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Frieden und Gewalt unter den Heiligen der Letzten Tage im 19. Jahrhundert


Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist auf die Lehren Jesu Christi gegründet. Die Tugenden Friedfertigkeit, Liebe und Vergebungsbereitschaft sind Kernbestandteil der Lehre und der Grundsätze der Kirche. Die Heiligen der Letzten Tage glauben die Aussage des Heilands, die im Neuen Testament und im Buch Mormon zu finden ist: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“1 In den heiligen Schriften der Kirche Jesu Christi gebietet der Herr seinen Anhängern: „Entsagt dem Krieg und verkündigt Frieden.“2 Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi sind bestrebt, den Worten des Propheten und Königs Benjamin aus dem Buch Mormon zu folgen: Wer sich zum Evangelium Jesu Christi bekehrt hat, wird „nicht im Sinn haben, einander zu verletzten, sondern friedlich zu leben“3.

Trotz dieser Ideale war es für die ersten Heiligen der Letzten Tage nicht einfach, Frieden zu erlangen. Sie wurden wegen ihres Glaubens verfolgt – oft auch gewaltsam. Tragischerweise beteiligten sich einige Mitglieder der Kirche im 19. Jahrhundert auch an ein paar abscheulichen Gewalttaten gegen Menschen, die sie als ihre Feinde ansahen. Ein Ereignis sticht da besonders hervor: das Massaker von Mountain Meadows. In dieser Abhandlung geht es sowohl um die Gewalt, die gegen Mitglieder der Kirche Jesu Christi verübt wurde, als auch um diejenige, die von ihnen ausging. Der historische Kontext mag zwar mehr Licht auf diese Gewalttaten werfen, rechtfertigen kann er sie aber nicht.

Religiöse Verfolgung in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts

In den ersten zwei Jahrzehnten nach Gründung der Kirche wurden die Heiligen der Letzten Tage oft Opfer von Gewalt. Kurz nachdem Joseph Smith die Kirche 1830 im Bundesstaat New York gegründet hatte, ließen sich ihre Mitglieder – und er selbst auch – nach und nach in den westlich davon gelegenen Gebieten wie Ohio, Missouri oder Illinois nieder. Immer wieder versuchten sie, ihre Zionsgemeinschaft zu errichten, wo sie Gott verehren und in Frieden leben konnten. Doch ihre Hoffnungen wurden mehrfach zunichtegemacht, und sie wurden gewaltsam vertrieben. Pöbelhorden verjagten sie 1833 erst aus dem Kreis Jackson in Missouri und 1839 dann aus dem ganzen Bundesstaat, nachdem dessen Gouverneur Ende Oktober 1838 einen Befehl ausgegeben hatte, dass die Mormonen von dort zu vertreiben oder „auszurotten“4 seien. 1846 folgte die Vertreibung aus Nauvoo, ihrer Stadt in Illinois. Danach begann für die Mitglieder der Kirche der schwierige Auszug über die Great Plains nach Utah.5

Obwohl sie solchen Schwierigkeiten ausgesetzt waren, lag ihnen doch viel daran, den Offenbarungen zu folgen, die Joseph Smith erhalten hatte, und ihre Religion im Frieden mit ihren Nachbarn auszuleben. Ihre Gegner in Ohio, Missouri und Illinois nahmen ihnen nichtsdestotrotz ihre andersartigen religiösen Ansichten sowie ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gepflogenheiten übel. Darüber hinaus fühlten sie sich von den Mormonen bedroht, weil diese durch ihre stetig wachsende Anzahl auch immer mehr Einfluss bei Abstimmungen und Wahlen ausüben konnten. Es waren diese Gegner, die die Mitglieder der Kirche zunächst verbal und schließlich auch körperlich angriffen. Führer der Kirche, darunter auch Joseph Smith, wurden geteert und gefedert, verprügelt und ungerechtfertigt ins Gefängnis gesteckt. Andere Mitglieder wurden zudem Opfer von Gewaltverbrechen. Bei dem Massaker von Hawnʼs Mill – dem schlimmsten Zwischenfall – wurden mindestens 17 Männer und Jungen im Alter von 9 bis 78 Jahren niedergemetzelt.6 Einige Frauen der Kirche wurden während der Verfolgung in Missouri vergewaltigt oder wurden das Ziel sonstiger sexueller Übergriffe.7 Bürgerwehren und Pöbelhorden zerstörten die Häuser der Mitglieder und beraubten sie ihres Eigentums. Viele Gegner der Heiligen bereicherten sich an Hab und Gut, das eigentlich nicht ihnen gehörte.8,9

Der Vertreibung aus Missouri fielen mindestens 8000 Heilige der Letzten Tage zum Opfer10. Sie fand in den Wintermonaten statt, was das Leid der vielen tausend Flüchtlinge noch verstärkte. Es fehlte an Nahrung und Unterkunft, und hin und wieder hatten sie auch mit Seuchen zu kämpfen.11 Als Joseph Smith, der im März 1839 im Gefängnis zu Liberty in Missouri inhaftiert war, von dem Leid der im Exil lebenden Mitglieder der Kirche erfuhr, rief er aus: „O Gott, wo bist du?“ Und er betete: „Gedenke deiner Heiligen, die leiden, o unser Gott.“12

Nach der Vertreibung aus Missouri wurden die Heiligen im benachbarten Bundesstaat Illinois zunächst aufgenommen und fanden vorübergehend Frieden in Nauvoo. Doch dann brachen erneut Konflikte aus, als Nichtmormonen und unfolgsame Mitglieder wieder mit Angriffen begannen. Joseph Smith und sein Bruder Hyrum erlitten während der Gefangenschaft in einem Gefängnis in Illinois den Märtyrertod. Sie wurden von einer Pöbelhorde brutal umgebracht, obwohl der Gouverneur des Staates ihnen für die Dauer der Inhaftierung seinen Schutz zugesagt hatte.13 18 Monate später machte sich dann die erste Gruppe Mitglieder im kalten Februar des Jahres 1846 unter gewaltigem Druck auf den Weg und verließ Nauvoo. In Iowa und Nebraska ließen sie sich mitten in der Prärie in provisorischen Lagern nieder, die man heutzutage wohl als Flüchtlingslager bezeichnen würde. Schätzungsweise jeder zwölfte Heilige in diesen Lagern starb noch im ersten Jahr.14 Einige der Alten und Armen blieben zunächst in Nauvoo zurück. Sie hofften, sich der Gruppe später anschließen zu können. Doch im September 1846 vertrieb sie der Pöbel gewaltsam aus Nauvoo und entweihte anschließend den Tempel.15 Ein Nicht-Mormone, der kurz darauf die Lager der Heiligen passiert hatte, schrieb: „Verängstigt und zermürbt durch die Kälte und die brennende Sonne, die sich Tag und Nacht abwechselten, waren sie fast alle hilflos der Krankheit ausgeliefert. … Sie konnten das schwache Flehen ihrer Kranken nicht erfüllen und hatten kein Brot, das hungrige Weinen ihrer Kinder zu beruhigen.“16 Noch nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten war einer religiösen Gemeinschaft mit einem solchen Ausmaß an Gewalt begegnet worden.

Wiederholt ersuchten die Führer und die Mitglieder der Kirche die örtlichen Behörden und die Regierungen der beteiligten Bundesstaaten um Entschädigung. Als diese Bittgesuche wirkungslos blieben, appellierte man an die amerikanische Regierung, Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen und für die Zukunft Schutz zu gewähren – doch vergebens.17 Den Mitgliedern der Kirche blieben die Verfolgungen, die sie erlitten, und der Unwille der Behörden, die sie weder schützen noch Angreifer rechtlich verfolgen lassen wollten, noch lange in Erinnerung. Sie beklagten sich oft darüber, dass sie in einem Land, in dem eigentlich Religionsfreiheit zugesichert war, religiöser Verfolgung ausgesetzt waren.18 Angesichts der anhaltenden Verfolgung reagierten ab 1838 einige der Heiligen mit Verteidigungsmaßnahmen, als es zu Zwischenfällen kam, teilweise auch mit Vergeltungsmaßnahmen.

Gewalt und Selbstjustiz im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten

Im 19. Jahrhundert war Gewaltanwendung in der amerikanischen Gesellschaft nicht ungewöhnlich, sie wurde oft sogar gebilligt. Ein Großteil der Gewalt, die von den Heiligen der Letzten Tage oder gegen sie ausgeübt wurde, ist dem damals in Amerika üblichen Brauch der Selbstjustiz zuzurechnen. Wenn man das Gefühl hatte, vom Staat unterdrückt oder im Stich gelassen zu werden, formierte sich eine Bürgerwehr. Für gewöhnlich nahm diese dann Minderheiten ins Visier oder Menschen, die man für kriminell hielt oder die am Rand der Gesellschaft standen. Diese Vorgehensweise wurde bisweilen mit religiösem Pathos noch angefacht.19

Die Tatsache, dass es sowieso schon Bürgermilizen gab, verschärfte die Neigung, zur Selbstjustiz zu greifen. Der Kongress hatte 1792 ein Gesetz verabschiedet, wonach jeder körperlich gesunde Mann zwischen 18 und 45 Jahren sich einer Bürgermiliz anschließen musste.20 Im Laufe der Zeit wurde aus diesen Milizen die Nationalgarde. Anfangs war das oft ein wilder Haufen, der gegen Einzelne oder Gruppen, die man als Gefahr für die Allgemeinheit betrachtete, Gewalttaten verübte.

In den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts waren die Gemeinschaften der Heiligen der Letzten Tage in Ohio, Missouri, Illinois und Utah ausnahmslos in den westlichen Grenzregionen der USA angesiedelt, wo Gewaltanwendung von der Gesellschaft ohne Weiteres gebilligt wurde.

Der Mormonenkrieg in Missouri und die Daniten

Die von einigen wenigen Mitgliedern der Kirche verübten Gewalttaten sollte man auch vor dem Hintergrund sehen, dass im 19. Jahrhundert in den Grenzregionen Amerikas Gewaltanwendung ein weit verbreitetes Phänomen war.21 1838 flohen Joseph Smith und andere Mitglieder der Kirche vor dem Pöbel aus Ohio und zogen nach Missouri, wo Heilige der Letzten Tage bereits Siedlungen errichtet hatten. Joseph Smith war überzeugt, dass der Widerstand von unfolgsamen Mitgliedern und sonstigen Gegnern dazu geführt hatte, dass die Gemeinschaft der Heiligen in Kirtland/Ohio, wo man erst zwei Jahre zuvor unter großen Opfern einen Tempel errichtet hatte, zunächst geschwächt und dann schließlich aufgerieben wurde. Im Sommer 1838 sahen die Führer der Kirche ihr Ziel, eine harmonische Gemeinschaft in Missouri aufzubauen, in ähnlicher Weise bedroht.

In der Mormonensiedlung in Far West gründeten einige Führer und Mitglieder eine paramilitärische Gruppe unter der Bezeichnung Daniten. Ihr Ziel war es, die Gemeinschaft gegen unfolgsame oder ausgeschlossene Mitglieder sowie gegen andere Einwohner Missouris zu verteidigen. Die Historiker sind sich im Großen und Ganzen einig, dass Joseph Smith die Gründung der Daniten zwar gestattete, aber wahrscheinlich nicht über alle ihre Pläne informiert wurde und auch nicht alle ihre Maßnahmen billigte. Die Daniten bedrohten unfolgsame Mitglieder und andere Einwohner Missouris. Zum Beispiel warnten sie einige Andersdenkende davor, den Kreis Caldwell zu verlassen. Als die Spannungen im Herbst 1838 im sogenannten Mormonenkrieg in Missouri eskalierten, waren die Daniten offenbar in Milizen aufgegangen, die hauptsächlich aus Mitgliedern der Kirche bestanden. Diese Milizen stießen in Missouri auf ihre Gegner. Auf beiden Seiten gab es einige Tote. Außerdem überfielen Bürgerwehren der Mormonen, darunter etliche Daniten, zwei Ortschaften, die ihrer Ansicht nach das Zentrum mormonenfeindlicher Aktivitäten waren. Sie brannten Häuser nieder und stahlen Warenvorräte.22 Obwohl es die Daniten nicht lange gab, hielt sich lange das Gerücht, es gebe eine geheime Bürgerwehr der Mormonen, und dieses Gerücht wurde kräftig aufgebauscht.

Infolge ihrer Erlebnisse in Missouri gründeten die Heiligen der Letzten Tage eine große, vom Staat genehmigte Miliz, die sie schützen sollte, nachdem sie nach Illinois gezogen waren: die Nauvoo-Legion. Diese Miliz wurde von vielen gefürchtet, die in den Mitgliedern der Kirche einen Feind sahen. Doch die Legion vermied Ausfälle oder Vergeltungsmaßnahmen. Sie trat noch nicht einmal in Erscheinung, als eine Krise dazu führte, dass Joseph Smith und sein Bruder Hyrum im Juni 1844 vom Pöbel ermordet wurden. Auch die Ermordung selbst löste keine Reaktion aus. Als der Gouverneur von Illinois die Auflösung der Legion anordnete, kamen die Heiligen dieser Anweisung nach.23

Gewalt im Territorium Utah

In Utah kam es besonders in den ersten zehn Jahren, nachdem die Heiligen der Letzten Tage sich dort niedergelassen hatten (1847–1857), zu Ausfällen gegen ihre Feinde oder zu Vergeltungsmaßnahmen. Für viele waren die Narben, die die ständige Verfolgung und der Auszug in die Rocky Mountains hinterlassen hatten, noch immer frisch und schmerzhaft. Auch als sie versuchten, unter großen Anstrengungen in der Wüste von Utah ein Auskommen zu finden, sahen sich die Heiligen der Letzten Tage ständig Konflikten ausgesetzt. Viele Faktoren sprachen dagegen, dass ihr großes Vorhaben in Utah erfolgreich sein sollte. Es gab Spannungen mit den Indianern, die durch die immer weiter um sich greifende Ansiedlung von Mormonen verdrängt wurden. Die US-Regierung übte insbesondere nach der öffentlichen Einführung der Mehrehe 1852 Druck aus. Es gab zweifelhafte Landansprüche und die Bevölkerungszahl schoss in die Höhe. Die Führer der Gemeinschaft spürten unablässig die Last der Verantwortung, und zwar nicht nur für das geistige Wohl der Kirche, sondern auch für das körperliche Überleben der Mitglieder. Viele dieser Führer, darunter auch der Präsident der Kirche und Gouverneur des Territoriums, Brigham Young, übten gleichzeitig sowohl kirchliche als auch zivile Ämter aus.

Das Verhältnis der Heiligen der Letzten Tage zu den Indianern

Wie andere Siedler im Grenzgebiet auch, besetzten die Heiligen Gebiete, die bereits von den Indianern besiedelt waren. Die tragische Geschichte von der Vernichtung zahlreicher Indianerstämme und dem schweren Schaden, der den übrigen durch die europäischen Einwanderer, das Militär und die Staatsmacht der USA zugefügt wurde, ist von Historikern hinlänglich dokumentiert worden. Im ganzen 19. Jahrhundert sind die Indianer von den Siedlern, darunter auch einigen Heiligen der Letzten Tage, in zahlreichen Konflikten misshandelt und umgebracht worden. Ihnen wurde das begehrte Land entrissen und sie wurden in Reservate verbannt.

Anders als die meisten anderen Amerikaner sahen die Heiligen die Indianer aber als ein auserwähltes Volk an – Israeliten wie sie selbst. Sie stammten von den Völkern im Buch Mormon ab und waren somit Erben der göttlichen Verheißungen. Als Präsident der Kirche, Gouverneur des Territoriums und Superintendent für Indianerfragen verfolgte Brigham Young eine Friedenspolitik, mit der die Ansiedlung von Mormonen in Indianergebieten erleichtert werden sollte. Die Mitglieder der Kirche lernten indianische Sprachen, bauten Handelsbeziehungen auf, verkündeten das Evangelium und versuchten auch sonst, mit den Indianern gut auszukommen.24 Diese Politik setzte sich jedoch nur ungleichmäßig durch und wurde nicht konsequent umgesetzt.25

Ein friedliches Miteinander war zwar die Norm und auch der Idealzustand, hin und wieder kam es aber zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Kirche und Indianern. In beiden Kulturkreisen – dem der Europäer und dem der Indianer – herrschten völlig unterschiedliche Auffassungen, was die Nutzung von Land und Besitz anging. Da verstand man einander nicht so recht. Die Mormonen beschuldigten die Indianer häufig des Diebstahls. Die Indianer hingegen meinten, die Mormonen müssten ihnen etwas von dem Vieh abgeben, das sie auf ihrem Stammesgebiet grasen ließen, und auch von den Feldfrüchten, die sie dort anbauten. In den Gebieten, wo sich die Mormonen niederließen, hatten die Indianer bislang nur mit Pelzjägern und Händlern Erfahrungen gemacht. Der Umgang mit diesen Europäern war zu beiderseitigem Nutzen. Es waren Durchreisende, die sich nur kurz im Land aufhielten oder niederließen und keine bleibenden Ansprüche erhoben wie die Mormonen. Missverständnisse führten schließlich zu Reibereien und zum Ausbruch von Gewalt zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.26

Gegen Ende des Jahres 1849 eskalierten die Spannungen zwischen den Indianern des Stammes Ute und den Mormonen im Utah Valley. Ein Mormone hatte einen Ute-Indianer namens Old Bishop ums Leben gebracht, den er bezichtigte, sein Hemd gestohlen zu haben. Zusammen mit zwei Kameraden hatte der Mormone daraufhin die Leiche des Opfers im Provo River versteckt. Die näheren Einzelheiten zu diesem Mordfall wurden Brigham Young und anderen Führern der Kirche wohl zumindest anfangs verschwiegen. Siedler in Fort Utah berichteten indes von weiteren Schwierigkeiten mit den Indianern. Auf die Siedler war geschossen worden, und man hatte ihnen Vieh und Feldfrüchte gestohlen. Brigham Young riet zur Geduld. Er sagte: „Befestigt euer Fort, kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten und lasst die Indianer sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern.“27 Trotzdem spitzte sich die Situation in Fort Utah zu. Das lag unter anderem daran, dass die dortigen Mormonen sich weigerten, die an der Ermordung von Old Bishop Beteiligten an die Ute-Indianer auszuliefern oder für seinen Tod eine Entschädigung zu zahlen. Im Winter 1849/50 breitete sich eine Masernepidemie von den Mormonensiedlungen in die Lager der Ute aus. Viele Indianer kamen um, wodurch die Spannungen sich noch mehr verschärften. In einer Sitzung von Führern der Kirche, die am 31. Januar 1850 in Salt Lake City stattfand, berichtete der Vertreter aus Fort Utah, dass die Ute immer gewaltbereiter würden und immer aggressiver vorgingen: „Sie sagen, sie wollen unser Vieh jagen und dann die anderen Indianer holen und uns umbringen.“28 Daraufhin bewilligte Gouverneur Young einen Militäreinsatz gegen die Ute, und so kamen im Februar 1850 in einer Reihe von Gefechten Dutzende Ute und ein Mormone ums Leben.29 Bei diesen und anderen Zwischenfällen gingen ein paar Heilige der Letzten Tage übermäßig brutal gegen die Ureinwohner vor.30

Dennoch pflegten sie im Vergleich zu Siedlern in anderen Gebieten im Westen Amerikas meist friedliche Beziehungen zu den Indianern. Brigham Young war mit mehreren Indianerführern befreundet und hielt sein Volk dazu an, wo es nur ging friedlich mit seinen indianischen Nachbarn zusammenzuleben.31 Einige Indianer unterschieden sogar zwischen den „Mormonees“, die sie sympathisch fanden, und den anderen amerikanischen Siedlern, die sie „Mericats“ nannten.32

Die Reformphase und der Utah-Krieg

Mitte des Jahres 1850 bewirkten eine Reformphase innerhalb der Kirche sowie Spannungen zwischen der US-Regierung und den Heiligen der Letzten Tage in Utah, dass diese sich angegriffen und wieder einmal verfolgt fühlten. Es kam zu mehreren Gewaltausbrüchen, die von Mitgliedern der Kirche ausgingen. Brigham Young und andere Führer der Kirche waren besorgt, dass die Heiligen in geistiger Hinsicht allzu selbstgefällig wurden, und so riefen sie sie in einer Reihe von Predigten dazu auf, umzukehren und sich ihren geistigen Idealen erneut zu verpflichten.33 Viele bezeugten, dass sie durch diesen Reformaufruf zu einem besseren Menschen geworden waren.34

Die Amerikaner des 19. Jahrhunderts waren mit der Sprache der Gewalt vertraut, auch in der Religion. Das ganze Jahrhundert über hatten Erweckungsprediger mit einer gewaltbeladenen Bildersprache versucht, Nichtbekehrte zur Umkehr zu bewegen und Abtrünnige zur Besserung.35 Während der Reformphase hielten Präsident Young, sein Ratgeber Jedediah M. Grant und andere Führer bisweilen feurige Reden und warnten vor den bösen Absichten derer, die sich von der Kirche abgewandt hatten oder ihr feindlich gesinnt waren. Einige Führer verkündeten unter Berufung auf Textstellen aus dem Alten Testament, dass einige Sünden so schwerwiegend seien, dass Vergebung erst dann möglich sei, wenn das Blut des Übeltäters vergossen würde.36 Solche Predigten verstärkten die Spannungen zwischen den Heiligen der Letzten Tage und den wenigen Nichtmitgliedern in Utah, worunter sich auch vom Staat eingesetzte Beamte befanden.

Zu Beginn des Jahres 1857 erhielt der damalige US-Präsident James Buchanan Berichte von einigen Staatsbediensteten, in denen sie behaupteten, dass Gouverneur Young und die Mitglieder der Kirche in Utah sich gegen die Autorität der Bundesregierung auflehnten. Eine ziemlich dreist formulierte Eingabe des Parlaments von Utah an die Bundesregierung überzeugte die Verantwortlichen davon, dass diese Berichte stimmten. Präsident Buchanan beschloss, Brigham Young als Gouverneur ersetzen zu lassen. Er entsandte eine Armee nach Utah, die diesen Austausch überwachen sollte. Das bezeichnete man später als den Utah-Krieg. Die Heiligen der Letzten Tage befürchteten, dass die herannahende Armee – sie war etwa 1500 Mann stark, und noch weitere sollten folgen – sie genau wie früher in Missouri und Illinois verfolgen und erneut aus ihren Häusern vertreiben würde. Hinzu kam noch, dass Parley P. Pratt, ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, im Mai 1857 in Arkansas ermordet wurde. Die Nachrichten über die Ermordung sowie Zeitungsberichte aus dem Osten der USA, in denen dieses Verbrechen gepriesen wurde, erreichten Utah Ende Juni 1857.37 Infolge dieser Geschehnisse rief Brigham Young in dem Territorium den Ausnahmezustand aus. Er wies die Missionare und Siedler in den Randbezirken an, nach Utah zurückzukehren, und leitete Vorbereitungen ein, um der Armee Widerstand zu leisten. Polemisierende Reden von Präsident Young und anderen Führern der Kirche sowie die bevorstehende Ankunft der Soldaten sorgten in Utah für ein Klima der Angst und des Misstrauens.38

Das Massaker von Mountain Meadows

Als diese Spannungen Anfang September 1857 ihren Höhepunkt erreichten, belagerte eine gänzlich aus Mormonen bestehende Milizeinheit aus dem Süden Utahs zusammen mit ein paar angeheuerten Indianern einen Wagenzug von Auswanderern, die von Arkansas nach Kalifornien unterwegs waren. Als dieser Wagenzug südlich an Salt Lake City vorbeiziehen wollte, kam es zwischen den Auswanderern und ortsansässigen Mormonen zu Streitigkeiten in der Frage, wo die Auswanderer ihr Vieh weiden dürften. Einige der Reisenden waren auch verbittert, weil die örtlichen Siedler ihnen Schwierigkeiten machten, Getreide und andere dringend benötigte Waren einzukaufen. Es hatte nämlich eine Anordnung gegeben, wegen des drohenden Krieges Getreide einzulagern. Aufgebracht drohten nun einige Auswanderer damit, sich den einmarschierenden Truppen anzuschließen, um dann gegen die Heiligen zu kämpfen.39

Während einige diese Drohungen einfach ignorierten, rieten andere Führer und Mitglieder der Kirche in Cedar City in Utah dazu, gewaltsam dagegen vorzugehen. Isaac C. Haight, Pfahlpräsident und Anführer einer Miliz, erteilte John D. Lee, einem Major der Miliz, den Auftrag, einen Angriff gegen die Auswanderer auszuführen. Als der Präsident seinen Ratsmitgliedern von diesem Plan berichtete, erhoben einige sogleich Einspruch. Sie forderten ihn auf, den Angriff abzublasen und stattdessen einen berittenen Eilboten zu Brigham Young nach Salt Lake City zu schicken und sich Weisung einzuholen. Doch die Männer, denen Haight den Befehl zum Angriff gegeben hatte, führten ihre Pläne aus, noch bevor der Befehl wieder zurückgenommen werden konnte. Die Auswanderer setzten sich jedoch zur Wehr, sodass es zu einer Belagerung kam.

In den darauffolgenden Tagen eskalierten die Ereignisse. Die Männer der Mormonenmiliz beschlossen ein Massaker und setzten diesen Plan in die Tat um. Sie lockten die Auswanderer mit einer Friedensfahne aus ihrer Wagenburg und metzelten sie dann mit Unterstützung der angeheuerten Paiute-Indianer nieder. Insgesamt kamen zwischen dem ersten Angriff und dem Blutbad, das darauf folgte, in dem Tal namens Mountain Meadows 120 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. Nur die kleinen Kinder, die man für zu jung hielt, um von den Ereignissen erzählen zu können, blieben verschont. Der berittene Bote kehrte zwei Tage nach dem Massaker zurück. Er hatte einen Brief von Brigham Young bei sich, in dem die örtlichen Führer aufgefordert wurden, sich mit den Auswanderer nicht weiter einzulassen und sie den Süden Utahs passieren zu lassen.40 Die Männer der Miliz versuchten daraufhin, das Verbrechen zu vertuschen, indem sie die ganze Schuld den Paiutes zuschoben, von denen einige ebenfalls Mitglieder der Kirche waren.

Zwei Heilige der Letzten Tage wurden schließlich wegen ihrer Mitwirkung aus der Kirche ausgeschlossen. Ein großes Schwurgericht, zu dem auch Mitglieder der Kirche gehörten, erhob gegen neun Männer Anklage. Nur einer jedoch, nämlich John D. Lee, wurde wegen des Verbrechens verurteilt und hingerichtet. Das gab falschen Behauptungen Auftrieb, dass Brigham Young das Massaker angeordnet habe.

In den vergangenen Jahren hat die Kirche einiges unternommen, um so viel wie möglich über das Massaker in Erfahrung zu bringen. Ab dem Jahr 2000 forschten Historiker der Geschichtsabteilung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Archiven überall in den USA nach historischen Belegen. Außerdem wurden sämtliche Aufzeichnungen der Kirche noch einmal gründlich überprüft. 2008 erschien dann bei Oxford University Press ein Buch. Darin kamen die Autoren Ronald W. Walker, Richard E. Turley Jr. und Glen M. Leonard zu dem Schluss, dass Brigham Young, George A. Smith und andere Führer zwar mit übertriebenen Reden gegen Außenstehende zu einem Klima der Feindseligkeit beigetragen hätten, dass Brigham Young aber das Massaker nicht befohlen habe. Vielmehr hätten mündliche Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Angehörigen des Wagenzuges und Siedlern aus dem Süden Utahs große Angst ausgelöst, vor allem vor dem Hintergrund des Utah-Kriegs und anderer widriger Umstände. Das Massaker war die Folge einer Reihe tragischer Fehlentscheidungen der örtlichen Führer der Kirche, die auch im zivilen Bereich und in der Miliz im Süden Utahs eine führende Rolle spielten.41

Abgesehen von dem Massaker von Mountain Meadows gibt es noch ein paar weitere Mitglieder der Kirche, die gegen eine kleine Anzahl von unfolgsamen Glaubensgenossen und Außenstehenden Gewalttaten verübt haben. Besonders in den 50er Jahren des Jahrhunderts, als Furcht und Anspannung im Territorium Utah allgegenwärtig waren, griffen einige Heilige der Letzten Tage zur Selbstjustiz. Es mag sein, dass Führer der Kirche mit hitzigen Anfeindungen, die gegen unfolgsame Mitglieder gerichtet waren, bei einigen Mormonen den Eindruck erweckten, dass solche Handlungen gerechtfertigt seien.42 Die Übeltäter sind für ihre Verbrechen meist nicht bestraft worden. Dennoch sind etliche Anschuldigungen wegen solcher Gewalttaten unbegründet, und es haben mormonenfeindliche Autoren so manche ungeklärte Verbrechen oder verdächtige Todesfälle aus den Anfangsjahren in Utah den Führern der Kirche zur Last gelegt.43

Zum Abschluss

Im 19. Jahrhundert sind die Mitglieder der Kirche Jesu Christi von vielen ungerechterweise als gewaltbereites Volk beschrieben worden. Der Großteil der Heiligen lebte jedoch damals wie heute friedlich mit seinen Nachbarn und deren Angehörigen zusammen und bemühte sich um ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft. Schon damals ist so manchem Reisenden aufgefallen, wie viel Frieden und Ordnung in den Mormonengemeinden in Utah und andernorts herrschten.44 Dennoch hat eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Mitgliedern der Kirche mit ihren Taten teilweise tödliche Wunden geschlagen, die gesellschaftlichen Beziehungen belastet und der Wahrnehmung, dass die Mormonen ein friedfertiges Volk sind, geschadet.45

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verurteilt verbale und körperliche Gewaltanwendung und ist entschlossen, in aller Welt für Frieden einzutreten. Über das Massaker von Mountain Meadows sagte Elder Henry B. Eyring, der damals dem Kollegium der Zwölf Apostel angehörte: „In dem Evangelium Jesu Christi, das wir vertreten, ist kein Platz für die kaltblütige Ermordung von Männern, Frauen und Kindern. Es legt uns vielmehr nahe, friedfertig und vergebungsbereit zu sein. Was hier vor langer Zeit von Mitgliedern unserer Kirche angerichtet wurde, stellt eine schreckliche und unentschuldbare Abkehr von der christlichen Lehre und von christlichem Verhalten dar.“46

Im Laufe der Geschichte haben die Führer der Kirche immer wieder bekräftigt, dass der Weg eines Jüngers Christi ein Weg des Friedens ist. Für Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel hat der Glaube an Jesus Christus, wie ihn die Heiligen der Letzten Tage verstehen, etwas mit aktiver Nächstenliebe und dem Streben nach Frieden mit allen Menschen zu tun: „Die Hoffnung der Welt ist der Fürst des Friedens … Was erwartet der Herr von uns, den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage? Als Kirche müssen wir ‚dem Krieg absagen und Frieden verkündigen‘. Als Einzelne müssen wir ‚nach dem streben, was zum Frieden … beiträgt‘. Wir sollen persönliche Friedensstifter sein.“47

Quellen

  1. Matthäus 5:9; 3 Nephi 12:9
  2. Lehre und Bündnisse 98:16
  3. Mosia 4:13
  4. Brief von Lilburn W. Boggs an John B. Clark, 27. Oktober 1838, Mormon War Papers, Staatsarchiv von Missouri. Unter ausrotten verstand man damals auch: aus den Grenzen eines Gebietes vollständig vertreiben.
  5. Eine wissenschaftliche Untersuchung dieser Vertreibungen ist zu finden bei Stephen C. LeSueur, The 1838 Mormon War in Missouri, University of Missouri Press, Columbia/Missouri 1987, und Alexander L. Baugh, A Call to Arms: The 1838 Mormon Defense of Northern Missouri, Dissertations in Latter-day Saint History, Joseph Fielding Smith Institute for Latter-day Saint History, BYU Studies, Provo/Utah 2000. Berichte aus erster Hand: John Whitmer, History, Seite 39–67, und „A History, of the Persecution“, 1839/40, in: Karen Lynn Davidson, Richard L. Jensen und David J. Whittaker, Hg., Histories, Volume 2: Assigned Historical Writings, 1831–1847, Band 2 der geschichtlichen Abhandlungen in der Reihe The Joseph Smith Papers, Dean C. Jessee, Ronald K. Esplin und Richard Lyman Bushman, Hg., Church Historian’s Press, Salt Lake City 2012, Seite 52–76, 202–286.
  6. Joseph Young, eidesstattliche Erklärung, Adams County/Illinois, 4. Juni 1839, L. Tom Perry Special Collections, Harold B. Lee Library, Brigham-Young-Universität, Provo/Utah; Beth Shumway Moore, Bones in the Well: The Haun’s Mill Massacre, 1838, A Documentary History, Arthur H. Clark Company, Norman/Oklahoma 2006.
  7. Parley P. Pratt, „Testimony“, 1. Juli 1843, Seite 4, Nauvoo/Illinois; Aufzeichnungen im Historischen Archiv der Kirche, Salt Lake City; Hyrum Smith, „Testimony“, 1. Juli 1843, Seite 24, Nauvoo, Illinois, Aufzeichnungen im Historischen Archiv der Kirche, Salt Lake City.
  8. Die Mitglieder der Kirche verfassten später an die 1000 Bittgesuche und eidesstattliche Erklärungen, in denen sie ihr Leid schilderten. In einem Bittgesuch an die Regierung von Missouri, das von mehreren Führern und Mitgliedern der Kirche verfasst wurde, werden die verschiedenen gewaltsamen Zwischenfälle wie das Massaker von Hawnʼs Mill und die Zerstörung des Eigentums ausführlich beschrieben: „Viele unserer Besitztümer wurden von den Truppen zerstört, als sie sich hier am Ort aufhielten. Sie verbrannten unter anderem Baumstämme für den Hausbau, Holzleisten, Getreidebehälter, Bretter und dergleichen. Sie verbrauchten Getreide und Heu, plünderten unsere Häuser, schlachteten unser Vieh, unsere Schafe und Schweine und ritten statt ihrer eigenen Pferde die unsrigen. Bei all dem nahmen sie keinerlei Rücksicht auf die Besitzer und baten auch nie um Erlaubnis. Unterdessen wurden die Männer von den Soldaten misshandelt und die Frauen beschimpft und missbraucht.“ (Edward Partridge et al., 10. Dezember 1838, Bittgesuch an die Regierung von Missouri, in: Clark V. Johnson, Hg., Mormon Redress Petitions: Documents of the 1833–1838 Missouri Conflict, Brigham Young University Religious Studies Center, Provo/Utah 1992, Seite 18.)
  9. Jeffrey N. Walker, „Mormon Land Rights in Caldwell and Daviess Counties and the Mormon Conflict of 1838: New Findings and New Understandings“, BYU Studies 47, Nr. 1, 2008, Seite 5–55.
  10. Karen Lynn Davidson, David J. Whittaker, Mark Ashurst-McGee und Richard L. Jensen, Hg., Histories Volume 1: Joseph Smith Histories, 1832–1844, Band 1 der Geschichtsberichtsreihe The Joseph Smith Papers, Dean C. Jessee, Ronald K. Esplin und Richard Lyman Bushman, Hg., Church Historian’s Press, Salt Lake City 2012, 498n25.
  11. Ein ausführlicher Bericht über die Vertreibung aus Missouri in den Jahren 1838/39 ist zu finden in: William G. Hartley, „The Saints’ Forced Exodus from Missouri“, in: Richard Neitzel Holzapfel und Kent P. Jackson, Hg., Joseph Smith: The Prophet and Seer, Brigham Young University Religious Studies Center, Provo/Utah 2010, Seite 347–389.
  12. Lehre und Bündnisse 121:1,6
  13. Brief von Thomas Ford an Joseph Smith et al., 22. Juni 1844, „Joseph Smith Collection“, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City
  14. Richard E. Bennett, Mormons at the Missouri, 1846–1852: „And Should We Die …“, University of Oklahoma Press, Norman/Oklahoma 1987, Seite 141.
  15. Glen M. Leonard, Nauvoo: A Place of Peace, A People of Promise, Deseret Book und Brigham Young University Press, Salt Lake City und Provo/Utah 2002, Seite 600–621.
  16. Thomas L. Kane, The Mormons: A Discourse Delivered before the Historical Society of Pennsylvania: March 26, 1850, King & Baird, Philadelphia 1850, Seite 9f. Kanes Aussage stammt aus einer Vorlesung, die er vier Jahre, nachdem er die Lager besucht hatte, hielt. In den Briefen, die er als zeitgenössischer Beobachter seiner Familie im Juli und August 1846 aus den großen Flüchtlingslagern in Iowa schrieb, spiegeln sich ähnliche Empfindungen wider. Er beklagte sich bei seinen Eltern darüber, dass ein „unschuldiges [Volk] wegen seines Glaubens noch im 19. Jahrhundert verprügelt, ausgeraubt, geschändet und ermordet wird“. (Brief von Thomas L. Kane an John K. Kane und Jane D. Kane, 20. bis 23. Juli 1846, „Thomas L. Kane Papers“, American Philosophical Society.)
  17. Marvin S. Hill, Quest for Refuge: The Mormon Flight from American Pluralism, Signature Books, Salt Lake City 1989, Seite 41–44, 101f.; Kenneth H. Winn, Exiles in a Land of Liberty: Mormons in America, 1830–1846, University of North Carolina Press, Chapel Hill 1989, Seite 96–105, 145, 154ff.
  18. Siehe auch „Prospects of the Church”, The Evening and the Morning Star, März 1833, Seite 4; „Extract, from the Private Journal of Joseph Smith Jr.”, Times and Seasons, November 1839, Seite 9, verfügbar unter josephsmithpapers.org; Parley P. Pratt, History of the Late Persecution Inflicted by the State of Missouri upon the Mormons, Dawson & Bates, Detroit 1839, Seite IVf., verfügbar unter josephsmithpapers.org
  19. Zur Selbstjustiz in Amerika siehe Paul A. Gilje, Rioting in America, Indiana University Press, Bloomington 1996; David Grimsted, American Mobbing, 1828–1861: Toward the Civil War, Oxford University Press, New York 1998. Es gibt ein riesiges Angebot an wissenschaftlicher Literatur über Gewalttaten, die durch die Religion oder religiöse Reden ausgelöst wurden. Allgemeines Material zu diesem Thema ist zu finden bei R. Scott Appleby, The Ambivalence of the Sacred: Religion, Violence, and Reconciliation, Rowman & Littlefield, Lanham/Maryland 2000. Studien über das Amerika des 19. Jahrhunderts, insbesondere über die durch Religion ausgelöste Gewalt im Süden ist zu finden bei Donald G. Mathews, „Lynching Is Part of the Religion of Our People: Faith in the Christian South“, in: Beth Barton Schweiger und Donald G. Mathews, Hg., Religion in the American South: Protestants and Others in History and Culture, University of North Carolina Press, Chapel Hill/North Carolina 2004, Seite 153–194; Orlando Patterson, Rituals of Blood: Consequences of Slavery in Two American Centuries, Civitas/Counterpoint, Washington, D.C. 1998; Edward J. Blum und W. Scott Poole, Hg., Vale of Tears: New Essays on Religion and Reconstruction, Mercer University Press, Macon, Georgia 2005, und Patrick Q. Mason, The Mormon Menace: Violence and Anti-Mormonism in the Postbellum South, Oxford University Press, New York 2011.
  20. „Militia Act of 1792“, Satzung 1, Kapitel 33, 1792.
  21. Eine klassische Studie über die Gewalt in amerikanischen Grenzgebieten ist zu finden bei Richard Maxwell Brown, Strain of Violence: Historical Studies of American Violence and Vigilantism, Oxford University Press, New York 1975.
  22. Die Daniten betrachteten diesen Diebstahl als Aneignung benötigter Waren in Kriegszeiten (siehe Baugh, Call to Arms, Seite 36–43; Richard Lyman Bushman, Joseph Smith: Rough Stone Rolling, mit Unterstützung von Jed Woodworth, Knopf, New York 2005, Seite 349–55; Dean C. Jessee, Mark Ashurst-McGee und Richard L. Jensen, Hg., Band 1 der Tagebuchreihe aus Journals, Volume 1: 1832–1839, Dean C. Jessee, Ronald K. Esplin und Richard Lyman Bushman, Hg., Church Historian’s Press, Salt Lake City 2008, Seite 231, 292f., verfügbar unter The Joseph Smith Papers und josephsmithpapers.org, dort vom 23. Januar 2014; Danites, The Joseph Smith Papers
  23. Leonard, Nauvoo, Seite 374f.
  24. Siehe Ronald W. Walker, „Toward a Reconstruction of Mormon and Indian Relations, 1847 to 1877“, BYU Studies 29, Nr. 4, Herbst 1989, Seite 23–42, und Sondra Jones, „Saints or Sinners? The Evolving Perceptions of Mormon-Indian Relations in Utah Historiography“, Utah Historical Quarterly 72, Nr. 1, Winter 2004, Seite 19–46. Brigham Young war von 1850 bis 1857 Gouverneur des Territoriums und von 1851 bis 1857 im Territorium Superintendent für Indianerfragen.
  25. Siehe Howard A. Christy, „The Walker War: Defense and Conciliation as Strategy“, Utah Historical Quarterly 47, Nr. 4, Herbst 1979, Seite 395–420.
  26. Über kulturelle Missverständnisse zwischen den Mormonen und den Indianern siehe Marlin K. Jensen, „The Rest of the Story: Latter-day Saint Relations with Utah’s Native Americans“, Mormon Historical Studies 12, Nr. 2, Herbst 2011, Seite 16–25.
  27. Brief von Brigham Young an Isaac Higbee, 18. Oktober 1849, „Brigham Young Office Files“, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City.
  28. „Historian’s Office General Church Minutes“, 31. Januar 1850, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City.
  29. D. Robert Carter, Founding Fort Utah: Provo’s Native Inhabitants, Early Explorers, and First Year of Settlement, Provo City Corporation, Provo/Utah 2003, Seite 52, 114f., 135, 142, 145, 153–157, 163, 227. Aus zeitgenössischen Quellen geht hervor, dass die Anzahl der umgekommenen Indianer zwischen 24 und 40 lag. Rückblickend geht man jedoch davon aus, dass die Ute-Indianer rund 100 Tote zu beklagen hatten (siehe Epsy Jane Williams, „Autobiography“, [1], Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City, und Jared Farmer, On Zion’s Mount: Mormons, Indians, and the American Landscape, Harvard University Press, Cambridge/Massachusetts und London 2008, Seite 67–77).
  30. Siehe Albert Winkler, „The Circleville Massacre: A Brutal Incident in Utah’s Black Hawk War“, Utah Historical Quarterly 55, Nr. 1, Winter 1987, Seite 4–21
  31. Ein Überblick über die Beziehung zwischen den Heiligen der Letzten Tage und den Indianern ist zu finden bei Jensen, „Latter-day Saint Relations with Utah’s Native Americans“, Seite 16–25; siehe auch Ronald W. Walker, „Wakara Meets the Mormons, 1848–52: A Case Study in Native American Accommodation“ Utah Historical Quarterly 70, Nr. 3, Sommer 2002, Seite 215–237.
  32. Jensen, „Latter-day Saint Relations with Utah’s Native Americans“, Seite 23.
  33. Näheres über die Reformphase ist zu finden bei Paul H. Peterson, „The Mormon Reformation of 1856–1857: The Rhetoric and the Reality“, Journal of Mormon History 15, 1989, Seite 59–87.
  34. Siehe zum Beispiel John Brown, „Journal“, 27. November und 11. Dezember 1856 und 1. Januar 1857, Seite 202–206, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City; Benjamin F. Johnson, „Autobiography“, Dezember 1856, Seite 198, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City; No Place to Call Home: The 1807–1857 Life Writings of Caroline Barnes Crosby, Chronicler of Outlying Mormon Communities, Edward Leo Lyman et al., Hg., Utah State University Press, Logan/Utah 2005, Seite 442, und Hannah Tapfield King, „Autobiography“, 16. März bis 9. April 1857, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City.
  35. Näheres dazu, wie sich in der US-amerikanischen Geschichte die Sprach der Religion mit der der Gewalt vermischt hat, ist zu finden bei John D. Carlson und Jonathan H. Ebel, Hg., From Jeremiad to Jihad: Religion, Violence, and America, University of California Press, Berkeley 2012. Gewaltbeladene Reden waren auch in der Politik durchaus üblich. 1857 prangerte Stephen A. Douglas, der Senator von Illinois, beispielsweise auf harsche Art und Weise die „verräterischen, widerwärtigen und viehischen Praktiken“ der Mormonen an. Douglas sagte, es sei eine „Schande für das Land, eine Schande für die Menschheit [und] eine Schande für die Zivilisation“, diejenigen zu schützen, die Polygamie praktizierten. Weiter sagte er: „Man muss dieses ansteckende und ekelhafte Krebsgeschwür, das die lebenserhaltenden Teile des Staates zerfrisst, herausschneiden. Es muss durch ein strenges, knallhartes Gesetz mit Stumpf und Stiel ausgebrannt werden.“ Die bissigsten Stellen hatte man in der offiziellen Version bereits abgemildert (siehe „Great Rally of the People“, Marshall County [Indiana] Democrat, 25. Juni 1857, [1]; Remarks of the Hon. Stephen A. Douglas, on Kansas, Utah, and the Dred Scot Decision, Daily Times Book and Job Office, Chicago 1857, Seite 11–15; „Senator Douglas’ Speech in Illinois“, New York Herald, 22. Juni 1857, Seite 2, und Robert W. Johannsen, Stephen A. Douglas, University of Illinois Press, Champaign/Illinois 1997, Seite 568f.).
  36. Siehe zum Beispiel Brigham Young in: Journal of Discourses, Band 4, Seite 53f., und Heber C. Kimball, in: Journal of Discourses, Band 7, Seite 160–221. Diese Vorstellung, die als Blutsühne bekannt werden sollte, war im 19. Jahrhundert eine beliebte Komponente mormonenfeindlicher Reden. Obgleich viele übertriebene Gerüchte, die in der Tagespresse und in mormonenfeindlicher Literatur erschienen, leicht widerlegt werden können, ist es sehr wahrscheinlich, dass in wenigstens einem Fall einige Heilige der Letzten Tage auf eine solche Propaganda reagierten. Dennoch scheinen die meisten Mitglieder der Kirche erkannt zu haben, dass es sich bei diesen Blutsühne-Predigten – um es mit den Worten des Historikers Paul Peterson zu sagen – um „Übertreibungen und Aufwiegeleien“ handelte, „durch die die Heiligen der Letzten Tage wohl in Angst und Schrecken versetzt werden sollten, damit sie sich an die Grundsätze der Kirche Jesu Christi hielten. Aus der Sicht wohlmeinender Mitglieder zielten sie darauf ab, dass man wachsam wurde, in sich ging und schließlich Umkehr übte. Man hoffte, dass jeder, der nicht bereit war, sich den Maßstäben der Mormonen zu beugen, infolge solch ominöser Drohungen das Territorium schnellstens verlassen würde.“ (Siehe Brief von Isaac C. Haight an Brigham Young, 11. Juni 1857, „Brigham Young Office Files“; Peterson, „Mormon Reformation of 1856–1857“, 67, 84n66; siehe auch Encyclopedia of Mormonism, 5 Bände, 1992, „Blood Atonement” [Blutsühne], Band 1, Seite 131.)
  37. Zum Mord an Parley P. Pratt siehe Terryl L. Givens und Matthew J. Grow, Parley P. Pratt: The Apostle Paul of Mormonism, Oxford University Press, New York 2011, Seite 366–391; bezüglich des Zusammenhangs zwischen der Nachricht über den Mord und das Massaker siehe Richard E. Turley Jr., „The Murder of Parley P. Pratt and the Mountain Meadows Massacre“, in: Gregory K. Armstrong, Matthew J. Grow und Dennis J. Siler, Hg., Parley P. Pratt and the Making of Mormonism, Arthur H. Clark Company, 2011, Seite 297–313.
  38. Über den Utah-Krieg siehe William P. MacKinnon, Hg., At Sword’s Point, Part 1: A Documentary History of the Utah War to 1858, Arthur H. Clark Company, Norman/Oklahoma 2008, und Matthew J. Grow, Liberty to the Downtrodden: Thomas L. Kane, Romantic Reformer, Yale University Press, New Haven 2009, Seite 149–206.
  39. Einige der Rinder, die den Auswanderern gehörten, gingen auf dem Weg durch Utah ein, was den Kummer der Besitzer noch verstärkte. (Richard E. Turley Jr., The Mountain Meadows Massacre, Ensign, September 2007, Seite 14–18.)
  40. Brief von Brigham Young an Isaac C. Haight, 10. September 1857, „Letterbook“, Band 3, Seite 827f., „Brigham Young Office Files“.
  41. Ronald W. Walker, Richard E. Turley Jr. und Glen M. Leonard, Massacre at Mountain Meadows, Oxford University Press, New York 2008. Es ist schon viel über das Massaker von Mountain Meadows geschrieben worden. Eine klassische Studie ist die von Juanita Brooks, The Mountain Meadows Massacre, Stanford University Press, Stanford/Kalifornien 1950. Siehe auch Richard E. Turley Jr., The Mountain Meadows Massacre, Ensign, September 2007, Seite 14–21, und BYU Studies 47, Nr. 3, 2008; ein spezieller Artikel über dieses Thema ist unter byustudies.byu.edu verfügbar.
  42. Siehe zum Beispiel Polly Aird, Mormon Convert, Mormon Defector: A Scottish Immigrant in the American West, 1848–1861, Arthur H. Clark Company, Norman/Oklahoma 2009, und Walker, Turley und Leonard, Massacre at Mountain Meadows, Seite 42f., 93. Unklare Anweisungen von Führern der Kirche könnten ebenfalls zu Gewaltausbrüchen geführt haben. (Siehe beispielsweise Ardis E. Parshall, „Pursue, Retake & Punish: The 1857 Santa Clara Ambush“, Utah Historical Quarterly 73, Nr. 1, Winter 2005, Seite 64–86.)
  43. George Q. Cannon an Brigham Young, 23. März 1876, „Brigham Young Office Files“. Im Dezember 1875 erschien in der Salt Lake Tribune beispielsweise eine halbe Spalte über das Verschwinden von Sam D. Sirrine, einem Polizisten aus Salt Lake City. Ohne dass irgendwelche Beweise erbracht wurden, hieß es in der Tribune, dass Sirrine wohl aus Rache für den Tod eines Arztes namens J. King Robinson von Führern der Mormonen umbegracht worden bzw. der Blutsühne zum Opfer gefallen war. Ein paar Jahre später wurde festgestellt, dass Sirrine in Kalifornien lebte. („Sam D. Sirrine“, Salt Lake Daily Tribune, 5. Dezember 1875; „District Attorney Howard Discovers a Long Lost Danite“, Salt Lake Daily Herald, 17. Juli 1877; „That Danite“, Salt Lake Daily Herald, 18. Juli 1877.)
  44. Der Bergarbeiter Franklin Buck, der nicht der Kirche angehörte, besuchte 1871 mehrere Ortschaften in Utah. Er schrieb: „Die Mormonen sind die Christen und wir sind die Heiden. In Pioche [Nevada] gibt es zwei Gerichtshöfe, eine Unmenge Sheriffs und Polizisten und ein Gefängnis, damit die Leute gezwungen werden, sich ordentlich zu verhalten. Jeden Tag kommt es zu Schlägereien und fast jede Woche wird jemand umgebracht. … In den Mormonenörtchen hier gibt es kein Gericht und kein Gefängnis. … Alle zwischenmenschlichen Probleme werden von den Ältesten und vom Bischof behoben. Statt dass jeder versucht, seinen Nächsten an den Strick zu bringen, ziehen alle am selben Strang.“ (Franklin A. Buck, A Yankee Trader in the Gold Rush: The Letters of Franklin A. Buck, Katherine A. White, Hg., Houghton Mifflin Company, Boston 1930, Seite 235; siehe auch William Chandless, A Visit to Salt Lake; Being a Journey across the Plains and a Residence in the Mormon Settlements at Utah, Smith, Elder & Co., London 1857, Seite 181, und Richard F. Burton, The City of the Saints, and Across the Rocky Mountains to California, Harper & Brothers, New York 1862, Seite 214, 224.)
  45. Um einige der im Jahr 1889 aufgekommenen Behauptungen zu erwidern, schrieb die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel: „Wir verurteilen die Behauptung aufs Schärfste, dass unsere Kirche dafür sei, Menschen umzubringen, die die Kirche verlassen oder sich von deren Lehren abgewandt haben. Eine derartige Bestrafung eines solchen Verhaltens könnte uns nur mit dem allergrößten Entsetzen erfüllen. Sie ist abscheulich und den Grundsätzen unseres Glaubens direkt entgegengesetzt.“ (Offizielle Verlautbarung vom 12. Dezember 1889, in: James R. Clark, Hg., Messages of the First Presidency of the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 1833–1964, 6 Bände, Bookcraft, Salt Lake City 1966, Band 3, Seite 185.)
  46. Henry B. Eyring, Anmerkungen zum 11. September 2007, verfügbar unter presse-mormonen.de
  47. Russell M. Nelson, „Selig, die Frieden stiften“, Liahona, November 2002, Seite 41; Zitate aus Lehre und Bündnisse 98:16 und Römer 14:19.

Die Kirche ist den Wissenschaftlern, auf deren Arbeit in diesem Artikel Bezug genommen wird, sehr dankbar; ihre Arbeit wird mit Erlaubnis verwendet.