Lehren und lernen in der Kirche


Jeffrey R. Holland

Von hohem Stellenwert

Wir danken Präsident Packer und Elder Perry für dieses inspirierende Fundament für unser heutiges Thema, und wir freuen uns schon auf die abschließenden Worte von Präsident Monson am Ende dieser Versammlung.

Dass wir dieses Jahr die ganze weltweite Führerschaftsschulung dem Thema Lehren und Lernen widmen, zeigt, welch hohen Stellenwert die präsidierenden Brüder diesem Thema beimessen. Vielleicht liegt der Grund dafür auf der Hand. Uns ist klar, dass der Erfolg der Evangeliumsbotschaft davon abhängt, dass sie verkündet, begriffen und anschließend so umgesetzt wird, dass man zu dem Glück und zu der Errettung findet, die sie verheißt.

Deshalb lautete der letzte große Auftrag Jesu an seine Jünger unmittelbar vor seiner Himmelfahrt:

„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28:19,20; Hervorhebung hinzugefügt.)

Der Erretter betont hier: Wie viel man auch tun muss, wenn man nach dem Evangelium lebt – und man muss viel tun, um danach zu leben –, so kann man doch nichts erreichen, solange einem diese Wahrheiten nicht beigebracht wurden und man die Weise des Evangeliums kennt. Präsident Hinckley rät uns nun schon seit etlichen Jahren, dafür zu sorgen, dass unsere Mitglieder der Kirche nahe bleiben, besonders die Jugendlichen und die Neubekehrten. Er hat gesagt, dass wir alle einen Freund und eine Aufgabe brauchen und dass wir „durch das gute Wort Gottes“ genährt werden müssen (siehe Moroni 6:4; vgl. auch Gordon B. Hinckley, Der Stern, Juli 1997, Seite 47).

Inspirierte Unterweisung zu Hause und in der Kirche sorgt für diesen wesentlichen Faktor – durch das gute Wort Gottes genährt zu werden. Gelegenheiten, diese Berufung groß zu machen, gibt es überall – Väter, Mütter, Geschwister, Freunde, Missionare, Führungsbeamte und Lehrer im Priestertum und den Hilfsorganisationen sowie andere Lehrkräfte wie auch unsere wunderbaren Seminar- und Institutslehrer, die heute bei uns sind. Die Liste ist endlos. Tatsächlich ist es in dieser Kirche fast unmöglich, jemanden zu finden, der kein Lehrer ist.

Präsident Packer hat das in seinem Gespräch mit Elder Perry schon deutlich gemacht. Er sagte: „Jeder ist ein Lehrer“ – der Führungsbeamte, der, der geführt wird, der Vater, die Mutter, der Ratgeber. Da wundert es wenig, dass der Apostel Paulus geschrieben hat: „Gott [hat] in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer.“ Darauf folgten umfassende Segnungen – Wundertaten, Geistesgaben und himmlische Kundgebungen (siehe 1 Korinther 12:28).

Ein junger Apostel namens David O. McKay unterstrich die göttliche Natur der Berufung Lehrer 1916 bei der Generalkonferenz mit den Worten: „Niemand hat eine größere Verantwortung als derjenige, der Gottes Kinder unterrichtet.“ Das trifft noch immer zu. Daraus haben wir den Titel einer großen Hilfe für Lehrer in der Kirche abgeleitet – des Leitfadens Lehren, die größte Berufung. In dem beliebten PV-Lied „Ich bin ein Kind von Gott“ richten die Kinder diese Bitte an Eltern und Lehrer:

Führet, leitet und begleitet,
dass den Weg ich find;
lehrt mich, alles das zu tun,
was mich zu ihm einst bringt.
(Gesangbuch, Nr. 202)

Das ist unsere gemeinsame Aufgabe in der Kirche; die Verantwortung, die wir teilen. Wir sind alle Kinder Gottes, und wir müssen einander belehren; wir müssen einander helfen, den Weg zu finden. Genau das wollen wir heute versuchen.

Wie man sich auf den Unterricht vorbereitet

Sie können an den Unterlagen, die hier auf diesem Tisch ausgebreitet sind, erkennen, dass ich einen Unterricht vorbereiten möchte. Kommt Ihnen das bekannt vor? Es geht um den heutigen Unterricht – ein Unterricht für Sie alle. Unterricht vorzubereiten ist immer harte Arbeit, und es kostet Zeit. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auffordern, schon frühzeitig damit anzufangen, über einen Unterricht, den Sie halten sollen, nachzudenken und dafür zu planen.

Wenn ich zum Beispiel am Sonntag eine Klasse zu unterrichten hätte, würde ich am Sonntag zuvor das betreffende Thema durchlesen und anfangen, darüber zu beten. Dann kann ich eine ganze Woche lang beten, nach Inspiration trachten, nachdenken, lesen und auf Beispiele im wirklichen Leben achten, die meine Botschaft lebendig machen. Fertig werden Sie mit der Lektion so früh noch nicht, aber Sie werden staunen, wie viel Ihnen unter der Woche einfällt, wie viel Gott Ihnen gibt. Sie werden spüren, was Sie gebrauchen können, wenn Sie Ihre Vorbereitungen abschließen.

Was die Vorbereitung betrifft, möchte ich Sie auch aufrufen, einer Versuchung zu widerstehen, der sich fast jeder Lehrer in der Kirche gegenübersieht; mir zumindest ist es gewiss aufgefallen. Ich meine die Versuchung, zu viel Stoff zu behandeln, die Versuchung, mehr in eine Stunde – oder in die Schüler – hineinzustopfen, als sie überhaupt aufnehmen können! Bedenken Sie dabei zweierlei: Zuallererst unterrichten wir Menschen und nicht nur den Unterrichtsstoff an sich. Und zweitens: Jeder Unterrichtsplan, den ich kenne, enthält zwangsläufig mehr, als man in der verfügbaren Zeit überhaupt durchnehmen kann.

Machen Sie sich also keine Sorgen mehr darüber. Es ist besser, mit ein paar guten Gedanken in ein gutes Gespräch zu kommen – sodass man gut lernt –, als fieberhaft zu versuchen, jedes Wort aus dem Leitfaden anzubringen. Dieses Material, das hier vor mir liegt, umfasst bereits drei- oder viermal so viel, wie ich Ihnen heute in der verfügbaren Zeit einer Unterrichtsstunde überhaupt sagen könnte. Also muss ich genau wie Sie eine Auswahl treffen; ich hebe einiges von dem Material für einen anderen Tag auf.

Eine ruhige, gelassene Atmosphäre ist unabdingbar, wenn der Geist des Herrn bei Ihrem Unterricht zugegen sein soll. Bitte vergessen Sie das nie. Zu viele von uns haben es zu eilig. Wir eilen genau am Geist des Herrn vorbei, wenn wir völlig überflüssigerweise versuchen, vor der Zeit fertig zu sein.

Demonstration, wie ein Unterricht aussehen könnte

Kehren wir noch einmal zu dem guten Gespräch zwischen Präsident Packer und Elder Perry zurück und arbeiten wir einiges heraus, wovon der Erfolg bei der großen Aufgabe Lehren und Lernen abhängt. Dazu werden wir hier am Hauptsitz der Kirche in ein Klassenzimmer gehen, wo wir miteinander in etwa so umgehen werden, wie Sie das hoffentlich in Ihrem Unterricht auch tun – wo immer in der Welt das auch sein mag. Wir haben nichts geprobt, sondern verhalten uns ganz spontan – so wie es ja auch in Ihrem Unterricht ist. Der Lehrer hat sein Bestes gegeben, sich vorzubereiten und zu beten – ich versichere Ihnen, dass ich das getan habe –, und die Schüler ebenfalls. Nachdem wir nun das Anfangsgebet für unseren Unterricht gesprochen haben, vertrauen wir darauf, dass der Geist des Herrn uns leiten wird.

Willkommen zum Unterricht! Dies soll eine etwa durchschnittlich große Klasse sein, mehr oder weniger. Bei einigen von Ihnen wird sie größer, bei anderen kleiner sein, aber die Grundsätze fürs Unterrichten sind im Wesentlichen dieselben, unabhängig von der Klassengröße. Hier haben wir 15 ganz ausgezeichnete, attraktive Teilnehmer, und der 16. sind Sie draußen im Lande, der dieser Übertragung zuschaut.

Hören Sie zu und achten Sie auf neue Ideen; etwas, was vielleicht nur Ihnen einfällt. Es mag gar nichts mit dem zu tun haben, was wir gerade sagen. Doch auf diese Weise wirkt der Geist. Seien Sie offen für Eingebungen darüber, wie Sie lehren können. Und denken Sie daran: Sie können lehren! Sie können es!

Jeder kann unterrichten

Elder Perry hat Präsident Packer mitten im Gespräch eine Frage gestellt: „Was würden Sie einem neuen Lehrer sagen?“ Wenn jemand neu berufen wäre, was würden Sie ihm raten? Was würden Sie diesem Lehrer sagen, um ihm Mut zu machen und ihm zu helfen, die Berufung anzunehmen, sie auszuführen und Freude daran zu haben?

Bruder Charles W. Dahlquist II: Sie können es schaffen.

Elder Holland: Sie können es schaffen. Jeder kann unterrichten. Und genau das hat Präsident Packer auf Bruder Perrys Frage geantwortet.

Er bezog sich auf Schriftstellen, in denen verheißen wird, dass man es schaffen kann. Die heiligen Schriften geben uns immer zusätzlichen Zuspruch. Fällt jemandem eine Schriftstelle ein?

Elder Jay E. Jensen: Moroni 10:17.

Elder Holland: Moroni 10, das letzte Kapitel im Buch Mormon, ist eine großartige Zusammenfassung über Gaben. Würden Sie das vorlesen, Bruder Jensen?

Elder Jensen: Und alle diese Gaben kommen durch den Geist Christi; und sie kommen zu jedem Menschen gesondert, so wie er es will.“

Elder Holland: Wunderbar.

Elder Jensen: Das schließt niemanden aus.

Elder Holland: Keiner ist davon ausgenommen. Manchmal denken wir: alle, nur ich nicht. Jeder kann unterrichten, nur ich nicht. Oder: Jeder kann führen, nur ich nicht. Das stimmt aber nicht. Diese Gaben sind für jedermann. Beachten Sie noch eine kleine Warnung in diesem Zusammenhang, wo wir gerade beim Thema sind. Bruder Jensen, lesen Sie bitte die ersten paar Zeilen von Vers 8.

Elder Jensen: Und weiter ermahne ich euch, meine Brüder, die Gaben Gottes nicht zu leugnen, denn ihrer sind viele; und sie kommen vom selben Gott.“ (Moroni 10:8.)

Elder Holland: Ich glaube, wir sind ein bisschen versucht „zu leugnen“. Wir verstecken uns gewissermaßen. Ich glaube, wenn wir berufen werden oder vor einer Klasse stehen müssen – und davor schrecken wir alle etwas zurück –, sagt etwas in uns: Ich kann das nicht, ich will das nicht wahrhaben. Ich leugne, dass die Gabe kommen kann; ich bestreite, dass ich sie habe. Ich verwahre mich sozusagen gegen die Gültigkeit der Berufung. In gewisser Weise sagen wir damit genau das. Moroni sagt hier aber, dass wir nicht leugnen sollen: „[Leugnet nicht] die Gaben Gottes …, denn ihrer sind viele.“

„Bittet, dann wird euch gegeben”

Ich denke an etwas, was der Erretter im Neuen Testament direkt zu seinen Jüngern gesagt hat; es ist meines Wissens die Verheißung und Aussage, die häufiger als fast alle anderen in sämtlichen heiligen Schriften wiederholt worden ist. Jemand hat einmal gesagt, diese Aussage komme in der einen oder anderen Form hundert Mal in den Schriften vor. Wenn sie nur ein, zwei Mal vorkäme, dann müssten wir wohl auch nur ein, zwei Mal darauf eingehen, aber etwas, was 20, 40, 60 oder 80 Mal wiederholt wird, ist für den Herrn offensichtlich von großer Bedeutung.

Hat jemand eine Idee, von welcher Verheißung ich spreche?

Schwester Vicki F. Matsumori: Ich denke, es geht um die Schriftstelle, in der es darum geht, zu bitten und anzuklopfen, und man wird empfangen.

Elder Holland: Genau! Schwester Matsumori, nachdem Sie uns darauf gebracht haben, lesen Sie doch bitte Matthäus 7:7. Das ist ein Zitat aus der Bergpredigt und eine von vielen Stellen, wo diese Verheißung zum Ausdruck kommt.

Schwester Matsumori: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.“

Elder Holland: Danke sehr. Mir gefällt an dieser Verheißung, dass sie so eine klare und eindeutige Aussage ist. Wenn wir bitten, wird uns gegeben, und wenn wir anklopfen, wird uns geöffnet werden. Wir können das schaffen!

Jetzt fangen wir an, ein paar Gedanken zusammenzutragen. Ich möchte Schwester Kathy Hughes von der Präsidentschaft der FHV bitten, für uns an der Tafel anzuschreiben. Wir erarbeiten gerade das Thema, das Präsident Packer uns in seiner Unterhaltung mit Elder Perry vorgegeben hat. Es trägt die Überschrift „Die Gabe des Lehrens“. Schreiben Sie uns diese Überschrift bitte an die Tafel, Schwester Hughes?

Wir wollen nun einige Punkte auflisten, die wir uns dazu einprägen wollen, wie man nach der Gabe des Lehrens trachtet. Was Schwester Matsumori uns gerade gesagt hat, ist Punkt 1: in geistiger Hinsicht bitten, suchen und anklopfen – vielleicht die grundlegendste Anforderung an einen Lehrer, der sich um diese Gabe bemüht, die Gott uns verheißen hat.

Elder W. Rolfe Kerr: Es scheint mir sehr wichtig, noch den letzten Teil hinzuzufügen und ihn uns vielleicht genau vor Augen zu führen. Wenn wir um etwas bitten, ist das Ergebnis, dass uns gegeben wird. Wenn wir nach etwas suchen, ist das Ergebnis, dass wir etwas finden. Wir klopfen an, und es wird geöffnet.

Elder Holland: Schreiben wir das an die Tafel, Schwester Hughes: Uns wird gegeben werden. Darin liegt eine Verheißung.

Bruder Orin Howell: In diesem Zusammenhang gefällt mir Lukas 12:12, wo es heißt: „Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen sollt.“

Elder Holland: Das erweitert nun unser Blickfeld, denn das erzählen wir ja immer den Missionaren. Seit einer Ewigkeit erzählen wir den Missionaren, dass sie den Mund auftun sollen, und dass Gott ihnen in dem Moment, wo sie es brauchen, eingeben wird, was sie sagen sollen, sofern sie vorbereitet sind und ihr Bestes gegeben haben. Das ist ein sehr guter, neuer Gedanke – man bittet, und dann wird einem zu der dafür bestimmten Zeit gegeben. Ein hervorragender Vers, Orin.

Schwester Tamu Smith: Ich glaube, wenn man sich in einer Situation überfordert vorkommt – beispielsweise wenn ich als Bekehrte gebeten werde, eine Klasse zu unterrichten, in der einige Schüler von den Pionieren abstammen –, gibt der Geist einem manchmal ein, etwas zu sagen, was man lieber zurückhalten möchte. In Exodus 4:12 steht: „Geh also! Ich bin mit deinem Mund und weise dich an, was du reden sollst.“ Ich glaube, wenn wir zulassen, dass der Geist uns eingibt, etwas zu sagen, obwohl wir nicht das Gefühl haben, dass wir alle Antworten kennen, lassen wir den himmlischen Vater seinen Teil tun, indem er durch uns spricht.

Elder Holland: Was für ein wunderbarer Vers! Ich kann mich nicht erinnern, dass er in all den Jahren, die ich bereits mit anderen über dieses Thema spreche, schon einmal angebracht wurde. Ich danke Ihnen, Schwester Smith. Der Zusammenhang ist hier natürlich die überwältigende Aufgabe, vor der Mose stand – den Kindern Israel zu helfen, sich von den Schwierigkeiten des Lebens zu befreien. So etwas erleben wir alle. Dieser Vers eignet sich hervorragend, wenn man sagen will: „Keine Angst, es wird dir gegeben werden.“ Danke für diese Schriftstelle.

Merken Sie sich solche Zitate für den Fall, dass Sie so ein Thema einmal im Unterricht behandeln. Sie können auf solche und unzählige andere Zitate immer wieder zurückgreifen.

Anhand der heiligen Schriften lehren

Elder Steven E. Snow: Viele von uns sind, wenn man sie beruft, zu unterrichten, einfach von dieser ungeheuren Aufgabe überwältigt und fühlen sich unzulänglich und unvorbereitet. Aber wenn wir uns, so gut wir können, mit den Hilfsmitteln befassen, die wir haben, und uns in die heiligen Schriften vertiefen und dann einfach auf den Geist vertrauen, bekommen wir Hilfe. Manchmal sind wir wohl nur überwältigt, weil wir nicht genug wissen.

Elder Holland: Völlig richtig. So geht es uns allen. Jeder, der einmal unterrichtet hat, kennt dieses Gefühl. Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass wir alle hier im Raum für die vereinten Bemühungen der Kirche stehen, jedermann gutes Material an die Hand zu geben. Wir haben wirklich gutes Lehrmaterial. Wir haben gute Leitfäden. Sie unterrichten sich nicht von selbst, aber sie geben einem doch das beruhigende Gefühl, dass man nicht allein ist und dass man das Rad nicht noch einmal neu erfinden muss. Wir haben ganz ausgezeichnete Hilfsmittel, und wir werden heute auch noch weiter darauf eingehen. Wir brauchen uns also nicht ganz so überwältigt zu fühlen.

Als Präsident Packer mit Elder Perry sprach, sagte er: „Ich habe mich immer auf […] gestützt“, sei es nun am Rednerpult oder vor einer Klasse. Er sagte, er würde niemals ohne sie irgendwohin gehen. Wovon sprach er?

Schwester Julie B. Beck: Von den heiligen Schriften.

Elder Holland: Ganz richtig, von den heiligen Schriften. Schreiben Sie bitte den zweiten Punkt an, Schwester Hughes: „Anhand der heiligen Schriften lehren.“

Das kann man wohl nicht hoch genug bewerten bei unserer Aufgabe, in der Kirche zu lehren. Offensichtlich sind wir berufen, den Stoff des Evangeliums an sich, nämlich die heiligen Schriften, zu vermitteln – sei es in der PV, in den Gruppen der Erwachsenen, bei den Jugendlichen, zu Hause oder in der Kirche. Da muss ich an etwas Beeindruckendes denken, was in Alma 31 steht – eine beliebte Stelle, die das wohl so eindrucksvoll beschreibt wie kaum eine andere Schriftstelle, die ich kenne.

Alma hatte eine äußerst schwierige Mission angetreten – bei den Zoramiten –, und er hatte gerade den Wortwechsel mit Korihor hinter sich. Alma findet heraus, was für ihn in seiner Aufgabe, nämlich zu belehren und Zeugnis abzulegen, funktioniert und was nicht.

Bruder Wada, lesen Sie doch bitte Alma 31:5.

Bruder Takashi Wada: Und nun, da das Predigen des Wortes sehr dazu führte, dass das Volk das tat, was gerecht war – ja, es hatte eine mächtigere Wirkung auf den Sinn des Volkes gehabt als das Schwert oder sonst etwas, was ihnen zugestoßen war – darum dachte Alma, es sei ratsam, dass sie die Kraft des Gotteswortes erprobten.“

Elder Holland: Vielen Dank. Im Laufe der Jahre ist das irgendwie eine meiner Lieblingsschriftstellen geworden. Jeder von uns schlägt bestimmte Verse immer wieder nach, und ich greife immer wieder auf diesen zurück. „Das Predigen des Wortes“ – die Kraft des Wortes – „[führte] sehr dazu …, dass das Volk das tat, was gerecht war“, es hatte „eine mächtigere Wirkung auf den Sinn des Volkes … als das Schwert“ – und sie hatten das Schwert in diesem Buch und im Leben zur Genüge kennengelernt – „oder sonst etwas“, alle anderen Schlachtfelder, Konflikte und Herausforderungen. „Darum dachte Alma, es sei ratsam, dass sie die Kraft des Gotteswortes erprobten.“

Alma sagt, dass wir die Kraft des Gotteswortes erproben sollen, weil es eine so große Wirkung hat.

Bruder Wada: Ich glaube, jeder, der in die Kirche kommt, tut das, um etwas zu lernen und erbaut zu werden. Im Buch Jakob gibt es die Stelle in Jakob 2:8: „Und mich dünkt, dass sie hier heraufgekommen sind, um das angenehme Wort Gottes zu hören, ja, das Wort [Gottes heilt] die verwundete Seele.“ Es tut gut, wenn jemand unmittelbar, nachdem ich eine Klasse unterrichtet habe, zu mir sagt: „Das war genau das, was ich hören wollte. Das habe ich gebraucht.“

Elder Holland: Ein sehr tiefsinniger Gedanke – danke, Bruder Wada. Die Leute kommen in die Kirche, weil sie ein geistiges Erlebnis haben wollen. Das ist der Grund. Wir kommen zur Kirche und versammeln uns dort, um das Wort Gottes zu hören, um Erklärungen zu bekommen, den Geist zu spüren und Zeugnisse zu hören. Wenn schwere Zeiten kommen, wenn wir Heilung brauchen, dann reicht das, was die Welt bietet, nicht aus. Wir kommen, um durch das Wort Gottes geheilt zu werden.

Schwester Matsumori: Für die meisten PV-Lehrer ist es sehr schwer, Kindern das Wort Gottes nahezubringen. Sie können nicht lesen, sie haben keine eigenen Schriften, sie kennen sich darin nicht aus – wenn ihre Familie sie nicht darin unterwiesen hat. Das kann schwer sein.

Elder Holland: Guter Hinweis. Hier macht eine erfahrene PV-Lehrerin uns vorsichtig darauf aufmerksam, dass wir es mit Kindern in allen Entwicklungsstufen zu tun haben und sie Schritt für Schritt leiten müssen, wie Kinder es eben brauchen. Ein guter Hinweis, Schwester Matsumori.

Bruder Dahlquist: Bei den Jungen Männern und den Jungen Damen ist es nicht anders. Damit sie die heiligen Schriften verstehen, müssen sie sie – wie Nephi gesagt hat – anwenden können. Sie brauchen einen Bezug dazu.

Elder Holland: Sie müssen sie auf sich beziehen (siehe 1 Nephi 19:23).

Bruder Dahlquist: Die Schriften müssen für sie lebendig werden.

Elder Holland: Ja, und es geht hier um eine Menge Erfahrungen – einige zu Hause, einige im Seminar und einige im Institut. Wir reden hier über etwas, was mit der Zeit in unseren Jungen Männern und Jungen Damen heranreifen muss. Wir werden nicht ungeduldig, wenn diese Entwicklung eine Weile dauert.

Elder Jensen: Bisher ging es in unserem Gespräch vor allem um die vier heiligen Schriften der Kirche. Wir haben aber noch andere heilige Schrift.

Elder Holland: Ja. Wollen Sie etwas über die lebenden Propheten sagen?

Elder Jensen: Wir haben gute Leitfäden, wir haben Zeitschriften, es gibt Geschichten zu erzählen. Haben die nicht große Macht?

Elder Holland: Wir haben ausgezeichnetes Material – ganz zu schweigen von den Worten der lebenden Propheten, der halbjährlichen Generalkonferenz-Übertragung und den Veröffentlichungen für die Kirche. Wir haben einen reichen Schatz am Wort Gottes, und wir sollten ihn nutzen.

Schwester Kathleen H. Hughes: Das wirft für mich eine Frage auf. Wir sehen häufig – wie Elder Oaks in einer anderen Ansprache betont hat –, dass nur flüchtig angedeutet wird, dass es überhaupt einen Leitfaden gibt, und dann auf eigene Faust unterrichtet wird. Warum tun wir das? Wie können wir unseren Brüdern und Schwestern zu verstehen geben, dass die Handbücher und Leitfäden dazu da sind, uns zu erbauen?

Elder Holland: Das ist ein guter Hinweis. Er passt zu dem, was Elder Jensen gesagt hat. Ihre guten Beiträge haben mir neue Einsichten verschafft, welche Kraft das Wort hat, und wie es heilt, hilft und Licht bringt. Das erinnert mich an eine Begebenheit, die Präsident Packer vor einigen Jahren dem Kollegium der Zwölf Apostel erzählt hat. Er berichtete über einen strengen Winter in Utah, wo massiver Schneefall das Rotwild sehr weit hinunter in einige Täler getrieben hatte. Einige Tiere saßen fest. Sie waren von Zäunen umzingelt und in einer Ausnahmesituation, nachdem sie aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen worden waren. Wohlmeinende und kompetente Einrichtungen reagierten umgehend, indem sie die Tiere fütterten, damit diese den Winter überstehen. Sie brachten Heu und luden es überall ab, so gut es unter den Umständen eben ging. Später wurden sehr viele dieser Tiere tot aufgefunden. Die Leute, die die Kadaver dann untersuchten, berichteten, dass die Bäuche zwar voller Heu, die Tiere aber dennoch verhungert waren. Sie waren satt geworden, aber sie waren nicht genährt worden.

Jeder Lehrer muss daran denken, dass er „durch das gute Wort Gottes [nähren]“ muss. Auch wir können satt werden – das kann zu den angenehmen Seiten gehören –, doch worauf es beim Lehren ankommt, ist, dass man andere auf der Grundlage des Wortes Gottes nährt.

Durch den Geist lehren

Schwester Hughes, schreiben Sie doch bitte den dritten Punkt an: „Durch den Geist und mit dem Geist lehren.“

Der Geist des Herrn ist der wahre Lehrer, und deshalb habe ich vorhin gesagt: „Hören Sie zu.“ Hören Sie mit dem Herzen zu. Hören Sie mit der Seele zu, dann spüren Sie vielleicht etwas oder etwas wird Ihnen eingegeben, was überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was wir sagen. Es kann etwas sehr Persönliches sein, es kann etwas mit dem zu tun haben, was zu Hause, in der Ehe oder mit einem Kind ist; aber so arbeitet der Geist, und er ist der wahre Lehrer.

Es gibt eine Zeile in Lehre und Bündnisse 43:16, die besagt, dass Sie sich aus der Höhe belehren lassen sollen. Wir sind das Werkzeug, unsere Zunge, unsere Lippen sind das Werkzeug; aber der Lehrer ist in der Höhe.

Es ist eine gute Lehrmethode, die Klasse miteinander bekannt zu machen. Lernen wir jetzt Orin Howell ein wenig näher kennen.

Orin, wann haben Sie sich der Kirche angeschlossen?

Bruder Howell: Im Juni 1996.

Elder Holland: Wo haben Sie sich der Kirche angeschlossen, Bruder Howell?

Bruder Howell: In Bosnien.

Elder Holland: Was hatten Sie in Bosnien zu tun, Bruder Howell?

Bruder Howell: Ich war damals im Militär.

Elder Holland: Wo und worin sind Sie in Bosnien getauft worden?

Bruder Howell: Ich bin in Tuzla getauft worden, und zwar in einer zu einer Kapelle umfunktionierten russischen Bar. Wir besorgten uns die ausgediente Motorhaube eines Panzers, drehten sie um, brachten sie in die Kapelle und benutzten sie als Becken.

Elder Holland: Wir haben also einen großartigen jungen Mann beim Militär vor uns, den es berührt, wie andere Mitglieder der Kirche in der Armee leben, und er empfängt ein Zeugnis vom Evangelium und möchte sich taufen lassen. In dieser anlässlich des Krieges erst entstandenen Kapelle wurde also die Motorhaube eines Panzers auf den Kopf gestellt, um eine Art Becken zu bilden, mit Wasser gefüllt, und Orin stieg hinein. Er ließ sich taufen. Orin, wer hat Sie unter diesen Umständen als Mitglied der Kirche bestätigt?

Bruder Howell: Das waren Sie, Elder Holland.

Elder Holland: Ich hatte die große Ehre, im Sommer 1996 Orin Howell in Tuzla in Bosnien während des Krieges, als wir um unser Leben bangten, als Mitglied der Kirche zu bestätigen. Dieser wunderbare junge Mann dient der Kirche nun hier im Salzseetal treu als Hoher Priester. Wir sind sehr froh, dass er heute in unserer Klasse ist. Danke, Orin, für diese Kurzbiografie. So kann die Klasse sich untereinander ein wenig besser kennenlernen.

Ich bitte jetzt Bruder Howell, mit uns das Thema „Durch den Geist lehren“ zu erarbeiten. Schlagen Sie Abschnitt 50 auf. Darin gibt es eine Reihe von Versen, die wir häufig und mit Nachdruck den Missionaren mit auf den Weg geben. Doch sie gelten gleichermaßen für jedermann. Bruder Howell, würden Sie bitte Lehre und Bündnisse 50:13 vorlesen?

Bruder Howell: Darum stelle ich, der Herr, euch diese Frage: Wozu seid ihr ordiniert worden?“

Elder Holland: Verlagern wir die Betonung etwas, damit der Vers allgemeiner anwendbar ist – ersetzen wir ordiniert durch berufen. Ordiniert wäre Priestertumsvokabular, und wir wollen ja über die allgemeine Berufung zu lehren sprechen. Also: „Darum stelle ich, der Herr, euch diese Frage: Wozu seid ihr [berufen] worden?“

Bruder Howell, lesen Sie uns nun die Antwort des Herrn in Vers 14 vor.

Bruder Howell: Dass ihr mein Evangelium durch den Geist predigt, nämlich den Tröster, der ausgesandt wurde, um die Wahrheit zu lehren.“

Elder Holland: Diese Aussage aus der Schrift unterstreicht, was wir erarbeiten wollen und bereits gesagt haben, nämlich dass der wahre Lehrer der Geist ist. Ich bin nicht der Lehrer und Sie sind nicht der Lehrer. Wir alle müssen empfänglich für den Heiligen Geist sein – für die Führung des Himmels –, der der Lehrer ist. Wir sollen [das] Evangelium durch den Geist [predigen], nämlich den Tröster, der ausgesandt wurde, um die Wahrheit zu lehren“.

Nun eine Warnung: Was wäre, wenn wir versuchten, es auf eine andere Weise zu machen? Was wäre, wenn wir versuchten, ohne den Geist zu lehren oder ohne auf den Geist zu achten oder ohne für ihn empfänglich zu sein? Wie urteilt der Herr über solche Unterweisung?

Schwester McKee, wollen Sie Vers 18 vorlesen?

Schwester Maritza McKee: Und wenn es auf eine andere Weise geschieht, ist es nicht von Gott.“

Elder Holland: Lesen Sie das bitte noch einmal; es ist sehr gehaltvoll.

Schwester McKee: Und wenn es auf eine andere Weise geschieht, ist es nicht von Gott.“

Schwester Beck: Heißt das also, wenn ich mich hinsetze und meine Bücher und Leitfäden studiere und mir ein Konzept mache und alles plane, dass ich mich dann nicht daran halten darf? Ich bereite mich vor, aber muss ich darauf eingestellt sein, meinen Plan beiseitezulegen und mich mit dem, was ich vorbreitet habe, vom Geist leiten zu lassen?

Elder Holland: Möchte sich jemand zu dieser Frage äußern, bevor ich sie beantworte? Es ist eine berechtigte Frage.

Bruder Dahlquist: Es ist ja nicht so, dass der Geist einem nur etwas zuflüstert, wenn man ohne Notizen aufsteht. Ich denke, er kann das bereits tun, wenn man mit der Vorbereitung anfängt und die Lektion zusammenstellt. Es ist wie bei der Generalkonferenz. Sie beeinflusst uns auf wunderbare Weise, aber es ist auch eine Menge Vorbereitung dabei.

Elder Holland: In Ordnung, sprechen wir noch ein bisschen mehr darüber. Welche Rolle spielt der Lehrer und welche der Geist?

Schwester Beck: Ich bereite mich vor und arbeite etwas aus. Wenn dann aber jemand aus meiner Klasse unter der Woche vor einer Herausforderung stand, gibt das dem Unterricht eine neue Richtung. Erklären Sie mir doch bitte, wie ich erkenne, ob ich das, was ich vorbereitet habe, mit dem verbinden soll, was mir in dem Moment ins Herz gegeben wird, und mich entsprechend führen und leiten lasse, oder ob ich eine andere Schriftstelle verwenden soll.

Elder Holland: Das ist eine wirklich ausgezeichnete Frage. Jeder Lehrer wird darauf stoßen.

Elder Kerr: Der Schlüssel liegt wohl – neben der Vorbereitung und dem Aufhäufen der Worte des Lebens – darin, dass man durch den Lektionsplan nicht gebunden ist, sondern ihn als Grundgerüst verwendet und offen für Eingebungen ist.

Elder Holland: Es wäre nicht gut, vor die Klasse zu treten und zu sagen: „Ich bin nicht vorbereitet, aber der Geist wird uns schon führen.“ Andererseits, so sehr an der Vorbereitung zu kleben, dass wir keine andere Eingebung zulassen, die wir während des Unterrichts bekommen, wäre das andere Extrem.

Schwester Beck möchte uns wohl bewusst machen, dass beides irgendwie miteinander verbunden werden muss. Wir sollen vorbereitet, aber auch offen für den Geist sein, und wir haben die Freiheit, uns zu gegebener Zeit, wenn es so weit ist, dorthin zu begeben, wo wir hinsollen.

Elder Snow: Uns muss klar sein, dass unter Umständen jeder, der an unserem Unterricht teilnimmt, mit einer etwas anderen Eingebung des Geistes nach Hause geht. Deshalb ist es so ungemein wichtig, dass der Geist anwesend ist. Aber wie viele von uns haben schon erlebt, dass ein sehr gutes Gespräch im Gange war und der Lehrer sagte: „Das ist wirklich eine sehr gute Diskussion, aber ich muss die Lektion jetzt zu Ende bringen.“

Elder Holland: Ja, das haben wir alle schon einmal gehört.

Elder Snow: Und manchmal verpassen wir dadurch Gelegenheiten.

Elder Holland: In der Tat. Das sind Tatsachen, auf die wir uns einstellen müssen. Wir müssen für diese Eingebungen empfänglich sein, damit wir in dem Augenblick richtig handeln und die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Schwester Hughes: Wissen Sie, das war für mich schon immer sehr interessant und etwas verwirrend. Woran kann ein Lehrer erkennen, dass er mit dem Geist lehrt? Ich weiß es nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich immer davon überzeugt bin, wenn ich unterrichte.

Elder Holland: Hat jemand eine Antwort darauf? Was kann dem Lehrer die Gewissheit geben, dass er durch den Geist lehrt? Gibt es etwas, woran Sie das erkennen, oder handeln Sie einfach in dem Glauben und der Hoffnung, dass es so ist, auch wenn Sie es nicht immer wissen?

Elder Jensen: Ich habe dieselbe Frage. Und ich frage mich, ob die Antwort – zumindest für mich – nicht auch in Lehre und Bündnisse 50:21,22 steht:

„Wie kommt es also, dass ihr nicht verstehen und erkennen könnt, dass der, der das Wort durch den Geist der Wahrheit empfängt, es so empfängt, wie es durch den Geist der Wahrheit gepredigt wird?

Darum verstehen der, der predigt, und der, der empfängt, einander, und beide werden erbaut und freuen sich miteinander.“

Elder Holland: Vielleicht freuen Sie sich ein bisschen, Kathy – vielleicht ist das ein kleiner Hinweis, wenn sich Ihr Herz ein wenig freut.

Elder Jensen: Steht der Lehrer da vorn, redet und bestimmt ganz allein und ermuntert niemanden, mitzuarbeiten? Ich führe in meinen Schriften ein kleines Zitat zu diesem Vers mit, und heute, wo wir darüber gesprochen haben, habe ich es wohl neu schätzen gelernt. Elder Scott hat Folgendes in einer Schulungsversammlung des Bildungswesens der Kirche gesagt: „Sorgen Sie dafür, dass rege Beteiligung zustande kommt, denn wenn ein Schüler seine Handlungsfreiheit so ausübt, kann der Heilige Geist ihn direkt unterweisen. [Es] hilft … dem Schüler, Ihre Botschaft nicht zu vergessen. Wenn er Wahrheiten ausspricht, werden ihm diese in der Seele bestätigt. Sein Zeugnis wird dadurch gestärkt.“ (Richard G. Scott, Die Wahrheit verstehen und entsprechend leben, Ansprache vor Religionserziehern des Bildungswesens der Kirche am 4. Februar 2005.)

Elder Holland: Wunderbar. Das erinnert mich an einen Gedanken von Präsident Marion G. Romney, der einmal gesagt hat: „Dass meine Worte vom Geist beeinflusst waren, erkenne ich immer daran, dass ich etwas lerne, was ich noch nicht wusste.“ Er ist der Lehrer, und auf einmal sagt er etwas oder denkt er etwas, was ihm noch nie vorher in den Sinn gekommen ist – oder falls doch, wird es von neuer Freude und neuer Kraft begleitet. Das waren einige Beispiele dafür, wie man merken kann, dass man durch den Geist lehrt.

Oftmals merken wir es gar nicht. Wir tun alles, was wir können, und hoffen darauf, dass sich im Herzen der Leute aufgrund so eines Erlebnisses oder anderer Erlebnisse in der Kirche auf hundertfältige Weise etwas tut – aber vielleicht werden wir nie davon erfahren.

Vielleicht gehört es zu der gottgegebenen Berufung Lehrer, ein Werkzeug zu sein, voranzugehen und darauf zu vertrauen, dass man so geistig und engagiert gewesen ist, wie man nur konnte, und dann das Wunder, das wir persönliche Offenbarung nennen, immer und immer wieder geschehen zu lassen. Das ist doch ein Gedanke über das Lehren und die Tätigkeit als Lehrer, der einen sehr zufrieden stimmt.

Die Verantwortung für das Lernen

Vierter Punkt: „Dem Lernenden helfen, Verantwortung für das Lernen zu übernehmen.“

Was machen Sie, wenn Sie in eine neue Klasse kommen, und nicht viel los ist – wo jemand schon mit seiner Körpersprache sagt: „Von Ihnen lasse ich mir nichts beibringen. Ich werde auf diesem Stuhl zusammensacken, mit gesenktem Kopf dasitzen und auf meine Schuhe starren. Und wenn ich Sie anschaue, werde ich finster dreinblicken.“ Es mag nicht immer so schlimm sein, aber ich habe einige solche Klassen erlebt. Wir waren wahrscheinlich alle schon einmal in einer Situation, in der anscheinend niemand bereit war, zu lernen. Wie verhilft man jemandem dazu, dass er lernen will?

Schwester Beck: Manchmal bemühe ich mich, meine Fragen sorgfältig zu formulieren. Aber ich glaube, wir sind zu folgendem Schluss gekommen: Je mehr Fragen wir den Lernenden zu etwas entlocken können, umso mehr beteiligen sie sich am Lernprozess.

Ich musste gerade daran denken, dass in Joseph Smith, nachdem er eine Schriftstelle in Jakobus gelesen hatte, Fragen aufkamen und er sich fragte: Wie kann ich das wissen? Werde ich es überhaupt je erfahren? Wenn ich das nicht herausfinde, werde ich es niemals wissen. Er war also aufs Lernen eingestellt, als er Gott fragte. Für mich als Lehrerin ist das aber eine Herausforderung – nicht so sehr die Fragen, die ich stelle, sondern: Was muss geschehen, damit jemand anders Fragen stellt und der Heilige Geist ihn unterweisen kann?

Elder Holland: Eines meiner Lieblingsbücher in der Kirche, das von einem geschätzten, langjährigen Kollegen von mir an der BYU – Professor Dennis Rasmussen – geschrieben wurde, heißt The Lord’s Question („Die Frage des Herrn“). Es zeigt auf, dass der Herr immer mithilfe einer Frage lehrt. Schon in den Tagen Adams fragt der Herr: „Wo bist du?“ (Genesis 3:9.) Er weiß ganz genau, wo Adam ist. Er will nur wissen, ob auch Adam weiß, wo er steht. Aus diesem Grund stellt er die Frage: „Adam, wo bist du?“ Und so geht es weiter. „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lukas 2:49.) Das Leben des Erretters war dadurch geprägt, dass er etwas lehrte, indem er Fragen stellte. Viele der Offenbarungen – ich weiß nicht, wie viele; ich habe sie nicht gezählt –, aber viele, viele Offenbarungen im Buch Lehre und Bündnisse ergingen als Antwort auf eine Frage, die der Prophet oder die führenden Brüder dem Herrn vorgetragen hatten.

Schwester Matsumori: Ich habe mit diesem Thema ein wenig Mühe, was die Kinder betrifft. Auch schon, als Präsident Packer sagte, dass er lernen will. Ehrlich gesagt denke ich, dass man zu viel voraussetzt, wenn man erwartet, dass der Lernende die Verantwortung für das Lernen übernimmt, vor allem, wenn es sich um ein kleines Kind handelt. Wie soll eine PV-Lehrerin damit umgehen?

Elder Holland: Ein guter Punkt. Was tun Sie, wenn Sie vor diesem Problem stehen und nach wie vor der Lehrer sind? Diese Aufgabe liegt immer noch bei Ihnen. Übrigens steht dieser Punkt an vierter Stelle, weil uns klar ist, dass es sich um einen etwas ausgereifteren und fortgeschritteneren Gedanken handelt. Wahrscheinlich sprechen wir aber nicht genug darüber. Gehen wir also auf Schwester Matsumoris Frage ein. Ein Kind, ein Seminarschüler, der vierzehnjährige Lehrer oder das Rosenmädchen – manchmal sind sie nicht besonders interessiert oder sie tun zumindest so. Wahrscheinlich interessiert es sie doch mehr, als Sie mitbekommen sollen, aber sie verhalten sich nicht so, als seien sie interessiert. Wie geht man damit um? Wie helfen Sie ihnen?

Bruder Wada: Das Lernen findet manchmal nicht gleich im Unterricht statt. Manchmal geschieht es erst danach. Als ich die Kirche kennenlernte, sagten mir die Missionare etwas, und eine Woche später dachte ich daran und erkannte: Aha, das haben sie gemeint! Wir brauchen also nicht vorauszusetzen, dass sich das Lernen genau in dem Moment vollziehen muss.

Elder Holland: Ein hervorragender Gedanke. Ich bin sicher, dass der Geist des Herrn eine Woche oder so lange, wie es notwendig war, auf Sie eingewirkt hat.

Das ist bezeichnend für jemanden, der die Kirche untersucht. Wir wollen, dass der Geist, nachdem die Missionare gegangen sind und ehe sie für die nächste Lektion wiederkommen, stunden- und tagelang auf jemanden einwirkt.

Schwester Naomi Wada: Manchmal haben Kinder unzählige Fragen, und ich habe viele Beispiele oder Erlebnisse oder eine Menge Anschauungsmaterial vorbereitet, und ich kann nicht alles davon verwenden. Manchmal komme ich nur dazu, Fragen zu beantworten. Ist das in Ordnung? Ich habe versucht, die Lektion zu vereinfachen, indem ich mich auf wenigstens ein Thema konzentriere – Hauptsache, ich kann ihnen etwas vermitteln und sie fühlen sich wohl.

Elder Holland: Gut. Sie haben das besser ausgedrückt als ich anfangs: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Für PV-Kinder, vielleicht auch für alle Kinder oder sogar für uns alle, gilt: Wenn wir nur einen einzigen Gedanken oder Grundsatz, etwas Wahres und Bedeutsames vermitteln, was Bruder Wada eine Woche später noch bewegt, dann hat sich wohl jeder gute Unterricht gelohnt. Keine Sorge also – machen Sie so weiter!

Elder Kerr: Was sie gerade gesagt hat, hat mir die Augen geöffnet. Wann geht es im Unterricht spannender zu, als wenn die Kinder oder auch Erwachsene in der Klasse Fragen stellen?

Elder Holland: Wenn jemand darauf anspricht.

Elder Kerr: Wenn sich die Unterrichtsteilnehmer Gedanken machen.

Elder Holland: Was tun, wenn ein Schüler noch nicht mitarbeitet und die Last eine Weile auf Ihnen ruht?

Bruder Bruce Miller: Sollten wir die Lektion dann vorantreiben oder eine Pause machen und noch mehr dafür tun, dass der Geist zugegen sein kann, auch wenn wir schon ein Anfangslied, ein Gebet und einen Gedanken aus der heiligen Schrift hatten? Wenn der Geist dann immer noch nicht da ist, halten wir dann ein und fragen: Wie können wir den Geist zu uns holen?

Elder Holland: Möchte das jemand beantworten?

Elder Snow: Das braucht wohl etwas länger, das geschieht nicht gleich beim ersten Unterricht. Ich denke, manchmal muss man sein Bestes geben, und dann kommt der Zeitpunkt, wo es richtig gut läuft, wo der Geist zugegen ist und jeder im Unterricht mitmacht. Dann hält man ein und sagt: Merken Sie, was hier gerade vor sich geht? Erkennen Sie den Unterschied?

Elder Holland: Vorhin hat Schwester Hughes gefragt: „Woran erkennen wir, ob der Geist bei uns war?“ Das könnte gewissermaßen auch die Frage von Bruder Miller sein – wenn ich so eine Klasse vor mir habe, die überhaupt nicht reagiert, woher weiß ich, wie der Unterricht läuft? Letzten Endes steht dabei für die Klasse und für Sie die Frage im Mittelpunkt, was Sie empfinden. Können Sie spüren, dass der Herr mit Ihnen ist, dass er Sie lieb hat, dass Sie Ihr Allerbestes gegeben haben und dass er die Teilnehmer lieb hat? Wenn wir nur ein bisschen vom Evangelium spüren können, wenn wir einander einfach lieb haben – das sollte doch ein Anfang sein. Und wenn diese Kinder gar nicht reagieren, können Sie ihnen vielleicht noch nichts beibringen, aber Sie können sie lieb haben. Und wenn Sie sie heute lieb haben, können Sie sie vielleicht morgen schon belehren.

Das liegt meiner Ansicht nach ganz in unserer Gewalt. Nichts davon ist von den Schülern abhängig. Wir können Sie von Anfang bis Ende lieb haben, und Wunder werden geschehen – solche, wie Sie sie erwähnt haben.

Wenn ich, der Lehrer, Fragen von Ihnen, dem Schüler, erwarte, muss ich die Sache vielleicht ein bisschen in Gang bringen, so wie wir das heute versucht haben. Vielleicht stelle ich einfach eine Frage, die ein wenig Eigendynamik entwickelt – dann muss ich nur noch die Diskussion leiten, damit alle sich beteiligen.

An dieser Stelle möchte ich kurz unterbrechen und eine Anmerkung einfügen. Ein Lehrer könnte ja wissen, dass Bruder Merrill bei der Konferenz über ein bestimmtes Thema gesprochen hat, und sich sagen: Also gut, ich gehe zur Gemeindehausbibliothek und besorge mir das Video. Ich kann es vorführen, damit die Klasse Bruder Merrill sieht.

Wenn Sie so vorgehen – ausgezeichnet. Man sollte so etwas von Zeit zu Zeit tun. Audiovisuelle Hilfsmittel sind allerdings nichts weiter als eben das: Hilfsmittel. Sie sind kein Ersatz für ein Thema. Verwenden Sie sie so wie Gewürze beim Kochen – um zu würzen, zu betonen, zu verfeinern. Eine Landkarte oder ein Bild, ein Videofilm oder ein wichtiger Punkt, der an die Tafel geschrieben wurde, kann oft den Unterschied zwischen einer guten und einer großartigen Lektion ausmachen. Aber niemand mag ein Gericht, das nur aus Gewürzen besteht. Deshalb bitte ich einen jeden: Übertreiben Sie es nicht mit dem Anschauungsmaterial! Es ist kein Ersatz für den Lehrer, kein Ersatz für das Kursmaterial und kein Ersatz für den Geist des Herrn. Verwenden Sie es, wenn Sie es brauchen.

Schwester Wada: Ich habe in der PV ein Kind, das manchmal große Unruhe im Unterricht stiftet, und ich versuche, es mir vorzustellen, wie es weiße Kleidung trägt und ein Geist des Herrn ist. Letztendlich sind wir alle Kinder Gottes, und diese Intelligenz, auch wenn sie noch klein an Gestalt ist, ist auf diese Erde gekommen, um etwas zu lernen; es gibt einen Grund, weshalb sie hier ist. Es hilft wirklich, so zu denken.

Elder Holland: Danke sehr. Das ist ein schöner Gedanke.

Bruder Howell: Ich höre heraus: Der Lehrer ist manchmal der Lernende und der Lernende der Lehrer.

Elder Holland: Fast immer bekommt der Lehrer mehr als die Klasse. Das ist eine der Freuden am Unterrichten.

Zeugnis geben

Kommen wir zum Schluss. Punkt 5, zwei Wörter: Zeugnis geben.

Schließen wir hier so, wie es jeder Lehrer in seiner Klasse tun muss, sei es in der Kirche oder zu Hause – im Geist des Zeugnisses.

Seit Jahren mag ich die Geschichte, die Präsident Packer über den Sonntagsschullehrer aus der Jugend von William E. Berrett erzählt hat. Ein älterer dänischer Bruder wurde berufen, eine Klasse voller Lausbuben zu unterrichten. Das schien nicht recht zusammenzupassen. Er beherrschte die Sprache nicht sonderlich gut, er hatte immer noch einen starken dänischen Akzent, war wesentlich älter und hatte große Farmerhände. Dennoch sollte er diese wilden 15-Jährigen unterrichten. In jeder Hinsicht schien das gar nicht gut aufzugehen. Aber Bruder William E. Berrett hat immer gesagt – und das ist der Teil, den Präsident Packer zitiert –, dass dieser Mann sie irgendwie über alle Hindernisse hinweg belehrt hat, dass er über alle Grenzen hinweg das Herz dieser 15-jährigen Bengel erreicht und ihr Leben verändert hat. Bruder Berrett hat dieses Zeugnis gegeben: „Wir hätten unsere Hände am Feuer seines Glaubens wärmen können.“

Jeder Schüler verdient zumindest so viel. Wir geben vielleicht nicht die originellste Lektion. Wir sind vielleicht nicht besonders geschickt mit audiovisuellen Hilfsmitteln (obwohl wir jedes verwenden können, mit dem wir umgehen können). Aber wir können jedem Schüler das Feuer unseres Glaubens zeigen, und er kann seine Hände daran wärmen.

Es hat mich im Laufe der Jahre schmerzlich enttäuscht, wenn treue und begabte Lehrer am Ende einer wunderbaren Lektion zum Unterrichtsschluss beispielsweise sagen: „So, es klingelt. Bruder Jones, würden Sie bitte beten?“ Und das ist der Schlussstrich. Die Bücher werden nicht zugeklappt, da ist kein Blickkontakt für auch nur eine Minute, man kommt nicht zur Ruhe, um noch einmal zusammenzufassen, was besprochen wurde, was man damit anfangen soll und was man nach dem Willen des Herrn tun soll. Ich bin jetzt etwas ungerecht und übertreibe, aber nur, um es deutlich zu machen: In manchen Fällen kommt nicht einmal ein einziger Hinweis darauf, was die Lektion dem Schüler oder dem Lehrer eigentlich vermitteln sollte.

Da bleibt mir nur, fortzugehen und mich zu fragen, was der Lehrer wohl empfunden hat. Ich frage mich, was er darüber denkt und was ich dem allen wohl entnehmen sollte. Da wird so viel Mühe darauf verwandt, den Schülern eine Lehre, einen Grundsatz, eine Landkarte oder einen Film nahezubringen, und dann folgt nicht der Hauch eines persönlichen Zeugnisses davon, was diese Lehre, dieser Grundsatz dem Lehrer bedeuten – demjenigen, der uns doch führen, leiten und begleiten sollte.

Wie Präsident J. Reuben Clark Jr. einmal gesagt hat: „Sorgen Sie dafür, dass Ihr Glaube niemals schwer zu entdecken ist.“ Darf ich das wiederholen? „Sorgen Sie dafür, dass Ihr Glaube niemals schwer zu entdecken ist.“ Säen Sie niemals Zweifel. Vermeiden Sie Effekthascherei und Eitelkeiten. Versuchen Sie nicht, alle damit zu beeindrucken, wie brillant Sie sind. Beeindrucken Sie sie damit, wie brillant das Evangelium ist. Machen Sie sich keine Sorgen darum, wo die verlorenen Stämme oder die drei Nephiten sind. Sorgen Sie sich lieber ein wenig mehr darum, wo Ihr Schüler steht, was in seinem Herzen und in seiner Seele vorgeht und wonach unsere Mitglieder verlangen, die manchmal Geistiges ganz verzweifelt brauchen. Lehren Sie sie. Und vor allem: Geben Sie Ihnen Zeugnis! Haben Sie sie lieb. Geben Sie aus tiefster Seele Zeugnis. Das wird das Allerwichtigste sein, was Sie ihnen in der gesamten Stunde sagen, und es rettet jemandem vielleicht geistig das Leben.

Sagen Sie, dass Sie mit der Kraft Ihrer Seele sprechen (siehe Alma 5:43). Dieser Satz bedeutet mir viel. Ich möchte mit der Kraft meiner Seele Zeugnis geben. Wenn wir uns dazu gedrängt fühlen, könnten wir unseren Zuhörern die Frage stellen, die Alma an seine richtete, nämlich: „Meint ihr denn nicht, ich wisse dies alles selbst?“ Er fährt fort: „Ich bezeuge euch, ich weiß, dass das, wovon ich gesprochen habe, wahr ist. … Ich sage euch: Ich weiß für mich selbst, dass [es] wahr ist.“ (Alma 5:45,48.)

Ich weiß, dass Gott lebt und uns liebt. Ich weiß, dass Jesus der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes, der Erretter und Erlöser der Welt. Ich weiß, dass dies seine Kirche ist, und ich weiß, dass das Lehren wichtig ist.

Daher weiß ich, dass der Himmel uns zur Seite stehen wird, wenn wir so lehren, wie wir es hier beschrieben haben. Und dabei wird es nicht bleiben, das ist nur der Anfang. Trachten wir nach der Gabe des Lehrens! Wenn wir nach dieser Gabe trachten und darum beten, wenn wir bitten und suchen und geistig anklopfen, wenn wir anhand der heiligen Schriften lehren, wenn wir durch den Heiligen Geist und mit ihm lehren, wenn wir dem Lernenden helfen, Verantwortung für das Lernen zu übernehmen, und wenn wir Zeugnis geben, dass das, was wir gelehrt haben, wahr ist, dann wird Gott uns und den Schülern die Botschaft des Evangeliums Jesu Christi im Herzen bestätigen.

Brüder und Schwestern, nah und fern, gleich nebenan und in aller Welt: Das Evangelium Jesu Christi bedeutet mir alles. Es bedeutet mir alles, es macht mein Leben aus. Es ist meine Hoffnung, es gibt mir Sicherheit, und in ihm suche ich mein Heil. Es ist all das, was ich für meine Kinder und Kindeskinder möchte.

Ich empfinde Ihretwegen so für das Evangelium, weil Menschen wie Sie mich unterwiesen haben. Irgendwo in einer kleinen PV-Klasse oder bei einem ersten Familienabend, im Diakonskollegium, auf Mission oder wo auch immer hat jemand wie Sie jemanden wie mich unterrichtet. Und ich bin noch nicht ganz so, wie ich einmal sein möchte. Ich bin noch nicht ganz so, wie ich sein sollte; aber alles, was ich einmal sein werde, verdanke ich großartigen Lehrern, angefangen bei meinen lieben Eltern und jedem anderen guten Menschen, der mein Leben unterwegs beeinflusst hat, bis hin zu den großartigen Ratsgremien und Kollegien, denen ich nun angehöre, wo ich von der Ersten Präsidentschaft, dem Kollegium der Zwölf Apostel, weiteren Generalautoritäten und wunderbaren Führern von Hilfsorganisationen, wie Sie alle es sind, belehrt werden kann.

Ich gebe Zeugnis von der Liebe. Ich weiß, dass Gott uns liebt. Ich weiß das zum Teil deshalb, weil ich Sie lieb habe. Ich unterrichte von Herzen gern. Ich bete darum, dass wir uns darin verbessern mögen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

  • Wählen Sie aus Elder Hollands Unterricht einige Anregungen aus, die Sie als Lernender oder als Lehrer umsetzen können.

  • In dem Unterrichtsgespräch wurden fünf Grundsätze erarbeitet. Machen Sie sich Gedanken darüber und erstellen Sie anschließend ein Konzept, wie Sie diese Grundsätze jemand anders vermitteln würden.

  • Was hat Elder Holland im Zusammenhang mit dem Lernen und Lehren nicht nur besprochen, sondern auch demonstriert?

„Als ich dem Zweig Colonia Suiza in Uruguay angehörte, war meine erste Berufung PV-Leiterin. Damals war ich 13 Jahre alt. Ich war die Leiterin und gleichzeitig auch die Lehrerin. Ich weiß noch, dass ich eingesetzt wurde und dass man mir einen Leitfaden gab. Mein Auftrag war, den Kindern die Lektionen zu geben und sie das Evangelium zu lehren. Als ich den Leitfaden aufschlug, hatte ich keine Ahnung, was ich tun soll oder wie man einen Unterricht gestaltet. Also betete ich. Ich sagte: ‚Vater im Himmel, ich muss den Kindern nächsten Samstag die Lektion geben. Wirst du mir helfen?‘ Da nahm der Geist auf mich Einfluss, und weil er mich schulte, lernte ich, wie man unterrichtet.“

Schwester Delia Rochon

„Einen Sonntagmorgen werde ich nie vergessen. Wir waren in Athi River in Kenia. In der Abendmahlsversammlung stand ein Junge auf und hielt eine Ansprache, bei der er nichts außer den heiligen Schriften verwendete. Es war beeindruckend. Er kann höchstens 15 Jahre alt gewesen sein, nicht älter. Ich hatte die ganze Zeit ein Lächeln auf dem Gesicht und sagte mir: Meine Güte, ich wünschte, jeder von uns könnte hören, wie dieser Junge Zeugnis gibt und von Christus redet und von Christus predigt.“

Schwester Kathleen H. Hughes

„Einmal saß ich mit einer sechs Jahre alten Enkelin von mir zusammen. Sie sagte: ‚Ich möchte lernen, wie ich die heiligen Schriften studieren kann.‘ Ich dachte: Sie ist doch erst sechs. Kann sie wirklich etwas aus den Schriften für sich entnehmen, was ihr etwas bedeutet? Ich sagte: ‚Schlagen wir 1 Nephi, Kapitel 1 auf. Wenn du etwas liest, was du verstehst oder was dir etwas bedeutet, kannst du es unterstreichen. Wenn du etwas dazu sagen möchtest, kannst du es aufschreiben.‘ Und so begannen wir mit diesem Vers: ‚Ich, Nephi, stamme von guten Eltern.‘ (1 Nephi 1:1.) Da hielt sie inne und sagte: ‚Ich habe gute Eltern.‘ Sie verstand es von der ersten Zeile an! Sie markierte Schriftstellen und sagte: ‚Ich werde das Buch Mormon noch vor meiner Taufe durchlesen.‘ ‚An manchen Tagen‘, so sagte sie, ‚verstehe ich überhaupt nichts.‘ Doch als sie den ersten Vers im Buch Mormon las, als sie es zum ersten Mal probierte, war das für sie eine prägende Erfahrung.“

Schwester Julie B. Beck

„Wenn man unterrichtet, versucht man manchmal mit dem Geist zu arbeiten, mit dem Geist zu lehren, die heiligen Schriften zu verwenden. Aufgrund meiner Erfahrung habe ich aber den Eindruck, dass der Geist selbst derjenige ist, der die Verbindung herstellt zwischen dem, was man lehrt, und dem, was der Schüler braucht. Aus diesem Grund kommt es manchmal vor, dass ein Schüler zu mir kommt und sagt: ‚Danke, dass Sie dieses oder jenes gesagt haben‘, und ich denke mir: Habe ich das gesagt? Wann? Ich frage mich dann, ob der Betreffende in Wirklichkeit die Stimme des Herrn gehört hat, und ob nicht alles, was ich getan habe, war, mithilfe der heiligen Schriften und durch den Geist die Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen der Lernende die Botschaft empfangen konnte, die er brauchte.“

Schwester Delia Rochon

„Die größte Sicherheit haben wir letztlich dann, wenn uns der Herr wahrhaftig etwas eingibt – wenn er uns eingibt, dass wir sein Werkzeug sind, dass es seine Klasse ist, seine Kirche, sein Volk. Wenn das geschieht, handeln Sie entsprechend! Allgemein gesagt: Der Lehrplan ist unser Grundgerüst; er gibt uns während der Monate des Jahres die Richtung vor, in die wir gehen sollen. Wenn wir aber nicht jederzeit bereit sind, etwas Besonderes, was wir vorbereitet haben, beiseitezulegen, um das zu tun, was uns der Herr eingibt, sind wir nicht der Lehrer, den der Herr in seiner Hand haben möchte. Wir müssen sagen: Das ist der richtige Moment! Jetzt kann ich etwas vermitteln.

Eltern kommen ständig in diese Situation. Sie müssen die Gelegenheit, etwas zu vermitteln, beim Schopfe packen, sonst ergibt sie sich womöglich nie wieder. Wir müssen uns vorbereiten, so gut wir können, und dann darauf vertrauen, dass der Herr uns in einer bestimmten Klasse ungeahnte Möglichkeiten auftun wird. Wir müssen darauf eingestellt sein, dorthin zu gehen, wo er uns hinführt.“

Elder Jeffrey R. Holland

„Ich habe ein großartiges Beispiel gesehen, als ich zwei Missionare begleitete. Sie gaben die fünfte Lektion. Der eine Missionar war Deutscher. Er beherrschte die Sprache und war bereits seit einigen Monaten auf Mission. Der andere war relativ neu und hatte die fünfte Lektion noch nie gegeben.

Ich beobachtete die beiden. Der eine war sehr selbstsicher; er war ein guter Missionar. Er lehrte selbstbewusst. Der andere musste sich ein bisschen enger an seinen Lektionsplan halten, doch wissen Sie: Als ich da saß und den beiden zuschaute, merkte ich, dass der Geist beiden zur Seite stand. Das zeigt: Sofern man seinen Teil getan hat, kann der Geist – wo man auch ist – zugegen sein, auch wenn man Lehrer hat, die sich auf unterschiedlichem Niveau bewegen. Das war herrlich.“

Bruder Charles W. Dahlquist II

„Ich glaube, ich behaupte nicht zu viel, wenn ich sage, dass man gescheitert ist, wenn nach 40 Unterrichtsminuten ein Schüler das Klassenzimmer verlässt und sagt: ‚War das nicht schön?‘ Wenn es vorbei ist, sobald der Schüler das Zimmer verlässt, haben wir, so meine ich, den eigentlichen Zweck, den dauerhaften Sinn des Lehrens verfehlt. Unser Unterricht muss so anregend, in geistiger Hinsicht so labend, so neuartig und so interessant sein, dass die Schüler sich sagen: ‚Das war so beeindruckend, dass ich noch heute Nachmittag, morgen, die nächste Woche und den ganzen nächsten Monat darüber nachdenken werde.‘ Auf diese Weise entwickelt unser Unterricht Eigendynamik und stößt neue Gedanken an.

Es liegt eine große Gefahr in Unterrichtsvorbereitungen, die derart in sich geschlossen oder brillant zu sein scheinen, dass die Schüler sich 45 Minuten lang unterhalten lassen und dann sagen: ‚Junge, ich kann es kaum erwarten, hier kommende Woche wieder unterhalten zu werden‘, dann aber während der Woche oder im Laufe des Monats keinen Gedanken mehr daran verschwenden, was eigentlich die Lehre ausmacht, die ihnen vermittelt worden ist.“

Elder Jeffrey R. Holland

„Haben Sie Geduld, und vor allem: Verlieren Sie nicht den Geist! Wir dürfen auf keinen Fall Anstoß nehmen, zornig werden oder enttäuscht sein, weil wir so fleißig an unserer Lektion gefeilt haben, die Unterrichtsteilnehmer aber keinerlei Interesse zu haben scheinen. Wir müssen einfach Geduld haben und Liebe zeigen. Im Herzen der Unterrichtsteilnehmer tut sich mehr, als wir denken.“

Elder Jeffrey R. Holland

„Ich habe am Seminar am frühen Morgen teilgenommen. Ich glaube, mein Seminarlehrer fühlte sich für unsere Unterweisung wirklich verantwortlich. Er ging davon aus, dass die Botschaft, die er uns sandte, bei uns ankam. Manchmal kamen wir im Schlafanzug zum Seminar, manchmal brachten einige von uns Kissen und Decke mit, manchmal lackierten sich Mädchen die Fingernägel, während sie ihm zuhörten, doch wir waren mit einem Seminarlehrer gesegnet, der davon ausging, dass wir ihm zuhören. Wir führten keine langen Gespräche mit ihm, aber im Seminar verging kein Tag, an dem ich nicht aufmerksam war und mit Ohr und Herz zuhörte, was er sagte.

Ich denke, wenn wir alles Nötige – unseren Teil – getan haben und wenn der Geist zugegen ist, können wir davon ausgehen, dass die Schüler die Verantwortung übernehmen, zuzuhören.“

Schwester Tamu Smith

Die Gabe des Lehrens

  1. 1.

    In geistiger Hinsicht bitten, suchen und anklopfen.

  2. 2.

    Anhand der heiligen Schriften lehren.

  3. 3.

    Durch und mit dem Geist lehren.

  4. 4.

    Dem Lernenden helfen, Verantwortung für das Lernen zu übernehmen.

  5. 5.

    Zeugnis geben.