Ehren wir unser geistiges Erbe

Lehren der Präsidenten der Kirche: Wilford Woodruff, (2011), 146


Berichte über die Opfer und den Glauben der frühen Mitglieder der Kirche können uns inspirieren, mit noch mehr Eifer unsere Bündnisse einzuhalten und das Reich Gottes aufzubauen.

Aus dem Leben von Wilford Woodruff

Wenn Präsident Wilford Woodruff die Mitglieder der Kirche unterwies, erzählte er oft vom Glauben und Mut der frühen Mitglieder der Kirche. Er forderte seine eigene Generation auf, im Glauben treu zu bleiben, und ermahnte die heranwachsende Generation, dem Beispiel ihrer Vorfahren zu folgen und „die Mühen, den Einsatz und die Entbehrungen ihrer Vorfahren, die die Grundlage für das Zion Gottes gelegt haben, nicht zu vergessen“.1 Er sagte: „Durch Gottes Barmherzigkeit sind wir bis zum heutigen Tag geführt worden. Die Segnungen Gottes haben sich Jahr für Jahr vervielfacht, und wir haben mehr bekommen, als wir verdienen. Der Rat und die Unterweisung, die wir erhalten haben, sind gut. Hoffentlich sind wir klug und lassen das alles nicht in Vergessenheit geraten wie Fabeln, sondern verhalten uns dementsprechend und sind bereit für alles, was von uns gefordert wird.“2

Dieses Kapitel enthält Präsident Woodruffs Schilderung von vier Ereignissen, die sowohl für ihn als auch für die Kirche von großer Bedeutung waren: (1) das Zionslager, (2) die Erfüllung des Gebotes, am Bauplatz des Tempels in Far West (Missouri) zusammenzukommen, (3) die Heilung der Kranken in Commerce (Illinois), und in Montrose (Iowa), und (4) die Ankunft der Pioniere im Salzseetal. Diese Berichte sind Teil des geistigen Erbes eines jeden Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Lehren von Wilford Woodruff

Das Zionslager

1833 wurden die Heiligen vom gesetzlosen Pöbel aus dem Kreis Jackson, Missouri, in den Kreis Clay vertrieben. … Ihre Häuser wurden niedergebrannt, ihr Besitz zerstört, und sie wurden, völlig mittellos, über den Missouri getrieben. Der Rat [in diesem Gebiet] bat um Freiwillige, die in das tausendsechshundert Kilometer entfernte Kirtland gehen und dort den Propheten Joseph Smith um Rat fragen sollten. Parley P. Pratt, der keinerlei irdische Mittel mehr besaß, um seine Familie zu versorgen, und Lyman Wight, dessen Frau mit einem drei Tage alten Säugling ohne Essen, Kleidung oder Obdach neben einem Baumstamm im Wald lag, meldeten sich freiwillig, den Propheten Gottes aufzusuchen. …

Als Elder Pratt und Elder Wight in Kirtland eintrafen, erzählten sie dem Propheten ihre Leidensgeschichte, und dieser fragte den Herrn, was er tun sollte. Der Herr gebot ihm, die Stärke des Hauses des Herrn zu sammeln, die jungen Männer und die mittleren Alters, und hinzugehen und Zion zu erlösen. … Es war Gottes Wille, dass sie 500 Mann zusammenbrachten, doch mit weniger als 100 durften sie nicht losziehen [siehe LuB 103]. Die Heiligen Gottes sammelten 205 Mann. Die meisten von ihnen kamen im Frühjahr 1834 in Kirtland zusammen. … Dort wurden wir in Abteilungen zu zehn Mann aufgeteilt, die jeweils von einem Hauptmann geführt wurden; und der Prophet Gottes führte diese 205 Mann des Zionslagers über eine Strecke von tausendsechshundert Kilometern. …

Der Rat und das Wort des Herrn, gegeben durch den Propheten des Herrn, die Erfüllung dieser Worte und die Freuden und das Leid in Zusammenhang mit diesen Ereignissen sind in unser Herz eingraviert wie mit eisernem Griffel in den Fels, und die Geschichte dieser Ereignisse wird in Zeit und Ewigkeit bewahrt bleiben.3

Ich war mit dem Propheten Gottes im Zionslager. Ich sah, wie Gott mit ihm umging. Ich sah die Macht Gottes, die mit ihm war. Ich sah, dass er ein Prophet war. Was ihm auf dieser Mission durch die Macht Gottes kundgetan wurde, war für mich und alle, die von ihm unterwiesen wurden, von großem Wert. Ich möchte ein Beispiel anführen. Kurz bevor wir in Missouri ankamen, rief Joseph das Lager zusammen. Dort prophezeite er uns und sagte uns, was uns bevorstand. Er nannte uns den Grund, warum wir gezüchtigt werden sollten. Er sagte: „Ihr haltet mich für einen Jungen wie ihr es seid. Ihr habt meine Stellung vor dem Herrn nicht begriffen. Doch dieses Lager wird gezüchtigt werden.“ Er sagte uns, dies werde über uns kommen, weil sein Rat nicht befolgt worden war. Eine Stunde nachdem wir in Missouri angekommen waren und unsere Zelte aufgeschlagen hatten, … sank bald ein Mann hier nieder, bald ein anderer dort, und bald darauf waren schon ein Dutzend an Cholera erkrankt. Der Prophet Gottes hatte Mitleid, als er es sah, und er und sein Bruder Hyrum legten Bruder Carter, der als Erster krank geworden war, die Hände auf, aber sobald sie es taten, wurden sie selbst krank und mussten beide das Lager verlassen. Später sagte er: „Ich hatte euch gesagt, was geschehen würde, und als die Bedrängnis kam und ich sie aufhalten wollte, wäre ich fast selbst daran zugrunde gegangen.“ Diese Mission war für mich sehr interessant.4

Als wir uns dem Kreis Clay, Missouri, näherten, wurden die Bewohner des Kreises Jackson sehr unruhig, und eine Fähre mit zwölf Männern überquerte den Missouri, um in Liberty, Kreis Clay, im Rathaus eine Versammlung für die Bewohner einzuberufen. Dort hielten sie feurige Reden, um die Menschen dazu aufzuwiegeln, das Feldlager der Mormonen zu vernichten. Aber die Bewohner des Kreises Clay waren nicht darauf erpicht. …

Im Kreis Jackson rottete sich jedoch der Pöbel zusammen, sowohl Kavallerie als auch Infanterie, überquerte den Fluss und zog im Kreis Clay weiter, um uns zu vernichten. Wir hatten östlich des Fishing Rivers unser Lager aufgeschlagen, und dort wollten sie uns einen Kampf liefern. Wir lagerten neben einem Gemeindehaus der Baptisten, der Himmel war klar, keine Wolke war zu sehen. Sobald wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten, ritten zwei Männer durch unser Lager und stießen schreckliche Flüche aus. … Als sie das Lager gen Osten verließen, erschien eine kleine Wolke im Nordwesten, die sich schon bald wie eine Schriftrolle entrollte, und bald war der ganze Himmel über uns mit einer Wolke bedeckt, die schwarz war wie Tinte. Gleich darauf zuckten Blitze, der Donner grollte, es goss in Strömen und begann zu hageln. Manche Hagelkörner in unserem Lager waren so groß wie Rotkehlcheneier und bedeckten schnell den Boden mit einer weißen Schicht. Wir flohen in die Kirche, um Schutz zu suchen. Der Prophet Joseph Smith kam als einer der Letzten herein.5

Als der Prophet Joseph hereinkam und das Wasser von seinem Hut und seiner Kleidung abschüttelte, sagte er: „Jungs, das hat etwas zu bedeuten. Gott ist in diesem Sturm.“ Wir sangen Gott Loblieder und lagen die ganze Nacht geschützt auf Bänken, während unsere Feinde draußen im prasselnden Regen waren.6

Der Fluss, den wir fast trockenen Fußes hätten überqueren können, als wir das Lager aufschlugen, stieg um sechs Meter an, sodass kein Feind uns von Westen aus erreichen konnte, und die Kavallerie, die östlich von uns war, musste in einem Schulhaus oder sonst wo vor den großen Hagelkörnern Schutz suchen. Ihre Pferde liefen vor dem Hagel und dem Sturm davon und zerstreuten sich im Umkreis von vielen Meilen im Wald, mit Sattel und Zaumzeug, und wurden viele Tage lang nicht gefunden.7

Es wurde berichtet, dass der Hauptmann der Kompanie, die sich im Schulhaus befand, sagte, es sei seltsam, dass sie jedes Mal, wenn sie gegen die Mormonen vorgehen wollten, von einem Hagelschauer oder sonst etwas daran gehindert wurden, aber sie waren nicht bereit anzuerkennen, dass Gott die Schlacht für uns schlug.8

Wir waren dankbar, dass der Herr die Schlacht für uns schlug und uns befreite und unsere Feinde nicht noch einmal versuchten, gegen uns zu ziehen.

Am folgenden Morgen (22. Juni) wurde am Fishing River die Offenbarung gegeben, die im Abschnitt 105 im Buch Lehre und Bündnisse aufgezeichnet ist [siehe Vers 9-14, hier beendet der Herr die ursprüngliche Mission des Zionslagers]. Von diesem Tag an wurde das Herz der Menschen im Kreis Clay erweicht, und wir setzten unsere Reise in diesem Kreis fort und schlugen unser letztes Lager auf, … wo wir in Erfüllung des Wortes des Herrn durch den Mund seines Propheten Joseph einige Bedrängnisse erleiden mussten. …

Wir verweilten einige Tage und stellten die Ordnung der Kirche im Kreis Clay wieder her, dann kehrte der Prophet Joseph mit den Männern des Zionslagers, die Familie hatten, nach Kirtland zurück, aber diejenigen von uns, die keine Familie hatten, blieben in Missouri, bis wir uns aufmachten, in anderen Teilen des Landes das Evangelium Christi zu verkünden.9

Als das Zionslager zusammengestellt wurde, kannten viele von uns die anderen nicht. Wir waren Fremde, und viele hatten noch nie den Propheten gesehen. Wir waren im ganzen Land zerstreut gewesen, wie Getreide, das durch ein Sieb gestreut wird. Wir waren junge Männer und waren in jenen ersten Tagen aufgerufen worden, hinaufzugehen und Zion zu erlösen, und was wir tun mussten, das mussten wir durch Glauben tun. Wir kamen aus verschiedenen Staaten und trafen uns in Kirtland, um hinaufzugehen und Zion zu erlösen, um das Gebot Gottes zu erfüllen. Gott nahm unsere Werke an, wie er Abrahams Werke angenommen hatte. Wir brachten vieles zustande, auch wenn Abtrünnige und Ungläubige oft fragten: „Was habt ihr getan?“ Wir erlangten Erfahrung, die wir auf keine andere Weise hätten gewinnen können. Wir durften das Gesicht des Propheten sehen, wir durften 1600 Kilometer mit ihm zurücklegen und miterleben, wie der Geist Gottes auf ihn einwirkte und wie er Offenbarungen von Jesus Christus empfing und diese in Erfüllung gingen.10

Die Erfahrungen, die wir durch das Zionslager sammelten, waren mehr wert als Gold, und die Geschichte dieses Lagers wird bis zur letzten Generation der Menschheit weitergegeben werden.11

Das Gebot des Herrn, am Bauplatz des Tempels in Far West (Missouri) zusammenzukommen, wird erfüllt.

Hinweis: Am 26. April 1838 offenbarte der Herr durch den Propheten Joseph Smith, dass die präsidierenden Beamten der Kirche beginnen sollten, einen Tempel in der Stadt Far West in Missouri zu bauen (siehe LuB 115:7-10). Er gebot ihnen auch, dass sie am 26. April 1839, genau ein Jahr nach dem Tag, an dem diese Offenbarung gegeben wurde, „abermals beginnen und das Fundament … errichten“ sollten (siehe LuB 115:11). Präsident Wilford Woodruff erklärte später, dass dies das Gebot war, „den Eckstein des Tempels zu legen“.12 Am 8. Juli 1838 bat der Prophet Joseph den Herrn: „Zeige uns deinen Willen, o Herr, in Bezug auf die Zwölf“ (Überschrift zu LuB 118). Daraufhin offenbarte der Herr, dass Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel im kommenden Frühjahr nach England reisen sollten, um das Evangelium zu predigen. Das Kollegium sollte am 26. April 1839 am Bauplatz des Tempels in Far West zusammenkommen, um den Beginn dieser Mission anzuzeigen. Außerdem wurden Elder John Taylor, Elder John E. Page, Elder Wilford Woodruff und Elder Willard Richards dazu bestimmt, die leeren Plätze im Kollegium der Zwölf Apostel einzunehmen (siehe LuB 118:4-6).

Als die Offenbarung [1838] gegeben wurde, war in Far West, der Stadt, wo die meisten Heiligen der Letzten Tage lebten, alles ruhig und friedlich, doch noch ehe sie sich erfüllen sollte, waren die Heiligen aufgrund des Erlasses von Gouverneur Boggs aus dem Staat Missouri vertrieben worden und in den Staat Illinois geflüchtet; und die Einwohner Missouris hatten geschworen, dass sich diese Offenbarung Joseph Smiths gewiss nicht erfüllen sollte, selbst wenn alle anderen sich erfüllten. In ihr wurden Tag und Ort genannt, wo die Zwölf Apostel sich von den Heiligen verabschieden sollten, um ihre Mission jenseits des Ozeans zu erfüllen, und der in Missouri herrschende Pöbel hatte erklärt, er werde dafür sorgen, dass sie sich nicht erfüllte. …

Als sich der Tag näherte, an dem dieses Gebot des Herrn erfüllt werden sollte, war Brigham Young Präsident der Zwölf Apostel; [Thomas] B. Marsh, der dienstälteste Apostel, war abtrünnig geworden. Bruder Brigham rief diejenigen der Zwölf zusammen, die sich damals in Quincy, Illinois, aufhielten, um zu erfahren, was sie davon hielten, nach Far West zu gehen, um die Offenbarung zu erfüllen. Der Prophet Joseph und sein Bruder Hyrum, Sidney Rigdon, Lyman Wight und Parley P. Pratt waren zu der Zeit im Gefängnis in Missouri, aber Joseph Smith [Sr.], der Patriarch, war in Quincy. Er und andere, die dabei waren, hielten es nicht für klug, wenn wir uns auf die Reise machten, denn unser Leben war in Gefahr. Sie meinten, dem Herrn würde die Absicht genügen. Doch als Präsident Young die Zwölf fragte, wie wir darüber dachten, sagten wir alle wie mit einer Stimme, dass der Herr Gott gesprochen habe und wir gehorchen müssten. Es sei die Sache des Herrn, auf seine Knechte zu achten. Wir wollten das Gebot erfüllen oder bei dem Versuch sterben.

Um vollständig zu begreifen, welches Risiko die Zwölf Apostel mit dieser Reise eingingen, sollte sich der Leser daran erinnern, dass Lilburn W. Boggs, der Gouverneur des Staates Missouri einen Erlass herausgegeben hatte, der besagte, dass alle Heiligen der Letzten Tage den Staat zu verlassen hatten oder ausgerottet würden. Far West war von der Miliz eingenommen worden, die nichts anderes war als der Pöbel, der sich organisiert hatte. Die Bürger der Stadt hatten ihre Waffen abgeben müssen, alle führenden Brüder [der Kirche], die man aufgespürt hatte, waren gefangen genommen worden; die übrigen Heiligen – Männer, Frauen und Kinder – mussten so gut sie konnten aus dem Staat fliehen, um ihr Leben zu retten, und mussten Häuser, Land und anderen Besitz, den sie nicht mitnehmen konnten, dem Pöbel zurücklassen. Tatsächlich schoss der Pöbel die Rinder und Schweine der Mitglieder nieder und raubte den Mitgliedern fast alles, was ihm in die Finger kam. Die Heiligen der Letzten Tage wurden mit erbarmungsloser Grausamkeit behandelt und mussten ungeheure Misshandlungen ertragen. Viele konnten nur unter größten Schwierigkeiten aus dem Staat fliehen, vor allem die bekannten Brüder, denn in Missouri gab es damals viele Männer, die nichts dabei fanden, einen „Mormonen“ niederzuschießen wie einen wilden Hund. …

Nachdem wir uns entschlossen hatten, die Bedingungen der Offenbarung zu erfüllen, machten wir uns auf nach Far West. …

Am Morgen des 26. April 1839 machten wir uns auf zum Bauplatz des Tempels in Far West, ungeachtet der Drohung unserer Feinde, dass die Offenbarung, die sich an diesem Tag erfüllen sollte, sich nicht erfüllen würde, und obwohl zehntausende Heilige aufgrund des Erlasses des Gouverneurs aus dem Staat vertrieben worden waren und obwohl der Prophet Joseph und sein Bruder, Hyrum Smith, zusammen mit anderen führenden Brüdern in der Hand unserer Feinde waren, in Ketten und im Gefängnis. Wir hielten einen Rat ab und erfüllten die Offenbarung und das Gebot, das uns gegeben worden war, und kamen in diesem Rat noch vielen anderen Aufgaben nach. …

Nachdem wir uns von der kleinen Gruppe Mitglieder verabschiedet hatten, die auf dem Bauplatz des Tempels geblieben war, um zu erleben, wie wir die Offenbarung und das Gebot Gottes erfüllten, kehrten wir Far West und Missouri den Rücken und begaben uns auf den Rückweg nach Illinois. Wir hatten den Auftrag erfüllt, ohne dass auch nur ein Hund die Zähne fletschte [siehe Exodus 11:7] oder jemand sagte: „Warum tut ihr das?“

Wir überquerten den Mississippi auf einem Fährdampfer, erreichten Quincy am 2. Mai und freuten uns, wieder einmal in Frieden und Sicherheit zu unserer Familie zurückzukehren.13

Krankenheilungen in Commerce, Illinois, und Montrose, Iowa

Ehe wir [1839] auf Mission nach England gingen, mussten wir dafür sorgen, dass unsere Familien sich irgendwo niederlassen konnten. Ein Ort namens Commerce, später Nauvoo genannt, wurde als der Ort ausgewählt, an dem sich unser Volk ansiedeln sollte.

Ich verließ Quincy zusammen mit Bruder Brigham Young und unseren Familien am 15. Mai und traf am 18. in Commerce ein. Nach einem Gespräch mit Joseph Smith überquerten wir den Mississippi bei Montrose, Iowa. Präsident Brigham Young und ich wohnten zusammen mit unseren Familien in einem Zimmer mit etwa 18 Quadratmetern. Schließlich fand Brigham Young ein anderes Zimmer. … Da zog Orson Pratt mit seiner Familie in das Zimmer, das ich mit meiner Familie bewohnte.

Während ich in dieser Hütte zwischen den alten Baracken wohnte, erlebten wir, wie Gottes Macht durch den Propheten Joseph wirkte. Zu der Zeit waren viele krank, und Joseph hatte sein eigenes Haus in Commerce den Kranken überlassen und im Vorgarten ein Zelt aufgeschlagen, in dem er selbst wohnte. Die vielen Mitglieder, die aus Missouri vertrieben worden waren, strömten nach Commerce, hatten dort aber kein Haus, in dem sie wohnen konnten, sondern lebten im Wagen, im Zelt oder einfach auf dem Boden. Deshalb wurden viele aufgrund der Entbehrungen krank. Bruder Joseph hatte sich so lange um die Kranken gekümmert, bis er selbst ganz erschöpft war und fast krank wurde.

Am Morgen des 22. Juli 1839 stand er auf, dachte über die Lage der Heiligen, die Verfolgungen und Bedrängnisse nach und rief den Herrn im Gebet an. Da ruhte die Macht Gottes auf ihm und wie Jesus zu seiner Zeit die Kranken geheilt hatte, so heilte Joseph, der Prophet Gottes, an diesem Tag die Kranken in seiner Umgebung. Er heilte alle in seinem Haus und Vorgarten, dann ging er mit Sidney Rigdon und einigen von den Zwölf zu den Kranken, die am Flussufer lagen, und gebot ihnen mit lauter Stimme im Namen Jesu Christi, sich zu erheben und wieder gesund zu sein und sie wurden alle geheilt. Als er am Ostufer des Flusses alle Kranken geheilt hatte, überquerte er mit seinen Begleitern den Mississippi auf einer Fähre, die ihn zum Westufer, nach Montrose, brachte, wo wir waren. Zuerst gingen sie in das Haus Brigham Youngs. Er lag krank in seinem Bett. Der Prophet betrat das Haus und heilte ihn, und sie kamen gemeinsam heraus. Als sie an meiner Tür vorüberkamen, sagte Bruder Joseph: „Bruder Woodruff, folge mir.“Das waren die einzigen Worte, die gesprochen wurden, als die Gruppe Brigham Youngs Haus verließ, den Hauptplatz überquerte und Bruder [Elijah] Fordhams Haus betrat. Bruder Fordham lag seit einer Stunde im Sterben, und wir erwarteten jeden Augenblick seinen Tod.

Ich spürte, wie die Macht Gottes den Propheten erfüllte.

Als wir das Haus betraten, ging Bruder Joseph auf Bruder Fordham zu und fasste ihn an der rechten Hand, während er in der Linken seinen Hut hielt.

Er bemerkte den glasigen Blick in Bruder Fordhams Augen und sah, dass er stumm und ohne Bewusstsein war.

Nachdem er seine Hand ergriffen hatte, blickte er dem Sterbenden ins Gesicht und sagte: „Bruder Fordham, erkennst du mich nicht?“ Zuerst gab er keine Antwort, aber wir konnten alle die Auswirkung des Geistes Gottes sehen, der auf ihm ruhte.

Wieder sagte er: „Elijah, erkennst du mich nicht?“

Mit einem leisen Flüstern antwortete Bruder Fordham: „Doch!“

Dann sagte der Prophet: „Hast du nicht den Glauben, geheilt zu werden?“

Die Antwort war nun ein wenig klarer zu verstehen: „Ich fürchte, es ist zu spät. Wärst du früher gekommen, wäre es vielleicht möglich gewesen.“

Er machte den Eindruck, als erwachte er aus dem Schlaf. Es war der Schlaf des Todes.

Da sagte Joseph: „Glaubst du, dass Jesus der Messias ist?“

„Ja, Bruder Joseph“, war die Antwort.

Dann sprach der Prophet Gottes mit lauter Stimme, wie mit der Erhabenheit der Gottheit: „Elijah, ich gebiete dir im Namen Jesu von Nazaret, steh auf und sei geheilt!“

Die Worte des Propheten waren nicht die Worte eines Menschen, sondern wie die Stimme Gottes. Es kam mir so vor, als ob das ganze Haus bebte.

Elijah Fordham sprang aus dem Bett wie einer, der vom Tod auferstanden ist. Sein Gesicht nahm eine gesunde Farbe an, und in allem, was er tat, war Leben.

Umschläge waren um seine Füße gewickelt. Er schüttelte sie ab, wobei er den Inhalt verstreute. Dann bat er um seine Kleider und zog sich an. Er bat um eine Schüssel Milch und Brot und aß sie leer. Dann setzte er seinen Hut auf und folgte uns auf die Straße, um andere Kranke zu besuchen.

Der Ungläubige mag sich fragen: „War das nicht eine Täuschung?“

Der Ungläubige mag sich vielleicht täuschen, nicht aber Elijah Fordham, der im Sterben lag. Für ihn gab es keine Täuschung, auch alle, die dabei waren, täuschten sich nicht, denn ein paar Minuten später wäre er in der Geisterwelt gewesen, wäre er nicht gerettet worden. …

Sobald wir Bruder Fordhams Haus verlassen hatten, gingen wir zu Bruder Joseph B. Noble, dem es sehr schlecht ging und dessen Zustand bedrohlich war. Als wir das Haus betraten, nahm Bruder Joseph ihn bei der Hand und gebot ihm im Namen Jesu Christi, aufzustehen und gesund zu sein. Er stand auf und war sofort geheilt.

Während sich dies zutrug, war der Pöbel … aufmerksam geworden und folgte uns in Bruder Nobles Haus.

Ehe diese Männer eintrafen, bat Bruder Joseph Bruder Fordham zu beten.

Während er betete, kam der Pöbel herein, begleitet von allen bösen Geistern.

Kaum waren sie eingetreten, wurde Bruder Fordham ohnmächtig und sank zu Boden.

Als Joseph den Pöbel im Haus sah, stand er auf und verscheuchte sowohl die Männer als auch die bösen Geister, die sie begleiteten. Daraufhin kam Bruder Fordham sofort wieder zu sich und beendete sein Gebet.

Das zeigt, welche Macht böse Geister über die irdische Hülle des Menschen haben. Nur die Macht Gottes kann die Heiligen aus der Macht des Teufels retten.

Bruder Noble war der Letzte, der an diesem Tag geheilt wurde. Es war seit Gründung der Kirche die bedeutendste Kundgebung der Macht Gottes durch die Gabe der Heilung.14

Die Ankunft der Pioniere im Salzseetal

Hinweis: Im April 1834 hörte Wilford Woodruff den Propheten Joseph Smith prophezeien: „Zehntausende Heilige der Letzten Tage werden sich in den Rocky Mountains sammeln und dort die Tür öffnen, durch die das Evangelium zu den Lamaniten gelangt und unter ihnen Fuß fasst. Sie werden es annehmen und ihr Endowment und die Segnungen Gottes empfangen. Dieses Volk wird in die Rocky Mountains ziehen und dort dem Allerhöchsten Tempel bauen.“15 In Erfüllung dieser Prophezeiung begannen die Heiligen dreizehn Jahre später, sich im Salzseetal niederzulassen, nachdem sie von Ort zu Ort gejagt und verfolgt worden waren. Elder Woodruff, damals ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, gehörte zur ersten Pionierabteilung, die sich ins neue verheißene Land aufmachte. Sie verließ Winter Quarters in Nebraska im April 1847 und traf im Juli 1847 im Salzseetal ein.

Am 22. [Juli 1847] ritten Orson Pratt, [George] A. Smith und sieben andere voraus ins Tal und ließen ihre Abteilung zurück, die nachkommen und einen Weg bahnen sollte. Da Präsident Young krank war, lag er auf einem Bett, das ich auf meinem Wagen ausgebreitet hatte, und wir lagerten mit dem Rest der Abteilung. …

Am 24. lenkte ich meinen Wagen ins offene Tal, Präsident Young lag darin auf einem Bett. Der Rest der Abteilung folgte uns. Als wir aus der Schlucht herauskamen und freie Sicht über das Tal hatten, lenkte ich den Wagen, der nach Westen hin geöffnet war, zur Seite, und Präsident Young erhob sich von seinem Bett und blickte über das Land. Als er so in die Landschaft blickte, wurde er für einige Minuten in eine Vision gehüllt. Er hatte das Tal bereits zuvor in einer Vision gesehen, und jetzt sah er die zukünftige Herrlichkeit Zions und Israels, aufgerichtet in den Tälern dieser Berge. Als die Vision vorüber war, sagte er: „Es ist genug. Dies ist der richtige Ort. Fahrt weiter.“ Also fuhr ich bis zu dem Lager, das diejenigen, die uns vorausgeritten waren, bereits aufgeschlagen hatten.

Als wir dort ankamen, hatten die Brüder bereits angefangen zu pflügen. Ich hatte einen Scheffel Kartoffeln mitgebracht und beschloss, weder zu essen noch zu trinken, bis ich sie gepflanzt hatte. Um ein Uhr waren sie im Boden, und sie wurden dann zusammen mit den Kartoffeln, die andere Brüder gepflanzt hatten, die Grundlage der künftigen Kartoffelernte Utahs.

Am Abend ritt ich zusammen mit Heber C. Kimball, [George] A. Smith und E. T. Benson die Schlucht des City Creek entlang, um nach Bauholz zu suchen. Als wir noch unterwegs waren, kam ein Gewitter auf, und der Regen ergoss sich fast über das ganze Tal. …

Am Morgen des 28. … beriet sich Präsident Young mit den Zwölf Aposteln und spazierte quer durch das Lager. Dann blieb er stehen, stieß seinen Stock in den Boden und sagte: „Hier wird der Tempel unseres Gottes stehen.“ Das war etwa die Mitte des Platzes, wo heute der Salt-Lake-Tempel steht.16

Gott hat uns gesegnet, er hat den Boden gesegnet, und unsere Anstrengungen, den Boden zu bebauen, wurden reich belohnt. … Das Land war unfruchtbar, öde, voller Grashüpfer, Grillen und Kojoten, das schien das Einzige zu sein, was der Boden hervorbrachte. Wir machten uns als Glaubende, nicht als Schauende, daran, den Boden zu bebauen. Am ersten Tag zerbrachen wir fast alle Pflüge, die wir hatten. Wir mussten kleine Wasserläufe umleiten, um die Erde zu befeuchten. Durch Erfahrung lernten wir, alles anzubauen. Der Fremde kommt nach Salt Lake City, sieht unsere Obstgärten und die Bäume an den Straßen und meint, welch fruchtbares und schönes Land dies ist. Er weiß nicht, dass fast jeder Baum, den er sieht, seit zwanzig oder vierundzwanzig Jahren, je nachdem, wie alt er ist, den ganzen Sommer über zweimal in der Woche gegossen werden muss, sonst wäre er schon längst abgestorben. Wir mussten mit vereinter Kraft arbeiten, und der Herr hat unsere Arbeit gesegnet und diesem Volk seine Gunst erwiesen.17

Auf unserem Zug [zum Salzseetal] mussten wir uns als Glaubende auf den Weg machen. Wir wussten nichts über dieses Land, aber wir wollten in die Berge gehen. Joseph hatte noch vor seinem Tod eine Abteilung zusammengestellt, die hierher kommen sollte. Er sah alles vor sich und wusste genau, was kommen sollte. Gott hatte ihm die Zukunft der Kirche und des Reiches offenbart und ihm immer wieder gesagt, dass das Werk, dessen Grundlage er legte, ein immerwährendes Reich werden und für immer bestehen sollte. Präsident Young führte die Pioniere in dieses Land. Er glaubte daran, dass der Herr uns beistehen würde. Alle, die damals hierher reisten, hatten diesen Glauben. Der Geist Gottes war mit uns, der Heilige Geist war mit uns und die Engel des Herrn waren mit uns, und wir waren gesegnet. Alles hat sich erfüllt, was bis zu diesem Zeitpunkt möglich war, mehr als das, was wir erwartet hatten, als wir hierher kamen.18

Als Pioniere und als Volk Gottes erfüllen wir Prophezeiungen und schreiben Geschichte. … Unser ganzes Leben, unsere Geschichte und unsere Reisen sind von den Propheten aus alter Zeit aufgezeigt worden. So, wie die Pioniere in diese unfruchtbare Wüste kamen und die Heiligen ihnen folgten, um die Prophezeiung zu erfüllen, dass die Wüste blühen wird [siehe Jesaja 35:1], wie sie neben allen kleinen Bächen und Seen Getreide säten und Tanne, Kiefer und Buchsbaum nutzten, um den heiligen Ort Gottes zu schmücken und den Platz zu ehren, wo seine Füße ruhen [siehe Jesaja 60:13], … wollen auch wir unsere Berufung groß machen und Zion und das Reich Gottes aufbauen, bis es vor dem Himmel und der Erde vollkommen gemacht ist. Wir wollen diejenigen nicht enttäuschen, die uns gesandt haben, auch nicht diejenigen, die uns durch Visionen und Offenbarung gesehen haben, sondern unsere Bestimmung so vollenden, dass unser himmlischer Vater, seine Engel und alle guten Menschen zufrieden sein können.19

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite V-IX.

  1. Gehen Sie noch einmal Präsident Woodruffs Anmerkungen auf Seite 134 durch. Warum sollen wir etwas über die frühen Mitglieder der Kirche erfahren? Wie können wir dafür sorgen, dass ihre Geschichten nicht „in Vergessenheit geraten wie Fabeln“? Wie können wir Berichte über das Leben unserer eigenen Vorfahren bewahren?

  2. Inwiefern profitierte Wilford Woodruff von seinen Erfahrungen im Zionslager (siehe Seite 135 bis 138)? Wie haben diese Erfahrungen ihn wohl darauf vorbereitet, später selbst die Kirche zu führen? Wie haben Ihre Erfahrungen Sie schon darauf vorbereitet, in der Kirche zu dienen?

  3. Warum hielten Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel es für richtig, zum Bauplatz des Tempels in Far West in Missouri zu gehen (siehe Seite 139ff.)? Was können wir daraus lernen?

  4. Was lernen Sie aus dem Bericht über die Heilung von Elijah Fordham und anderen (siehe Seite 142 bis 145)? Wie kann dieser Bericht einem Träger des Melchisedekischen Priestertums helfen, sich auf einen Krankensegen vorzubereiten?

  5. Was lernen wir aus der Reise der Pioniere ins Salzseetal über Glauben? Welche anderen Evangeliumsgrundsätze erkennen Sie im Leben dieser frühen Pioniere (siehe Seite 146ff.)?

  6. Welche neuzeitlichen Pioniere gibt es in Ihrer Familie, in Ihrem Gemeinwesen oder Land? Was macht diese Menschen zu Pionieren?

  7. Inwiefern haben alle Mitglieder der Kirche Anteil am geistigen Erbe der ersten Heiligen der Letzten Tage?

Einschlägige Schriftstellen: Jakobus 5:14,15; Alma 15:1-12; Ether 12:6; LuB 42:44-48; 103; 105; 115; 118; 136

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „A Pioneer Address“, Millennial Star, 3. September 1888, Seite 563

  2.   2.

    Journal of Discourses, 9:223

  3.   3.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2

  4.   4.

    Conference Report, April 1898, Seite 29f.

  5.   5.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2

  6.   6.

    History of the Church, 2:104, Fußnote

  7.   7.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2

  8.   8.

    History of the Church, 2:104, Fußnote

  9.   9.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2

  10.   10.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Hg. G. Homer Durham, 1946, Seite 305

  11.   11.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2

  12.   12.

    Deseret News: Semi-Weekly, 21. Dezember 1869, Seite 1

  13.   13.

    „Leaves from My Journal“, Millennial Star, 10. Oktober 1881, Seite 645ff.

  14.   14.

    „Leaves from My Journal“, Millennial Star, 10. und 17. Oktober 1881, Seite 647, 669ff.

  15.   15.

    Zitiert von Wilford Woodruff in Conference Report, April 1898, Seite 57

  16.   16.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2

  17.   17.

    Deseret News, 22. Mai 1872, Seite 216

  18.   18.

    Deseret News: Semi-Weekly, 21. Dezember 1869, Seite 1

  19.   19.

    Deseret News: Semi-Weekly, 27. Juli 1880, Seite 2f.