Die Macht des Glaubens
    Fußnoten

    Wir sprechen von Christus

    Die Macht des Glaubens

    Die Verfasserin lebt in Oregon in den USA.

    Würde der Vater im Himmel uns von unseren Schwierigkeiten befreien, nur weil wir ihn darum bitten, würde er uns genau die Erfahrungen nehmen, die für unsere Errettung notwendig sind.

    Im ersten Jahr am College bekam ich bei einer Prüfung Nackenschmerzen. Nach der Prüfung ließ die Anspannung nach, doch die Schmerzen blieben. Ich zog Ärzte und Physiotherapeuten zurate und probierte verschiedene Behandlungsmethoden aus, aber die Schmerzen hörten nicht auf. Im Laufe des folgenden Jahres versuchte ich, mit den Schmerzen klarzukommen, strengte mich aber auch an, mehr Glauben zu entwickeln. Ich verbrachte viel Zeit mit Beten, forschte in den Schriften und bat um Priestertumssegen. Ich meinte, wenn ich nur genügend Glauben hätte, würde ich geheilt.

    Schließlich hat Jesus Christus die Kranken, die Blinden, die Gelähmten und die Aussätzigen geheilt – gemäß ihrem Glauben (siehe Matthäus 9:29). Ich wusste, dass er die Macht hat, mich genau wie so viele andere zu heilen, die er während seines irdischen Lebens geheilt hat. Deshalb kam ich zu dem Schluss, dass nur mein mangelnder Glaube eine Heilung verhinderte. Also verdoppelte ich meine Anstrengungen. Ich machte weiter Krankengymnastik, und ich betete und fastete, las in den Schriften und übte Glauben. Doch die Schmerzen ließen nicht nach.

    In den Schriften heißt es, dass wir mit Glauben Wunder wirken können (siehe Matthäus 17:20), aber ich wurde nicht einmal von diesem kleinen Leiden befreit. Hatte mein Glaube denn keine Kraft? Schließlich nahm ich meine Beschwerden einfach an, lernte, damit umzugehen, und gab mich damit zufrieden, den Zusammenhang von Glaube und Heilung irgendwann in der Zukunft voll und ganz zu verstehen.

    Jahre später unterhielt ich mich mit einer Freundin, die während ihrer ersten Schwangerschaft an schrecklicher Übelkeit gelitten hatte und deshalb mehrmals im Krankenhaus gewesen war. Erin wollte gern ein zweites Kind, hatte aber furchtbar Angst davor, dass es ihr so elend gehen würde wie in der ersten Schwangerschaft. Sie sagte mir, sie habe gefastet und gebetet und sei fest davon überzeugt, dass der Vater im Himmel nicht von ihr erwarte, dies ein zweites Mal zu durchleiden.

    Während unseres Gesprächs musste ich an die Schriftstelle denken: „Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46:11.) Ich dachte an meine eigene Erfahrung – wie ich lernen musste, in meinem Leiden Vertrauen zu entwickeln, und ich legte Erin ans Herz, weiterhin Glauben zu haben, ihren Glauben jedoch nicht davon abhängig zu machen, ob sie in der Schwangerschaft an Übelkeit litt oder nicht.

    Ich befasste mich weiterhin mit dem Thema und las unter anderem Almas Predigt über den Glauben. Er erklärt: „Wenn ihr … Glauben habt, so hofft ihr auf etwas, was man nicht sieht, was aber wahr ist.“ (Alma 32:21.)

    Als ich eingehend über diese Schriftstelle nachdachte, wurde mir klar, dass Glaube nicht das ist, was ich mir darunter vorgestellt hatte. Alma zufolge ist Glaube Hoffnung, die auf wahre Grundsätze baut. Glauben zu haben bedeutet nicht, dass man überzeugt ist, dass der Vater im Himmel uns das gibt, worum wir ihn bitten, und zwar dann, wenn wir ihn darum bitten. Daran zu glauben, dass Christus meinen Nacken heilt oder dass Erin ihre Schwangerschaft frei von Übelkeit erleben darf, ist kein Glaube an wahre Grundsätze. Doch es ist gut, daran zu glauben, dass Christus tatsächlich die Macht hat zu heilen, dass er auf uns achtet und uns Kraft gibt und dass wir uns, wenn wir gut ausharren, für das ewige Leben bereitmachen.

    Der Herr hat verheißen: „Was auch immer ihr voll Glauben und im Vertrauen darauf, dass ihr empfangen werdet, im Namen Christi erbittet, das werdet ihr empfangen.“ (Enos 1:15.) Das Entscheidende an dieser Verheißung ist wohl die Weisung, „im Namen Christi“ zu glauben. Im Bible Dictionary heißt es zum Thema Beten: „Wir beten im Namen Christi, wenn unser Sinn mit seinem Sinn und unsere Wünsche mit seinen Wünschen in Einklang sind – wenn seine Worte in uns bleiben (siehe Johannes 15:7). Dann bitten wir um das, was Gott uns auch gewähren kann. Einige Gebete werden nicht erhört, weil sie keineswegs im Namen Christi gesprochen werden, in keiner Weise seinem Willen entsprechen, sondern der Selbstsucht des menschlichen Herzens entspringen.“

    Wenn wir voll Glauben um etwas bitten, was im Einklang mit dem Willen Gottes ist, gewährt er es uns gemäß unserem Wunsch. Der Vater im Himmel kennt uns, liebt uns und möchte, dass wir alles Notwendige erhalten, was uns die Rückkehr in seine Gegenwart ermöglicht. Mitunter schließt dies Prüfungen, Beunruhigungen und Schwierigkeiten mit ein (siehe 1 Petrus 1:7). Würde der Vater im Himmel uns von unseren Schwierigkeiten befreien, nur weil wir ihn darum bitten, würde er uns genau die Erfahrungen nehmen, die für unsere Errettung notwendig sind. Wir müssen lernen, auf Gottes Plan für uns zu vertrauen und unseren Willen dem seinen zu fügen. Wenn wir unsere Wünsche seinen Wünschen angleichen und uns eingestehen, dass wir in allem auf ihn angewiesen sind, machen wir uns allmählich bereit, das Ziel des Glaubens zu erreichen, nämlich unser Heil (siehe 1 Petrus 1:9).