Das Leben und das geistliche Wirken von Lorenzo Snow

Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow, 2011


Im Alter von 21 Jahren machte sich Lorenzo Snow im Jahr 1835 von seinem Elternhaus auf zum Oberlin College in Ohio. Er wusste nicht, dass er auf dieser kurzen Strecke etwas erleben würde, was seinem Leben einen anderen Verlauf geben sollte.

Als er in seiner Heimatstadt Mantua in Ohio die Straße entlangritt, begegnete er einem Mann, der ebenfalls zu Pferd unterwegs war. Es handelte sich um David W. Patten, der kurz zuvor als Apostel des Herrn Jesus Christus ordiniert worden war. Nachdem er eine Mission erfüllt hatte, war er nun auf dem Rückweg zu den Heiligen der Letzten Tage in Kirtland. Die beiden Männer reisten etwa 50 Kilometer zusammen. Lorenzo Snow berichtete später:

„Das Gespräch kam schließlich auf Religion und Philosophie, und da ich jung war und etwas schulische Bildung genossen hatte, war ich anfangs geneigt, seine Ansichten nicht ernst zu nehmen, besonders da sie grammatikalisch nicht immer korrekt zum Ausdruck gebracht wurden. Aber als er mit seiner ernsthaften und demütigen Art fortfuhr, mir den Erlösungsplan darzulegen, schien es mir, dass ich mich der Erkenntnis nicht entziehen konnte, dass er ein Mann Gottes und dass sein Zeugnis wahr war.“1

Lorenzo Snow war zwar kein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, als er Elder Patten begegnete, aber er war mit einigen Lehren der Kirche vertraut. Der Prophet Joseph Smith hatte sogar Familie Snow besucht, und Lorenzos Mutter und dessen Schwestern Leonora und Eliza hatten sich durch Taufe und Konfirmierung der Kirche angeschlossen. Lorenzo war damals allerdings „anderweitig beschäftigt“, wie er es nannte, und so etwas kam ihm „ganz und gar nicht in den Sinn“2. Das begann sich zu ändern, als er mit Elder Patten sprach. Über dieses Erlebnis sagte er: „Das war der Wendepunkt in meinem Leben.“3 Er beschrieb auch, wie ihm während des Gesprächs zumute war:

„Es traf mich ins Herz. Offensichtlich nahm er das wahr, denn nachdem er sein Zeugnis gegeben hatte, forderte er mich fast ganz am Ende auf, ich solle mich an den Herrn wenden, ehe ich mich zur Nacht niederlegte, und ihn selbst fragen. Das tat ich auch, und zwar mit dem Ergebnis, dass sich von dem Tag an, als ich diesen großartigen Apostel traf, all mein Streben erweiterte und unermesslich steigerte.“

Elder Pattens „völlige Aufrichtigkeit, seine Ernsthaftigkeit und seine geistige Kraft“4 hatten einen nachhaltigen Einfluss auf einen jungen Mann, der eines Tages selbst Apostel werden sollte. Diese ruhige Unterhaltung führte zu weiteren Erfahrungen, die Lorenzo Snow darauf vorbereiteten, Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu werden, das Sprachrohr Gottes auf Erden.

In seinem Elternhaus waren Glaube und Fleiß an der Tagesordnung

Als Oliver Snow und Rosetta Leonora Pettibone am 6. Mai 1800 heirateten, verband das zwei starke Familien, die großen Glauben und viele religiöse Traditionen mitbrachten. Braut und Bräutigam waren Nachfahren einiger der ersten europäischen Siedler, die in die Vereinigten Staaten gekommen waren – englische Pilgerväter, die den Atlantik zu Beginn des 17. Jahrhunderts überquert hatten, um religiöser Verfolgung zu entgehen. Sie verbrachten die ersten Jahre ihres Ehelebens in Massachusetts, wo ihre Töchter Leonora Abigail und Eliza Roxcy geboren wurden. Anschließend zog das Ehepaar nach Mantua in Ohio, was damals eine der westlichsten Siedlungen der Vereinigten Staaten war. Es war die elfte Familie, die in diese Gegend zog. In Mantua wurden dem Ehepaar noch zwei weitere Töchter geboren: Amanda Percy und Melissa. Lorenzo wurde am 3. April 1814 in Mantua geboren. Er war das fünfte Kind und der erste Sohn von Oliver und Rosetta Snow. Später kamen noch zwei jüngere Brüder hinzu: Lucius Augustus und Samuel Pearce.5

Die Eltern knüpften an die Traditionen ihrer Familien an und brachten ihren Kindern nahe, welchen Stellenwert Glauben, harte Arbeit und Bildung einnehmen. Durch ihre Erzählungen über die Schwierigkeiten, die sie zu Beginn ihres gemeinsamen Lebens hatten ertragen müssen, lernten ihre Kinder, Entmutigung zu überwinden und die Segnungen Gottes in ihrem Leben wertzuschätzen. Eliza schrieb: „Wir können über unsere Eltern zu Recht sagen, dass ihre Treue über jeden Zweifel erhaben war. Sie waren im Umgang mit anderen und im Geschäftsleben stets zuverlässig. Sie waren bedacht darauf, ihre Kinder zu Fleiß, Sparsamkeit und strikter Sittlichkeit zu erziehen.“6 Lorenzo brachte seine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, dass sie ihn stets „behutsam und sanft“ behandelten.7

Während Lorenzo heranwuchs, ging er eifrig weltlichen und intellektuellen Beschäftigungen nach. Sein Vater war oft nicht zu Hause, da er sich „dem Gemeinwohl“ in der Umgebung widmete. In der Abwesenheit seines Vaters hatte Lorenzo als ältester Sohn die Verantwortung für den Hof – eine Aufgabe, die er ernst nahm und erfolgreich ausführte. Wenn Lorenzo nicht arbeitete, las er für gewöhnlich. „Seine Bücher“, erzählte Eliza, „waren seine ständigen Begleiter.“8

Mit Blick darauf, wie Lorenzo sich charakterlich entwickelte, bemerkte Eliza: „Schon von Kindesbeinen an legte [er] die Tat- und Entschlusskraft an den Tag, die seinen Erfolg im späteren Leben ausmachten.“9

Von Jugendträumereien zu reiferen Zielen

Oliver und Rosetta Snow befürworteten jegliche ehrliche Auseinandersetzung mit Religion. Sie erlaubten ihren Kindern, die verschiedenen Kirchen kennenzulernen, und hießen „die guten und weisen Menschen aller Glaubensrichtungen“ stets bei sich zu Hause willkommen. Trotz dieser Haltung „schenkte [Lorenzo] dem Thema Religion gar keine oder nur wenig Aufmerksamkeit, zumindest nicht genügend, um sich für eine bestimmte Konfession zu entscheiden“10. Er träumte von einer Laufbahn beim Militär, und das beeinflusste sein Leben mehr als alles andere – „nicht etwa, weil er auf Konflikte aus war“, so der Historiker Orson F. Whitney, sondern weil er „von der Romantik und Ritterlichkeit, die man mit dem Offiziersleben verband, fasziniert war“11. Doch schon bald ersetzte er dieses ehrgeizige Ziel durch ein anderes. Er zog aus dem Elternhaus aus und schrieb sich am nahegelegenen Oberlin College ein, um einen „höheren Abschluss“ anzustreben.12

Als Lorenzo in Oberlin studierte, begann er sich für Religion zu interessieren. Immer noch unter dem Eindruck des Gesprächs mit Elder Patten, sann er nicht nur über die Lehren des wiederhergestellten Evangeliums nach, sondern erzählte in Oberlin auch anderen davon – sogar denjenigen, die Geistliche werden wollten. In einem Brief an seine Schwester Eliza, die zu den Heiligen, die sich in Kirtland sammelten, gestoßen war, schrieb er: „Ich kann dir sagen, ich konnte als Verfechter des Mormonismus unter den Geistlichen und angehenden Geistlichen einen ziemlichen Erfolg verbuchen. Es stimmt zwar, dass sich nicht viele bekehrt haben, schließlich bin ich ja selbst kein Bekehrter, dennoch gelang es mir fast, dass einige zugaben, [Weisheit] in deinen Glaubensansichten zu erkennen. Es ist gar nicht so einfach, den Studenten hier in Oberlin die starken Vorurteile gegen den Mormonismus aus dem Kopf zu treiben.“

Im selben Brief äußerte er sich zu einer Einladung, die er von Eliza bekommen hatte. Sie hatte Vorkehrungen getroffen, dass er bei ihr in Kirtland wohnen und in einer Klasse Hebräisch studieren konnte, die auch der Prophet Joseph Smith und einige Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel besuchten. Darauf antwortete er: „Ich bin hocherfreut zu erfahren, dass du in Kirtland so glücklich bist; gegenwärtig habe ich allerdings nicht die Absicht, meinen Wohnort zu wechseln und zu dir zu ziehen. Wenn sich dort dieselben Bildungsmöglichkeiten böten, wäre ich wohl fast dazu geneigt, einen Wechsel zu wagen. Es würde sich für mich zumindest als ziemlich interessant und vielleicht auch gar nicht als unvorteilhaft erweisen, zu hören, wie die Lehren verkündet werden, die ich schon seit geraumer Zeit hier in Oberlin verteidige und befürworte.“

Lorenzo war von den Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beeindruckt, zögerte aber, der Kirche beizutreten. Dennoch war er interessiert. In seinem Brief an Eliza stellte er einige Fragen über die Kirche. Er erklärte, dass die Studenten in Oberlin, die sich darauf vorbereiteten, Geistliche zu werden, mindestens sieben Jahre lang eifrig studieren müssten, bevor es ihnen erlaubt sei, den Heiden zu verkünden, dass es einen Gott im Himmel gebe, ähnlich einem Anwalt, der zuerst gewisse Qualifikationen erwerben müsse, ehe ihm erlaubt werde, eine Sache zu vertreten. Er nehme an, so schrieb er seiner Schwester, dass die Mitglieder der Kirche sich im Gegensatz dazu „mehr auf göttliche Hilfe als auf Hochschulwissen verlassen, wenn sie die Lehre verkünden“. Er gab an, dass er begreifen wolle, wie der Geist wirkt, und fragte, ob der Heilige Geist den Menschen „in diesem Zeitalter der Welt“ übertragen werden könne. Wenn Menschen den Heiligen Geist empfangen könnten, so seine Frage, „überträgt Gott diesen immer mithilfe eines Zweiten?“13 In anderen Worten: Er wollte wissen, ob Priestertumsvollmacht gebraucht wird, um den Heiligen Geist empfangen zu können.

Lorenzo wusste die Freundschaften und die Ausbildung am Oberlin College zu schätzen, aber er war mit dem Religionsunterricht zunehmend unzufrieden. Schließlich verließ er die Hochschule und nahm die Einladung seiner Schwester an, in Kirtland Hebräisch zu lernen. Er sagte, er besuche den Hebräischunterricht nur, um sich auf den Besuch einer Hochschule im Osten der Vereinigten Staaten vorzubereiten.14 Trotzdem bemerkte Eliza, dass sein Geist über das Hebräischlernen hinaus „den lebendigen Glauben des ewigen Evangeliums einsog und sein Herz damit erfüllte“15. Bald schon fand er Antworten auf die Fragen, die er sich am Oberlin College gestellt hatte. Er wurde im Juni 1836 von Elder John Boynton getauft, einem Mitglied des allerersten Kollegiums der Zwölf Apostel in dieser Evangeliumszeit. Außerdem wurde er als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage konfirmiert.

Etwa zwei Wochen später fragte ihn ein Bekannter: „Bruder Snow, hast du seit deiner Taufe den Heiligen Geist empfangen?“ Rückblickend berichtete Lorenzo Snow: „Diese Frage rief tiefe Bestürzung in mir hervor. Tatsache war, dass ich vielleicht alles empfangen hatte, was ich brauchte, nur nicht das, was ich erwartet hatte.“ Damit meinte er, dass er zwar konfirmiert worden war, aber keine besondere Kundgebung des Heiligen Geistes empfangen hatte. „Ich war unzufrieden“, berichtete er, „nicht wegen dem, was ich getan hatte, sondern mit mir selbst. Mit diesem Empfinden zog ich mich am Abend an den Ort zurück, wo ich gewöhnlich dem Herrn meine Ergebenheit erwies.“ Er kniete zum Beten nieder und erhielt augenblicklich die Antwort auf seine Gebete. „Dieses Erlebnis wird niemals aus meinem Gedächtnis ausgelöscht werden, solange ich ein Gedächtnis habe“, erklärte er später. „Ich empfing vollkommene Kenntnis davon, dass es einen Gott gibt, dass Jesus, der auf Golgota starb, sein Sohn war und dass Joseph, der Prophet, die Vollmacht empfangen hatte, von der er sagte, dass er sie besitze. Die Zufriedenheit und Herrlichkeit, die mit dieser Kundgebung verbunden waren, kann man nicht in Worte fassen! Ich kehrte zu meiner Unterkunft zurück. Jetzt konnte ich der ganzen Welt bezeugen, dass ich sichere Erkenntnis davon besaß, dass das Evangelium des Sohnes Gottes wiederhergestellt worden war und dass Joseph ein Prophet Gottes war, bevollmächtigt, in seinem Namen zu sprechen.“16

Gestärkt durch dieses Erlebnis bereitete sich Lorenzo darauf vor, auf Mission zu gehen. Seiner Schwester Eliza zufolge führte seine Bekehrung zu einem Wandel seiner Ziele und „erschloss ihm eine neue Welt“. Sie schrieb: „Anstatt beim Militär nach irdischen Ehren zu streben, trat er nun in die Verteidigungslinie der Heerscharen des Himmels ein.“17

Er meistert Herausforderungen auf Mission

Lorenzo Snow begann seinen Missionsdienst im Frühjahr 1837 im Bundesstaat Ohio. So wie mit dem Entschluss, der Kirche beizutreten, musste er auch mit dem Entschluss, Vollzeitmissionar zu werden, seine Ansichten und Pläne ändern. In sein Tagebuch schrieb er: „Im Jahr 1837 ließ [ich] gänzlich von meinen liebsten Vorstellungen ab.“18 Er gab seinen Plan für eine „klassische Ausbildung“ an einer Hochschule im Osten der Vereinigten Staaten auf.19 Außerdem war er bereit, ohne Beutel oder Tasche zu reisen – mit anderen Worten: ohne Geld unterwegs zu sein und sich, was Nahrung und Obdach betrifft, auf die Güte anderer Menschen zu verlassen. Das fiel ihm besonders schwer, denn er war von klein auf der Meinung gewesen, dass es wichtig sei, für sich selbst aufzukommen. Dazu diente ihm das Geld, das er auf dem Hof seines Vaters verdient hatte. Er betonte: „Ich war es nicht gewohnt, was Nahrung und Obdach betrifft, von anderen abhängig zu sein. Jedes Mal, wenn ich von zu Hause fortging, achtete mein Vater darauf, dass ich mit genügend Geld für alle Unkosten ausgestattet war. Jetzt hinauszugehen und um etwas zu essen und einen Schlafplatz zu bitten, stellte mich sehr auf die Probe, da ich ja ganz anders erzogen worden war.“20 Er entschloss sich dazu auch nur deshalb, weil er „die sichere Kenntnis“ empfangen hatte, dass „Gott dies von ihm verlangte“21.

Einige der Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen und Freunde von Elder Snow waren in den ersten Versammlungen dabei, die er als Missionar leitete. Als er an seine erste Predigt zurückdachte, sagte er: „Ich war damals recht verlegen und … es fiel mir schwer aufzustehen und meinen Verwandten und Nachbarn zu predigen, die anwesend waren. Ich weiß noch, dass ich fast den ganzen Tag gebetet habe, bevor ich abends sprach. Ich zog mich zurück und bat den Herrn, mir einzugeben, was ich sagen könne. Meine Tante erzählte mir später, dass sie fast schon zitterte, als sie sah, wie ich mich erhob, um zu sprechen; dennoch öffnete ich den Mund. Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, aber meine Tante meinte, dass ich ungefähr eine Dreiviertelstunde ausgezeichnet sprach.“22 Mit Dankbarkeit erinnerte er sich: „Ich war überzeugt und empfand Gewissheit, dass der Geist mich inspirieren und mir Worte eingeben würde. Ich hatte mich durch Beten und Fasten vor dem Herrn gedemütigt und ihn in mächtigem Gebet angefleht, mir die Macht und Inspiration des heiligen Priestertums zu verleihen. Als ich dann vor der Menge stand, wusste ich nicht ein einziges Wort, das ich sagen sollte. Aber sobald ich den Mund auftat, ruhte die Macht des Heiligen Geistes auf mir, erleuchtete mir den Verstand und gab mir sowohl Gedanken als auch die Worte ein, mit denen ich sie richtig auszudrücken vermochte.“23 Als er die Region schließlich verließ, hatte er seinen Onkel, seine Tante, mehrere Cousins und Cousinen und einige Freunde getauft und konfirmiert.24

Nachdem Elder Snow seinen Verwandten und Freunden vom Evangelium erzählt hatte, setzte er seine Missionsarbeit in anderen Ortschaften fort. Er predigte ungefähr ein Jahr lang. Er berichtete: „Auf dieser Mission reiste ich durch verschiedene Teile des Staates Ohio und taufte zu jener Zeit viele Menschen, die der Wahrheit treu geblieben sind.“25

Lorenzo Snow war von seiner ersten Mission noch nicht lange zurück, als er abermals den Wunsch hatte, das Evangelium zu verkünden. Er sagte: „Der Geist meiner Missionsberufung wirkte noch so stark in mir, dass ich mich danach sehnte, mich erneut diesem Werk zu widmen.“26 Dieses Mal verkündete er das wiederhergestellte Evangelium in den Staaten Missouri, Kentucky und Illinois und schließlich wieder in Ohio.

Manch einer stand Elder Snow und seiner Botschaft feindselig gegenüber. Elder Snow erzählte zum Beispiel, was er in Kentucky erlebt hatte, als sich eine Gruppe von Menschen bei einer Familie versammelte, um ihn predigen zu hören. Anschließend erfuhr er, dass einige die Absicht hatten, ihn zu überfallen, sobald er abreiste. Er erinnerte sich daran, dass einer der Männer „bei dem Gedränge mit seiner Hand zufällig eine meiner Manteltaschen berührte, wobei ihn sofort ein Schreck durchfuhr“. Da er in Elder Snows Tasche etwas Hartes gefühlt hatte, warnte er seine Freunde umgehend, dass der Missionar mit einer Pistole bewaffnet sei. Elder Snow schrieb später: „Das reichte schon aus, damit diese angehenden Gesetzlosen ihre bösen Absichten aufgaben.“ Belustigt merkte Elder Snow noch an: „Die vermeintliche Pistole, die der Grund für ihren Schrecken und für meinen Schutz war, das war meine Taschenbibel, ein kostbares Geschenk des hoch geschätzten Patriarchen, Joseph Smith [Sr.].“27

Andere hießen Elder Snow willkommen und nahmen die Botschaft, die er verkündete, an. In einer Siedlung in Missouri belehrte er fünf Menschen, die sich mitten im Winter taufen ließen. Elder Snow und andere Helfer mussten das Eis eines Flusses aufschlagen, damit er die heilige Handlung vollziehen konnte. Der Kälte zum Trotz kamen einige der Bekehrten „aus dem Wasser hervor, klatschten in die Hände und lobpreisten Gott“28.

Die ersten beiden Missionen Elder Snows umfassten den Zeitraum von Frühling 1837 bis Mai 1840. Folgende Auszüge aus seinen Briefen sind charakteristisch für diese Zeit im Dienst des Herrn: „Ich verbrachte den Rest des Winters [1838/39] mit Reisen und Predigen, … hatte unterschiedlichen Erfolg und wurde unterschiedlich behandelt – manchmal wurde ich auf höflichste Weise aufgenommen von Menschen, die mir mit großem Interesse zuhörten, zuweilen aber beleidigt, verspottet und verschmäht. Doch ich wurde niemals schlimmer behandelt als Jesus, zu dessen Nachfolge ich mich ja bekenne.“29 „Wenn ich jetzt auf alles zurückblicke, was ich durchlebt habe, … dann bin ich erstaunt und habe Grund, mich zu wundern.“30 „Der Herr war mit mir, und ich wurde bei meiner beschwerlichen Arbeit aufs Höchste gesegnet.“31

Die Mission in England

Anfang Mai 1840 schloss sich Lorenzo Snow den Heiligen in Nauvoo, Illinois, an, blieb aber nicht sehr lange dort. Er wurde berufen, den Atlantik zu überqueren und eine Mission in England zu erfüllen. Er verließ Nauvoo noch im selben Monat. Vor seiner Abreise nahm er sich noch Zeit, die Familien einiger der neun Apostel zu besuchen, die bereits in England dienten.

Als er die Familie von Brigham Young besuchte, bemerkte er, dass an ihrer Blockhütte kein Füllmaterial vorhanden war, um die Lücken zwischen den Holzbalken zu schließen, und dass sie deshalb „Wind und Wetter ausgesetzt waren“. Schwester Young war erschöpft, da sie gerade von der vergeblichen Suche nach der Milchkuh der Familie zurückgekehrt war. Ungeachtet ihrer schwierigen Umstände sagte sie zu Elder Snow: „Sie sehen meine Situation, aber sagen Sie [meinem Ehemann], dass er sich nicht beunruhigen lassen oder sich Sorgen um mich machen muss – ich möchte, dass er seine Mission erfüllt, bis er ehrenhaft entlassen wird.“ Da Elder Snow Schwester Youngs „ärmlicher, hilfloser Zustand“ zu Herzen ging, wollte er ihr helfen. „Ich hatte nur wenig Geld – nicht einmal genug, um damit ein Zehntel der Strecke in mein Missionsgebiet bewältigen zu können; es gab keine Aussicht, den fehlenden Betrag aufzubringen, und es war der Vorabend meiner Abreise. Ich nahm ein kleines Almosen aus meiner Tasche, … aber sie weigerte sich, etwas davon anzunehmen. Und als ich hartnäckig darauf bestand und sie es beharrlich ablehnte, fiel das Geld teils absichtlich, teils versehentlich auf den Boden und rutschte durch einen Schlitz in den losen Planken. Somit war die Debatte beendet und ich verabschiedete mich und überließ es ihr, es nach Belieben herauszuholen.“32

Elder Snow fuhr von Illinois nach New York. Dort ging er an Bord eines Schiffes, um den Atlantischen Ozean zu überqueren. Während der 42 Tage dauernden Seereise fegten drei heftige Stürme über das Schiff hinweg. Umgeben von ängstlichen, weinenden Mitreisenden blieb Elder Snow gelassen, da er darauf vertraute, dass Gott ihn beschützen werde. Als das Schiff in Liverpool in England anlegte, war Elder Snows Herz „von höchster Dankbarkeit gegenüber Gott erfüllt, der diejenigen bewahrt und erhält, die er beruft und aussendet, damit sie den Völkern der Erde die Errettung bringen“33.

Nachdem Elder Snow ungefähr vier Monate als Missionar in England gedient hatte, erhielt er eine zusätzliche Aufgabe. Er wurde zum Präsidenten der Konferenz London ernannt – eine Berufung, die der des heutigen Distriktspräsidenten ähnelt. Er predigte weiterhin das Evangelium und beaufsichtigte außerdem die Arbeit der Priestertumsführer, beispielsweise Zweigpräsidenten, in diesem Gebiet. Während er dieses Führungsamt ausübte, erstattete er oftmals Elder Parley P. Pratt Bericht, der Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel und Präsident der Mission war. Er berichtete von vielen Menschen, die „den Weg zur Errettung suchten“, von einem Raum, der anlässlich eines Sonntagsgottesdienstes „gänzlich überfüllt“ war, und von „der Freude, [Bekehrte] durch die Taufe in die Herde unseres Herrn und Erretters Jesus Christus aufzunehmen“. Er war begeistert von diesem Werk und schrieb optimistisch: „Obgleich es von anmaßender Schlechtigkeit jeder erdenklichen Art umgeben ist, beginnt Zion, sich zu erheben; und ich bin zuversichtlich, dass es in nicht allzu ferner Zukunft in dieser Stadt ein strahlendes Licht sein wird.“34

Die Konferenz London erlebte mit Elder Snow als Präsidenten beträchtliches Wachstum. Elder Snow freute sich zwar über den Erfolg, seine Führungsaufgaben fielen ihm jedoch nicht immer leicht. In einem Brief an Elder Heber C. Kimball vom Kollegium der Zwölf Apostel räumte er ein, dass er sich aufgrund der Herausforderungen dazu veranlasst sah, „in der Führung und Verwaltung einen Weg einzuschlagen, den ich noch nie zuvor beschritten habe“35. Er schrieb Elder Kimball: „Sie und Elder [Wilford] Woodruff sagten, es würde sich als Lernerfahrung herausstellen, und das ist es in der Tat. … Seit meiner Ankunft hier wurden die Heiligen ständig mit etwas Neuem konfrontiert. Kaum war eine Frage gelöst, trat schon die nächste auf den Plan.“ Er berichtete, dass er bei seinen neuen Aufgaben schnell zu dieser richtigen Einsicht gelangt war: „Ich könnte diese Schwierigkeiten nicht bewältigen, [wenn] Gott mir nicht in hohem Maße zur Seite stünde.“36 In einem Brief an Elder George A. Smith vom Kollegium der Zwölf Apostel brachte er einen ähnlichen Gedanken zum Ausdruck: „Das Wenige, was ich erreicht habe, ist nicht mir zuzuschreiben, sondern Gott. Eines habe ich gelernt, als ich mich bemühte, mein Amt als Lehrer in Israel groß zu machen, nämlich dass ich aus mir selbst heraus nichts weiß und nichts zu tun vermag; mir ist auch ganz klar, dass kein Heiliger gedeihen kann, außer er gehorcht den Anweisungen und dem Rat derjenigen, die eingesetzt sind, in der Kirche zu präsidieren. Ich bin zuversichtlich, dass der Herr, Gott, mich in meinem Amt erhalten und stützen wird, solange ich seine Gesetze befolge. … Wenn ich demütig vor ihm wandle, gibt er mir die Kraft, in Rechtschaffenheit Rat zu halten, und gewährt mir den Geist der Offenbarung.“37

Er verkündete nicht nur das Evangelium und diente als Präsident der Konferenz London, sondern verfasste zusätzlich eine religiöse Abhandlung als Broschüre, die den Missionaren helfen sollte, das wiederhergestellte Evangelium zu erläutern. Diese Broschüre trug den Titel Der einzige Weg, errettet zu werden und wurde später in mehrere Sprachen übersetzt und die ganze zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts über verwendet.

Elder Snow blieb bis zum Januar 1843 in England. Vor seiner Abreise erfüllte er einen Auftrag, den er von Präsident Brigham Young erhalten hatte. Die einzige Erwähnung dieses Auftrags ist eine Randnotiz in seinem Tagebuch: „Auf Wunsch von Präs. B. Young habe ich Königin Victoria und Prinz Albert zwei Exemplare des Buches Mormon überbracht.“38

Als Elder Snow England verließ, führte er eine Gruppe britischer Heiliger der Letzten Tage an, die nach Nauvoo auswanderten. Er schrieb in sein Tagebuch: „Ich trug die Verantwortung für eine Gruppe von 250 Menschen, von denen viele zu meinen besten Freunden gehörten, die während meines Wirkens ein Bündnis geschlossen hatten. Die Situation, in der ich mich jetzt befand, da ich den Ozean umgeben von Freunden wieder überquerte, war höchst beneidenswert im Vergleich zu der Einsamkeit, die ich zweieinhalb Jahre zuvor empfunden hatte.“39 Elder Snows Erlebnisse auf der Swanton beweisen seine Führungseigenschaften und seinen Gottesglauben. Der nachstehende Bericht ist seinem Tagebuch entnommen:

„Ich rief [die Heiligen] zusammen und bildete in allseitigem Einvernehmen Abteilungen und Unterabteilungen und ernannte für jede von ihnen geeignete Verantwortliche und stellte Regeln für das Zusammenleben auf. Ich stellte fest, dass es unter uns mehrere Hohe Priester und ungefähr 30 Älteste gab. Da ich wusste, dass viele Älteste den natürlichen Drang haben, etwas zu tun, wodurch sie sich auf die eine oder andere Weise hervortun könnten, hielt ich es für sicherer, ihnen vorzugeben, wie sie sich verhalten sollten. Daher ernannte ich so viele, wie ich nur konnte, zu einem Amt und übertrug somit allen Verantwortung. Die gesamte Gruppe versammelte sich jeden Abend der Woche [zum] Gebet. Zweimal in der Woche wurden Ansprachen gehalten. Die Versammlungen fanden sonntags statt, dann wurde auch das Abendmahl genommen.

Unser Kapitän, mit dem ich mich gerne angefreundet hätte, wirkte sehr distanziert und reserviert. … Ich konnte deutlich spüren, dass er Vorurteile gegen uns hatte. Wir waren ungefähr zwei Wochen auf See und nichts Wesentliches geschah außerhalb des Üblichen, als sich die folgende Begebenheit zutrug.

Der Steward, der dem Kapitän zur Seite stand – ein junger Deutscher –, hatte einen Unfall, der ihn in Lebensgefahr brachte. Da er ein äußerst anständiger, ernsthafter und zuverlässiger junger Mann war und den Kapitän bereits [auf] mehreren Seereisen begleitet hatte, war es ihm gelungen, die Gunst des Kapitäns, der Offiziere und der Mannschaft zu gewinnen. Auch die Heiligen waren ihm mit der Zeit sehr zugetan. Daher löste der Gedanke an seinen Tod … auf dem ganzen Schiff großen Kummer und Trauer aus.

Er blutete aus dem Mund und litt unter schweren Krämpfen und Anfällen. Nachdem verschiedene Heilmittel wirkungslos geblieben waren, schwand schließlich jegliche Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Bevor sich die Matrosen in ihre Betten zurückzogen, wurden sie vom Kapitän gebeten, einzeln in seine Kajüte zu gehen, um sich von ihm zu verabschieden. Jeder kam der Aufforderung nach, ohne die geringste Hoffnung zu hegen, ihn am folgenden Morgen noch lebend vorzufinden. Viele hatten Tränen in den Augen, als sie aus der Kajüte herauskamen.

Schwester Martin [eine der Heiligen der Letzten Tage auf dem Schiff] saß an seinem Bett und erzählte ihm von ihrem Wunsch, dass ich gerufen werden möge, um ihm einen Krankensegen zu geben, damit er dadurch vielleicht doch noch geheilt werden könne. Er gab freudig sein Einverständnis. Ich schlief in meiner Koje, als mich die Nachricht erreichte. Es war ungefähr um Mitternacht. Ich stand sofort auf und machte mich auf den Weg zu seiner Kajüte [und] traf unterwegs den Ersten Offizier, der gerade von ihm kam. Er war gerade an mir vorbeigegangen, da begegnete er Bruder Staines, dem er erzählte, dass Mr. Snow dem Steward nun die Hände auflegen werde. ‚Aber‘, sagte er (voller Kummer), ‚es hat alles keinen Zweck. Mit dem armen Kerl ist es jetzt vorbei.‘ ‚Ach‘, entgegnete Bruder Staines, ‚der Herr kann ihn durch das Händeauflegen wieder gesundmachen.‘ … ‚Meinen Sie wirklich?‘, fragte der Seemann in der Einfachheit seines Herzens.

Als ich weiterging, traf ich den Kapitän an der Kajütentür, und er sah so aus, als habe er geweint. ‚Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, Mr. Snow‘, sagte er, ‚obgleich es nichts mehr nützt, denn es muss mit dem Steward bald vorbei sein.‘ Ich betrat den Raum und setzte mich an sein Bett. Seine Atmung war sehr kurz, wie bei jemandem, der im Sterben liegt. Er konnte kaum sprechen, deutete aber seinen Wunsch an, [dass] ich ihm einen Segen geben solle. Er hatte wohl eine Frau und zwei Kinder in Hamburg, die für ihren Lebensunterhalt auf ihn angewiesen waren. Er schien ihretwegen sehr besorgt zu sein.

Ich legte ihm die Hände auf, und kaum war der Krankensegen beendet, erhob er sich und setzte sich auf, klatschte in die Hände, lobte den Herrn laut und dankte ihm, dass er geheilt war. Bald danach stand er vom Bett auf, verließ seine Kajüte und ging an Deck.

Am nächsten Morgen war jeder erstaunt darüber, dass der Steward noch lebte, und wunderte sich, dass er seiner Arbeit wie gewohnt nachging. Jeder einzelne Matrose bezeugte, dass dies ein Wunder war. Die Heiligen wussten es und freuten sich und priesen den Herrn. Auch der Kapitän glaubte fest daran und war zutiefst dankbar, und von diesem Augenblick an war sein Herz uns zugeneigt. Er gewährte uns jeden Wunsch und jede Gefälligkeit, die in seiner Macht stand, und war ständig um unser Wohlergehen bemüht. Er wohnte allen Versammlungen bei und kaufte und las unsere Bücher. Die Offiziere taten es ihm gleich, und als ich sie in New Orleans [in Louisiana] verließ, versprachen sie mir, sich taufen zu lassen. Ungefähr ein Jahr danach erhielt ich einen Brief von dem Ersten Offizier, der mich darüber in Kenntnis setzte, dass sie … ihr Versprechen in die Tat umgesetzt hatten. Auch der Kapitän bekundete seine Absicht, das Evangelium eines Tages anzunehmen und mit den Heiligen zu leben. Der Steward ließ sich taufen, als wir in New Orleans ankamen. Als wir uns verabschiedeten, schenkte er mir eine Bibel, die ich gut aufbewahre.“40

Elder Snow schrieb: „Einige Matrosen weinten, als wir die Swanton endgültig verließen. Fürwahr empfand jeder von uns etwas sehr Heiliges.“41 In New Orleans gingen Elder Snow und seine Gefährten an Bord einer Fähre und fuhren den Mississippi hinauf. Am 12. April 1843 erreichten sie Nauvoo.

Dem Werk des Herrn unentwegt verschrieben

Nachdem Lorenzo Snow gute sieben Jahre lang als Vollzeitmissionar tätig gewesen war, änderten sich seine Gelegenheiten, zu dienen, zeitweise. Im Winter 1843/44 boten ihm die Kuratoren einer örtlichen Schule eine Stelle als Lehrer an. Er nahm das Angebot an, obwohl er wusste, dass sich viele der Schüler damit brüsteten, „die Lehrer anzugehen und die Schule auseinanderzunehmen“. Er fasste den Entschluss, den Respekt der Schüler zu gewinnen, indem er ihnen Respekt erwies. Seine Schwester Eliza berichtet: „Er sprach mit diesen Jungen, als seien sie höchst ehrenwerte Herrschaften. … Er gab sich große Mühe, sie mit dem Interesse, das er für sie empfand, und seinem Wunsch, ihnen beim Lernen zu helfen, zu beeindrucken. … So beruhigten sich ihre Gemüter durch Freundlichkeit und Überzeugung – ihr Vertrauen war gewonnen und dank geduldiger und anhaltender Anstrengung wurden die skrupellosen Rohlinge zu anständigen Schülern. Schon lange vor Ende des Schuljahrs waren sie, zur Überraschung aller, zu fleißigen Schülern geworden.“42

1844 erhielt er eine neue Aufgabe in der Kirche. Er wurde beauftragt, sich nach Ohio zu begeben und den Wahlkampf von Joseph Smith zu leiten, der für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten kandidierte. Der Prophet war enttäuscht über die Art und Weise, wie die Heiligen der Letzten Tage von der Regierung der Vereinigten Staaten behandelt worden waren, und er hatte die damaligen Präsidentschaftskandidaten angeschrieben, um ihre Haltung gegenüber der Kirche herauszufinden. Da ihre Antworten ihn nicht zufriedengestellt hatten, hatte er sich dazu entschlossen, selbst für die Präsidentschaft zu kandidieren.

Das Kollegium der Zwölf Apostel beauftragte Lorenzo Snow und andere Brüder, „im ganzen Staat Ohio eine politische Organisation zu gründen, um Josephs Präsidentschaftskandidatur zu unterstützen“43. Dadurch weckten sie das Bewusstsein dafür, in welchem Ausmaß die verfassungsmäßigen Rechte der Heiligen verletzt worden waren. Lorenzo fand, dass dies „eine sehr denkwürdige Zeit“44 war. Einige gingen vehement gegen die Kandidatur des Propheten an, während andere meinten, dass Joseph Smith die Nation zu Erfolg und Wohlstand führen könne.

„Inmitten dieser starken Gegensätze“, sagte Lorenzo Snow rückblickend, „kam meine Arbeit plötzlich zum Erliegen, als ich einen gut belegten Bericht über die Ermordung des Propheten und seines Bruders Hyrum erhielt.“45 „Mit traurigem Herzen“ kehrte er nach Nauvoo zurück.46

Selbst in dieser tragischen Zeit arbeiteten die Heiligen eifrig mit daran, das Reich Gottes aufzubauen. Lorenzo machte später folgende Anmerkung: „Unter der Führung des Allmächtigen kam das Reich voran.“47 Sie predigten das Evangelium und stärkten einander und arbeiteten zusammen, um den Tempel in ihrer Stadt zu vollenden.

Als Lorenzo Snow sich den Heiligen in Nauvoo angeschlossen hatte, hatte er den Entschluss gefasst, niemals zu heiraten und stattdessen sein Leben der Verkündigung des Evangeliums zu widmen. Seine Schwester Eliza schrieb später: „Seine Zeit, seine Talente und alles diesem Werk zu weihen war sein allumfassender Wunsch.“ Er war der Meinung, dass ein Familienleben „seine Nützlichkeit“ im Werk des Herrn einschränken würde.48

Lorenzos Ansichten über Ehe und Familie wandelten sich allmählich im Jahr 1843, als er sich mit dem Propheten Joseph Smith am Ufer des Mississippis unter vier Augen unterhielt. Der Prophet gab Zeugnis von der Offenbarung, die er in Bezug auf die Mehrehe empfangen hatte. Er sagte zu Lorenzo: „Der Herr wird dir den Weg bereiten, damit du das Gesetz der celestialen Ehe empfangen und befolgen kannst.“49 Dank dieser Worte begriff Lorenzo langsam, dass die Eheschließung ein Gebot vom Herrn und in Gottes Plan des Glücklichseins unerlässlich ist.

1845 ging Lorenzo Snow die Mehrehe ein, wie sie damals in der Kirche ausgeübt wurde. Er heiratete Charlotte Squires und Mary Adaline Goddard. Später wurden noch weitere Frauen an ihn gesiegelt. Seine Treue gegenüber seinen Frauen und Kindern war nun in seiner Treue gegenüber dem Herrn verankert.

Die Heiligen richteten in Nauvoo weiterhin das Gottesreich auf, aber auch ihre Verfolgung ließ nicht nach. Im Februar 1846 wurden sie von ihren Peinigern gezwungen, ihre Häuser und ihren Tempel bei Eiseskälte aufzugeben. Sie nahmen den langen Zug in den Westen auf sich, um eine neue Heimat zu finden.

Er hilft den Heiligen, sich im Salzseetal zu sammeln

Obwohl Lorenzo Snow und seine Familie Nauvoo mit den anderen Heiligen verließen, kamen sie erst ein Jahr nach dem Eintreffen der ersten Pionierabteilung im Salzseetal an. Wie die meisten Mormonenpioniere hielten sie sich unterwegs in vorläufigen Siedlungen auf. Lorenzo und seine Familie wohnten für kurze Zeit in einer Siedlung in Iowa namens Garden Grove und bauten dort Blockhütten für die Heiligen, die nach ihnen kommen sollten. Von dort aus zogen sie in eine Siedlung, die Mount Pisgah hieß, ebenfalls in Iowa.

In Mount Pisgah arbeitete Lorenzo mit seiner Familie und den anderen Heiligen zusammen, um für ihren Unterhalt zu sorgen und für den derjenigen, die ihnen auf dem Weg ins Salzseetal folgen würden. Sie errichteten Blockhütten und zogen Feldfrüchte, wohl wissend, dass aller Wahrscheinlichkeit nach andere die Ernte einbringen würden. Während ihres Aufenthalts in Mount Pisgah wurde Lorenzo dazu berufen, über die Siedlung zu präsidieren. Da alle – auch seine Angehörigen – von Kummer, Krankheit und Tod heimgesucht wurden, half er ihnen eifrig dabei, Hoffnung zu schöpfen, einander zu stärken und den Geboten des Herrn gehorsam zu bleiben.50

Im Frühjahr 1848 bekam Lorenzo Snow von Präsident Brigham Young die Anweisung, Mount Pisgah zu verlassen und ins Salzseetal zu ziehen. Lorenzo wurde auch diesmal eine Führungsaufgabe übertragen, dieses Mal als Anführer von Pionierabteilungen. Die Abteilungen kamen im September 1848 im Salzseetal an.

Die Arbeit als Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel

Am 12. Februar 1849 erhielt Lorenzo Snow die Mitteilung, er solle an einer Sitzung des Kollegiums der Zwölf Apostel teilnehmen. Er unterbrach seine Tätigkeit auf der Stelle und ging zu der Sitzung, die bereits begonnen hatte. Unterwegs überlegte er, weshalb ihn das Kollegium der Zwölf wohl vorgeladen hatte. Er war etwas irritiert – hatte man ihn etwa eines Vergehens bezichtigt? Da er wusste, dass er treu seine Pflicht erfüllt hatte, verwarf er diesen Gedanken wieder. Aber er konnte sich nicht ausmalen, was auf ihn zukommen würde. Als er ankam, war er überrascht, dass er als Mitglied dieses Kollegiums berufen worden war. In derselben Sitzung wurden er und drei weitere Brüder – Elder Charles C. Rich, Elder Franklin D. Richards und Elder Erastus Snow, ein entfernter Cousin – als Apostel ordiniert.51

Lorenzo Snows Ordinierung zum Apostelamt bestimmte, wie sein Leben weiter verlaufen würde. Seine Berufung als „besonderer Zeuge des Namens Christi“ (LuB 107:23) beeinflusste alles, was er tat. Zu einem späteren Zeitpunkt brachte er seine Gedanken darüber zum Ausdruck, welche Aufgaben man als einzelner Apostel hat:

„Erstens: Ein Apostel muss durch Offenbarung von Gott die göttliche Erkenntnis haben, dass Jesus lebt – dass er der Sohn des lebendigen Gottes ist.

Zweitens: Er muss die göttliche Vollmacht haben, den Heiligen Geist zu verheißen – einen göttlichen Grundsatz, der das, was von Gott ist, und dessen Willen und Absichten kundtut, der in alle Wahrheit führt und alles Zukünftige zeigt, so wie es der Heiland erklärt hat.

Drittens: Er ist durch die Macht Gottes bevollmächtigt, die heiligen Handlungen des Evangeliums zu vollziehen, die jedem Einzelnen durch ein göttliches Zeugnis bestätigt werden. Tausende, die jetzt in diesen Gebirgstälern leben und diese heiligen Handlungen durch mich empfangen haben, sind lebendige Zeugen für die Wahrheit dieser Aussage.“52

Zusätzlich zu seiner mit dieser Berufung verbundenen Verantwortung als Einzelner hatte Elder Snow eine klare Vorstellung davon, was es bedeutet, dem Kollegium der Zwölf anzugehören: „Wir, die Zwölf, sind fest entschlossen, alles aufzugeben, was unsere Aufmerksamkeit vom Pfad der Pflicht ablenken könnte, damit wir eins sein können, wie die [Erste] Präsidentschaft eins ist; einander in der Liebe verbunden, die auch den Sohn Gottes mit dem Vater verbindet.“53

Mit diesem Verständnis von seiner persönlichen Berufung und dem Auftrag des Kollegiums der Zwölf weihte Elder Lorenzo Snow sein Leben dem Aufbau des Gottesreichs auf Erden. Diesem Aufruf, zu dienen, kam er in vielerlei Weise an zahlreichen Orten nach.

Die Italienische Mission

Während der Herbst-Generalkonferenz 1849 wurde Elder Snow berufen, eine Mission in Italien zu gründen. Obwohl er weder mit dem Land, der Kultur noch der Sprache vertraut war, zögerte er nicht, die Berufung anzunehmen. Weniger als zwei Wochen nach der Konferenz war er zum Aufbruch bereit. Er hatte sein Möglichstes getan, damit seine Frauen und seine Kinder in seiner Abwesenheit Hilfe hatten.

Als er und weitere Missionare sich in den Osten der Vereinigten Staaten begaben, wo sie an Bord eines Schiffes gehen wollten, um den Atlantischen Ozean zu überqueren, wandten sich seine Gedanken seiner Familie und den Menschen zu, denen er bald dienen sollte. In einem Brief an seine Schwester Eliza schrieb er: „Ich erlebte ein Wechselbad der Gefühle. … Wir entfernten uns rasch immer weiter von diesem starken Magneten, der Heimat! Doch wir wussten, dass das Werk, in dem wir tätig waren, darin bestand, denjenigen Licht zu bringen, die im finsteren Tal umherirrten. Unser Herz erstrahlte vor Liebe und unsere Tränen wurden getrocknet.“54

Elder Snow und seine Begleiter trafen im Juli 1850 in Genua ein. Ihnen wurde klar, dass das Werk des Herrn nur langsam vorangehen würde. Elder Snow schrieb: „Ich bin allein, ein Fremder in einer großen Stadt, achttausend Meilen von meiner geliebten Familie entfernt, umgeben von Menschen, deren Sitten und Gebräuche ich nicht kenne. Ich bin hierhergekommen, um ihren Verstand zu erleuchten und sie in den Grundsätzen der Rechtschaffenheit zu unterweisen; aber ich sehe keine Möglichkeit, dieses Ziel zu verwirklichen. Was das angeht, irre ich in Finsternis umher.“ Er war besorgt wegen der „Torheiten, … der Schlechtigkeit, der großen Umnachtung und des Aberglaubens“ der Menschen, zu denen er berufen worden war, und schrieb: „Ich bitte den Vater im Himmel, auf dieses Volk mit Barmherzigkeit herabzublicken. O Herr, lass sie zu Empfängern deiner Gnade werden, damit sie nicht alle zugrunde gehen mögen. Vergib ihre Sünden und lass mich unter ihnen bekannt sein, damit sie dich erkennen mögen und wissen, dass du mich gesandt hast, um dein Reich zu errichten. … Gibt es unter diesem Volk keine Erwählten, zu denen du mich geschickt hast? Führe mich zu ihnen, und dein Name wird Herrlichkeit erlangen durch Jesus, deinen Sohn.“55

Elder Snow fand diese „Erwählten“ unter den Waldensern. Die Waldenser lebten in einem Gebirgstal der Region Piemont, südlich der Grenze zwischen Italien und der Schweiz und östlich der Grenze zwischen Italien und Frankreich. Ihre Vorfahren waren verfolgt und von Ort zu Ort getrieben worden, weil sie an die Vollmacht der ersten Apostel glaubten und die Lehren der Apostel befolgten, statt sich einer der zu ihrer Zeit bestehenden Kirchen anzuschließen.

In einem Brief an Präsident Brigham Young schrieb Elder Snow, dass die Waldenser seit langer Zeit „Finsternis und Grausamkeit“ erlitten hatten und dennoch „unverrückbar standen, fast wie ein umwogter Fels im stürmischen Ozean“. Kurz bevor die Missionare der Heiligen der Letzten Tage in Italien ankamen, befanden sich die Waldenser gerade in einer „Zeit tiefer Ruhe“ und schienen mehr religiöse Freiheiten zu genießen als jede andere Gruppe in Italien. Er hielt fest: „Somit wurde der Weg erst kurz vor unserer Missionsberufung bereitet, und in keiner anderen Gegend Italiens herrschen so günstige Gesetze.“

Da Elder Snow mehr über diese Volksgruppe erfahren wollte, ging er in eine Bibliothek, um ein Buch über sie zu finden. Er berichtete: „Der Bibliothekar, an den ich mich wandte, informierte mich darüber, dass ein solches Buch zwar existierte, es aber ausgeliehen war. Er hatte seinen Satz noch nicht einmal zu Ende gesprochen, als eine Dame mit dem Buch eintrat. ‚Ach‘, sagte er, ‚das ist aber ein erstaunlicher Zufall. Dieser Herr hat gerade um dieses Buch gebeten.‘ Bald darauf war ich davon überzeugt, dass diese Menschen es wert waren, als Erste in Italien das Evangelium verkündet zu bekommen.“56

Elder Snow und seine Begleiter waren zwar begierig, das Evangelium im Piemont zu verkünden, sie waren allerdings der Meinung, behutsam vorgehen, zuerst Freundschaften schließen und den Menschen zeigen zu müssen, dass sie ihnen vertrauen konnten. Als sie den Eindruck hatten, zu den Leuten eine gute Beziehung geknüpft zu haben, stiegen sie auf einen nahegelegenen Berg, sangen „dem Gott des Himmels Lobeslieder“, sprachen ein Gebet und weihten Italien für die Missionsarbeit. Sie brachten auch ihre persönliche Hingabe an das Werk zum Ausdruck, worauf Elder Snow seinen Mitarbeitern Priestertumssegen spendete, die ihnen bei ihren Aufgaben helfen sollten. Inspiriert durch dieses Erlebnis auf dem Berg nannte Elder Snow diesen Ort „Mount Brigham“.57

Selbst nach dieser Begebenheit dauerte es noch fast zwei Monate, bevor jemand den Wunsch äußerte, der Kirche beizutreten. Am 27. Oktober 1850 konnten sich die Missionare über die erste Taufe und Konfirmierung in Italien freuen.58 Elder Snow berichtete später: „Das Werk geht hier langsam und mühsam voran. … Dennoch hat die Kirche Fuß gefasst. Der Baum ist gepflanzt und breitet seine Wurzeln aus.“59

Eines Nachts hatte Elder Snow einen Traum, der ihn die Bedeutung seiner Mission in Italien erkennen ließ. In diesem Traum ging er mit seinen Freunden fischen. „Wir waren entzückt, bis in die Ferne überall große, schöne Fische an der Wasseroberfläche zu sehen“, schrieb er. „Wir sahen viele Menschen, die ihre Netze und Angeln auswarfen. Aber sie blieben alle am selben Ort, während wir ständig in Bewegung waren. Als ich an einem Fischer vorbeiging, bemerkte ich, dass sich ein Fisch an meinem Haken verfing, und ich dachte, ich würde vielleicht diesen Mann erzürnen, da ich einen Fisch sozusagen aus seiner Hand gefangen hatte. Wir gingen aber trotzdem weiter und erreichten das Ufer. Dann holte ich meine Angel ein und war über eine so kleine Beute nicht wenig überrascht und beschämt. Ich kam mir eigenartig vor, bei so vielen edlen und erlesen aussehenden Fischen einen solch kleinen Fang gemacht zu haben. Aber meine Enttäuschung schwand, als ich feststellte, dass die Qualität dieses Fangs ganz außerordentlich hoch war.“60

Elder Snows Traum war prophetisch. Er fand in Italien keine große Anzahl an Bekehrten, und ein anderer Missionar erwähnte später, dass diejenigen, die das Evangelium annahmen, nicht zu den „Reichen und Edlen“61 gehörten. Dennoch waren Elder Snow und seine Mitstreiter Werkzeuge in der Hand des Herrn und brachten gute, glaubenstreue Menschen in das Reich Gottes – Menschen, die dankbar waren, dass sie auf „den Pfad zu einem neuen und endlosen Leben eingetreten waren“62. Unter der Leitung von Elder Snow wurde das Buch Mormon ins Italienische übersetzt.

Fast eineinhalb Jahrhunderte später sprach ein anderer Apostel, Elder James E. Faust, über die Männer und Frauen, die der Kirche aufgrund der Arbeit von Elder Snow und seinen Mitarbeitern beigetreten waren: „Einige waren unter den ersten Handkarrenpionieren, die ins Salzseetal kamen. … Manch einer ihrer Nachkommen pflegte die Weingärten der jungen wiederhergestellten Kirche und leistet heute einen einzigartigen Beitrag in der weltweiten Kirche; sie glauben, wie ihre Vorfahren, dass Apostel die Schlüssel innehaben, die niemals rosten.“63

Mitwirkung beim Aufbau der Kirche

Elder Snow erfüllte später noch weitere Missionen. Er machte seine Berufung als Mitglied des Kollegiums der Zwölf groß und wirkte „unter der Leitung der [Ersten] Präsidentschaft der Kirche“ daran mit, die Kirche aufzubauen und „alle Angelegenheiten derselben in allen Nationen“ zu ordnen (LuB 107:33).

1853 wurde Lorenzo Snow von Brigham Young berufen, eine Gruppe von Familien zu einer Siedlung im Landkreis Box Elder im Norden Utahs zu führen. Die bereits bestehende Siedlung war klein, unorganisiert und geschwächt. Elder Snow machte sich umgehend an die Arbeit und teilte die Bewohner nach den Grundsätzen des Gesetzes der Weihung ein, wie sie vom Propheten Joseph Smith dargelegt worden waren. Sie bauten eine blühende Stadt auf, die Elder Snow zu Ehren Brigham Youngs Brigham City nannte. Die Bürger, die miteinander arbeiteten und einander unterstützten, richteten ein Schulsystem, Fabriken, ein Bewässerungssystem, ein Handelsunternehmen und sogar eine Theatergesellschaft ein. Obwohl sie das Gesetz der Weihung nicht in seiner Gänze lebten, ließen sie sich von seinen Grundsätzen leiten und bewiesen, was eine Gemeinschaft durch Zusammenarbeit und harte Arbeit bewirken kann. „In Brigham City gab es keine Müßiggänger“, schrieb Präsident Snows Tochter Leslie. „Es war eine Zeit der Aktivität und des Wohlstands, der vermutlich keine andere in der Geschichte anderer Siedlungen des Staates je gleichkam.“64

Elder Snow und seine Familie lebten viele Jahre lang in Brigham City. Er präsidierte über die Heiligen dort und ging von Zeit zu Zeit aus, um woanders eine kurze Mission zu erfüllen. 1864 war er etwa drei Monate fort, um eine kurze Mission in Hawaii zu erfüllen. Er war mit Elder Ezra T. Benson, der ebenfalls Mitglied des Kollegiums der Zwölf war, sowie mit Elder Joseph F. Smith, Elder Alma Smith und Elder William W. Cluff unterwegs.65 1872/73 begleiteten Elder Snow und weitere Mitglieder Präsident George A. Smith, den Ersten Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, auf einer neunmonatigen Reise durch Europa und den Nahen Osten, wobei sie auch ins Heilige Land kamen. Sie folgten einer Aufforderung von Präsident Brigham Young, der hoffte, dass ihr rechtschaffener Einfluss dazu beitragen werde, dass das wiederhergestellte Evangelium in weitere Länder gelangt.66 1885 wurde Elder Snow dazu berufen, mehrere Gruppen Indianer im Nordwesten der Vereinigten Staaten und im Staat Wyoming aufzusuchen. Von Anfang August bis Ende Oktober gründete er dort Missionen und berief kirchliche Führer, die sich derer annahmen, die sich taufen und konfirmieren ließen.

Tempelarbeit

Präsident Heber J. Grant, der siebte Präsident der Kirche, bemerkte, dass Präsident Lorenzo Snow „sein Leben viele Jahre lang der Tempelarbeit geweiht hat“67. Seine Vorliebe für die Tempelarbeit begann bereits kurz nach seiner Bekehrung und vertiefte sich während seines Dienstes als Apostel. Kurz nach seiner Taufe und Konfirmierung nahm er an Versammlungen im Kirtland-Tempel teil. Später widmete er sich begeistert der Aufgabe, Spenden für den Bau des Tempels in Nauvoo zu sammeln. Als der Tempel in Nauvoo fertig war, diente er darin als Amtierender und half den Heiligen der Letzten Tage, vor ihrem Auszug nach Westen das Endowment und die Siegelung zu empfangen. Als er zum Apostel berufen wurde, blieben seine Aufgaben im Tempel bestehen und wurden noch erweitert. Er sprach anlässlich der Weihungsgottesdienste für den Logan-Utah-Tempel. Nachdem Präsident Wilford Woodruff den Manti-Utah-Tempel geweiht hatte, verlas Präsident Snow in den Versammlungen der Folgetage das Weihungsgebet. Und als auf der höchsten Turmspitze des Salt-Lake-Tempels der Schlussstein gelegt wurde, führte er die versammelte Menge im Hosanna-Ruf an. Nachdem der Salt-Lake-Tempel geweiht war, diente er darin als erster Tempelpräsident.

Anlässlich des 80. Geburtstags von Präsident Snow würdigte ihn eine Lokalzeitung mit folgenden Worten: „Auch an seinem Lebensabend [ist er] immer noch eifrig und ernsthaft in der großen Sache tätig, der er bereits seine jungen Jahre gewidmet hat. Innerhalb der heiligen Mauern des Tempels verrichtet er weiterhin die herrliche Arbeit, der er und seine Mitarbeiter sich verschrieben haben – einer Arbeit, deren Bedeutung für diese von Sünde und Tod geplagte Welt gar nicht genug betont werden kann.“68

Er war stets für den Einzelnen da

Auch wenn Präsident Snow von Ort zu Ort reiste, um vor großen Gruppen zu sprechen, nahm er sich doch die Zeit, auch dem Einzelnen und Familien zu dienen. Als er beispielsweise Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel war, sprach er im März 1891 bei einer Konferenz in Brigham City. Mitten in seiner Rede wurde ihm eine Notiz auf das Rednerpult gelegt. Ein Augenzeuge berichtete, dass er „aufhörte zu sprechen, die Notiz las und dann den Heiligen erklärte, dass es sich dabei um einen Auftrag handelte, Menschen zu besuchen, die großen Kummer hatten“. Er bat darum, ihn zu entschuldigen, und verließ das Rednerpult.

Die Notiz stammte von einem Bürger aus Brigham City namens Jacob Jensen. Darin stand, dass Bruder Jensens Tochter Ella nach wochenlangem Kampf gegen Scharlach an diesem Tag verstorben war. Er hatte die Notiz nur geschrieben, um Präsident Snow über ihren Tod zu informieren und ihn zu bitten, den Trauergottesdienst zu organisieren. Aber Präsident Snow wollte die Familie umgehend besuchen, auch wenn das bedeutete, dass er seine Ansprache verkürzen und eine Versammlung verlassen musste, über die er präsidierte. Bevor Präsident Snow die Versammlung verließ, bat er Rudger Clawson, den damaligen Präsidenten des Pfahles Box Elder, ihn zu begleiten.

Jacob Jensen hat berichtet, was geschah, als Präsident Snow und Präsident Clawson bei ihm zu Hause ankamen:

„Nachdem Präsident Snow ein, zwei Minuten an Ellas Bett gestanden hatte, fragte er, ob wir geweihtes Öl im Haus hätten. Ich war höchst überrascht, bejahte aber und holte es für ihn. Er gab Bruder Clawson das Öl und bat ihn, Ella zu salben. [Präsident Snow] siegelte anschließend die Salbung.

Während der heiligen Handlung war ich von einigen Worten, die er gebrauchte, besonders beeindruckt, und ich kann mich gut daran erinnern. Er sagte: ‚Liebe Ella, ich befehle dir im Namen des Herrn Jesus Christus, zurückzukehren und zu leben; deine Mission ist noch nicht zu Ende. Du wirst noch weiterleben, um eine große Mission zu erfüllen.‘

Er sagte, dass sie noch leben sollte, um viele Kinder großzuziehen und um ihren Eltern und Freunden ein Trost zu sein. Ich kann mich gut an diese Worte erinnern. …

Nachdem Präsident Snow mit dem Segen fertig war, wandte er sich meiner Frau und mir zu und sprach: ‚Ihr müsst nun nicht mehr trauern oder betrübt sein. Alles wird gut. Bruder Clawson und ich haben viel zu tun, wir können nicht bleiben, aber seid einfach geduldig und wartet und trauert nicht, denn alles wird gut.‘ …

Ella blieb noch über eine Stunde in diesem Zustand, nachdem Präsident Snow sie gesegnet hatte, und insgesamt drei Stunden, nachdem sie gestorben war. Wir saßen und wachten an ihrem Bett, ihre Mutter und ich, als sie plötzlich die Augen aufschlug. Sie schaute im Raum umher und sah uns dasitzen, suchte aber nach noch jemand anderem, und das Erste, was sie sagte, war: ‚Wo ist er? Wo ist er?‘ Wir fragten: ‚Wer denn? Wo ist wer?‘ ‚Bruder Snow, natürlich‘, antwortete sie. ‚Er hat mich zurückgerufen.‘“69

Als Ella in der Geisterwelt war, hatte sie einen solchen Frieden und solches Glück empfunden, dass sie nicht mehr zurückkehren wollte. Aber sie gehorchte der Stimme Präsident Snows. Von dem Tag an stärkte sie die Mitglieder ihrer Familie und ihre Freunde und half ihnen zu verstehen, dass sie nicht um ihre verstorbenen Lieben trauern müssen.70 Später heiratete sie, bekam acht Kinder und erfüllte treu ihre Berufungen in der Kirche.71

An der Spitze der Kirche als Prophet, Seher und Offenbarer des Herrn

Am 2. September 1898 verstarb Wilford Woodruff, nachdem er über neun Jahre Präsident der Kirche gewesen war. Lorenzo Snow, der damals Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel war, befand sich gerade in Brigham City, als er davon erfuhr. So schnell wie möglich stieg er in einen Zug nach Salt Lake City, da er wusste, dass jetzt die Verantwortung, die Kirche zu führen, auf dem Kollegium der Zwölf ruhte.

Da er sich unzulänglich fühlte, aber bereit war, dem Willen des Herrn zu gehorchen, ging Präsident Snow in den Salt-Lake-Tempel und betete. Als Antwort auf sein Gebet erschien ihm der Herr. Präsident Snow bezeugte später, dass er „wirklich den Erretter … im Tempel [gesehen] und von Angesicht zu Angesicht mit ihm [gesprochen hat]“. Der Herr sagte ihm, er solle die Umbildung der Ersten Präsidentschaft sofort vornehmen und damit nicht warten, wie es nach dem Tod der vorhergehenden Präsidenten der Kirche der Fall gewesen war.72 Präsident Snow wurde am 13. September 1898 vom Kollegium der Zwölf Apostel als Präsident der Kirche bestätigt und trat daraufhin sein Amt als Präsident an. Er wurde am 9. Oktober von den Mitgliedern bestätigt und am 10. Oktober als fünfter Präsident der Kirche eingesetzt.

Durch das Beispiel, das er gab, und durch die Offenbarungen, die er empfing, lernten die Heiligen der Letzten Tage ihn als ihren Propheten zu schätzen. Auch Menschen anderen Glaubens achteten ihn als wahren Mann Gottes.

Sein Umgang mit den Heiligen der Letzten Tage

Als Präsident der Kirche führte Lorenzo Snow häufig den Vorsitz bei Pfahlkonferenzen. Wenn er mit den Heiligen zusammenkam, brachte er ihnen seine Liebe und seinen Respekt zum Ausdruck. Durch seine Worte und seine Taten bewies er, dass er sich einerseits bewusst war, wie heilig seine Berufung war, dass er sich andererseits aber nicht über die Menschen stellte, denen er diente.

Bei einer Pfahlkonferenz nahm er an einer besonderen Versammlung für Kinder teil. Die Kinder wurden gebeten, sich geordnet in einer Reihe aufzustellen, damit ein jedes von ihnen zum Propheten gehen und ihm die Hand geben konnte. Bevor sie sich aufstellten, stand er auf und sagte: „Wenn wir einander die Hand geben, möchte ich, dass ihr mir ins Gesicht seht, damit ihr euch immer an mich erinnert. Ich bin zwar nicht besser als viele andere Menschen, aber der Herr hat mir große Verantwortung auferlegt. Seit der Herr sich mir gezeigt und somit umfassend kundgetan hat, habe ich keine Mühe gescheut, alle Pflichten zu erfüllen, die auf mir ruhen. Ich möchte, dass ihr euch an mich erinnert, weil ich dieses hohe Amt innehabe. Vergesst nicht, dass ihr die Hand des Präsidenten der Kirche Jesu Christi geschüttelt habt. Ich hoffe, ihr vergesst nicht, für mich und meine Ratgeber, Präsident Cannon und Präsident Smith, und für die Apostel zu beten.“73

Präsident Snows Sohn LeRoi erzählte einmal etwas von einer Pfahlkonferenz in Richfield in Utah: „Präsident Lorenzo Snow und Francis M. Lyman [vom Kollegium der Zwölf Apostel] waren bei der Pfahlkonferenz in Richfield anwesend. Nach dem Anfangslied fragte der Pfahlpräsident Bruder Lyman, wen er bitten solle, das Anfangsgebet zu sprechen. Bruder Lyman antwortete: ‚Fragen Sie Präsident Snow‘, und er meinte damit, er solle Präsident Snow fragen, wer das Anfangsgebet sprechen sollte. Stattdessen fragte der Pfahlpräsident aber Präsident Snow, ob er das Gebet sprechen würde. Präsident Snow war hocherfreut und verlieh dieser Freude Ausdruck, bevor er anfing zu beten. Er sagte, es sei schon lange her, dass ihm diese Freude zuteilgeworden sei. Es wird erzählt, dass er ein wundervolles Anfangsgebet sprach.“74

Sein Umgang mit Andersgläubigen

Präsident Snows Einfluss erstreckte sich nicht nur auf die Heiligen der Letzten Tage. Wenn ihn Menschen anderen Glaubens kennenlernten, bekamen sie vor ihm und vor der Kirche, die er vertrat, Achtung. Ein Geistlicher, Pfarrer W. D. Cornell, besuchte einmal Salt Lake City und hatte die Gelegenheit, mit Präsident Snow zu sprechen. Er schrieb:

„Ich wurde von seinem höflichen und erfahrenen Sekretär in seine erhabene Gegenwart geführt und durfte einem der zuvorkommendsten und liebenswürdigsten Menschen, die ich je getroffen habe, die Hand geben; einem Mann, der die besondere Eigenschaft besaß, seinem Gegenüber sofort jegliches Unbehagen in seiner Gegenwart zu nehmen; jemandem, der sich meisterhaft zu unterhalten wusste und der die seltene Begabung hatte, dem Besucher den Eindruck zu vermitteln, in seiner Nähe herzlich willkommen zu sein.

Präsident Snow ist ein außerordentlich gebildeter Mann – rege in Verstand, Körper und Geist. Seine Worte sind gut gewählt, diplomatisch, freundlich und gelehrt. Sein Verhalten zeugt von schulischer Gelehrsamkeit. Seine Geisteshaltung ist so sanft wie die eines Kindes. Man wird ihm vorgestellt und er ist einem gleich sympathisch. Wenn man sich mit ihm unterhält, mag man ihn einfach. Wenn man ihn besser kennenlernt, gewinnt man ihn richtig lieb.“ Pfarrer Cornell schrieb seinen Lesern, die offensichtlich Vorurteile gegenüber der Kirche hatten: „Und dennoch ist er ein ‚Mormone‘! Nun, wenn der ‚Mormonismus‘ aus Präsident Snow jemals einen groben, brutalen Menschen machen will, hat er in der Tat viel zu tun. Wenn der ‚Mormonismus‘ die treibende Kraft war, die der Welt einen Menschen geschenkt hat, der so gelassen ist wie er, mit einem so klaren Verstand, dann muss doch irgendetwas Gutes am ‚Mormonismus‘ sein.“75

Ein anderer Geistlicher, Pfarrer Prentis, schrieb ebenfalls etwas über ein Treffen mit Präsident Snow: „Das Antlitz, das eine Seele offenbart, wo der Friedensfürst regiert, ist sein bester Zeuge. Ich habe mein Leben damit zugebracht, mir Menschenkenntnis anzueignen. Hin und wieder habe ich einen solchen Zeugen gefunden. Eine solche Wirkung hatte das Gesicht, in das ich heute blickte. … Ich war darauf gefasst, im Gesicht des Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Geisteskraft, Wohlwollen, Würde, Gelassenheit und Stärke zu finden; doch als ich Präsident Lorenzo Snow vorgestellt wurde, war ich einen Augenblick wie erstarrt. … Sein Antlitz spendete Frieden; seine Gegenwart besiegelte diesen Frieden. In der friedvollen Tiefe seiner Augen spiegelten sich nicht nur stille Gebete wider, sondern auch geistige Kraft. Als er über das ‚sicherere Prophezeiungswort‘ sprach, über die Gewissheit der Hoffnung, die er besaß, und über den beständigen Glauben, der die Prüfungen und Schwierigkeiten eines sorgenvollen Lebens besiegt hatte, da beobachtete ich seine wechselnden Emotionen und achtete mit gebannter Aufmerksamkeit auf die feinen Nuancen in seinem Gesichtsausdruck, die so deutlich preisgaben, was in seiner Seele vorging. Was ich empfand, war höchst seltsam; etwas sagte mir, dass ich auf heiligem Boden stand, dass dieser Mann seine Absichten nicht – wie die meisten – von Politik, Eigeninteresse oder Vorteilsdenken abhängig machte, sondern sich von Beweggründen leiten ließ, die weit über dem allen standen. … Wenn die Mormonenkirche solche Zeugen hervorbringen kann, bedarf sie nicht der Hilfe eines geneigten Autoren oder der Redegewandtheit eines begabten Predigers.“76

Die Offenbarung über den Zehnten

Vielleicht ist Präsident Lorenzo Snow am ehesten für die Offenbarung zum Gesetz des Zehnten bekannt, die er empfing. Im Mai 1899 wurde ihm eingegeben, mit anderen Führern der Kirche nach St. George in Utah zu fahren. Er kannte zwar nicht den Grund der Reise, dennoch folgten er und seine Begleiter der Eingebung umgehend und kamen nach etwa zwei Wochen in St. George an. Nachdem er in St. George angekommen war, empfing Präsident Snow am 17. Mai eine Offenbarung, dass er das Gesetz des Zehnten predigen sollte. Am nächsten Tag gab er vor den Heiligen folgende Erklärung ab: „Das Wort des Herrn an Sie ist nichts Neues, sondern einfach dies: FÜR JEDEN HEILIGEN DER LETZTEN TAGE, DER WILLENS IST, SICH FÜR DIE ZUKUNFT BEREITZUMACHEN UND UNVERRÜCKBAR AUF FESTEM GRUND ZU STEHEN, IST JETZT DIE ZEIT GEKOMMEN, DEN WILLEN DES HERRN ZU TUN UND DEN VOLLEN ZEHNTEN ZU ZAHLEN. Dies ist das Wort des Herrn an Sie, und es wird das Wort des Herrn an jede Siedlung im ganzen Land Zion sein.“77

Nachdem er diese Botschaft in St. George verkündet hatte, trugen Präsident Snow und seine Reisegefährten sie auch in weitere Städte und Siedlungen im Süden Utahs und entlang der Reiseroute zwischen St. George und Salt Lake City. Als sie am 27. Mai nach Hause kamen, hatten sie 24 Versammlungen durchgeführt, in denen Präsident Snow 26 Ansprachen gehalten und 4417 Kindern die Hand geschüttelt hatte. Sie hatten 676 Kilometer im Zug und 494 Kilometer in einer Pferdekutsche zurückgelegt.78 Beflügelt von diesem Erlebnis war es Präsident Snows Absicht, das Gesetz des Zehnten in der gesamten Kirche mit Nachdruck zu vertreten. „Ich freue mich so sehr über das Resultat dieses Besuchs“, sagte er, „dass ich in Erwägung ziehe, in naher Zukunft alle Pfähle Zions zu bereisen.“79 Er führte bei unzähligen Pfahlkonferenzen den Vorsitz und verhieß den Heiligen, dass der Gehorsam gegenüber diesem Gesetz die Mitglieder der Kirche für zeitliche und geistige Segnungen bereit machen werde.80 Er verhieß ebenfalls, dass der Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Zehnten die Kirche in die Lage versetzen werde, sich von ihren Schulden zu befreien.81

Überall in der Kirche befolgten die Mitglieder den Rat Präsident Snows mit neuer Entschlossenheit. 1904 schrieb der Historiker Orson F. Whitney, der später ins Kollegium der Zwölf Apostel berufen wurde: „Was dadurch ins Rollen gebracht wurde, führte sofort zu Ergebnissen. Der Zehnte und die Opfergaben flossen in einer seit Jahren nicht da gewesenen Fülle und Bereitwilligkeit. Der Zustand der Kirche besserte sich auf vielfältige Weise und ihre Aussichten klarten auf. Auch vorher schon hatte Präsident Snow die Zuneigung und das Vertrauen der Mitglieder besessen, doch nun steigerten und verstärkten sich diese guten Gefühle.“82 Präsident Heber J. Grant, der dem Kollegium der Zwölf Apostel angehörte, als Präsident Snow die Offenbarung über den Zehnten empfing, erklärte später: „Lorenzo Snow wurde mit 85 Jahren Präsident der Kirche, und es ist einfach wunderbar, darüber nachzudenken, was er in den darauffolgenden drei Jahren seines Lebens vollbrachte. … In diesen drei kurzen Jahren – und nach Einschätzung der Welt bereits jenseits des fähigen Alters – nahm dieser Mann, der niemals zuvor mit Finanzgeschäften zu tun gehabt, sondern viele Jahre seines Lebens der Tempelarbeit geweiht hatte, die Finanzen der Kirche Christi in die Hand. Dabei ließ er sich von der Inspiration des lebendigen Gottes leiten, und dadurch wandelte sich in diesen drei Jahren in finanzieller Hinsicht alles von Dunkelheit zum Licht.“83

Das Zeugnis, das er in den letzten Tagen seines Wirkens gab

Am 1. Januar 1901 wohnte Präsident Snow einer besonderen Versammlung im Tabernakel in Salt Lake City bei, mit der das 20. Jahrhundert begrüßt wurde. Menschen aller Religionen waren dazu eingeladen. Präsident Snow hatte eine Botschaft vorbereitet, aber er war nicht in der Lage, sie selbst vorzulesen, da er eine starke Erkältung hatte. Nach dem Anfangslied und dem Anfangsgebet und einer Darbietung des Tabernakelchors stand Präsident Snows Sohn LeRoi auf und verlas die Botschaft mit dem Titel „Grüße an die Welt von Präsident Lorenzo Snow“.84 Die Schlussworte dieser Botschaft sind beispielhaft dafür, was Präsident Snow für das Werk des Herrn empfand:

„In meinem 87. Lebensjahr hier auf der Erde bin ich von dem aufrichtigen Wunsch erfüllt, zum Wohle der Menschheit zu wirken. … Ich erhebe meine Hände und rufe die Segnungen des Himmels auf die Bewohner der Erde herab. Möge der Sonnenschein von oben auf Sie herablächeln. Mögen die Schätze der Erde und die Früchte des Bodens reichlich zu Ihrem Nutzen hervorgebracht werden. Möge das Licht der Wahrheit die Dunkelheit aus Ihrer Seele vertreiben. Möge die Rechtschaffenheit zunehmen und die Schlechtigkeit nachlassen. … Möge Gerechtigkeit triumphieren und Korruption ausgetilgt werden. Und mögen Tugendhaftigkeit, Keuschheit und Ehre obsiegen, bis das Böse überwunden und die Erde von Schlechtigkeit gereinigt sein wird. Mögen diese Wünsche – ja, die Stimme der ‚Mormonen‘ aus den Bergen Utahs – in die ganze Welt hinausgehen, auf dass alle Menschen wissen, dass unser Wunsch und unsere Mission darin bestehen, die gesamte Menschheit zu segnen und zu erretten. … Möge Gott im Sieg über Sünde und Leid und Elend und Tod verherrlicht werden. Friede sei Ihnen überall!“85

Am 6. Oktober 1901 sprach Präsident Lorenzo Snow in der Abschlussversammlung der Generalkonferenz zu den Heiligen. Er war seit einigen Tagen ziemlich krank, und als er ans Rednerpult trat, sagte er: „Meine lieben Brüder und Schwestern, es erstaunt mich, dass ich es tatsächlich wage, heute Nachmittag zu Ihnen zu sprechen.“ Er hielt eine kurze Ansprache darüber, was es bedeutet, in der Kirche Führungsaufgaben wahrzunehmen. Dann sprach er die letzten Worte, die die Mitglieder der Kirche in der Öffentlichkeit von ihm hörten: „Gott segne Sie. Amen.“86

Vier Tage darauf erlag Präsident Snow einer Lungenentzündung. Nach einem Trauergottesdienst im Tabernakel von Salt Lake City wurde sein Leichnam auf einem Friedhof in Brigham City – der Stadt, die er so sehr liebte – beigesetzt.

Lorenzo Snows Vater, Oliver Snow

Lorenzo Snow ließ sich im Juni 1836 in Kirtland, Ohio, taufen und konfirmieren – zwei Monate, nachdem der hier abgebildete Kirtland-Tempel geweiht wurde.

Elder Lorenzo Snow

Viele Heilige wanderten in der Anfangszeit der Kirche aus Europa aus, um sich mit den Mitgliedern der Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika zu vereinen.

Auf der Swanton wurde ein schwerverletzter Mann durch einen Krankensegen von Elder Lorenzo Snow sofort geheilt.

Lorenzo Snow war der Anführer von Pionierabteilungen, die 1848 im Salzseetal ankamen.

In diesem Gebäude in Brigham City in Utah wurden Stiefel, Schuhe, Pferdegespanne und Hüte hergestellt.

Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel im Jahr 1898. Obere Reihe, von links nach rechts: Anthon H. Lund, John W. Taylor, John Henry Smith, Heber J. Grant, Brigham Young Jr., George Teasdale, Rudger Clawson, Marriner W. Merrill. Mittlere Reihe: Francis M. Lyman, George Q. Cannon, Lorenzo Snow, Joseph F. Smith, Franklin D. Richards. Untere Reihe: Matthias F. Cowley, Abraham O. Woodruff.

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Lorenzo Snow; aus: Lycurgus A. Wilson, Life of David W. Patten, the First Apostolic Martyr, 1900, Seite V

  2.   2.

    Lorenzo Snow, „The Grand Destiny of Man“, Deseret Evening News, 20. Juli 1901, Seite 22

  3.   3.

    Lorenzo Snow; aus: Life of David W. Patten, the First Apostolic Martyr, Seite V

  4.   4.

    Lorenzo Snow; aus: Life of David W. Patten, the First Apostolic Martyr, Seite V

  5.   5.

    Siehe Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, 1884, Seite 1f.

  6.   6.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 2

  7.   7.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Historisches Archiv der Kirche, Seite 18

  8.   8.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 2f.

  9.   9.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 3

  10.   10.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 2f.

  11.   11.

    Orson F. Whitney, History of Utah, 4 Bände (1892–1904), 4:223

  12.   12.

    Siehe Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 4

  13.   13.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 57–62

  14.   14.

    Siehe Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 32

  15.   15.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 6

  16.   16.

    Lorenzo Snow, „The Grand Destiny of Man“, Seite 22; mehr über die Bekehrung von Lorenzo Snow steht in Kapitel 3

  17.   17.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 6

  18.   18.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 33

  19.   19.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 33; siehe auch „The Grand Destiny of Man“, Seite 22

  20.   20.

    Lorenzo Snow, „The Grand Destiny of Man“, Seite 22

  21.   21.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 15

  22.   22.

    Lorenzo Snow, „The Grand Destiny of Man“, Seite 22

  23.   23.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 16

  24.   24.

    Siehe Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 16, 19

  25.   25.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 19

  26.   26.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 30

  27.   27.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 37f.

  28.   28.

    Brief von Lorenzo Snow an Oliver Snow; zitiert in einem Brief von Eliza R. Snow an Isaac Streator vom 22. Februar 1839, Historisches Archiv der Kirche

  29.   29.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 37

  30.   30.

    Brief von Lorenzo Snow an Oliver Snow; zitiert in einem Brief von Eliza R. Snow an Isaac Streator vom 22. Februar 1839

  31.   31.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 19

  32.   32.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 47

  33.   33.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 50f.; mehr über die Reise nach England steht in Kapitel 14

  34.   34.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 58f.

  35.   35.

    Brief von Lorenzo Snow an Heber C. Kimball vom 22. Oktober 1841; aus: Lorenzo Snow, Letterbook, 1839–1846, Historisches Archiv der Kirche

  36.   36.

    Brief von Lorenzo Snow an Heber C. Kimball vom 22. Oktober 1841; aus: Lorenzo Snow, Letterbook, 1839–1846

  37.   37.

    Brief von Lorenzo Snow an George A. Smith vom 20. Januar 1842; aus: Lorenzo Snow, Letterbook, 1839–1846

  38.   38.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 45

  39.   39.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 65f.

  40.   40.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 72–83

  41.   41.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 91

  42.   42.

    Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 74f.; siehe auch Seite 73

  43.   43.

    Lorenzo Snow, Journal and Letterbook, 1836–1845, Seite 49

  44.   44.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 79

  45.   45.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 79

  46.   46.

    Lorenzo Snow; aus: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 79, 82

  47.   47.

    Lorenzo Snow; aus: „Laid to Rest: The Remains of President John Taylor Consigned to the Grave“, Millennial Star, 29. August 1887, Seite 549; weitere Aussagen von Lorenzo Snow zum Märtyrertod von Joseph Smith stehen in Kapitel 23

  48.   48.

    Siehe Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 84

  49.   49.

    Joseph Smith, zitiert von Lorenzo Snow in: Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 70

  50.   50.

    Mehr über das Erlebnis auf dem Mount Pisgah steht in Kapitel 7

  51.   51.

    Siehe Biography and Family Record of Lorenzo Snow, Seite 94f.

  52.   52.

    Lorenzo Snow, „Address of Apostle Lorenzo Snow“, Millennial Star, 15. Februar 1886, Seite 110

  53.   53.

    Lorenzo Snow, Deseret News, 14. Januar 1857, Seite 355

  54.   54.

    Brief von Lorenzo Snow an Eliza R. Snow; aus: The Italian Mission, 1851, Seite 5

  55.   55.

    Brief von Lorenzo Snow an Franklin D. Richards; aus: The Italian Mission, Seite 8ff.

  56.   56.

    Brief von Lorenzo Snow an Brigham Young; aus: The Italian Mission, Seite 10f.

  57.   57.

    Siehe Brief von Lorenzo Snow an Brigham Young; aus: The Italian Mission, Seite 15ff.

  58.   58.

    Siehe Brief von Lorenzo Snow an Brigham Young; aus: The Italian Mission, Seite 17

  59.   59.

    Brief von Lorenzo Snow an Franklin D. Richards; aus: The Italian Mission, Seite 20

  60.   60.

    Brief von Lorenzo Snow an Orson Hyde; aus: The Italian Mission, Seite 23

  61.   61.

    Brief von Jabez Woodard an Lorenzo Snow; aus: The Italian Mission, Seite 26

  62.   62.

    Zitiert in einem Brief von Jabez Woodard an Lorenzo Snow; aus: The Italian Mission, Seite 26

  63.   63.

    Herbst-Generalkonferenz 1994

  64.   64.

    Leslie Woodruff Snow, „President Lorenzo Snow, as the Silver Grays of Today Remember Him“, Young Woman’s Journal, September 1903, Seite 391

  65.   65.

    Mehr über das Erlebnis von Elder Snow auf den Hawaii-Inseln steht in Kapitel 4

  66.   66.

    Mehr über das Erlebnis von Elder Snow im Heiligen Land steht in Kapitel 24

  67.   67.

    Heber J. Grant, Frühjahrs-Generalkonferenz 1919

  68.   68.

    Deseret Evening News, 3. April 1894, Seite 4

  69.   69.

    Jacob Jensen, zitiert in: LeRoi C. Snow, „Raised from the Dead“, Improvement Era, September 1929, Seite 884ff.

  70.   70.

    Siehe LeRoi C. Snow, „Raised from the Dead“, Seite 886; LeRoi C. Snow, „Raised from the Dead (Conclusion)“, Improvement Era, Oktober 1929, Seite 975–979

  71.   71.

    Siehe LeRoi C. Snow, „Raised from the Dead (Conclusion)“, Seite 980

  72.   72.

    Siehe LeRoi C. Snow, „An Experience of My Father’s“, Improvement Era, September 1933, Seite 677; siehe auch Briefwechsel zwischen Elder John A. Widtsoe und Noah S. Pond, Ehemann von Alice Armeda Snow Young Pond, 30. Oktober 1945 und 12. November 1946, Historisches Archiv der Kirche. Präsident Brigham Young wartete nach dem Märtyrertod des Propheten Joseph Smith über drei Jahre, bevor er die Erste Präsidentschaft neu bildete; Präsident John Taylor wartete über drei Jahre nach dem Tod von Präsident Young; Präsident Woodruff wartete fast zwei Jahre nach dem Tod von Präsident Taylor. Mehr über die göttliche Kundgebung, die Elder Snow im Tempel hatte, steht in Kapitel 20.

  73.   73.

    Lorenzo Snow; aus: „President Snow in Cache Valley“, Deseret Evening News, 7. August 1899, Seite 1

  74.   74.

    Biographical Notes on Lorenzo Snow, Hg. LeRoi C. Snow, Historisches Archiv der Kirche, Seite 2

  75.   75.

    W. D. Cornell, zitiert in: „Mormonism in Salt Lake“, Millennial Star, 14. September 1899, Seite 579

  76.   76.

    Reverend Prentis, zitiert in: Nephi Anderson, „Life and Character Sketch of Lorenzo Snow“, Improvement Era, Juni 1899, Seite 569f.

  77.   77.

    Lorenzo Snow, Millennial Star, 24. August 1899, Seite 533; siehe auch Deseret Evening News, 17. Mai 1899, Seite 2; Deseret Evening News, 18. Mai 1899, Seite 2. Im Millennial Star heißt es, dass Präsident Snow diese Ansprache am 8. Mai gehalten hat, andere zeitgenössische Quellen legen jedoch nahe, dass die Ansprache am 18. Mai gehalten wurde. Präsident Snow sprach auch am 17. Mai über den Zehnten. Ein ausführlicher Bericht über die Offenbarung über den Zehnten steht in Kapitel 12.

  78.   78.

    Siehe „Pres. Snow Is Home Again“, Deseret Evening News, 27. Mai 1899, Seite 1

  79.   79.

    Lorenzo Snow; aus: „Pres. Snow Is Home Again“, Seite 1

  80.   80.

    Siehe zum Beispiel Deseret Evening News, 24. Juni 1899, Seite 3

  81.   81.

    Siehe zum Beispiel Improvement Era, August 1899, Seite 793

  82.   82.

    Orson F. Whitney, History of Utah, 4:226

  83.   83.

    Heber J. Grant, Frühjahrs-Generalkonferenz 1919

  84.   84.

    Siehe „Special New Century Services“, Deseret Evening News, 1. Januar 1901, Seite 5

  85.   85.

    Lorenzo Snow, „Greeting to the World by President Lorenzo Snow“, Deseret Evening News, 1. Januar 1901, Seite 5

  86.   86.

    Lorenzo Snow, Herbst-Generalkonferenz 1901