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Der Besitz eines gültigen Tempelscheins

Botschaft der Gebietsführerschaft


Elder Manfred Schütze, Deutschland
Gebietssiebziger
 

Elder Manfred Schütze

In den Monaten vor der Eröffnung des Freiberg-Tempels 1985 hatte ich als Pfahlpräsident eine besonders heilige Aufgabe, nämlich ca. 350 Tempelinterviews für treue Mitglieder in Ostdeutschland durchzuführen. Obwohl viele von ihnen schon Jahrzehnte Mitglieder der Kirche waren, hatten die politischen Umstände es ihnen bis dahin nicht erlaubt, den Tempel zu besuchen. Die Eröffnung des Freiberg-Tempels bedeutete für fast alle den ersten Tempelbesuch überhaupt – die erste Gelegenheit, für sich selbst und ihre Familie heilige Handlungen vorzunehmen. Unter den vielen geistigen Erlebnissen bei diesen Interviews erinnere ich mich an eines besonders, das mir noch nach über 25 Jahren sehr gegenwärtig ist.

Bruder Karl Pabst war sein ganzes Leben lang ein treues und starkes Mitglied gewesen. Im Frühjahr 1985 lag er mit einer schweren Erkrankung im Bett und fühlte, dass sein Leben zu Ende ging. Ich kam zum Tempelinterview. Er schaute mich traurig an, und unter Tränen sagte er: „Ich werde es nicht mehr zum Tempel schaffen, aber ich hätte es so gern gewollt.“ Meine Antwort war kurz: „Bruder Pabst, ich möchte, dass Sie in die ewige Welt eingehen als ein tempelwürdiger Diener Gottes.“

Wir führten ein Interview, in dem wir alle Fragen sorgfältig durchgingen. Danach stellte ich ihm einen Tempelschein aus. Er konnte ihn nie benutzen, weil er noch vor der Weihung starb, aber würdige Mitglieder seiner Familie konnten nach der Eröffnung des Tempels noch alle fehlenden Verordnungen durchführen.

Es ist ein Vorzug, einen Tempelschein zu besitzen, und wir sollten ihn so oft, wie es unsere Umstände erlauben, dazu benutzen, den Tempel zu besuchen. Wir freuen uns über die Zahl der Jugendlichen, die würdig sind, einen Tempelschein zu besitzen, und die regelmäßig zum Tempel gehen, um Taufen für Verstorbene vorzunehmen.

Der Besitz eines Tempelscheins ist ein Ausdruck dafür, wie sehr wir uns dem Evangelium verpflichtet fühlen. Im Tempel dienen wir gemeinsam mit anderen Mitgliedern, die hohen Verhaltensmaßstäben genügen und die ernsthaft danach streben, ein würdiges Leben zu führen und die Bündnisse zu halten, die sie eingegangen sind. Jedes Mal, wenn wir in den Tempel gehen, werden wir erbaut, wenn wir die besondere Atmosphäre dort mit ihnen genießen.

Ein solches Mitglied war eine Schwester aus dem Gebiet um Tschernobyl in der Ukraine. Viele Stunden hatte sie in einem Bus zum Tempel zugebracht. Infolge des Reaktorunglücks in dieser Stadt ging es ihr nicht gut. Ihr Mann war bereits unmittelbar nach der Katastrophe gestorben. Durch Missionare hatte sie vom Plan der Erlösung gehört, war getauft worden und hatte nur noch einen Wunsch, nämlich die errettenden Verordnungen für sich selbst zu empfangen und an ihren Mann gesiegelt zu werden. Das geschah. In dieser Woche beim Tempel schaffte sie es nur noch zweimal, an weiteren Sessionen teilzunehmen. Bald nach ihrer Rückkehr verstarb sie, doch alles Wesentliche war getan!

Wir sollten alles Erforderliche unternehmen, um einen Tempelschein zu erhalten und zu behalten, und uns schnell um alles kümmern, was uns davon abhalten könnte, sei es Unwürdigkeit oder Gleichgültigkeit. Selbst wenn Ihre persönlichen Umstände oder die Ihrer Familie Sie davon abhalten, oft zum Tempel zu gehen, sollten Sie dennoch stets einen Tempelschein besitzen. Damit wird bestätigt, dass Sie im Einklang mit den wesentlichen Gesetzen des Evangeliums leben. Dieses Bewusstsein schafft Selbstvertrauen und Zuversicht, auf dem richtigen Weg zu sein, und es kann auch ein Ansporn sein, diese Würdigkeit zu bewahren.

Im Tempel erinnern wir uns der verstorbenen Vorfahren. Die im Tempel vollzogenen heiligen Handlungen sind in der Ewigkeit wirksam. Sie sind unerlässlich für diejenigen, die dieses Leben hinter sich gelassen haben, und ein Segen für uns, die wir diese Arbeit stellvertretend in ihrem Namen verrichten. Wenn wir unseren verstorbenen Vorfahren dienen, folgen wir dem Beispiel des Erretters, der immer am Einzelnen interessiert war: „Und er heilte sie, jeden Einzelnen.“ (3 Nephi 17:9.)

Welch ein Segen, dass wir uns an diesem großen Werk beteiligen können! Ich lade jeden Einzelnen von Ihnen ein, auch die Jungen Männer und die Jungen Damen, daran teilzuhaben, indem Sie jederzeit einen gültigen Tempelschein besitzen.