Wir beten, um die Segnungen des Himmels zu empfangen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Wilford Woodruff, (2011), 117


Wenn wir voll Glauben beten, machen wir uns bereit, die Segnungen zu empfangen, die der himmlische Vater für uns bereithält.

Aus dem Leben von Wilford Woodruff

Im März 1835, als Wilford Woodruff seine erste Mission erfüllte, musste er im Südosten der Vereinigten Staaten Flüsse und Sümpfe durchqueren. Um die Sümpfe zu durchqueren, fällten er und sein Mitarbeiter einen Baum und machten daraus ein Kanu. Sie legten etwa 150 Meilen mit dem Boot zurück, dann gingen sie zu Fuß weiter. Präsident Woodruff erzählte später, dass sie einen Weg nahmen, der „durch Sümpfe führte und auf einer Strecke von 170 Meilen größtenteils mit Schlamm und Wasser bedeckt war. Wir gingen jeden Tag vierzig Meilen durch knietiefen Schlamm und Wasser. Am 24. März konnte ich, nachdem wir zehn Meilen durch den Schlamm gewatet waren, nicht mehr weiter, denn ich spürte einen stechenden Schmerz im Knie. Ich setzte mich auf einen Baumstamm.“

Zu diesem Zeitpunkt ließ ihn sein Mitarbeiter, der der Missionsarbeit überdrüssig geworden war und sich entschlossen hatte, nach Hause zurückzukehren, auf dem Baumstamm mitten in einem Alligatorsumpf zurück. Furchtlos wandte sich Wilford Woodruff an den Herrn. Er erzählte: „Ich kniete mich im Schlamm nieder und betete, und der Herr heilte mich, sodass ich freudig meines Weges ging.“1

Jahre später bewies Präsident Woodruff seinen Glauben, als er, seine Frau und einige andere mit dem Schiff nach England reisten, um dort zu dienen. „Wir waren drei Tage und Nächte in einem schweren Sturm unterwegs und wurden zurückgetrieben“, erzählte er. „Schließlich bat ich meine Begleiter, mit mir in die Kabine zu gehen. Dort sagte ich ihnen, sie sollten darum beten, dass der Herr die Windrichtung änderte. Ich hatte keine Angst, dass wir uns verirrten, aber mir gefiel es nicht, dass wir nach New York zurückgetrieben wurden, denn ich wollte meine Reise fortsetzen. Jeder sprach das gleiche Gebet, alle Männer und Frauen, und nachdem wir damit fertig waren, gingen wir aufs Deck hinaus. Kaum eine Minute später hörte der Sturm auf, als hätte jemand ein Schwert genommen und ihn abgeschnitten. Man hätte ein Taschentuch hochwerfen können, und kein Lüftchen hätte es bewegt.“2

Lehren von Wilford Woodruff

Es ist unsere Pflicht, voll Glauben um die Hilfe zu bitten, die wir brauchen.

Es gibt eine Ermahnung vom Erretter, an die sich alle Heiligen Gottes halten sollten, doch ich fürchte, dass wir es nicht genug tun, nämlich allzeit zu beten und nicht darin nachzulassen [siehe Lukas 18:1; LuB 88:126]. Ich fürchte, dass wir, als Volk, nicht genug beten. Wir müssen den Herrn in mächtigem Gebet anrufen und ihm mitteilen, was wir brauchen. Denn wenn er uns nicht schützt und befreit und errettet, wird es auch keine andere Macht tun. Deshalb müssen wir voll und ganz auf ihn vertrauen. Deshalb müssen unsere Gebete Tag und Nacht zum himmlischen Vater aufsteigen.3

Die Bewohner der Erde erkennen die Wirkung und den Nutzen des Betens nicht. Der Herr hört die Gebete von Männern, Frauen und Kindern und beantwortet sie. Das Gebet hat sehr viel mehr Macht, die Segnungen Gottes herabzurufen, als vieles andere.4

Wenn sich die Welt in diesen Letzten Tagen gegen das Reich Gottes erhebt, müssen sich die Heiligen dann fürchten? … Nein, keinesfalls. Es gibt nur eines, was wir tun müssen, nämlich zu Gott beten. Jeder rechtschaffene Mensch hat das getan. Selbst Jesus, der Erretter, der Einziggezeugte des Vaters im Fleisch, musste die ganze Zeit über, von der Krippe bis zum Kreuz, beten; jeden Tag musste er seinen Vater bitten, ihn zu segnen und ihm in der Stunde der Bedrängnis beizustehen und ihm Kraft zu geben, den bitteren Kelch zu trinken. Bei seinen Jüngern war es nicht anders.5

Was immer wir auch brauchen, es ist unsere Pflicht, den Herrn darum zu bitten. Wir müssen uns an verborgenen Plätzen an ihn wenden und ihm mitteilen, was wir brauchen, damit unsere Gebete gehört werden und wir Antwort darauf erhalten. Darin liegt unsere Stärke. Wir vertrauen auf Gott, nicht auf den Menschen.6

Es ist die Pflicht jedes Heiligen Gottes, seine Gebete zu den Ohren des Herrn Zebaot aufsteigen zu lassen, Tag und Nacht, zur rechten Zeit, im Familienkreis und im Verborgenen, und den Herrn zu bitten, dass er seinem Volk beisteht, Zion aufrichtet und seine Verheißungen erfüllt. …

Ich habe mehr Glauben an das Gebet zum Herrn als an fast jeden anderen Grundsatz. Wenn wir keinen Glauben an das Gebet zu Gott haben, haben wir nicht viel Glauben an ihn oder das Evangelium. Wir müssen zum Herrn beten und ihn um das bitten, was wir brauchen. Mögen die Gebete dieses Volkes beständig zur rechten Zeit zum Herrn aufsteigen, dann wird der Herr sie nicht abweisen, sondern sie hören und erhören. Zion, das Reich Gottes, wird sich erheben und erstrahlen, Zion wird seine schönen Gewänder anlegen und mit der Herrlichkeit seines Gottes erfüllt werden und den Zweck seiner Errichtung hier auf der Erde erfüllen [siehe LuB 82:14].7

Als Volk müssen wir uns glaubensvoll und machtvoll an Gott wenden und ihm unsere Wünsche mitteilen und unser Schicksal in seine Hände legen. Dort ruht es sowieso. Dort wird es auch bleiben.8

Wir müssen beten, um den Willen des Herrn zu erfahren und seine Führung zu erlangen.

Ich glaube, dass wir unser Herz erheben und Gott, unserem himmlischen Vater, im Gebet für seine Barmherzigkeit danken und ihn bitten müssen, er möge uns durch die Inspiration des Heiligen Geistes führen, damit unser Sinn erleuchtet und unser Verständnis geöffnet wird, damit wir seinen Sinn und Willen in Bezug auf dieses Volk erkennen.9

Solltet ihr im Hinblick auf irgendeine Pflicht oder Aufgabe, die ihr zu erfüllen habt, Zweifel haben, dann tut nichts, ehe ihr nicht im Gebet gerungen habt, um den Heiligen Geist zu empfangen. Wenn der Geist euch dann eingibt, wohin ihr gehen oder was ihr tun sollt, dann ist es recht, und wenn ihr dem Geist folgt, tut ihr das Richtige.

Im Laufe unseres Wirkens unter den Nationen der Erde gelangen wir oft an Orte, wo wir eine bestimmte Vorgehensweise für richtig halten, aber wenn wir nicht sicher sind, ist es besser, wenn wir uns an den Herrn wenden und voll Glauben darum bitten, dass er uns den Weg weist, der zum Leben führt.10

Mögen wir treu dienen und Tag für Tag zum Herrn beten und um Weisheit bitten, damit wir die Kraft haben, zu überwinden und zu siegen.11

Eltern haben die heilige Pflicht, ihre Kinder beten zu lehren und darauf zu achten, dass die Familie gemeinsam betet.

Es ist der Sinn und Wille Gottes, dass jeder Mann und jede Frau, die den Ehebund eingegangen sind und denen Söhne und Töchter geschenkt wurden, ihre Kinder beten lehren, sobald sie alt genug sind.

Die Heiligen der Letzten Tage haben die Pflicht, ihre Kinder beten zu lehren, solange sie noch klein sind, ihnen den Grundsatz zu erklären und den Nutzen aufzuzeigen, damit sie für ihre Eltern und für alles, was nötig ist, beten können. Wenn die Kinder das von klein auf lernen und man sie in der Ehrfurcht vor dem Herrn erzieht, werden sie selten davon abweichen. Das Familienoberhaupt soll nicht nur selbst beten, sondern die Mitglieder seiner Familie auffordern zu beten und sie auch bitten, das Essen zu segnen.12

Wenn wir nach dem Evangelium leben, werden unsere Gebete mit Segnungen auf unser Haupt beantwortet.

Wir alle müssen demütig, gebetserfüllt und der göttlichen Macht gehorsam sein, damit wir die verheißenen Segnungen unseres himmlischen Vaters erhalten können.13

Wir müssen so leben, dass wir uns an den Herrn wenden und glaubensvoll und machtvoll um die Segnungen bitten können, die wir zu unserer Unterstützung brauchen, damit wir die Absichten Gottes erfüllen können. … Das ist für unseren Fortschritt notwendig.14

Gott will seinen Heiligen die guten Dinge der Erde geben, ebenso die Segnungen des Himmels, sobald sie in der Lage sind, sie richtig zu gebrauchen. … …

Viele von euch haben gelernt, wie man betet. Hört also nicht auf, eure Gebete zu den Ohren des Gottes Zebaot aufsteigen zu lassen, und er wird euch hören. … Doch die Segnungen des Himmels können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit erlangt und beherrscht werden.15

Wir haben keine Zeit zu verlieren, um uns bereit zu machen für das, was sich auf der Erde zutragen wird. Wer möchte schon seine Krone, seine Herrlichkeit und seine Hoffnung auf ewiges Leben verlieren, die er einmal hatte, als er das Evangelium Jesu Christi annahm? Niemand, der auch nur einen geringen Anteil am Geist Gottes hat. Erheben wir uns, machen wir unsere Berufung groß und mühen wir uns vor Gott, bis wir den Heiligen Geist erhalten, bis unsere Gebete den Schleier der Ewigkeit zerreißen und dem Gott Zebaot in die Ohren dringen und mit Segnungen auf unser Haupt beantwortet werden.16

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite V-IX.

  1. Gehen Sie noch einmal die Geschichten auf Seite 109 und 110 durch. Denken Sie darüber nach oder besprechen Sie, wie Elder Woodruff sonst noch in diesen Situationen hätte reagieren können. Was können wir aus seiner Reaktion lernen?

  2. Was finden Sie an Präsident Woodruffs Aussagen über unsere Pflicht zu beten beeindruckend (siehe Seite 110f.)? Was bedeutet für Sie, „voll Glauben zu beten“? Warum müssen wir beten, um die Segnungen erlangen zu können, die wir brauchen? Welchen Zweck erfüllt das Gebet sonst noch?

  3. Lesen Sie den dritten Absatz auf Seite 110 vollständig. Warum musste der Erretter beten? Was können wir aus seinen Gebeten lernen (siehe Matthäus 26:39; Johannes 11:41; 3 Nephi 13:9-13)?

  4. Wie kann uns das Beten helfen, wenn wir Entscheidungen treffen müssen oder Fragen im Hinblick auf unsere Aufgaben haben (siehe Seite 111)?

  5. Wie hat der himmlische Vater auf Ihre Gebete geantwortet? Was sollen wir tun, wenn die Antwort auf unser Gebet anders ausfällt, als wir es uns erhofft haben?

  6. Was hat Präsident Woodruff Eltern versichert, die ihre Kinder beten lehren (siehe Seite 112)? Welche Grundsätze, die zum Beten gehören, sollen Eltern ihren Kindern beibringen? Wie können Eltern ihren Kindern helfen, das Gebet zu einem Teil ihres Lebens zu machen?

  7. Warum ist es beim Familiengebet wichtig, dass alle in der Familie die Möglichkeit haben, das Gebet zu sprechen (siehe Seite 112)? Wie hat das Gebet Ihre Familie gestärkt?

  8. Lesen Sie den letzten Abschnitt des Kapitels (Seite 112f.) und achten Sie auf die Eigenschaften, die wir laut Präsident Woodruff besitzen sollen. Warum sind diese Eigenschaften notwendig, wenn wir beten und Antworten auf unsere Gebete erhalten wollen?

Einschlägige Schriftstellen: Matthäus 7:7; Jakobus 1:5,6; 5:16; 2 Nephi 32:8,9; Alma 33:3-11; 34:17-28; 37:36,37; 3 Nephi 18:19-21; LuB 10:5; 68:28; 112:10

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Siehe „Leaves from My Journal“, Millennial Star, 20. Juni 1881, Seite 390f.

  2.   2.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Hg. G. Homer Durham, 1946, Seite 288

  3.   3.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 221

  4.   4.

    Millennial Star, 7. Mai 1893, Seite 305

  5.   5.

    Deseret News: Semi-Weekly, 4. Februar 1873, Seite 2

  6.   6.

    „The Rights of the Priesthood“, Deseret Weekly, 17. März 1894, Seite 381

  7.   7.

    Deseret News: Semi-Weekly, 12. Januar 1875, Seite 1

  8.   8.

    Deseret News: Semi-Weekly, 22. Januar 1884, Seite 1

  9.   9.

    Millennial Star, 18. Mai 1891, Seite 306

  10.   10.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 134

  11.   11.

    Deseret Semi-Weekly News, 21. Dezember 1897, Seite 1

  12.   12.

    Salt Lake Herald Church and Farm, 15. Juni 1895, Seite 385

  13.   13.

    Deseret News, 26. November 1856, Seite 299

  14.   14.

    Deseret Weekly, 30. August 1890, Seite 307

  15.   15.

    Deseret News: Semi-Weekly, 20. März 1883, Seite 1

  16.   16.

    Deseret News, 31. Dezember 1856, Seite 340