Frauen am Rednerpult

Entscheidungen und Wunder: Und jetzt sehe ich

Irina V. Kratzer

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    An einem Punkt in meinem Leben drangen mir Liebe und das Licht Christi ins Herz. Seitdem hat sich mein Leben für immer verändert.

    Ich weiß, wie es ist, ohne das Evangelium zu leben. So habe ich 30 Jahre lang gelebt. Ich wurde in Russland geboren und stamme von guten Eltern. Als ich dann erwachsen war, heiratete ich und brachte ein entzückendes kleines Mädchen zur Welt. Bald darauf schloss ich mein Studium erfolgreich ab und fand eine Arbeitsstelle, die ich sehr mochte. Dennoch war ich alles andere als glücklich.

    Meine Ehe zerfiel nach und nach. Ich konnte kaum genug für einfache Mahlzeiten für meine Tochter und mich verdienen. Ich sündigte. Ich traf eine falsche Entscheidung nach der anderen. Hunger, Depressionen und schlechte Entscheidungen machten mich unglücklich. Ich machte das Pech dafür verantwortlich. Mir war nicht bewusst, dass ich in vielerlei Hinsicht die natürlichen Folgen meiner Sünden zu tragen hatte. Doch wie sollte ich das auch wissen? Laut dem, was mir beigebracht worden war, gab es keine Sünde.

    In der Sowjetunion wurde Religion nach der kommunistischen Revolution im Jahr 1917 verboten. Bereits im Kindergarten wurde mir beigebracht, dass es so etwas wie Gott nicht gibt und dass nur die kommunistische Partei und Väterchen Lenin dem russischen Volk zum Glück verhelfen konnten. Religiöse Menschen wurden in unserer Gesellschaft heftig verfolgt. Gläubige verloren ihre Arbeit, durften nicht studieren und wurden als „verrückt“ abgestempelt. An der Universität mussten alle den Atheismusunterricht besuchen; dort bewiesen wir, dass Gott nicht existiert. Ich dachte einfach nicht an Gott. Aber meine schlechten Entscheidungen schmerzten mich sehr. Später erkannte ich dann, dass dieser Schmerz das Licht Christi war, das mir ein Gewissen gab, damit ich richtig und falsch unterscheiden konnte.

    Das Leben erschien mir wie ein dunkler Tunnel, an dessen Ende nur das Grab wartete. Ich hatte das Gefühl, langsam zu sterben. Ich wusste nicht, wie man betet, also träumte ich. Ich träumte, dass ich eines Tages meinem elenden Leben entfliehen und von vorn anfangen würde, glücklich und froh. Mein großer Wunsch war es, dass meine Tochter ein besseres Leben haben würde als ich.

    walking through a tunnel

    Foto von Getty Images

    Dann kam das Buch Mormon in mein Leben. Jeden Morgen las ich ein Kapitel, bevor ich zur Arbeit ging. Als ich dieses Buch las, erkannte ich, dass Gott lebt und dass Jesus sein Sohn ist, der auf die Erde kam, um Sündern wie mir zu helfen. Je mehr ich in dem Buch las, desto bewusster wurde mir der Unterschied zwischen den Lehren Christi und meiner Lebensweise. Mir wurde klar, dass ich deshalb so unglücklich war.

    Da war ich bereit für eine drastische Veränderung. Ich werde mich immer an jene Nacht erinnern, als ich die ganze Nacht hindurch weinte, weil mir bewusst wurde, dass mein Leben nicht gut war und meine schlechten Entscheidungen den Menschen geschadet hatten, die ich am meisten liebte. Das war die schmerzvollste Erfahrung meines Lebens. Ich schluchzte und betete die ganze Nacht lang. Als die Nacht vorüber war, war ich erschöpft und konnte nicht mehr weinen. Als dann das erste Morgenlicht erstrahlte, verspürte ich Frieden und Erleichterung. Ich hörte die Worte: „Hier ist meine Hand. Ich werde dich führen und leiten. Aber du musst mir versprechen, dass du dich ändern wirst.“ Und das tat ich. Ich versprach es. Ich wollte diese Führung und Hilfe mehr als alles andere.

    Ich wusste in dieser schmerzvollen, aber auch freudigen Nacht in Russland noch nicht, wie wunderbar die Verheißungen Christi sind. Ich wusste damals noch nicht, dass ich nur wenig später nach Amerika reisen würde, wo ich mehr über das Evangelium lernen und bald getauft werden würde. Ich wusste noch nicht, dass meine Tochter nach Amerika kommen und gemeinsam mit uns glücklich sein würde.

    Christus hat mich mit so vielen Wundern gesegnet, dass mir nicht die geringste Gelegenheit blieb, sein göttliches Wirken in meinem Leben anzuzweifeln.

    Wandeln Sie mit Christus! Halten Sie seine Hand! Weiden Sie sich an seinem Wort. Nehmen Sie sein Licht mit jeder Pore auf, mit Ihrer ganzen Seele. In schweren Zeiten werden Sie nicht einfach in einem dunklen Tunnel zurückgelassen, sondern sind im Licht seiner Liebe und mit noch hellerem Licht vor Ihnen.