In vielen Kalendern steht der Juli für die Jahresmitte. Während Anfang oder Ende einer Sache zumeist gefeiert oder bewusst wahrgenommen werden, bleibt die Mitte oft unbemerkt.

Der Anfang ist die Zeit, da man Entschlüsse fasst, Pläne schmiedet und voller Tatendrang ist. Das Ende ist die Zeit, da man etwas ausklingen lässt. Vielleicht spürt man, dass man etwas vollbracht oder aber etwas verloren hat. Aber der Gedanke, mittendrin zu sein, kann uns ebenfalls zu einer neuen Sichtweise verhelfen und dazu beitragen, dass man das Leben ein bisschen besser versteht und es bewusster lebt.

Mitten in der Missionsarbeit

Wenn ich zu unseren jungen Missionaren spreche, sage ich ihnen oft, sie seien gerade mittendrin in ihrer Mission. Ganz gleich, ob sie am Tag zuvor erst angekommen sind oder am nächsten Tag nach Hause gehen, sollten sie sich doch bitte vorstellen, sie seien gerade mittendrin.

Neue Missionare meinen vielleicht, sie seien zu unerfahren, um etwas erreichen zu können, und zögern es deshalb hinaus, selbstbewusst aufzutreten und beherzt zu sprechen. Erfahrene Missionare, deren Mission sich dem Ende zuneigt, sind vielleicht traurig, dass ihre Mission bald vorüber ist, oder sie verlieren den Schwung, weil sie sich Gedanken darüber machen, was sie nach ihrer Mission anfangen werden.

Unter welchen Umständen und an welchem Ort die Missionare des Herrn auch arbeiten mögen, fest steht, dass sie täglich zahllose Samenkörner säen, um die frohe Botschaft zu verbreiten. Wenn diese treuen Repräsentanten des Herrn nun immer die Einstellung haben, mittendrin in ihrer Mission zu sein, verleiht ihnen dies Mut und zusätzliche Kraft. Und was für die Vollzeitmissionare gilt, gilt auch für uns.

Wir sind immer mittendrin

Solch eine neue Denkweise ist nicht einfach nur ein Trick, der unsere Lebenseinstellung beeinflusst. Hinter dem Gedanken, dass man sich immer in der Mitte befindet, liegt eine großartige Wahrheit. Wenn wir unseren Standort auf einer Karte bestimmen, neigen wir gern dazu, den Ort, wo wir uns gerade befinden, als Ausgangspunkt anzusehen. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass wir uns immer mitten in einem größeren Ganzen aufhalten.

Was für den Raum gilt, gilt auch für die Zeit. Wir mögen meinen, wir stünden am Anfang oder am Ende unseres Lebens. Wenn wir aber unseren Standort im Hinblick auf die Ewigkeit betrachten – wenn uns bewusst ist, dass unser Geist schon seit unermesslichen Zeiten existiert und unsere Seele dank des vollkommenen Sühnopfers Jesu Christi in Ewigkeit existieren wird –, erkennen wir, dass wir in Wahrheit mittendrin sind.

Vor einiger Zeit hatte ich den Wunsch, den Grabstein auf dem Grab meiner Eltern zu erneuern. Der Grabstein war mit der Zeit sehr verwittert, und ich fand, dass ein neuer Grabstein dem vorbildlichen Leben meiner Eltern eher gerecht würde. Als ich die Geburts- und Sterbedaten auf dem Grabstein betrachtete, die wie üblich durch einen unbedeutenden kurzen Strich verbunden waren, rief dieses kleine Zeichen, das eine gesamte Lebensspanne symbolisierte, eine Fülle von Erinnerungen und Gefühlen hervor. All diese kostbaren Erinnerungen sind Momentaufnahmen mitten aus dem Leben meiner Eltern und mitten aus meinem Leben.

Wie alt wir auch sein mögen, wo wir auch leben mögen, was gerade geschieht – immer sind wir mittendrin im Leben. Und das wird auch immer so bleiben.

Die Hoffnung, immer mittendrin zu sein

Ja, es wird im Leben immer wieder Momente geben, die einen Anfang oder ein Ende darstellen, aber das sind nur Markierungen entlang des Weges, den wir jetzt, mitten in unserem ewigen Leben, gehen. Ob wir am Anfang stehen oder am Ende, ob wir jung sind oder alt – der Herr kann durch uns seine Absichten erfüllen, wenn wir einfach die Gedanken ablegen, die uns daran hindern, ihm zu dienen, und wenn wir zulassen, dass sein Wille unser Leben formt.

Der Psalmist schreibt: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.“ (Psalm 118:24.) Amulek ruft uns in Erinnerung, dass „dieses Leben … die Zeit ist, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen; ja, siehe, der Tag dieses Lebens ist der Tag, da der Mensch seine Arbeiten verrichten soll“ (Alma 34:32; Hervorhebung hinzugefügt). Und eine Dichterin sinniert: „Die Ewigkeit besteht aus Augenblicken.“1

Immer mittendrin sein bedeutet, dass das Spiel nie aus ist, die Hoffnung nie verloren, die Niederlage nie endgültig. Ganz unabhängig davon, wo wir uns gerade befinden und wie unsere Umstände aussehen mögen, breitet sich eine Ewigkeit vor uns aus – eine Ewigkeit voll neuer Anfänge und Enden.

Wir sind also immer mittendrin.

Wie man diese Botschaft vermittelt

Vielleicht möchten Sie mit der Familie darüber sprechen, inwiefern man „immer mittendrin“ ist, auch wenn man vor einem Neubeginn oder einem Ende steht. Bestärken Sie sie darin, bei allem, womit sie derzeit beschäftigt ist, ihr Bestes zu geben und weder in der Vergangenheit zu verweilen noch allein auf das zu warten, was noch bevorsteht. Sie können die Familie auch auffordern, sich konkret etwas vorzunehmen, um diesen Rat in die Tat umzusetzen, und ein Datum festzulegen, bis wann sie ihr Ziel erreichen will.

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Anmerkung

  1. 1.

    Emily Dickinson, „Forever – is composed of Nows“, The Complete Poems of Emily Dickinson, Hg. Thomas H. Johnson, 1960, Seite 624