erhalten konnte, nachdem er Elischas Aufforderung gefolgt und siebenmal im Jordan untergetaucht war [siehe 2 Könige 5:1-14], oder wenn zu guter Letzt der Blinde den verheißenen Lohn beanspruchen und erkennen konnte, nachdem er sich im Teich Schiloach gewaschen hatte [siehe Johannes 9:1-7], dann sage ich zu Recht und mit Nachdruck: Wann auch immer jemand seine Vorurteile und sektiererischen Vorstellungen und falschen Traditionen beiseiteschiebt und sich an die vollständige Ordnung des Evangeliums Jesu Christi hält, gibt es nichts unterhalb der celestialen Welten, was ihn daran hindern könnte, auf die Gabe des Heiligen Geistes und auf alle im apostolischen Zeitalter mit dem Evangelium verbundenen Segnungen Anspruch zu erheben und diese auch zu empfangen.

Wenn wir eine Religion haben wollen, die uns errettet und in die Gegenwart Gottes bringt, müssen wir den Heiligen Geist empfangen. Und um den Heiligen Geist zu empfangen, müssen wir an den Herrn Jesus glauben, dann von unseren Sünden umkehren – das heißt von ihnen lassen –, dann vortreten und uns zur Sündenvergebung im Wasser untertauchen lassen und dann die Hände aufgelegt bekommen.7

Als wir dieses Evangelium empfangen haben, sind wir mit Gott den Bund eingegangen, dass wir uns vom Heiligen Geist führen und leiten lassen und seine Ratschläge befolgen – nämlich die jenes Wesens, das Leben und Erkenntnis schenkt, das uns das verstehen lässt, was von Gott ist, das uns den Willen Gottes kundtut – und dass wir dabei helfen, die Absichten Gottes hinsichtlich der Erlösung der Menschheit zustande zu bringen, und dass unser Lebensmotto lautet: „Das Reich Gottes und sonst gar nichts!“ Inwieweit wir diese Bündnisse gehalten … und die Anweisungen des Heiligen Geistes befolgt haben, müssen wir selbst beurteilen. In dem Maße, wie wir dies getan haben, sind auch die Segnungen des Allmächtigen auf uns herabgekommen, wurde unser Verstand erleuchtet, unser Verständnis erweitert und sind wir auf dem Pfad der Heiligkeit, der zur Vollkommenheit führt, vorangekommen. … Und in dem Maße, wie wir es versäumt haben, treu zu sein … sind wir auch in dem Unterfangen gescheitert, dem wir uns verschrieben haben, nämlich ewiges Leben zu erlangen, genug Weisheit und Erkenntnis und göttliche Intelligenz zu erlangen, um die Flut des Bösen und der Versuchungen, die uns umgeben, eindämmen zu können. Und in dem Maße, wie wir den Ratschlägen dieses göttlichen Geistes gefolgt sind, haben wir Frieden und Freude für unsere Seele erfahren, haben wir die Pläne des Feindes vereitelt, haben wir für uns Schätze gesammelt, die weder Motten noch Rost zerfressen können, sind wir auf dem Weg ins celestiale Reich vorangekommen.8 [Siehe Anregung 5 unten.]

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen finden Sie auf Seite VII–X.

  1. 1.

    Wenn Sie die Berichte auf Seite 51f. lesen, denken Sie an Ihre eigene Taufe und Konfirmierung zurück oder daran, wie Sie miterlebt haben, dass ein anderer diese heiligen Handlungen empfangen hat. Welche Bündnisse sind Sie bei diesen heiligen Handlungen eingegangen? Wie haben diese Bündnisse Ihr Leben beeinflusst?

  2. 2.

    Warum reichen Glaube und Umkehr ohne Verordnungen nicht aus? Warum reichen Verordnungen ohne Glaube und Umkehr nicht aus? Gehen Sie noch einmal Präsident Snows Aussagen über innere Werke und äußerliche Verordnungen durch, wenn Sie über diese Fragen nachdenken oder darüber sprechen (Seite 53ff.).

  3. 3.

    Befassen Sie sich mit den Aussagen von Präsident Snow auf Seite 55–58 und achten Sie auf die Schriftstellen, die er anführt. Inwiefern erweitern diese Schriftstellen Ihr Verständnis davon, dass das Untertauchen unerlässlich ist? Warum ist das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes wohl ein größerer Segen als das Händeauflegen, um Kranke zu segnen?

  4. 4.

    Lesen Sie den Abschnitt, der auf Seite 58 beginnt. Welche „Gaben und Vergünstigungen“ haben Sie in Ihrem Leben, weil das Priestertum wiederhergestellt worden ist?

  5. 5.

    Lesen Sie die letzten beiden Absätze des Kapitels. Was bedeutet es Ihnen, sich „vom Heiligen Geist führen und leiten [zu] lassen und seine Ratschläge [zu] befolgen“?

  6. 6.

    Inwiefern bezieht sich Lehre und Bündnisse 68:25-28 auf die Lehren in diesem Kapitel? Wie können Eltern ihren Kindern helfen, Glaube, Umkehr, Taufe und die Gabe des Heiligen Geistes zu verstehen?

Einschlägige Schriftstellen: 2 Nephi 31:12,17-20; Mosia 18:8-10; Alma 5:14; LuB 20:37; 36:2; 39:6; 130:20,21

Unterrichtshilfe: „[Widerstehen Sie der] Versuchung, zu viel Stoff zu behandeln. Zuallererst unterrichten wir Menschen und nicht nur den Unterrichtsstoff an sich … Jeder Unterrichtsplan, den ich kenne, enthält zwangsläufig mehr, als man in der verfügbaren Zeit überhaupt durchnehmen kann.“ (Jeffrey R. Holland, „Lehren und lernen in der Kirche“, Liahona, Juni 2007, Seite 59.)

Jesus Christus gab uns ein Beispiel, als er sich durch Untertauchen taufen ließ.

Am Pfingsttag wurden etwa 3000 Menschen getauft.

Die Gabe des Heiligen Geistes empfangen wir durch Händeauflegen.

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „How He Became a ,Mormon‘“, Juvenile Instructor, 15. Januar 1887, Seite 22

  2.   2.

    „Organization of the Church in Italy“, Millennial Star, 15. Dezember 1850, Seite 373

  3.   3.

    The Only Way to Be Saved, Broschüre, 1841, Seite 2f.; Hervorhebungen im Original wurden entfernt. Lorenzo Snow schrieb diese Broschüre acht Jahre vor seiner Berufung als Apostel. Sie wurde später in andere Sprachen übersetzt, darunter Italienisch, Französisch, Niederländisch, Dänisch, Deutsch, Schwedisch, Bengali, Armenisch und Griechisch. Die Broschüre wurde das übrige 19. Jahrhundert hindurch, während seiner Amtszeit als Apostel, von Zeit zu Zeit neu aufgelegt.

  4.   4.

    The Only Way to Be Saved, Seite 3f., 6; Hervorhebungen im Original wurden entfernt

  5.   5.

    The Only Way to Be Saved, Seite 6–9

  6.   6.

    The Only Way to Be Saved, Seite 10, 12; Hervorhebungen im Original wurden entfernt

  7.   7.

    The Only Way to Be Saved, Seite 9f.

  8.   8.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1880