Sing dein Lieblingslied
    Fußnoten

    Sing dein Lieblingslied

    Angela Olsen Center, Ohio, USA

    Illustrationen von Bradley H. Clark

    Unsere Tochter Rebekah war gerade zur Welt gekommen. Es war keine leichte Geburt gewesen, und ich war völlig erschöpft.

    Als man mir Rebekah in die Arme legte, hatte ich das eindringliche Gefühl, ich solle mein Lieblingslied singen: „Ich bin ein Kind von Gott“ (Gesangbuch, Nr. 202). Meine erste Reaktion war: Nein, ich bin zu müde. Ich singe es ihr später vor. Der Gedanke kam aber sofort wieder. Also stimmte ich, erschöpft wie ich war, die erste Strophe an. Mein Mann und meine Mutter stimmten mit ein.

    Als das Lied zu Ende war, herrschte eine besondere Stimmung. Selbst der Ärztin, die bis dahin eher sachlich und distanziert gewesen war, liefen Tränen über das Gesicht. Sie dankte uns für das bewegende Lied. Sie sagte, sie leiste ja schon viele Jahre Geburtshilfe, aber so etwas wie jetzt habe sie noch nie empfunden.

    Ihre Worte machten mich nachdenklich, und ich überlegte, ob ich ihr nicht eine Aufnahme des Liedes besorgen solle. Leider hatte mich der Alltag schnell wieder, und ich vergaß es.

    Dann war es Zeit für die Folgeuntersuchung. Als die Ärztin das Zimmer betrat, erhellte sich ihr Gesicht, und sie umarmte mich. Sie sagte, das Lied sei ihr immerzu durch den Kopf gegangen. Sie hatte sogar versucht, es im Internet zu finden, weil sie es ihrer Familie vorsingen wollte. Da erinnerte mich der Heilige Geist daran, dass ich ihr eine Aufnahme des Liedes hätte besorgen sollen. Ich versprach, ihr das Lied innerhalb einer Woche vorbeizubringen.

    Am Abend betete ich um Hilfe, das Arrangement zu finden, das für sie am besten war. Am nächsten Nachmittag bestellte ich eine CD mit dem Lied. Als die CD einige Tage später mit der Post ankam, konnte ich es kaum erwarten, sie ihr zu bringen.

    Die Ärztin freute sich sehr und dankte mir für das Geschenk. Sie sagte noch einmal, dass es ihr wichtig sei, ihrer Familie das Lied vorzuspielen, sie wisse allerdings nicht genau, warum. Wir unterhielten uns noch ein Weilchen. Ich erklärte ihr, was mir das Lied bedeutet, und gab Zeugnis von seiner elementaren Botschaft.

    Als ich wieder nach Hause fuhr, konnte ich spüren, wie sehr der Vater im Himmel diese seine Tochter – meine Ärztin – liebt. Er kennt sie und liebt sie, und er möchte, dass auch sie den Weg findet und zu ihm zurückkehrt.