Wir müssen die heiligen Schriften für uns selbst entdecken

Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, (2006), 70


Jeder von uns kann sich der Segnungen erfreuen, die daraus erwachsen, dass man sich in die heiligen Schriften vertieft.

Aus dem Leben von Spencer W. Kimball

Spencer W. Kimball war vierzehn Jahre alt, als er auf einer Pfahlkonferenz Susa Young Gates, einer Tochter Brigham Youngs, zuhörte, die über das Lesen in den heiligen Schriften sprach. Er erinnerte sich später: „Sie sprach aufrüttelnd darüber, dass man die heiligen Schriften lesen und sie sich zu Eigen machen soll. Dann hielt sie in ihrer Rede inne und fragte die Versammelten, unter denen alle Gruppen vertreten waren – wir waren ungefähr tausend: ‚Wer von Ihnen hat die Bibel schon ganz durchgelesen?‘ …

Ein richtiges Schuldgefühl überkam mich. Ich hatte schon viele Bücher gelesen – Bilderhefte und leichte Lektüre, aber mein Herz klagte mich an: ‚Du, Spencer Kimball, hast dieses heilige Buch noch nie gelesen. Warum nicht?‘ Ich schaute mich im Saal um. Ich schaute zu den Leuten vor mir und zu beiden Seiten, um zu sehen, ob ich dieses heilige Buch als Einziger nicht gelesen hatte. Von den tausend Anwesenden hob vielleicht ein halbes Dutzend stolz die Hand. Ich sank auf meinem Sitz zusammen. Ich dachte nicht mehr an die anderen, die ebenfalls versagt hatten, sondern klagte mich nur selbst heftig an. Ich weiß nicht, was die anderen taten oder dachten, aber ich bekam von der Ansprache nichts mehr mit. Sie hatte ihren Zweck erfüllt. Als die Versammlung zu Ende war, verließ ich das Gebäude durch die große Doppeltür und eilte nach Hause. Ich wohnte nur einen Block östlich von der Kirche. Ich knirschte mit den Zähnen und sagte mir: ‚Ich will, ich will, ich will!‘

Ich ging durch die Hintertür in unser Haus und dann in die Küche an das Regal, wo wir die Petroleumlampen stehen hatten. Ich suchte mir eine aus, die mit Öl gefüllt war und einen frischen Docht hatte. Dann stieg ich die Stufen zu meiner Dachstube hinauf. Dort schlug ich meine Bibel auf und begann mit dem ersten Kapitel und dem ersten Vers in Genesis. Ich saß dort bis in die Nacht und kam von Kain und Abel, Adam und Eva, Henoch und Noach bis zur Sintflut und sogar bis zu Abraham.“1

Young Spencer reading the Holy Scriptures.

Als junger Mann beschloss Spencer W. Kimball, die Bibel ganz durchzulesen.

Nach etwa einem Jahr hatte Spencer die Bibel fertig gelesen: „Wie befriedigend war es doch für mich, als ich wusste, dass ich die Bibel von vorne bis hinten durchgelesen hatte! Und wie der Geist jubelte! Und wie freute ich mich, dass ich ein so allumfassendes Bild von ihrem Inhalt bekommen hatte!“2 Dieses Erlebnis hinterließ einen bleibenden Eindruck bei ihm, und später erzählte er öfter bei General- und Gebietskonferenzen davon.

Präsident Kimball erfreute sich alle seine Tage seines Lebens der Segnungen, die das Schriftstudium mit sich bringt, und hielt auch andere dazu an. Elder Richard G. Scott, der später Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel wurde, erinnerte sich: „Elder Spencer W. Kimball war für unser Gebiet zuständig, als ich Missionspräsident war. Ich stellte fest, wie gut er das Buch Mormon verstand und in seinen inspirierenden Botschaften für die Mitglieder und Missionare einsetzte. … Anlässlich einer Zonenkonferenz sagte er einmal zu mir: ‚Richard, Sie haben heute eine Schriftstelle aus dem Buch Mormon verwendet, die mir in diesem Zusammenhang nie in den Sinn gekommen wäre.‘ So bereitete er mich vorsichtig auf eine wichtige Lektion vor, die er mir vermitteln wollte. Dann fuhr er fort: ‚Und ich glaube, ich habe dieses Buch über sechsundsiebzig Mal gelesen.‘ Er musste nicht extra darauf hinweisen, dass ich die Schriften nicht so gut kannte und ich mein Leben lang über sie nachdenken und sie anwenden müsse. Dieser eine Kommentar bewegte mich dazu, mir das Ziel zu setzen, mich mein Leben lang darin zu verbessern, das heilige Wort Gottes zu verstehen.“3

Lehren von Spencer W. Kimball

Die heiligen Schriften sind ein kostbares Gut, das wir für uns selbst entdecken müssen.

Offenbar betrachten wir es oft zu sehr als etwas Selbstverständliches, dass wir die heiligen Schriften haben. Das liegt vielleicht daran, dass uns nicht bewusst ist, was für ein kostbarer Vorzug es ist, sie zu besitzen, und wie gesegnet wir deshalb sind. Unsere Lebensumstände sind uns wohl schon so sehr zur bequemen Routine geworden, und wir haben uns schon so daran gewöhnt, dass wir stets etwas über das Evangelium hören, dass wir es uns kaum anders vorstellen können.

Deshalb müssen wir uns wieder vergegenwärtigen, dass es [noch nicht so viele] Jahre her ist, seit die lange Nacht der geistigen Finsternis, nämlich der Abfall vom Glauben, dem Morgen gewichen ist. Wie tief die geistige Nacht war, die vor jenem Tag im Frühjahr 1820 herrschte, als Gottvater und dessen Sohn dem Joseph Smith erschienen, das muss uns erst klar werden. Nephi hat diese Finsternis vorhergesehen. Er bezeichnet sie als „furchtbaren Zustand der Verblendung“, in dem den Menschen das Evangelium vorenthalten war (1 Nephi 13:32). …

Meine Seele ist mit Dankbarkeit erfüllt, dass ich nicht in einer Zeit geistiger Finsternis zur Welt gekommen bin, da der Himmel schwieg und der Geist sich zurückgezogen hatte. Fürwahr, wenn uns das Wort Gottes und damit auch die Führung vorenthalten wäre, wären wir wie ein Wanderer in der endlosen Wüste, der keinen ihm bekannten Orientierungspunkt finden kann. Wir wären wie in einer stockfinsteren Höhle ohne ein Licht, das uns den Weg zum Ausgang zeigt. …

Jesaja schreibt über das Ende der Finsternis und über das Hervorkommen des Buches Mormon [siehe Jesaja 29:11,12]. …

Und so begann der Herr ein wunderbares Werk, ja, ein Wunder, wie er es verheißen hatte (siehe Jesaja 29:14).

Seit die Wiederherstellung des Evangeliums durch den Propheten Joseph Smith begann, sind [Millionen] Exemplare des Buches Mormon gedruckt und verteilt worden. … Unzählige Exemplare der Bibel sind gedruckt worden. Ihre Anzahl übertrifft jede andere Veröffentlichung. Wir haben auch das Buch Lehre und Bündnisse und die Köstliche Perle. Abgesehen davon, dass uns diese kostbaren Schriftwerke zur Verfügung stehen, haben wir heute in größerem Maße als je zuvor die nötige Bildung und Fähigkeit, sie auch zu benutzen, wenn wir nur wollen.

Die Propheten in alter Zeit wussten: Nach der Finsternis würde Licht kommen. In diesem Licht leben wir heute – aber erfassen wir es auch ganz? Wir haben zwar die errettende Lehre in Reichweite, doch fürchte ich, dass über manche noch immer der „Geist der Betäubung“ ausgegossen ist; sie haben „Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören“ (Römer 11:8). …

Ich möchte uns alle auffordern, dass ein jeder bezüglich des Schriftstudiums ehrlich in sich geht. Es ist bei uns durchaus üblich, jederzeit ein paar Schriftstellen parat zu haben. Sie schwirren uns im Kopf herum, und wir bilden uns ein, wir wüssten eine ganze Menge über das Evangelium. So gesehen, kann ein geringes Wissen da wirklich problematisch sein. Ich bin überzeugt davon, dass jeder irgendwann im Leben die heiligen Schriften für sich entdecken muss – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder.4

Wir verpflichten uns mehr, dem Herrn zu dienen, wenn wir uns der Schrift zuwenden.

Es ist äußerst nützlich, wenn man die Geschichte von König Joschija im Alten Testament auf sich bezieht (siehe 1 Nephi 19:24). Für mich ist das eine der schönsten Erzählungen in den heiligen Schriften.

Joschija war erst acht Jahre alt, als er in Juda die Regierung antrat. Obwohl seine unmittelbaren Vorgänger ausgesprochen schlechte Menschen waren, heißt es über ihn in der Schrift: „Er tat, was dem Herrn gefiel, und folgte ganz den Wegen seines Vaters David, ohne nach rechts oder links abzuweichen.“ (2 Könige 22:2.) Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass das damals (nur zwei Generationen vor der Zerstörung Jerusalems im Jahr 587 v. Chr.) geschriebene Gesetz des Mose bereits verschollen und praktisch in Vergessenheit geraten war, selbst bei den Priestern im Tempel!

Joschija befahl im achtzehnten Jahr seiner Regierung, den Tempel wieder instand zu setzen. Dabei fand der Hohe Priester Hilkija das Gesetzbuch, das Mose in der Bundeslade verwahrt hatte, und brachte es dem König Joschija.

Als dem König das Buch vorgelesen wurde, „zerriss er seine Kleider“ und weinte vor dem Herrn.

Er sprach: „Der Zorn des Herrn muss heftig gegen uns entbrannt sein, weil unsere Väter auf die Worte dieses Buches nicht gehört und weil sie nicht getan haben, was in ihm niedergeschrieben ist.“ (2 Könige 22:13.)

Der König ließ das Buch dann dem ganzen Volk vorlesen, und alle schlossen einen Bund, die Gebote des Herrn „von ganzem Herzen und ganzer Seele“ zu befolgen (2 Könige 23:3). Dann ging Joschija daran, alle Missstände im Reich Juda zu beseitigen. Die Götzen wurden vernichtet und die Kultstätten entweiht und alle Gräuel, die sich während der Regierung seiner Väter angesammelt und Land und Volk verunreinigt hatten, aus der Welt geschafft. …

„Es gab vor ihm keinen König, der so mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all seinen Kräften zum Herrn umkehrte und so getreu das Gesetz des Mose befolgte, und auch nach ihm war keiner wie er.“ [2 Könige 23:25.]

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle zur Schrift zurückkehren müssen, so wie König Joschija, und dass wir sie machtvoll auf uns einwirken lassen müssen, damit sie uns zu dem unumstößlichen Entschluss bewegt, dem Herrn zu dienen.

Joschija hatte nur das Gesetz des Mose; in unseren heiligen Schriften hingegen haben wir das vollständige Evangelium Jesu Christi. Wenn schon ein Teil so köstlich ist, wie viel Freude kann uns dann das Ganze geben!

Der Herr meint es ernst mit uns, wenn er sie uns gibt, denn „wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert“ (Lukas 12:48). Wenn uns Zugriff darauf gewährt wird, tragen wir auch die Verantwortung dafür. Wir müssen die heiligen Schriften studieren, ganz wie der Herr es geboten hat (siehe 3 Nephi 23:1-5). Wir müssen unser Leben und das unserer Kinder nach ihnen ausrichten.5

Durch das Studium der Schrift lernen wir fürs Leben.

Alles, was man über ethische Maßstäbe und richtiges Leben in geistiger Hinsicht lernen kann, steht in den heiligen Schriften. Man findet darin etwas über den Lohn für Rechtschaffenheit und die Strafe für Sünde.6

Die Lektionen des Lebens lernen wir schneller und sicherer, wenn wir im Leben anderer sehen, welche Folgen Schlechtigkeit und Rechtschaffenheit haben. … Wenn man Ijob gut kennen lernt, sieht man, wie man auch im ärgsten Unglück glaubenstreu bleibt. Wenn man weiß, welche Stärke Josef im Luxus des alten Ägypten bewies, als er von einer aufreizenden Frau versucht wurde, und wenn man erkennt, wie dieser reine junge Mann der ganzen Macht der Finsternis, die diese verführerische Gestalt verkörperte, widerstand, so sollte dies gewiss den aufmerksamen Leser gegen eine solche Sünde stark machen. Beachtet man die Geduld und innere Stärke des Paulus, der sein Leben dem geistlichen Dienst weihte, so macht dies jenen Mut, die meinen, sie seien verletzt und versucht worden. Oftmals hatte man ihn geschlagen, für die Sache eingesperrt, fast zu Tode gesteinigt, er hatte dreimal Schiffbruch erlitten, war beraubt worden, beinahe ertrunken und Opfer falscher und treuloser Brüder geworden. Paulus versah stets standhaft seinen Dienst, während er hungerte, fast erstickte, fror und schlecht oder kaum bekleidet war. Niemals schwankte er, nachdem er durch ein übernatürliches Erlebnis ein Zeugnis erlangt hatte. Man kann beobachten, wie sich Petrus durch das Evangelium als Triebkraft entwickelte, und zwar vom bescheidenen Fischer – der, wie man sagte, unkultiviert, ungebildet und unwissend war – hin zu einem großartigen Organisator, Propheten, Führer, Theologen und Lehrer. …

Unsere Kinder mögen durch die Beharrlichkeit und persönliche Stärke Nephis etwas für ihr Leben lernen, durch die Frömmigkeit der drei Nephiten, den Glauben Abrahams, die Stärke des Mose, den Betrug und die Hinterlist des Hananias, den Todesmut der Ammoniten, die keinen Widerstand leisteten, den unerschütterlichen Glauben der lamanitischen Mütter, der sich auf ihre Söhne übertrug und der so machtvoll war, dass Helamans Soldaten dadurch gerettet wurden. Kein einziger erlitt in diesem Krieg den Tod.

In der Schrift wird jede menschliche Schwäche und Stärke dargestellt, ebenso Lohn und Strafe. Man wäre gewiss blind, wenn man durch solche Lektüre nicht lernen könnte, sein Leben richtig zu führen. Der Herr hat gesagt: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“ (Johannes 5:39.) Und es ist der gleiche Herr und Meister, in dessen Leben wir jede gute Eigenschaft, die wir auch selbst entwickeln sollen, finden: Frömmigkeit, Kraft, Beherrschung, Vollkommenheit. Und wie kann man diese großartige Geschichte aufmerksam lesen, ohne etwas daraus für sein Leben mitzunehmen?7

The Holy Scriptures invite discovery and rediscovery.

„Ich bin überzeugt davon, dass jeder irgendwann im Leben die heiligen Schriften für sich entdecken muss – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder.“

Hier [in den heiligen Schriften] finden sich die Biografien der Propheten und Führer, ja, selbst des Herrn. Sie geben Beispiel und Richtung, sodass die Menschen, die diesen Beispielen nachfolgen, vervollkommnet, glücklich und froh sein und in Ewigkeit ihr Ziel und ihre Erwartungen erreichen können.8

Wer die Schrift studiert und darin forscht, erlangt geistige Erkenntnis.

Viele Heilige lesen noch nicht regelmäßig die heiligen Schriften und setzen sich nicht damit auseinander und kennen die Weisung, die der Herr den Menschen gegeben hat, nur unzureichend. Viele haben sich taufen lassen und ein Zeugnis empfangen und den Fuß auf den „engen und schmalen Pfad“ gesetzt, ohne aber den nächsten notwendigen Schritt zu tun, nämlich vorwärts streben, sich am Wort von Christus weiden und bis ans Ende ausharren (siehe 2 Nephi 31:19,20).

Nur wer treu ist, empfängt den verheißenen Lohn, nämlich das ewige Leben. Das ewige Leben kann man nämlich nur empfangen, wenn man nach dem Wort handelt (siehe Jakobus 1:22) und die Gebote des Herrn tapfer befolgt. Und man kann erst dann nach dem Wort handeln, wenn man es zuvor gehört hat. Und wenn man das Wort hören will, dann genügt es nicht, sich tatenlos berieseln zu lassen – es erfordert vielmehr, dass man forscht, studiert und begreift. Daher hat der Herr gesagt: „Und wer meine Stimme nicht empfängt, der kennt meine Stimme nicht und ist nicht von mir.“ (LuB 84:52.)9

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass wir tatsächlich Lösungen für unsere Schwierigkeiten und Frieden im Herzen finden, wenn wir dieses erhabene Ziel [in den Schriften zu forschen] unbeirrt, entschlossen und bewusst verfolgen. Wir werden bemerken, wie der Heilige Geist unser Verständnis weitet, wir werden neue Einsichten gewinnen und sehen, wie sich die Schrift uns öffnet. Und die Lehren des Herrn werden für uns mehr Bedeutung haben, als wir dies jemals für möglich gehalten hätten. Folglich werden wir mehr Weisheit haben, um uns und unsere Familie zu führen.10

Ich möchte Sie auffordern: Fangen Sie heute an, die Schrift ernsthaft zu studieren, wenn Sie es nicht schon tun.11

Wenn wir uns in die Schriften vertiefen, lernen wir den Vater im Himmel und Jesus Christus kennen und lieben.

Ich habe Folgendes festgestellt: Wenn ich in meiner Beziehung zu Gott nachlässig werde und es mir so vorkommt, als ob Gott mir nicht mehr zuhört und nicht mehr zu mir spricht, dann bin ich weit, weit entfernt. Wenn ich mich dann in die heilige Schrift vertiefe, verringert sich die Entfernung, und die Geistigkeit kehrt zurück. Ich merke, dass ich diejenigen, die ich mit ganzem Herzen, ganzem Sinn und aller Kraft lieben soll, auch wirklich intensiver liebe. Und je mehr ich sie liebe, desto leichter fällt es mir, ihren Rat zu befolgen.12

Ich habe festgestellt: Wenn ich mehr Liebe zu meinem Schöpfer, zum Evangelium, zur Kirche und zu meinen Brüdern empfinden will, muss ich nur die heiligen Schriften lesen. Ich habe viele Stunden damit zugebracht. … Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der die heiligen Schriften liest, nicht ein Zeugnis davon erlangt, dass sie von Gott sind und dass das Werk des Herrn, der ja aus der Schrift spricht, wahr ist.13

Von den Milliarden Menschen, die [auf] der Erde leben, können nur wenige mit Gott wandeln, wie es Adam, Abraham und Mose getan haben, und doch sind die heiligen Schriften fast jeder Seele in der Welt, in der wir leben, zugänglich. Durch sie kann jeder persönlich mit dem Vater im Himmel, seinem Sohn Jesus Christus und mit den Bedingungen, Möglichkeiten und Erwartungen für das ewige Leben vertraut werden.14

Man kann auf menschliche Weise noch so viel studieren, man wird Gott doch nicht finden, aber er hat sich seinen Knechten, den Propheten, offenbart, und diese haben uns über sein Wesen belehrt. Wir alle können durch Fasten und Beten eine Bestätigung der Wahrheit erlangen. Inmitten der uns umgebenden theologischen Stürme besitzen wir eine einfache, sichere Erkenntnis vom Vater und vom Sohn, die wir aus den alten und den neuzeitlichen Schriften bekommen haben und die der Geist uns bestätigt hat. Angesichts dieser Erkenntnis hoffen wir auf ewiges Leben.15

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite vii-xii.

  1. Denken Sie über die Geschichten auf den Seiten 70, 71 nach. Was bewirken diese Geschichten bei Ihnen? Fragen Sie sich: Wie steht es bei mir mit dem Lesen, Verstehen und Anwenden der Schrift? Überlegen Sie sich Ziele in Bezug auf das Schriftstudium.

  2. Lesen Sie den Abschnitt, der auf Seite 72 beginnt, noch einmal und denken Sie dabei nach, wie Ihr Leben ohne die heiligen Schriften aussehen würde. Was wäre in Ihrem Leben anders? Welche Folgen hat es, wenn wir die Schrift „zu sehr als etwas Selbstverständliches“ betrachten?

  3. Warum genügt es nicht, wenn uns nur einige Lieblingsschriftstellen „im Kopf herumschwirren“ (siehe Seite 74)? Was bedeutet es Ihrer Meinung nach, dass Sie die Schrift für sich selbst entdecken und sie „immer wieder“ für sich entdecken?

  4. Präsident Kimball hält uns dazu an, die Geschichte von König Joschija auf uns selbst zu beziehen (Seite 74ff., siehe auch 2 Könige 22, 23). Welche Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede finden Sie zwischen Ihrem Leben und dem König Joschijas und seines Volkes?

  5. Überlegen Sie, was man durch das Studium in den heiligen Schriften für das Leben lernen kann (Beispiele finden Sie auf Seiten 75ff.).

  6. Lesen Sie den vierten Absatz auf Seite 78 noch einmal durch. Welche Schriftstellen haben Ihnen schon geholfen, Antworten auf Ihre Probleme und Frieden im Herzen zu finden?

  7. Lesen Sie Absatz eins und zwei auf Seite 79. Inwiefern hat das Schriftstudium Ihre Beziehung zu Gott, zu Ihrer Familie und Ihre Arbeit in den Berufungen in der Kirche beeinflusst?

Einschlägige Schriftstellen: Amos 8:11,12; 1 Nephi 19:23; Alma 37:8; LuB 1:37; 18:33-36

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „Read the Scriptures“, Friend, Dezember 1985, vordere Umschlagseite; siehe auch „What I Read as a Boy“, Children’s Friend, November 1943, Seite 508

  2.   2.

    Children’s Friend, November 1943, Seite 508

  3.   3.

    „The Power of the Book of Mormon in My Life“, Ensign, Oktober 1984, Seite 9

  4.   4.

    „How Rare a Possession – the Scriptures!“, Ensign, September 1976, Seite 2, 4

  5.   5.

    Ensign, September 1976, Seite 4f.

  6.   6.

    „The Power of Books“ (verfasst von Camilla E. Kimball), Relief Society Magazine, Oktober 1963, Seite 729

  7.   7.

    The Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, 1982, Seite 132f.

  8.   8.

    Relief Society Magazine, Oktober 1963, Seite 729

  9.   9.

    Ensign, September 1976, Seite 2

  10.   10.

    „Always a Convert Church: Some Lessons to Learn and Apply This Year“, Ensign, September 1975, Seite 3

  11.   11.

    Ensign, September 1976, Seite 5

  12.   12.

    The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 135

  13.   13.

    The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 135

  14.   14.

    Relief Society Magazine, Oktober 1963, Seite 730

  15.   15.

    Faith Precedes the Miracle, 1972, Seite 67