Stimmen von Heiligen der Letzten Tage

Als unser Baby aus diesem Leben schied

Rocio Alvarado

Santiago, Chile

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    baby holding mothers hand

    Illustration von Allen Garns

    Nach dem ersten Ultraschall teilte uns der Arzt mit, dass unser Baby womöglich das Down-Syndrom hatte. Das kam völlig unerwartet für meinen Mann und mich, und die Zukunft sah plötzlich ganz anders aus.

    Während der gesamten Schwangerschaft war ich voller Fragen und Sorgen, was uns wohl erwartete. Dennoch bereiteten wir uns sorgfältig auf die Ankunft unseres Babys vor. Als der Tag endlich da war, spürte ich im Innersten, dass da ein wunderschönes und besonderes Menschenkind zur Welt kam.

    Wir nannten unseren kleinen Sohn Santiago. Kurz nach der Geburt erfuhren wir, dass er nicht nur das Down-Syndrom hatte, sondern dass es auch mehrere ernste gesundheitliche Komplikationen gab, die das Herz, die Leber und die Lungen beeinträchtigten. Sofort schlossen die Ärzte und die Krankenschwestern ihn an die künstliche Beatmung und die Herz-Lungen-Maschine an. Die Tage im Krankenhaus vergingen und mein Mann und ich besprachen immer wieder, wie wir Santiago zusammen mit seinen Brüdern aufziehen wollten. Dabei wurde uns bewusst, wie sehr wir den Vater im Himmel brauchten.

    Unserem kleinen „Santi“ ging es nach einer Weile gut genug, dass er nicht mehr künstlich beatmet werden musste. Als er anfing, eigenständig zu atmen, war es, als würde er sagen: „Mama, ich werde stark sein und meinen Teil tun.“ Er drückte unsere Finger mit seiner winzigen Hand. Er war stark, doch sein Herz hielt nicht durch. Er hatte einen Herzstillstand und kurz darauf kehrte er zum Vater im Himmel zurück.

    Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal so etwas durchmachen müsste. Mit so großer Vorfreude auf die Ankunft eines Kindes zu warten, so viele Pläne für es zu schmieden und es dann aus dem Leben scheiden zu sehen ist eine der schmerzlichsten Erfahrungen, die ein Vater und eine Mutter durchmachen können.

    Mein Mann und ich gingen nach Santiagos Beerdigung in den Tempel. Als wir ihn betraten, empfingen wir Trost. Ich wusste, dass ich mein Baby eines Tages kennenlernen werde und ihm eine Mutter sein darf. Ich bin dankbar, dass es Tempel gibt und dass die Familie in alle Ewigkeit bestehen kann. Es ist nun an uns, so zu leben, dass wir wieder mit unserem kleinen Santiago zusammen sein können.