Sich vorbereiten, zu lehren

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen zu verstehen, daß er die Pflicht hat, sich darauf vorzubereiten, das Evangelium überzeugend zu lehren.

Einleitung

„Trachte nicht danach, mein Wort zu verkünden, sondern trachte zuerst danach, mein Wort zu erlangen, und dann wird deine Zunge sich lösen; und dann, wenn du es wünschst, wirst du meinen Geist und mein Wort haben, ja, und die Macht Gottes, um Menschen zu überzeugen.“ (LuB 11:21.)

Einander belehren

Bitten Sie die Klasse, LuB 88:77,78 zu lesen. Wen sollen wir belehren?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, das Evangelium zu lehren. Wir können die Familie, unsere Freunde, Nachbarn, Kollegen und Schulkameraden unterweisen. Mitglieder der Kirche können wir in organisierten Klassen belehren und Nichtmitglieder, wenn wir mit ihnen am Arbeitsplatz zusammen sind.

Zeigen Sie Bild 16-a, „Der Vater ist dafür verantwortlich, die Kinder das Evangelium zu lehren“.

Lehren in der Familie

Von der Erschaffung der Erde an wurde uns vom Herrn gesagt, daß wir die große Verantwortung tragen, unsere Kinder das Evangelium zu lehren. Eine gute Zeit, das Evangelium zu lehren, ist der Sonntag oder Montag während des Familienabends; es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten. Die folgende Geschichte veranschaulicht, wie ein Vater es gelernt hat, seine Familie zu belehren:

Es wurde eine Untersuchung bezüglich des Familienabends angestellt, an der mehrere Väter beteiligt waren. Die meisten von ihnen äußerten: „Ich bin kein Lehrer; ich war nie einer und werde nie einer sein.“ Man versprach jedem, daß das Lehren weniger schwer sei, als er es sich vorstellte, wenn er seine Familie jede Woche in einer freundlichen und entspannten Atmosphäre um sich sammelte.

Ein Vater, sein Name war Jerry, schien über die Bitte nicht gerade begeistert zu sein. Er versuchte, sich der Aufforderung zu entziehen, indem er einfach sagte: „Ich kann das nicht.“ Aber er hatte sich verpflichtet, mitzumachen, und man nahm ihn beim Wort.

Drei Monate später, als er gefragt wurde, welche Erfahrung er gemacht hatte, reagierte er sehr freundlich und herzlich, und seine Kinder waren begeistert darüber, was sich bei den Familienabenden abgespielt hatte.

Seine Frau sagte: „Es war eine wunderbare Erfahrung für uns. Die besten Lektionen waren die, die Jerry uns gelehrt hat.“

Jerry sah eine Weile still zu Boden. Dann sagte er: „Ach, so gut war ich gar nicht.“

Seine Frau erwiderte ehrlich überzeugt: „Jerry, wenn du uns belehrt hast, war es einfach so überzeugend. Es schien, als wären wir wirklich eine Familie. Wir werden nie vergessen, was du gesagt hast.“

Jerry war angesichts dieser von Herzen kommenden Worte tief berührt. Er blickte auf und sagte: „Ich denke, ich habe es ziemlich gut gemacht. Ich wollte den Familienabend nicht abhalten, weil ich einfach nicht das Gefühl hatte, daß ich es kann. Aber eines Abends, nachdem meine Frau in der einen Woche eine Lektion unterrichtet hatte und meine Tochter in der anderen, beschloß ich, es auch einmal zu versuchen.“

Seine Augen wurden feucht, als er sagte: „Ich werde nie das Gefühl vergessen, das ich in meinem Herzen verspürte, als ich mit meiner Familie über diese schönen Themen sprach. Es war so, als wäre ich zum ersten Mal der Vater, der ich sein sollte.“ (Siehe George D. Durrant, Love at Home, Starring Father, Seite 41–43.)

Diese Geschichte zeigt, was geschehen kann, wenn wir die Pflicht auf uns nehmen, die Familie zu belehren.

Bitten Sie einige Brüder, von Erlebnissen zu berichten, die sie beim Belehren ihrer Kinder hatten.

Elder Boyd K. Packer hat gesagt: „Bei vielem, was wir tun, belehren wir andere. Wir lehren, wenn wir einem kleinen Kind zeigen, wie es seinen Schuh zubindet, … wenn wir einer Tochter bei einem neuen Rezept helfen, eine Ansprache oder unser Zeugnis geben, eine Führerschaftsversammlung leiten und natürlich, wenn wir eine Klasse belehren – bei all dem lehren wir, und wir tun es ständig. … Wir belehren andere, wenn wir in einer Versammlung sprechen oder eine Antwort geben.“ (Teach Ye Diligently, Seite 2, 3.)

Lehren in der Kirche

Wenn wir andere belehren, tun wir es meist formlos, indem wir miteinander sprechen. Die Kirche bietet uns aber auch die Möglichkeit, in einer Klasse zu lehren.

Elder Boyd K. Packer hat geschrieben: „Jedes Mitglied der Kirche lehrt im Grunde sein ganzes Leben lang. … In allen Organisationen der Kirche haben wir Lehrer. Ein Großteil der Lehrtätigkeit vollzieht sich in den Priestertumskollegien; alle Priestertumsträger müssen damit rechnen, als Heimlehrer eingesetzt zu werden. … Die Kirche schreitet voran, gestärkt durch die Macht des Lehrens, die eingesetzt wird. Die Arbeit des Reiches Gottes wird aufgehalten, wenn nicht überzeugend gelehrt wird.“ (Teach Ye Diligently, Seite 2, 3.)

Manchmal lehren wir nicht in einem Klassenraum, sondern durch unser Zusammensein mit anderen in der Kirche. Die folgenden Geschichten sind Beispiele dafür, wie eine Belehrung außerhalb des Klassenzimmers erfolgte:

„Ich lernte Bischof Fred Carroll kennen, als unsere Familie in seine Gemeinde zog. Ich war damals noch immer ein Diakon im Aaronischen Priestertum, obwohl ich schon über vierzehn war. Dieser große Mann hat mit mir vielleicht nicht mehr als 50 Worte gewechselt, aber 19 davon blieben mir unauslöschlich im Gedächtnis. Ich bin sicher, diesem guten Bischof ist nie bewußt gewesen, welchen gewaltigen Einfluß er mit diesen 19 goldenen Worten auf mich ausgeübt hat, die er mir einmal ruhig und unter vier Augen sagte. Sie lauteten: ,Ich habe bemerkt, wie andächtig du in der Versammlung bist. Du bist den anderen Jungen dadurch ein gutes Beispiel.‘

Nur ein paar Worte, und doch so mächtig! Sie hatten für mich mehr Bedeutung als Hunderte von Aufträgen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich nie als besonders andächtig angesehen. Ich bin ziemlich sicher, daß Bischof Carrol meine schüchterne, zurückhaltende Art fälschlicherweise als Andacht angesehen hatte, aber das machte nichts. Von diesem Augenblick an fragte ich mich, welche Bedeutung Andacht in meinem Leben hatte. Bald hatte ich wirklich das Gefühl, andächtig zu sein. Außerdem, wenn Bischof Carrol dachte, daß ich andächtig sei, war ich es vielleicht wirklich! Aus dem Samen, den er in mir gepflanzt hat, hat sich eine Haltung entwickelt, die seitdem zu einem führenden Einfluß in meinem Leben herangewachsen ist.“ (Lynn F. Stoddard, “The Magic Touch”, Instructor, September 1970, Seite 326, 327.)

Elder Thomas S. Monson hat geschrieben: „Wenn ein glaubenstreuer Lehrer auf die freundliche Einladung des Erretters reagiert – nämlich von ihm zu lernen –, dann lernt er, doch zugleich hat er Anteil an seiner göttlichen Macht. Als kleiner Junge habe ich den Einfluß einer solchen Lehrerin verspürt. In unserer Sonntagsschulklasse belehrte sie uns über die Erschaffung der Welt den Fall Adams und das Sühnopfer Jesu Christi. Sie brachte Mose, Josua, Petrus, Thomas, Paulus und Jesus Christus als Ehrengäste mit ins Klassenzimmer. Obwohl wir sie nicht sehen konnten, lernten wir, sie zu lieben, zu ehren und ihnen nachzueifern.

Nie war ihr Unterricht so packend und ihr Einfluß so nachhaltig wie an einem Sonntagmorgen, als sie uns traurig mitteilte, daß die Mutter eines Klassenkameraden gestorben war. Wir hatten Billy an diesem Morgen vermißt, kannten den Grund für seine Abwesenheit aber bis dahin nicht. Die Lektion behandelte das Thema: ,Geben ist seliger als nehmen.‘ Mitten im Unterricht schloß die Lehrerin den Leitfaden und öffnete uns die Augen, Ohren und das Herz für die Herrlichkeit Gottes. Sie fragte: ,Wieviel Geld haben wir in der Klassenkasse?‘

Es war während der Zeit der Wirtschaftsdepression, und so waren wir stolz, antworten zu können: ,4 Dollar und 75 Cent.‘

Dann schlug sie sehr freundlich folgendes vor: ,Billys Familie ist in großer finanzieller Not und hat jetzt auch noch diesen Kummer. Was haltet ihr davon, die Familie an diesem Morgen zu besuchen und ihr das Geld aus der Klassenkasse zu geben?‘

Ich werde mich immer an die kleine Gruppe erinnern, die die drei Straßen zu Billys Haus ging, eintrat und ihn, seinen Bruder, seine Schwester und seinen Vater begrüßte. Die Abwesenheit der Mutter war deutlich zu spüren. Auch die Tränen werde ich immer in Erinnerung behalten, die allen in die Augen traten, als der weiße Umschlag mit unserem kostbaren Klassengeld von der zierlichen Hand unserer Lehrerin in die des Vaters wechselte, dessen Herz gebrochen war und der das Geld für seine Familie dringend brauchen konnte. In heiterer Stimmung gingen wir den Weg zum Gemeindehaus zurück. Unser Herz war leichter als jemals zuvor, unsere Freude vollkommener, unser Verständnis größer. Eine von Gott inspirierte Lehrerin hatte ihre Jungen und Mädchen eine ewige Lektion göttlicher Wahrheit gelehrt. ,Geben ist seliger als nehmen.‘“ (“Only a Teacher”, Ensign, Mai 1973, Seite 29.)

In der welt Lehren

Jedes Mitglied der Kirche ist ein Missionar mit der Verpflichtung, das Evangelium durch Wort und Tat jedem zu lehren, mit dem er in Kontakt kommt. Bei der Taufe haben wir ein Bündnis geschlossen, „allzeit und in allem, wo auch immer [wir] uns befinden mögen, ja, selbst bis in den Tod, als Zeugen Gottes aufzutreten“ (Mosia 18:9). Wenn wir unsere Freunde und Nachbarn belehren, sollen wir das sanft und demütig tun (siehe LuB 38:40,41).

Wir haben die große Verantwortung, nicht nur unsere Kinder oder die Mitglieder der Kirche zu belehren, sondern jeden, mit dem wir in Kontakt kommen.

Zeigen Sie Bild 16-b, „Bei der Vorbereitung des Unterrichts soll man an jeden denken“ und Bild 16-c, „Zur Unterrichtsvorbereitung gehören das Schriftstudium und Gebet“.

Sich darauf vorbereiten, das Evangelium zu lehren

Wenn wir ein guter Lehrer werden wollen, müssen wir uns gut vorbereiten. „Kein Lehrer kann etwas lehren, das er selbst nicht weiß“, hat David O. McKay uns gesagt. „Kein Lehrer kann etwas lehren, das er selbst nicht sieht und fühlt.“ (Treasures of Life, Seite 476.)

Warum ist es wichtig, daß wir uns alle – die jungen Männer eingeschlossen – darauf vorbereiten, gut zu unterrichten? Welche Ideen zur Unterrichtsvorbereitung finden Sie in der folgenden Aussage?

„Legen Sie eine feste Zeit und einen bestimmten Ort für die Unterrichtsvorbereitung fest. Sorgen Sie dafür, daß Sie alles, was Sie benötigen – heilige Schriften, Leitfaden, Nachschlagewerke, Stift und Papier –, griffbereit haben. Beginnen Sie die Vorbereitung, indem Sie den Herrn zu Rate ziehen – den Meister der Planung. Es ist sein Evangelium; Sie sind sein Lehrer, der seine Kinder belehrt. Fragen Sie den Herrn, wie er die Botschaft gelehrt haben möchte. Wenn Sie auf etwas besonders eingehen wollen, soll Fasten das Gebet begleiten, damit Sie mit dem Geist des Herrn in Einklang kommen.“ (Teacher Development Program, Basic Course, überarbeitet 1972, Seite 133.)

Schreiben Sie an die Tafel, was man tun und welche Materialien man zur Unterrichtsvorbereitung bereithaben soll.

Präsident David O. McKay war von Beruf Lehrer, bevor er als Generalautorität berufen wurde. Er schlug vier Schritte zur Vorbereitung eines Unterrichts vor:

DAS UNTERRICHTSZIEL BESTIMMEN

Das Ziel ist der Gedanke, den die Klassenteilnehmer verstehen und in die Tat umsetzen sollen. Schreiben Sie Ihr Ziel nieder, und denken Sie darüber nach, während Sie die Lektion vorbereiten.

DAS UNTERRICHTSMATERIAL KENNEN

Sorgen Sie dafür, daß Sie die Lektion gut genug kennen, damit Sie sie in eigenen Worten wiedergeben können. Schriftstellen und Zitate können natürlich aus dem Leitfaden vorgelesen werden.

DURCH STUDIEREN UND NACHFORSCHEN ANSCHAUUNGSMATERIAL SAMMELN

Gebrauchen Sie interessantes Anschauungsmaterial, wie Tabellen, Bilder oder andere hilfreiche Gegenstände, um Interesse am Unterricht zu wecken. Das ist beim Belehren aller Altersstufen wichtig.

ANSCHAUUNGSMATERIAL UND UNTERLAGEN ORDNEN

Sorgen Sie dafür, daß Sie alles zur Hand haben, was Sie während des Unterrichts brauchen. Dazu gehören Kreide oder Stifte, Schwamm, Papier, Bleistifte und visuelle Hilfsmittel. Um ein Durcheinander während des Unterrichts zu vermeiden, soll alles in der Reihenfolge geordnet sein, in der es im Unterricht gebraucht wird.

Lernen, diejenigen zu lieben, die wir belehren

Elder Boyd K. Packer hat gesagt: „Ein guter Lehrer hat die Lektion vorher studiert. Ein erstklassiger Lehrer studiert auch seine Schüler – er studiert sie ernsthaft und zu einem bestimmten Zweck. … Wenn Sie die Gesichtszüge und den Gesichtsausdruck der Schüler sorgfältig studieren, kann sich in Ihrem Herzen sehr wohl die Wärme christlichen Mitgefühls einstellen. … Mitgefühl ist mit Inspiration verwandt; Liebe wird Sie dazu veranlassen, das Werk des Herrn zu tun – seine Schafe zu weiden.“ (“Study Your Students”, Instructor, Januar 1963, Seite 17.)

Anderseits entwickeln die Klassenteilnehmer, die geliebt werden, mehr Selbstvertrauen und den Wunsch, sich zu verbessern. Sie sind aufmerksamer, kooperativer und hilfreicher im Unterricht. Vor allem aber lernt jeder, der geliebt wird, andere zu lieben.

Mit dem Geist lehren

Wenn ein Lehrer seine Klasse lieben soll, muß er für Inspiration vom Herrn empfänglich sein. Nur so wird er die Bedürfnisse seiner Klassenteilnehmer wirklich verstehen. Präsident Brigham Young hat gesagt: „Nach all unseren Bemühungen, Weisheit aus den besten Büchern usw. zu erlangen, bleibt noch immer eine offene Quelle für jeden: ,Fehlt es einem von euch aber an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten.‘“ (Discourses of Brigham Young, Seite 262.)

Die Fähigkeit zu lehren, ist eine Gabe, die wir von unserem Vater im Himmel erhalten. Wenn wir ihn fragen, wird er uns bei der Unterrichtsvorbereitung und in dem Bemühen, jeden Klassenteilnehmer kennen- und liebenzulernen, und während des Unterrichtens inspirieren. Wenn wir mit seinem Geist lehren, lehren wir mit Macht. (Weitere Informationen siehe Lektion 18, „Lehren durch die Macht des Heiligen Geistes“.)

Schluß

Präsident David O. McKay hat gesagt: „Es gibt keine größere Aufgabe im Leben, als eine Menschenseele zu unterweisen. Ein großer Teil der persönlichen Verwalterschaft eines jeden Elternteils und Lehrers in der Kirche besteht darin, zu lehren und zu unterweisen.“ (Vaughn J. Featherstone, “The Impact Teacher”, Ensign, November 1976, Seite 103.) Wir haben die Pflicht, unsere Kinder, andere Mitglieder der Kirche und unsere Mitmenschen, die keine Mitglieder sind, im Evangelium zu unterweisen. Dazu ist es notwendig, daß wir uns selbst vorbereiten, indem wir das Evangelium studieren und danach leben.

Wie hilft uns ein rechtschaffenes Leben dabei, das Evangelium überzeugender zu lehren?

Aufgabe

  • Studieren Sie, und beten Sie um den Einfluß des Heiligen Geistes, wenn Sie die Lektion für den nächsten Familienabend vorbereiten und unterrichten.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Deuteronomium 6:1–7 (Es ist wichtig, Kinder ständig zu belehren.)

  • Mosia 4:14,15 (Wie man Kinder richtig belehrt.)

  • LuB 68:25–28 (Eltern müssen ihre Kinder das Evangelium lehren.)

  • LuB 130:18 (Das Wissen, das wir uns in diesem Leben angeeignet haben, wird mit uns in der Auferstehung hervorkommen.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Erinnern Sie alle daran, die heiligen Schriften zum Unterricht mitzubringen.

  2. 2.

    Sie können verschiedene Brüder beauftragen, positive Erlebnisse zu berichten, die sie beim Belehren ihrer Kinder hatten.

  3. 3.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, im Unterricht Geschichten oder Schriftstellen vorzutragen.