Der Familienabend – eine Hilfe bei der Missionsarbeit


Ein Abend mit der Familie ist eine einfache Möglichkeit, mit anderen über das Evangelium zu sprechen.

Viele Mitglieder der Kirche suchen nach Möglichkeiten, wie sie ihre Angehörigen oder Freunde an das Evangelium heranführen können. Im Folgenden berichten einige Mitglieder, wie sie den Rat des Propheten befolgt und einen Familienabend gehalten haben und wie sich dadurch nicht nur die Beziehungen innerhalb der Familie vertieft haben, sondern wie sie auch jemand das Evangelium näher bringen konnten.

Das einzige Mitglied

Für mich war es nicht einfach, als Einzige in der Familie der Kirche anzugehören. Ich wollte meine Familie so gern in alles einbeziehen, was ich über die Kirche erfuhr, aber ich hatte Angst, sie würde mir vorwerfen, ich versuche sie zu bekehren. Solche Zweifel quälten mich. Ich wusste, der Herr wollte, dass ich mit meiner Familie über das Evangelium sprach, aber ein ganzes Jahr lang hatte ich Angst davor, überhaupt anzuregen, wir sollten den Familienabend abhalten.

Schließlich – das Herz klopfte mir zum Zerspringen – bat ich den Herrn um den Mut und die Kraft, meine Familie einzuladen, dass wir den Familienabend abhalten. Zu meiner Überraschung sagte sie freudig zu. Unsere Beziehung ist seither so gut wie noch nie.

Durch den Familienabend schaffte ich es, mit meiner Familie über das Evangelium zu sprechen. Ich konnte allen Zeugnis geben – meiner Mutter ebenso wie meiner dreijährigen Nichte. Es macht mich immer wieder glücklich, mit ihnen im Buch Mormon zu lesen und zu hören, dass sie glauben, was sie da lesen. Außerdem sind seither die Missionare bei uns daheim willkommen und helfen uns beim Schriftstudium.

Die größte Segnung aber besteht darin, dass sich meine Familie in dieser turbulenten Zeit – mit Beruf, Schule und allem anderem – verpflichtet fühlt, montags zusammenzukommen und eine gute Stunde damit zuzubringen, mehr über den Herrn zu erfahren. Wir haben Frieden und Liebe in der Familie erfahren, weil wir gemeinsam lachen, singen und beten.

Arlene Pryce, Gemeinde Don Valley, Pfahl Toronto in Ontario

Ein Mittel, die Menschen in der Kirche zu halten

Ich weiß noch, welch große Freude ich an meinem Tauftag verspürt habe. Bald danach erlebte ich jedoch eine Enttäuschung, denn die Missionare regten an, dass ich mich nicht weiter mit einigen meiner damaligen Freunde treffen, sondern mir bessere suchen solle. Was sie da sagten, erschien mir, dem damals Achtzehnjährigen, hart, doch ich vertraute ihnen und tat, was sie mir aufgetragen hatten.

Die Missionare wussten, dass ich Freunde in der Kirche brauchte, und luden mich daher bald zum Familienabend bei Gemeindemitgliedern ein. Ich wollte gern mehr über meinen neuen Glauben in Erfahrung bringen und nahm daher dankbar die Einladung der Familie Shaffer an.

Ihr Zuhause wurde für mich zu einem sicheren Hafen, wo ich in der Geborgenheit schlichter Familienabende nach und nach lernte, was es bedeutet, Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu sein. Nach Dutzenden von Familienabenden bei Familie Shaffer und einem Jahr in der Kirche nahm ich die Berufung als Vollzeitmissionar an.

Mein Vater war der Kirche gegenüber negativ eingestellt und wollte nicht, dass ich auf Mission ginge. Ich ging aber doch und ließ ihn in der Obhut der Familie Shaffer zurück. Es grenzt an ein Wunder, dass ich – nach erst vier Monaten auf Mission – die Nachricht erhielt, dass mein Vater sich taufen lassen wolle. Familie Shaffer hatte ihn zum Familienabend eingeladen – so wie damals auch mich. Ihre Bemühungen machten es ihm leichter, das Evangelium zu verstehen und sich zu bekehren.

Ruben Perez, Gemeinde Cordova, Pfahl Memphis Nord in Tennessee

Man verspürt den Geist

Ich hatte mich vor zehn Jahren der Kirche angeschlossen, war jedoch neun Jahre lang weniger aktiv gewesen. In dieser Zeit hatte ich geheiratet; nun war meine Tochter bereits sieben Jahre alt. Meine Mutter und meine Geschwister lebten bei uns. Ein Bekannter brachte ihnen die Kirche wieder näher, und so kamen die Missionare zu uns zu Besuch. Ich hatte ein Zeugnis von Joseph Smith und dem Buch Mormon, aber die Erkenntnis, die ich mir von der Kirche erworben hatte, war mir abhanden gekommen.

Mein Mann freundete sich mit den Missionaren an und nahm, ohne dessen eigentlich gewahr zu werden, an den Lektionen teil. Jede Lektion dauerte etwa eine Woche. Es fiel ihm schwer, Jesus Christus als den Sohn Gottes anzuerkennen. Neun Monate nach der ersten Lektion hatte mein Mann immer noch das Gefühl, seine Gebete würden nicht beantwortet.

Eines Morgens waren die Missionare da, um mit mir gemeinsam für meinen Mann zu beten. Ich hatte das Gefühl, ich müsse ihm helfen, den Einfluss des Heiligen Geistes zu erkennen. Die Missionare hatten uns einen Familienabendleitfaden gegeben, und am darauf folgenden Montag setzte ich mich mit meinem Mann und meiner Tochter zusammen und begann meinen ersten Familienabend mit einer Lektion über den Heiligen Geist. Mein Mann hörte still zu und dachte nach. An jenem Abend war der Geist sehr stark zugegen und ich fühlte, wie er mir bestätigte, dass die Kirche wahr ist. Das hatte ich schon lange nicht mehr verspürt. Am nächsten Tag gab mein Mann mir Zeugnis und sagte, der Geist habe auch ihm unmissverständlich Zeugnis gegeben. An dem Abend wurde in unserem Herzen ein ewiges, unauslöschliches Feuer entfacht.

Eine Woche später ließ mein Mann sich taufen, und ein Jahr darauf wurden wir im São-Paulo-Tempel in Brasilien gesiegelt. Unserer Ansicht nach ist die Abendmahlsversammlung die wichtigste Versammlung, doch gleich danach kommt der Familienabend.

Elizabeth Duce de Mernies, Gemeinde Lezica, Pfahl Montevideo Nord in Uruguay

Nicht zum Bekehren

Mein Mann und ich waren erst seit kurzem verheiratet. Uns war bewusst, dass der Familienabend dazu da ist, dass die Familie einander mehr Liebe entgegenbringt und einander näher kommt, aber unsere Kinder waren alle schon erwachsen und außer Haus. So fiel es uns schwer, den Familienabend zu halten. Doch dann beschlossen wir, meine Schwiegermutter einzuladen. Sie war 74 Jahre alt und gehörte einer anderen Kirche an. Sie arbeitete in einem Blumenladen und unternahm sonst eigentlich fast nichts.

Zuerst wollte sie eigentlich gar nicht kommen, weil sie von unserem Glauben ja keine Ahnung hatte, doch jetzt freut sie sich auf die Montagabende. Wir essen gemeinsam, wir lachen und hören Musik und sind uns dabei sehr nahe gekommen. Sie mag es nicht, wenn wir sie zu bekehren versuchen, aber manchmal ergibt sich die Gelegenheit, dass wir ihr etwas von der Kirche erzählen. Einmal las ich ihr eine Ansprache von einem Führer der Kirche vor. Wir konnten alle den Geist verspüren. Wir geben ihr die Zeitschrift Ensign, und sie blättert sie ganz durch. Wir haben ihr den Sinn des Tempels erklärt, und sie hat auch schon das eine oder andere Video der Kirche angeschaut. Wir tun das nicht oft – nur dann, wenn der Geist es uns eingibt.

Einmal habe ich sie gebeten, die Lektion für den Familienabend vorzubereiten. Sie brachte Fotos von sich und von meinem Mann als Baby mit. Sie erzählte von Onkeln, Tanten, Opas und Omas. Sie sah dabei so glücklich aus, dass mir schier das Herz zerspringen wollte. Mir wurde bewusst, dass das Gebot, den Familienabend zu halten, vom Vater im Himmel stammt.

Es hat sich immer wieder die Möglichkeit ergeben, meiner Schwiegermutter etwas über das Evangelium zu erzählen. Ich weiß nicht, ob sie sich in diesem Leben der Kirche anschließen wird, aber ich weiß, dass unsere Familie gestärkt worden ist und wir mehr Liebe füreinander entwickelt haben.

Dani Jeanne Stevens, Gemeinde Logan, Pfahl Huntington West in Virginia

Ein siebenjähriger Missionar

Es war an einem Montagabend und schon ziemlich spät. Mein Mann und ich hatten noch viel zu tun, als plötzlich unser siebenjähriger Sohn Sergio auftauchte. „Niemand hat an den Familienabend gedacht“, sagte er. „Wahrscheinlich habt ihr keine Lust.“

Mein Mann war erst spät nach Hause gekommen, und es gab noch viel zu tun; so sagte er müde zu unserem Sohn, dass wir vor dem Schlafengehen noch allerlei zu erledigen hätten. Wir gingen also weiter unserer Arbeit nach.

Kurz darauf bemerkten wir, dass Sergio ganz allein in seinem Bilderbuch Erzählungen aus dem Buch Mormon las. Mein Mann und ich blickten einander an und wussten auch ohne Worte, dass wir trotz der späten Stunde nicht die Gelegenheit verpassen durften, den Familienabend zu halten.

Wir gingen ins Wohnzimmer, doch Sergio sagte uns ganz ruhig, wir brauchten uns keine Sorgen zu machen, denn er habe bereits mit seinem „eigenen Familienabend“ begonnen. Er hatte gesungen, gebetet und war jetzt bei der Lektion. Wir setzten uns hin und hörten zu, wie er von der ersten Vision erzählte.

An jenem Abend war unser Sohn ein machtvoller Missionar. Er gab Zeugnis davon, wie wichtig der Familienabend ist. Meinem Mann und mir wurde klar, dass wir oft einen Grundsatz zu vermitteln versuchen, jedoch nicht willens sind, ihn auch zur Gänze zu befolgen. Wir hätten fürwahr ein schönes Erlebnis verpasst, wenn wir nicht an Sergios „eigenen Familienabend“ teilgenommen hätten.

Cecila Lozada, Gemeinde Maranga, Pfahl Lima Maranga in Peru

Eine verheissung in bezug auf den familienabend

„In der Kirche haben wir ein Familienabendprogramm: Einmal die Woche [am Montagabend] setzen sich die Eltern mit den Kindern zusammen. Sie lesen in den heiligen Schriften, sie sprechen über familiäre Probleme, sie planen gemeinsame Aktivitäten oder Ähnliches. Ich kann ohne zu zögern sagen: Täten dies alle Familien in der Welt, dann gäbe es weitaus mehr Zusammenhalt innerhalb der Familie.“

Präsident Gordon B. Hinckley, „Der Familienabend“, Liahona, März 2003, Seite 3.