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Wie man mit Depressionen umgeht

Eric B. Murdock Zeitschriften der Kirche

Jeder ist hin und wieder niedergeschlagen. Bei manchen Menschen sitzt das Problem allerdings tiefer. Hier einige Vorschläge, wie man ihnen helfen kann.

Stell dir diese Situation vor: Eine gute Freundin ist in letzter Zeit wie ausgewechselt. Normalerweise ist sie optimistisch und fröhlich. Doch jetzt möchte sie nichts von all dem unternehmen, was ihr früher Spaß gemacht hat. Am vergangenen Samstag warst du überrascht, als sie lieber zu Hause bleiben wollte, anstatt zum Tanzabend zu gehen. Immer wenn du sie triffst, scheint sie traurig, in sich gekehrt und reizbar zu sein. Und das geht schon eine ganze Weile so.

Dir kommt auch der Gedanke, dass deine Freundin in der Schule immer gut war. Letzte Woche hat sie jedoch schon zum dritten Mal ihre Hausaufgaben in Geschichte nicht gemacht. Es ist, als fehle ihr jeglicher Antrieb. Sie sagt, dass sie immer müde ist, abends aber nicht einschlafen kann. Sie erwähnt auch, dass sie immerzu traurig ist, ohne zu wissen, warum. So geht es ihr schon seit einiger Zeit, und du fragst dich besorgt, ob sie depressiv sein könnte.

Traurig sein ist etwas anderes als depressiv sein

Es ist etwas anderes, ob man einfach traurig ist oder eine Depression durchlebt. Man kann zum Beispiel traurig sein, weil man bei einer Prüfung durchgefallen ist. Man kann auch entmutigt sein, weil seine Mannschaft eine Pechsträhne hat. Traurigkeit und Entmutigung sind ganz normale Reaktionen auf Enttäuschung und die Herausforderungen des Lebens. Wie kannst du also erkennen, ob du selbst oder jemand, den du kennst, depressiv ist oder ob das einfach nur die ganz normalen Höhen und Tiefen des Lebens sind?

Zunächst einmal ist eine Depression mehr als bloß Traurigkeit. Eine Depression ist eine Krankheit, von der Millionen Menschen aller Altersgruppen und Lebensumstände betroffen sind. Sie wirkt sich negativ darauf aus, wie der Betroffene denkt, empfindet und sich verhält. Merkmale einer Depression sind unter anderem andauernde Traurigkeit, Energielosigkeit und Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit, die sich über Wochen, Monate oder noch länger hinziehen. Wer unter Depressionen leidet, findet vielleicht keine Freude mehr an Tätigkeiten, denen er gern nachgegangen ist. Möglicherweise fällt es ihm schwer, seinen täglichen Aufgaben nachzukommen.

Für eine Depression gibt es verschiedene Ursachen, wie zum Beispiel Erbanlagen, eine Störung des chemischen Gleichgewichts, bestimmte Denkmuster oder ein belastendes Erlebnis. Glücklicherweise gibt es Hilfe.

Wie man einem Freund helfen kann

Mitunter weiß man nicht so recht, was man sagen oder tun soll, wenn ein Freund depressiv ist. Du kannst ihm erst einmal Unterstützung anbieten und ihn ermutigen. Hier sind weitere Möglichkeiten, wie du helfen kannst:

  1. Bete. Frag den Vater im Himmel, wie du deinem Freund am besten helfen kannst. Achte auf Eingebungen. Vielleicht kommt dir eine ganz einfache, nützliche Idee, die du bestärkt von einem guten Gefühl in die Tat umsetzen könntest.
  2. Höre zu. Du musst nichts in Ordnung bringen. Sei einfach ein guter Zuhörer. Höre deinem Freund ernsthaft zu und lass ihn wissen, dass du immer für ihn da bist.
  3. Lenke ihn in eine gute Richtung. Schlag deinem Freund vor, sich Hilfe zu holen. Vielleicht könntest du ihm helfen, mit seinen Eltern, einem Führungsbeamten der Kirche oder einem anderen Erwachsenen zu sprechen, dem er vertraut. So kann dein Freund jemanden finden, der ihm gezielt helfen kann. Falls dein Freund deinen Vorschlag, mit jemandem zu sprechen, nicht aufgreift und du dir immer noch Sorgen machst, solltest du dich einem Erwachsenen anvertrauen, der für Hilfe sorgen kann.
  4. Lade ihn ein. Wer eine Depression hat, neigt dazu, sich zurückzuziehen und abzusondern. Hilf deinem Freund, unter Leute zu kommen. Beziehe ihn bei Aktivitäten in der Kirche ein und bei Gelegenheiten, wo er etwas für andere tun kann. Sei geradeheraus und nimm es nicht persönlich, falls er nicht darauf eingeht. Unter Leuten zu sein verringert das Gefühl der Isolation und die depressiven Gedanken. Dieser Schritt kann dem Betroffenen aber schwerfallen.

Geduld und Nächstenliebe

Wer unter Depressionen leidet, kann nicht einfach einen Zauberstab schwingen und wieder fröhlich sein, in eine andere Haut schlüpfen oder jeden Gedanken an die Krankheit verbannen. Man braucht Geduld und Liebe, um diesen Menschen zu helfen. Womit dein Freund sich auch plagt, denk daran, was Präsident Dieter F. Uchtdorf, Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, gesagt hat: „Am Anfang und am Ende der Lösung steht die Nächstenliebe, die reine Christusliebe.“ („Ein Lob allen Rettern“, Liahona, Mai 2016.) Deine Unterstützung, Ermutigung und Liebe können eine wichtige Rolle dabei spielen, dass dein Freund die erforderliche Hilfe bekommt.

Elder Quentin L. Cook vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt: „Das Leben ist weder leicht, noch soll es leicht sein. Es steckt voller Prüfungen und Unannehmlichkeiten.“ („Mustergültig und erstklassig: Seien Sie tempelwürdig – in guten wie in schlechten Zeiten“, Liahona, November 2015.) Unser Leben auf der Erde ist eine Zeit der Prüfung – und das zu einem göttlichen Zweck. Depressionen können zu den Prüfungen gehören, denen wir hier ausgesetzt sind.

Wenn du mit Depressionen zu kämpfen hast, dann sei dir bewusst: Dies ist kein Zeichen der Schwäche oder etwas, wofür du dich schämen oder was du verbergen musst. Leider werden Depressionen oder andere psychische Störungen mitunter stigmatisiert. So haben Menschen mit Depressionen manchmal das Gefühl, in eine Schublade gesteckt zu werden oder ein Fremdkörper zu sein, und suchen deshalb keine Hilfe. Tatsache ist, dass niemand auf dich herabschaut, wenn du mit einem gebrochenen Bein oder Herzproblemen zum Arzt gehst. Genauso wichtig ist es, Hilfe bei Depressionen zu suchen.

 

Hilfe und Hoffnung

Negative Gedanken und Hoffnungslosigkeit sind Anzeichen für eine Depression und entsprechen nicht wirklich deiner Situation. Es gibt Hilfe und Hoffnung. Hier einige Tipps, was du tun kannst:

  1. Sprich mit jemandem, zum Beispiel deiner Mutter, deinem Vater oder einem Führungsbeamten der Kirche. Es mag nicht leicht sein, sich zu öffnen und zu erklären, wie du dich fühlst, aber es wird dir helfen. Ein stützendes Netzwerk ist wichtig, um Depressionen zu überwinden. Also geh auf andere zu!
  2. Unser Verstand und unser Geist werden durch die Art und Weise beeinflusst, wie wir mit unserem Körper umgehen. Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Betätigung und genügend Schlaf tragen sehr zu unserem körperlichen, seelischen und geistigen Wohlbefinden bei.
  3. Tagebuchschreiben ist eine hervorragende Möglichkeit, negative Gedanken und Gefühle gefahrlos loszuwerden und Probleme zu lösen. Verpflichte dich beim Schreiben, dich auf heilsame und erbauliche Gedanken zu konzentrieren.
  4. Beschäftige dich mit etwas, was den Geist einlädt. Depressionen können dich geistig, körperlich und seelisch beeinträchtigen. Der Heilige Geist gibt uns Frieden und innere Ruhe, die schwer wahrnehmbar sein können, wenn man depressiv ist. Aber es ist wichtig, dass du zum Vater im Himmel betest und ihm sagst, wie du dich fühlst. Denk an deine Segnungen und lies Schriftstellen, die dir Frieden, Hoffnung und Kraft verleihen. Lebe voll Glauben und gib jeden Tag dein Bestes. Wenn du dann immer noch das Gefühl hast, dass du den Geist nicht mehr verspüren kannst, gib nicht auf. Irgendwann wird das Licht wieder scheinen.
  5. Es kann sein, dass deine Depressionen professionell mit Medikamenten und einer Therapie behandelt werden müssen. Nichts spricht dagegen, sich um professionelle Hilfe zu bemühen. Es kann sogar eine sehr gute Lösung sein. Elder Jeffrey R. Holland vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gesagt: „Hätten Sie eine Blinddarmentzündung, würde Gott von Ihnen erwarten, dass Sie um einen Priestertumssegen bitten und die bestmögliche medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Das Gleiche gilt für seelische Störungen. Unser Vater im Himmel erwartet von uns, dass wir uns alle wunderbaren Gaben zunutze machen, die er uns in dieser herrlichen Evangeliumszeit gegeben hat.“ („Wie ein zerbrochenes Gefäß“Liahona, November 2013.)

Depressionen und Würdigkeit

Manch einer meint fälschlicherweise, depressive Gefühle seien die Folge von unrechtem Verhalten oder Unwürdigkeit. Es stimmt zwar, dass Hoffnungslosigkeit vom Übeltun kommt (siehe Moroni 10:22), doch dürfen wir nicht meinen, dass eine Depression immer durch ein sündiges Leben hervorgerufen wird. Wenn jemand aufgrund von Sünde verzweifelt oder traurig ist, ist die Umkehr ein kostbares Geschenk, das uns Freude bringen kann. Wenn du aber aus heiterem Himmel Depressionen bekommst, dann denk nicht, sie seien eine Strafe von Gott oder ein Zeichen für mangelnden Glauben, einen schlechten Charakter oder Unwürdigkeit. Selbst Präsident George Albert Smith hatte viele Jahre mit Depressionen zu kämpfen. Denk daran, dass du ein wertvoller Sohn oder eine wertvolle Tochter Gottes bist. Er kennt dich und liebt dich. „Die Seelen haben großen Wert in den Augen Gottes.“ (LuB 18:10.) Als Kind Gottes bist du von ewigem Wert.

Von der Finsternis zum Licht

Jesus Christus ist gekommen, um alle Finsternis zu vertreiben. Er ist „das Licht und das Leben der Welt“ (3 Nephi 11:11) und „ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint“ (2 Petrus 1:19). Er möchte dir helfen. Der Erretter hat gesagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Matthäus 11:28.) Depressionen mögen ein ständiger Kampf sein. Die Verheißungen Christi sind aber wahr: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch.“ (Johannes 14:18.) Er versteht uns ganz und gar, denn er hat die „Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art“ „jedes lebenden Geschöpfes, sowohl der Männer als auch der Frauen und Kinder“ auf sich genommen (Alma 7:11; 2 Nephi 9:21; Hervorhebungen hinzugefügt). Jesus Christus weiß, wie sich eine Depression anfühlt. Er weiß auch, wie sich deine Depression oder die eines Freundes anfühlt. Mit der Hilfe des Erretters kannst du die Finsternis der Depression überwinden und mehr von all dem Guten sehen, das dich umgibt.

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