Tempelarbeit – wie wir unser Herz der Familie und dem Herrn zuwenden

Lehren der Präsidenten der Kirche: Wilford Woodruff, (2011), 187


Wenn wir würdig in das Haus des Herrn gehen, empfangen wir heilige Handlungen, die uns, unsere Vorfahren und unsere Nachkommen darauf vorbereiten, für immer in Gottes Gegenwart zu leben.

Aus dem Leben von Wilford Woodruff

Als der Kirtland-Tempel am 27. März 1836 geweiht wurde, erfüllte Wilford Woodruff eine Vollzeitmission im Süden der Vereinigten Staaten. Drei Wochen später erfuhr er von den Ereignissen bei der Weihung und schrieb in sein Tagebuch, dass diese Neuigkeit „die herrlichste überhaupt“ war.1 Nachdem er seine Mission beendet hatte, traf er „zu Fuß in einem schweren Schneesturm“ in Kirtland ein. Er berichtete: „Wir sahen den Tempel des Herrn noch ehe wir die Stadt erreichten. Wahre Freude erfüllte mich bei diesem Anblick, denn zum ersten Mal erblickten meine Augen das Haus des Herrn, das gemäß seinem Gebot und seiner Offenbarung gebaut worden war.“2

Wilford Woodruffs Liebe zur Tempelarbeit ließ nie nach. Er beteiligte sich an allen Phasen dieser Arbeit – vom Bau bis zur Weihung und von der Ahnenforschung bis zur Arbeit für die Toten. Er freute sich auch über die heiligen Handlungen im Tempel, die er und seine Familie empfingen.

Präsident Woodruff sprach oft darüber, wie er das Endowment empfangen hatte. Der Prophet Joseph Smith, der spürte, dass sich sein irdisches Wirken dem Ende näherte, vollzog das Endowment an den Zwölf Aposteln in Nauvoo, noch ehe der Tempel fertig gestellt war. Präsident Woodruff bezeugte: „Joseph Smith erklärte mir zunächst die heilige Handlung, die das Endowment darstellt. Ich empfing mein Endowment von Joseph Smith.“3

Als Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel und später als Präsident der Kirche war Wilford Woodruff stets bemüht, den Bau von Tempeln voranzubringen. Er arbeitete am Tempel in Nauvoo, Illinois, und an vier Tempeln in Utah mit, nämlich in Logan, in St. George, in Manti und in Salt Lake City. Er sprach das Weihungsgebet für den Tempel in Manti und den Tempel in Salt Lake City.

Der Salt-Lake-Tempel, der nach vierzig Jahren hingebungsvoller Arbeit fertig gestellt wurde, war für Präsident Woodruff von besonderer Bedeutung. Er hatte den Tempel zuvor in einer ausführlichen Vision gesehen, noch ehe die Heiligen das Salzseetal erreichten.4 Vier Tage nach ihrer Ankunft war er dabei, als Präsident Brigham Young inspiriert wurde, den Platz für den Tempel auszuwählen.5 Jahre vor der Fertigstellung des Tempels hatte er einen Traum, in dem er den Schlüssel für den Tempel erhielt und von Präsident Young angewiesen wurde, „alle in den Tempel zu lassen, die nach Errettung trachteten“.6 Er setzte sich unermüdlich für die Fertigstellung des Tempels ein, auch in Zeiten von Prüfung und Verfolgung. Und als der Bau schließlich im April 1893 abgeschlossen war, befolgte er Präsident Youngs Anweisung im Traum und plante Weihungsgottesdienste über drei Wochen, damit wirklich alle Heiligen daran teilnehmen konnten.

Nach der Weihung des Salt-Lake-Tempels betonte Präsident Woodruff die Bedeutung der Familie bei der Tempelarbeit. Er sagte: „Wir möchten, dass die Heiligen der Letzten Tage von jetzt an ihre Abstammung so weit wie möglich zurückverfolgen und sich an ihre Väter und Mütter siegeln lassen. Siegelt die Kinder an ihre Eltern und schließt die Kette so weit, wie es euch möglich ist.“7 (Den historischen Hintergrund dieser Lehre können Sie in der Einführung auf Seite XXXIII bis XXXV nachlesen.)

1894 beaufsichtigte Präsident Woodruff die Gründung der Genealogischen Gesellschaft von Utah, die zu den heutigen weltweiten Anstrengungen der Kirche führte, Menschen bei der Ahnenforschung zu unterstützen. Einhundert Jahre später sagte Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel: „Seit den Ereignissen in diesem historischen Jahr werden in der Kirche die genealogische Forschung und der Dienst im Tempel als eine Arbeit betrachtet.“8 Diese Ereignisse waren Teil der andauernden Erfüllung der Prophezeiung, dass sich „das Herz der Kinder … ihren Vätern zuwenden“ wird (LuB 2:2; siehe auch Maleachi 3:23,24).

Da Präsident Woodruff viel Bedeutendes in Bezug auf Tempelarbeit gelehrt hat, ist dies das erste von zwei Kapiteln zu diesem Thema in diesem Buch. Dieses Kapitel befasst sich mit den Segnungen des Tempelbesuchs und dem ewigen Bestand der Familie, während Kapitel 18 sich mit der Arbeit für die Toten befasst.

Lehren von Wilford Woodruff

Mit himmlischer Freude beteiligen wir uns an der Tempelarbeit, denn wir wissen, dass sie uns, unsere Nachkommen und unsere Vorfahren darauf vorbereitet, in Gottes Gegenwart zu leben.

Es gibt keine Arbeit, an der die Heiligen der Letzten Tage größeres Interesse haben als daran, Tempel zu bauen und fertig zu stellen.9

Wenn ich darüber nachdenke, dass uns die Macht gegeben wurde, dem Namen des Allerhöchsten Tempel zu errichten, … und dass wir in den Tempel gehen und die Arbeit tun dürfen, die für unsere eigene Errettung und die Erlösung unserer Toten notwendig ist, dann ist meine Freude groß, und ich spüre, dass wir reich gesegnet worden sind.10

Die Geschichte dieser Tempel kennt ihr. Ihr wisst, dass die Propheten [Joseph und Hyrum Smith] getötet wurden und der Herr von den Heiligen den Bau des [Nauvoo-]Tempels forderte, ehe sie in die Wildnis gejagt wurden. Vor allem eine bestimmte Offenbarung, die gegeben worden war, spornte die Ältesten der Kirche Gottes an, dieses Werk zu vollbringen [siehe LuB 124:25-41]. Sie mühten sich mit aller Kraft und sie vollbrachten dieses Werk. Sie gingen in den Tempel und empfingen heilige Handlungen und das Endowment, ehe sie die Stadt verließen, um in die Wildnis zu ziehen. Die Tempel, die wir gebaut haben, … stehen da als Denkmal vor Gott, den Engeln und den Menschen, als Symbol für den Glauben und die Werke der Heiligen der Letzten Tage.11

Es ist offensichtlich, dass die Heiligen der Letzten Tage die Segnungen zu schätzen wissen, die durch die Tempelarbeit erlangt werden. … Unser Herz ist voll Freude und wir können nicht aufhören, Gott zu preisen, der in seiner Güte seinem Volk gewährt hat, trotz des Widerstands und vieler Schwierigkeiten, mit denen es zu kämpfen hatte, solche Gebäude gemäß seinen Vorgaben für deren heilige Nutzung zu errichten und zu weihen.

Jeder Heilige der Letzten Tage, der die richtige Einstellung hat, empfindet eine himmlische Freude, wenn er darüber nachdenkt, was Gott für uns in unserer Generation getan hat, dass er uns nämlich mit allen Mitteln ausgestattet hat, um uns, unsere Nachkommen und unsere Vorfahren auf die ewige Welt vorzubereiten, die uns im nächsten Leben erwartet. Die Heiligen der Letzten Tage sind wahrhaftig ein hochbegünstigtes Volk; in jedem Herzen und jedem Haus in diesem Land soll Gott für seine große Barmherzigkeit und Güte, die er uns erwiesen hat, gelobt und gepriesen werden. Er hat uns die kostbarsten Verheißungen gegeben und hat sie bis heute immer erfüllt. Wir wären die undankbarsten und unwürdigsten Menschen, die je gelebt haben, wenn wir, nachdem uns so wunderbare Kundgebungen seiner Güte zuteil geworden sind, in unserem Eifer, unserem Gehorsam oder unserer Hingabe an ihn und sein großartiges Werk nachließen.12

Wir möchten weiter im Tempel arbeiten. Wir möchten, dass die Tempel von den Heiligen der Letzten Tage genutzt werden. Wir möchten, dass unsere Brüder und Schwestern weiterhin dorthin gehen und die Toten erlösen und die Lebenden segnen.13

Aus dem Weihungsgebet für den Salt-Lake-Tempel: O Herr, mit tiefen, unbeschreiblichen Gefühlen betrachten wir die Fertigstellung dieses heiligen Hauses. Lasse dich herab, diesen, den vierten Tempel, den dein Bundesvolk mit deiner Hilfe in diesen Bergen errichtet hat, anzunehmen. In vergangenen Zeitaltern hast du deine Knechte, die Propheten, mit deinem Heiligen Geist inspiriert, von einer Zeit in den Letzten Tagen zu prophezeien, da der Berg mit dem Haus des Herrn fest gegründet steht als höchster der Berge und alle Hügel überragt [siehe Jesaja 2:2; Micha 4:2]. Wir danken dir, dass du uns gewährt hast, zur Erfüllung dieser Visionen deiner Seher aus alter Zeit beizutragen, und so gnädig warst, uns zu gestatten, an diesem großartigen Werk teilzuhaben.14

Durch die Genealogie und die heiligen Handlungen im Tempel können wir an unsere Familie gesiegelt werden, wodurch ein Bindeglied zwischen den Generationen geschaffen wird.

Die Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi sind auch nach dem Tod wirksam, sie bringen Mann, Frau und Kinder als Familie zusammen und vereinen sie für immer und ewig. … Den Heiligen der Letzten Tage wurde die Siegelung offenbart. Diese heilige Handlung ist auch nach dem Tod in Kraft und vereint Mann und Frau, wie ich gesagt habe, auf ewig als Familie. Deshalb sind diese Grundsätze Teil unserer Religion. Durch sie werden Mann und Frau, Eltern und Kinder wieder vereinigt, bis die Glieder in der Kette alle miteinander verbunden sind bis zurück zu unserem Stammvater Adam. Ohne diese Siegelung könnten wir nicht die Fülle der celestialen Herrlichkeit erlangen.15

Brüder und Schwestern, das Herrliche daran ist, dass wir am Morgen der Auferstehung unsere Familie bei uns haben werden, wenn wir bestehen – unsere Eltern, unsere Geschwister, unsere Frauen und Kinder –, und zwar im Familienverband der celestialen Welt, um für immer und immer zu leben. Das ist alles wert, was ihr oder ich in den wenigen Jahren, die wir hier im Fleisch verbringen, opfern können.16

Jeder Mann soll sich an seinen Vater [siegeln] lassen. Dann tun wir genau das, was Gott gemeint hat, als er erklärte, er werde in den Letzten Tagen den Propheten Elija senden [siehe Maleachi 3:23,24]. Elija, der Prophet, erschien Joseph Smith und sagte ihm, der Tag sei gekommen, an dem dieser Grundsatz ausgeführt werden müsse [siehe LuB 110:13-16]. Joseph Smith lebte nicht lange genug, um näher darauf einzugehen. Seine Seele war diesem Werk gewidmet, ehe er für das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus getötet wurde. Er sagte uns, es müsse ein Bindeglied zwischen allen Evangeliumszeiten und zwischen dem Wirken Gottes von einer Generation zur nächsten geben [siehe LuB 128:18]. Dieses Thema beschäftigte ihn mehr als sonst eines.

Der Herr offenbarte mir im Gebet, dass es meine Pflicht sei, ganz Israel aufzufordern, dies auszuführen, und in Erfüllung dieser Offenbarung lege ich es nun diesem Volk dar. … Wir möchten, dass die Heiligen der Letzten Tage von jetzt an ihre Abstammung so weit wie möglich zurückverfolgen und sich an ihre Väter und Mütter siegeln lassen. Siegelt die Kinder an ihre Eltern und schließt die Kette so weit, wie es euch möglich ist. … 17

Aus dem Weihungsgebet für den Salt-Lake-Tempel: Unser Vater im Himmel, wir bringen dir diese Altäre dar, die wir erbaut haben, damit deine Knechte und Mägde die Segnungen der Siegelung empfangen können. Wir weihen sie im Namen des Herrn Jesus Christus deinem hochheiligen Namen und bitten dich, diese Altäre zu heiligen, damit alle, die zum Altar kommen, die Macht des Heiligen Geistes spüren und erkennen mögen, wie heilig die Bündnisse sind, die sie schließen. Wir beten auch, dass die Bündnisse und Vereinbarungen, die wir mit dir und miteinander schließen, von deinem Heiligen Geist geleitet, von uns heilig gehalten und von dir angenommen werden mögen und dass alle ausgesprochenen Segnungen für alle Heiligen, die zum Altar kommen, am Morgen der Auferstehung der Gerechten in Erfüllung gehen mögen. …

O Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – deren Gott du gerne genannt wirst –, wir danken dir mit der Inbrunst unserer überströmenden Dankbarkeit, dass du die Mächte offenbart hast, durch die sich das Herz der Kinder den Vätern zuwendet und das Herz der Väter den Kindern, dass die Menschensöhne in allen Generationen Anteil erhalten können an der Herrlichkeit und der Freude des Himmelreiches. Wir bitten dich: Übertrage auf uns den Geist des Elija, damit wir unsere Toten erlösen und uns mit unseren Vorfahren verbinden können, die jenseits des Schleiers sind, und außerdem unsere Toten versiegeln können, in der ersten Auferstehung hervorzukommen, damit wir, die wir auf der Erde wohnen, mit denen verbunden sind, die im Himmel wohnen. Wir danken dir um ihretwillen, die ihr Werk im Erdenleben beendet haben, und auch um unsretwillen, dass das Gefängnis geöffnet wurde, den Gefangenen Befreiung verkündet wurde und die Fesseln derer gelöst wurden, die gebunden waren. Wir preisen dich dafür, dass unsere Väter, vom letzten bis zum ersten, von jetzt bis zurück zum Anfang, durch ein unlösbares Bindeglied mit uns vereinigt werden können, verbunden durch das heilige Priestertum, und dass wir als eine große Familie, in dir vereint und durch deine Macht fest verbunden, gemeinsam vor dir stehen und durch die Macht des sühnenden Blutes deines Sohnes von allem Bösen befreit, errettet und geheiligt, erhöht und verherrlicht werden.18

Wir müssen uns geistig vorbereiten, um die Segnungen des Dienstes im Tempel zu erlangen.

Ehe ihr in den Tempel geht, … zieht euch zum Gebet zurück. Bringt dem Herrn eure Gebete dar, betet nicht nur, dass euch eure Sünden vergeben werden mögen, sondern dass ihr alle den Geist Gottes und das Zeugnis vom Herrn Jesus Christus haben mögt, dass der Geist Gottes mit allen sein möge, die sich im Tempel versammeln. …

Es ist mein Wunsch, dass die Heiligen das tun, denn ich möchte, dass diejenigen, die in den Tempel gehen, mit reinem Herzen hingehen, dass der Geist Gottes mit ihnen ist, dass sie Freude empfinden, dass sie alle den Einfluss dieser Macht spüren.19

Kein Mitglied der Kirche, das für würdig empfunden wird, dieses heilige Haus zu betreten, ist in Unkenntnis über die Grundsätze des Evangeliums. Ich darf wohl annehmen, dass jeder seine Pflicht gegenüber Gott und seinen Mitmenschen kennt. Niemand ist so vergesslich, dass er sich nicht mehr an die Ermahnung erinnert, dass wir mit Liebe und Nächstenliebe für unsere Brüder erfüllt sein müssen. Daher kann niemand auch nur einen Augenblick daran zweifeln, wie überaus wichtig es ist, dass jeder der im Tempel Versammelten mit allen seinen Brüdern und Schwestern und mit Gott in Frieden lebt. Wie können wir sonst erwarten, die Segnungen zu erhalten, die er verheißen hat. Doch nur, wenn wir die Voraussetzungen erfüllen, für die diese Segnungen der Lohn sind!

Kann jemand, der das Gesetz Gottes bricht oder nachlässig darin ist, seine Gebote zu befolgen, erwarten, dass der Tempelbesuch allein … ihn würdig macht, die Segnungen des Herrn zu empfangen, und dies auch bewirkt?

Meint er etwa, er könne so einfach Umkehr üben und sich von der Sünde abwenden – und das sei alles?

Wagt er, und sei es auch nur in Gedanken, damit den Vater der Ungerechtigkeit und Parteilichkeit zu beschuldigen und ihm Nachlässigkeit in der Erfüllung seiner eigenen Worte anzulasten?

Gewiss kann niemand, der für sich in Anspruch nimmt, zu Gottes Volk zu gehören, sich dessen schuldig machen.

Deshalb dürfen diejenigen, die unwürdig sind, nicht länger einen Segen von ihrem Tempelbesuch erwarten, solange der Geruch der Sünde, von der sie nicht umgekehrt sind, sie umgibt und solange Bitterkeit oder auch nur eine unversöhnliche Kälte gegen ihre Brüder und Schwestern in ihrem Herzen herrscht.

Zu diesem Thema könnte noch viel gesagt werden. In dem Bemühen, sich nach den scheinbar wichtigeren Aspekten des Gesetzes zu richten, kann es geschehen, dass unterschätzt wird, wie wichtig dieser Geist der Liebe, Güte und Nächstenliebe ist. …

Ehe wir in den Tempel gehen, um vor den Herrn zu treten, … müssen wir uns von jeder Härte, jedem unfreundlichen Gefühl gegeneinander befreien, damit nicht nur unser Gezänk aufhört, sondern dessen Ursache beseitigt wird und jedes Gefühl, das dazu geführt oder es aufrechterhalten hat, ausgeräumt wird. Wir müssen einander unsere Sünden bekennen und einander um Vergebung bitten. Wir müssen den Herrn um den Geist der Umkehr bitten und, wenn wir ihn erlangt haben, seinen Eingebungen folgen. Indem wir uns vor dem Herrn demütigen und einander um Vergebung bitten, gewähren wir denen, die unsere Vergebung erflehen, die Nächstenliebe und Großzügigkeit, die wir selbst vom Himmel erbitten und erwarten.

Mögen wir also zur heiligen Stätte kommen mit einem Herzen, das ohne Arg ist, und einer Seele, die bereit ist für die verheißene Erbauung! So soll unser Flehen, ungetrübt von jeglichem Missklang, vereint zu Jehova aufsteigen und die kostbaren Segnungen des Gottes des Himmels herabrufen! …

Wir rufen [die einzelnen Mitglieder der Kirche] auf, sich um die Verbundenheit ihrer Brüder und Schwestern, um ihr volles Vertrauen und ihre Liebe zu bemühen und sich vor allem um die Gemeinschaft und Verbundenheit mit dem Heiligen Geist zu bemühen. Mögen wir uns im kleinsten, bescheidensten Familienkreis ebenso eifrig um diesen Geist bemühen und ihn bewahren wie als Mitglied der höchsten Organisation oder des höchsten Kollegiums. Möge er sowohl das Herz der Brüder und Schwestern, der Eltern und Kinder als auch das Herz der Ersten Präsidentschaft und der Zwölf Apostel durchdringen. Möge er alle Meinungsverschiedenheiten zwischen Mitgliedern der Pfahlpräsidentschaft und des Hoherates sowie zwischen Nachbarn, die zur selben Gemeinde gehören, mildern und besänftigen. Möge er jung und alt, Mann und Frau, Herde und Hirte, Volk und Priestertum durch Dankbarkeit, Vergebung und Liebe miteinander verbinden, damit wir spüren, dass der Herr uns annimmt, und mit einem Gewissen vor ihn treten können, das frei ist von Schuld gegenüber allen Menschen. Dann gibt es keine Enttäuschung, was die Segnungen angeht, die denen verheißen sind, die ihn aufrichtig anbeten. Sie werden die süßen Einflüsterungen des Heiligen Geistes empfangen, dazu von Zeit zu Zeit die Schätze des Himmels, den Dienst von Engeln, denn seine Verheißungen sind gegeben und können nicht ausbleiben!20

Aus dem Weihungsgebet für den Salt-Lake-Tempel: Unser Vater im Himmel, der du die Himmel und die Erde geschaffen hast und alles, was darinnen ist, der du voll Herrlichkeit bist, vollkommen in der Barmherzigkeit, Liebe und Wahrheit, wir, deine Kinder, kommen heute vor dich und flehen in diesem Haus, das wir deinem hochheiligen Namen gebaut haben, um das sühnende Blut deines einziggezeugten Sohnes, damit unsere Sünden uns nie mehr angerechnet werden, sondern dass unsere Gebete zu dir aufsteigen und deinen Thron erreichen, dass wir in deiner heiligen Wohnstätte gehört werden. Möge es dir gnädig gefallen, unser Flehen zu hören und gemäß deiner unendlichen Weisheit und Liebe zu erhören; mögest du gewähren, dass die Segnungen, nach denen wir trachten, uns zuteil werden, ja selbst hundertfach, wenn wir uns mit reinem Herzen und fester Absicht bemühen, deinen Willen zu tun und deinen Namen zu verherrlichen. …

Wir kommen voll Freude und Dankbarkeit vor dich, mit jubelndem Geist, mit Lobpreisung im Herzen, dass du uns gewährt hast, diesen Tag zu erleben, auf den wir vierzig Jahre lang gehofft, für den wir gearbeitet und gebetet haben, an dem wir dir dieses Haus weihen können, das wir deinem herrlichen Namen gebaut haben. Vor einem Jahr legten wir den Schlussstein und riefen Hosanna Gott und dem Lamm. Und heute weihen wir dir den ganzen Tempel mit allem, was dazugehört, dass er in deinen Augen heilig sein möge, dass er ein Haus des Betens sein möge, ein Haus der Lobpreisung und der Anbetung, dass deine Herrlichkeit darauf ruhen möge, dass deine heilige Gegenwart stets darin sein möge, dass er die Wohnstätte deines geliebten Sohnes sein möge, unseres Erretters, dass die Engel, die vor deinem Angesicht stehen, die geheiligten Boten sein mögen, die ihn besuchen und uns deine Wünsche und deinen Willen überbringen, dass er in allen Teilen dir, dem Gott Israels, dem allmächtigen Herrscher der Menschheit, geheiligt und geweiht sein möge. Und wir bitten dich, dass alle Menschen, die über die Schwelle dieses deines Hauses treten, deine Macht verspüren mögen und sich gedrängt fühlen anzuerkennen, dass du es geheiligt hast, dass es dein Haus ist, eine Stätte deiner Heiligkeit.21

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite V-IX.

  1. Wie reagierte Elder Wilford Woodruff, als er von der Weihung des Kirtland-Tempels hörte und als er den Tempel zum ersten Mal sah (siehe Seite 173)? Haben Sie etwas Ähnliches erlebt – falls es angebracht ist, davon zu erzählen?

  2. Wie haben die frühen Mitglieder der Kirche ihr Interesse am Tempel bekundet (siehe Seite 175f.)? Warum sollen wir ein „großes Interesse“ an der Tempelarbeit haben?

  3. Gehen Sie noch einmal den letzten Absatz auf Seite 174 durch. Inwiefern betrachten Sie den Dienst im Tempel und die Ahnenforschung als „eine Arbeit“ (siehe Seite 176ff.)? Wie hat ihnen diese Arbeit schon geholfen, Ihr Herz Ihren Vorfahren und Ihren Nachkommen zuzuwenden?

  4. Warum brauchen wir die Siegelung, um „die Fülle der celestialen Herrlichkeit zu erlangen“ (siehe Seite 176f.; siehe auch LuB 131:1-4)?

  5. Überfliegen Sie noch einmal das ganze Kapitel und suchen Sie nach Aussagen über die Beziehungen in der Familie. Was können wir aus diesen Aussagen lernen? Inwieweit kann unser Verständnis vom Haus des Herrn beeinflussen, was wir für unsere Familie empfinden?

  6. Wie sind Sie und Ihre Familie schon durch den Tempelbesuch gesegnet worden? Wie können Eltern ihren Kindern beibringen, den Tempel zu achten und sich auf die heiligen Handlungen im Tempel vorzubereiten?

  7. Auf Seite 178 bis 181 lesen wir, was Präsident Woodruff den Heiligen geraten hat, wie sie sich auf die Weihung des Salt-Lake-Tempels vorbereiten konnten. Wie kann uns dieser Rat bei jedem Tempelbesuch helfen?

  8. Welche Grundsätze werden im Weihungsgebet für den Salt-Lake-Tempel gelehrt (siehe Seite 176,177f., 181f.)? Denken Sie darüber nach oder besprechen Sie, wie uns die Worte des Gebets bei unseren Bemühungen im Bereich Tempelarbeit und Genealogie helfen können.

Einschlägige Schriftstellen: Psalm 24:3-5; Matthäus 16:18,19; LuB 27:9; 97:10-17; 109; 110; 138:46-48

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Journal of Wilford Woodruff, 19. April 1836, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

  2.   2.

    Journal of Wilford Woodruff, 25. November 1836

  3.   3.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Hg. G. Homer Durham, 1946, Seite 148

  4.   4.

    Siehe The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 162

  5.   5.

    Siehe Journal of Wilford Woodruff, 28. Juli 1847

  6.   6.

    Journal of Wilford Woodruff, 12. März 1887

  7.   7.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 157

  8.   8.

    Der Stern, Januar 1995, Seite 79

  9.   9.

    James R. Clark, Hg., Messages of the First Presidency of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 6 Bände, 1965–1975, 3:236

  10.   10.

    Salt Lake Herald Church and Farm, 15. Juni 1895, Seite 386

  11.   11.

    Deseret Weekly, 6. August 1892, Seite 193

  12.   12.

    „An Epistle to the Members of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“, Millennial Star, 14. November 1887, Seite 730f.

  13.   13.

    Deseret Weekly, 14. November 1891, Seite 660

  14.   14.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 337

  15.   15.

    Deseret News: Semi-Weekly, 21. Dezember 1869, Seite 2

  16.   16.

    Deseret Weekly, 22. Oktober 1892, Seite 548

  17.   17.

    Millennial Star, 28. Mai 1894, Seite 338ff.

  18.   18.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 339ff.

  19.   19.

    Millennial Star, 7. Mai 1893, Seite 305. Präsident Woodruff gab diese Anweisungen, um den Heiligen zu helfen, sich auf die Weihung des Salt-Lake-Tempels vorzubereiten.

  20.   20.

    Messages of the First Presidency, 3:242ff. Präsident Woodruff gab diese Anweisungen, um den Heiligen zu helfen, sich auf die Weihung des Salt-Lake-Tempels vorzubereiten.

  21.   21.

    The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 335, 337f.