Vertrauen auf die befreiende Macht des Erretters
    Fußnoten

    Vertrauen auf die befreiende Macht des Erretters

    Nach der Ansprache „The Power of Deliverance“, die am 15. Januar 2008 bei einer Andacht an der Brigham-Young-Universität gehalten wurde

    Das Sühnopfer des Erretters und seine Auferstehung verleihen ihm die Macht, uns in unseren Prüfungen zu stärken oder uns aus ihnen zu befreien.

    image of the Savior with arms outstretched

    AUSSCHNITT AUS DEM GEMÄLDE ZU DIESEM ZWECK VON YONGSUNG KIM, MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON HAVEN LIGHT

    Für diejenigen unter uns, die einen geliebten Menschen verloren haben, mag die Zukunft traurig und einsam aussehen – besonders dann, wenn man keine Kenntnis und kein Zeugnis vom Sühnopfer und von der Auferstehung des Erretters Jesus Christus hat. Sie erinnern sich sicher an die beiden zweifelnden Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Der auferstandene Herr gesellte sich zu ihnen und fragte sie, was sie so traurig mache. Die Antwort darauf steht in Lukas:

    „Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.

    Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.

    Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.“ (Lukas 24:19-21.)

    Wir schöpfen Trost aus dem Wissen, dass wirklich er derjenige ist, der Israel erlöst hat. Er ist es, „der die Bande des Todes zerrissen hat“ (Mosia 15:23). Er ist es, der als der „Erste der Entschlafenen“ auferstanden ist (1 Korinther 15:20). Er ist es, der die Tempelverordnungen möglich gemacht hat, die uns für immer an jene binden können, die wir lieben und die „einstens [wir] verloren hatte[n] hier“1.

    Zur Osterzeit möchte ich nun einiges aus einer Ansprache behandeln, die ich vor einigen Jahren bei einer Andacht gehalten habe. Das Thema ist die befreiende Macht des Erretters. Die Ansprache hat mich gestärkt, als ich sie vorbereitet und als ich sie gehalten habe. Ich bete darum, dass auch Sie gestärkt werden, wenn Sie sie lesen.

    Für manche Menschen endet das Leben schon frühzeitig, und letztendlich sterben wir alle. Irgendwann wird jeder von uns dadurch geprüft, dass einer unserer Lieben verstirbt.

    Vor kurzem traf ich einen Mann, den ich seit dem Tod seiner Frau nicht mehr gesehen hatte. Wir begegneten einander zufällig bei einer schönen geselligen Feier. Er lächelte mich an, als er auf mich zukam. Ich wusste ja von dem Tod seiner Frau und fragte ihn daher, als wir uns begrüßten, sehr behutsam: „Wie geht es Ihnen?“

    Sein Lächeln verschwand, er bekam feuchte Augen und sagte leise und sehr ernst: „Es geht mir gut. Aber es ist sehr schwer.“

    Es ist sehr schwer, wie die meisten von Ihnen bereits wissen und alle von uns einmal erfahren werden. Besonders schwer ist es dabei, mit dem Kummer, der Einsamkeit und dem Verlust umgehen zu lernen – es kommt uns ja so vor, als hätten wir einen Teil unserer selbst verloren. Die Trauer kann wie ein chronisches Leiden andauern. Manch einer empfindet vielleicht auch Zorn oder hat das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.

    Der Erretter kennt unseren Kummer

    Dank seines Sühnopfers und seiner Auferstehung hat der Erretter die Macht, uns in einer solchen Prüfung zu befreien. Aus eigener Erfahrung kennt er all unseren Kummer. Er hätte ihn auch durch Inspiration vom Heiligen Geist verstehen können, aber er entschied sich dafür, ihn selbst zu durchleben. So lautet der Bericht:

    „Und siehe, er wird von Maria zu Jerusalem geboren werden, das das Land unserer Vorväter ist; und sie ist eine Jungfrau, ein kostbares und erwähltes Gefäß, und sie wird überschattet werden und durch die Macht des Heiligen Geistes empfangen und einen Sohn zur Welt bringen, ja, selbst den Sohn Gottes.

    Und er wird hingehen und Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art leiden; und dies, damit sich das Wort erfülle, das da sagt, er werde die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen.

    Und er wird den Tod auf sich nehmen, auf dass er die Bande des Todes löse, die sein Volk binden; und er wird ihre Schwächen auf sich nehmen, auf dass sein Inneres von Barmherzigkeit erfüllt sei gemäß dem Fleische, damit er gemäß dem Fleische wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen.“ (Alma 7:10-12.)

    Jesus Christ praying

    AUSSCHNITT AUS DEM GEMÄLDE HERR DES GEBETS VON YONGSUNG KIM, MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON HAVEN LIGHT

    Gute Menschen in Ihrem Umfeld werden versuchen, Ihre Trauer über den Tod eines geliebten Menschen nachzuvollziehen. Vielleicht trauern sie auch selbst. Der Erretter versteht und empfindet nicht nur Kummer, er empfindet sogar Ihren eigenen Kummer, den nur Sie verspüren. Er kennt Sie ganz genau. Er kennt Ihr Herz.

    Hilfe vom Heiligen Geist

    Der Erretter weiß, welche von vielen Möglichkeiten Sie praktisch angehen können und was davon für Sie am besten sind, wenn Sie darum bitten, dass der Heilige Geist Sie trösten und segnen möge. Der Heiland weiß, womit Sie am besten anfangen sollten. Manchmal ist der erste Schritt das Gebet. Manchmal besteht er darin, jemand anderen zu trösten. Ich weiß von einer Witwe, die von einer Krankheit geschwächt war und dazu inspiriert wurde, eine andere Witwe zu besuchen. Ich war zwar nicht anwesend, bin mir jedoch sicher, dass der Herr diese treue Jüngerin dazu inspirierte, sich um eine andere zu kümmern, und sie dadurch alle beide stärkte.

    Der Erretter kann diejenigen, die trauern, auf vielerlei Weise stärken – jeden so, wie er es braucht. Seien Sie versichert, dass er es auf die Weise tun wird, die für den Trauernden und die Menschen in dessen Umfeld am besten ist. Eine Grundvoraussetzung dafür, dass Gott jemanden vom Kummer befreit, besteht darin, dass man kindliche Demut vor ihm empfindet. Ein gutes Beispiel für die Macht glaubensvoller Demut hat uns Ijob gegeben (siehe Ijob 1:20-22). Eine weitere Grundvoraussetzung, die Ijob ebenfalls erfüllte, ist beständiger Glaube an die Macht der Auferstehung des Erretters (siehe Ijob 19:26).

    Wir alle werden auferstehen, auch die geliebten Menschen, die sterben. Wir werden sie wiedersehen – nicht in irgendeinem übertragenen Sinne, sondern mit einem Körper, der nie stirbt, altert oder krank wird.

    Als der Erretter seinen Aposteln nach der Auferstehung erschien, tröstete er nicht nur sie in ihrer Trauer, sondern auch jeden von uns, der jemals trauern wird. Er hat sie und uns auf diese Weise getröstet:

    „Friede sei mit euch! …

    Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ (Lukas 24:36,39.)

    Der Herr kann uns dazu inspirieren, die Hand nach der Macht zur Befreiung aus unserer Trauer auszustrecken, und zwar so, wie es für uns am besten. Wir können beschließen, anderen im Namen des Herrn zu dienen. Wir können für den Erretter, sein Evangelium, die Wiederherstellung seiner Kirche und für seine Auferstehung Zeugnis ablegen. Wir können seine Gebote halten.

    Durch all diese Entscheidungen lädt man den Heiligen Geist ein. Es ist der Heilige Geist, der uns so trösten kann, wie wir es brauchen. Und durch den Geist inspiriert können wir ein Zeugnis von der Auferstehung erlangen und klar erkennen, welch herrliches Wiedersehen uns bevorsteht. Ich habe diesen Trost verspürt, als ich vor dem Grabstein eines Menschen stand, den ich kannte – jemand, von dem ich weiß, dass ich ihn eines Tages wieder in die Arme nehmen kann. Diese Erkenntnis befreite mich nicht nur aus meiner Trauer, sie erfüllte mich auch mit Vorfreude.

    Wenn dieses kleine Mädchen das Erwachsenenalter erreicht hätte, so hätte es aus anderen Prüfungen befreit werden müssen. Es wäre geprüft worden, ob es Gott in den physischen und geistigen Herausforderungen, die jeder durchmachen muss, treu geblieben wäre. Der Körper ist ein Wunderwerk der Schöpfung, doch für jeden von uns stellt es eine Herausforderung dar, ihn funktionstüchtig zu erhalten. Jeder muss mit Krankheit und mit den Auswirkungen des Alters umgehen.

    „Sei demütig“

    Die Macht, die uns aus unseren Prüfungen befreien kann, steht für uns bereit. Sie wirkt auf dieselbe Weise, wie wir aus der Prüfung, die wir beim Tod eines geliebten Menschen durchmachen, befreit werden können. Die Befreiung aus dieser Prüfung besteht nicht immer darin, dass der Betreffende vor dem Tod bewahrt wird. Ebenso besteht die Befreiung aus anderen Prüfungen nicht unbedingt darin, dass sie einfach von uns genommen werden. Der Herr verschafft uns vielleicht erst dann Erleichterung, wenn wir genügend Glauben entwickelt haben, um Entscheidungen zu treffen, durch die die Macht des Sühnopfers in unserem Leben wirken kann. Er verlangt das nicht etwa von uns, weil wir ihm gleichgültig wären, sondern weil er uns liebt.

    Thomas B. Marsh, damals Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, erhielt eine Anleitung, wie man inmitten von Prüfungen die Macht des Herrn zur Befreiung empfängt. Er wurde zu jener Zeit schwer geprüft, und der Herr wusste, dass noch weitere Prüfungen auf ihn zukommen würden. Hier ist der Rat des Herrn an ihn, den ich selbst beherzige und den ich Ihnen nun gebe: „Sei demütig, dann wird der Herr, dein Gott, dich an der Hand führen und dir auf deine Gebete Antwort geben.“ (Lehre und Bündnisse 112:10.)

    Christ with lamb

    AUSSCHNITT AUS DEM GEMÄLDE DAS VERLORENE SCHAF VON YONGSUNG KIM, MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON HAVEN LIGHT

    Der Herr möchte uns immer zur Befreiung führen, und zwar dadurch, dass wir rechtschaffener werden. Dazu bedarf es der Umkehr. Und für diese braucht man Demut. Um befreit zu werden, müssen wir also immer demütig sein, damit der Herr uns an der Hand nehmen und uns durch unsere Schwierigkeiten hindurch und weiter zur Heiligung führen kann.

    Prüfungen können Verbitterung oder Mutlosigkeit in uns auslösen. Wir brauchen Demut, damit der Herr uns an der Hand nehmen kann, und diese Demut resultiert aus Glauben. Sie stellt sich ein, wenn wir glauben, dass Gott wirklich lebt, dass er uns liebt und dass das, was er möchte – so schwierig es uns auch erscheinen mag –, immer das Beste für uns ist.

    Der Erretter hat uns diese Demut vorgelebt. Sie haben gelesen, wie er im Garten Getsemani betete, als er um unseretwillen eine Prüfung durchmachte, die wir nicht verstehen oder ertragen könnten und die zu beschreiben mir sogar die Worte fehlen. Sie erinnern sich an sein Gebet: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ (Lukas 22:42.)

    Er kannte seinen Vater im Himmel, den großen Elohim, und vertraute ihm. Er wusste, dass sein Vater allmächtig und unendlich gütig ist. Der geliebte Sohn bat mit demütigen Worten – wie ein kleines Kind – um die Macht der Befreiung als Unterstützung.

    Mut und Trost

    Der Vater befreite seinen Sohn nicht, indem er die Prüfung von ihm nahm. Uns zuliebe unterließ er dies. Stattdessen ließ er den Erretter die Mission erfüllen, wegen der er gekommen war. Doch wir können für immer Mut und Trost daraus schöpfen, dass wir wissen, wie der Vater ihm Beistand leistete:

    „Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.

    Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.

    Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft.

    Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!“ (Lukas 22:43-46.)

    Der Erretter betete um Befreiung. Daraufhin wurde ihm zwar kein Ausweg geschaffen, jedoch erhielt er hinreichend Trost, um die Prüfung auf glorreiche Weise zu überstehen.

    Das Gebot, das Jesus seinen Jüngern, die gerade selbst geprüft wurden, gab, ist eine Richtschnur für uns. Wir können beschließen, ihr zu folgen. Wir können beschließen, aufzustehen und mit starkem Glauben und großer Demut zu beten. Wir können auch das Gebot befolgen, das im Buch Markus hinzugefügt wird: „Steht auf, wir wollen gehen!“ (Markus 14:42.)

    Darin besteht der Rat, wie man die physischen und geistigen Prüfungen des Lebens überwindet. Sie werden Gottes Hilfe brauchen, nachdem Sie alles getan haben, was Sie selbst können. Stehen Sie also auf und gehen Sie, doch nehmen Sie seine Hilfe in Anspruch, sobald Sie können. Warten Sie nicht, bis Sie mitten in der Krise stecken, bevor Sie um Befreiung bitten.

    Ich bezeuge Ihnen feierlich, dass Gottvater lebt und uns liebt. Das weiß ich. Sein Plan des Glücklichseins ist vollkommen, und es ist wirklich ein Plan des Glücklichseins. Jesus Christus ist auferstanden, und auch wir werden auferstehen. Er hat gelitten, damit er uns in all unseren Prüfungen beistehen kann. Er hat den Preis für all unsere Sünden und für die Sünden aller Kinder des Vaters im Himmel bezahlt, damit wir von Tod und Sünde befreit werden können.

    Da wir Mitglieder der Kirche Jesu Christi sind, kann der Heilige Geist zu uns kommen, um uns zu trösten und rein zu machen, wenn wir dem Meister nachfolgen. Das weiß ich. Mögen Sie seinen Trost und Beistand empfangen, wann immer Sie in Not sind, in allen Prüfungen und Bedrängnissen Ihres Lebens.

    Anmerkung

    1. „Führ, gütges Licht“, Gesangbuch Nr. 58