Erfüllen wir die Welt mit der Liebe Christi
    Fußnoten

    Botschaft von der Ersten Präsidentschaft

    Erfüllen wir die Welt mit der Liebe Christi

    Wenn wir an Weihnachten denken, denken wir oft an die Geschenke, die wir machen oder erhalten. Geschenke können zwar Teil einer schönen Tradition sein, doch sie können uns auch von der schlichten Würde der Weihnachtszeit ablenken und davon, die Geburt unseres Erlösers auf sinnvolle Weise zu feiern.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass gerade die schlichtesten Weihnachtsfeste diejenigen sein können, an die man sich besonders gern erinnert. Die Geschenke, die ich als Kind bekam, waren ‒ gemessen an heutigen Maßstäben ‒ gewiss sehr einfach. Manchmal war es ein geflicktes Hemd oder ein Paar Handschuhe oder Strümpfe. Besonders ist mir ein Weihnachtsfest in Erinnerung, an dem ich von meinem Bruder ein hölzernes Messer geschenkt bekam, das er geschnitzt hatte.

    Man braucht keine teuren Geschenke, um dem Weihnachtsfest Bedeutung zu verleihen. Mir fällt da eine Geschichte ein, die Elder Glen L. Rudd einmal erzählt hat, der von 1987 bis 1992 zu den Siebzigern gehörte. Vor etlichen Jahren – er leitete gerade das Vorratshaus eines Bischofs – erfuhr er einen Tag vor Weihnachten von einem kirchlichen Führer, dass eine bedürftige Familie neu hinzugezogen war. Als er sie in ihrer kleinen Wohnung aufsuchte, fand er dort eine junge Mutter mit vier Kindern vor, die noch keine zehn Jahre alt waren.

    Die Not der Familie war so groß, dass die Mutter ihren Kindern zu Weihnachten keine Süßigkeiten oder Geschenke kaufen konnte. Sie konnte sich noch nicht einmal einen Weihnachtsbaum leisten. Im Gespräch mit der Familie erfuhr Bruder Rudd, dass die drei kleinen Mädchen sich von Herzen eine Puppe oder ein Plüschtier wünschten. Als er den sechsjährigen Sohn fragte, was er gerne hätte, sagte der hungrige kleine Junge: „Ich wünsche mir eine Schüssel Haferflocken.“

    Bruder Rudd versprach dem Jungen, mit Haferflocken und vielleicht noch etwas anderem wiederzukommen. Dann begab er sich zum Vorratshaus des Bischofs und holte Lebensmittel und noch ein paar andere Sachen, die die Familie dringend zum Leben brauchte.

    Genau an diesem Morgen hatte ihm ein großzügiges Mitglied der Kirche 50 Dollar gegeben – „für jemanden, der es braucht“. Bruder Rudd nahm dieses Geld, schnappte sich drei seiner eigenen Kinder und zog los, um Weihnachtseinkäufe zu machen. Dabei suchten seine Kinder dann Spielsachen für die bedürftigen Kinder aus.

    Nachdem sie das Auto mit Lebensmitteln, Kleidung, Geschenken, einem Weihnachtsbaum und ein wenig Christbaumschmuck beladen hatten, fuhren die Rudds zur Wohnung dieser Familie und halfen der Mutter und den Kindern, den Baum aufzustellen. Dann legten sie die Geschenke darunter und gaben dem kleinen Jungen eine große Packung Haferflocken.

    Die Mutter weinte, die Kinder freuten sich, und alle gemeinsam sangen sie ein Weihnachtslied. Als die Familie Rudd an diesem Abend zum Abendessen zusammenkam, dankte sie dem Herrn dafür, dass sie einer anderen Familie ein wenig weihnachtliche Freude bereiten und einem kleinen Jungen zu einer Schüssel Haferflocken verhelfen konnte.1

    Weihnachten und der Geist des Gebens

    Überlegen Sie einmal, wie schlicht und doch würdevoll unser Vater im Himmel die Geburt seines Sohnes gestaltete. In dieser heiligen Nacht erschienen die Engel keinen reichen Leuten, sondern Hirten. Das Jesuskind wurde nicht in einem Herrenhaus geboren, sondern in einem Stall. Es wurde nicht in Seide gehüllt, sondern in einfaches Tuch.

    Die Schlichtheit dieses ersten Weihnachtsfestes ließ bereits erahnen, wie das Leben des Erlösers verlaufen würde. Obwohl er die Erde erschaffen hatte, in majestätischen und herrlichen Sphären gewandelt war und zur rechten Hand des Vaters gestanden hatte, kam er als hilfloses Kind auf die Erde. Sein Leben war ein Beispiel an edler Bescheidenheit, und er war immer bei den Armen, den Kranken, den Mutlosen und denjenigen, die schwer beladen waren.

    Obwohl er ein König war, machte er sich nichts aus den Huldigungen und den Reichtümern der Menschen. Sein Leben, seine Worte und sein tägliches Tun zeugten von einer schlichten und doch erhabenen Würde.

    Jesus, der Messias, der genau wusste, wie man Geschenke macht, zeigt uns, wie es geht. Denjenigen, deren Herz vor Einsamkeit oder Kummer schwer ist, schenkt er Mitgefühl und Trost. Denjenigen, deren Körper oder Geist unter Krankheit oder Schmerz leidet, schenkt er Liebe und Heilung. Denjenigen, deren Seele eine Sündenlast drückt, schenkt er Hoffnung, Vergebung und Erlösung.

    Wenn der Erretter heute auf der Erde wäre, würden wir ihn dort finden, wo er immer war ‒ er würde den Sanftmütigen, den Mutlosen, den Demütigen, den Bedrängten und den im Geist Armen dienen. Mögen wir ihn in dieser Weihnachtszeit und jederzeit beschenken, indem wir anderen Liebe erweisen, wie er es tat. Mögen wir immer an die schlichte Würde seiner Geburt, seiner Geschenke und seines Lebens denken. Und mögen wir mit kleinen Gesten der Freundlichkeit, der Nächstenliebe und des Mitgefühls die Welt mit dem Licht seiner Liebe und mit heilender Macht erfüllen.

    Anmerkung

    1. Siehe Glen L. Rudd, Pure Religion: The Story of Church Welfare since 1930, Seite 352f.; siehe auch Glen L. Rudd, „A Bowl of Oatmeal“, Church News, 2. Dezember 2006, Seite 16