Der Lohn der Rechtschaffenheit
    Fußnoten

    Der Lohn der Rechtschaffenheit

    Nach der Ansprache „The Rewards of Righteousness“, die am 2. Mai 2014 bei der Frauenkonferenz der BYU gehalten wurde.

    Wer rechtschaffen ist, dem bleibt keine Gabe versagt.

    Die Welt ist buchstäblich in Aufruhr (siehe LuB 45:26). Viele unserer Herausforderungen spielen sich im geistigen Bereich ab. Es geht um gesellschaftliche Fragen, die der Einzelne kaum lösen kann. Dennoch kann jeder Einzelne den Lohn für sein Verhalten ernten – auch wenn die Rechtschaffenheit in aller Welt abnimmt.

    Allein der Gedanke, Rechtschaffenheit könne einen Lohn nach sich ziehen, ist mit den Vorstellungen der heutigen Welt kaum vereinbar. Menschen davon zu überzeugen, das Rechte zu wählen, war noch nie leicht. „Der natürliche Mensch ist ein Feind Gottes.“ (Mosia 3:19.) Es hat schon immer „in allen Dingen einen Gegensatz“ gegeben (2 Nephi 2:11).

    Heutzutage sind die Zweifler in dem „großen und geräumigen Gebäude“ (1 Nephi 8:31) allerdings lauter, streitsüchtiger und weniger tolerant, als ich es je erlebt habe. Ihr schwach gewordener Glaube tritt zutage, wenn sie sich bei vielen Fragen vor allem darum sorgen, wie sie einmal im Buch der Geschichte bewertet werden, anstatt darum, wie sie eigentlich vor Gott dastehen. Es gab eine Zeit, als die Menschen größtenteils der Auffassung waren, man werde anhand der Gebote Gottes beurteilt und nicht anhand der jeweils vorherrschenden Ansichten oder Anschauungen. Manch einem bereitet es eher Sorgen, ob er von anderen verspottet wird, als ob er von Gott gerichtet wird.

    Der Kampf zwischen Gut und Böse ist nicht neu. Aber heute kommen viel mehr Menschen fälschlicherweise zu dem Schluss, es gäbe keinen Maßstab für Moral oder Rechtschaffenheit, an den sich alle halten sollten.

    Ungeachtet dessen hat die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage heute mehr treue Mitglieder denn je. Die Mitglieder der Kirche sind gemeinsam mit anderen, die ähnliche sittliche Werte haben, wie eine Insel des Glaubens in einem Meer von Zweifel und Unglaube. Wir wissen, wie einst der Prophet Alma erklärte, dass „schlecht zu sein … noch nie glücklich gemacht [hat]“ (Alma 41:10) und dass der Plan des Vaters für seine Kinder ein „Plan des Glücklichseins“ ist (Alma 42:8,16).

    Ich möchte ein paar Anregungen geben, die Ihnen und Ihrer Familie helfen, den Lohn der Rechtschaffenheit zu erkennen und zu erlangen.

    Geistige Gesinnung

    „Wie räume ich materiellen Belangen den richtigen Stellenwert ein, wenn ich geistig Fortschritt machen will?“

    Wir gehören einfach zu dieser Welt. Gerade die materiellen Aspekte des Alltags sind eine Herausforderung. Die Gesellschaft neigt dazu, nur den weltlichen Lohn im Blick zu haben.

    Im Geleitwort zum Buch Lehre und Bündnisse wird genau dieses Problem aufgegriffen. Wir werden vor Gefahren gewarnt, erhalten Anleitung, wie wir uns vorbereiten und jetzt und in Zukunft schützen können, und gewinnen einen tiefen Einblick in das Thema: „Sie suchen nicht den Herrn, um seine Rechtschaffenheit aufzurichten, sondern jedermann wandelt auf seinem eigenen Weg und nach dem Abbild seines eigenen Gottes, dessen Abbild dem der Welt gleicht und dessen Wesen das eines Götzen ist.“ (LuB 1:16.)

    Präsident Spencer W. Kimball (1895–1985) hat einmal gesagt, dass Auszeichnungen, Universitätsabschlüsse, Eigentum, Häuser, Mobiliar und andere materielle Güter Götzen sein können. Laut seinen Worten schaffen wir uns Götzen, wenn wir solchen an sich ehrenwerten Zielen ein derart großes Gewicht beimessen, dass unsere Gottesverehrung darunter leidet und wir in unserem Bemühen nachlassen, Gottes Rechtschaffenheit aufzurichten und das Erlösungswerk unter den Kindern des himmlischen Vaters zu verrichten.1

    Die Ansichten der Welt verleiten uns manchmal dazu, uns auf Dinge zu konzentrieren, die zwar nicht unbedingt so dramatisch sind wie das Streben nach großem Reichtum, die uns aber dennoch von unserer tiefen Hingabe an Gott abbringen.

    Vor Jahren wurde ich auf eine interessante Darstellung aufmerksam gemacht, ein großes Banner, unter dem verschiedene Szenen abgebildet waren. Auf dem Banner stand zu lesen: „Wenn Christus heute Abend käme, zu wem würde er wohl kommen?“ Wenn ich mich recht entsinne, waren auf den Bildern folgende Szenen zu sehen:

    • eine kranke, ältere Frau im Bett, betreut von einer Krankenschwester

    • eine glückliche Mutter mit ihrem neugeborenen Baby

    • eine Familie mit hungrigen, weinenden Kindern

    • eine wohlhabende Familie

    • eine nette, bescheidene Familie mit vielen Kindern, die gemeinsam fröhlich Lieder sangen

    Wir wissen, dass wir weder den Tag noch die Stunde kennen, wann der Erretter wiederkehrt. Als Christen wissen wir auch, dass wir uns um die Armen und die Bedürftigen, die Witwen und die Waisen kümmern müssen. Allerdings wäre es sinnvoller gewesen, den Spruch auf dem Banner so zu formulieren: „Wenn Christus heute Abend käme, wer wäre wohl vorbereitet, ihm zu begegnen?“

    Mein zweiter Gedanke war, dass die Bilder zwar die äußere Situation der Menschen wiedergaben, jedoch nichts darüber aussagten, inwieweit sie geistig gesinnt waren oder sich Christus verpflichtet fühlten.

    Der Ausgangspunkt, von dem wir unser Leben und unsere Hingabe an den Erlöser und sein Evangelium betrachten sollten, ist die Taufe. Wenn wir nicht neubekehrt oder noch sehr jung sind, liegt unsere Taufe bereits Jahre zurück.

    Der große und wortgewandte Prophet Alma fragt uns: „Und nun siehe, ich sage euch, meine Brüder: Wenn ihr eine Herzenswandlung erlebt habt und wenn euch so zumute gewesen ist, als solltet ihr den Gesang der erlösenden Liebe singen, so frage ich euch: Ist euch auch jetzt danach zumute?“ (Alma 5:26.)

    Alma fährt dann mit seiner tiefgründigen Botschaft fort, die auch heute noch von Bedeutung ist. Im Wesentlichen stellt er den Mitgliedern der Kirche die Frage, ob sie – wenn sie denn sterben müssten – bereit seien, Gott zu begegnen. Alma hebt dann vier Eigenschaften hervor, die man braucht, um vor Gott untadelig zu sein.

    Erstens: „[Sind wir] genug demütig gewesen?“ Das ist gewissermaßen die Rückkehr zu den Voraussetzungen für die Taufe – Demut zeigen und ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist haben.

    Zweitens: „[Haben wir] den Stolz abgelegt?“ Alma warnt uns davor, den Heiligen mit Füßen zu treten und uns voll Stolz aufzublähen, indem wir unser Herz auf die Nichtigkeiten der Welt setzen und meinen, besser als andere zu sein.

    Drittens: „[Haben wir] den Neid … abgelegt?“ Für diejenigen, die reich gesegnet worden sind, jedoch keine Dankbarkeit zeigen und stattdessen nur das sehen, was andere haben, kann Neid äußerst schädlich sein. „Der Neid auf den Lebensstil des anderen“2 hat zugenommen, seitdem für einen Großteil der Gesellschaft nicht mehr der Glaube und die Familie an erster Stelle stehen, sondern das Streben nach Ruhm und Reichtum.

    Viertens: Verspotten oder verfolgen wir unsere Brüder und Schwestern? Heutzutage würde man das wohl Mobbing nennen (siehe Alma 5:27-30,53,54).

    Gibt es denn etwas, was besser auf die Probleme unserer Zeit zugeschnitten ist als diese Botschaft über Demut, Stolz, Neid und Verfolgung? Die große Debatte in weiten Teilen der Welt dreht sich um alltägliche wirtschaftliche Probleme. Es wird aber wenig darüber gesprochen, dass man zu den christlichen Grundprinzipien zurückkehren sollte. Diese bereiten uns darauf vor, Gott zu begegnen. Auch schulen sie unseren Geist. Wir müssen unser Leben auf die wichtigen und geistigen Belange ausrichten.

    Eine rechtschaffene Familie

    „Sollen wir unsere Kinder in einer Gegend aufziehen, wo es nur wenige Mitglieder der Kirche gibt und wo man von viel Übel, Streit und Widerstand gegen alle Rechtschaffenheit umgeben ist?“

    Diese Sorge trieb meine Frau und mich um, als wir in den späten Sechzigerjahren mit unseren kleinen Kindern in der Gegend um die Bucht von San Francisco wohnten. Es gab dort nur relativ wenige Mitglieder. Größtenteils lebten dort wunderbare Menschen, doch war die Region zu einem Magneten für Drogenkonsum und alle Arten von sittenlosem und sündigem Verhalten geworden.

    Der gesellschaftliche Wandel war so erheblich, dass ein besorgter Pfahlpräsident bei der Führung der Kirche nachfragte, ob man den Heiligen der Letzten Tage überhaupt dazu raten könne, in dieser Gegend zu bleiben. Elder Harold B. Lee (1899–1973), damals einer der dienstältesten Apostel, wurde beauftragt, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Er erklärte, der Herr habe nicht durch Inspiration den Bau eines Tempels in dieser Gegend veranlasst, nur um die Mitglieder von dort wegziehen zu lassen. Sein Rat war so einfach wie tiefgründig:

    1. Errichten Sie Zion in Ihrem Herzen und in Ihrer Familie.

    2. Seien Sie ein Licht für Ihre Mitmenschen.

    3. Konzentrieren Sie sich auf die heiligen Handlungen des Tempels und auf die Grundsätze, die dort gelehrt werden.

    Wir nahmen uns Elder Lees Rat zu Herzen und bemühten uns, ihn in unserer Familie umzusetzen.

    Wer Zion im Herzen und in der Familie aufrichten will, muss vor allem darauf achten, dass der Glaube zu Hause gelebt wird: durch das tägliche Familiengebet, Schriftstudium und den wöchentlichen Familienabend. Hier haben wir Gelegenheit, unsere Kinder zu unterweisen und zu erziehen. Dies soll in Liebe und Güte geschehen, ohne unsere Kinder oder unseren Ehepartner unnötig zu kritisieren.

    Ganz unabhängig davon, wo wir leben – und auch wenn wir alles richtig machen –, treffen manche Kinder vielleicht unkluge Entscheidungen, die auf verbotene Pfade führen. Deshalb ist es wichtig, dass wir unseren jungen Leuten dabei helfen, sich schon im Voraus zu überlegen, was sie sagen und tun wollen, wenn sie jemand zu ungebührlichem oder unmoralischem Verhalten verleiten will.

    Unsere Kinder gingen auf Schulen, an denen es nur zwei oder drei Mitglieder der Kirche gab. Zu Beginn jedes Schuljahrs und vor Schulveranstaltungen haben wir beim Familienabend immer darüber gesprochen, wie sie am besten reagieren, wenn sie in eine problematische Situation geraten. Wir haben sie gefragt, was sie Freunden entgegnen würden, die ihnen einreden wollen: „Sei nicht dumm, das tut doch jeder!“, „Deine Eltern erfahren es doch nicht!“ oder „Einmal ist keinmal!“

    Wir haben darüber gesprochen, dass wir dem Herrn Rechenschaft schulden.

    Wir haben sie darauf hingewiesen, dass man dem Beispiel Jesu folgt, wenn man sich anständig kleidet, auf eine saubere Sprache achtet und Pornografie meidet – was man heutzutage leider schon kleinen Kindern beibringen muss, damit sie ein reines Leben führen können.

    Wir haben ihnen von Josef erzählt, der die Flucht ergriff, als sich Potifars Frau ihm ungebührlich näherte (siehe Genesis 39:7-12).

    Jedes unserer Kinder hatte mindestens ein Erlebnis, für das diese Vorbereitung enorm wichtig war. Die meiste Zeit jedoch wurden sie von ihren Freunden beschützt, die ihre Grundsätze und Glaubensansichten ja kannten.

    Nachdem unsere Tochter Kathryn ans College gewechselt war, rief sie einmal ihre Mutter an, um ein Problem mit ihr zu besprechen. Meine Frau Mary erzählte ihr, weshalb sie den Heiland liebte, und verwies im Laufe des Gesprächs immer wieder auf sein Beispiel und seine Eigenschaften.

    Ich bin davon überzeugt, dass man in nahezu jedem Teil der Welt Kinder zur Rechtschaffenheit erziehen kann, wenn sie in Jesus Christus und seinem Evangelium festen Halt finden. Nephi berichtet, wie er seine Familie und sein Volk unterweist: „Wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen von Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gemäß unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen mögen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden erhoffen können.“ (2 Nephi 25:26.)

    Wenn wir so vorgehen, wissen unsere Kinder, dass nicht alles verloren ist, auch wenn sie unkluge Entscheidungen treffen, und sie finden den Weg zurück nach Hause. Ich möchte Ihnen versichern, dass Sie und Ihre Familie gesegnet werden, wenn Sie bemüht sind, jeden Ihrer Angehörigen durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus zu stärken.

    Wenn wir Elder Lees Ratschlag befolgen und unseren Mitmenschen ein Licht sind, können wir nicht verbergen, wer wir sind. Unser Verhalten muss unsere Werte und unseren Glauben widerspiegeln. Wo es angebracht ist, soll man sich öffentlich engagieren.

    Wenn wir so leben, dass wir für einen Tempelschein würdig sind, die heiligen Handlungen des Tempels empfangen und unseren Bündnissen treu sind, behalten wir unser Ziel im Auge und bleiben auf dem Weg des Bundes. Wenn unsere Jugendlichen so leben, dass sie würdig sind, sich für Verstorbene taufen zu lassen, ist ihr Leben in Ordnung.

    Wir müssen unsere Energie zur Stärkung der Familie einsetzen und von Christus reden, uns über ihn freuen, von ihm predigen und prophezeien, damit wir uns an einer rechtschaffenen Familie erfreuen und auf ewig zusammen sein können.

    Denjenigen, die alleinstehend sind, aber ein rechtschaffenes Leben führen, macht unsere Lehre Mut: „Treue Mitglieder, deren Lage es nicht zulässt, dass sie in diesem Leben eine ewige Ehe eingehen und Eltern werden, empfangen alle verheißenen Segnungen in der Ewigkeit, wenn sie die Bündnisse einhalten, die sie mit Gott eingegangen sind.“3

    Glück

    „Welchen Vorteil soll ich meinen Kindern verschaffen, damit sie glücklich und erfolgreich sind?“

    Luzifer hat eine Fälschung oder Illusion von Glück geschaffen, die im Widerspruch zur Rechtschaffenheit steht und die uns täuschen wird, wenn wir nicht wachsam sind. Viele unserer heutigen Probleme treten auf, weil die Welt einer irreführenden Definition von wahrem Glück nachjagt. Wir wissen aus dem Buch Mormon, dass dieses Problem durch alle Generationen hindurch bestanden hat. Wir wissen auch, welche Segnungen man empfängt, wenn man die Gebote hält.

    König Benjamin sagt: „[Ich] wünschte, ihr würdet den gesegneten und glücklichen Zustand derjenigen betrachten, die die Gebote Gottes halten. Denn siehe, sie sind gesegnet in allem, sowohl zeitlich als auch geistig, und wenn sie bis ans Ende getreulich aushalten, werden sie in den Himmel aufgenommen, sodass sie dadurch mit Gott in einem Zustand nie endenden Glücks weilen. O denkt daran, denkt daran, dass dies wahr ist; denn der Herr, Gott, hat es gesprochen.“ (Mosia 2:41.)

    Über viele Jahre hinweg habe ich ein Forschungsprojekt verfolgt, das in den Dreißigerjahren begonnen wurde. Ursprünglich wurden 268 männliche Studenten an einer Spitzenuniversität ausgewählt, die dann ihr Leben lang regelmäßig befragt wurden. Später nahmen auch Frauen an der Studie teil. Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa 70 Jahren. Zu Beginn verfolgte sie das Ziel, so viel wie möglich über Erfolg und Glück in Erfahrung zu bringen.

    Die Studie ergab, dass weder die Ergebnisse von Eingangstests fürs College noch die Durchschnittsnoten geeignet sind, späteren Erfolg oder Glücklichsein im Leben vorauszusagen. Allerdings gab es einen deutlichen Zusammenhang mit einer glücklichen Kindheit. Glückliche, erfolgreiche Erwachsene berichteten häufig, dass insbesondere ihre Mutter verbal Liebe und Zuneigung zum Ausdruck gebracht und sie nie streng bestraft hatte. Die Eltern dieser Studienteilnehmer gingen sichtbar liebevoll miteinander um. Sie waren für ihre Kinder da und hatten eine herzliche Beziehung zu ihnen, die es erlaubte, Gefühle offen zu zeigen. Sie sorgten für Geborgenheit in der Familie und legten offenbar Wert darauf, die Eigenverantwortung ihrer Kinder zu achten.

    In einem Buch, das nach Abschluss der Studie 2012 veröffentlicht wurde, heißt es: „Vieles, woran sich Erfolg im Leben messen lässt, lässt sich weniger aus finanzieller und sozialer Sicherheit in der Kindheit ableiten als vielmehr daraus, dass die Kindheit von gegenseitiger Liebe geprägt war.“ Erfolg lässt sich eher auf eine glückliche Kindheit zurückführen als auf Intelligenz, Gesellschaftsstatus oder Sportlichkeit. Eine weitere Schlussfolgerung aus der Studie war, dass es „für die Zukunft eine erheblich größere Rolle spielt, was in der Kindheit gut läuft, als das, was schiefläuft“4.

    Die Studie als Ganzes zeigt: Selbst wenn es erhebliche Probleme gibt und einiges sehr schiefläuft, sind die meisten Kinder widerstandsfähig, und das Vertrauen, das durch eine liebevolle Beziehung zu den Eltern – insbesondere zur Mutter – aufgebaut wird, kann zu dauerhaftem Glück führen. Interessant, wenngleich nicht überraschend, fand ich, dass die Studie mit dem, was in den heiligen Schriften und in der Kirche über die Familie gelehrt wird, im Einklang steht. Die Kirche legt den Schwerpunkt auf den Familienabend, das Familiengebet, darauf, dass man seine Liebe zum Ausdruck bringt, auf Zusammenhalt in der Familie und Familientraditionen. Die Studie zeigt, dass gerade solche Gepflogenheiten glückliche, erfolgreiche Erwachsene hervorbringen.

    In den einleitenden Worten des Buches Mormon bringt Nephi seine Dankbarkeit für seine „guten Eltern“ zum Ausdruck (1 Nephi 1:1). Wir lernen daraus aber vor allem, dass wir selbst bestimmen, was für Eltern wir sein wollen, damit auch unsere Nachkommen einmal froh berichten können, dass sie von guten Eltern abstammen.

    Nichts ist wohl wichtiger, als dafür zu sorgen, dass unsere Kinder und andere, die in unserer Obhut sind, wissen, dass wir sie lieb haben. Liebe ist der Schlüssel, der mehr als alles andere zum Glück beiträgt.

    Wohlergehen

    „Meine Familie ist in materieller Hinsicht wenig erfolgreich. Heißt das, dass wir nicht rechtschaffen genug sind?“

    In den heiligen Schriften steht eindeutig: Wer die Gebote hält, dem wird es wohl ergehen im Land. Ich möchte Ihnen jedoch versichern, dass Wohlergehen nicht durch einen Betrag auf dem Bankkonto definiert wird. Wohlergehen hat eine viel umfassendere Bedeutung.

    Der Prophet Alma mahnte seinen Sohn Helaman: „Insofern du die Gebote Gottes hältst, wird es dir wohl ergehen im Land; und du sollst auch wissen: Insofern du die Gebote Gottes nicht hältst, wirst du von seiner Gegenwart abgeschnitten werden.“ (Alma 36:30.)

    Dass es uns im Land wohl ergeht bedeutet also in erster Linie, dass wir den Heiligen Geist bei uns haben. Wenn wir die Gebote halten, gelten für uns auch ganz bestimmte Verheißungen (siehe Epheser 6:1-3). In Abschnitt 89 des Buches Lehre und Bündnisse werden uns etwa Gesundheit und große Schätze der Erkenntnis verheißen, wenn wir nach dem Wort der Weisheit leben.

    Es ist schon sehr lehrreich, einen einzigen Bestandteil des Wortes der Weisheit zu betrachten, nämlich dass wir Alkohol meiden sollen. Die eingangs erwähnte Langzeitstudie zeigt, dass Alkoholmissbrauch ein Drittel aller Familien in den USA betrifft und sich ein Viertel aller Einweisungen ins Krankenhaus darauf zurückführen lässt. Zudem ist er eine der Hauptursachen bei Todesfällen, bei Scheidungen, bei mangelnder Gesundheit und bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit.

    Eine weitere Langzeitstudie wurde unter aktiven Mitgliedern der Kirche in Kalifornien durchgeführt. Sie ergab, dass die durchschnittliche Lebenserwartung bei den Frauen 5,6 Jahre und bei den Männern 9,8 Jahre höher ist als unter den Vergleichsgruppen in den USA. Die Leitung der Studie oblag Ärzten, die anführten, dass mindestens ein Grund hierfür im Wort der Weisheit zu suchen war. Wenn wir nach dem Wort der Weisheit leben, ergeht es uns wohl im Land.5

    Als ich einmal mit Präsident Gordon B. Hinckley (1910–2008) im Flugzeug zu einer Tempelweihung unterwegs war, erzählte er mir freudig, dass die Kirche genügend Geld hatte, neue Tempel zu bauen, weil es den Mitgliedern im Land wohl erging. Da sie treu den Zehnten gezahlt hatten, gab es nun genügend Mittel, um Tempel zu errichten.

    Wohlergehen ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Reichtum. Eine viel bessere, evangeliumsgemäße Definition für das „Wohlergehen im Land“ ist, dass wir ausreichend für unseren Bedarf haben und den reichen Segen genießen, vom Heiligen Geist begleitet zu werden. Wenn wir für unsere Familien sorgen und den Herrn lieben und ihm dienen, werden wir den Geist mit uns haben und es wird uns wohl ergehen im Land.

    Frieden

    Der höchste Lohn für Rechtschaffenheit wird uns ganz klar in Lehre und Bündnisse 59:23 verheißen: „Sondern lernt, dass derjenige, der die Werke der Rechtschaffenheit tut, seinen Lohn empfangen wird, nämlich Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der künftigen Welt.“

    Vor mehr als 35 Jahren erklärte Präsident Kimball, dass die Kirche ein immenses Wachstum erleben werde, weil sich gute Frauen in großer Zahl zur Kirche hingezogen fühlen werden. Er sagte: „Das wird in dem Maße geschehen, wie die Frauen der Kirche Rechtschaffenheit und Klarheit ausstrahlen und … wie wahrgenommen wird, dass sie sich – in positiver Hinsicht – ganz deutlich von den Frauen der Welt abheben.“6

    Dies hat schon stattgefunden und wird in Zukunft weiterhin stattfinden.

    Gott, der Herr, ist wahrlich Sonne und Schild. Er schenkt Gnade und Herrlichkeit. Wer rechtschaffen ist, dem bleibt keine Gabe versagt (siehe Psalm 84:12). Ich bete darum, dass Sie den Lohn der Rechtschaffenheit ernten mögen, indem Sie unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus treu folgen.

    Anmerkungen

    1. Siehe Spencer W. Kimball, „The False Gods We Worship“, Ensign, Juni 1976, Seite 2–6

    2. Siehe Lane Anderson, Deseret News, „The Instagram Effect: How the Psychology of Envy Drives Consumerism“, 15. April 2014, Seite C7

    3. Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten, Abschnitt 1.3.3; Präsident Boyd K. Packer, Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, hat dies bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2014 in seiner Ansprache „Das Zeugnis eines Zeugen“ bekräftigt (siehe Liahona, Mai 2014, Seite 94–97)

    4. George E. Vaillant, Triumphs of Experience: The Men of the Harvard Grant Study, 2012, Seite 108f.

    5. Siehe James E. Enstrom und Lester Breslow, „Lifestyle and Reduced Mortality among Active California Mormons, 1980–2004“, Preventive Medicine, 2008, 46:135

    6. Siehe Spencer W. Kimball, „The Role of Righteous Women“, Ensign, November 1979, Seite 103f.; vgl. auch Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 265f.

    Wenn wir nicht achtgeben, verleitet uns die Welt dazu, uns auf Dinge zu konzentrieren, die uns von unserer tiefen Hingabe an Gott abbringen.

    Die Welt dreht sich um alltägliche wirtschaftliche Probleme, wir jedoch müssen uns auf Belange geistiger Natur konzentrieren.

    Liebe ist der Schlüssel, der mehr als alles andere zum Glück beiträgt.

    Wir müssen das richtige Gleichgewicht finden: für unsere Familie sorgen und zugleich den Herrn lieben und ihm dienen. Dann wird es uns wirklich wohl ergehen.

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