Kapitel 24

Wir müssen anderen das Evangelium bringen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball


Wir müssen bei der Verbreitung des Evangeliums größere Schritte machen.

Aus dem Leben von Spencer W. Kimball

Als Elder Spencer W. Kimball noch Mitglied des Rates der Zwölf Apostel war, saß er einmal auf einer Reise nach Quito in Ecuador mit einer Gruppe, der auch vier junge Missionare angehörten, im Restaurant eines Hotels. „Er sagte zu seinen Begleitern, dass der Kellner, ein gut aussehender, jüngerer Mann, bestimmt ein guter Missionar für die Kirche wäre. Elder Kimball bestellte Brot und Milch und fragte dann den Kellner, ob er Kinder habe. ‚Einen Sohn‘, antwortete er. ‚Brot und Milch tun ihm bestimmt gut‘, sagte Elder Kimball, ‚aber noch mehr würde es ihm helfen, wenn Sie ihm das geben könnten, was diese jungen Männer zu bieten haben.‘ Der Kellner war verdutzt. Daraufhin erklärte ihm Elder Kimball, dass die jungen Männer Missionare seien, die das Evangelium Jesu Christi verkündigten. Der Kellner sagte, er würde sich gern von den Missionaren unterweisen lassen.“1

Präsident Kimball sprach oft über den Auftrag des Erretters, das Evangelium aller Welt zu bringen (siehe Markus 16:15). Er bat um mehr Vollzeitmissionare, insbesondere junge Männer und ältere Ehepaare, und er erinnerte die Mitglieder daran, dass sie alle in diesem von Gott in Auftrag gegebenen Werk mitarbeiten müssen. „Unser großer Auftrag und unsere große Berufung“, sagte er, „besteht darin, den Menschen in der Welt sozusagen eine Kerze zu bringen, die ihnen Verständnis verleiht und ihren Weg erleuchtet – die sie aus Finsternis und Dunkel hin zur Freude, zum Frieden und zu den Wahrheiten des Evangeliums führt.“2

Lehren von Spencer W. Kimball

Der Herr verheißt uns große Segnungen, wenn wir unseren Mitmenschen das Evangelium nahe bringen.

Die Missionsarbeit gleicht einem geistigen Abenteuer. Empfehlungen geben und mit den Missionaren zu einem Termin gehen – das ist aufregend und lohnend. Die Stunden, der Aufwand, das Hin und Her – es lohnt sich alles, wenn auch nur eine Seele umkehrbereit und gläubig ist und den Wunsch entwickelt, sich taufen zu lassen. Wie gut würden Sie sich doch fühlen, wenn Sie hörten: „Wenn ich hier mit Ihnen über all das spreche, kommt es mir so vor, als hätte ich das alles schon einmal gewusst“, oder „Bitte erzählen Sie uns alles über die wiederhergestellte Kirche. Eher lasse ich Sie nicht gehen!“3

Dadurch, dass wir anderen das Evangelium nahe bringen, finden wir selbst Frieden und Freude; Herz und Seele erweitern sich und wenden sich unseren Mitmenschen zu, unser Glaube und unsere Beziehung zum Herrn werden gestärkt, und die Wahrheiten des Evangeliums werden uns besser verständlich.4

Der Herr hat uns große Segnungen verheißen, und zwar in dem Maße, wie wir anderen das Evangelium nahe bringen. Es geschehen Wunder im geistigen Bereich, und wir empfangen Hilfe von der anderen Seite des Schleiers. Dem Herrn zufolge werden uns die Sünden eher vergeben, wenn wir Seelen zu Christus bringen und der Welt standhaft Zeugnis geben; und gewiss wünschen wir uns jede zusätzliche Hilfe bei dem Bestreben, Vergebung für unsere Sünden zu erlangen (siehe LuB 84:61). Eine der wichtigsten Schriftstellen für Missionare steht in Abschnitt 4 des Buches Lehre und Bündnisse. Darin heißt es: Wenn wir dem Herrn mit „ganzem Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft“ im Rahmen einer Mission dienen, können wir „am letzten Tag ohne Tadel vor Gott stehen“ (Vers 2).

Außerdem sagt der Herr:

„Und wenn es so ist, dass ihr alle eure Tage arbeitet, um dieses Volk zur Umkehr zu rufen, und auch nur eine einzige Seele zu mir führt, wie groß wird eure Freude mit ihr im Reich meines Vaters sein!

Und nun, wenn eure Freude schon groß sein wird mit einer Seele, die ihr zu mir ins Reich meines Vaters geführt habt, wie groß wird eure Freude sein, wenn ihr viele Seelen zu mir führt!“ (LuB 18:15,16.)

Angenommen, man arbeitet alle Tage und bringt nur eine Seele zum Herrn: Was für eine Freude! Eine Seele! Wie kostbar! Möge Gott uns diese Liebe zu jedem Einzelnen ins Herz geben!5

Der Herr hat allen Mitgliedern der Kirche die Pflicht auferlegt, ihm als Boten zu dienen.

Ich wünschte, wir könnten jedem Mitglied nachdrücklicher und einprägsamer ins Herz schreiben, dass jeder, der alt genug ist, um der Kirche anzugehören, auch alt genug ist, ein Missionar zu sein; dafür muss man nicht extra eingesetzt werden. Jedes Mitglied ist verpflichtet und berufen, seinen Mitmenschen das Evangelium zu bringen. Wir möchten, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind diese ihm gebührende Aufgabe übernimmt. Das ist höchst wichtig. Denn darum geht es ja im Evangelium: Wir werden durch das Evangelium gesegnet, und dann gehen wir hinaus und lassen andere an diesen Segnungen teilhaben.

Ich weiß, wir haben alle viel zu tun, aber der Herr hat nicht etwa gesagt: „Würdet ihr, wenn es sich einrichten lässt, in Betracht ziehen, das Evangelium zu verkündigen?“, sondern er hat gesagt: „Lasst nun einen jeden seine Pflicht lernen“ (LuB 107:99) und „Siehe …, einem jeden, der gewarnt worden ist, kommt es zu, seinen Nächsten zu warnen“ (LuB 88:81).

Vergessen wir nicht, dass Gott dabei unser Verbündeter ist. Er steht uns zur Seite. Er öffnet uns den Weg, denn er hat ja das Gebot gegeben.6

Es ist herrlich, meine lieben Brüder und Schwestern – meine Mitbürger im Reich Gottes –, dass der Herr solches Vertrauen in uns setzt, dass wir unseren Brüdern und Schwestern, die nicht der Kirche angehören, sein Wort verkündigen sollen. Nehmen wir einmal an, die Rollen wären vertauscht – wir gehörten nicht der Kirche an, aber unsere Nachbarn (die derzeit nicht der Kirche angehören) wären Heilige der Letzten Tage. Würden Sie sich dann wünschen, dass sie Ihnen vom Evangelium erzählen? Würden Sie sich an den neuen Wahrheiten freuen, die Sie da hören? Würden Sie Ihre Nachbarn noch mehr mögen und respektieren, weil sie Ihnen diese Wahrheiten vermittelt haben? Selbstverständlich lautet die Antwort auf alle diese Fragen: Ja!7

Brüder und Schwestern, ich frage mich, ob wir alles tun, was wir können. Sind wir selbstzufrieden, was unseren Auftrag angeht, anderen vom Evangelium zu erzählen? Sind wir bereit, größere Schritte zu machen und unseren Blickwinkel zu erweitern?8

Der Tag, an dem wir das Evangelium zu immer mehr Orten und Menschen tragen müssen, ist hier und jetzt. Wir müssen uns vor Augen halten, dass wir verpflichtet sind, das Evangelium zu verkündigen; wir dürfen nicht an unsere Bequemlichkeit denken. Wenn der Herr ruft, kommt das selten gelegen. Die Zeit ist gekommen, da der Opferbereitschaft ein noch größerer Stellenwert in der Kirche eingeräumt werden muss. Wir müssen uns mehr einsetzen, damit wir das Werk vollbringen können, das der Herr von uns erwartet. … Kurz vor der Himmelfahrt sagte der Herr seinen Jüngern zum Abschied: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!

Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Markus 16:15,16.)

Wir dürfen nicht nachlassen und dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun. Wir müssen größere Schritte machen. Es geht dabei nicht nur um unser eigenes ewiges Wohlergehen, sondern auch um das ewige Wohlergehen vieler unserer Brüder und Schwestern, die im Moment nicht der wahren Kirche angehören. Mich fasziniert, was der Prophet Joseph Smith am 6. September 1842 von Nauvoo aus der Kirche geschrieben hat: „Sollen wir in einer so großen Sache nicht vorwärtsgehen? Geht vorwärts … Mut, Brüder, und auf, auf zum Sieg!“ (LuB 128:22.)9

Durch unseren rechtschaffenen Einfluss und unser rechtschaffenes Bemühen können wir unseren Mitmenschen helfen, das wiederhergestellte Evangelium anzunehmen.

Die Missionsarbeit der Mitglieder ist der Schlüssel zum künftigen Wachstum der Kirche.10

Meiner Meinung nach stellt der Herr in unseren Freundes- und Bekanntenkreis einfach viele Menschen, die bereit sind, in seine Kirche einzutreten. Wir bitten Sie: Stellen Sie mit einem Gebet im Herzen fest, um wen es sich da handelt, und bitten Sie den Herrn um Hilfe dabei, mit ihnen über das Evangelium zu sprechen.11

Eines muss uns klar sein: Zuerst müssen wir unseren Mitmenschen Zuneigung entgegenbringen, dann erst können wir sie richtig warnen. Unsere Mitmenschen müssen spüren, dass wir wahre Freunde sind, dass wir gern mit ihnen zusammen sind. Wir wollen, dass die Mitglieder ihre Mitmenschen bitten, ihnen zuzuhören, und nicht, dass sie sie maßregeln oder ihnen Angst einjagen.12

Das Evangelium ist wahr. Jeder, der dies wirklich wissen will, kann es selbst herausfinden; dazu muss er sich mit den Grundsätzen des Evangeliums befassen, entsprechend leben und sich um die Hilfe des Heiligen Geistes bemühen. Um wie viel leichter ist es jedoch, das Evangelium zu verstehen und anzunehmen, wenn der Wahrheitssucher auch miterlebt, was die Evangeliumsgrundsätze im Leben anderer Gläubiger bewirken. Dem Missionsauftrag der Kirche können wir nicht besser gerecht werden, als dass wir im Alltag beispielhaft christliche Tugenden an den Tag legen.13

Die beste Werbung für die Kirche sind rechtschaffene Mitglieder, die vorbildlich nach dem Evangelium leben und es ihren Mitmenschen auch nahe bringen.14

Jedes Mitglied soll durch sein Beispiel und sein Zeugnis denen, die nicht der Kirche angehören, eines vermitteln: Es macht Freude, das Evangelium zu kennen und danach zu leben. Dadurch kann man die Menschen dazu bringen, dass sie sich unterweisen lassen.15

Effiziente Missionsarbeit muss letztlich darauf hinauslaufen, dass die Mitglieder die Menschen finden und die Vollzeitmissionare sie unterweisen. … Wenn Mitglieder jemanden finden, möchten sie sich auch um ihn kümmern; daher gehen weniger Untersucher vor der Taufe verloren, und diejenigen, die sich taufen lassen, bleiben eher dabei.16

Unser Ziel muss sein, so rasch wie möglich herauszufinden, welche Kinder des Vaters im Himmel geistig so weit bereit sind, dass sie sich durch die Taufe dem Reich Gottes anschließen werden. Am besten lässt sich das herausfinden, indem man Freunde, Verwandte, Nachbarn und Bekannte so bald wie möglich mit den Vollzeitmissionaren bekannt macht.17

Manchmal vergessen wir, dass es besser ist, einen kleinen Dämpfer der Freundschaft zu riskieren, als jemanden durch Schweigen des ewigen Lebens zu berauben.18

Warten Sie nicht so lange, bis erst einmal eine feste Freundschaft entstanden ist, und warten Sie nicht auf den perfekten Augenblick, der genau richtig ist. Sie müssen lediglich herausfinden, ob der Betreffende erwählt ist. „Meine Auserwählten vernehmen meine Stimme und verhärten nicht ihr Herz.“ (LuB 29:7.) Es zeigt sich augenblicklich, ob jemand zuhört und sein Herz offen für das Evangelium ist. Wenn er nicht zuhört und sich an seiner Skepsis oder an negativen Aussagen zeigt, dass sein Herz verhärtet ist, dann ist er nicht bereit. Behalten Sie ihn in diesem Fall weiterhin lieb und halten Sie Kontakt mit ihm, bis sich die nächste Gelegenheit bietet, um festzustellen, ob er bereit ist. Die Freundschaft geht dadurch nicht in die Brüche. Er wird Sie weiterhin respektieren.

Natürlich gibt es auch Rückschläge, aber nichts ist für immer verloren. Keine Freundschaft geht deswegen in die Brüche, weil sich jemand nicht mehr mit den Missionaren treffen möchte. Als Mitglied der Kirche kann man mit den Betreffenden weiterhin den gewohnten freundschaftlichen Umgang pflegen. Manche Menschen brauchen eben mehr Zeit, bis sie sich der Kirche anschließen. Das Mitglied soll sich weiterhin um sie kümmern und zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen, ob sie sich bekehren wollen. Geben Sie nicht auf, weil im Moment nicht viel weitergeht. Es gibt hunderte Geschichten, die belegen, wie wichtig Beharrlichkeit bei der Missionsarbeit ist.19

Zur Missionsarbeit gehört auch, dass man sich liebevoll und beständig um Neubekehrte und weniger aktive Mitglieder kümmert.

Es ist ein Verbrechen, jemanden zu taufen und dann zuzulassen, dass er sich allmählich wieder von der Kirche und vom Evangelium entfernt, bloß weil wir uns nicht um ihn kümmern. Die Integration ist eine ganz wichtige Aufgabe. Wir sollten in der Lage sein, uns um jeden zu kümmern, der dazukommt. Deswegen wollen wir auch, dass die Mitglieder die Missionsarbeit leisten und sich von den Missionaren Hilfe holen. Wir möchten nämlich, dass die Mitglieder … sich einbringen und Missionsarbeit tun, denn sie stehen ja nach der Taufe weiterhin als Bezugspersonen zur Verfügung. Sie können sich weiterhin um sie kümmern, sie können sie anrufen und zur Priestertumsversammlung mitnehmen, sie können ihnen Mut zusprechen und ihnen beim Familienabend und Ähnlichem behilflich sein.20

Es kann nicht oft genug betont werden, dass wir die Missionsarbeit im Rahmen der Priestertumskorrelation tun müssen, damit die Untersucher eingegliedert und so in die Programme der Kirche eingebunden werden, dass sie sogleich aktive und treue Mitglieder sind. Das ist eine weitere Möglichkeit, wie sich alle Mitglieder immerfort aktiv an der Missionsarbeit beteiligen können – sie können die neuen Mitglieder eingliedern, mit ihnen Freundschaft schließen und ihnen Mut zusprechen.21

Es ist unbedingt erforderlich, dass die Bekehrten gleich nach der Taufe Heimlehrer zugewiesen bekommen, die sich individuell und mit echter Anteilnahme um sie kümmern. Die Heimlehrer arbeiten mit den Priestertumsführern zusammen und sorgen dafür, dass jeder erwachsene Neubekehrte etwas in der Kirche zu tun bekommt, was ihn fordert, und ihm die Möglichkeit eingeräumt wird und er dazu ermutigt wird, seine Kenntnis vom Evangelium zu vertiefen. Ihm muss geholfen werden, sich mit den Mitgliedern anzufreunden, damit er sich in seinem neuen Leben als aktives Mitglied nicht einsam fühlt.22

Es ist inspirierend und erfreulich zu sehen, wie … sich die Mitglieder derer annehmen, die Tag für Tag ins Gottesreich kommen – wie sie ihnen helfen, sie unterstützen und für sie beten. Kümmern Sie sich weiterhin umeinander und um die vielen, die sich noch der Kirche anschließen werden. Heißen Sie sie willkommen, seien Sie lieb zu ihnen und gliedern Sie sie ein.23

Als Brüder und Schwestern in der Kirche haben wir die Pflicht, denen, die in die Irre gegangen sind, wieder auf den Weg zu helfen; und denen, die etwas Wertvolles verloren haben, müssen wir helfen, ihr kostbares Gut wiederzufinden. In der heiligen Schrift steht klar und deutlich, dass jedes Mitglied die Pflicht hat, die anderen Mitglieder zu stärken.

Der Erretter hat auf diesen Grundsatz liebevoll und doch mahnend hingewiesen, als er zu Petrus sagte: „Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ (Lukas 22:32.) Ich möchte Ihnen allen ebenfalls sagen: Wenn Sie sich bekehrt haben, dann stärken Sie bitte Ihre Brüder und Schwestern. So viele hungern und kennen mitunter nicht einmal die Ursache ihres Hungers. Es gibt geistige Wahrheiten und Grundsätze, die für sie wie ein Fels in der Brandung sein können, die der Seele Geborgenheit und dem Herzen und dem Sinn Frieden schenken können, wenn wir nur auf diese Menschen zugehen, für sie beten und für sie da sind. …

Vielleicht sagt der eine oder andere: „Also ich kenne da jemanden, der lässt keinen an sich heran.“ Natürlich kann man auch ihn erreichen! Man kann ihm helfen und ihm Gutes tun. Es gibt eine Verheißung in der heiligen Schrift, die da lautet: „Die Liebe hört niemals auf.“ (1 Korinther 13:8.) Niemals! Wenn man nur lange genug Nächstenliebe übt, dann bringt sie gewiss auch Wunder zustande – entweder bei dem Betreffenden, bei uns selbst, bei ihm und bei uns oder bei Menschen in seinem Umfeld. …

Meiner Meinung nach gibt es niemanden, der sich nicht bekehren könnte (oder der nicht wieder in der Kirche aktiv werden könnte), wenn der oder die Richtige zur richtigen Zeit auf die richtige Weise und mit der richtigen Einstellung das Richtige unternimmt. Ich weiß: Der Vater im Himmel segnet uns und steht uns bei unseren Bemühungen bei, wenn wir uns bereitmachen und freudig nach den Grundsätzen des Evangeliums leben und nach seiner Hilfe trachten. …

Mögen die Heimlehrer der Priestertumskollegien, die Besuchslehrerinnen der FHV, Mann und Frau, Eltern und Kinder und alle Mitglieder überall, die den Herrn lieben und seinen Willen tun wollen, sich aufmachen und, erfüllt von Liebe und Inspiration, in Rechtschaffenheit all das tun, was notwendig ist, damit denen geholfen wird, die der Hilfe bedürfen. Nur vorübergehend aufblitzendes Interesse und momentane Begeisterung bringen nicht das gewünschte Ergebnis. Doch es lässt sich erreichen und kommt öfter zustande, als wir es uns träumen lassen, wenn wir uns nur gebeterfüllt mehr bemühen. Dann werden nicht nur uns und anderen die erlesenen Segnungen des Herrn zuteil, sondern wir kommen dem Herrn auch näher und spüren seine Liebe und dass sein Geist bei uns ist.24

Die Eltern müssen ihren Kindern helfen, sich für eine Vollzeitmission bereitzumachen.

Die jungen Männer in der Kirche, die alt genug sind, auf Mission zu gehen, müssen sich in noch größerer Zahl als bisher bereiterklären, die ihnen auferlegte Pflicht zu erfüllen und den Vorzug und den Segen in Anspruch zu nehmen, als Diener des Herrn am Missionswerk mitzuwirken. Welche Stärkung würde es doch für uns und sie bedeuten, wenn sich alle jungen Männer für das Werk des Herrn bereitmachten!25

Wenn ich sage, dass wir mehr Missionare brauchen, meine ich damit nicht Missionare, deren Zeugnis schwach ist oder die nicht würdig sind. Ich meine damit, dass wir früher beginnen und in allen Zweigen und Gemeinden der Welt unsere Missionare besser schulen müssen. Es gibt noch eine Herausforderung: Die jungen Leute müssen begreifen, dass es eine große Ehre ist, auf Mission gehen zu dürfen, und dass sie dafür körperlich, intellektuell und geistig fit sein müssen und dass der Herr „nicht mit dem geringsten Maß von Billigung auf Sünde blicken“ kann [Alma 45:16].

Ich erwarte Missionare, die in der Familie und in den Organisationen der Kirche eingehend unterwiesen und gut geschult worden sind und die den starken Wunsch haben, auf Mission zu sein. Meine Aufforderung lautet: … Schulen wir die künftigen Missionare viel besser, früher und länger, damit sie der Mission voll Freude entgegensehen.26

Wir müssen in größeren Maßstäben denken. Wir müssen unsere Missionare besser ausbilden – nicht nur, was die Fremdsprachenkenntnisse, sondern auch was ihre Schriftkenntnisse betrifft, und vor allem brauchen sie ein Zeugnis und ein inneres Feuer, das ihren Worten Macht verleiht.27

Schicken Sie Ihre Söhne auf Mission! Von dem Augenblick an, da Sie Ihren Neugeborenen in den Armen halten, lernt er von Ihnen. Er hört Sie morgens und abends beten. Er hört Sie darum bitten, der Herr möge das Tor zu allen Ländern auftun. Er hört Sie für die Missionsarbeit beten. Ihr Sohn hört Sie für den Bischof und den Missionspräsidenten und all die anderen beten, die Ihnen dienen, und das setzt sich mit der Zeit in seinem Bewusstsein fest.28

Wenn ich einen kleinen Jungen treffe, sage ich beinahe jedes Mal: „Du wirst bestimmt einmal ein guter Missionar!“ So fasst dieser Gedanke Wurzeln. Es ist so wie bei den Pflanzen. Der Same wächst heran; und wenn Vater und Mutter mit ihrem Jungen schon von klein auf … über die Mission sprechen, dann reift dieser Same heran.29

Die Eltern tun gut daran, wenn sie schon früh damit anfangen, ihrem Sohn das Sparen beizubringen. Er soll es sich zur Gewohnheit machen, Geld zu sparen. Er soll es sich auch zur Gewohnheit machen, sich mit dem Evangelium zu befassen und darüber zu beten und selbst zu sehen, wie das Evangelium in seinem Leben und in dem seiner Mitmenschen wirkt. Er soll es sich schon als Heranwachsender zur Gewohnheit machen, seinen Mitmenschen zu dienen. Er muss erleben, wie es ist, wenn man jemandem hilft, über die Freude zu sprechen, die das Evangelium mit sich bringt. Er soll sich in den Klassen im Seminar und im Institut geistige Erkenntnis aneignen, die für ihn selbst und für seine Mitmenschen von großem Wert ist. Er soll sich bereitmachen, indem er ein reines und würdiges Leben führt und von ganzem Herzen dabei mithelfen will, dass der Herr das Evangelium all denen bringt, die dafür bereit sind.30

Ich hoffe, dass jede Familie getreulich jeden Montagabend den Familienabend hält. Einer der Hauptpunkte, über die dabei gesprochen wird, sollte die Missionsarbeit sein. Vater, Mutter und die Kinder können für diese überaus wichtige Angelegenheit beten – dass sich erstens der Kirche ein Tor zu den verschiedenen Ländern auftut und dass zweitens die jungen Männer und jungen Frauen der Kirche willens sind, dorthin auf Mission zu gehen und Menschen zur Kirche zu bringen.31

Die Kirche braucht Missionarsehepaare.

Wenn die Eltern gesundheitlich dazu in der Lage sind und die Umstände es erlauben, können auch sie dem Tag entgegensehen, da sie auf Mission gehen.32

Wir Älteren, die wir nicht mehr berufstätig sind und es uns gemütlich gemacht haben, die wir mit dem Wohnmobil umherreisen und es uns auch sonst gut gehen lassen – wir haben etwas Wichtiges schon fast vergessen. Das Werk muss vorangehen, aber für uns ist es ein Leichtes, unser Gewissen zu beruhigen und zu denken: ‚Wir schicken unsere Jungen auf Mission.‘

Doch diese Pflicht hat ein jeder von uns. Nicht jeder ist dazu in der Lage, aber sehr viele sind es.33

Wir könnten Hunderte von Ehepaaren gebrauchen – ältere Menschen wie so manche unter Ihnen, deren Kinder schon erwachsen sind, die sich aus dem Berufsleben zurückgezogen haben und hinausgehen können …, um das Evangelium zu verkündigen. Wir könnten hunderte Ehepaare gebrauchen. Gehen Sie einfach zum Bischof und reden Sie mit ihm; mehr brauchen Sie gar nicht zu tun. Sagen Sie ihm: „Wir sind bereit, auf Mission zu gehen, wenn Sie uns brauchen können.“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie berufen werden.34

Dies ist das Werk des Herrn. Wir stehen in seinem Auftrag. Er hat uns diesen Auftrag ganz konkret gegeben, und doch sind wir unter vielen Völkern der Welt noch unbekannt. Es ist an der Zeit, dass wir uns die Lenden schürzen und mit neuem Eifer in diesem großen Werk vorwärts gehen. Wir – Sie und ich – haben das in einem Bund gelobt. Mögen wir alle so sein wie jener Junge, den seine besorgten Eltern unter den Gelehrten im Tempel fanden und der sagte: „Ich muss in dem [sein], was meinem Vater gehört.“ [Lukas 2:49.]35

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite vii-xii.

  • Inwiefern ist Missionsarbeit sozusagen ein „geistiges Abenteuer“? (Seite 306.) Was für aufregende, lohnende Erlebnisse bieten sich uns, wenn wir unseren Mitmenschen vom Evangelium erzählen? (Ein Beispiel finden Sie in der Geschichte auf Seite 305.)

  • Gehen Sie Seite 306f. durch und achten Sie auf die Segnungen, die wir erlangen, wenn wir anderen das Evangelium nahe bringen. Wann haben Sie solche Segnungen schon empfangen?

  • Lesen Sie den ersten Absatz auf Seite 309. Was bedeutet es Ihrer Meinung nach, „größere Schritte zu machen“ und „den Blickwinkel zu erweitern“? Wie können wir diese Aufforderung bei der Missionsarbeit umsetzen?

  • Gehen Sie den Abschnitt durch, der unten auf Seite 309 beginnt. Denken Sie über die konkreten Ratschläge nach, wie man mit Verwandten und Freunden über das Evangelium sprechen kann, oder besprechen Sie diese. Zum Beispiel: a) Was können wir tun, um „unseren Mitmenschen Zuneigung entgegenzubringen“? b) Inwiefern sind wir „Werbung“ für die Kirche? c) Inwiefern könnte es sich als nachteilig auswirken, wenn man auf „den perfekten Augenblick, der genau richtig ist“ wartet, um mit jemandem über das Evangelium zu sprechen? d) Wie sollen wir reagieren, wenn Verwandte oder Freunde unsere Einladung ablehnen und nicht mehr über das Evangelium erfahren wollen?

  • Was braucht ein neues Mitglied unter anderem? Was braucht ein weniger aktives Mitglied? Was können wir tun, um diesen Menschen zu helfen? (Siehe Seite 312ff.)

  • Welche Eigenschaften erwarten die Führer der Kirche von den Vollzeitmissionaren? (Beispiele finden Sie auf Seite 315ff.) Was können die Eltern und andere tun, um den Kindern zu helfen, diese Eigenschaften zu entwickeln? Wie lässt sich der Rat Präsident Kimballs befolgen, der gesagt hat, Eltern und Kinder sollten Geld für die Mission sparen?

  • Präsident Kimball fordert die älteren Ehepaare auf, auf Mission zu gehen (Seite 317f.). Welche Möglichkeiten der Missionsarbeit stehen den Missionarsehepaaren unter anderem offen? Wie kann sich ein Ehepaar auf den Missionsdienst vorbereiten? Wie verrichten Sie derzeit Missionsarbeit?

Einschlägige Schriftstellen: Mosia 3:20; Alma 26:1-16; Helaman 6:3; Moroni 6:3,4; LuB 84:88

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. Edward L. Kimball und Andrew E. Kimball Jr., Spencer W. Kimball, 1977, Seite 354

  2. „Are We Doing All We Can?“, Ensign, Februar 1983, Seite 5

  3. „It Becometh Every Man“, Ensign, Oktober 1977, Seite 7

  4. Ensign, Februar 1983, Seite 4

  5. „President Kimball Speaks Out on Being a Missionary“, New Era, Mai 1981, Seite 50

  6. Ensign, Februar 1983, Seite 3

  7. Ensign, Oktober 1977, Seite 3

  8. „When the World Will Be Converted“, Ensign, April 1984, Seite 4

  9. Conference Report, Oktober 1982, Seite 5; Ensign, November 1982, Seite 5f.

  10. Seminar für Regionalrepräsentanten, 3. Oktober 1980, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Seite 2

  11. Ensign, Februar 1983, Seite 4

  12. Seminar für Regionalrepräsentanten, 30. September 1976, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Seite 2

  13. The Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, 1982, Seite 555

  14. Seminar für Regionalrepräsentanten, 3. Oktober 1980, Seite 2

  15. „President Kimball Speaks Out on Being a Missionary“, New Era, Mai 1981, Seite 48f.

  16. Ensign, Oktober 1977, Seite 6

  17. Ensign, Oktober 1977, Seite 6

  18. Seminar für die Regionalrepräsentanten, 3. April 1975, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Seite 7

  19. Ensign, Oktober 1977, Seite 6

  20. Conference Report, Gebietskonferenz in Glasgow, Schottland, 1976, Seite 23

  21. Ensign, Oktober 1977, Seite 7

  22. Conference Report, Oktober 1977, Seite 67; Ensign, November 1977, Seite 45

  23. „Always a Convert Church: Some Lessons to Learn and Apply This Year“, Ensign, September 1975, Seite 4

  24. „Helping Others Obtain the Promises of the Lord“, Ensign, Juni 1983, Seite 3,5

  25. Ensign, Februar 1983, Seite 3

  26. „When the World Will Be Converted“, Ensign, Oktober 1974, Seite 7

  27. Seminar für Regionalrepräsentanten, 5. April 1976, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Seite 14

  28. Conference Report, Gebietskonferenz in Glasgow, Schottland, 1976, Seite 6

  29. The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 556

  30. Ensign, Februar 1983, Seite 5

  31. Conference Report, Oktober 1978, Seite 66; Ensign, November 1978, Seite 46

  32. „Therefore I Was Taught“, Ensign, Januar 1982, Seite 4

  33. The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 551

  34. The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 551

  35. New Era, Mai 1981, Seite 50