2010
Jetzt ist die Zeit für Ihre Mission im Leben
Juni 2010


Jetzt ist die Zeit für Ihre Mission im Leben

Drei Grundsätze können uns helfen, mit mehr Zuversicht, Energie und Glauben in die Zukunft zu gehen.

Als junger Erwachsener machte ich mir oft Gedanken über meine Zukunft. Mission, Ehe, Ausbildung, Beruf – das waren alles offene Fragen, und ich hatte nicht viele Antworten. Ich war bereit, jede Mission zu erfüllen, die der Herr für mich vorgesehen hatte, wenn ich nur herausfinden konnte, worin sie bestehen sollte.

Mein Patriarchalischer Segen gab mir ein Gesamtbild meiner Lebensaufgabe. Mir kam es aber in mancherlei Hinsicht so vor, als suche ich meinen Weg zum Supermarkt mit einer Karte des Sonnensystems. Was, wenn ich irgendwo falsch abbog? Konnte ich dann immer noch die Mission finden und erfüllen, die der Herr für mich vorgesehen hatte?

Heute weiß ich, dass drei Grundsätze mir damals geholfen haben, mich mit mehr Zuversicht, Energie und Glauben ins Ungewisse aufzumachen.

1. Für eine kurze Zeit

Der erste Grundsatz hat damit zu tun, dass die Gegenwart kostbar ist.

Von 1831 an verbrachten viele der frühen Mitglieder der Kirche etwa sieben Jahre in Kirtland, Ohio. Sie hatten Häuser, Läden und Farmen in New York und Pennsylvania zurückgelassen, um sich auf die Reise zu einem unbekannten Ort zu machen. Der Herr sagte ihnen, dass sie dort nur vorübergehend bleiben würden:

„Und ich weihe ihnen dieses Land für eine kurze Zeit, bis ich, der Herr, andere Vorsorge für sie treffen und ihnen gebieten werde, von hier fortzugehen;

und die Stunde und der Tag sind ihnen nicht gegeben, darum sollen sie auf diesem Land arbeiten, als sei es für Jahre, und dies wird sich ihnen zu ihrem Nutzen wenden.“ (LuB 51:16,17.)

Ich stelle mir gern vor, wie die Heiligen damals die Anweisung des Herrn befolgten und sich sofort an die Arbeit machten. Sie pflügten Felder, ohne zu wissen, ob sie jemals ernten würden, pflanzten Bäume, deren Früchte sie vielleicht niemals essen würden, und bauten einen wunderschönen Tempel, den sie schließlich zurücklassen mussten. Ich stelle mir vor, dass sie eifrig arbeiteten, ein erfülltes Leben führten und nicht endlos ins Ungewisse starrten und sich fragten, wohin sie als Nächstes gehen würden und wann. Sie handelten so, „als sei es für Jahre“, und vertrauten darauf, dass ihre Arbeit nicht vergeblich sein würde.

Als die Heiligen 1838 Ohio verließen, hatten sie mitgeholfen, eine feste Grundlage für das zukünftige Wachstum der Kirche zu legen. Bedenken Sie, was sich in dieser wichtigen, arbeitsreichen Zeit alles ereignete:

  • Der Prophet Joseph Smith gründete die Schule der Propheten, beendete die inspirierte Übersetzung der Bibel und empfing viele wichtige Offenbarungen.

  • Die Erste Präsidentschaft, das Kollegium der Zwölf Apostel und das Kollegium der Siebziger wurden eingerichtet.

  • Der Kirtland-Tempel wurde gebaut und geweiht. Dort sahen Joseph Smith und Oliver Cowdery den Herrn Jesus Christus und empfingen Priestertumsschlüssel von Mose, Elias und Elija.

  • Die ersten Missionare wurden nach England entsandt.

Meine Zeit als junger Erwachsener war eine äußerst wertvolle „kurze Zeit“, die der Herr mir gegeben hatte. In diesen Jahren erreichen unsere körperlichen und geistigen Kräfte ihren Höhepunkt. Wir können das Beste daraus machen, indem wir beschließen, auf den Herrn zu vertrauen und so zu handeln, „als sei es für Jahre“. Dann können diese Jahre eine gesegnete Zeit werden, in der wir Außergewöhnliches leisten, uns weiterentwickeln, lernen und unseren Mitmenschen dienen.

2. Seine Mission im Leben erfüllt man Tag für Tag

Den zweiten nützlichen Grundsatz entdeckte ich, als mir etwas ganz Einfaches bewusst wurde: Meine Mission im Leben erwartete mich nicht in einer ungewissen, fernen Zukunft. Sie erwartete mich Tag für Tag.

Präsident Brigham Young (1801–1877) erklärte: „Es gibt in dieser Kirche weder einen Mann noch eine Frau, die nicht auf Mission sind. Diese Mission wird andauern, solange sie leben.“1 Mit anderen Worten, meine Mission im Leben hatte bereits begonnen. Ich musste sie nicht finden, sondern vielmehr erkennen.

Ich fand heraus, wie ich sie erkennen konnte, als mir drei Elemente bewusst wurden, die mein Leben bereits kennzeichneten:

  • die einzigartigen Gaben, die mir gegeben waren

  • die einzigartigen Herausforderungen, die sich mir stellten

  • Erfordernisse in meiner Umwelt, auf die ich nach dem Willen des Herrn eingehen sollte

Kurz gesagt, wir erfüllen unsere Lebensaufgabe, sobald diese drei Elemente zusammenkommen und wir bereit sind, zu handeln. Betrachten Sie einmal, wie dies bei Josef aus dem Alten Testament zutraf (siehe Genesis 37 bis 47).

Josef hatte viele Gaben. Er wuchs in einer Familie auf, die Gott kannte, und er war Erbe des Bundes Abrahams. Er besaß die geistige Gabe, Träume deuten zu können.

Er hatte auch viele Schwierigkeiten zu bewältigen. Mir scheint, dazu gehörte auch, dass Josef einen Vater hatte, der einen seiner Söhne bevorzugte, dass er eifersüchtige Brüder hatte und dass es ihm selbst an Taktgefühl im Umgang mit ihnen mangelte. Noch in jungen Jahren wurde er als Sklave in ein fremdes Land verkauft, fälschlicherweise unsittlichen Verhaltens bezichtigt und ins Gefängnis geworfen.

Josef war aber auch bereit zu handeln, wobei er sowohl seine Gaben als auch seine Schwierigkeiten nutzte, um auf bestimmte Erfordernisse in seiner Umwelt einzugehen. Er setzte mehrmals, auch als er im Gefängnis war, seine geistige Gabe ein, Träume zu deuten. Aufgrund dieser Entscheidung konnte er dann für den Pharao arbeiten und Lebensmittel für das ägyptische Volk einlagern. Da er in dieser Aufgabe treu und fleißig war, konnte Josef seine Mission erfüllen und Leben retten, indem er viele, auch seine eigene Familie, vor dem Hungertod bewahrte.

Josefs Gaben und Schwierigkeiten führten ihn gemeinsam in eine Ausnahmeposition, sodass er eingreifen konnte, als eine Hungersnot über das Land kam. Da Josef der war, der er war, und dort war, wo er war, und da er sich dafür entschieden hatte, treu und gehorsam zu sein, erfüllte er eine einzigartige Mission im Dienst für den Herrn, das ägyptische Volk und seine eigene Familie.

Diese drei Elemente kommen aber nicht nur im Leben der Menschen zusammen, die wir aus den heiligen Schriften kennen. Es gibt sie auch in unserem Leben, jeden Tag.

Eine junge Frau hatte schriftstellerisches Talent und eigene Erfahrungen mit Depressionen. Als ihre Schwester, die im Teenageralter war, an der Schule eine schwierige Zeit durchlebte, erkannte diese junge Frau, dass ihre Schwester immer bedrückter wurde. Sie achtete auf die Eingebungen des Heiligen Geistes und schrieb ihrer Schwester mehrere aufbauende Briefe, worin sie ihre Liebe und Zuversicht zum Ausdruck brachte. In zwei besonders schwierigen Wochen schrieb sie ihr jeden Tag einen Brief. Durch diese kleine Entscheidung, auf die Bedürfnisse ihrer Schwester einzugehen, erfüllte diese junge Frau ihre Mission im Leben.

Wenn wir uns Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr dafür entscheiden, auf den Geist zu hören und entsprechend zu handeln, entsteht daraus etwas Größeres, was wir später als die Mission erkennen, die der Herr uns aufgetragen hat.

3. Seid ruhig und wisst, dass ich Gott bin

Heute, nachdem ich schon Jahre über die 30 hinaus bin, kann ich schließlich erkennen, dass mein Leben sich so entwickelt hat, wie es vor vielen Jahren in meinem Patriarchalischen Segen beschrieben wurde. Das geschah sicher nicht deshalb, weil ich genau wusste, was ich tat und wohin die Zukunft mich führen würde. Das wusste ich ganz bestimmt nicht.

Mein Leben hielt einige Wendungen und Abbiegungen und Enttäuschungen bereit, sodass ich mich manchmal fragte, ob ich vom Weg abgekommen war. Doch es stellte sich heraus, dass ich keinen Grund hatte, mir Sorgen zu machen. Der Herr wusste immer, wo ich war und wo er mich haben wollte. Ich bemühte mich, so gut ich konnte die Gebote zu halten, dem Herrn zu dienen und auf den Heiligen Geist zu achten. Obwohl ich es damals oft nicht erkannte, weiß ich jetzt, dass der Herr mein Leben stets gelenkt hat.

In der Zeit als junger Erwachsener trifft man unzählige folgenschwere Entscheidungen, die teilweise mit Unsicherheit und großer Anspannung verbunden sind. Doch unsere Zuversicht wächst, wenn wir lernen, uns auf die Fähigkeit des Herrn zu verlassen, seine Absichten für unser Leben zu verwirklichen – Tag für Tag. Dann gelingt es uns besser, ruhig zu sein und zu wissen, dass er Gott ist (siehe (LuB 101:16). Dann haben wir inneren Frieden.

Anmerkung

  1. Brigham Young, Lehren der Präsidenten der Kirche: Brigham Young, Seite 244

Die Heiligen in Kirtland handelten so, „als sei es für Jahre“, und vertrauten darauf, dass ihre Arbeit nicht vergeblich sein würde. Wenn Sie ebenfalls auf den Herrn vertrauen und so handeln, „als sei es für Jahre“, können Sie aus jeder Lebensphase das Beste machen.

Aufgrund seiner Gaben, seiner Schwierigkeiten und seiner Glaubenstreue konnte Josef aus Ägypten seine einzigartige Mission im Dienst für den Herrn und seine Mitmenschen erfüllen. Auch in unserem Leben treffen diese drei Elemente jeden Tag aufeinander.

Foto von John Luke; Zeit, Talente und alles, was du hast, Gemälde von Garth Oborn, Vervielfältigung untersagt

Foto von Matthew Reier, © IRI; Josef in Ägypten, Gemälde von Robert T. Barrett