Ein Monat der Wunder


Elder Stephen C. Kerr, Schottland
Gebietssiebziger

Elder Stephen C. Kerr

 

Bevor mein Missionspräsident, Ben E. Lewis, seine Missionsberufung erhielt, war er Vizepräsident der Brigham-Young-Universität gewesen. Ich hatte die Gelegenheit, mit ihm vor Ende seiner Mission zu sprechen. Als wir in seinem Büro saßen, fragte ich ihn, was er nach seiner Rückkehr machen werde. Er antwortete, er wisse genau, was er tun werde. Er schob mir über den Schreibtisch einen Brief zu. Präsident Lewis war von der Ersten Präsidentschaft beauftragt worden, eine beträchtliche Summe Geldes für die Brigham-Young-Universität zu sammeln. Ich stellte Präsident Lewis die naheliegende Frage: „Wie werden Sie so viel Geld zusammenbringen?“

Er antwortete schlicht: „Ich werde die Menschen um Geld bitten.“

Diese einfache Antwort lehrte mich sehr viel. Präsident Lewis würde die Menschen einladen zu handeln. Er ging davon aus, dass seine Einladung etwas bewirken könne, und so war es auch.

Dies ist der Monat des Einladens. Unsere Gebietspräsidentschaft hat gesagt: „Wir bitten jedes Mitglied in unserem Wirkungsbereich, sich gebeterfüllt jemanden auszusuchen, der im Juni zum gemeinsamen Besuch der Abendmahlsversammlung eingeladen werden könnte.“1

Die Entscheidungsfreiheit ist ein ewiges Prinzip. Sie ist ganz grundlegend im Plan des Glücklichseins. Gott der Allmächtige selbst geht so vor: Er lädt seine Kinder ein.2

Der Mensch ist dazu geschaffen, zu handeln.

„Der Mensch war auch im Anfang bei Gott. Intelligenz oder das Licht der Wahrheit wurde nicht erschaffen oder gemacht und kann es auch gar nicht. Alle Wahrheit ist unabhängig in dem Bereich, worein Gott sie gestellt hat, und kann für sich selbst handeln, wie auch alle Intelligenz; anders gibt es kein Dasein.“3

Das Wort „Einladung“ hat etwas ganz Besonderes an sich: Eine Einladung ist freundlich, rücksichtsvoll, bezieht andere mit ein und ist großzügig. Wer freut sich nicht, wenn er eine Einladung erhält?

Meiner Erfahrung nach sind die Menschen selten, falls überhaupt, beleidigt, wenn sie eine Einladung erhalten. Sie nehmen viel eher Anstoß, wenn sie nicht eingeladen werden.

Sagen wir es geradeheraus: Wenn wir die Liebe Gottes erlebt haben, ist es nicht so schwer, den Mut aufzubringen, jemanden einzuladen, die Segnungen der Fülle des Evangeliums Jesu Christi zu empfangen.4

Natürlich steht es dem Betreffenden frei, unsere Einladung anzunehmen oder abzulehnen. Ich bin selbstverständlich nicht für die Entscheidungen verantwortlich, die andere treffen, doch ich bin dafür verantwortlich, meinen Mitmenschen zu helfen, indem ich sie einlade, das zu tun, was gut ist.

„Aber siehe, das, was von Gott ist, lädt ein und lockt, beständig Gutes zu tun; darum ist alles, was einlädt und lockt, Gutes zu tun und Gott zu lieben und ihm zu dienen, von Gott eingegeben.“5

Auf welche Weise können wir also andere in diesem Monat des Einladens „einladen“?

Zuerst einmal müssen Sie nachdenken. Erstellen Sie eine Liste derer, die Sie gern einladen würden, mit Ihnen zur Abendmahlsversammlung zu kommen. Vergessen Sie nicht: Der Heilige Geist liebt Listen! Namen und Gesichter kommen Ihnen dadurch in den Sinn. Die Zuneigung, die Sie für die Menschen auf Ihrer Liste empfinden, wird stärker. Indem Sie solch eine Liste erstellen, stellen Sie Ihren Glauben unter Beweis. Solcher Glaube bleibt im Himmel nicht unbemerkt und wird belohnt.

Beten Sie sodann häufig wegen der Menschen auf Ihrer Liste. Bitten Sie den himmlischen Vater, ihnen das Herz zu erweichen, damit sie die Einladung annehmen. Vielleicht wollen Sie deswegen auch fasten?

Dann besuchen Sie sie. Lassen Sie nicht zu, dass Furcht ihren Glauben erstickt.6 Tun Sie den Mund auf.7 Der Herr wird Ihnen die Worte eingeben.8 „Ich möchte Sie gerne einladen, mit mir in die Kirche zu gehen. Wollen Sie mitkommen?“

            „Auch wenn Sie Ihr Bestes geben, erleben Sie vielleicht noch immer Enttäuschungen, aber Sie werden nicht von sich selbst enttäuscht sein. Wenn Sie merken, wie der Geist durch Sie wirkt, können Sie gewiss sein, dass der Herr zufrieden ist.“9

Wenn wir diese einfachen Schritte befolgen und Glauben an den Herrn üben, verspreche ich demütig und aufrichtig einem jedem, der diese Botschaft liest, dass der Juni 2012 ein Monat der Wunder wird. Unser Glaube wird gestärkt, und die Kirche Jesu Christi wird an Zahl und an geistiger Kraft zunehmen.

 

Anmerkungen

1. Schreiben der Gebietspräsidentschaft Europa vom 31. Januar 2012 an die Gebietssiebzieger, Pfahlpräsidenten, Distriktspräsidenten und Missionspräsidenten im Gebiet Europa

2. Siehe „O wisse, jede Seel ist frei“, Gesangbuch Nr. 159

3. Lehre und Bündnisse 93:29,30 (siehe auch 2 Nephi 2:11-16)

4. „Liebe ist eine wesentliche Eigenschaft der Gottheit. Sie muss auch bei allen gefunden werden, die Söhne Gottes werden wollen. Wer von der Liebe Gottes durchdrungen ist, der will nicht allein seiner Familie ein Segen sein, vielmehr will er überall, wo er ist, der ganzen Menschheit zum Segen gereichen.“ Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 477

5. Moroni 7:13

6. Siehe 2 Timotheus 1:7; 1 Johannes 4:18; Lehre und Bündnisse 67:3; „Zweifel und Angst stehen dem Glauben entgegen“, Verkündet mein Evangelium!, Seite 137

7. Siehe Lehre und Bündnisse 30:5,11

8. Siehe Lehre und Bündnisse 84:85; 100:6

9. Verkündet mein Evangelium!, Seite 12