Kapitel 9

Das Evangelium verkündigen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Wilford Woodruff


Wir sollen uns eifrig und treu darum bemühen, anderen zu helfen, die Segnungen des wiederhergestellten Evangeliums zu empfangen.

Aus dem Leben von Wilford Woodruff

Kurz nachdem Wilford Woodruff getauft und als Mitglied der Kirche bestätigt worden war, hatte er „den großen Wunsch, das Evangelium zu predigen“. Er berichtete: „An einem Sonntagabend zog ich mich alleine in den Wald zurück und rief den Herrn in ernsthaftem Gebet an, mir einen Weg zu bereiten, dass ich den Bewohnern der Erde das Evangelium verkünden konnte. Der Geist des Herrn gab Zeugnis, dass mein Gebet erhört werden sollte. Glücklich erhob ich mich von den Knien und ging etwa zweihundert Meter, da begegnete ich Elias Higbee, einem Hohen Priester, bei dem ich einige Monate gewohnt hatte. Als ich auf ihn zuging, sagte er: ‚Bruder Wilford, der Geist des Herrn sagt mir, dass du ordiniert werden und auf Mission gehen sollst.‘ Ich erwiderte: ‚Ich bin bereit.‘“1

Auf Anweisung seines Bischofs wurde Wilford Woodruff am 5. November 1834 zum Priester ordiniert und berufen, im Süden der Vereinigten Staaten eine Mission zu erfüllen. Er wirkte voll Glauben und Eifer. So begann sein Missionsdienst, der sein ganzes Leben andauerte. Er half Tausenden, das wiederhergestellte Evangelium anzunehmen. Präsident Heber J. Grant sagte über ihn: „Niemand sonst, der je auf Erden gewandelt ist, hat so viele Menschen zum Evangelium Jesu Christi bekehrt wie er.“2

Im Januar 1840, kurz nachdem er zum Apostel ordiniert worden war, traf Elder Wilford Woodruff in England ein, um dort als Missionar zu dienen. Er begann sein Wirken in Staffordshire, wo er beachtliche Erfolge erzielte. „40 Personen schlossen sich durch die Taufe der Kirche an“, berichtete er, „und viele Türen taten sich auf. Die Arbeit war sehr erfolgreich, doch als ich mich am 1. März in Hanly erhob, um vor einer großen Versammlung zu sprechen, tat mir der Herr kund, dass es für viele Tage das letzte Mal sei, dass ich die Menschen warnte. Als ich den Versammelten mitteilte, dass sie heute meine Stimme für viele Tage zum letzten Mal hören würden, waren sie erstaunt, denn sie hatten, ebenso wie ich, als ich das Haus betrat, erwartet, dass ich Monate unter ihnen verbringen würde. Aber die Wege und Gedanken Gottes sind nicht in jeder Hinsicht unsere Wege und Gedanken.“

Elder Woodruff wandte sich am folgenden Tag im Gebet an den Herrn und fragte, wohin er gehen sollte. Er berichtete: „Ich hielt es für mein Recht und meine Pflicht, den Willen des Herrn dazu zu erfahren, deshalb bat ich den himmlischen Vater im Namen Jesu Christi, mir seinen Willen diesbezüglich kundzutun, und als ich fragte, zeigte mir der Herr, dass es sein Wille war, dass ich mich sofort in den Süden Englands aufmachte. Ich sprach mit Bruder William Benbow darüber, der in Herefordshire gelebt hatte und dort immer noch Freunde hatte. Er wünschte sich sehr, dass ich diesen Teil des Landes besuchte, und bot mir großzügig an, mich zum Haus seines Bruders zu begleiten und die Fahrkosten zu übernehmen, was ich dankbar annahm.“3

Am 4. März 1840 trafen Elder Woodruff und William Benbow bei Williams Bruder John ein. „Eine Stunde nach unserer Ankunft“, erzählt Präsident Woodruff, „erfuhr ich, warum der Herr mich dorthin gesandt hatte. … Ich traf dort eine große Gruppe von Männern und Frauen, etwa sechshundert, die sich unter dem Namen ‚United Brethren‘ zusammengeschlossen hatten und sich darum bemühten, nach der alten Ordnung zu leben. Sie wollten das Evangelium, wie es von den Propheten und Aposteln gelehrt worden war, so, wie ich es mir in meiner Jugend gewünscht hatte.“4

John Benbow's house

Die Farm von John Benbow. Durch eifriges Bibelstudium bereiteten sich John Benbow und seine Familie und Freunde darauf vor, das wiederhergestellte Evangelium anzunehmen.

Familie Benbow nahm die Botschaft von der Wiederherstellung schnell an, und William kehrte nach Staffordshire zurück, „nachdem er das Glück genossen hatte, mitzuerleben, wie sich sein Bruder John Benbow mit seiner ganzen Familie … im neuen und immerwährenden Bund taufen ließ“.5 Elder Woodruff blieb etwa acht Monate in diesem Gebiet. Später berichtete er: „In den ersten dreißig Tagen nach meiner Ankunft in Herefordshire taufte ich fünfundvierzig Prediger und mehrere hundert Mitglieder. … In etwa acht Monaten brachten wir zweitausend Menschen zur Kirche.“6

Über dieses Erlebnis schrieb Präsident Woodruff: „Die ganze Geschichte der Mission in Herefordshire belegt wieder einmal, wie wichtig es ist, dass man auf die leise, sanfte Stimme Gottes und auf die Offenbarungen des Heiligen Geistes achtet. Der Herr hatte dort ein Volk, das für das Evangelium bereit war. Diese Menschen beteten um Licht und Wahrheit, und der Herr sandte mich zu ihnen.“7

Etwa zwei Jahre bevor Elder Woodruff in England diente, hatte der Geist ihn zu einer kleineren Gruppe von Menschen geführt, denen er das Evangelium predigen sollte, nämlich seiner eigenen Familie. In seinem Patriarchalischen Segen, den er von Joseph Smith Sr. erhalten hatte, war ihm verheißen worden, dass er „die Familie seines Vaters ins Reich Gottes bringen würde“.8 1838, als er in einem Gebiet in der Nähe seiner Heimatstadt eine Mission erfüllte, hatte er das Gefühl, dass nun die Zeit für die Erfüllung dieser Prophezeiung gekommen sei. Er schrieb:

„Ich verbrachte achtzehn Tage in Farmington und Avon und besuchte die Familie meines Vaters, meine Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen, Nachbarn und Freunde, predigte ihnen das Evangelium Jesu Christi und bemühte mich, sie in das Reich Gottes zu bringen. … Mit der Hilfe Gottes predigte ich der Familie meines Vaters und allen, die bei ihm waren, sowie meinen anderen Verwandten gewissenhaft das Evangelium.“

Am 1. Juli 1838 taufte Elder Woodruff sechs Menschen, darunter alle, die im Haus seines Vaters lebten, wie es ihm in seinem Patriarchalischen Segen verheißen worden war. „Es war wahrlich ein Tag großer Freude für meine Seele“, sagte er. „Mein Vater, meine Stiefmutter und meine Stiefschwester gehörten zu denen, die sich taufen ließen. Später kamen noch einige Verwandte hinzu. Ich hatte das Gefühl, dass allein dieser Tag mich reichlich für all meine Arbeit im Werk des Herrn belohnte.

Wer kann die Freude, die Herrlichkeit, das Glück und den Trost erfassen, die ein Ältester Israels spürt, wenn er ein Werkzeug in der Hand Gottes ist, seinen Vater, seine Mutter, seine Schwester, seinen Bruder oder irgendeinen Nachkommen Adams durch das Tor zu führen, das zum Leben und zur Errettung führt? Das kann niemand, es sei denn, er hat es selbst erlebt und besitzt das Zeugnis von Jesus Christus und die Inspiration des allmächtigen Gottes.“9

Lehren von Wilford Woodruff

Gott verlangt von uns Rechenschaft darüber, ob wir das Evangelium weitergegeben haben.

In allen Zeitaltern haben sich die Menschen nach Glück und Frieden in der Gesellschaft und in der Familie gesehnt. Wenn sie an die ferne Zukunft denken, wünschen sie sich die Segnungen, die zu diesem Dasein gehören sollen, aber sie wissen nicht, wie sie sie erlangen können, es sei denn, ein Knecht Gottes kommt zu ihnen und weist ihnen den Weg des Lebens.10

Wir sind die einzigen Menschen, denen in unserer Zeit das heilige Evangelium, Priestertum und die heiligen Bündnisse anvertraut worden sind, und wir werden dafür zur Rechenschaft gezogen werden, wie wir dies nutzen. Deshalb sollen wir eifrig und treu arbeiten, um den Menschenkindern die große Errettung anzubieten und Zion und das Reich unseres Gottes aufzurichten.11

Wie unbedeutend dieses Volk in den Augen der Welt auch sein mag, der Gott des Himmels überträgt uns die Verantwortung, jeder Nation unter dem Himmel das Evangelium zu predigen. Wir müssen es tun, sonst werden wir verdammt. Wir können dem nicht entgehen. Warum? Weil für uns gilt, was Paulus sagt: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ [1 Korinther 9:16.] Es gibt nur ein Evangelium, es hat nie mehr als eines gegeben und wird nie mehr geben. Paulus sagt: „Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.“ [Galater 1:8.] Dieses Evangelium, ihr Heiligen des lebendigen Gottes, halten wir in Händen, es wurde uns durch den Dienst von Engeln gesandt, dasselbe Evangelium, das von Adam bis Christus und von Christus bis in unsere Zeit und Generation gelehrt worden ist, immer wenn Gott ein Volk auf der Erde hatte.12

Niemals, seit Gott die Welt geschaffen hat, ruhte eine größere Verantwortung auf einer Gruppe von Menschen, nämlich diese Generation zu warnen, unsere Stimme anhaltend und laut zu erheben, Tag und Nacht, sofern es uns möglich ist, um dieser Generation das Wort Gottes zu verkünden. Das wird von uns gefordert. Das ist unsere Berufung. Es ist unsere Pflicht. Es ist unsere Aufgabe.13

Ich bin durch Sümpfe gewatet und durch Flüsse geschwommen, bin von Tür zu Tür gegangen und habe um Brot gebeten und habe fast fünfzig Jahre diesem Werk gewidmet. Und warum? Hätte es in Kalifornien genügend Gold gegeben, um mich für diese Arbeit anzuwerben? Nein, gewiss nicht. Was ich getan habe und was meine Amtsbrüder getan haben, das haben wir getan, weil Gott es uns geboten hat. Das ist auch heute unsere Berufung. Wir haben in der Heimat und in der Ferne gepredigt und gearbeitet, und wir wollen, mit Gottes Hilfe, unsere Arbeit fortsetzen, solange es uns möglich ist.14

Ich glaube, dass wir, als Älteste Israels und als Heilige der Letzten Tage, oft nicht annähernd begreifen, welchen Auftrag wir vom Herrn erhalten haben. Das Werk, das von uns gefordert wird, ist groß und mächtig; es ist das Werk des allmächtigen Gottes. Uns obliegt es, allen Nationen der Erde das Evangelium Christi zu bringen. … Uns obliegt all das und darüber hinaus, dass wir dem Allerhöchsten Tempel errichten, worin wir die heiligen Handlungen für die Errettung der Toten vollziehen können.15

Und auch in der Heimat sind wir von vielen umgeben, denen wir predigen müssen, denn das Predigen ist in der Heimat ebenso notwendig wie in der Ferne.16

Wir spüren große Freude, wenn wir anderen helfen, zu Christus zu kommen und auf dem Weg zur Erhöhung voranzugehen.

Wenn man einem Menschen die Grundsätze des Lebens und der Errettung nahe bringt und die heiligen Handlungen an ihm vollzieht, wird man zum Werkzeug in der Hand Gottes, um diese Seele zu erretten. Den Menschenkindern ist sonst nichts Vergleichbares gegeben. …

Der Herr hat gesagt: „Und wenn es so ist, dass ihr alle eure Tage arbeitet, um dieses Volk zur Umkehr zu rufen, und auch nur eine einzige Seele zu mir führt, wie groß wird eure Freude mit ihr im Reich meines Vaters sein!“ [LuB 18:15.] … Wir haben jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk das Evangelium gepredigt, soweit der Herr uns Türen geöffnet hat und wir dorthin reisen konnten. Doch die Welt ist heute immer noch voll von Menschen, die das Evangelium Jesu Christi nicht gehört haben. Solange wir das Priestertum tragen, ist es unsere Pflicht und unsere Verantwortung, für die Errettung der Menschenkinder zu arbeiten, soweit es uns möglich ist, den Söhnen und Töchtern Adams diese Gaben zu gewähren. Denkt nur daran: Wenn wir das Evangelium Christi annehmen, können wir Erben Gottes und Miterben Christi werden, an der ersten Auferstehung teilnehmen und aus dem Grab hervorkommen, angetan mit Herrlichkeit, Unsterblichkeit und ewigen Leben, und in die Gegenwart Gottes und des Lammes gelangen und mit ihnen ewig im Himmel wohnen! Wer weiß das schon? Wissen es die Bewohner der Erde? Sie wissen es nicht. … Ich erkenne selbst, dass wir in allem auf den Herrn angewiesen sind. Der Herr bewahrt uns. Er ist der Urheber unserer Errettung. Jesus Christus hat sein Leben niedergelegt, um uns durch sein Blut zu erlösen, und nur dadurch sind uns diese Segnungen gegeben. …

Es gibt keine Berufung, die größer ist als die, das Recht und den Vorzug zu genießen, hinauszugehen und Menschenseelen zu erretten – sie zu erretten, indem man ihnen das Evangelium predigt, indem man die heiligen Handlungen des Hauses Gottes an ihnen vollzieht, damit sie selbst bereit sind, in das Himmelreich und die celestiale Herrlichkeit einzugehen. …

Ich denke oft, dass wir die Segnungen, deren wir uns erfreuen und die für uns erreichbar sind, überhaupt nicht zu schätzen wissen. Unser Herz muss sich dem Aufbau des Reiches Gottes, dem Aufbau Zions, dem Werk Gottes widmen, solange wir hier sind und die Kraft haben, das zu tun. Als Präsidentschaft und als Apostel ist es unsere Pflicht, nicht nur selbst zu arbeiten, sondern auch die Ältesten Israels zu den Nationen der Erde hinauszusenden, damit sie das Evangelium verkünden. In vielen Nationen haben sich Türen geöffnet, sodass das Evangelium Christi verbreitet werden kann und Menschen zu Christus gebracht werden, damit sie diese Segnungen erlangen können.17

Ich habe fast mein ganzes Leben in der Kirche verbracht. Seit ich mich der Kirche angeschlossen habe, bin ich immer wieder auf Mission gewesen und habe vom ersten Tag an bis heute nicht gänzlich damit aufgehört. Ich hatte immer Freude daran, und das ist auch heute noch so. Wenn ich sterbe und meinen Körper niederlege, soll niemand sagen können, ich hätte meine Pflicht vernachlässigt und nicht versucht, ihm soweit es mir möglich war die Errettung zu bringen. Es hat mir immer Freude gemacht, das Evangelium zu predigen und die heiligen Handlungen des Lebens und der Errettung in der Heimat und in der Ferne zu vollziehen, weil ich wusste und heute noch weiß, dass dies das Werk Gottes ist.18

Anstatt andere Religionen zu kritisieren, sollen wir lieber so leben, dass die Wahrheit und die Vorzüge unserer eigenen Religion offenbar werden.

Wenn ihr in einer Gegend das Evangelium predigt, dann versucht niemals, sozusagen das Haus eines Menschen abzureißen, bevor ihr ihm ein besseres baut. Greift niemals die Religion eines Menschen an, wohin ihr auch geht. Lasst jeden Menschen sich an seiner Religion freuen. Das ist sein gutes Recht. Wenn er euer Zeugnis vom Evangelium Christi nicht annimmt, ist das seine Sache und nicht eure. Vergeudet keine Zeit damit, andere Religionsgemeinschaften und Gruppen schlecht zu machen. Dazu haben wir keine Zeit. Das ist nie richtig.19

Trachtet durch Glauben, Gebet und Demut nach Weisheit und dem Geist Gottes, der euch in all euren Bemühungen anleitet. Weisheit gehört zu den größten Gaben Gottes, und die Stimme der Weisheit sagt uns nicht, dass wir unsere Zeit damit verbringen sollen, gegen die Religionsgemeinschaften unserer Zeit Krieg zu führen, den Ansichten der Menschen zu widersprechen und andere Religionen lächerlich zu machen, denn damit schneiden wir die Ohren unserer Zuhörer ab und verriegeln ihr Herz gegen das Licht und die Wahrheit. Ihre Ansichten und ihre Religion sind ihnen ebenso teuer wie unsere uns teuer sind. … Verkündet die Errettung – in Sanftmut und Demut, mit der Macht der ewigen Wahrheit und Weisheit, des Lichts und der Erkenntnis, die in den ersten Grundsätzen des Evangeliums Jesu Christi verborgen sind. Ihr könnt ein Werkzeug sein, durch das Menschenseelen errettet werden, und sie werden sich mit euch freuen, dass sie dieses Licht gefunden haben. Wir dürfen niemals über das Evangelium hinausgehen oder uns davon abwenden, um etwas zu predigen, wozu wir nicht berufen sind, oder um uns sinnlos um Worte zu streiten. Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten. Wenn wir dem Herrn treu sind und klug und weise vorgehen, wird unsere Arbeit mit guten Früchten gesegnet sein.20

Couple visiting a neighbor

Wenn wir uns aufrichtig um eine gute Beziehung zu unseren Mitmenschen bemühen, schenkt uns der Herr Möglichkeiten, ihnen das Evangelium nahe zu bringen.

Jedes Mitglied der Kirche soll das Ziel haben, die Grundsätze des Evangeliums in die Praxis umzusetzen. Es gibt keinen besseren Weg, die Welt von der Wahrheit dieser Grundsätze zu überzeugen, als durch unsere Taten und unseren Umgang miteinander und mit allen Menschen zu zeigen, welche erhebende Wirkung sie auf uns haben. Unser Glaubensbekenntnis ist anspruchsvoll. Dementsprechend groß ist der Anspruch an uns, ein reines Leben zu führen.21

Der Heilige Geist führt diejenigen, die das Evangelium verkünden, und diejenigen, die es empfangen.

Das ganze Geheimnis unseres Erfolgs, was die Bekehrung angeht, ist, dass wir dasselbe Evangelium in seiner Einfachheit und Klarheit predigen, das Jesus gepredigt hat, und dass der Heilige Geist auf denen ruht, die es annehmen, ihr Herz mit unaussprechlicher Freude erfüllt und sie dadurch eins werden. Dann wissen sie selbst, ob die Lehre von Gott oder von Menschen stammt.22

Wie konnten hunderte und tausende von Ältesten Israels … die Kraft haben, hinauszugehen und das Evangelium zu predigen und die Söhne und Töchter Adams zu überzeugen? Es geschah durch die Macht Gottes. Kein Ältester in der Kirche hatte Macht, hinauszugehen und den Willen Gottes zu tun, außer durch die Macht Gottes. Wenn wir Macht haben, dann stammt sie von Gott. Ihm müssen wir in allem vertrauen.23

Wenn jemand, der Vollmacht hat, das Evangelium predigt, verheißt er allen, die glauben und gehorchen, im Namen Jesu Christi, dass ihnen der Heilige Geist gegeben wird. Kraft dieser Verheißung können sie selbst wissen, ob die Lehre von Gott ist oder von einem Menschen. Geht ein nicht bevollmächtigter Mann hinaus und gibt vor, dasselbe Evangelium zu predigen, dann kann seine Lehre durchschaut werden, wie fähig und talentiert er auch sein mag, weil sich die Verheißungen, die denen folgen sollen, die an Christus glauben, nicht erfüllen; der Heilige Geist, der dem Menschen seine Gaben schenkt, wird nicht empfangen, und somit wird der Irrtum dieser Lehre, die vom Menschen stammt, offenbar, sodass sich niemand täuschen lassen muss.24

Wenn ihr den Heiligen Geist nicht bei euch habt, wenn ihr hinausgeht, um das Evangelium zu predigen, könnt ihr eure Pflicht nicht erfüllen, aber wenn ihr ihn habt, seid ihr sicher, wohin ihr auch geht, und eure Worte werden im Herzen der Aufrichtigen und Sanftmütigen Wirkung zeigen.25

Das Alter dessen, der das Evangelium predigt, spielt keine Rolle, ob er nun fünfundzwanzig, neunzig oder fünfhundert Jahre alt ist, wichtig ist nur, dass er vom Geist und der Macht Gottes inspiriert ist.26

Möge der Herr uns vorangehen, uns den Weg bereiten und bewirken, dass wir das Herz der Menschen erreichen, damit Gutes getan wird und das Reich Gottes sich weiter entfaltet.27

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Anregungen siehe Seite V-IX.

  • Gehen Sie noch einmal den Bericht durch, wie Elder Wilford Woodruff zu John Benbow gelangte (Seite 89ff.). Wie wurde Elder Woodruff zur Farm der Familie Benbow geführt? Was lernen Sie, wenn Sie diesen Bericht lesen, aus dem Beispiel von William Benbow?

  • Achten Sie auf Seite 91 und 92 auf Wörter und Wendungen, die zeigen, was William Benbow und Wilford Woodruff empfunden haben, als ihre Familienangehörigen das Evangelium annahmen. Was haben Sie empfunden, als sich jemand aus Ihrer Familie der Kirche angeschlossen hat oder wieder aktiv geworden ist?

  • Lesen Sie noch einmal Präsident Woodruffs Aussagen über unsere Verantwortung, das Evangelium zu verkünden (Seite 92ff.). Was können wir konkret tun, um Familienangehörigen und Freunden das Evangelium zu bringen? Wie können wir dabei mit den Vollzeitmissionaren zusammenarbeiten?

  • Wie können wir unsere Aufgabe erfüllen, „allen Nationen der Erde“ das Evangelium zu verkünden (Seite 94)?

  • Warum zögern wir manchmal, über das Evangelium zu sprechen? Wie können wir unsere Ängste überwinden?

  • Warum ist die Missionsarbeit eine so freudige Erfahrung (siehe Seite 94f.)? Wann haben Sie schon einmal die Freude verspürt, die man empfindet, wenn man anderen das Evangelium nahe bringt?

  • Warum ist es wichtig, dass wir andere Religionen nicht kritisieren (siehe Seite 96)? Wie können wir von der Wahrheit der Kirche Zeugnis geben, ohne andere Kirchen zu kritisieren?

  • Gehen Sie noch einmal den letzten Absatz auf Seite 96 durch. Inwiefern beeinflussen unsere Taten die Meinung, die andere über die Kirche haben?

  • Was lernen Sie aus den Worten von Präsident Woodruff über den Heiligen Geist und Missionsarbeit (siehe Seite 97f.)? Was müssen wir tun, damit der Geist unser Begleiter sein kann?

Einschlägige Schriftstellen: Matthäus 28:19,20; LuB 4; 18:10-16; 42:11-14; 50:13-22; 60:2,3; 84:88; 88:81

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. „History of Wilford Woodruff (From His Own Pen)“, Millennial Star, 25. März 1865, Seite 183

  2. Gospel Standards, Hg. G. Homer Durham, 1941, Seite 20

  3. „Elder Woodruff’s Letter“, Times and Seasons, 1. März 1841, Seite 327

  4. Millennial Star, 28. November 1895, Seite 754

  5. Times and Seasons, 1. März 1841, Seite 328

  6. Millennial Star, 28. November 1895, Seite 754

  7. „Leaves from My Journal“, Millennial Star, 28. November 1881, Seite 767

  8. „Leaves from My Journal“, Millennial Star, 19. September 1881, Seite 606

  9. Millennial Star, 19. September 1881, Seite 606f.

  10. The Discourses of Wilford Woodruff, Hg. G. Homer Durham, 1946, Seite 259

  11. Deseret News, 27. Mai 1857, Seite 91

  12. Millennial Star, 28. November 1895, Seite 755

  13. Deseret News: Semi-Weekly, 6. Juli 1880, Seite 1

  14. The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 133

  15. Deseret News: Semi-Weekly, 29. Februar 1876, Seite 1

  16. Salt Lake Herald Church and Farm, 15. Juni 1895, Seite 385

  17. Millennial Star, 14. Mai 1896, Seite 307ff.

  18. Millennial Star, 14. Mai 1896, Seite 310

  19. Contributor, August 1895, Seite 636f.

  20. „To the Officers and Members of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints in the British Islands“, Millennial Star, Februar 1845, Seite 141f.

  21. „An Epistle to the Members of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“, Millennial Star, 14. November 1887, Seite 729

  22. The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 136

  23. Deseret Weekly, 2. März 1889, Seite 294

  24. The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 135f.

  25. Conference Report, April 1898, Seite 32

  26. The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 275

  27. „Correspondence“, Millennial Star, August 1840, Seite 93