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Schüchtern sein ist nicht das Ende

Mindy Raye Friedman

Schüchternheit mag wie ein unüberwindbares Hindernis erscheinen. Du kannst es aber nach und nach aus dem Weg räumen.

Kommt dir die eine oder andere dieser Situationen bekannt vor?

  • Bei Jugendtagungen fühlst du dich nicht wohl, weil dort so viele neue Leute sind.
  • Du weißt im Unterricht zwar die Antwort auf eine Frage, hast aber Angst, dich zu melden.
  • Der Bischof bittet dich, eine Ansprache zu halten, und du könntest vor lauter Nervosität in Ohnmacht fallen.

Wenn dem so ist, hältst du dich wahrscheinlich für schüchtern. Aber was kannst du gegen deine Schüchternheit tun? Zunächst einmal könntest du überlegen, warum du dich vor bestimmten Situationen scheust.

Warum bin ich schüchtern?

Dr. Larry Nelson ist Dozent im Fachbereich Entwicklungspsychologie an der Brigham-Young-Universität und befasst sich vor allem mit Schüchternheit. Er erklärt, dass es zwei Arten von schüchternen Menschen gibt. Die erste ist physiologisch schüchtern. Diese Menschen werden mit einem empfindlichen Nervensystem geboren. Das führt dazu, dass sie in Stresssituationen schnell mit Aufregung reagieren und danach lange brauchen, um sich wieder zu beruhigen.

Damit Menschen, die nicht schüchtern sind, dies verstehen, vergleicht Dr. Nelson es mit einem Gruselfilm. Ein normaler Mensch (jemand, der nicht physiologisch schüchtern ist) betritt das Kino mit normaler Atmung und normalem Puls. Wenn der gruselige Teil des Films kommt, steigt der Blutdruck, die Atmung wird flacher und die Muskeln spannen sich an. Der Stresspegel dieses Menschen ist zu Beginn also niedrig und steigt dann.

Der Stresspegel von physiologisch schüchternen Menschen dagegen liegt schon höher, bevor die Stresssituation überhaupt eintritt. Daher reagieren sie bei Stress viel intensiver als normale Menschen. Sie werden im Prinzip von den Reaktionen ihres Körpers überwältigt.

Dr. Nelson zufolge werden 15 Prozent aller Menschen (also fast jeder Siebte) physiologisch schüchtern geboren. Jedes Jahr bittet er jedoch seine Studenten, sich zu melden, wenn sie sich für schüchtern halten, und normalerweise melden sich über 60 Prozent von ihnen. Warum also halten sich so viele Menschen für schüchtern?

„Sie glauben, dass sie schüchtern sind, weil ihr Herz bei einer ersten Verabredung oder bei einem Vorstellungsgespräch schneller schlägt oder auch wenn sie in der Kirche eine Ansprache halten“, erklärt Dr. Nelson. „Das ist aber eine normale Reaktion auf solche Situationen.“

Ein anderer Grund für diese Einschätzung kann allerdings sein, dass manche von ihnen aufgrund von mangelndem Selbstbewusstsein schüchtern sind. Diese Art Schüchternheit betrifft oft Jugendliche, wenn sie sich zu viele Gedanken darüber machen, was andere Leute über sie denken.

„Manche Menschen machen sich so viele Sorgen darum, was andere denken, dass sie sich zurückziehen, weil andere ja einen schlechten Eindruck von ihnen bekommen könnten oder womöglich über sie urteilen“, meint Dr. Nelson.

Diese Befangenheit führt in Situationen, in denen sie befürchten, dass andere über sie urteilen, zu einer höheren Stressreaktion.

Wie du das ändern kannst

Ganz gleich, warum du schüchtern bist: Um eine Schwäche zu überwinden, musst du den Wunsch haben, dich zu ändern und sie zu überwinden. Du wirst zwar nicht über Nacht von einem schüchternen zu einem extrovertierten Menschen, aber wenn du heute damit anfängst, kannst du dich weiterentwickeln.

Kallie Sommercorn, 19, Studentin in Logan in Utah, erklärt, sie sei schüchtern gewesen, als sie jünger war. „Jedes Mal, wenn ich unter Menschen war, erstarrte ich“, erklärt sie. „Ich wusste nie, was ich sagen soll, und hatte immer das Gefühl, ich würde mich zum Narren machen.“ Sie hatte auch Angst davor, vor anderen zu sprechen oder im Unterricht Fragen zu beantworten. „Als ich in die Oberstufe wechselte, wollte ich das aber unbedingt ändern“, sagt sie.

Also fing Kallie an, sich mehr an Gesprächen zu beteiligen. Sie verhaspelte sich zwar, wenn sie mit Freunden redete oder im Unterricht Fragen beantwortete, aber mit etwas Übung konnte sie ihre Schüchternheit größtenteils überwinden. „Als mir endlich klar wurde, dass andere das, was ich sagte, nicht für dumm hielten, war es viel leichter.“

Wenn du aufgrund von mangelndem Selbstbewusstsein schüchtern bist, so wie Kallie es früher war, musst du dir zunächst einmal bewusst werden, dass Schüchternheit nichts daran ändert, dass du von göttlichem Wert bist. Oft haben wir ein verzerrtes Bild von uns und denken, unser Wert werde von guten Noten, gutem Aussehen oder davon bestimmt, was andere unserer Meinung nach von uns halten. Dann fangen wir an, uns mit anderen zu vergleichen, und unser Selbstwertgefühl sinkt. Mach dir stattdessen bewusst, dass jeder ein Kind Gottes ist. Höre auf, dich mit anderen zu vergleichen, dann fällt es dir leichter, Freundschaften zu schließen.

Tyler McGill, 15, aus Kingston in Massachusetts ist schüchtern, wenn er neue Leute kennenlernt. Er tut sich schwer damit, Freundschaften zu schließen, weil es ihm schwerfällt, ein Gespräch anzufangen. Also versucht er, Gemeinsamkeiten mit anderen zu finden. „Ich habe versucht, meine Schüchternheit dadurch zu überwinden, dass ich zu Pfahlaktivitäten gehe und mich mehr beteilige und mich mit den Jugendlichen unterhalte, mit denen ich viel gemeinsam habe“, sagt er.

Ein Schritt nach dem anderen

Schüchternheit zu überwinden kann man Dr. Nelson zufolge damit vergleichen, dass man versucht, einen Felsbrocken einen Berg hochzuschieben. Man kann ihn nicht mit einem heftigen Stoß ganz nach oben schieben, sondern nur nach und nach in kleinen Etappen. Er empfiehlt denjenigen, die physiologisch schüchtern sind, sich schwierige, aber erreichbare Ziele zu setzen und sich dann langsam, aber stetig zu bemühen, ihre Schüchternheit zu überwinden.

Ganz gleich, warum du schüchtern bist: Um eine Schwäche zu überwinden, musst du den Wunsch haben, dich zu ändern und sie zu überwinden. Du wirst zwar nicht über Nacht von einem schüchternen zu einem extrovertierten Menschen, aber wenn du heute damit anfängst, kannst du dich weiterentwickeln.

Nick Reisner, 17, aus Midvale in Utah erklärt, dass er schüchtern ist, wenn er die Leute um ihn herum nicht gut kennt. Er hat sich aber zum Ziel gesetzt, Leute, die er nicht kennt, einfach kennenzulernen. „Man muss sich in Situationen begeben, in denen man über den eigenen Schatten springen muss.“ Nick fügt hinzu, als er seine Schüchternheit überwand, stellte er fest, dass „es Spaß machte, mit Leuten ins Gespräch zu kommen“.

Anna Melville, 23, eine extrovertierte junge Erwachsene aus San Jose in Kalifornien, erinnert sich an ein Erlebnis, das sie hatte, als sie 12 und „unglaublich schüchtern“ war. Sie ging zu einer Pfahlaktivität für Jugendliche, bei der sie einfach nur mit den Freunden zusammen war, die sie kannte – bis eine Freundin mit ein paar neuen Leuten zu ihr kam.

„Einer der neuen Jungen stellte mir eine Frage, und plötzlich schienen alle Augen auf mich gerichtet zu sein und mir fiel keine Antwort ein“, erinnert sie sich. „Da geriet ich in Panik und verließ schnell den Raum. Ich rannte weinend den Flur entlang und versteckte mich in einem Klassenzimmer, bis ich mich beruhigt hatte. Es war einfach zu viel Druck für mich.“

Und wie hat sie das überwunden? Sie hat den Felsbrocken der Schüchternheit nach und nach immer weiter weggeschoben.

„Zuerst begab ich mich immer nur unter ein paar Leute, und als ich das tat, wurde ich in Gesellschaft anderer allmählich selbstsicherer“, sagt Anna. Sie erklärt Jugendlichen, dass sie an ihre Grenzen gehen müssen. „Zwingt euch, etwas Neues auszuprobieren. Man macht schon dadurch Fortschritt, dass man es versucht, ganz gleich, ob man Erfolg hat oder nicht.“

Nutze deine Stärken

Eine andere Möglichkeit, Schüchternheit zu überwinden, besteht darin, etwas zu finden, was man gern oder gut macht und woran man andere ohne Angst teilhaben lassen kann. Das hat Allyse Meanea aus New Harmony in Utah gemacht.

Allyse sagt, wenn sie unter Leuten ist, die sie nicht kennt, ist sie schüchtern. Außerdem hat sie Angst davor, vor vielen Menschen zu sprechen. „Ich befürchte, dass andere schlecht über mich denken und dass ich versage.“ Aber Allyse tanzt gern und hatte die Gelegenheit, vor einer Gruppe von Leuten ein Solo zu tanzen.

„Wenn ich tanze, bin ich nicht aufgeregt oder schüchtern. Dann kann ich mich selbst und die anderen vergessen und mich auf das konzentrieren, was ich gerade mache. Ich könnte nicht vor anderen sprechen, aber ich kann ohne Probleme vor ihnen tanzen.“

Geh voll Glauben weiter vorwärts

Vergiss auf keinen Fall, den Herrn in deine Bemühungen einzubeziehen. Bete und denk daran, dass der Herr verheißen hat: Wenn du zu ihm kommst, dann hilft er dir und verwandelt deine Schwäche in Stärke (siehe Ether 12:27).

„Ich habe immer wieder gebetet, jemand möge mir helfen, meine Schüchternheit zu überwinden, aber dann wurde mir klar, dass ich die Hilfe des Herrn brauchte, um sie zu überwinden“, erklärt Kallie.

„Bitte den himmlischen Vater um Hilfe dabei, nicht schüchtern zu sein“, meint Nick. „Dann mach dich auf, begib dich in ungewohnte Situationen und lern neue Leute kennen.“ Der Herr wird dir dabei helfen.

Wir sind hier auf der Erde, um Fortschritt zu machen. Schüchtern sein ist eine Herausforderung, aber wenn du deine Schüchternheit überwindest, wächst du daran. Lass nicht zu, dass du wegen deiner Schüchternheit die Kirche verlässt oder nicht auf Mission gehst, weil du nicht in Stresssituationen geraten möchtest. Hol dir Hilfe und arbeite auf deine Ziele hin.

Vielleicht gehen deine Angst und deine Reaktion auf Stressauslöser nie weg, insbesondere wenn du ein physiologisch schüchterner Mensch bist. Aber mit einiger Übung lernst du, wie du mit diesen Reaktionen und mit Stressituationen gut umgehen kannst. Denk einfach daran: Schieb den Felsbrocken langsam, aber stetig den Berg hoch, setz dir schwierige, aber erreichbare Ziele und gehe weiter vorwärts.

Tipps für Schüchterne

Hier sind einige Tipps für Schüchterne:

  • Denk daran, dass du ein besonderer Sohn oder eine besondere Tochter des himmlischen Vaters bist.
  • Bete um Hilfe.
  • Vergiss nicht, zu atmen.
  • Lächle.
  • Gehe an deine Grenzen.
  • Mache kleine Schritte.
  • Übe.
  • Denk an andere und hilf ihnen.
  • Gib nicht auf!

Tipps für diejenigen, die nicht schüchtern sind

Du bist nicht schüchtern? So kannst du denen helfen, die schüchtern sind:

Was du tun solltest:

  • Schließe bei Aktivitäten und Gesprächen alle mit ein.
  • Mache Komplimente.
  • Lerne zusammen mit schüchternen Freunden neue Leute kennen.
  • Finde heraus, welche Talente derjenige, der schüchtern ist, hat.
  • Höre zu.
  • Zeige aufrichtig Interesse.
  • Mache Rollenspiele mit ihnen.

Was du nicht tun solltest:

  • Unterbreche niemanden, der gerade spricht.
  • Weise nicht darauf hin, dass jemand schüchtern ist.
  • Zwinge jemanden, der schüchtern ist, nicht in eine Situation, auf die er nicht vorbereitet ist und in der er sich nicht wohl fühlt.
  • Sprich nicht für deinen schüchternen Freund und tue nichts an seiner Statt.

Probier es mal aus

„In der Schule war ich sehr schüchtern und nutzte nicht die Gelegenheiten, die sich mir boten, meine Talente zu entfalten und zu vermehren. Ich hatte Angst davor, es zu versuchen. … Haben Sie keine Angst davor, es zu versuchen. Haben Sie Selbstvertrauen. Es klappt nie beim ersten Versuch, aber wenn man es immer wieder probiert, gewinnt man Selbstvertrauen und entwickelt neue Talente.“ (L. Tom Perry, „Geben wir das Erbe unserer Familie weiter“, Liahona, September 2006, Seite 12.)

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