2006
Bis ich die Wahrheit gefunden habe
August 2006


Bis ich die Wahrheit gefunden habe

Seit ich etwa 11 Jahre alt war, wollte ich die Bibel lesen. Aber in meiner Familie wurde die Bibel als so heilig erachtet, dass sie in einem Schrank eingeschlossen wurde. Als ich 13 war und mein Bruder 12, zogen wir alle in das schöne Land Kanada. Zwischen 16 und 20 besuchte ich zwei christliche Kirchen. Sie lehrten richtige Grundsätze aus der Bibel, doch als ich mich näher mit den Kirchen befasste, erfuhr ich etwas über die Mitglieder, nämlich dass sie nicht sehr gut miteinander auskamen. Drei Jahre lang besuchte ich keine dieser Kirchen.

Mit 23 lernte ich in einer Diskothek einen jungen Mann kennen. Ein paar Monate später heiratete ich ihn, und bald darauf kam unser erstes Kind zur Welt. Alles lief wunderbar. Mein Mann arbeitete fleißig, kam immer früh von der Arbeit nach Hause und half mir bei der Hausarbeit. Ich war sehr glücklich und führte ein ruhiges Leben. Gott hatte ich ganz vergessen.

Doch ohne jede Vorwarnung ging mein Mann plötzlich mit seinen Freunden in die Diskothek. Seine Freunde wollten auch in Bars gehen. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich mein Mann zum Nachtschwärmer und Trinker. Schließlich kündigte ich meine Stelle und verließ ihn. Kurz nach unserer Trennung erfuhr ich, dass ich mein zweites Kind erwartete. Ich war so traurig und verzweifelt, dass ich keinen Frieden finden konnte. Ich weinte, wenn ich schlafen ging, und ich weinte, wenn ich aufwachte. Doch dank einer Frau, die mir eine wunderbare Freundin war, besuchte ich wieder eine christliche Kirche.

Dieses Mal nahm ich es ernster. Ich nahm mir sogar vor, noch mehr Kirchen zu untersuchen. Ehe ich zur Kirche ging, kniete ich mich immer nieder und bat den himmlischen Vater, mir mehr Weisheit zu schen-ken, damit ich das Gute wählen und das Böse zurückweisen konnte.

Ich besuchte außer dieser christlichen Kirche noch andere Kirchen, aber die unterschiedlichen Lehren verwirrten mich. Je verwirrter ich war, desto mehr betete ich. Jedes Mal, wenn ich eine Kirche besuchte, schien etwas zu fehlen, aber ich wusste nicht, was es war. Deshalb nahm ich mir vor, so lange weitere Kirchen zu untersuchen, bis ich die Wahrheit fand.

Einmal besuchte ich meinen Bruder und meine Schwägerin. Es war schon dunkel, als ich wieder ging. Bis zur nächsten Bushaltestelle war es recht weit. Es war im März 1992, und es war sehr kalt und stürmisch. Mein Baby wand sich in meinen Armen. Oft ging ich rückwärts, damit der Wind mich traf und nicht das Baby.

Ich wurde sehr traurig, als ich daran dachte, dass ich hier mit meinem Baby in der Kälte zu Fuß unterwegs war, während mein Ex-Mann unser Auto hatte. Ich dachte darüber nach, wie grausam das Leben zu mir war, und mein Herz wurde schwer. Ich fing ich an zu weinen wie ein Kind. Ich sah mich um und sah, dass ich allein war, da rief ich laut zu Gott: „Himmlischer Vater, hilf mir, das Licht zu finden!“

Endlich erreichte ich die Bushaltestelle. Als der Bus kam, setzte ich mich wie immer ganz vorn hin. Links von mir saßen zwei junge Männer mit weißem Hemd und Krawatte. Einer kam auf mich zu und fragte mich in gebrochenem Spanisch: „Sie sprechen auch Spanisch?“

„Ja, natürlich“, erwiderte ich.

„Sie wollen das Evangelium Jesu Christi hören?“, fragte er.

Diese Worte klangen wunderbar. Das Evangelium Jesu Christi. Ich hatte einige Kirchen untersucht, doch in keiner hatte ich diese schönen Worte gehört. Man redete immer vom Wort, vom Evangelium oder von der guten Nachricht. Voller Freude gab ich ihnen meine Adresse und Telefonnummer.

Die Missionare unterwiesen mich, und im Juni 1992 ließ ich mich taufen und wurde konfirmiert. Diesen besonderen Tag werde ich nie vergessen. Ehe ich in die Wasser der Taufe stieg, fühlte ich eine schwere Last, als hätte ich Blei an den Füßen. Aber als ich aus dem Wasser herauskam, hatte ich das Gefühl, ich würde schweben. Als die Missionare mir dann die Hände auflegten und mir die Gabe des Heiligen Geistes spendeten, durchströmte mich ein warmes Gefühl, und ein Friede erfüllte mich, den ich nie gekannt hatte. Die Tränen liefen mir die Wangen hinab. Überrascht stellte ich fest, dass ich nicht aus Schmerz oder Trauer weinte, sondern wegen der großen Freude und des Friedens, die ich im Herzen spürte.

Einige Monate nach meiner Taufe wurde ich in den Kindergarten berufen und später als PV-Lehrerin. Ein Jahr später empfing ich mein Endowment. In der Kirche lernte ich auch einen großartigen Mann kennen. Im September 1994 wurden wir im Tempel in Toronto in Kanada gesiegelt. Drei Jahre später kam unser wunderbarer Sohn zur Welt.

Ich diene weiterhin in Berufungen in der Kirche und gebe meiner Familie Zeugnis vom Evangelium. Ich weiß, dass das Evangelium Jesu Christi in all seiner Herrlichkeit vom Himmel kommt und dass wir durch dieses Evangelium verwandelt werden können, wenn wir die Gebote des Herrn befolgen.