2002
Ein lebendiges Zeugnis
Oktober 2002


Ein lebendiges Zeugnis

Es wäre eine Untertreibung, wenn ich sagen würde, mein Mann und ich waren überrascht, als ich mit vierzig Jahren ein Baby erwartete. Schwangerschaftskomplikationen führten bald dazu, dass die Ärzte mir strengste Bettruhe verordneten. Mein Mann gab mir einen Priestertumssegen, in dem mir verheißen wurde, wenn ich täte, was die Ärzte mir sagten, würde alles gut gehen.

Doch die Bettruhe war gar nicht so einfach einzuhalten, denn ich hatte ja noch zwei kleine Kinder zu versorgen. Außerdem musste ich mich irgendwie beschäftigen.

Als die Mitglieder der Gemeinde erfuhren, dass ich für die restliche Zeit der Schwangerschaft ans Bett gefesselt war, begannen sie mit schöner Regelmäßigkeit, Mahlzeiten zu bringen. Außerdem wurde mein dreijähriger Sohn oft abgeholt, um den Tag mit Freunden zu verbringen. Und wenn mein sechsjähriger Sohn aus der Schule nach Hause kam, kam immer irgendjemand vorbei, um nach ihm zu sehen. Die Schwestern besuchten mich häufig, um das Haus zu putzen und die Wäsche zu waschen. Meistens saßen sie dann hinterher an meinem Bett, und wir unterhielten uns.

Mehr als zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin bekam ich Wehen und unser kleiner Sohn wurde geboren. Er sah so zerbrechlich aus. Und er war so krank, dass die Ärzte uns sagten, wir sollten am besten schon einmal alles regeln und Vorbereitungen für die Beerdigung treffen. Wir gingen unseren winzigen Sohn anschauen, der – am ganzen Leib mit Kabeln und Schläuchen bedeckt – im Brutkasten lag. Unter Tränen salbten und segneten mein Mann und zwei weitere Brüder John, unser Baby. Als Reaktion darauf fing John an, um sein Leben zu kämpfen.

Mein Mann und ich verbrachten zahllose Tage und Nächte im Krankenhaus. Währenddessen halfen uns die Mitglieder weiterhin und stellten ihre Liebe zu unserer Familie unter Beweis. Während der Schwangerschaft fastete und betete die ganze Gemeinde mindestens einmal für uns und nach der Geburt des Babys mindestens zweimal.

Einmal durften wir John in die Kirche mitnehmen, obwohl er noch eine Sauerstoffmaske tragen musste. Da trat eine Mutter mit ihrem achtjährigen Sohn auf uns zu. Leise, fast ehrfürchtig fragte sie, ob ihr Sohn das Baby sehen dürfe. Sie erklärte, ihr Sohn wisse, wie man seinen Mitmenschen durch Fasten und Beten dient und ihnen Liebe erweist. Nun wollte er sehen, wie sein Glaube und sein Beten erhört worden waren. Er schaute das Baby an und fing an zu weinen. Dann sagte er seiner Mutter, er sei froh, dass er fasten und beten dürfe. „Schau doch nur“, sagte er, „was der himmlische Vater getan hat.“

Heute ist John 17 Jahre alt und ein lebhafter, energiegeladener Junge. Er ist den Mitgliedern unserer großzügigen Gemeinde ein lebendiges Zeugnis für ihren engagierten Glauben und ihre Nächstenliebe. Mit Worten lässt sich gar nicht beschreiben, wie dankbar wir ihnen und dem himmlischen Vater sind.

Helen Sturdevant gehört zur Gemeinde Parkwood im Pfahl Oak Hills, Austin, Texas.