2012
Eine wahre Freundin
Juni 2012


Eine wahre Freundin

„Deine Freunde stehen doch zu dir.“ (LuB 121:9)

Das Briefchen war auf blaues Papier geschrieben und an den Ecken mit einer Zickzacklinie verziert, deshalb wusste Melanie, dass es von Rachel war, auch wenn Jeremy es ihr in die Hand drückte. Melanie schaute sich um. Sie waren gerade mit Lesen fertig, und ihre Klassenkameraden waren damit beschäftigt, das Buch in die Schultasche zu stecken.

Melanie wusste schon, wie der Brief begann: „Liebe beste Freundin.“ Sie lächelte vor sich hin. Rachel und sie waren schon seit der zweiten Klasse Freundinnen. „Wir sind immer noch beste Freundinnen, obwohl wir so verschieden sind“, dachte Melanie, als sie den Zettel auffaltete.

Liebe beste Freundin,

rauchst du?

– Rachel

Melanie war erstaunt. „Rachel und ich sind doch die ganze Zeit zusammen“, dachte sie. „Weiß sie nicht, dass ich nicht rauche?“

Sie schrieb unter die Zeilen:

Nein, ich finde Rauchen blöd. Warum fragst du?

– Melanie

Melanie gab Jeremy den Zettel zurück. Bald darauf bekam sie ihn wieder zurück. Melanie las:

Ich hab bei meiner Tante ein Päckchen Zigaretten mitgehen lassen. Wollen wir es nach der Schule mal mit dem Rauchen probieren?

– Rachel

Melanie starrte auf den Zettel. Sie schrieb:

Rachel, warum willst du rauchen? Es schadet dir doch! Ich weiß, dass du gerne etwas Neues ausprobierst, aber das ist doch nicht gut für dich!

– Melanie

Rachel schrieb zurück:

Ein paar Zigaretten sind doch nicht schlimm. Ich will ja nicht die ganze Packung rauchen.

– Rachel

Melanie war zum Weinen zumute. Sie schrieb:

Du bist meine Freundin und ich hab dich lieb. Bitte rauche nicht.

– Melanie

Melanie beobachtete Rachel, als sie das Briefchen las. Nun sah Rachel aus, als würde sie gleich losheulen. Sie hielt den Zettel lange in der Hand. Dann schrieb sie etwas darauf. Als Melanie den Zettel zurückbekam, las sie:

Danke. Ich hab dich auch lieb. Ich werd die Zigaretten nicht rauchen.

Melanie war froh, dass sie sich dafür entschieden hatte, ein gutes Beispiel zu geben. Sie war ganz erleichtert, dass Rachel die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Illustration von Matt Smith