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Frühjahr 1991 | Der Gottesdienst am Sonntag

Der Gottesdienst am Sonntag

Frühjahr 1991 Generalkonferenz

„Kommen Sie bewußt zur Gottesverehrung. … Singen Sie Gott begeisterte Loblieder. … Denken Sie, wenn Sie das Abendmahl nehmen, an Jesus Christus."

In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, daß ich eines Tages hier stehen und eine Ansprache halten würde. Ich habe schon daran gedacht, mir ein Kissen zwischen die Knie zu stecken, damit Sie nicht meinen, hier mache sich ein Specht am Pult zu schaffen. Es macht mich zutiefst demütig, vor Ihnen zu stehen, und ich bete, der Geist des Herrn möge mit uns allen sein.

Ich möchte heute über die Abendmahlsversammlung sprechen. Ihr Bischof plant und beaufsichtigt die Versammlung, um dafür zu sorgen, daß sie von Andacht und Dankbarkeit geprägt ist, daß sie der Gottesverehrung dient und daß sie würdig und warmherzig und mit dem Geist des Herrn geleitet wird. Ich hoffe, daß jeder, der kommt, an der Tür begrüßt wird und spürt, daß der Bischof ihn liebhat und er dem Bischof wichtig ist. Das ist ein Symbol für die große, bedingungslose Liebe, die der Herr jedem von uns entgegenbringt. Wir müssen in diesen Versammlungen das Gefühl haben, daß man uns braucht, schätzt und akzeptiert. Niemand darf sich als Fremder fühlen.

Die Abendmahlsversammlung ist die wichtigste Versammlung der Woche, und der Herr hat geboten, daß wir hingehen. Sie bietet uns die Möglichkeit, den Herrn zu verehren. Was bedeutet dieses Verehren? Es bedeutet, daß wir ihm voll Ehrfurcht zeigen, daß wir ihn liebhaben und ihm ergeben sind, daß wir an ihn denken und ihn ehren, daß wir an sein Opfer für einen jeden von uns denken und daß wir ihm danken.

In der Abendmahlsversammlung tun wir das oft durch Beten, Singen, Ansprachen, Schriftstellen und Zeugnis geben. Sein Geist muß da sein. Wir nehmen das Abendmahl zum Gedächtnis seines Leibes und Blutes, als Symbol für seine Auferstehung und sein Sühnopfer. Wenn das Abendmahl ausgeteilt wird, sollen wir an sein Leben und sein Opfer denken. Wir sollen in der Abendmahlsversammlung von Christus reden, uns über Christus freuen, Christus predigen und von Christus prophezeien, um es mit Nephis Worten zu sagen (siehe 2 Nephi 25:26). Und wir haben Gelegenheit, die Lehren der Kirche zu lernen, den Geist zu verspüren und uns erbauen zu lassen.

Die Abendmahlsversammlung ist so wichtig, daß der Herr Joseph Smith diesbezüglich konkrete Anweisungen offenbart hat, und zwar in Abschnitt 59 des Buches, Lehre und Bündnisse': „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen; denn wahrlich, das ist der Tag, der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest; doch sollen deine Gelübde an allen Tagen und zu allen Zeiten in Rechtschaffenheit dargebracht werden; aber denke daran: An diesem Tag, am Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen.

Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei." (LuB 59:9-13.)

Damit unsere Freude vollständig sei. In der Abendmahlsversammlung sollen wir mit Freude erfüllt sein.

Ich möchte nur ein paar Punkte nennen, die uns helfen, an der Abendmahlsversammlung Freude zu haben. Es gibt aber noch viel mehr.

Erstens: Kommen Sie bewußt zur Gottesverehrung. Manche Menschen verstehen das nicht und betrachten die Abendmahlsversammlung einfach als einen Teil der dreistündigen Versammlungen. Das ist sie nicht. Sie muß wirklich der Verehrung des Herrn geweiht sein, wir müssen uns wünschen, ihm nahe zu sein, ihm unsere Liebe zu erweisen, seinen Geist zu spüren. Von unserer Einstellung hängt es ab, wie viel die Versammlung uns bedeutet.

Zweitens: Lehren Sie Ihre Kinder, was die Abendmahlsversammlung bedeutet. Wir wollen, daß unsere Kinder dabei sind, und wir wollen auch, daß sie Andacht lernen, worin sich unsere Liebe zum Herrn kundtut. (Wenn ein Baby laut wird, dann gehen Sie mit ihm nach draußen, bis es sich beruhigt hat.) Wir wollen, daß unsere Kinder wissen: es handelt sich um einen Gottesdienst, in dem wir Jesus verehren und ihm unsere Liebe erweisen. Es wird Sie vielleicht überraschen, wie gut Ihre Kinder das verstehen. Alma sagt im Buch Mormon: „Den kleinen Kindern werden oftmals Worte gegeben, die die Weisen und die, die gelehrt sind, beschämen." (Alma 32:23.) Sie können sehr viel Gespür für den Geist haben. Wir lieben unsere Kinder.

Drittens: Singen Sie Gott begeisterte Loblieder. Wenn wir von ganzem Herzen singen und unsere Liebe zum Herrn bekräftigen, können wir den Geist spüren. Ich muß zugeben, ich bin der schlechteste Sänger der Welt. Als ich ungefähr zwölf war, hat meine Musiklehrerin einmal zu mir gesagt: „Mack, tu uns den Gefallen, nur die Lippen zu bewegen, wenn du versuchst zu singen." Aber ich bemühe mich noch immer, und ich spüre den Geist, wenn ich singe. Das ist ein Segen, der uns allen offensteht.

Viertens: Wenn Sie eine Ansprache halten, dann verwenden Sie Schriftstellen, geben Sie Zeugnis, und reden Sie von Jesus Christus. Ich habe gehört, daß Jesus Christus in manchen Abendmahlsversammlungen nicht einmal erwähnt wird. Ich hoffe, daß das nie vorkommt. Um ihn geht es ja in der Abendmahlsversammlung, und alles was gesagt wird, muß uns ihm näher bringen.

Die heiligen Schriften verkünden uns Jesus Christus und seine Lehren. Verwenden Sie sie in Ihren Ansprachen regelmäßig. Wir entdecken darin neue Schätze, und sie sind für unseren Einblick ins Evangelium ganz wesentlich.

Haben Sie keine Angst, darüber zu sprechen, was Sie für Jesus Christus und sein Evangelium empfinden und welche Erfahrungen Sie mit dem Geist gemacht haben.

Unser Zeugnis wächst, wenn wir das Zeugnis anderer hören. Manche Menschen haben ein stärkeres Zeugnis als andere, und das ist ganz in Ordnung. Jeder von uns wächst im Evangelium. Wir dürfen nicht das Gefühl haben, wir müßten etwas Bestimmtes sagen, was nicht unseren wirklichen Erfahrungen entspricht. Wir dürfen uns dessen, was wir wissen, nicht schämen, gleichgültig wie unser Zeugnis beschaffen ist. Lassen Sie andere daran teilhaben.

Und zum Schluß: Denken Sie, wenn Sie das Abendmahl nehmen, an Jesus Christus. Manche Menschen haben mir gesagt, sie hätten die Abendmahlsgebete schon so oft gehört, daß sie nicht einmal mehr zuhören, wenn das Abendmahl gesegnet wird. Das liegt vielleicht daran, daß sie nicht verstehen, was da gesagt wird. Sie können sich ja bei Gelegenheit Ihre heiligen Schriften vornehmen und diese Gebete studieren. Sie enthalten Grundlegendes und Bedeutsames in bezug auf das, was wir dem Herrn versprechen und was er uns verheißt.

Wissen Sie, wo die Abendmahlsgebete zu finden sind? Im Buch, Lehre und Bündnis- B se', in Abschnitt 20, und im Buch Mormon, ™ Moroni 4 und 5. In den Abendmahlsgebeten für Brot und Wasser, die den Leib und das Blut Jesu Christi symbolisieren, bezeugen (oder versprechen) Sie verschiedenes.

Wenn Sie das Abendmahl nehmen, bezeugen Sie, daß Sie willens sind, den Namen Jesu Christi, des Sohnes, auf sich zu nehmen. Das bedeutet: Sie sind bereit, sich taufen zu lassen, in seinem Namen das Evangelium zu verkünden und ihn in seinem Werk auf Erden zu vertreten. Sie bezeugen außerdem, daß Sie immer an ihn denken und seine Gebote halten wollen. Das sind gewichtige, heilige Versprechen. Und wenn Sie sich daran halten, werden Sie insofern gesegnet, als Sie seinen Geist immer mit sich haben.

Wir lesen im Zweiten Nephi, Kapitel 25, Vers 29: „Es ist der rechte Weg, an Christus zu glauben und ihn nicht zu leugnen; und Christus ist der Heilige Israels; darum müßt ihr euch vor ihm neigen und ihn anbeten mit aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft und mit ganzer Seele."

Ich bete darum, daß wir an der Abendmahlsversammlung Freude haben und Jesus Christus verehren. Ich glaube von ganzem Herzen an Jesus Christus, unseren ältesten Bruder. Mögen wir seine Lehren verstehen und ihm nachfolgen, durch die vom Geist erfüllte Abendmahlsversammlung und indem wir beten und in den Schriften lesen. Dies ist seine Kirche. Durch den Propheten Joseph Smith hat der Herr in der letzten Evangeliumszeit die Fülle des Evangeliums gebracht. Präsident Benson ist heute unser Prophet. Das sage ich im Namen Jesu Christi. Amen.